Weihnachtsbrief 2020

Weihnachtsbrief 2020

Ein verrücktes, unglaublich intensives Jahr neigt sich dem Ende zu. Aber der Verursacher vieler Sorgen und bedauerlicherweise auch Streitereien – dieses kleine Virus – ist leider nicht mit dem Jahr am Ende seiner Aktivitäten. Es bleibt herausfordernd und ich wünsche uns allen darin vor allem viel zwischenmenschliche Liebe und Zuversicht.

Trotzdem wir unsere geplante Pilgerwanderung auf dem deutschen Jakobsweg und die USA/Kanadareise nicht antreten konnten, lagen in diesem Jahr ein paar Ferienwochen drin: zuerst im Februar zusammen mit Tobias, und erstmals mit seiner Freundin Sarina und ihren Eltern in Bezau, Österreich, wo wir tolle Ski- und Snowboardferien genossen. Zwischen dem 13. bis 27. Juni verbrachten Andy und ich wunderschöne Wanderferien auf einem Maiensäss im Bünderland und zwischen dem 26. September bis 10. Oktober lagen sogar Camperferien in der Schweiz, Südtirol und der deutschen Alpenstrasse drin. Wir sind dankbar für diese Erlebnisse und nehmen sie nicht als selbstverständlich, hat uns doch Andy nach drei Jahren mit gesunden Blutwerten, wieder von etwas kritischeren Werten berichten müssen. Sie sind noch nicht therapiebedürftig, müssen aber beobachtet werden und bereiten mir schon etwas Sorgen…

Am 1. März verfasste ich dieses Gedicht:

Corona – die Krone (ital. u. poln.)

Made in China, über Italien, wandert Corona, die Krone um die Welt.
Da ist nichts, das diesen Virus hält.

Der Mensch, Krone der Schöpfung genannt,
wurde überrannt und verliert jeden Halt.

Hat die Krone der Schöpfung gern alles im Griff,
sagt sie nun «hust und sniff».

Sie hasten nach Masken, hamstern Konserven und Reis.
Ganz egal ist mittlerweile der Preis.

Kopflos rennen sie zu Notaufnahmen und Angst breitet sich aus.
Was für ein Irrenhaus!

Auf Psalm 91 stützend, sagen Christen, kann Corona uns nichts anhaben,
dass auch wir Krankheit erleben, wollen sie nicht wahrhaben.

Denn auch für Gottes Kinder gibt’s eine Nacht,
nur ist da Einer, der über alle wacht.

Er ist mitten in der Dunkelheit das Licht.
Das ist anders, als wenn ich sage: das Dunkel gibt es nicht.

Nicht dass es nie stürmt in meinem Leben, ist verheissen,
aber die Flut wird mich nicht fortreissen.

Da ist EINER mitten im Sturm, der vermag zu tragen.
Das ist der Grund, nicht zu verzagen.

Auch ein Christ kennt blutige Knie,
denn dass ich nicht falle, das verspricht er nie.

Aber er tröstet, gibt Kraft zum weitergehen.
Du darfst sichergehen, du wirst nicht verlorengehen.

Nicht dass wir nie sterben, ist uns verheissen,
aber aufzuerstehen, denn Er wird den Tod zerreissen.

Auch du wirst immer wieder fallen und deine Krone im Dreck verlieren.
Gott gibt sie dir wieder, ermutigt und stärkt, das sollst du dir notieren.

Schicksalsschläge und Viren haben nicht das letzte Wort.
Unser Gott ist ein sicherer Zufluchtsort.

Regula Aeppli-Fankhauser, Beckenried/Schweiz

Meine Mutter wurde am 28. März 90 Jahre alt. Leider konnten wir damals coronabedingt nicht im Familienkreis feiern. Dies tat mir so leid, dass ich auf Twitter und Facebook die Bitte äusserte, mir zuhanden meiner Mutter Kinderzeichnungen und Kärtchen zu schicken. An die 40 Menschen folgten erstaunlicherweise diesem Aufruf. Darunter war sogar Abt Martin Wehrlen und die jüngste Ordensschwester des Klosters Stans. Unsere Familie brachte all diese Liebesgaben vor die Haustüre der Jubilarin. Unvergessen bleibt mir ihr überraschter, freudiger Ausdruck, als sie aus dem Küchenfenster auf uns hinunterblickte und zuhörte, wie wir ihr Happy Birthday sangen. Sie staunte über unsere Erklärung, woher die vielen Geschenke stammten. Noch heute kann sie es kaum fassen, zeigt mir hie und da einen Brief, einen angemalten Stein, einen Scherenschnitt oder anderes. Social Media ist ihr fremd, aber dennoch an ihrem Ehrentag nah gekommen.

Im Juni zügelte meine Mutter in eine Alterswohnung in Emmen und verkaufte schweren Herzens das 100-jährige Elternhaus meines Vaters. Im Oktober zog auch meine Schwester ins selbe Haus wie meine Mutter, in eine eigene Alterswohnung.

Andys Mutter zog in diesem Jahr in die Demenzabteilung an der Nägeligasse in Stans um. Sie hat ihr humorvolles und zufriedenes Wesen behalten und ist auf der Abteilung beliebt. Glücklicherweise ist es uns trotz Corona möglich, so oft wir möchten, lange Spaziergänge mit ihr zusammen zu unternehmen.

Wir hätten dieses Jahr Grund gehabt für noch mehr Familienfeiern, welche dann allesamt coronabedingt nicht stattfanden. Doch in kleinerem Rahmen stiessen wir an, auf den erfolgreichen Lehrabschluss von Tobias als Elektroinstallateur EFZ. Eine neue Stelle bei Maréchaux Stans, fand er glücklicherweise sehr schnell. Seine Freundin Sarina hat mit dem Bachelor of Science in der Pflege abgeschlossen. Und Petra, unsere mittlere Tochter mit dem Bachelor Ergotherapie. Beide haben ihre ersten Stellen nach dem Studium gefunden.

Auf meinen Geburtstag erfüllte ich mir selber einen Lebenstraum und gab ein Kinderbüchlein mit 5 Kurzgeschichten aus Nidwalden heraus. Leider fiel meine erste Lesung ins Wasser, weil wir uns in Quarantäne befanden. Doch meine lieben Schweizer Schreibfrauengspänli organisierten einen Samichlaus, der an meiner Stelle zwei meiner Geschichten vorlas. Das Büchlein findet bereits erstaunlich grossen Absatz. Man kann es übrigens bei mir für Fr. 8.50 plus Porto beziehen oder in der Buchhandlung von Matt Stans für Fr. 10.50. Ihr könnt es aber auch bei jedem Buchhandel bestellen und es ist zudem als E-Book erhältlich.

Nun wünschen Andy und ich uns allen gerade in diesen stürmischen Zeiten einen festen Anker. Wir feiern die Menschwerdung Gottes. Er ist uns nah. Gott-mit-uns. Mir kam in den letzten Tagen oft das Lied „Make Room“ in den Sinn und ich sang es viel und von Herzen.

Vonnand sölled mier üs dischtanziere

Jetz chömmer deför omso meh Gottes Nöchi fiere.

Er ladet dich ii, ihn z’sueche,

dass isch besser, als öber behördlechi Massnahme z’flueche.

I de Herberge het’s ke Platz gä,

das het är schon längschtens vergä.

Hed är aber i dim Härz e Platz,

de hesch gfonde de gröschti Schatz!

Denn niemer andersch cha dir so nöch sy

Ond sini Liäbi goht nie verby.
Regula Aeppli

Liebe weihnachtliche und hoffnungsvolle Grüessli

Familie Aeppli-Fankhauser

Mein Geburtstagsgeschenk an mich

Auf meinen heutigen Geburtstag (28.10.20) erfülle ich mir selbst einen Herzenswunsch, einen Lebenstraum: ich habe 5 meiner Kindergeschichten veröffentlicht. Sie sind ab heute zum Preis von CHF 7.50 bei mir persönlich erhältlich, plus Porto, im Buchhandel für CHF 10.50 oder Euro 6.99.

Geheimnisvolles Nidwaldnerland –

Mysterious Nidwaldnerland

Auch als E-Book ist es erhältlich. Die ersten 14 Tage zum Sonderpreis von Euro 2.99, nachher Euro 3.99

Wie es der Titel bereits erahnen lässt, sind meine Geschichten zweisprachig. Auf der linken Seite Deutsch und auf der rechten Englisch.

Handlungsort und Sprache

Meine fünf Kurzgeschichten für Kinder handeln im Kanton Nidwalden. Ich lasse darin die Eigenart der Innerschweiz und seine Traditionen lebendig werden. Michaela O’Connor, eine Freundin, hat die hochdeutschen Texte ins Englische übertragen.

Inhalt meiner Geschichten

Die Dinosauriergeschichte spielt im Sommer und beinhaltet den Fakt, dass bei der erwähnten Felswand in Beckenried tatsächlich mehrere Dinosaurierspuren zu sehen sind.

Das grösste Schweizer Geldstück, der Fünfliber, spielt eine wichtige Rolle für das Kindergartenkind in meiner Wintergeschichte.

Was ist ein Butzi? Es handelt sich um einen wilden Mann, der jeden Herbst in Nidwalden zum Leben erweckt wird und den ihr dann leibhaftig treffen könnt, so wie Nena aus meiner Geschichte.

Dass der Samichlais (Sankt Nikolaus) in manchen Nidwaldner Ortschaften jeden Haushalt ohne Voranmeldung besucht, ist weltweit einzigartig.

Zum jährlichen Weihnachtsmarkt in Stans, gehört die «lebendige Krippe». Die Krippenszene wird durch Erwachsene, Kinder und sogar Tiere dargestellt. Dabei erlebt ein junger Krippendarsteller, dass für ihn die Krippe auf eine aussergewöhnliche Art noch lebendiger wird.

Kinderbuch mit Fotos

Für diese Kinder-Geschichten habe ich die passenden Fotos selber geknipst. Ich kann mir mein Werk zum Vorlesen, als erstes Lesebuch und als Lehrmittel im Fremdsprachenunterricht vorstellen. Besonders interessant ist, dass die Originalschauplätze auch besichtigt werden können. Wie schön, wenn Familien zum Beispiel die Dinosaurierwand in Beckenried aufsuchen und zusammen die Geschichte «Die geheimnisvolle Türe ins Dinosaurierland» lesen würden.

Nidwalden Tourismus unterstützt mich sehr. Danke. (Klickmich) And in Englisch: (clickme)

Soziale Nähe trotz social distancing

Sie wurde im selben Jahr wie Neil Armstrong geboren. Für Menschen mit diesem Jahrgang ist 2020 ein rundes Jubiläumjahr, denn sie kamen vor 90 Jahren zur Welt!

Meine Mutter stellte traurig fest: „Coronabedingt darf es kein Familienfest zu meinem 90. Geburtstag geben.“ Doch ihr Ehrentag sollte trotzdem ein unvergesslicher werden – das war mein Vorsatz.

World Wide Web – weltweites Netzwerk verbindet

Und so kam es, dass ich auf Facebook und Twitter die Enttäuschung meiner betagten Mutter teilte. Weil ich wusste, wie sehr sie Kinderzeichnungen und Briefe liebt, rief ich dazu auf, ihr solches zum Geburtstag zu schenken. Ich gab jedem Interessierten per privater Nachricht meine Adresse bekannt und harrte gespannt der Dinge, welche der Pöstler (Postbote) tatsächlich bereits ein paar Tage nach dem Aufruf brachte. Gern hätte ich gewusst, was ihm durch den Kopf ging, weil er uns während ein paar Wochen täglich Briefe und gar Pakete bringen musste. Vielleicht vermutete er, dass wir einen wichtigen Job in der Corona Taskforce oder im Gesundheitsbereich hätten.

Blumen, Kinderbasteleien, schön gestaltete Briefe mit wunderbar liebevollen Worten, Schoggi, Blumen, gar Wein, erreichten uns. Eine Mutter schrieb zu einer Kinderzeichnung, dass ihr Kind nicht gerne zeichne, aber für diese alte Großmutter, welche sonst ihren Geburtstag ganz alleine verbringen müsse, sei sie mit Eifer an der Zeichnung gesessen. Vom Kloster Stans erhielt sie eine Karte, von allen Kapuzinerinnen unterschrieben und dabei lag die CD „Z’Buech vom Läbä“ mit Mundartliedern der jüngsten Ordensschwester.

Überwältigt am 90. Geburtstag

Am 28. März brachte unsere Familie all diese Liebesgaben vor die Haustüre der Jubilarin. Unvergessen bleibt mir ihr überraschter, freudiger Ausdruck, als sie aus dem Küchenfenster auf uns hinunterblickte und zuhörte, wie wir ihr Happy Birthday sangen. Sie staunte über unsere Erklärung, woher die vielen Geschenke stammten.

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Noch heute kann sie es kaum fassen, zeigt mir hie und da einen Brief, einen angemalten Stein, einen Scherenschnitt oder anderes. Social Media ist ihr fremd, aber dennoch an ihrem Ehrentag nah gekommen. Bei Gelegenheit erzählt sie stolz, dass ihr der berühmte „Twitter- Abt“ persönlich am Telefon gratulierte. Er hat am selben Tag wie meine Mutter Geburtstag.

Nicht alle Menschen hinterließen auf ihrem Geschenk einen Absender. Dennoch konnte ich an die 40 Dankeskarten im Namen meiner Mutter schreiben, welche sich wunderte, wie viele Freunde ich doch hätte. Dabei kenne ich die wenigsten davon außerhalb des Internets.

Corona verlangte nicht nur Distanz, sondern in diesem Fall brachte sie Menschen sogar näher.

P.S. Diesen Text habe ich für das Cronica Corona Projekt verfasst.

Chuchichäschtli

Was würde es erzählen, wenn es könnte, unser mindestens 150 Jahre altes Chuchichäschtli? Von Fröhlichkeit, Gelächter, Familienfesten, gemeinsamen Singens, aber auch Kummer und Tränen, die es erlebte, wenn meine Vorfahren um den Küchentisch versammelt waren und Leben teilten?

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Meine Urgrossmutter (Ur-Ur-Grossmutter unserer Kinder), wohnte in der alten Mühle in Subingen und das Chuchichäschtli wurde wahrscheinlich für diesen Wohnsitz gebaut. Es muss vor 1890 geschreinert worden sein, denn in diesem Jahr baute mein Grossvater das Nachbarhaus des Elternhauses meines Vaters. Meine Mutter erinnert sich, dass dieses Küchenmöbel in diesem Nachbarhaus stand und dass mein Grossvater erzählte, seine Mutter habe es von der alten Mühle gezügelt. Später bewohnten meine Grosseltern und mein Vater das Haus nebenan.

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Das Chuchichäschtli fristete ein paar Jahrzehnte wohl ein eher tristes Leben im Tenn, das als Estrich (Dachboden) diente.

Weil meine Mutter in ein Alterszentrum umzieht und nicht alle Möbel mitnehmen kann, wurden wir mit diesem uralten Familienmöbel beschenkt. Es passt wie angegossen in eine Stubenecke und ich liebe es.

Nun beherbergt es ein paar meiner Familienschätze und es wäre fast ein kleiner Museumsecken, aber das ist es nicht, weil unser „Museum“ lebt. 😉

Im Chuchichäschtli fanden zum Beispiel Guetzlidosen meiner Grossmutter ihren Ehrenplatz.

Ihr Anblick ist mit einem Duft verbunden: demjenigen von frischgebackenen Bretzeli aus dem Bretzeleisen meiner Grossmutter… Mmmmmm…

Ich besitze ein paar Blechbehältnisse. Meine Mutter sagt, meine Urgrossmutter und Grossmutter hätten darin unter anderem Pudding gekocht.

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Diese sehr zierliche Uhr meiner Grossmutter erhält nun ebenfalls einen Ehrenplatz:

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Und auch die Tabakpfeife meines Grossvaters:

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Einträchtig nebeneinander stehen die Fotokamera meines Grossvaters, Vaters und meine erste Fotokamera. 

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Auch ein Geheimnis birgt dieses Küchenmöbel. Mein Vater entdeckte nämlich eines Tages, als es schon längst in der neugebauten Stube meiner Eltern stehen durfte, ein Geheimfach unter einer Schublade mit irgendwelchen Dokumenten. 😀

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Handgeschmiedete Nägel liegen neben dem ersten Schuletui meines Vaters und neben einer uralten „Rechnungsmaschine“, namens „mein Freund“.

Hoffentlich fühlt sich das Chuchichäschtli in unserer Stube wohl und wird auch unsere Generation überleben und weiterhin geschätzt werden.

Wird die Welt nach Corona besser?

Neid, Egoismus, Materialismus, das Streben nach immer mehr und immer höher, habe jetzt ein Ende durch diese Coronazeit, so verheissen es mir mehrere Whats-App-Videos, die mich erreichten. Sie sagen, der Mensch habe es, Corona-sei-Dank, gelernt, aufeinander acht zu geben, Reichtum nicht mehr über alles zu stellen und mal auf etwas zu verzichten. Sie sagen, die Welt werde nach Corona definitiv nicht mehr dieselbe, sondern eine bessere sein.

Ich beobachte selber ebenfalls wunderschöne Aktionen der Nächstenliebe. Nur bin ich skeptisch, ob eine Veränderung zum Guten durch eine Krise nachhaltig ist. Lassen wir uns hier nicht durch eine Wunschvorstellung zu romantischen Gefühlen hinreissen? Wer mich kennt, der weiss, dass ich ein sehr optimistisch-fröhlicher Mensch bin. Dennoch bin ich gleichzeitig eine Realistin.

Werden wir wirklich weiterhin an unseren älteren Nachbarn denken, wenn unser Leben seinen gewohnten Lauf nehmen wird? Haben wir noch Zeit, uns um Bedürftige zu kümmern, wenn Arbeit, Sporttraining, Konzerte unsere Agenda füllen erneut füllen werden? Werde ich nicht wieder mir selbst der Nächste sein, wenn die Zeiten sich nach Corona normalisieren? Der Mensch hat niemals gern verzichtet. Corona zwingt uns dazu. Dabei entdecken wir Solidarität mit Risikogruppen. Aber nach Corona wird jeder die neugewonnene Freiheit umso mehr geniessen. Dazu gehört der vielmals grenzenlose Konsum, die Ausbeutung der Natur, das Streben nach noch mehr und Höherem. Der Schwache bleibt dabei auf der Strecke. Wenn der Zwang zum Verzicht wegfällt, werden viele Menschen in alte Gewohnheitsmuster und fest verankerte Denkschemen zurückfallen.

Was verändert den Menschen zum Guten? Ist es eine Krise, Krankheit, ein Schicksalsschlag oder vielleicht Liebe, welche ich selber in einer schweren Zeit erfahren durfte?

Die Bibel spricht von einer nötigen Sinnesänderung, einer Umkehr. Wenn wir von einer Route umkehren, benötigt dies zuerst die Einsicht, dass ich bisher falsch fuhr und mich dieser Weg nicht zum Ziel bringen wird.

»Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« (Markus 1,15)

»Ändert euch! Werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes«, sagt Paulus in Römer 12,2. Diese „Verwandlung“ meint einen Prozess der Veränderung. Und die Bibel sagt, dies geschehe, indem wir Jesus anschauen, ihn als Vorbild nehmen, die Verbundenheit/Freundschaft mit ihm suchen. „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht, die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild.“
2. Korinther 3,18 Denn worauf mein Fokus liegt, auf das steuere ich zu und was ich anschaue, das prägt mich, das färbt auf mich ab.

Damit nachhaltig Egoismus, Missgunst, das Streben nach Materiellem etc. in mir verändert werden kann, ist es nötig, meine Gedanken und Gefühle immer wieder auf das Gute und auf Gottes Richtlinien auszurichten. „ Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!“ (Sprüche 4, 23).

Eine Krise kann helfen, meine Werte zum Guten umzupolen, aber der Mensch ist im Grunde seines Wesens stets in Gefahr, dass er meint, seine innere Kompassnadel zeige auf das Gute und dabei entspricht dies nicht der Wahrheit, sondern Hass und anderes, Unschönes, haben wieder überhand genommen. Ich bin zeitweise „betriebsblind“, was mich selber betrifft. Tiefe Veränderung ist ein lebenslanger Prozess und dabei hilft mir der Heilige Geist, aber auch Menschen, denen ich erlaube, mich zu spiegeln.

Ich habe auf Livenet hilfreiche Gedanken von Rick Warren zu diesem Thema gefunden. (Lesenswert – klickmich)

 

 

Lilu – Lichtfestival Luzern 2020

Die Weihnachtsbeleuchtungen sind bereits für ein Jahr im Estrich oder Keller versorgt, die ganze Schweiz liegt abends erneut in grosser Dunkelheit. Die ganze Schweiz? Nein, Luzern, auch Leuchtenstadt genannt, macht ihrem Namen grosse Ehre. Zum zweiten Mal findet bis am 19. Januar das sogenannte Lilu statt, ein Lichtfestival mit zauberhaften, originellen, teilweise interaktiv bespielbaren 19 Lichtinstallationen. Dies jeweils zwischen 18  bis 22 Uhr.

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Der Rundgang ist innerhalb ca. zwei Stunden kostenlos begehbar. Für die sehr empfehlenswerte Lichtshow Genesis 2 in der Hofkirche, benötigt man ein Ticket, das am besten online bestellt wird. Achtung: am Medienrundgang, zu dem ich als Bloggerin eingeladen wurde, hiess es, dass bereits 5’700 Tickets dafür gelöst wurden! Wer diese Show nicht verpassen möchte, sollte sich also sputen.

„Werden dieselben Lichtinstallationen an mehreren Festivals schweizweit gezeigt?“, fragte meine Familie. Nein – dies ist gar nicht möglich, da zum Beispiel die Schokoladenfabrik, genauestens an die Fassade des Hotel Schweizerhof projektiert wird. Jeder kann dort den Takt der Schokoladenmaschine vorgeben und dabei acht geben, dass sie nicht überhitzt.

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Das Schwanenballett CYGNUS reiht sich mit ihren inneren Lichtern poetisch in die Hintergrundlichter der Luzerner Kulisse ein. Denis Bivour & Florian Giefer erklären begeistert, dass ihre Schwäne mit GPS gesteuert werden und es sie in dieser Art nirgendwo gäbe. Eine Weltneuheit also!

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Begeistert sind nicht nur die Künstler von ihren Arbeiten, sondern kaum in Betrieb genommen, wird das Klavier beim Pavillon bespielt und die Umstehenden bewundern, wie Klänge sichtbar gemacht werden. „Letztes Jahr besuchte ich das Lilu mehrere Male, derart fasziniert war ich“, erzählt mir eine Stadtbewohnerin lächelnd. Ich kann nur erahnen, wie immens gross die Vorbereitungen für dieses Lilu waren, wenn ich höre, dass bereits im Februar 2019 damit begonnen wurde und zum Beispiel auch an den Vogel- und Fledermausschutz beim Wasserturm und der Hofkirche gedacht werden musste.

Wie sich der Wasserturm dieser Tage präsentiert, habt ihr ihn noch nie erlebt. „Seine Geschichte wird sozusagen von innen nach aussen gekehrt“, erklärt der Künstler Francois Chalet. Was hat dieser Turm nicht alles erlebt – seine Geheimnisse werden sichtbar!

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9 von diesen 19 Installationen durfte ich gestern erleben und war, wie letztes Jahr beim ersten Lilu, geradezu verzückt. 😉 Die Stadt hat sich in eine Märliwelt verwandelt und ich werde gern zusammen mit meinem Mann nochmals darin eintauchen, um die restlichen Installationen zu bestaunen – oder gar, um mich aktiv zu beteiligen – zum Beispiel an der Schneeballschlacht vor dem Regierungsgebäude.

Meine Eindrücke – Fotos und Videos – zum Teil mit Interviews der Künstler: (klickmich)

Buiräbähnli-Safari

Buiräbähnli sind, wie es der Name (Bauernbähnchen) sagt, kleine Gondelbahnen, welche als wichtige Verbindungen für die Bergbauern gebaut wurden. Wanderer, Gleitschirmflieger und im Winter Tourenskifahrer und Schneeschuhwanderer, benutzen sie natürlich ebenfalls gerne. Gab es früher mehr als 40 Kleinseilbahnen in Nidwalden, sind es heute, laut Auskunft der „Freunde der Kleinseilbahnen“ leider nur gut zwei Dutzend. Wie uns der Seilbahnbetreiber der ersten Bahn, welche wir benutzen, bestätigt, gibt es immer strengere Vorschriften, grosse Investitionen und viel Administration für das Betreiben einer solchen Bahn. Viele kommen an ihre Grenzen oder stellen die Bahn leider gar ein.

 

Wir benutzen heute 4 Gondelbahnen und die Zentralbahn. 😉 Konkret:

  • Anfahrt Beckenried – Grafenort per Auto
  • Geissmattli (bei Grafenort) bis Bielen per Buiräbähnli. Kosten Fr. 5..–/Person
    Der Wanderweg kreuzt direkt bei der Bergstation des Bähnlis den Startplatz für Gleitschirmpiloten. Zum Zuschauen faszinierend. Für mich wäre es nichts. 😀
  • Ca. 45 Minuten Wanderung bis Diegisbalm (Talstation Buiräbähnli)
    Diese Wanderung führt teilweise auf recht schmalen Wegen und wenn man einen Bach quert, wird es abschüssig. Ich bin nicht ganz schwindelfrei und kam leicht an meine Grenzen. Die Wanderstöcke, welche ich zuhause vergass, wären eine grosse Hilfe gewesen.
     

  • Diegisbalm bis Oberalp per Buiräbähnli Kosten Fr. 6.–/Person
  • Ca. 45 Minuten zur Gummenalp.
    Der Weg auf dem direktesten Weg, gerade hinauf (gredi obsi) durch eine steile Wiesenflanke, fordert mich nicht nur deswegen heraus, weil er recht schweisstreibend ist, sondern weil ich nicht stehenbleiben und hinuntersehen kann. Nicht auszudenken, wie die Bergbauern diese steilen Wiesen bewirtschaften! Also hinauf gehts mit meinem Schwindelgefühl, aber hinunter, in umgekehrter Richtung würde ich ohne Wanderstecken Schwierigkeiten haben. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es je nach Witterung oder Jahreszeit eine rutschige Angelegenheit sein könnte….
     

  • Gummenalp bis Eggwald (beim Wirzweli) per Luftseilbahn Kosten Fr. 6.–/Person
  • Ca. 30 Minuten wandern bis zur Bergstation Wirzweli
  • Gondelbahn Wirzweli nach Dallenwil Kosten 5.60/Person mit Halbtax, ohne Halbtax Fr. 11.20
  • Zentralbahnfahrt Dallenwil nach Grafenort, Kosten mit Halbtax Fr. 4.30
  • Ca. 20 Minuten wandern bis zum Ausgangsort, Parkplatz bei der Buiräbahn Geissmattli
     

Gesamtwanderzeit ca. 2 Stunden 20 Minuten, Fahrkosten total pro Erwachsener mit Halbtax (dieses gilt nur bei der Bahn Wirzweli-Dallenwil und der Zentralbahn) Fr. 26.90

 

Warum uns Salvatore und Giovanni entwischten. Schmugglertrail Andermatt

Unsere geheime Mission war klar:

Der Urschner-Kristallschatz wurde gestohlen und soll nach Italien in den Palast des venezianischen Mafia-Bosses geschmuggelt werden. Für diesen gigantischen Diebeskomplott wurden die gerissenen Schmuggler Salvatore und Giovanni beauftragt. Können Sie die beiden Banditen aufhalten und die wertvolle Beute sichern?

Gefasst hatten mein Mann Andy, unser 18jähriger Sohn Tobias und ich diesen Auftrag in der Tourist Info in Andermatt, nachdem ich beim Bankgeheimnisse-Wettbewerb 3 Tickets für diesen Schmugglertrail gewonnen habe.

Hach – wir alten Fuchsjäger werden diese gerissenen Schmuggler mit links und im Nu erwischen. Wir geben zu: wir befürchteten sogar, dass uns der Trail zu simpel und ein superleichtes Kinderspiel wäre. Dachten wir zu Beginn. Schon bald dachten wir anders. Denn bereits der 1. Wegweiser führte uns in die Irre. „Folgt dem Pfeil und geht mit der Flussrichtung“, klingt im Grunde genommen sonnenklar. Nicht?

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Nicht, wenn man dem falschen Fluss in falscher Flussrichtung folgt. 😛 Wir überlegten nicht lange und liefen geradeaus zum einen Fluss, den wir bereits aus dem Auto auf der Hinfahrt bestaunt hatten. Wir überquerten die Brücke – war das bereits die erwähnte „erste Gelegenheit“? Und dann folgten wir dem Fluss in seiner Richtung, also talwärts – und das Naturschutzgebiet war wirklich schön. Nur leider die falsche Fährte. 😛 Denn der Weg führte uns in einer Schlaufe wieder zur Brücke zurück.

Schön, aber falsch:

 

Aber wir fühlten uns immer noch als schlaue Füchse und vermuteten: dann eben auf der anderen Fluss-Seite dasselbe von vorne. Also zurück, über die Brücke, an den Sawiris-Bauten vorbei und flussabwärts.

Wir freuten uns, als der Weg über eine Brücke führte, obwohl es uns seltsam vorkam, dass es eine Baustellenbrücke war. Und dann endete dieser Weg in militärischem Gelände. Also wieder nichts.

Wir wären nicht erfahrene Fuchsjäger, hätten wir nicht früher bereits ähnliche Herausforderungen ohne mit den ermüdeten Waden zu zucken, gemeistert. Ähm. Bei genauerem Nachdenken erinnerten wir uns zwar nicht daran, jeweils auf einem Foxtrail derart kläglich in die Irre gelaufen zu sein. Nichtsdestotrotz – der Helpline anzurufen, kam noch nicht in Frage, schliesslich hatten wir noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Geht mit der Flussrichtung“, wie es auf dem Schild hiess, bedeutete zwar für uns eindeutig, flussabwärts zu laufen, aber das war wohl blosse Verwirr-Taktik der fiesen Schmuggler. Also das Ganze in Richtung flussAUFWÄRTS. Wir wanderten nicht ganz zum Wegweiser zurück, sondern bloss nach der Brücke auf der rechten Seite flussaufwärts – und oh – welch Wunder, stiessen tatsächlich auf Posten 2 von Salvatore. Von da aus sahen wir, welchen Weg wir eigentlich hätten nehmen müssen vom Wegweiser aus. Über besagte zwei Brücken…. Das wollten wir uns dann unbedingt am Schluss nochmals genauer anschauen. Doch zuerst klatschten wir uns ab – wir waren im Spiel! Hach, das wäre doch gelacht. Doch mittlerweile waren wir sehr hungrig und liessen die Schmuggler mit ihrer Ware ihrer Wege ziehen, denn einholen konnten wir sie nach unseren Irrwegen eh nicht mehr. Die steinerne Sitzbank mit Ausblick auf einen schönen Weiher kam uns wie gerufen – oder gesucht. 😉 Wir witzelten darüber, wie es wäre, der Hotline anzurufen und zu sagen, dass wir nun nach 5 Stunden Wanderung endlich bei Herrn Albert Heims Hütte angekommen wären, wie in den Startunterlagen als Marschrichtung angegeben. Was wir nun tun sollten? Sie hätten uns doch wirklich erzählen sollen, dass man für diesen Trail das Zahnbürstli und Pijama hätten mitnehmen sollen. Wir hätten uns das Sprichwort zu Herzen nehmen sollen: „Wer ZULETZT lacht, lacht am besten.“ Denn noch waren wir erst bei Posten 2 von sage und schreibe 14. 😀 Frisch gestärkt nahmen wir die Fährte trotz unseres Zeitverlustes wieder auf. Was konnte jetzt schon schief gehen? Wir hatten den richtigen Weg gefunden, der Rest würde für uns ein Kinderspiel sein.

Doch es kam noch schlimmer! Verwirrt durch das Flussaufwärts-Folgen eines Fluss-Laufs, der doch meistens fluss-ABWÄRTS fliesst, was ja aber falsch war, gab uns die verdrehte Logik, die wir meinten, gelernt zu haben, nach dieser Weisung

IMG_20190801_130003nur eine Möglichkeit vor: nämlich flussAUFwärts nach besagtem 1999 Ausschau zu halten. Das war wieder falsch und das merkten wir dann, nachdem wir über eine Brücke mit diesem Jahrgang gegangen, dort aber im Nirgendwo landeten, weiter wanderten in Richtung einer Satelittenschüssel, welche wir hoch auf einem Berg entdeckten, kehrtum machten und auf eine andere bei einer Holzverarbeitungsanlage zuliefen, Kreuzungen suchten und meinten, diese bei einer Eisenbahnkreuzung gefunden zu haben, vergeblich nach gelben Querstreifen suchten, denn Fussgängerstreifen gab es auf jener Hauptstrasse nicht….

Schön, aber falsch:

Vernünftig, wie mein Mann und ich sind und durchaus bereit, zuzugeben, dass wir nicht mehr weiterkommen, hätten wir zwei schon längst die Hotline kontaktiert. Unser Sohn war da anderer Meinung. Beziehungsweise, er schlug vor, falls wir anrufen würden, ganz verzweifelt zu schildern, dass wir nun in Hospental nach gelben Querstreifen und Raumschiffstationen mit Satelittenschüsseln suchen würden, aber da nichts dergleichen zu finden sei – wie lange wir denn noch wandern sollten und ob sie nicht was davon gesagt hätten, dass die ganze Tour  2 bis 3 Stunden dauern, wir aber schon viel länger unterwegs wären? Ich rief dann trotz Protesten an und schilderte möglichst ruhig und gelassen, dass wir es tatsächlich bisher bis zum Posten 2 geschafft hätten, aber hier keine gelben Querstreifen zu finden seien. 😀 Schande über uns. haha. Die Hotline Mitarbeiterin war sehr nett, obwohl sie ein Lachen nicht verkneifen konnte und keine Ahnung hatte, welche Umgebung ich ihr schilderte. Sie hatte uns hilfreiche Tipps und meinte, wir sollten sie doch lieber kontaktieren, bevor wir völlig verzweifeln würden. Sie sei weiter für uns da und falls wir es tatsächlich nicht finden sollten, käme sie uns sogar per Velo entgegen! Nett und sehr freundliche gemeint. Doch diese Schande wurde uns Gott-sei-Dank erspart . Es stellte sich heraus, dass dieses Mal flussabwärts doch richtig gewesen wäre und so wanderten wir an der Brücke 1999 und noch anderen vorbei zurück zur richtigen 1999-Brücke und fanden auf den richtigen Weg zurück. Uff! Doch wer meint, wir hätten es ausgestanden, täuscht sich, so wie wir uns auch, welche uns erneut abklatschten. Wir verwechselten Salvatore und Giovanni und machten eine Extra-Schlaufe. Nicht so schlimm zwar, dennoch schüttelten wir unsere Köpfe über uns selber, wie wenn wir nicht schon genug Umwege gelaufen wären. Immerhin liefen wir ungefähr ab Posten 7 so, wie es vorgesehen gewesen wäre. 😀 Der findige Leser merkt: ab der Hälfte aller Posten. 😛

 

Nach 4 Stunden Unterwegs-Sein (Irrwege, eine halbe Std. Mittagspause und eine Viertelstunde Glacé-Schlecken inklusive) lösten wir unseren Voucher ziemlich erschöpft an der Theke von Posten 13 ein. Was für eine schöne Überraschung!

Noch die grössere Überraschung war, dass es am Ziel hiess, die Schmuggler zwar über alle Berge davon gekommen seien – aber immerhin das Diebesgut gesichert werden konnte. Im Wortlaut: „Als Dank für euren mutigen Einsatz und die erfolgreiche Mission darf jeder von euch ….. psst – verrate nicht was…. behalten. Gratulation – 007 James Bond hätte damals im jahr 1964 diese Aufgabe nicht bravouröser gemeistert! Ihr seid echt klasse!“ Das fanden wir auch. 😀

Wie erwähnt, fuxte es uns, dass wir den Einstieg in den Trail nicht fanden und schauten am Schluss nach, wo dies gewesen wäre. Doch: wer vermutet, dass man an dieser Stelle den breiten Weg verlassen sollte und nicht auf den bekannten Fluss zuhalten, sondern oben einen Fluss suchen müsste? Hier wäre für den besseren Einstieg ein Wegweiser angebracht, waren wir uns einig, liebe Andermatt-Tourismus-Verantwortliche:

Fazit und Feedback: Trotz Irrwegen erinnern wir uns gerne an diesen Schmuggler-Trail zurück. Der Einstieg nach dem ersten Wegweiser sollte durch einen zweiten unbedingt erleichtert werden. „Folgt dem Pfeil“ heisst eigentlich beim ersten Wegweiser, dass man in Richtung Golfplatz wandern sollte und so gelangt man automatisch zur grossen Brücke, nicht aber dorthin, wohin ihr die Verfolger führen möchtet. „Geht mit der Flussrichtung“ heisst flussabwärts/talwärts, aber am Anfang muss man flussaufwärts gehen. Dies verwirrt total. Dass dann das nächste Mal „der Richtung des Flusses folgen“ so gemeint ist, wie es sich tatsächlich verhält, verwirrte uns doppelt. Die Schilder sind originell, manchmal aber fast zu gut versteckt. Unseres Erachtens kann der Trail gut mit einem Foxtrail mithalten, obwohl bei Letzterem die Posten jeweils noch etwas kreativer gestaltet sind. Der Schmugglertrail kann mit Familien und Gruppen aller Altersstufen absolviert werden. Von Marias Gotteshaus an talwärts ist der Weg nicht rollstuhl- oder kinderwagentauglich, könnte aber eventuell umgangen werden. Ich bin mir nun nicht sicher, wie der erste Teil, den wir ja verpassten und auf der anderen Fluss-Seite liefen, für Kinderwägen und Rollstühle wären… Fragt doch bei Interesse bei der Tourist Info nach. Die „B’haltis“ sind ganz liebe Überraschungen – vielen herzlichen Dank.

 

Schnupper-Pilgern

Die Idee, auf dem St. Jakobsweg wandern zu gehen, sei ihm gekommen, als ich ihm wiederholt von meiner 10-tägigen Tour vom Oberalppass erzählte, erklärte mein Mann. Vor 40 Jahren wurde ich als Nanny für drei Pfarrfamilien-Kinder engagiert und ich schwärme tatsächlich hie und da von diesem Abenteuer, als wir in diversen SAC Hütten übernachteten. Den zweiten Ausschlag, eventuell eine Pilgertour auf dem Jakobsweg zu wagen, gab unsere mittlere Tochter. Sie pilgerte vor genau einem Jahr alleine von Porto nach San Compostela. Ihre Schilderungen und Bilder beeindruckten uns. Und nun kam mein Mann tatsächlich mit der Idee auf mich zu: „Wie wäre es? Wollen wir einmal eine  Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg unternehmen? Wärst du dabei?“ Ich reagierte zurückhaltend und hatte tausend Fragen: würde ich es rein physisch schaffen, mehrere Tage am Stück zu wandern? Wir wandern zwar viel, aber zusammen waren wir erst einmal auf einer 3-Tages-Wanderung. Und zwar hoch auf die SAC Christallina-Hütte und hinunter ins Tessin, zusammen mit unserem Sohnemann. Dies war ein gutes Erlebnis, aber bestimmt um die 10 Jahre zurückliegend. Ich habe ein Belastungs-Asthma und hege Bedenken, ob meine Kondition für so ein Vorhaben ausreichend wäre. Aber ok – wer nichts wagt, gewinnt nichts. Warum nicht mal eine Schnupper-Pilgerwanderung in der Schweiz unter die Füsse nehmen? Schliesslich meinte schon Demokrit, ein griechischer Philosoph:

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis. Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, unsere Zweifel und Bedenken.

Also wagten wir uns zusammen auf eine 3-Tageswanderung über die Auffahrtstage 2019. Mein Mann wählte die Strecke St. Urban nach Luthern Bad, auf den Napf und hinunter nach Romoos, Holzwäge aus. Er schaute auf der Karte, wo wir unsere Tour unterbrechen und übernachten könnten.

Doch vor dem Start, galt es zu packen. Dabei galt: jedes Gramm zählt und weglassen ist Pflicht, denn alles, was man nicht tragen muss, entlastet. 😉

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Das Bild entspricht nicht genau dem, was ich schlussendlich mitnahm: die Shorts packte ich leider nicht ein und für abendliche Schuhe fand ich ein paar noch leichtere Turnschuhe, als die auf dem Bild. Den roten Regenschutz und die grüne Jacke, hätte ich zuhause lassen können, aber das weiss man ja im Vorfeld nie so genau. Als Pijama packte ich ein paar leichte Leggins und ein atmungsaktives Langarmshirt ein und das war gut so. Frottétücher und Weiteres wie Teller, Abwaschtuch und auch Pflegeprodukte konnten wir uns sparen, weil wir in Gasthäusern übernachteten.

Nicht immer, aber streckenweise, wanderten wir während der nächsten Tage auf dem Schweizer Jakobsweg Nummer 4.

1. Wandertag: St. Urban – Gondiswil

In der Barock-Kirche St. Urban starteten wir mit einem Vater-Unser, denn es fand gerade ein Auffahrtsgottesdienst statt. Dabei durften wir die beeindruckenden Klänge der Orgel, welche  zu den grössten noch weitgehend erhaltenen Barockorgeln Europas zählt, geniessen. Ein schöner Start. Wenn wir meine Eltern besuchen, fahren wir jeweils an dieser Kirche vorbei. Dies seit etwa 30 Jahren. Nie hielten wir, um die Kirche oder das Psychiatrie-Gelände zu besichtigen, denn wir wollten jeweils immer möglichst schnell bei meinen Eltern ankommen. Umso mehr staunte ich über die vielen Gebäude der psych. Klinik.

Der Weg nach Gondiswil gestaltete sich abwechslungsreich und führte über Wiesen und Wälder.

 

Wir wanderten auf dem Grenzpfad Napfbergland , auf wahrhaft „himmlischen Pfaden“, denn  so nennt sich ein Wegnetz der Sakrallandschaft Innerschweiz. und im Smaragdgebiet.

Wir starteten ungefähr um 12.30 Uhr und um ca. 17 Uhr trafen wir beim Gasthaus Rössli in Gondiswil ein. Die Mittagspause abgerechnet, wanderten wir 3.5 Stunden, an diesem 1. Tag.

Leider servierte das Rössli kein Abendessen, weil das Restaurant aufgrund des Feiertages geschlossen war. Im Vorfeld lasen wir nirgendwo was darüber. Uns blieb nichts anderes übrig, als nach Huttwil zu fahren. Dorthin fährt jede Stunde ein privat geführter Bus, der leider kein Halbtax akzeptiert. Im Restaurant Bahnhof assen wir fein z’Nacht und bummelten anschliessend noch durch das malerische Huttwil.

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Freundlicherweise holte der Rössli-Wirt uns in Huttwil ab und kutschierte uns zurück nach Gondiswil. Unterwegs entdeckten wir ein Reh und der Wirt erklärte uns die Gegend ein bisschen. Er gab uns den Tipp, den Sonnenuntergang beim Weiher zu erleben. Also nochmals ein Abendspaziergang – der sich aber lohnte, denn es war wirklich malerisch.

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Alles in allem waren wir dann an diesem Tag doch 4.5 Stunden auf den Beinen.

Im einfachen Logie schliefen wir gut. Meine ausführlichere Bewertung steht auf Booking.com.

2. Wandertag: Gondiswil – Luthern

Beim Frühstück gab uns der Wirt zwei Geschichten zum Besten:

  • Wer entscheidet sich schon, in Gondiswil zu übernachten? In einem kleinen Dörfchen, wo sich Fuchs und Hase Gute-Nacht sagen? Ein Gast aus den USA entschied sich dafür. Er hat sich via Google Maps erkundigt, welche Ortschaft ungefähr in der Mitte zwischen Bern und Luzern liegt und von Gondiswil aus alles erreicht, was für ihn sehenswert war.
  • Folgende Geschichte der zwei Mexikaner ist herrlich! Sie verarbeiten zu zweit ungefähr dieselbe Milchmenge, wie die Käserei in Gondiswil. Dies fanden sie ebenfalls Google-sei-Dank heraus und flogen nach Rom und von dort via Mietauto nach Gondiswil. „He ja – Rom-Gondiswil ist ja keine Strecke für Mexikaner“, schmunzelte unser Wirt. „Die sind sich anderes gewohnt.“. Ohne Voranmeldung standen sie vor dem bodenständigen Schweizer Käser, der natürlich kein Wort Spanisch sprach. Aber irgendwie kam es dann doch zustande, dass die zwei Mexikaner eine Führung durch die Käserei erleben durften und Tipps für die Veredelung der Käsezubereitung erhielten.

Der 2. Wandertag bot uns viel Aussicht, verlief aber ab Zell leider oft auf geteerten Strassen. Ausgerechnet der Jakobsweg war so eine geteerte Strasse.

Das Laufen auf harten Untergrund ermüdet halt viel schneller und zudem war es heiss! Wir wanderten nun streckenweise auf der Via Jacobi Nr. 4, Etappe 27 und folgten den Wegweisern Lutrun (Luthern), (Pro Luthertal) welche uns aber einmal in die Irre leiteten, bzw. auf die Hauptstrasse, statt einem Bach entlang. Schade. Spannend war, dass ein Reh, durch uns aufgescheucht, unseren Weg kreuzte.

In Luthern assen wir in unserem Abend-Logie fein z’Nacht. Andy wählte das Pilgermenü aus. 😉

Bewertung der Krone auf Booking.com. Auch ein Rundgang durch Luthern durfte nicht fehlen und so kamen wir an diesem 2. Wandertag insgesamt auf ungefähr 5 Stunden reine Wanderzeit.

3. Wandertag Luthern – Luthern Bad – Napf – Romoos, Holzwäge

In Luthern Bad war ich überrascht, weil sich mir der Ort kleiner als in meiner Vorstellung präsentierte. Wir badeten unsere Arme und Füsse im Heilwasser und tranken davon. War es Einbildung? Mir schmeckte dieses Wasser tatsächlich anders als unser Hahnenwasser zuhause. Die Erfrischung für die Füsse hielt etwa eine halbe Stunde lang an.

Von da an wurde es aber mühsam, weil der Weg auf den Napf sehr steil und sonnenbeschienen war. Es war einfach nur heiss, heiss, heiss. Und ich atmete schwer, war aber auf dem Napf die Aussicht ins Tal betrachtend sehr stolz. Das alles haben wir geschafft. Nur zu Fuss. Ohne Verkehrsmittel.

Nach einer kurzen Mittagspause, wanderten wir nach Romoos, Holzwäge (ab dem Napf ca. 1. Std. 20. Die Zeit dorthin fehlt auf den vielen Wegweisern) wo wir das Postauto in Richtung nach Hause bestiegen. Ungefähre Wanderzeit an diesem 3. Tag: nicht ganz 5 Stunden.

Fazit:

Die 3 Wandertage waren ein Abenteuer für mich, das sich gelohnt hat, zu wagen. Es ging ohne Blasen an den Füssen ab und der Rucksack drückte nicht. Das Gewicht von ca. 5.5 kg samt Proviant und Getränke war perfekt. Ich würde für ein nächstes Mal ein paar Ersatzhosen mitnehmen für den abendlichen Restaurantgang. Und die Shorts, welche ich bereits eingepackt hatte, dann aber doch zuhause liess, wären bei dem heissen Wanderwetter ideal gewesen. Ansonsten aber vermisste ich nichts und würde auch für noch längere Wanderungen versuchen, nicht mehr einzupacken. Wir haben jeden Abend etwas ausgewaschen und weil die Wäsche atmungsaktiv und leicht war, trocknete sie schnell. Ich bin gern wieder für eine mehrtägige Tour dabei. Vielleicht aber wagen wir uns zuerst auf die diversen Jakobsweg-Etappen in der Schweiz, bevor wir uns das Ziel San Compostela vornehmen. Was ich toll finde, ist der Austausch und die Ermutigungen in Jakobs-Pilger-Foren auf Facebook, Twitter und Instagram.

Über den spirituellen Aspekt des Pilgerns nachdenkend, komme ich zum Schluss, dass ich Gott in der Natur erlebte, einem schönen Orgelspiel, beim bewussten Beten des Vater-Unsers, dem Nachdenken über Heilungswunder, welche in Geschichten auf Bildtafeln zu lesen waren, begegnete, aber auch in den Begegnungen mit Menschen. Das Unterwegs-Sein mit meinem Mann, an dessen Seite ich seit 32 Jahren den Lebensweg beschreiten darf, ist ein tägliches Geschenk. Die Freundlichkeiten der Wirtsleute und die Geschichten des Rössli-Wirts, bereicherten mich. Kurze Plaudereien auf den Wanderwegen und das gemeinsame Bestaunen eines Alpenpanoramas und darüber Austauschen mit wildfremden Menschen, erfreuten mich. Ich habe mir sagen lassen, dass dies beim Pilgern auf dem Jakobsweg auch immer ein grosses Erlebnis ist: das Aufeinandertreffen und das Gesegnet-Werden durch Mitmenschen.

Unsere Strecke der 3-Tages-Wanderung:

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Gut ersichtlich ist, dass wir immer schön auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Luzern wanderten. Ich bin stolz, dies alles zu Fuss geschafft zu haben und danke Gott für alle Bewahrung, die Fitness und Gesundheit, das schöne Wetter, die guten Unterkunftsorte, dass wir zwei Rehe sahen, die beeindruckende, herrliche Natur und für die herzlichen Begegnungen mit Mitmenschen.

Was fehlt, wenn Gott fehlt?

Was fehlt, wenn Gott fehlt, ist die Preisfrage.

Und der Preis, wenn Gott fehlt, ist gross – ich klage:

 

Wer vergibt und liebt ohne Bedingung?

Für den Frieden gab er die Rahmenbedingung

mit seiner Opferdarbringung.

Sich selbst hat er gegeben.

Und das würde fehlen.

 

Was fehlt, wenn Gott fehlt – eine Fangfrage?

Denn gefangen in meiner Selbstanklage

drehe ich mich wie ein Hamster im Rad

und kriege Krummes selber nicht grad.

 

Wenn Gott fehlt, bin ich statt Kind nur Waise

und Sorgen wären ohne ihn meine Speise.

Destruktive Gedanken drehen im Kreise

und niemand ermutigt auf meiner Lebensreise.

 

Mit Gott aber springe ich über jede Mauer

und er tröstet mich in meiner Trauer.

Am Ende des Tunnels ist Gott das Licht.

Ohne ihn bleibt es dunkel und Licht gibt es nicht.

Wenn Gott fehlt, ist wichtig, was die Leute über mich denken.

Doch ich lasse mir Selbstvertrauen von ihm schenken.

 

Wenn Gott fehlt, fehlt er ohne Ende.

Ich lege mein Leben in seine Hände.

Sich ihm anzuvertrauen, bedeutet die Wende.

Gibt es dagegen noch Einwände?

 

Die Frage ist also geklärt – was fehlt, wenn Gott fehlt.

Klug, wer ein Leben mit ihm im Mittelpunkt wählt.

Regula Aeppli-Fankhauser


Das Gedicht war mein Wettbewerbsbeitrag für die Reformierte Kirche (Reformationsjubiläum). Leider gewann ich weder 5000.– noch 3000.– noch 2000.– ;-( Und jetzt stehe ich vor der Aufgabe zu überlegen, was fehlt, wenn das Preisgeld fehlt und was ich mit dem fehlenden Preisgeld mache. 😛