Schneeschuhwanderung auf Trübsee/Gerschnialp

Engelberg ist für uns ein Naherholungsgebiet und doch waren wir das erste Mal Schneeschuhwandern in dieser Region. Die Talstation des Titlis Xpress wirkt auf mich immer noch etwas „futuristisch“, obwohl sie auch schon wieder 4 Jahre alt ist. Wir haben zwar zuhause die möglichen Schneeschuhtrails auf der Webseite studiert, wissen aber nicht genau, ob wir die Tickets einzeln lösen sollen und wie es mit dem Sonnenstand in dieser Region steht. Wir wollen ja schliesslich bei diesem wunderbaren Sonnenschein nicht ausschliesslich im Schatten wandern. Wir werden von Leandra Elmiger an der Talstation kompetent beraten und erhalten als Halbtax-Besitzer für Fr. 16.– ein tolles Angebot: Gondelbahnfahrt bis Trübsee, kleine Kabinenbahn Älplerseil Obertrübsee-Untertrübsee und mit der alten Standseilbahn (seit 1913) von der Gerschnialp bis Engelberg zurück.

Auf Trübsee herrscht ein ziemlicher Rummel. Es gibt nebst dem Skifahren und Winterwandern, die Möglichkeiten, sich beim Rutschpark oder mit Schneetöffs zu vergnügen. Und wo startet nun der Schneeschuhtrail? Ein freundlicher Mitarbeiter überreicht uns ein Plänli und erklärt uns die verschiedenen Möglichkeiten nochmals.

IMG_20190224_135426.jpg

Wir entscheiden uns aufgrund des Sonnenstands, nicht in den Schatten Richtung Alpstübli (um den gefroreren See herum) zu wandern, sondern für die direkte Route auf den Aussichtspunkt Chrüzhubel Richtung Kabinenbahn Älplerseil. Für diese Route sind wir froh um unsere Schnee-Schuhe, denn sie bewahren uns vor dem Einsinken in den Schnee. Tiefe Fuss-Spuren zeugen davon, dass es manchen Wanderern, welche keine Schnee-Schuhe hatten, anders erging. Ich habe immer etwas Respekt vor dem Einsinken in den Schnee beim Winterwandern, seitdem meine Mutter auf diese Weise ihren Fuss brach. Aber vor- und nach dieser Route, wären Schnee-Schuhe nicht zwingend nötig und wir ziehen sie auch zeitweise ab, ist das Wandern ohne diese Schnee-Schuhe doch etwas leichter. Bei wunderschönster Aussicht geniessen wir unser Picknick und die Sonne. Wie warm es ist – und dabei haben wir doch immer noch Februar! Mein Mann wandert im T-Shirt und auch ich kremple die Hemdsärmel meines atmungsaktiven Wanderhemdes hoch. Ab dem Aussichtspunkt folgen wir dem Winterwanderweg, statt dem Schneeschuhtrail, weil der breitere Spazierweg im Gegensatz zum direkteren geführten Schneeschuhwanderweg, noch in der Sonne liegt. Es gibt also mehrere Möglichkeiten – doch alle führen zum Älplerseil.

IMG_20190224_171052_746.jpg

Die kleine Kabinenbahn fährt auf Abruf (Telefon vor Ort) und überwindet beeindruckende, senkrechte Felswände über 400 Höhenmeter. Ich staune immer wieder bei solchen Anlagen, wie jemand auf die Idee kommen konnte, dort eine Bahn zu konstruieren. Die Englisch sprechende Mitfahrerin in der kleinen Kabine war noch faszinierter als wir von den steilen Klüften, welche die Bahn überwand. Und irgendwann äusserte sie begeistert, wie klar und rein doch unsere Bergluft sei. Wie selbstverständlich wir selber doch diese reine Luft einfach atmen….

Von der Bahn aus beobachten wir Schneeschuhwanderer, welche der Piste entlang hinunter laufen. Sowas ist sehr gefährlich und verboten! Auch der Mitarbeiter dieser Bahn informiert uns an der Talstation Untertrübsee freundlich über den Verlauf des Schneeschuhtrails bis zur Bahnstation Gerschnialp. Das Queren der Skipiste empfinde ich als gefährlich, ist aber leider unumgänglich. Wir befinden uns nun im Schatten. Schade – und sofort so kalt, dass wir unsere Jacken, Kopfbedeckungen und gar Handschuhe anziehen. Enorm, dieser Temperatur-Unterschied. Die Bahnfahrt mit der alten Standseilbahn weckt in uns beiden nostalgische Kindheitserinnerungen an Zeiten, als wir mit unseren Eltern Ski fahren gingen.

Die ganze Tour ist mit rund 2 Stunden ausgeschrieben. Wir vermuten, dass wir für die reine Wanderzeit höchstens 1.5 Stunden benötigten. Wir nahmen es dabei gemütlich.  Was für eine abwechslungsreiche Tour – zusammen mit diesen unterschiedlichen Bahnfahrten von der topmodernen Gondelbahn, über das kleine Älplerseil bis zur nostalgischen Standseilbahn!

Werbeanzeigen

Schneeschuhwandern in der Zentralschweiz

Der Schnee knirscht unter den Schneeschuhen, der Blick wandert hinauf zu den sonnenbeschienen Gipfeln und dann wieder hinunter zu einer interessanten Tierspur. Hier hüpfte ein Schneehase und dort spazierte vielleicht eine Gämse vorbei. So ganz sicher bin ich mir noch nicht im Tierspuren lesen – aber ich habe eine Tour mit einem Wildhüter vor mir. Ich darf am 14. Februar die Schulklasse meiner Tochter auf den spannenden Ausflug begleiten. Ihr hört von mir. 😉

Letztes Wochenende wanderten unsere älteste Tochter, mein Mann Andy und ich, im „Tschiffiländ“. So nennen wir Nidwaldner (Reysseckler) liebevoll scherzend unser Nachbarkantönli. 😉

Langis – beim Glaubenbergpass

Das Wetter war sowohl am Samstag, wie Sonntag nicht so wunderprächtig. Aber erstens kann man selbst bei Schneefall und Bewölkung gut Schneeschuhwandern und zweitens sind bei diesen Bedingungen viel weniger andere Ausflügler unterwegs. So war das mit dem Parkieren überhaupt kein Problem – anders, als bei strahlend schönem Sonnenschein. Denn dann hört man oft in den Radionachrichten, dass die Parkplätze beim Langis besetzt seien und man zur Anfahrt das Postauto benutzen solle.

Das Langis ist ein Winterparadies für Schlittler, Spaziergänger – mit und ohne Hund, Anfänger auf Skien – und eben Schneeschuhwanderer. Wir waren etwa 2.5 Stunden unterwegs auf diesem märchenhaft verschneiten Hochmoorplateau.

Fürenalp – oberhalb von Engelberg

In Engelberg sind wir hie und da. Aber ob wir je schon mal auf der Fürenalp waren, daran konnten Andy und ich uns nicht erinnern. Vielleicht in der Kindheit zum wandern? Die Fürenalp überraschte uns positiv. Die Schneeschuhtrails waren teilweise zwar aufgrund der Lawinengefahr abgesperrt, aber einen rund einstündigen Rundweg konnten wir dennoch absolvieren – und geniessen.

Was mir am Schneeschuhwandern so enorm gut gefällt ist, dass ich im Gegensatz zum Skifahren, die Natur viel intensiver wahr nehme. In den Schneeschuhen setzt man bewusst und langsam einen Schritt um den anderen auf den Schneepfad. Ruhe, Gelassenheit und manchmal das Gefühl, sich in einer Eisprinzessinnen-Welt zu befinden, umgeben von verzauberten Wesen, verzückt und versetzt mich ein Stück weit in die Kindheit zurück. Aber auch das Wissen, dass die Bewegung an der frischen Luft körperlich gut tut, motiviert für die nächste Tour.

Lilu bezaubert in der Leuchtenstadt Luzern – noch bis am 20.1.19

Das erste Mal in seiner Geschichte lädt die Leuchtenstadt Luzern zu einem Lichtfestival, kurz Lilu genannt, ein. Und was wir erlebten, bezauberte, faszinierte uns und entlockte hie und da ein Lächeln, bis hin zum herzhaften Lacher.

Der Torbogen am Bahnhof begrüsst alle Besucher des Lilus und bietet dort handliche Infobroschüren an. Dieselben Infos kann man online herunterladen.

Wir empfehlen vor allem diese für uns persönlichesn Highlights: Nummer 2 (Routenbeschrieb mit Nummern im erwähnten Büchlein oder pdf) neben der Jesuitenkirche. Dort kann sich jeder aufs Regierungsgebäude in 4-fach Spiegelung projizieren lassen kann. Der Wunsch, einmal „gross heraus zu kommen“, kann sich also für einmal kurz erfüllen. 😀 Dann Nummer 10. Manche mögen dies vom Technorama her kennen: mit seinen farbigen Schatten auf der Wand der Peterskapelle spielen (auf dem Kapellplatz). Genial, vor allem auch für Kinder ist Nummer 17. Eine Schneekugel steht vor dem Musikpavillon am See und jeder der sie schüttelt, verwandelt die Projektion am Musikpavillon, der selber wie eine grosse Schneekugel aussieht. Im Gletschergarten bietet das Café Sowieso Glühwein, alkoholfreien Apfelpunch und Kuchen an.
Der Rundgang ist kostenlos (auch der Zutritt zu den Gletschermühlen im Gletschergarten). Wir empfehlen aber auch die 30-minütige Lichtshow Genesis in der Hofkirche zu besuchen. Sie kostet Fr. 10.– für Erwachsene. Kinder 6.–. Und falls ihr den Zeitungs-Abo-Pass habt, auch 6.–. Wir hätten ihn gehabt, aber er lag im Auto. 😬 Die Lichtshow zeigt die Schöpfungsgeschichte. Tickets kann man dort kaufen oder im Vorverkauf in der Tourist Information im Bahnhof Luzern (Gleis 3) von 08:30 – 21:30 Uhr und 18:00 – 21:30 Uhr oder telefonisch unter +41 41 227 17 17 von 08:30 – 17:00 Uhr erhältlich. Ich empfehle sie telefonisch vor zu reservieren, denn die Vorführungen sind immer sehr gut besucht. Sie finden diese Woche ausser am Dienstag jeden Abend zu mehreren Zeiten statt.

P.S. Dieser Blogbeitrag wurde nicht gesponsert, sondern entsprang frei aufgrund der persönlichen Begeisterung. 😉

Impressionen:

img_20190113_220200_325img_20190113_220336_369img_20190113_220438

Winterwunderland Wirzweli

Das Wirzweli ist hie und da eines unserer Ausflugsziele in Nidwalden. Heute genossen wir einen Spaziergang mit den Schneeschuhen auf der Gummenalp und das Hinunterschlitteln bis Wirzweli. Die Schneeschuhe und Skistöcke konnten wir nach dem Schneeschuh-Spaziergang per Bahn runter transportieren lassen. Die Schlittelpiste ist an zwei, drei Stellen etwas steil, aber weil schön Schnee liegt, problemlos auch mit Kindern befahrbar, denn man kann gut bremsen. Es gibt einige Strecken, welche man zu Fuss begehen muss – vielleicht gut zu wissen, wenn man sich mit Kindern auf die Strecke begibt. Die Landschaft ist abwechslungsreich – man passiert ein paar idyllische Ställe.

img_1547309606464

Die Stimmung war mystisch-abwechslungsreich. Hüllte uns der Nebel in einem Moment ein, befanden wir uns in der nächsten Sekunde im schönsten Sonnenschein bei herrlichster Aussicht.

img_20190112_170152_905

Das Wirzweli ist vom Bahnhof Dallenwil (auf der Zentralbahnstrecke Richtung Engelberg) mit einem Gratis-Shuttlebus zur Doppel-Gondelbahn gut erreichbar. An der Bergstation gibt es die Möglichkeit zu einer Gratis-Pferdekutschenfahrt zum einen Skilift, der noch in Betrieb ist. Ein anderer wurde leider eingestellt. Nicht nur für Schlittler, auch für Tourenfahrer empfiehlt sich die Fahrt mit der Gummenalpbahn und die Abfahrt zum Wirzweli zurück. Die Kutsche bringt auch diese Tourenskifahrer zur Gummenalptalstation. Wo gibt es denn sowas sonst – eine Gratis-Kutschenfahrt?

img_20190112_170512_680

Ich war einmal mehr total begeistert. Von der Innovation dieses Unternehmens, dem faszinierenden Wetter, den tollen Schneeverhältnissen und der prächtigen Aussicht.

P.S. Dieser Beitrag wurde nicht gesponsert. 😉

Liebe auf den ersten Blick – Lissabon

„Danke für die schönen Bilder – aber es sind einfach zuviel davon“, erhielt ich mehr als einmal als Rückmeldung auf alle meine Facebook-, Twitter-, Instagram– und Whatsapp-Posts über Lissabon. Durchaus bewusst, dass es zuviel des Guten sei, konnte ich doch nicht anders, als meine Begeisterung über diese Stadt zu teilen. Ich erhoffte mir dabei, dass geteilte Freude doppelte sei und an dieser Stelle sei einmal erwähnt, dass es kein „Muss“ gibt, keinen Befehl meinerseits, von mir Veröffentlichtes zwingend beachten zu müssen.

Lissabon – das war wirklich Liebe auf den ersten Blick.

Wir besuchten diese vielseitige Stadt zwischen dem 26. bis 30 Dezember 18, nachdem unsere mittlere Tochter uns früher mal vorschwärmte, wiesehr uns die verwinkelten Gassen, die Häuser, die Trams und überhaupt alles bestimmt ebenfalls gefallen würde.

Wir logierten im Casa Amora und können es rundum wärmstens empfehlen. An dieser Stelle sei gesagt, dass dieser Beitrag hier von keiner Seite gesponsert wird. 😉

bildschirmfoto 2019-01-07 um 14.25.26

 

Wir kauften für einen Tag die Lissabon Card. Damit konnten wir den öffentlichen Verkehr gratis benutzen und die Museen Praca das Amoreiras, Mosteiro dos Jeronimos, Torre de Belém, Padrao dos Descobirmentos und das Lisboa Story Centre gratis oder mit Reduktion besuchen.

Meine Bewertungen der besuchten Orte habe ich sowohl auf GoogleMaps, wie auf Tripadvisor gestellt.  Bildschirmfoto 2019-01-07 um 14.41.15.png

bildschirmfoto 2019-01-07 um 14.44.43bildschirmfoto 2019-01-07 um 14.43.49bildschirmfoto 2019-01-07 um 14.43.33

Ich teile nicht alle Beiträge hier – folgt mir doch auf Tripadvisor oder sucht meine Beiträge auf Google. 😉

An einem Tag haben wir ein Mietauto gebucht und damit Sintra und auch den westlichsten Punkt des europäischen Festlands besucht. Bildschirmfoto 2019-01-07 um 14.59.00.png

Palácio Nacional da Pena:

Bildschirmfoto 2019-01-07 um 15.00.01.png

Die Lissabonner haben wir als sehr freundliche, hilfsbereite Menschen kennen gelernt, genau wie die Pariser. 😉 Leider hatte es in der Zeit zwischen Weihnachten/Neujahr sehr viele Touristen. Die Portugiesen hatten wohl auch Ferien und standen ohne Murren stundenlang an. Wir mieden solche Warteschlangen und sahen auch ohne, dass wir zum Beispiel das Schloss Sao Jorge besucht hatten, genügend Wunderhübsches.

Lissabon präsentierte sich uns in einem farbenprächtigen Bild (viele legal gesprayte Streetartbilder faszinierten uns)

Bildschirmfoto 2019-01-07 um 15.30.18.png
Bild von meinem Instagram-Account

und ich liebte die vielen Kacheln an den Häusern (Fliesen).

 

Die Stadt war weihnachtlich, fantasievoll beleuchtet. Teilweise kitschig, aber gleichzeitig märchenhaft.

IMG_20181227_235449_342.jpg

Verwinkelte Gassen, aber auch grosse Plätze und breite Promenier-Avenues, ähnlich der Pariser Champs-Elysées, prägen das Stadtbild. Die Lissabonner hielten sich auch an diesen kalten Wintertagen gern im Freien auf. Strassenkünstler belebten die breiten Strassen und Plätze, mehr sogar noch als wir es in Paris erlebten.

Ein paar Tipps zum Schluss, falls ihr Lissabon ebenfalls zur Winterszeit besucht:

  • Kleidet euch in Lagen. Wenn die Sonne scheint und es windstill ist, kann man sich gut nur im Pullover in einem Strassencafé aufhalten. Es kann aber auch empfindlich kalt werden und da waren wir sogar froh um zwei Jacken, welche wir übereinander anziehen können, Mützen und Handschuhe. Warme Schuhe, mit denen man längere Strecken bequem gehen kann, sind empfehlenswert.
  • Jeder Lissabon-Besucher will natürlich im historischen Tram 28 mit fahren. Bei uns waren die Wartelinien tagsüber zu lang. Nach dem Eindunkeln waren wir an der Starthaltestelle die Einzigen, welche einstiegen und erst nach und nach füllte sich das Tram. Wir benutzten es an dem Tag, als wir die Lissabon Card hatten. Dies führt mich zum nächsten Tipp:
  • Kauft euch für einen Tag die Lissabon Card und plant den Besuch der Museen und auch des historischen Aufzugs auf diesen Tag. Jeden Tag ist es nicht nötig, sie zu haben. Wir benutzten sie an unserem ersten Lissabontag. Am zweiten fuhren wir per Mietauto nach Sintra und am dritten und vierten Tag erkundigten wir die Stadt zu Fuss und lösten Einzeltickets für die Metro.

IMG_20181227_165819.jpg

P.S. Zur Vorbereitung auf unsere Lissabon-Reise, während und nach unserer Reise las ich das Buch „Die Jesuitin von Lissabon“. Ein spannender, historischer Roman, der rund um die Zeit des grossen Erdbebens von 1755 spielt.

 

 

 

Die verzweifelte Suche des kleinen Hirtenjungen Matteo

Wie lange sitzt er nun schon vor diesem Jesuskind? Die Heiligen drei Könige in ihren prachtvollen Kleidern, gratulieren Maria und Josef zur Geburt ihres Sohnes. Ein paar Schafe blöken hinter einem Holzverschlag.

«Matteo», haben seine Eltern vor ein paar Wochen gesagt, «dein Vater wurde angefragt, ob er Josef spielen möchte bei der lebendigen Krippe am Stanser Weihnachtsmarkt. Du und Mami dürfen beide Hirten sein. Was meinst du dazu?» Natürlich war er hellbegeistert. Das würde toll werden, wenn er so nah bei den Tieren sein könnte und seine Gspänli neidisch auf ihn sein würden.

15493407_10208075384583662_2096671019273878311_o.jpg

Aber jetzt ist die anfängliche Begeisterung verflogen, er friert ein bisschen, trotz des Feuers, um das er mit ein paar anderen Darstellern hockt. Es ist ihm langweilig und Ihm fehlen seine Spielsachen.

DSC_0606

Wo ist die Krippe? Wo ist Ben? Wo sind Matteos Eltern?

«Matteo, willst du mitkommen, dem Drehorgelmann zuzuhören?», stupst ihn Ben, ein etwas älterer Junge, der ebenfalls als Hirte verkleidet ist, fragend an. Matteo zögert und schaut zu seinen Eltern. Doch beide sind in Plaudereien vertieft. «Komm schon», drängt Ben und wendet sich schon langsam ab. Naja – seine Eltern würden es gar nicht bemerken, wenn er nur kurz nicht da wäre. Matteo verlässt mit Ben zusammen die Krippenszene. Sie folgen den Klängen der Drehorgel, bleiben unterwegs aber bei einem Eisklotz stehen, der sich unter den geschickten Künstlerhänden zu einer Figur entwickelt. «Was meinst du Ben, was gibt das, wenn es fertig ist?», fragt Matteo. Er schaut sich nach seinem Hirtenkollegen um, aber der ist verschwunden. «Ben! Ben! Wo bist du?» Und nun beginnt Matteo eine wilde Sucherei. Er bahnt sich einen Weg zwischen den vielen Menschenbeinen hindurch, denn er ist noch so klein, dass er nicht viel mehr, als die Beine der Marktbesucher zu sehen bekommt. Ben ist wie vom Erdboden verschluckt. Also beschliesst Matteo, alleine zur Krippenszene zurück zu kehren. Nur – wo ist die? Was anfänglich wie ein lustiges Fangspiel war, entwickelt sich zu einem tiefen Kummer. Matteo wird immer verzweifelter. Wo sind seine Eltern? Zu allem Elend schleicht die Kälte immer mehr in seine Glieder und er schlottert richtiggehend. Matteo sucht Wärme im Raclette-Zelt. Er hockt sich auf den Boden in einer Ecke, zieht seine Beine an und umfasst sie mit beiden Händen.

Wo ist die Krippe? – Wo ist das neugeborene Baby?

Auf einmal befindet er sich nicht mehr im Zelt, sondern auf einem weiten Feld zusammen mit ein paar Hirten. «Wir laufen dem Stern nach und suchen den neugeborenen König. Den Retter.», erklärt ihm einer der Burschen. «Du bist auch ein Hirte und gehörst zu uns. Komm mit.» Da Matteo nicht alleine zurückbleiben will und ja ebenfalls auf der Suche nach der Krippe ist, folgt er ihnen zögernd. Tatsächlich bleibt der Stern über einem alten Stall stehen. Die Hirtengruppe tritt ein. Wohlige Wärme empfängt sie. Und da liegt das Baby in einer Futterkrippe und Maria und Josef strahlen die Besucher an.

Wo ist Matteo? – Das Christkind hat ihn gefunden.

«Bub, was haben wir dich gesucht!» weckt ihn die Stimme seiner Mutter. Denn Matteo ist im Raclette-Zelt eingeschlafen. «Du warst spurlos verschwunden. Ben und ich haben dich überall gesucht.» Matteo murmelt noch etwas schlaftrunken: «Ich ging mit anderen Hirten dem Weihnachtsstern nach. Meine Rolle ist ganz wichtig. Ich habe das Christkindli gefunden.» – «Es hat dich gefunden und gerettet, denn ich habe dafür gebetet», antwortet seine Mutter.

Regula Aeppli-Fankhauser

Die Geschichte erschien am 20. Dezember im Nidwaldner Blitz

Bildschirmfoto 2018-12-20 um 11.49.16.png

„Los, we s trichled…“ – Der Brauch des Trichelns in Beckenried, Nidwalden

Walter Käslin (+1998) Beckenrieder Mundartdichter beschrieb den archaischen Brauch folgendermassen: «Los, we s trichled uf de Gasse: wumm und wumm und wumm und wumm! Näi, das isch de nid zum Gschpasse, der liäb Samiglais gaad um….»

Heute hegen die Kinder vermutlich keine Angst mehr vor dem Samichlaus, aber das «Wumm und Wumm» der Trichler ist immer noch ein eindrückliches, Gänsehaut erzeugendes Erlebnis.

Ein festverankerter Brauch mit wechselhafter Geschichte

Lärmfeste haben ihren Ursprung bei den Germanen. Sie versuchten, mit Lärm und Licht Dämonen zu vertreiben. Heute pflegt man diese althergebrachten Traditionen wohl mehr, um mit Ritualen ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu zelebrieren. Der Samichlais-Iizug stammt aus dem 16. Jahrhundert. Seit 83 Jahren ist der Turnverein Beckenried für die Organisation verantwortlich. Das Dorf wuchs kontinuierlich und der Brauch musste sich dauernd anpassen. Doch vieles hielt allen Veränderungen stand. Einerseits sind dies Trichler, welche teils seit 60 Jahren treu dabei sind. Andererseits bestehen dieselben Hauptelemente seit Jahrzehnten. Nebst den Trichlern sind das: der Samichlais mit den Schmutzlis, Hornbläser (seit 1978), Iffelen (Laternen in Bischofmützenformen), Geisslechlepfer und Fackelträger. Eine Trichel ist eine Kuhglocke. Diese wird im Takt hin- und hergeschwenkt. Wenn man heutzutage den unendlich langen Zug der rund 500, in weissen Burdihemden eingekleideten Trichler bestaunt, ist es fast nicht auszudenken, dass es anfangs der 1960-er Jahre einen Teilnehmer-Einbruch gab. Es waren nur noch etwa 12 Trichler dabei. Doch nachdem diese auf Werbetour im ganzen Kanton gingen und man Tricheln und Burdisäcke ausleihen konnte, begann ein regelrechtes Trichlefieber um sich zu greifen. 1964 waren es bereits 80 Männer, welche dem Samichlais-Brauchtum zu neuem Schwung verhalfen.

Besonderheiten des Beckenrieder-Trichelns

In Siebnerreihen schreiten die Männer durchs Dorf, von Fackelträgern begleitet. Auch manch ein Heimweh-Beckenrieder reiht sich gern ein, aber die Aufstellung ist hierarchisch. In der ersten Reihe der Trichlerschar dürfen der amtierende Beggo-Zunftmeister und die neu gewählten Älplerhauptleute tricheln, nebst denjenigen Männern, welche seit Jahrzehnten dem Brauch treu geblieben sind. Wenn der lange Marsch auf dem Dorfplatz ankommt, formiert sich ein Kreis um den Samichlais. Nach einigen Minuten des Umkreisens, folgt der Höhepunkt, das Uistrichle. Dies meint, dass der vorher gleichmässige Trichlertakt in ein wildes Schellen mündet.

Diese 10 Fotos habe ich von Kobi Christen erhalten. Die anderen Fotos stammen von mir.

Für Nachwuchs ist gesorgt

Ähnlich wie beim Schellen-Ursli, der Kindergeschichte aus dem Bündnerland, suchen sich die Beckenrieder-Kinder eine möglichst grosse Trichle. Am Mittwoch vor dem Samichlais-Iizug, haben sie ihren grossen Tag: das Buebä-Trichlä. Auch wenn der Anlass von früher her so genannt wird, dürfen Mädchen ebenfalls mit machen. In Zweierreihen, nach der Grösse der Trichle eingeordnet, ziehen sie quartiersweise trichelnd durch die Strassen. Der Buebä- Samichlais geht von Haus zu Haus und sammelt Geld, das am Schluss nach Trichlergrösse verteilt wird.

Gerade jetzt, währenddem ich an diesem Blog schreibe, ziehen die Schulkinder trichelnd vor unserer Wohnung vorbei. Von soeben:

46946551_10213244360204822_5985884092095266816_o.jpg

Mir fiel grad auf, dass die Kinder bequemere Traggurte für die Trichle haben, als noch vor Jahren. Wahrscheinlich werden die Eltern innovativer, um ihren Kindern das stundenlange Tragen der schweren Kuhglocken zu erleichtern. 😉 Ein Bild, als Tobias noch mittrichelte (im Bild ganz links).

2007-11-28 02-04-01.jpg

Einen Wunsch haben die grösseren Kinder, welche den Anlass ohne erwachsene Hilfe organisieren: bitte liebe Eltern, lasst eure Kinder alleine mitmachen und begleitet sie nicht. Und eine weitere Bitte an alle Besucher des Samichlais-Iizugs: bitte fotografiert ohne Blitz.


Diesen Samstag, 2. Dezember ist es wieder so weit: der Samichlaus-Markt und Samichlaus-Einzug mit rund 500 Trichlern wird bestimmt wieder ein beeindruckender, stimmungsvoller Auftakt in die Advents- und Weihnachtszeit sein. Um 16 Uhr werden wir zudem das Konzert von Joy of Life in der katholischen Kirche Beckenried geniessen.


Dieser Beitrag wird in leicht abgeänderter Form im Nidwaldner Blitz erscheinen, den alle Nidwaldner morgen im Briefkasten vorfinden werden.

Bildschirmfoto 2018-11-28 um 11.46.30