Urchig, hiäsig und eifäch scheen

Urchig und schön sind unsere hiesigen Traditionen. (Urchig meint urtümlich.)

Heute besuchten wir den Dorfmarkt in Emmetten und erlebten ein paar Sentä Veh (Vieh-Senten = Viehzüge). Die Kühe, welche den Sommer hindurch auf den Alpen weiden durften, ziehen jetzt nach und nach talwärts. Sie werden von den Älplern schön geschmückt.

Wir verbanden den Besuch des Dorfmarkts mit einer Wanderung bis nach Hause. Die leichte Wanderung dauerte etwa 2 Stunden. Immer wieder begeisterte die Aussicht zum Vierwaldstättersee und Beckenried hinunter oder nach Emmetten zurück. Leider führt der Wanderweg über grosse Strecken über Asphaltstrassen. Retour ist dieselbe Wanderzeit angegeben, was wir fast nicht glauben können, ist doch Emmetten höher gelegen als Beckenried, das direkt am See liegt.

Zuhause, vom Balkon aus, sehen wir die gesamte Strecke unserer Wanderung. Von ganz links (Emmetten), nach rechts und hinunter…. 😉 Wie liebe ich es, hier wohnen zu dürfen.

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Wir haben es getan: Wanderung zum Point of return: Isenthal – Vorder Bärchi retour

Minouch findet, er begleite uns auf unsere heutige Wanderung. 41335402_10212756425166751_3911146212153098240_o

Wir nehmen uns vor, von Isenthal aus zu unserem gestrigen Punkt „of return“ zu wandern, denn es nimmt uns wunder, wie weit es gestern noch bis zur Postautohaltestelle Isenthal gegangen wäre und wir wollen einfach mal die ganze Wegstrecke bewandern.

Ab Isenthal gibt es jede Menge Themenwanderwege: Den Urner-Mundart-Weg, Bärenweg, Sagen- und Skulpturenweg und den Erlebnisweg „Urchigs Handwärch“. Einen Posten des letzteren Weges suchen wir in Isenthal auf: „Mit Läder schaffä“. Toll, dass man hier ein Lederportemonnaie selber herstellen könnte und dass hier alte Gerätschaften unbewacht ausgestellt werden können, ohne Angst haben zu müssen, dass jemand sie stehlen würde.

Die Aussicht auf dem wiederum sehr malerischen, alten Weg ist fantastisch und wir geniessen die Wanderung. Denn heute müssen wir nicht zu einer gewissen Zeit eine Ortschaft erreicht haben, um ein Postauto oder Schiff zu erreichen.

Ist Minouch tatsächlich mitgekommen? 😉

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Natürlich nicht. Man beachte, dass unser Minouch einen buschigen Schwanz hat. 😉 Aber diese Katze ist genauso verschmust und begleitet uns ein paar Minuten, bevor sie umkehrt.

Die Aussicht beim Picknickplatz (mit Grillstelle) Vorder Bärchi ist prächtig.

Und hier ist er – der Punkt, an dem wir gestern umgekehrt und wieder nach Bauen zurückwanderten, weil wir befürchteten, das Postauto in Isenthal nicht zu erwischen und damit die letzte Schiff-Verbindung nach Beckenried zu verpassen.

Zurück in Isenthal kommen wir über den Daumen gerechnet zum Schluss:

wir hätten gestern das Postauto entweder knapp erwischt oder knapp verpasst. 😉 Unsere Wanderstrecke Bauen – Isenthal betrug zusammengerechnet 2 Stunden 5 Minuten. Von unserem Punkt „of return“ aus, hätten wir gestern 50 Minuten bis zum Postauto gehabt, aber wir hätten dies in 45 Minuten schaffen müssen…. In Bauen gab der Wegweiser ja die Zeit 2 Std. 35 Min. für diese Strecke an. Ihr erinnert euch? Hier:

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2.5 Stunden sind zuviel. 2 Stunden für diese Strecke reichen und wir wandern nicht überaus zackigen Schrittes. Der Grund, weshalb wir es gestern nicht oder nur knapp geschafft hätten, war, dass wir diesen unnötige „Rundschlaufe“ liefen, aufgrund der mangelhaften Ausschilderung und weil wir unterwegs eine Zvieripause einlegten. Unsere gestrige Entscheidung, denselben Weg nach Bauen zurück zu wandern und dort aufs Schiff zu gehen, erwies sich als richtig. Wir hätten bestimmt rennen müssen und ich weiss nicht, ob das über Stock und Stein ein gutes Ende genommen hätte. Wie vernünftig man doch im Alter wird. 😛

Gestern und heute zusammen, haben wir die Strecke Bauen – Isenthal doppelt erwandert. So wie uns der weise Pächter der Ermitage Beckenried sagte: „Man kennt einen Weg erst richtig, wenn man ihn auf beide Seiten gesehen und erlebt hat.“ Ob man ihn ab Bauen oder Isenthal wandert: empfehlenswert ist er auf jeden Fall!

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Von der Weisheit, umzukehren. (Wanderung ab Bauen)

Wir wohnen so wunderschön, das denke ich täglich. Und was für ein Glück es ist, dass wir innert paar Minuten von zuhause aus an der Schiffstation Beckenried sind. Andere Menschen reisen von weither an, um die malerische Vierwaldstättersee-Region zu geniessen.

Der heutige Plan lautet: Schifffahrt Beckenried – Bauen, Wanderung Bauen – Isenthal (Weg der Schweiz) und mit Postauto und Schiff wieder nach Hause.

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Sich die Landschaft auf dem Schiff sachte vorbeiziehen zu lassen, ist immer wieder sehr entspannend. Wir steigen in Beckenried auf das Dampfschiff Stadt Luzern. Dieses wird übrigens Ende Jahr bis im Jahr 2021 total revidiert.

In Brunnen steigen wir um – auf das kleine Schiff Mythen.

In Bauen um 14 Uhr den Wanderweg entdeckt, erschrecken wir: die Wanderstrecke ist mit 1 Stunde länger ausgeschrieben, als wir gerechnet haben. Also rund 2.5 Stunden Wanderzeit. In umgekehrter Richtung sind 1.5 Stunden angegeben. Wir rechneten mit ca. 1 Stunde und 45 Minuten Wanderzeit. So können wir unseren Plan nicht einhalten, das Postauto um 16 Uhr in Isenthal rechtzeitig zu erwischen, um es auf die letzte Schiffsverbindung nach Beckenried zurück zu schaffen.

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Also: Planänderung. Wir wandern eine Stunde hin – und eine Stunde auf demselben Weg wieder zurück. Sind wir kurz vor Vorder Bärchi? Wir haben de facto keine Ahnung, bis wie weit es wir in dieser Stunde geschafft haben. Schade, gibt es unterwegs keinen Wanderweg mit Zeitangabe. Denn so fehlt uns eine Einschätzung, ob wir es nicht doch bis Isenthal aufs Postauto hätten schaffen können. Aber der Weg ist abwechslungsreich und interessant. Es ist ein uralter Handelsweg. Linkerhand liegt uns stets der See zu Füssen. Oft bin ich, welche nicht ganz schwindelfrei bin froh, um die guten Absicherungen und die Breite des Weges. Er wird, wie es scheint, gut in Ordnung gehalten.

In dieser Stunde eingeschlossen ist eine unnötige „Rundschlaufe“. Nach dieser Brücke führt der Weg rechts hoch. Nach kurzer Zeit zweigt ein Weg nach links ab, den wir verpassen. Wir wandern weiter bergwärts.

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Bis wir auf einem Baum auf der linken Seite eine Wanderwegmarkierung sehen. Also zweigen wir dort ab und wundern uns zwar schon, denn der Weg führt wieder in Richtung Bauen. Kann ja sein, dachten wir, dass er eine Schlaufe macht – bis wir wieder auf dem Weg standen, auf dem wir bereits hoch wanderten. Hättet ihrs gewusst? Links oder rechts? Wir entscheiden uns für rechts und das ist falsch.

Hier fehlt ganz eindeutig eine Wegmarkierung. Also, wenn ihr an diese Stelle kommt: nach links abzweigen!

Retour fahren wir mit dem Dampfschiff Gallia – ohne Umsteigen bis Beckenried.

Morgen wollen wir per Auto nach Isenthal fahren und zum Vorder Bärchi wandern. Vielleicht sehen wir, ob wir heute kurz vor dem Aussichtspunkt waren oder nicht.

Wir wandern halt nicht gern denselben Weg hin- und retour. Obwohl: auf dem Schiff  kurz vor Beckenried, treffen wir den Pächter der Ermitage Beckenried und er gibt uns zu bedenken: „Man hat eine Strecke erst gesehen, wenn man sie einmal in der einen und dann in der anderen Richtung erlebt hat.“ Und ja: schön war es „einewäg“ (so oder so), wie ihr mir bestimmt zustimmen werdet. 

 

Foxolino Ballenberg – Auf der Suche nach einem wertvollen Kristall

Die Startinfo des Foxtrail erklärt uns, dass es auf dem Ballenberg nicht nur alte Häuser und Traditionen zu entdecken gäbe, sondern auch Geheimnisse, denen man auf die Spur kommen könne. Der Fuchs jedenfalls habe die Fährte nach einem sagenumwobenen Kristall aufgenommen und uns Hinweise von Geheimnisträgern hinterlassen.

Weil es so heiss war, genehmigten wir uns eine Znünipause und einen Kaffee- und Dessertaufenthalt im Gasthaus „Degen“. Leider kamen wir deshalb zu spät, um Liseli zu helfen, was uns schockierte. Kleineren Kindern müsste bei dieser Station erklärt werden, dass dort eine Puppe liegt und das Ganze ja ein Spiel ist. Dieses Zimmer ist  etwas gruselig inszeniert – was aber vom Freilichtmuseum so gestaltet ist, nicht vom Foxtrail. Aber echt – noch dazu mit diesen Gesängen…..

Ansonsten hat uns der Foxtrail wiederum sehr gut gefallen. Hier ein paar Impressionen. Aber Achtung: nicht alle Fotos haben mit dem Lösen des Foxtrailrätsels zu tun. Wir genossen unseren Aufenthalt und besuchten viele der Häuser, auch wenn das nicht auf der Foxtrailroute war. Denn unser letzter Besuch des Ballenbergs liegt 11 Jahre zurück. Seither gab es viele neue-alte Häuser.

Wir fühlten uns top unterhalten und wie das Schlussfoto zeigt, das zu einem Posten gehörte, der ein Höhepunkt an Originalität darstellte, gab es viel zum Lachen. Wir merkten übrigens dort nicht, dass wir zum obligaten Schlussfoto geknipst wurden, sondern meinten, dass es halt dieses Mal kein Schlussfoto geben würde. 😛

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Die Posten waren nicht zu schwierig, aber teilweise schön knifflig genug, um auch uns alten Fuchsjägern etwas zum Knobeln zu geben. Dieser Shorttrail eignet sich für Familien mit Kindern – und auch für Erwachsene, denn auch wir waren ohne Kinder unterwegs und hatten nie das Gefühl, kindisch zu sein. 😉 Natürlich verpassten wir den Fuchs wieder – wie immer. Aber den Kristall haben wir gefunden! Immerhin!

Ein Tipp für künftige Ballenberg-Fuchsjäger: nehmt euch unbedingt Zeit, die Häuser genau anzuschauen auf eurer Route und euch nicht nur auf das Lösen des Rätsels zu konzentrieren. Es lohnt sich und man kommt auf der Route nicht nochmals an denselben Häusern vorbei. Und schaut, dass ihr entweder vor oder nach dem Trail auch die übrigen Häuser noch betrachten könnt. Rechnet also für dieses Freilichtmuseum genügend Zeit ein, denn der Tageseintritt ist im Foxtrailbillett inbegriffen.

Drei Anmerkungen:

  • wir empfanden den Trail als viel zu kurz. Hätten wir ihn ohne Pause absolviert, wären wir in 1 bis 1.5 Stunden damit fertig gewesen. Warum nicht einen zweiten, längeren gestalten? Doppelt so lang dürfte er ruhig sein.
  • wir hätten mit der Raiffeisen-Memberkarte (Museumspass) Gratiseintritt ins Freilichtmuseum Ballenberg gehabt. Es wäre im Grunde genommen schön, wenn man damit nicht den vollen Preis für diesen Foxtrail bezahlen müsste. Foxtrail könnte dies vielleicht verrechnen lassen?
  • Es war schwierig und nur mit viel Geduld möglich, dem einen „Geist“ sein Geheimnis auf Deutsch zu entlocken. Dauernd sprach er irgend eine andere Sprache…. Wir benötigten zwischen 5-10 Versuche, bis er endlich merkte, dass er ja auch deutsch sprechen könnte. 😉

Ansonsten: danke für die fantasievollen Installationen! Es war wohl nicht unser letzter Foxtrail.

P.S. Kein gesponserter Beitrag.

Rund um den Golzernsee

Die Postautofahrt ab Amsteg ist bereits den Ausflug wert: gekonnt chauffiert der Fahrer uns die engen, gewundenen Kurven hinauf zur Talstation der Seilbahn Golzern. Unterwegs öffnet sich hie und da der Blick zum Eisenbahngeleise hinunter. Spektakulär! Leider bin ich immer zu spät dran, mit der Kamera, um den Blick einfangen zu können – schon folgt die nächste Kurve oder ein Tunnel verdunkelt die Sicht.

Der Chauffeur ist herausgefordert, den entgegenkommenden PW’s auszuweichen. Im Grunde genommen dürften sie nicht dann die entgegen gesetzte Strecke befahren, wenn ein Postauto auf der Strecke ist. Die Zeiten sind für die Autofahrer klar ausgeschrieben. Denn auf dieser Strasse kann nicht mit dem Postauto gekreuzt werden.

An der Talstation haben wir Glück und können ohne Wartezeit, um 14 Uhr die kleine Seilbahn besteigen.

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Wir wandern rund um den Golzernsee, gönnen uns unterwegs ein verspätetes z’Mittagessen in einem der Restaurant (feine Älplermagronen) und schwimmen im erstaunlich warmen Golzernsee. Wir lassen uns sagen, er sei etwa zwei Grad wärmer als der Vierwaldstättersee, das bedeutet, die Wassertemperatur beträgt um die 26 Grad. Andere Jahre waren wir die einzigen Badenden. Heute nicht. Der Golzernsee scheint sich zu einem beliebten Badesee gemausert zu haben. Dennoch haben wir nicht das Gefühl, er sei von Badegästen „überlaufen“. Die grünen, saftigen Weiden fallen uns auf. Was für ein Gegensatz zu unseren dürren Weideflächen in den Niederungen!

Die gesamte Rundwanderung dauert ca. 1.5 Stunden, ist meist eben – nur am Ende des Sees gibt es eine Steigung, aber das Ganze lässt sich problemlos auch mit Kindern meistern. Wenn man den See nicht ganz umrunden will, sondern nur hin- und zurück laufen möchte, kann man ihn auch per Kinderwagen begehen.

Auf dem Weg werden uns hie und da Kristalle für wenig Geld angeboten, die vor Ort gefunden wurden.

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Wir sind einmal mehr fasziniert davon, dass hier oben etwa 10 Personen ganzjährig leben. Die vielen Lawinennischen, in die sich ein Mensch retten könnte, wäre er bei einem Niedergang unterwegs, zeugen von harten Wintern.

Leider ist die Bahn dafür bekannt, dass man oft lange anstehen muss und einen die Wartenden auch dann nicht vor lassen, wenn man unbedingt das Postauto erreichen möchte, das nur stündlich fährt. Wir haben ein Erlebnis in böser Erinnerung, als wir vor ein paar Jahren, an der Bergstation vergeblich freundlich fragten, ob man uns vor lasse. Unten im damals herbstlichen Nebel froren wir dann fast eine Stunde, weil wir das Postauto knapp verpassten. Die Leute, welche uns oben noch bitten hörten, uns vor zu lassen, stiegen allesamt frisch und fröhlich in ihre Autos und fuhren einer nach dem anderen los. Und es kam keinem in den Sinn, uns zu fragen, ob wir mitfahren wollten. Es gibt zwar unten einen Kiosk, aber der hat nur Aussenplätze. Man kann sich also nicht innen in einem Restaurant beim Warten wärmen. Damals erhielt mein Menschenbild einen kleinen „Knacks“. Nun – dieses Mal stehen wir auch, wie es uns der Seilbahnangestellte vor der Bergfahrt bereits für die Talfahrt prophezeite, 45 Minuten an und verpassen ebenfalls das Postauto wiederum ganz knapp. Es ist im Sommer nicht ganz so schlimm, denn wir gönnen uns Glacés und besuchen kurz das Schau-Kraftwerk. Wobei, soviel zu schauen gibt es da nicht wirklich… Und dennoch geht die Zeit, an der Sonne wartend, schnell vorbei und wir lassen uns beim Dreiklang des Postautos, das dieses Mal vollbesetzt ist, zurück kutschieren.

 

 

Über 7 Brücken musst du gehn…

….. hiess es bei der Wanderungsbeschreibung, welche wir im Internet fanden und auch hier auf der Infotafel in Engelberg: DSC_0036.jpg

Wir zählten hingegen 10 Brücken, einschliesslich der 3 Hängebrücken auf unserem Weg von Engelberg runter nach Grafenort. Weil wir lieber runter- statt hochlaufen (vor allem bei der Hitze dieser Tage,) starteten wir die Route ab Engelberg. Das Auto parkierten wir vorher in Grafenort, fuhren per Zentralbahn nach Engelberg – und wanderten dann gemütlich in zwei Stunden zum Auto zurück. (Reine Wanderzeit)

Das Gefälle ist sanft und der Weg auch mit Turn- oder Halbschuhen gut zu bewältigen. Allerdings nicht mit dem Kinderwagen oder Rollstuhl.

Wir wanderten zuletzt im Jahr 2010 auf diesem Weg. Noch vor dem Unwetter 2011, welches den Weg, wie auf der obigen Tafel ersichtlich, massiv beschädigt hatte. Damals wollten wir nochmals auf der alten Zugstrecke nach Engelberg fahren, bevor die letzte Zahnrad-Strecke, in den Berg verlegt wurde. Erst zwei der heute 3 Hängebrücken standen und der Wanderweg war um einiges weniger abwechslungsreich als heute. Wir waren total begeistert über die fantasievoll geführte Strecke und die liebevoll gestalteten Details am Wegesrand. Über die vielen Picknickplätze mit Grillmöglichkeiten, staunten wir, durften aber leider aufgrund der Dürre keine Wurst bräteln. Einer der Rastplätze beeindruckte uns besonders, lagen doch Gratis-Sirup, Kaffee, Tassen, Gewürze, Abwaschmittel und anderes für den Rastsuchenden bereit. Sowas hatten wir erst einmal gesehen und zwar in Österreich. Auf die Kinder warten hie und da Schaukelgelegenheiten.

Leider verlor der Weg nach einer Stunde Wegzeit, lange vor Obermatt an Attraktivität. Konnte man sich vorher nach jeder Wegbiegung überraschen lassen, führte er nach der letzten Hängebrücke auf dem uns seit 2010 vertrauten Weg fast nur noch schnurgerade, dem Flusslauf entlang. Abwechslung bot einzig ein weiterer, origineller Rastplatz und die Talstation der bekannten, spektakulären Seilbahn Obermatt-Zingelalp.

Wir bedauerten, dass man nicht mehr auf die Zentralbahn ab der Station Obermatt einsteigen konnte. Denn auch die Sonne brannte wieder stärker, als noch in Engelberg. Leider ist der Lernpfad vor Grafenort nicht mehr gut unterhalten. Ein Hochsitz besteht noch, aber zum Beispiel die Klangobjekte liegen teilweise beschädigt am Boden, wie auch die zugehörige Lerntafel. Schade. Ich empfehle die Wanderung im Herbst, dann mögen die Laubbäume Abwechslung fürs Auge bieten ab dieser halben Wegstrecke.

Ausgangs- und Endpunkt unseres Ausflugs – das Herrenhaus in Grafenort:

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Reise ans Ende der Welt im Land der Mitternachtssonne

Holpriger Start, Samstag, 7. Juli 18

Wir starteten unsere Reise ins Land der Mitternachtssonne per öffentlichem Verkehr. Bereits auf den ersten paar Metern auf dem Weg zur Postauto-Haltestelle, verlor mein Rollkoffer einen Teil des einen Gummirädchens. Zu spät, um zurück zu kehren und alles in einen anderen Koffer um zu packen. Fortan holperte ich auffällig durch die Welt. 😛 Die SBB hatte die glorreiche Idee, das Schienennetz ausgerechnet zum Zeitpunkt zu sanieren, wenn die meisten Schweizer in die Ferien verreisen. So mussten wir bis zum Flughafen Basel 5 Mal umsteigen. Eine etwas mühselige Prozedur mit dem ganzen Gepäck.

Der Flug nach Hamburg und das Aufsuchen unseres Hotels verlief problemlos. Wir logierten glücklich und zufrieden zu einem Schnäppchenpreis in einer Suite des Vier Sterne Hotels  NH Collection Hamburg.

Die Frühstückpreise für etwa 22 Euro waren völlig überzogen und wir frühstückten dafür zweimal auswärts zum halben Preis, den das Hotel verlangt hätte. Leider war der Wellnessbereich aufgrund einer Sanierung geschlossen und wir wussten dies vorher nicht. Es gab keine Preisreduktion deswegen.

Wir besichtigten die Speicherstadt und waren total fasziniert von der Ambiance des gesamten Quartiers.

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Auf der Plaza, das ist die Aussichtsplattform der Elbphilharmonie bestaunten wir die grossartige Aussicht über Hamburg.

 

 

Bei einem Italiener in der Nachbarschaft der Elbphilharmonie assen wir z’Nacht. (Wir haben erst grad von Constantin, unserem Gastgeber in Kiel vernommen, dass Nachtessen für Deutsche ein ungewohntes Wort für Abendessen ist. Ich bin mir meiner Helvetismen oft einfach nicht bewusst. Genauso wie obiges Ambiance – was scheinbar Ambiente heissen sollte auf gut hochdeutsch. 😛 ) Nach den tollen Pizzen bestaunten wir etwa drei Stunden lang das Miniatur Wunderland. Wir würden sagen: ein „Muss“ für jeden Hamburg-Besucher! Sowas Tolles! Der Prospekt wurde sogar auf Schweizerdeutsch übersetzt. 😀

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Die Tickets holten wir uns vorher. Es ist immer sehr gut besucht und deshalb lohnt sich ein Besuch frühmorgens oder dann erst ab 20 Uhr. Anschliessend begaben wir uns auf eine Lichterfahrt durch das Hafengebiet Hamburgs. An Bord eines Schaufelrad-Schiffes, was ein ganz besonderes Erlebnis war – mit Live-Infos unterwegs.

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Free Walking Tour, Planten un blomen und Kinky boots, Sonntag, 8. Juli 18

Am Sonntag genossen wir eine Gratis-Stadtführung. Unsere Tochter Petra hat diese Art Stadtführungen weltweit schon hie und da unternommen – wir aber das erste Mal. Ist man zufrieden – und das waren wir mit Martin – gibt man dem Stadtführer (meist ein Student) ein Trinkgeld.

Die Höhe bestimmt jeder selber. Anschliessend spazierten wir durch den alten Elbtunnel und waren fasziniert von der alten Lift-Technik und allgemein über die Geschichte des Tunnels.

In einer Beach-Bar in der Nähe, stärken wir uns für den Besuch des Musicals Kinky boots. Basierend auf einer wahren Lebensgeschichte, dreht sich die Handlung um Toleranz gegenüber Minderheiten, insbesondere gegenüber Schwule und Drag Queens. Die Lieder sind nicht sehr eingängig, die Show ist schrill und schräg. Wir empfehlen den Besuch bedingt, denn vom Hocker gerissen hat sie uns nicht wirklich, aber es war solide Unterhaltung. Wir wollten einfach irgendein Musical in Hamburg erleben und wählten eines, dass nicht derart horrende Eintrittspreise verlangt wie „König der Löwen“. Ins Hotel zurück spazierten wir über den Park Planten un Blomen und erlebten ein romantisches Wasserlichtkonzert.  

 

Einschiffung, Montag, 9. Juli 18
Sonnenuntergang um 21.53 Uhr, Sonnenaufgang  4.53 Uhr, See leicht bewegt, ca. 19 Grad

Wir frühstückten im originellen Café Klatsch im Karolinenviertel, das wir anschliessend  besichtigten und ich kaufte mir dort eine kombinierbare Rucksack-Tasche der Fairtrade-Marke Blutsgeschwister. Und dann endlich ging es an Bord der Costa Pacifica. Das erste Mal sein Zuhause auf dem Wasser zu sehen, diese Hotelstadt – das ist immer wieder ein speziell emotionaler Moment. Ein paar interessante Daten: Die 1023 Mitarbeiter an Bord stammen aus 41 Nationalitäten und haben Arbeitsverträge zwischen 5 bis 8 Monaten. In diesen Zeiten haben sie freie Stunden, aber arbeiten ansonsten täglich 11 Stunden. Die 170 Mitarbeiter der Zimmerreinigung sind jeweils für 20 bis 26 Zimmer zuständig. Die Costa Flotte umfasst 14 Schiffe und zwei neue Schiffe kommen 2019 und 2020 auf See. Um 17 Uhr hätten wir ablegen sollen. Wir mussten aber auf eine verspätete Gruppe warten und legten leider deswegen ab, als wir uns das erste Mal zum Abendessen begaben – mit mehr als einer Stunde Verspätung. Wir waren enttäuscht, dass wir das Verlassen des Ausgangshafens nicht mit bekamen.

Das war unsere dritte Kreuzfahrt (2013 mit Costa und 2014 mit MSC).

Erster Seetag, Dienstag, 10. Juli 18
Sonnenuntergang 23.02 Uhr, Sonnenaufgang 5.09 Uhr, See bewegt, ca. 14 Grad Luft

Unsere Kreuzfahrt begann mit einem ganzen Tag auf See. Befürchteten wir zuerst Langeweile, war alles andere der Fall. Der Tag verging im Nu (im Flug, kann man ja wohl nicht gut sagen 😉 ) Wir sprudelten im Wellnessbecken, besuchten Tanzkurse und Vorträge über die Wikinger und zum Thema Gesundheit, lasen und fanden uns auf dem Schiff schon bald zurecht. Tobias fand bereits Anschluss im Teenie-Club. Bis zuletzt bildeten sich tolle neue Beziehungen und er kam stets erst frühmorgens in die Kabine zurück.

Ålesund, Mittwoch, 11. Juli 18
Sonnenuntergang 23.21 Uhr, Sonnenaufgang 4.15 Uhr, Luft 18 Grad, See ruhig

Endlich wieder festen Boden unter den Füssen – in Ålesund, ein hübscher Ort mit vielen Bauten im Jugendstil. Wir schauten uns das Museum zur Stadtgeschichte in der alten Schwanenapotheke an. Es faszinierte uns nicht extrem. Die Zeitreise ist originell gestaltet, aber bloss dafür den Eintrittspreis zu bezahlen – das könnt ihr euch ersparen.  Wir wanderten über 418 Stufen auf den Berg Fjellstua. Die Aussicht war phänomenal und Tobias liess seine Drohne steigen. Auf einem weiten Bogen wanderten wir zur Stadt zurück.

 

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Zweiter Seetag, Donnerstag, 12. Juli 18
Die Sonne war immer sichtbar, Luft ca. 9 Grad, See leicht bewegt, Polarkreis erreicht

Wieder vergnügten wir uns mit tanzen, lesen, essen 😉 (zwei Kilo zugenommen. :-P)

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sprudeln und baden an Bord. Langweilig wurde es uns nicht. Wir kleideten uns elegant für das Galadinner am Abend. Nach dem Dinner absolvierten wir einen Fotoshooting-Parcour. Die Fotos wurden toll, nicht wahr? Und die Preise waren sogar moderat… Auf den vorherigen Kreuzfahrten kauften wir nie Fotos, weil uns erstens die Qualität nie überzeugte und uns zweitens die Preise dafür überrissen erschienen. Der Fotograf der Costa Pacifica hat uns Extrapreise gemacht.

Das Ende der Welt am Nordkap am Freitag dem 13. 😉 und Mitternachtssonne, bzw. Polarnacht
Die Sonne ging nicht unter, Luft ca. 9 Grad aber gefühlt kälter, weil windig am Nordkap, See ruhig

Mit erstem Tenderboot von Honigsvåg  setzten wir ans Land über und fuhren per Bus ans Nordkapp. Sowohl auf der Hin- wie auf der Rückfahrt entdeckten wir je zwei wilde Rentiere. Das war für mich der Höhepunkt der Reise! Am Nordkap, dem „Ende der Welt“, wie die ersten Menschen, welche es aufsuchten, meinten, trafen wir vor den grössten Menschenmassen ein und auch vor dem Nebel. Die Lichtbilderschau, den Besuch des berühmten Globus – das alles war beeindruckend, aber nicht umwerfend  – und dennoch emotional ein spezielles Erlebnis. Ich hätte mir nicht vorstellen können, die Kreuzfahrt zu unternehmen ohne den Besuch dieses Punktes am nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Ok – die Wahrheit ist ja, dass dies einmal ausgemessen wurde und streng genommen ein Nachbarspunkt der Insel der nördlichste Punkt ist. Doch dem Erlebnis tat dies für uns keinen Abbruch. 😉 Wir haben uns immerhin noch nie nördlicher geküsst. 😀

Das Hafendörfchen war nicht allzu spektakulär. Die Mitternachtssonne, welche wir hingegen, an Bord zurückgekehrt, bewundern konnten, umso mehr.  Der heutige Freitag der 13. war ein Glückstag mit den gesichteten Rentieren, dem Wetter- und Besucherandrang-Glück am Nordkap und dem unvergesslichen Erlebnis, dass die Sonne um Mitternacht bloss einen „Kehr“ einlegte. Wir checkten nicht so recht, wann das Abendrot bereits wieder dem Morgenrot wich. Es wurde einfach langsam etwas dunkler und dann wieder hell und es war ständig irgendwie Sonnenuntergang, bzw. Sonnenaufgangsstimmung um Mitternacht rum. Als es hell wurde, gingen wir schlafen. Ab diesem Zeitpunkt erlebten wir ein paar Tage lang gar keine Nacht, sondern nur noch Tag. Für uns war das völlig ungewohnt. Will man um 3 Uhr morgens wirklich schlafen gehen, wenn die Sonne taghell strahlt, die Fijorde, welche durchfahren werden, herrlich sind und man an Deck sünnelen kann? Nein – will man im Grunde genommen nicht. Die Sonne minderte unseren Schlafbedarf tatsächlich. Ich als Langschläferin hätte das nie für möglich gehalten. Bloss der Verstand sagte einem, dass es Zeit für etwas Schlaf wäre, weil wir morgen früh doch Tromsø besichtigen wollten. 😉

Tromsø, Samstag, 14. Juli 18
Die Sonne ging nicht unter, Luft ca. 16 Grad, See leicht bewegt

Wir wanderten durch die Altstadt von Tromsø (abgesehen von einer Einkaufsstrasse nicht wirklich sehenswert), über die lange Brücke zur Eiskathedrale. Diese beeindruckte uns nicht sonderlich. Sie ist wohl schöner und glanzvoller im Licht der Nacht und mit Schnee anzuschauen. Auf den Aussichtsberg Storbergen liessen wir uns mit der Bahn transportieren und waren stolz, dass sie unter anderem von der Frey AG Stans gebaut wurde. 😉 Von oben sah die Stadt schmuck aus. Zu Fuss wanderten wir den Berg runter und plauderten unterwegs mit einer Einheimischen. Sie erzählte uns, dass sie nicht, wie wir es schon öfters hörten, Probleme mit der Dunkelheit in der Winterszeit hätte. Der Himmel sei nicht einfach nur dunkel, sondern zeige verschiedene Dämmerungstöne. Und mit den Polarlichtern sei das Ganze sowieso magisch. Wir müssten unbedingt zu dieser Zeit wieder kommen. Im Winter halte man sich oft im Haus auf und bringe das Licht in die Wohnungen. Wenn sich die Sonne das erste Mal nur kurz zeige, würde es ein grosses Fest geben. Nein, sie vermisse nichts….
Tobias konnte wiederum Drohnenaufnahmen machen. Mein linkes Knie und linker Fussknöchel versagten den Dienst gegen den Schluss hin, aufgrund der vielen Treppenstufen. Ein seltsames Gefühl, wenn das eine Bein nicht mehr belastungsfähig ist. Ich wandere doch viel in den Schweizer Bergen und habe noch nie derartige körperliche Beschwerden dabei erlebt. Doch auch ich schaffte es zum Shuttlebus von Costa zurück zu humpeln. Apropos Costa-Shuttlebus. Unsere Empfehlung für alle Costareisenden: spart euch diese Kosten und nehmt die Tageskarte für den öffentlichen Verkehr vor Ort. So könnt ihr zum Beispiel auch bloss einen Weg über die Brücke laufen und den Zurückweg per Bus fahren oder sowohl Hin- wie Rückweg über die Brücke mit dem Bus fahren. Denn ein Fussweg ist wirklich lang und der Blick nach unten trist und langweilig (auf einen Bau- oder Industriegrund). Tickets für die Ortsbusse gibts nach ein paar Fussminuten von der Anlagestelle der Kreuzfahrtschiffe entfernt. GoogleMaps hilft weiter.

Wetterpech und Abenteuer beim Aus-Tendern auf Leknes, Sonntag, 15. Juli 18
Die Sonne ging nicht unter, Luft ca. 16 Grad, See ruhig, regnerisch und neblig

Bei der Überfahrt mit dem Tenderboot nach Leknes, auf den Lofoten, hatte unser Boot ein Motor-Problem. Wir schaukelten auf dem Meer und der Bootsführer wirkte hilflos. Ich verstand den italienischen Funkverkehr. Er wurde von Costa nicht ernst genommen. „Was höre ich: Motorschaden? Ich habe es bestimmt falsch verstanden und ihr seid schon an Land. Bitte bestätigen.“ Wäre schön gewesen. Unser Boot musste von einem anderen Tenderboot zurück zur Costa geschubst werden, was sanfter klingt, als es war. Leute schrien, es war eine rauhe, umständliche, unsichere, beängstigende, wellige Angelegenheit, ohne Informationen. Irgendwie schaffte es der Bootsführer und es kamen Techniker an Bord, welche dem Bootsführer zu verstehen gaben, dass sie an seinen Fähigkeiten zweifelten. Erst nachdem wir dieser Unterhaltung beiwohnten, durften wir aussteigen. Wen wunderts, dass nicht alle Leute daraufhin ins nächste Tenderboot einstiegen. An Land erwartete uns der Car, denn wir hatten die zweite gebuchte Tour mit Costa vor uns. (Die erste war diejenige ans Nordkap.) Wir fuhren nach Svolvaer und hörten unterwegs interessante Infos über die Insel, welche ihre wahre Schönheit aufgrund des Regens vor uns verbarg. So schade! Ich las im Vorfeld von türkisblauem Meer wie in der Karibik und weissen Sandstränden. Auch die schönste Natur wirkt halt trüb bei Regen. Wir besuchten eine Ice Bar mit schönen ins Eis gehauenen Motiven (welche man aber auch um einiges grösser auf dem Titlis sehen kann. 😉 ), tranken bei Minus 6 Grad in der Bar etwas und fuhren via einem Fotohalt bei einer Holzkirche und einem Wikinger-Langhaus wieder retour.

Wir mussten zur selben Zeit wie geplant bei der Costa zurück sein, obwohl wir aufgrund des Aus-Tenderns eine halbe Stunde Verspätung hatten. Meine Reklamation an Bord der Costa wurde entgegen genommen, aber ohne dabei auf grosses Bedauern/Verständnis zu stossen oder gar wie gehofft, eine Entschädigung zu erhalten. Ich bin mir nicht sicher, ob sie weitergeleitet wurde.

Die Welt ist wieder in Ordnung auf Trondheim am Montag, 16. Juli 18
Sonnenuntergang 23.11 Uhr, Sonnenaufgang 03.02 Uhr, Luft ca. 23 Grad, See ruhig

Trondheim präsentierte sich in schönstem Sonnenschein und bei überraschenden 29 Grad. Der Flussabschnitt mit Häusern, welche auf Stelzen gebaut wurden, bot malerische Fotosujets. Wir spazierten zur Festung und zur Domkirche.

Glück und Ärger in Åndalsnes am Dienstag, 17. Juli 18
Sonnenuntergang 23.09 Uhr, Sonnenaufgang 4.06 Uhr, Luft ca. 22 Grad, See leicht bewegt

In Åndalsnes erwischen wir die letzten drei Tickets vor Ort für eine Tour mit der alten Raumabahn nach Lesja. Die Fahrt war bis ungefähr Bjorli schön – mit Wasserfällen, Kehrtunnels, Brücken – ab dieser Ortschaft aber nicht mehr so „speziell“. Der Fahrplan ist in dem Sinn unattraktiv, als dass wenige Züge pro Tag fahren, die Komposition kurz und von daher schnell ausgebucht ist und wenn man irgendwo aussteigt, muss man jeweils eine bis zwei Stunden bis zur Rückfahrt im Nirgendwo warten. Von daher waren wir froh, dass wir spontan diese Tour buchen konnten. Da sie nicht von Costa ist, lohnt es sich also, sofort nach Anlegen des Kreuzfahrtschiffes, an den Bahnhof zu gehen. Denn mit der Zeit bildete sich vor dem Ticketschalter eine lange Warteschlange und wie geschrieben: nach uns gabs kaum mehr ein attraktives Angebot und Einzelfahrten mit der Bahn ab Åndalsnes waren ebenfalls bereits alle ausgebucht. In Lesja wurden wir von einer norwegischen Studentin in Empfang genommen. Per Car fuhren wir zu einer alten, malerischen Holzkirche und die Studentin gab uns deutsche Infos dazu ab. Im benachbarten Freilichtmuseum hätten wir zwei Stunden Aufenthalt gehabt. Doch italienische und französische Fahrgäste drängten auf eine um eine Stunde vorverlegte Abfahrt. Leider bekam dies ein deutsches Ehepaar nicht mit und sie verpassten die vorzeitige Abfahrt. Sie wurden von einer Angestellten des Freilichtmuseums mit ihrem PW zu unserem Car gefahren, welche etwa 10 Minuten auf sie bei einem Touristenshop wartete. Ich traute meinen Ohren nicht: sie wurden beim Einstieg ausgebuht. Und zwar just von jenen Leuten, welche bei zwei späteren Fotohalts jeweils die vereinbarte Weiterfahrtzeit nicht einhielten! Ich konnte nicht anders und buhte sie beim zweiten Mal, als sie zu spät einstiegen, aus Solidarität zum deutschen Ehepaar ebenfalls aus. Ich meine, das deutsche Ehepaar hat die verfrühte Abfahrt des Cars verpasst, weil ihnen die Information fehlte, aber die anderen, welche sich darüber aufregten, liessen uns alle viel länger warten, weil sie sich bewusst um einen Deut kümmerten, welche Zeit zur Weiterfahrt abgemacht war. Was regen mich solche arroganten, egoistischen Menschen auf! Einer der Fotohalte war bei Trollveggen (Troll-Wand). Dies sei, mit 1000 Metern Höhe Europas höchste, senkrechte Bergwand, an der Freeclimber aus aller Welt klettern würden, lasen wir.

Malerisches Bergen mit durchzogenem Wetter, Mittwoch, 18. Juli 18
Sonnenuntergang 22.15 Uhr, Sonnenaufgang 4.38 Uhr, Luft ca. 18 Grad, See ruhig

In Bergen (zweitgrösste Stadt Norwegens) entschlossen wir uns spontan, nebst dem malerischen Bryggen (Unesco Weltkulturerbe) drei Museen aufzusuchen. Diesen Kombi-Museumspass kann ich weiter empfehlen: Fischermuseum (super interaktiv gestaltet, auch für Kinder sehr empfehlenswert), Hansemuseum und Schøtstuene . Das Fischermuseum liegt etwas abseits, wird aber im Eintrittspreis inbegriffen mit einem Shuttlebus erschlossen. Tickets kann man in jedem der drei angeschlossenen Museen erwerben. Natürlich gehörte ein Besuch des Fischmarkts und die Fahrt mit der Standseilbahn zum Aussichtsberg Fløyen mit kurzem Spaziergang zu unserem Aufenthalt in Bergen. Auch diese Bahn wurde unter anderen von der Frey AG Stans gebaut. Leider war der Gipfel nebelverhangen und so konnten wir die Aussicht nur kurz auf der Bahnfahrt erahnen…. In Bergen erlebten wir Regen, Nebel und Sonne. Nur leider letztere nicht auf dem Berg.

Dritter Seetag, Donnerstag, 19. Juli 18
Sonnenuntergang 22.15 Uhr, Sonnenaufgang 04.54 Uhr, Luft ca. 16 Grad, See bewegt

Der dritte Tag, den wir ausschliesslich auf See verbrachten, verging wiederum mit Spielen, lesen, packen, schwimmen, sprudeln, sünnelen (an Deck war es herrlich warm und sonnig), essen im Nu. Ein paar deutsche Fahrgäste fielen mir negativ auf mit Streitereien, Ungeduld und abfälligen Bemerkungen über typische Italiener oder Franzosen. Nicht jedem ist es scheinbar gegeben, sich so manche Tage in einem geschlossenen „Behältnis“ mit tausenden Menschen zusammen aufzuhalten. Wir schätzten ab und zu die Ruhe in der Bibliothek oder in unsere Kabine und erlebten es so, dass sich die Menge an Menschen doch recht gut an Bord verteilt. Als besonders angenehm empfanden wir, dass der Schwimm- und die beiden Whirlpools am Ende des Schiffes nur den Erwachsenen vorbehalten war. Vom Spa-Angebot nahmen wir keinen Gebrauch. Es war in unseren Augen – auch mit den Aktionspreisen, welche nach und nach gewährt werden – immer noch überrissen teuer. Andy entdeckte an diesem letzten Tag eine öffentliche Sauna (bzw. zwei, weil geschlechtergetrennt) hinter dem Fitnessraum. Diese ist in keinem Schiffs-Plan vermerkt und auch die Spa-Mitarbeiter gaben uns eine Falschauskunft, als wir sie am ersten Tag an Bord fragten, ob es eine öffentliche Sauna geben würde.

Ausschiffung und das erste Mal Airbnb in Kiel, Freitag, 20. Juli 18

Constantin, unser Gastgeber für das online gebuchte Airbnb war freundlich und hilfsbereit. Seine Wohnung empfehlen wir gerne weiter. Wir erkundeten die Stadt, indem wir der blauen Linie am Boden folgten. Das Aquarium war nett, aber man kann sich den Besuch auch sparen. Im Basler Zolli gibts eine grössere Ausgabe davon. 😉 Wir waren uns die Hitze nicht gewohnt und fühlten uns müde und erschöpft. Wohl auch aufgrund des Schlafmangels der vergangenen Tage. Kiel hat man schnell gesehen, war unser Eindruck. Die Brücke am Hafen, welche sich für die Durchfahrt der Schiffe in der Mitte öffnet, faszinierte uns. Im Kino schauten wir Jurassic World 2. (Nicht meine bevorzugte Art der Filme, aber den Männern zuliebe ging ich auch hin und hatte noch keine Albträume deswegen. 😛 )

Heimfahrt, Samstag, 21. Juli 18 

Nach einer ruhigen Nacht in Constantins Wohnung fuhren wir per Flixbus von Kiel nach Hamburg und flogen von dort nach Basel. (Der Flughafen Hamburg kontrollierte uns derart extrem gut, wie wir es sonst nur in New York erlebten. 3 D Körperscanner plus abtasten, Proben wurden von Stoffen genommen, jedes technische Gerät geprüft. Extrem.)

Petra, unsere Tochter, welche uns per Auto abholte, verpasste uns in der Ankunftshalle und aufgrund ihres leeren Handy Akkus suchten wir uns gegenseitig eine Stunde lang. Schade für die ansonsten problemlose Heimfahrt. Jä nu. Besser, als dass wir uns ganz verpasst hätten. 😉

Tobias hat einen Kurzfilm über unsere Ferien erstellt.

Mein persönliches Kreuzfahrt-Fazit:

es war wiederum ein wunderschönes Erlebnis und ich würde jederzeit erneut eine Kreuzfahrt buchen. Die Fahrt durch die Fijorde war derart traumhaft, wie ich es mir nie vorgestellt hätte. Die Mitternachtssonne, bzw. die Polarnacht zu erleben, war ein romantisches, unvergessliches Erlebnis. Dies und dass wir wilde Rentiere sahen, war der Höhepunkt unserer Ferien. Die Tage, an denen es rund um die Uhr hell war, waren etwas Aussergewöhnliches für uns und wir mussten uns regelrecht zum Schlafen zwingen. Das hat mich über mich selber überrascht. 😉

Kritikpunkte an der Costa:

– es gab zweimal die Situation, dass zu einem abendlichen Essen spezielle Weine empfohlen wurden, welche dann nicht vorhanden waren. Unser Kellner lief beide Male kreuz und quer durchs ganze Schiff und klapperte alle Bars nach dem gewünschten Wein ab. Seine Bemühungen in Ehren: wir und die anderen von ihm bedienten Tische sassen dafür stundenlang herum uns wurden nicht informiert, warum andere bereits mit dem Essen fertig waren und wir noch nichts auf dem Teller hatten. Die Dauer der abendlichen Essenszeit ist sowieso ein weiterer Kritikpunkt: zwei Stunden am Tisch zu sitzen für ein 4 Gang-Menü erforderte mit der Zeit einiges an Geduld und so nahmen wir gegen das Ende der Kreuzfahrt Lesematerial an den Tisch mit, obwohl das gegen Knigge-Regeln verstösst. Hätten wir einen Fensterplatz gehabt, so hätten wir wenigstens was von der vorbeiziehenden Gegend gesehen, aber wir hatten einen Tisch in der Mitte des Schiffs. Irgendwann geht einem das Gesprächsmaterial aus und man hat die Leute an den Nachbartischen zu Genüge studiert. 😛
– Wie wir von anderen Passagieren hörten, hatten an diesem Tag insgesamt drei Boote ein technisches Problem. Mein persönliches Sicherheitsvertrauen in Costa hat arg gelitten.
– Die Preise für den Spa-Bereich sind überrissen frech. Und wenn es dann gegen Schluss der Kreuzfahrten jeweils einen Rabatt gibt auf die überteuerten Preise, sind sie immer noch doppelt so hoch, wie Behandlungen an Festland. Warum diese hohen Preise? Doch weil die Betten so hart sind, haben vermutlich viele Leute das dringende Bedürfnis, sich eine Nackenmassage verschreiben zu müssen und dann spielt der Preis wohl keine Rolle mehr. 😛
– Dasselbe ist ein ein bekanntes Problem für die Ausflüge oder Shuttlebusse von Costa: die Preise sind völlig übertrieben.
– Wir haben eine Mitarbeiterin des Spa-Bereichs ausdrücklich nach einem öffentlichen Saunabereich gefragt und sie hat verneint, dass es einen derartigen Raum gäbe. Für welche Personen sind denn die Saunen, welche mein Mann am letzten Tag der Kreuzfahrt hinter den Fitness-Umziehkabinen entdeckte? Für Menschen, welche nach dem Schwitzen im Training eine Sauna wünschen? *kopfkratz*…..
– Warum es nötig ist, die Fahrgäste ab und zu nachts (einmal um 3 Uhr morgens) mit einem Signalton zu wecken, den scheinbar nur die Crew etwas angeht, ist mir ebenfalls ein Rätsel.
– Wenn eine Kreuzfahrt mit der Costa im Mittelmeer stattfindet, ist es ok, wenn die Menükarte eine mediterrane Küche vertritt und jeden Abend einen anderen Landesteil Italiens vorstellt. Es ist auch in Ordnung, wenn auf einer Mittelmeerkreuzfahrt ein venezianischer Maskenballabend stattfindet oder ein italienischer Abend, an dem sich die Leute in den Landesfarben Italiens anziehen sollen. Es ist auf einer Mittelmeerkreuzfahrt auch total erwünscht, italienische Tenöre und Soprane an Bord singen zu lassen. Aber auf einer Fahrt in Norwegen erwarte ich norwegische Spezialitäten, norwegische Lieder und Tänze, einen Norwegenabend etc. Selbst wenn Costa ursprünglich eine italienische Linie war, dürfte sie ruhig von ihrem „Italien-Trip“, der sich so selbstverständlich, ja auf eine Art arrogant durch alles an Bord zieht, weg kommen, denn die Costa-Linie befindet sich ja längst in USA-Hand. Zitat aus Wikipedia: „Im Jahr 1997 entschied sich jedoch die Familie zum Verkauf an die finanzstarke amerikanische Carnival Corporation. Die Reederei ist inzwischen vollständig im Carnival-Konzern aufgegangen.“ Die Italiener befanden sich übrigens auf der Norwegen-Tour in der Minderheit. Die Mehrheit der Passagiere war deutsch sprechend.
– Die junge Dame, welche für die Reinigung unseres Zimmers (Room Service) zuständig war und unser Kellner waren sehr freundliche Mitarbeiter an Bord. Ebenfalls diejenigen Kellner, welche im Buffet-Bereich arbeiteten, die Fotografen und sämtliche Animateurinnen und Animatoren. Dies kann ich aber von den Mitarbeitern am Empfang (Hospitality Service Deck) und vom CostaClub Point nicht sagen. Keinem der etwa 6 Mitarbeitenden, die ich in jenen Bereichen ansprach, konnte ich je ein Lächeln entlocken. Sie erweckten auf mich persönlich einen einerseits gelangweilten, andererseits genervten, unmotivierten Eindruck. Wirkliche Hilfe auf meine Anliegen erhielt ich nicht. Da war kein Engagement zu spüren, dass sie den Wunsch hätten, mich zu einem zufriedenen Gast zu machen.

Alles in allem aber übertrafen unsere schönen Erlebnisse auf dieser Fahrt die genannten, kritischen Punkte, welche Costa hoffentlich ernst nimmt und alles dran setzen wird, sich zu verbessern. Wir würden gerne Costas Gäste bleiben, denn eine Kreuzfahrt ist eine ideale Möglichkeit zu reisen und fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen, ohne dass man dabei immer wieder die Koffern packen und in ein nächstes Hotel einchecken muss. Das Essen an Bord ist vorzüglich, wir waren stets bestens zufrieden (abgesehen davon, dass wir eben norwegische Kost bevorzugt hätten). Wir hatten dieses Mal eine ruhig gelegene Kabine – bekamen wahrscheinlich, weil wir Costaclub-Mitglieder sind, ein Kabinen-Upgrade. Denn wir buchten eine Innenkabine, erhielten aber eine Aussenkabine mit Fenster. Dies genossen wir sehr. Die Ein- und Ausschiffung hat bestens geklappt, was eine Meisterleistung ist bei tausenden von Gästen. Unser Sohn, der noch ein letztes Mal in unserer Kabine gratis dabei sein durfte (mit Vollpension notabene), hat sich im Teenie-Club an Bord total wohl gefühlt. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmte für uns und trotz aller Kritikpunkte empfehlen wir eine Kreuzfahrt mit Costa gern und mit Überzeugung weiter.

Eine Fotoauswahl von Tobias:

Meine Reisekarte von Norwegen sieht nun so aus:
Bildschirmfoto 2018-07-24 um 17.26.00.png

Soeben traf eine Antwort auf meine Anliegen von Costa via Facebook ein:

Bildschirmfoto 2018-07-25 um 18.00.45.png

Fotoalbum via Ifolor