Wüstenerkenntnisse in der Coronazeit

In dieser Coronazeit werden mein Mann und ich sonntäglich vom Livestream-Gottesdienst des GVC Winterthur inspiriert. Die aktuelle Serie „Wanted“, spricht mich besonders an. Der Gedanke, dass uns dieses Coronavirus in eine Art Wüste geführt hat, fasziniert mich. In der Wüste sind wir ohne Ablenkung und mit uns selbst, Gott und den Versuchungen des Teufels allein. Unsere Stärken und Schwächen kommen in Wüstenzeiten unseres Lebens vermehrt zum Vorschein und zum Tragen.

Hosea 2, 16+17 trafen mich ins Herzen:

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Gott ist es, der uns in die Wüste führen kann. An diesen unbequemen Ort, der uns einen Spiegel der Selbsterkenntnis vorhält. Nicht, weil er uns quälen will, sondern aus Liebe. Wie schön: „…in aller Liebe mit ihr reden“. Wenn die lauten Geräusche des Alltags verklingen, sind wir empfänglicher für Gottes liebevolle Worte. Er liebt uns, seitdem wir im Mutterleib waren und niemals wurde seine Liebe weniger. Wenn ich dann eine Schwachheit an mir entdecke, welche mich nervt oder deprimiert, brauche ich nicht zu verzweifeln, denn das Unglückstal soll ein Tor der Hoffnung werden. Das ist richtig schön philosophisch formuliert, findet ihr nicht auch? 😉

Vielleicht interessiert euch, welche Selbsterkenntnis ich in der Wüste hatte? 😉 Was Gott in Liebe zu mir sprach? Es war mein Umgang mit Ungerechtigkeiten. Ich stellte mit Schrecken fest, wiesehr ich mich in etwas verbeissen kann, wenn ich feststelle: das ist völlig unfair, unsolidarisch, unsozial – da werden Regeln verletzt.

Konkret geht es darum, dass der Bundesrat öffentliche Sporttrainings verboten hat. Kanu-, Tennisclub, Turnvereine und andere halten sich daran. Müssen sie. Mein Mann verzichtet auf sein Tennistraining. Ich selber aufs wöchentliche Hallenbadschwimmen, Pilatestraining und Line Dance. Und jetzt beobachtete ich seit dem Lockdown doch tatsächlich, wie vor meinen Augen auf dem Sportplatz fast täglich ein Leichtathletiktraining stattfand. In einer grösseren Gruppe als zugelassen und um den Abstand scherten sich die Athleten samt Trainer einen Deut. Ich schaffte es, über Wochen hinweg, relativ gelassen zu bleiben. Eines Tages wurde meine Toleranz aber überstrapaziert, als es der Trainer mit der Anzahl Athletinnen übertrieb und ich kontaktierte trotz meiner Vorsätze, ruhig und gelassen zu bleiben und nicht zu einer „Bespitzlerin“ zu werden, die Polizei. Enttäuscht war ich, als die Polizei den Lügen der Leichtathleten und des Trainers mehr glaubten, als mir. Sie würden die Abstandsregeln einhalten, seien ja nie mehr als 5 und der Trainer sei nur ein Zuschauer. Wie ungerecht gegenüber allen, die sich an die Regeln halten! Ich ärgerte mich sehr und gleichzeitig wunderte ich mich über meinen Eifer. Warum konnte ich nicht einfach das Ganze loslassen? Unsere Welt ist nun mal ungerecht und es gibt schlimmere Regelverstösse. Zudem wird ja nicht mir persönlich weh getan damit. Im Grunde meines Herzens, mochte ich den jungen Leuten ihre sportliche Aktivität gönnen. Wie gern hätte ich es gehabt, wenn ich mich darüber einfach nur hätte freuen können. Aber ihre Trainings waren ungerecht allen anderen Sportlern gegenüber, welche sich diese Freiheit nicht nahmen und verstiessen gegen die bundesrätlichen Vorschriften. Mich zerriss das Beobachten der Ungerechtigkeit einerseits und mein andererseits starkes Harmoniebedürfnis fast.

Ich suchte das Gespräch mit Gott und fragte ihn. Und siehe da… Ich hörte seine Worte in Form eines Blogbeitrags, der mir ein Aha-Erlebnis bescherte. Der Grund meines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns liegt wohl in meiner Hochsensibilität. Das Wissen, dass nichts falsch ist daran, entlastete mich enorm. Ich bin so geschaffen von Gott und es ist gut so. Ich muss nicht dagegen ankämpfen und mein Wesen verleugnen oder unterdrücken. Nun gilt es, einen guten Umgang damit zu finden. Inga hat diese Tipps im verlinkten Blog näher ausgeführt und ich beschreibe sie nun mit eigenen Worten:

  • sich selber treu sein und die Empfindungen wahr nehmen, nicht verleugnen, ignorieren, unterdrücken
  • meinen Anteil sehen – und hier dachte ich an meine eigene Predigt über den Umgang mit Ärger/Wut zurück 😉
  • mitfühlend mir und anderen gegenüber sein
  • Verzeihen und vergeben und auch hier dachte ich natürlich an meine eigene Predigt 😉

Das wirklich „Neue“ für mich waren daher nicht diese Tipps, sondern das Hören, dass es ok ist, wie ich bin. Mein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit und das gleichzeitige Streben nach Harmonie, wurden von Gott in mich hinein gelegt und er möchte mich genau damit zum Segen für andere setzen. Tröstlich war für mich schon immer in diesem Zusammenhang der Bibelvers:

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Gott – vor dem ich gerecht bin 😉 wird meinen Hunger nach Gerechtigkeit eines Tages ganz sättigen.

Wird die Welt nach Corona besser?

Neid, Egoismus, Materialismus, das Streben nach immer mehr und immer höher, habe jetzt ein Ende durch diese Coronazeit, so verheissen es mir mehrere Whats-App-Videos, die mich erreichten. Sie sagen, der Mensch habe es, Corona-sei-Dank, gelernt, aufeinander acht zu geben, Reichtum nicht mehr über alles zu stellen und mal auf etwas zu verzichten. Sie sagen, die Welt werde nach Corona definitiv nicht mehr dieselbe, sondern eine bessere sein.

Ich beobachte selber ebenfalls wunderschöne Aktionen der Nächstenliebe. Nur bin ich skeptisch, ob eine Veränderung zum Guten durch eine Krise nachhaltig ist. Lassen wir uns hier nicht durch eine Wunschvorstellung zu romantischen Gefühlen hinreissen? Wer mich kennt, der weiss, dass ich ein sehr optimistisch-fröhlicher Mensch bin. Dennoch bin ich gleichzeitig eine Realistin.

Werden wir wirklich weiterhin an unseren älteren Nachbarn denken, wenn unser Leben seinen gewohnten Lauf nehmen wird? Haben wir noch Zeit, uns um Bedürftige zu kümmern, wenn Arbeit, Sporttraining, Konzerte unsere Agenda füllen erneut füllen werden? Werde ich nicht wieder mir selbst der Nächste sein, wenn die Zeiten sich nach Corona normalisieren? Der Mensch hat niemals gern verzichtet. Corona zwingt uns dazu. Dabei entdecken wir Solidarität mit Risikogruppen. Aber nach Corona wird jeder die neugewonnene Freiheit umso mehr geniessen. Dazu gehört der vielmals grenzenlose Konsum, die Ausbeutung der Natur, das Streben nach noch mehr und Höherem. Der Schwache bleibt dabei auf der Strecke. Wenn der Zwang zum Verzicht wegfällt, werden viele Menschen in alte Gewohnheitsmuster und fest verankerte Denkschemen zurückfallen.

Was verändert den Menschen zum Guten? Ist es eine Krise, Krankheit, ein Schicksalsschlag oder vielleicht Liebe, welche ich selber in einer schweren Zeit erfahren durfte?

Die Bibel spricht von einer nötigen Sinnesänderung, einer Umkehr. Wenn wir von einer Route umkehren, benötigt dies zuerst die Einsicht, dass ich bisher falsch fuhr und mich dieser Weg nicht zum Ziel bringen wird.

»Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« (Markus 1,15)

»Ändert euch! Werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes«, sagt Paulus in Römer 12,2. Diese „Verwandlung“ meint einen Prozess der Veränderung. Und die Bibel sagt, dies geschehe, indem wir Jesus anschauen, ihn als Vorbild nehmen, die Verbundenheit/Freundschaft mit ihm suchen. „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht, die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild.“
2. Korinther 3,18 Denn worauf mein Fokus liegt, auf das steuere ich zu und was ich anschaue, das prägt mich, das färbt auf mich ab.

Damit nachhaltig Egoismus, Missgunst, das Streben nach Materiellem etc. in mir verändert werden kann, ist es nötig, meine Gedanken und Gefühle immer wieder auf das Gute und auf Gottes Richtlinien auszurichten. „ Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!“ (Sprüche 4, 23).

Eine Krise kann helfen, meine Werte zum Guten umzupolen, aber der Mensch ist im Grunde seines Wesens stets in Gefahr, dass er meint, seine innere Kompassnadel zeige auf das Gute und dabei entspricht dies nicht der Wahrheit, sondern Hass und anderes, Unschönes, haben wieder überhand genommen. Ich bin zeitweise „betriebsblind“, was mich selber betrifft. Tiefe Veränderung ist ein lebenslanger Prozess und dabei hilft mir der Heilige Geist, aber auch Menschen, denen ich erlaube, mich zu spiegeln.

Ich habe auf Livenet hilfreiche Gedanken von Rick Warren zu diesem Thema gefunden. (Lesenswert – klickmich)

 

 

Pilgrim auf dem Jakobsweg

Es war vor etwas mehr als 20 Jahren – wir hatten unseren ersten Computer mit Internetzugang – ich meldete mich in einem Forum an und sollte einen Nicknamen für mich wählen. Als Pilgrim wurde ich dann bekannt und ich liebe diesen Namen bis heute. Ich dachte dabei an The Pilgrim’s Progress von John Bunyan, dessen Verfilmung mich beeindruckte.

Pilgrims Progress – das Leben als Pilgerreise

Ich sehe meinen gesamten Lebensweg als eine Pilgerreise. Es gibt so viele Lebenssituationen, welche man bildhaft mit einer Wanderung vergleichen kann: dunkle Täler mit Verzweiflung, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit, wunderschöne Höhen mit Weitblick, leichte Wege, auf denen es sich singen und lachen lässt und schwere Wege, auf denen der Atem fehlt und man sich nach dem Sinn fragt. Nebel kann sich lichten oder falls er „schlegeldicht bleibt“, das Unterwegs-Sein aussichtslos erscheinen lassen. Begegnungen auf dem Weg sind Spiegelungen des eigenen Ichs, des eigenen Schattens oder sie beleben und inspirieren. Von manchen Menschen, mit denen man ein Stück des Weges teilt, mag man sich nur mit Wehmut verabschieden, bei anderen ist man froh, wenn der Weg sich gabelt und der Mitpilger sich für einen anderen Weg entscheidet. Und welche Rolle spielt Gott auf meiner Lebensreise?

Wie kamen wir auf die Idee des Pilgerns auf dem Jakobsweg?

Wir wohnen in unmittelbarer Nähe des Jakobswegs, der von Einsiedeln in Richtung Flüeli Ranft und über den Brünig führt. Seit Jahrzehnten beobachten wir die Jakobspilger, mit ihren Muscheln als Erkennungzeichen. Manche tragen schwere Rucksäcke, andere lassen sich das Gepäck von Eseln tragen. Woher kommen sie und was ist ihr Ziel? Was treibt sie an, die Mühsal des Pilgerns auf sich zu nehmen? Ab und zu fragen wir das die Pilger oder laden sie zu einem Erfrischungsgetränk ein.

Unsere mittlere Tochter hat vor vor einem Jahr den Weg von Porto nach Santiago de Compostela ganz allein unter ihre Füsse genommen. Sie kam mit der Pilgerurkunde und vielen Erlebnissen heim und als dann auch Menschen aus unserem Bekanntenkreis von ihren Pilgererfahrungen berichteten, nahm es meinem Mann und mir plötzlich auch „den Ärmel rein“. Übrigens: Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“, habe ich erst nach unserer Jakobwegstour gelesen und den Film haben wir ebenfalls erst nach unserer Pilgertour angesehen.

Wandern – Pilgern – gibts da einen Unterschied?

Ich stellte diese Frage in einem Jakobsweg-Forum auf Facebook. Die Antworten gaben mir zu denken, war doch öfters die Rede davon, dass Pilgern weh tun müsse, im Gegensatz zum blossen Wandern. Zum Beispiel in solchen Aussagen: „No pain, no glory“. Ich spüre hier ein grosses religiöses Leistungsdenken heraus. Früher war es ja so, dass einem die Sünden erlassen wurden, wenn man mit der Urkunde aus Santiago de Compostela nach Hause kam. Jemand in diesem Jakobsweg-Forum fand das hier dazu:

PILGERREISEN IM MITTELALTER. Christliche Fernpilgerziele am Beispiel von Jerusalem und Santiago de Compostela Maria E. Dorninger
Hier ein Auszug:
„Es gab zahlreiche Motive, um eine Pilgerreise
(im Mittelalter) zu unternehmen. Die peregrinatio religiosa, um einen Ausdruck von B. Kötting zu verwenden, brachte einen spirituellen Wert mit sich. Man unternahm die Pilgerfahrt für das Heil der Seele und um die Vergebung der Sünden zu erlangen, als Dank oder als Bußfahrt, man hoffte auf Linderung oder Heilung von Krankheiten, zumindest auf die Fürsprache eines Heiligen. Man unternahm die Reise auch stellvertretend für andere. In dieser Form konnte sie auch professionell betrieben werden, wofür es spezielle Tarife gab.
Pilgerreisen veranlasste man auch testamentarisch. Ebenso wurde es im Spätmittelalter vermehrt Usus, auch Kriminelle zur Sühne zu Pilgerreisen zu verpflichten, wobei sich die Heimatgemeinde zugleich des Delinquenten für einige Zeit sehr praktisch entledigen konnte.
Eine Pilgerreise gründete sich oft nicht allein auf religiöse Motive. Sie konnte auch mit Geschäftsinteressen verbunden oder für erste Informationen zu weiteren Handelsbeziehungen genutzt werden.“

Um Sünden/Schuld loszuwerden, reicht ein einfaches Gebet um Vergebung. Dazu ist nichts anderes als Reue nötig. Wir müssen und können nichts leisten dafür. Auch die Liebe Gottes lässt sich mit keiner Leistung irgendwie verdienen. Es stimmt mich nachdenklich, traurig und sogar wütend, dass viele Menschen dies noch immer nicht verstehen.  Klar kann es Blasen geben, gibt es Zeiten der Erschöpfung, muss man manchmal das Etappenziel vor Augen halten, um durchzuhalten, gibt es mühsame, kalte Regentage mit wenig Aussicht, kann es Schmerzen geben. Aber das ist bei jedem Wandern möglich und macht für mich nicht den eigentlichen Unterschied zum Pilgern aus. Schmerzen und Unbill sind nicht zwingend nötig, um ein „echter Pilger“ zu sein, sondern sie sind natürliche Nebenerscheinungen, zu denen es gilt, eine gesunde Einstellung zu entwickeln. Denn ich bin der Meinung, dass man nichts tun „muss“ auf dem Weg. Niemand – schon gar nicht Gott – zwingt einem zu irgendwas und so sollte auch ein Abbrechen/Unterbrechen/Pausieren jederzeit ohne Schuld- oder Versagensgefühle möglich sein.

Kunterbunte Einblicke unserer Jakobspilgerwoche 6. bis 12. Oktober 19:

Jemand sagte: „Pilgern 40km am Tag ca. 4-6 Wochen, Wandern 20-40 km 1 Tag“. Sowas regt mich auf. Wer schreibt denn eine gewisse Kilometerlänge oder Anzahl Pilgerstunden vor? Klar – die letzten 100 Kilometer vor Santiago müssen zu Fuss, oder 200 Kilometer per Velo oder Pferd zurückgelegt werden, um die begehrte Urkunde zu erhalten, aber abgesehen davon kann ich doch eine Stunde auf einem Pilgerweg unterwegs sein und eine tiefe Gottesbegegnung erleben? Und was ist mit Menschen mit einem Handicap, denen längere tägliche Pilgerstrecken unmöglich sind zu bewältigen? Wie unbarmherzig wir Menschen doch oft miteinander sind. Ich bin überzeugt davon: Gott spielen Kilometer und die Anzahl an Wanderstunden keine Rolle.

In solchen Foren wird immer wieder von wahren Pilgern und blossen Tagespilgern gesprochen. Ich bin der Meinung: wer abwertend vom Pilgern anderer spricht, hat etwas Wesentliches noch nicht gelernt, das gerade ein Pilger intus haben sollte: andere Menschen nicht zu verurteilen. Niemand kennt den Grund dafür, warum jemand sogar per Wohnmobil anreist und nur kurze Strecken auf dem Camino wandert. Das gilt auch für unseren Lebens-Pilgerweg: lernen wir doch, Menschen nicht nach ihrem Äusseren zu beurteilen und nicht zu verurteilen, wenn ihre Handlungen sich von dem unterscheiden, wie wir etwas anpacken würden. Mein Mitmensch hat seinen eigenen Grund für seine Handlungen, für seine Motivation, etwas zu tun oder zu unterlassen. Und es liegt nicht an mir, dies zu verurteilen. Ich kann ihn fragen, versuchen ins Gespräch zu kommen und wer weiss: vielleicht werde ich überrascht sein, wenn er mir seine Lebensgeschichte anvertrauen wird.

Auch die Unterscheidung, dass Wanderer das Ziel einer Berghütte hätten, um sich dort zu verpflegen und Pilger mit einem religiösen Ziel unterwegs sind, lasse ich so nicht gelten. Auch auf einer ganz „normalen Wanderung“, kann ich Gott begegnen und spirituell beschenkt oder herausgefordert werden.

Andere sagen, dass man alleine pilgern soll und wandern im Gegensatz auch in Gruppen erfolgen könne. Ich bin nicht einverstanden damit. Andy und ich pilgern zusammen und finden gemeinsam unausgesprochen zu einem für beide angenehmen Wander-Rhythmus. Wir tauschen miteinander über das aus, was wir auf dem Weg sehen und erleben. Auch hier finde ich wieder eine Parallele zum gesamten Lebenspilgerweg: was wir selber als richtig empfinden, wird so schnell als Massstab für alle Menschen festgesetzt. Warum bloss? Was für dich gilt, mag für mich nicht stimmig sein – und umgekehrt. Warum sind wir Menschen so schnell damit, Gesetze aufzustellen – auch im religiösen Bereich? Du erlebst Gott am besten und intimsten, wenn du alleine unterwegs bist? Gut so. Aber lass mir doch meinen eigenen Weg, Gott zu erfahren. Dein Weg muss nicht mein Weg sein und umgekehrt.

Jemand hat geschrieben: „Wandern oder Trekking ist für mich die Landschaft genießen und körperliche Aktivität. Pilgern hat für mich ein religiöses Ziel und religiöse und spirituelle Hintergründe. Im Vordergrund stehen mentale Herausforderung, Begegnungen mit anderen, Begegnungen mit Gott oder andere spirituelle Begegnungen, Erleuchtungen, Verzicht, Beten und Glauben, Seelenreinigung, Ballast abwerfen, mit mir selbst im Einklang werden, meine Ansichten klären, auf Gottes Spuren unterwegs sein und ankommen, körperlich und mental…“ Damit bin ich am ehesten einverstanden. Obwohl auch eine Wanderung spiritueller Natur sein kann…

Und dann gibt es solche, die sagen, ein echter Pilger sei nur derjenige, der in Pilgerstätten übernachtet. Kommt es nicht eher auf die Herzenshaltung an, als auf die Übernachtungsart? Nochmals: wer bestimmt, wer ein echter Christ oder Pilger ist und wer nicht? Du?

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All diese Gedanken forderten meinen Mann und mich heraus, unserer Motivation auf den Zahn zu fühlen. Was ist es, das uns gelüstet, uns auf den Jakobsweg zu begeben? Schnell war uns klar, dass das Spirituelle, die Beziehung zu Gott auf dem Pilgerweg, für uns persönlich, im Vergleich zum blossen Wandern einen grösseren Raum einnehmen soll. Und so kam es, dass wir uns zum Start für unsere Pilgerwoche vom örtlichen Beckenrieder Pfarrer einen Pilgersegen schenken liessen. Dies, obwohl wir beide aus den Landeskirchen ausgetreten sind. Wir haben es sehr genossen, dass er dafür bereit war und zu uns nach Hause kam. Er hielt eine kurze Privatandacht, betete für und mit uns zusammen und besprengte uns symbolisch mit Wasser, das zur Erfrischung dienen soll. Wir haben dieses Zusammensein sehr genossen.

Auf dem Weg selber, nahmen wir uns dann in jeder Kapelle/Kirche auf dem Weg Zeit, kurz zu beten – auch für Anliegen unserer Mitmenschen. Das ist das Gute an dem Jakobsweg: er bietet religiöse Halte geradezu an. Wir haben in unserer Ehe und Familie gelernt, dass Rituale helfen, die Beziehung zu Gott zu pflegen. Und so machten wir das zu unserem Ritual auf dem Jakobsweg….

Manche Wege sind so gestaltet, dass sie Stelen oder Hinweisschilder mit Gedanken hinstellten. So gibt es zum Beispiel den Blattner Liebesweg und jedesmal, wenn ein Weg uns solche Gesprächs- oder Bildimpulse offerierte, nahmen wir dies bereitwillig auf und diskutierten angeregt über solche Themen, auf die wir sonst im Alltag zuwenig zu sprechen kommen. Danke an dieser Stelle allen Gestaltungsgruppen, Künstlern, Kirchen.

Unser Weg

Zuerst pilgerten wir in Tagesetappen ab Seelisberg in Richtung Huttwil und kehrten immer wieder nach Hause zurück. Dann wagten wir uns an ein dreitägiges „Schnupper-Pilgern“ und machten erste Erfahrungen damit, alles Benötigte für diese Zeit am Rücken zu tragen und von Ort zu Ort zu ziehen. Nachdem wir dies als gut erlebten, wagten wir uns an eine einwöchige Tour ab Huttwil, wo wir bei unseren Tagesetappen ja zuletzt „landeten“. Wir waren zwischen dem 6. bis 11. Oktober 19 unterwegs und schafften es tatsächlich, unser Wochenziel Freiburg glücklich und auch etwas stolz auf unsere Leistung, zu erreichen. Es gibt da etwas unterschiedliche Kilometerangaben an… Es ist ein ausserordentlich gutes Gefühl zu sehen, dass wir diese ganze Strecke zu Fuss zurückgelegt haben! Es war seltsam, im Zug doch eine ganze Weile nach Hause zu fahren und zu wissen: das alles haben wir zu Fuss geschafft!

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Unterstützung und Hilfe erlebten wir durch Gott und durch ein paar Twitterbekanntschaften. Gerne erwähne ich dankend Petra Hinz, welche täglich nachfragte, wie es uns geht und uns mit Tipps für die nächste Tagesetappe versorgte, dann Via Jacobi und Alice, welche sich zusammen mit ihrem Mann und Hund gleichzeitig wie wir auf dem Jakobsweg befanden, nur auf einer anderen Teilstrecke und dabei kamen sie sogar bei uns zuhause vorbei. 😀

An einem Tag begleitete uns unsere älteste Tochter und wir genossen diese Wandergemeinschaft.

Übernachtet haben wir an ganz verschiedenen Orten. In ausserordentlich romantischen und dennoch günstigen, in Bed and Breakfasts oder einer Bildungsstätte, welche auf der offiziellen Pilgerliste stehen und in anderen einfachen Pensionen. Wir haben zwischen 80 Franken bis 160 Franken für uns zwei (!) pro Nacht ausgegeben – meist inklusive Frühstück.

Blasen erhielten wir beide keine, aber ich hatte schon nach der ersten Etappe am rechten Fuss Achillessehnenprobleme, wohl aufgrund eines Sturzes auf nassen Herbstblättern. Hier erlebten wir ganz klar Gottes Hilfe, denn ich war mir nicht sicher, ob ich Andy zum Abbruch unseres Unternehmens bitten soll.

Die Rucksäcke waren zwischen 5.5 (ich) bis ca. 7 Kilogramm (Andy) schwer. Inklusive Tagesproviant und Getränke. Ich möchte nie und nimmer mit einem schwereren Rucksack pilgern und denke, dass wir auch für eine längere Tour nicht mehr benötigen würden. Ausser, man nimmt noch Schlafsäcke, Isomatte und Zelt mit, dann würde es natürlich schnell schwerer werden.

Gottes Güte schreiben wir es zu, dass wir viel besseres Wetter hatten, als prognostiziert wurde. Täglich schien die Sonne, nur an einem Tag liess sie uns im Stich. Da erreichten wir grad Bern, liessen es mit der Wanderzeit von 2 Stunden 40 gut sein und begaben uns in Bern Aqua. Dafür wollten wir dann am nächsten Tag die verpassten Wanderkilometer aufholen und überforderten uns mit 7 reinen Wanderstunden etwas. Durchschnittlich wanderten wir um die 3 bis 4 Stunden und das war gut für uns. Mehr wollten wir gar nicht. Wir mussten ja niemandem etwas beweisen – und schafften unser Wochenziel dennoch!

Bereits steht fest, dass wir irgendwann ab Freiburg weiter pilgern möchten. Oder ab Sachseln. Denn einen anderen Jakobsweg: Seelisberg-Sachseln über Flüeli-Ranft haben wir ebenfalls bereits unter die Füsse genommen. Oder auch in Deutschland gibt es Jakobswege, welche wir uns vorstellen könnten, zu erpilgern. Und wer weiss: vielleicht erreichen wir eines Tages Santiago de Compostela. Aber es muss nicht zwingend sein – denn für uns ist der Weg das Ziel.

Fotos und kleine Filmli hier (anklicken)

 

Schnupper-Pilgern

Die Idee, auf dem St. Jakobsweg wandern zu gehen, sei ihm gekommen, als ich ihm wiederholt von meiner 10-tägigen Tour vom Oberalppass erzählte, erklärte mein Mann. Vor 40 Jahren wurde ich als Nanny für drei Pfarrfamilien-Kinder engagiert und ich schwärme tatsächlich hie und da von diesem Abenteuer, als wir in diversen SAC Hütten übernachteten. Den zweiten Ausschlag, eventuell eine Pilgertour auf dem Jakobsweg zu wagen, gab unsere mittlere Tochter. Sie pilgerte vor genau einem Jahr alleine von Porto nach San Compostela. Ihre Schilderungen und Bilder beeindruckten uns. Und nun kam mein Mann tatsächlich mit der Idee auf mich zu: „Wie wäre es? Wollen wir einmal eine  Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg unternehmen? Wärst du dabei?“ Ich reagierte zurückhaltend und hatte tausend Fragen: würde ich es rein physisch schaffen, mehrere Tage am Stück zu wandern? Wir wandern zwar viel, aber zusammen waren wir erst einmal auf einer 3-Tages-Wanderung. Und zwar hoch auf die SAC Christallina-Hütte und hinunter ins Tessin, zusammen mit unserem Sohnemann. Dies war ein gutes Erlebnis, aber bestimmt um die 10 Jahre zurückliegend. Ich habe ein Belastungs-Asthma und hege Bedenken, ob meine Kondition für so ein Vorhaben ausreichend wäre. Aber ok – wer nichts wagt, gewinnt nichts. Warum nicht mal eine Schnupper-Pilgerwanderung in der Schweiz unter die Füsse nehmen? Schliesslich meinte schon Demokrit, ein griechischer Philosoph:

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis. Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, unsere Zweifel und Bedenken.

Also wagten wir uns zusammen auf eine 3-Tageswanderung über die Auffahrtstage 2019. Mein Mann wählte die Strecke St. Urban nach Luthern Bad, auf den Napf und hinunter nach Romoos, Holzwäge aus. Er schaute auf der Karte, wo wir unsere Tour unterbrechen und übernachten könnten.

Doch vor dem Start, galt es zu packen. Dabei galt: jedes Gramm zählt und weglassen ist Pflicht, denn alles, was man nicht tragen muss, entlastet. 😉

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Das Bild entspricht nicht genau dem, was ich schlussendlich mitnahm: die Shorts packte ich leider nicht ein und für abendliche Schuhe fand ich ein paar noch leichtere Turnschuhe, als die auf dem Bild. Den roten Regenschutz und die grüne Jacke, hätte ich zuhause lassen können, aber das weiss man ja im Vorfeld nie so genau. Als Pijama packte ich ein paar leichte Leggins und ein atmungsaktives Langarmshirt ein und das war gut so. Frottétücher und Weiteres wie Teller, Abwaschtuch und auch Pflegeprodukte konnten wir uns sparen, weil wir in Gasthäusern übernachteten.

Nicht immer, aber streckenweise, wanderten wir während der nächsten Tage auf dem Schweizer Jakobsweg Nummer 4.

1. Wandertag: St. Urban – Gondiswil

In der Barock-Kirche St. Urban starteten wir mit einem Vater-Unser, denn es fand gerade ein Auffahrtsgottesdienst statt. Dabei durften wir die beeindruckenden Klänge der Orgel, welche  zu den grössten noch weitgehend erhaltenen Barockorgeln Europas zählt, geniessen. Ein schöner Start. Wenn wir meine Eltern besuchen, fahren wir jeweils an dieser Kirche vorbei. Dies seit etwa 30 Jahren. Nie hielten wir, um die Kirche oder das Psychiatrie-Gelände zu besichtigen, denn wir wollten jeweils immer möglichst schnell bei meinen Eltern ankommen. Umso mehr staunte ich über die vielen Gebäude der psych. Klinik.

Der Weg nach Gondiswil gestaltete sich abwechslungsreich und führte über Wiesen und Wälder.

 

Wir wanderten auf dem Grenzpfad Napfbergland , auf wahrhaft „himmlischen Pfaden“, denn  so nennt sich ein Wegnetz der Sakrallandschaft Innerschweiz. und im Smaragdgebiet.

Wir starteten ungefähr um 12.30 Uhr und um ca. 17 Uhr trafen wir beim Gasthaus Rössli in Gondiswil ein. Die Mittagspause abgerechnet, wanderten wir 3.5 Stunden, an diesem 1. Tag.

Leider servierte das Rössli kein Abendessen, weil das Restaurant aufgrund des Feiertages geschlossen war. Im Vorfeld lasen wir nirgendwo was darüber. Uns blieb nichts anderes übrig, als nach Huttwil zu fahren. Dorthin fährt jede Stunde ein privat geführter Bus, der leider kein Halbtax akzeptiert. Im Restaurant Bahnhof assen wir fein z’Nacht und bummelten anschliessend noch durch das malerische Huttwil.

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Freundlicherweise holte der Rössli-Wirt uns in Huttwil ab und kutschierte uns zurück nach Gondiswil. Unterwegs entdeckten wir ein Reh und der Wirt erklärte uns die Gegend ein bisschen. Er gab uns den Tipp, den Sonnenuntergang beim Weiher zu erleben. Also nochmals ein Abendspaziergang – der sich aber lohnte, denn es war wirklich malerisch.

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Alles in allem waren wir dann an diesem Tag doch 4.5 Stunden auf den Beinen.

Im einfachen Logie schliefen wir gut. Meine ausführlichere Bewertung steht auf Booking.com.

2. Wandertag: Gondiswil – Luthern

Beim Frühstück gab uns der Wirt zwei Geschichten zum Besten:

  • Wer entscheidet sich schon, in Gondiswil zu übernachten? In einem kleinen Dörfchen, wo sich Fuchs und Hase Gute-Nacht sagen? Ein Gast aus den USA entschied sich dafür. Er hat sich via Google Maps erkundigt, welche Ortschaft ungefähr in der Mitte zwischen Bern und Luzern liegt und von Gondiswil aus alles erreicht, was für ihn sehenswert war.
  • Folgende Geschichte der zwei Mexikaner ist herrlich! Sie verarbeiten zu zweit ungefähr dieselbe Milchmenge, wie die Käserei in Gondiswil. Dies fanden sie ebenfalls Google-sei-Dank heraus und flogen nach Rom und von dort via Mietauto nach Gondiswil. „He ja – Rom-Gondiswil ist ja keine Strecke für Mexikaner“, schmunzelte unser Wirt. „Die sind sich anderes gewohnt.“. Ohne Voranmeldung standen sie vor dem bodenständigen Schweizer Käser, der natürlich kein Wort Spanisch sprach. Aber irgendwie kam es dann doch zustande, dass die zwei Mexikaner eine Führung durch die Käserei erleben durften und Tipps für die Veredelung der Käsezubereitung erhielten.

Der 2. Wandertag bot uns viel Aussicht, verlief aber ab Zell leider oft auf geteerten Strassen. Ausgerechnet der Jakobsweg war so eine geteerte Strasse.

Das Laufen auf harten Untergrund ermüdet halt viel schneller und zudem war es heiss! Wir wanderten nun streckenweise auf der Via Jacobi Nr. 4, Etappe 27 und folgten den Wegweisern Lutrun (Luthern), (Pro Luthertal) welche uns aber einmal in die Irre leiteten, bzw. auf die Hauptstrasse, statt einem Bach entlang. Schade. Spannend war, dass ein Reh, durch uns aufgescheucht, unseren Weg kreuzte.

In Luthern assen wir in unserem Abend-Logie fein z’Nacht. Andy wählte das Pilgermenü aus. 😉

Bewertung der Krone auf Booking.com. Auch ein Rundgang durch Luthern durfte nicht fehlen und so kamen wir an diesem 2. Wandertag insgesamt auf ungefähr 5 Stunden reine Wanderzeit.

3. Wandertag Luthern – Luthern Bad – Napf – Romoos, Holzwäge

In Luthern Bad war ich überrascht, weil sich mir der Ort kleiner als in meiner Vorstellung präsentierte. Wir badeten unsere Arme und Füsse im Heilwasser und tranken davon. War es Einbildung? Mir schmeckte dieses Wasser tatsächlich anders als unser Hahnenwasser zuhause. Die Erfrischung für die Füsse hielt etwa eine halbe Stunde lang an.

Von da an wurde es aber mühsam, weil der Weg auf den Napf sehr steil und sonnenbeschienen war. Es war einfach nur heiss, heiss, heiss. Und ich atmete schwer, war aber auf dem Napf die Aussicht ins Tal betrachtend sehr stolz. Das alles haben wir geschafft. Nur zu Fuss. Ohne Verkehrsmittel.

Nach einer kurzen Mittagspause, wanderten wir nach Romoos, Holzwäge (ab dem Napf ca. 1. Std. 20. Die Zeit dorthin fehlt auf den vielen Wegweisern) wo wir das Postauto in Richtung nach Hause bestiegen. Ungefähre Wanderzeit an diesem 3. Tag: nicht ganz 5 Stunden.

Fazit:

Die 3 Wandertage waren ein Abenteuer für mich, das sich gelohnt hat, zu wagen. Es ging ohne Blasen an den Füssen ab und der Rucksack drückte nicht. Das Gewicht von ca. 5.5 kg samt Proviant und Getränke war perfekt. Ich würde für ein nächstes Mal ein paar Ersatzhosen mitnehmen für den abendlichen Restaurantgang. Und die Shorts, welche ich bereits eingepackt hatte, dann aber doch zuhause liess, wären bei dem heissen Wanderwetter ideal gewesen. Ansonsten aber vermisste ich nichts und würde auch für noch längere Wanderungen versuchen, nicht mehr einzupacken. Wir haben jeden Abend etwas ausgewaschen und weil die Wäsche atmungsaktiv und leicht war, trocknete sie schnell. Ich bin gern wieder für eine mehrtägige Tour dabei. Vielleicht aber wagen wir uns zuerst auf die diversen Jakobsweg-Etappen in der Schweiz, bevor wir uns das Ziel San Compostela vornehmen. Was ich toll finde, ist der Austausch und die Ermutigungen in Jakobs-Pilger-Foren auf Facebook, Twitter und Instagram.

Über den spirituellen Aspekt des Pilgerns nachdenkend, komme ich zum Schluss, dass ich Gott in der Natur erlebte, einem schönen Orgelspiel, beim bewussten Beten des Vater-Unsers, dem Nachdenken über Heilungswunder, welche in Geschichten auf Bildtafeln zu lesen waren, begegnete, aber auch in den Begegnungen mit Menschen. Das Unterwegs-Sein mit meinem Mann, an dessen Seite ich seit 32 Jahren den Lebensweg beschreiten darf, ist ein tägliches Geschenk. Die Freundlichkeiten der Wirtsleute und die Geschichten des Rössli-Wirts, bereicherten mich. Kurze Plaudereien auf den Wanderwegen und das gemeinsame Bestaunen eines Alpenpanoramas und darüber Austauschen mit wildfremden Menschen, erfreuten mich. Ich habe mir sagen lassen, dass dies beim Pilgern auf dem Jakobsweg auch immer ein grosses Erlebnis ist: das Aufeinandertreffen und das Gesegnet-Werden durch Mitmenschen.

Unsere Strecke der 3-Tages-Wanderung:

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Gut ersichtlich ist, dass wir immer schön auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Luzern wanderten. Ich bin stolz, dies alles zu Fuss geschafft zu haben und danke Gott für alle Bewahrung, die Fitness und Gesundheit, das schöne Wetter, die guten Unterkunftsorte, dass wir zwei Rehe sahen, die beeindruckende, herrliche Natur und für die herzlichen Begegnungen mit Mitmenschen.

YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken

„Tun was er sagt…. das bedeutet für mich in diesem neuen Jahr unter anderem, dass ich mir konkrete Gebetszeiten einrichten möchte. Ich hatte den Eindruck von einer bestimmten Uhrzeit. Diese Zeit mit Gott, welche ich mir vorgenommen habe, im 2018 fest einzurichten, werde ich von meinen Facebook- und Twitter-Aktivitätszeiten wegstreichen. Denn an einem Abend hörten wir von Pete Greig (Leiter und Gründer von einer Gebetsbewegung, welche 24 Std. und 7 Tage die Woche beten), dass wir alles wegräumen sollen, was uns abhalten und ablenken will vom Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen. Mir war klar, dass die Zeiten, welche ich mit Social Media verbringe, zu viel Platz in meinem Leben einnehmen. Ich sage nicht, dass ich kein Facebook, Twitter, Instagram mehr nutzen möchte – aber nicht mehr zwei oder mehr Stunden am Tag, sondern die Hälfte davon. Es ist nicht so, dass Gott uns zwingt, etwas weg zu geben oder los zu lassen. Sondern er fragt uns, ob wir bereit sind, ihm etwas zurück zu geben, was uns nicht gut tut, damit er uns mit etwas beschenken könnte, was tausendmal wertvoller ist. Ich bete im Grunde genommen überhaupt nicht gerne. Aber ich sah während dieser Explo-Zeit ein, dass Gebet der Schlüssel zur Kommunikation mit Gott ist. Und Kommunikation gehört nun mal zu einer freundschaftlichen Beziehung. Also möchte ich dieses „Land“ ganz neu entdecken für mich.“ „YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken“ weiterlesen

Die Geburtstagsparty

Wie freute er sich auf seine Geburtstagsparty! Freunde würden da sein und er sehnte sich danach, mit ihnen bei einem feinen Essen zu plaudern. Wie schön sie den Weg zum gemieteten Festsaal beleuchtet hatten. Es wurde ihm ganz warm ums Herz, als er diesen funkelnden Sternen und Lichterketten folgte. Extra seinetwegen aufgehängt – wie lieb. Kerzen in Laternen schmückten den Eingang und seine Geburtstagsgäste begrüssten ihn herzlich. Lachend führten sie ihn an die festlich geschmückte Tafel.

Es wurde auf das „Geburtstagskind“ angestossen. „Am Tag deiner Geburt war es recht kalt“, meinte jemand. „Oh ja“, bestätigte ein anderer Gast und fügte hinzu: „Eine Schande war das. Du hättest einen angenehmeren Geburtsort als jenen verdient, an dem du das Licht der Welt erblicktest. Du – in deiner Stellung.“ – „Wenigstens bekam deine Mutter im Wochenbett schon bald angemessen hohen Besuch. Was ich hörte, brachten sie ein paar wertvolle Geschenke“, war es einer Frau wichtig zu erwähnen. „Ja, aber vor diesem Besuch, wurde dir die Aufwartung von stinkenden Gesellen gemacht“, rümpfte eine andere die Nase. Das „Geburtstagskind“ wollte erzählen, wie er einer Frau half. Sie wurde zum Tod verurteilt, er aber brachte ihre Feinde zum Schweigen. Doch er kam nur soweit, tief Luft zum Erzählen zu holen – und wurde unterbrochen. Ein Chor sang davon, wie aussergewöhnlich die Umstände seiner Geburt waren. Der Geehrte klatschte, freute sich und wollte frisch ansetzen, von seinem Leben zu erzählen. In dem Moment fragte ein Gast: „Hast du von eurer überstürzten Flucht nach Ägypten, gleich nach deiner Geburt, ein Trauma davongetragen?“ Wie gerne hätte er mit seinen Freunden auf die eine oder andere seiner Lebensstationen zurückschauen wollen – aber für sie gab es nur ein Thema: seine Geburt. Doch – beinhaltet ein Leben nicht viel mehr, als sein Beginn?
Regula Aeppli-Fankhauser

Dazu passt eines meiner Lieblingsweihnachtslieder. Musik: Buddy Greene, Text: Mark Lowry.

Hier die deutsche Übersetzung:

„Maria wusstest Du, dass Dein Sohn eines Tages auf Wasser wandeln wird? Maria wusstest Du, dass Dein Sohn unsere Söhne und Töchter retten wird? Wusstest Du, dass Dein Sohn gekommen ist, um uns zu erneuern? Dieses Kind, das du gebären wirst, wird uns erretten.

Maria wusstest Du, dass Dein Sohn einen blinden Mann das Augenlicht zurückgeben wird? Maria wusstest Du, dass Dein Sohn einen Sturm mit seiner blossen Hand beruhigen wird? Wusstest Du, dass Dein Sohn in die Fussstapfen der Engel treten wird? Und wenn Du Dein kleines Kind küsst, küsst du das Gesicht Gottes.

Die Blinden werden sehen, die Tauben hören und die Toten werden auferstehen. Die Lahmen werden springen, die Stummen sprechen, das Loblied auf das Lamm.

Maria wusstest Du, dass Dein Sohn Herr der ganzen Schöpfung ist? Maria wusstest Du, dass Dein Sohn eines Tages Herr wird über alle Nationen? Wusstest Du, dass Dein Sohn des Himmels vollkommenes Lamm ist? Das schlafende Kind, das Du gerade hältst, ist das große“ICH BIN“.

Eine wunderschöne Version von Pentatonix:

Diesen Beitrag habe ich für das Türchen vom 12.12.17 des Adventskalenders der Schweizer Schreibfrauen verfasst.

Fit, schön und gesund

Die aktuelle „Nidwaldner Blitz“ Ausgabe hat einen Beihefter zum Thema „Fit, schön und gesund“. Ich bin mit grad zwei Beiträgen vertreten:

Vom Druck, jung, schön, schlank und fit zu sein

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ wollte die Königin im Märchen „Schneewittchen“ wissen. Wer hat sich oder seine Mitmenschen noch nie gefragt: „Bin ich schön?“ Doch wer bestimmt, was schön oder hässlich ist? Und was ist, wenn ich der Norm nicht genüge?

Hier ein bisschen Fett absaugen, die Nase minim korrigieren und die Lippen aufpolstern lassen. Was ist denn schon dabei? Solche Perfektionierungen des Körpers gehören, wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte, zur Normalität. Wer dem Idealbild, das die Werbung und die sozialen Medien vorgeben, nicht entspricht, erntet Häme, oder den Vorwurf, aufgrund Übergewichts hohe Krankenkassenkosten zu verursachen und damit der Allgemeinheit auf dem Portemonnaie zu liegen. Wer „dick“ ist, heisst es, der ist faul und undiszipliniert. Kontrolle und Leistungsbereitschaft gilt sowohl an der Arbeit und zeigt sich ebenso im Körperkult. Nicht nur Frauen vergleichen sich untereinander, auch Männer müssen ihren „Body“ stählen, ein „Six-Pack“ antrainieren und eine glattrasierte Männerbrust vorweisen. Sonst – so könnte man meinen, ist der Mann kein Mann.

Fataler Schönheitswahn

Für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl ist diese Entwicklung unheilvoll. Laut „Club“, einer kürzlich ausgestrahlten Diskussionsrunde des Schweizer Fernsehens SRF, fühlt sich jedes zweite 13 bis 15-jährige Mädchen in der Schweiz zu dick. Und 80 Prozent der Buben dieses Alters wünschten sich sehnlichst mehr Muskeln. Schweizer Kinder wachsen in der Selbstwahrnehmung auf, etwas sei mit ihrem Körper „falsch“ und machen bereits Diäten. In den USA schenken Mütter ihren Töchtern im Grundschulalter auf Weihnachten oder Geburtstage Brustvergrösserungen. So ist es nicht verwunderlich, aber dennoch erschreckend, dass 91 Prozent aller befragten Frauen in Deutschland angaben, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein und 45 Prozent von Normalgewichtigen sich zu dick fühlen. (Quelle SRF, Club) Diese Entwicklung hat heute einen Namen: „Body Shaming“ (Körperkritik). Der Mensch schämt sich seines natürlichen Körpers und kritisiert andere, sie seien zu fett, zu dünn, zu wenig straff, sogar selbst dann, wenn die auf Instagram geteilten Porträts bearbeitet sind.

Kulturell und historisch wandelbare Schönheitsideale

Dabei ist die Definition, was Schönheit ist, einerseits historischen Modeströmungen unterworfen und andererseits von Land zu Land verschieden. So gelten heute grössere Brüste als schön und sexy, während sich früher die Damen ihre Busen einbanden, um sie kleiner wirken zu lassen. Auf Bildern und Skulpturen der Barockzeit sieht man, dass Frauen mit üppigen Rundungen dem damaligen Schönheitsideal entsprachen. Aber ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Frauen für fast drei Jahrhunderte lang in Korsetts gezwungen. Und so kamen die Menschen schon früh zur Überzeugung, für ihre Schönheit leiden zu müssen. Skurril wirken auf uns Schönheitsideale gewisser Völker, wie zum Beispiel der Surma in Äthiopien. Dort ist eine Frau, ohne eine Platte wie einen Teller in den Lippen, unattraktiv und findet keinen Ehemann. Und die Padaungfrauen im Südosten Myanmars tragen Messingringe um den Hals, welche bis zu 30 Zentimetern über die Schulter ragen, einem Turm gleich. Dieser Schmuck lässt die Halsmuskulatur verkümmern und erschwert das Schlucken. Man mag sich fragen, warum diese Frauen sich sowas antun. Sie hingegen würden es wahrscheinlich als unlogisch empfinden, dass sich Europäer eines Schönheitsideals zuliebe operieren lassen oder trotz ausreichendem Nahrungsangebot einen schlanken Körper anstreben. Ja, warum will der Mensch denn eigentlich schön sein? Wir sind halt soziale Wesen, wollen sowohl gefallen, anerkannt, ja bewundert und geliebt werden, wie dazu gehören. Dabei ist Schönheit relativ und liegt im Auge des Betrachters.

Gegentrend «Body Positivity» 

Es regt sich Widerstand. Denn die Entwicklung, dass Menschen vergessen haben, wie ein Durchschnittskörper aussieht und nur noch derjenige etwas gilt, der faltenlos, schlank und sportlich ist, kann so nicht weitergehen. Es darf nicht zur Gewohnheit werden, dass sich auch unsere Primarschulkinder auf den Pausenplätzen über Diäten und gar angestrebter Schönheits-Operationen unterhalten. Eine Gegenbewegung, „Body Positivity“ genannt,  auf den sozialen Netzwerken breitet sich aus. Menschen setzen sich für eine positive Einstellung dem eigenen Körper gegenüber ein und präsentieren sich mit „Bauchröllchen“, ohne Make-up, unretouchierten Selbstbildern (Selfies), wo man die Cellulite-Dellen auf den Oberschenkeln sieht. Es ist zu wünschen, dass wir die grössere Vielfalt an Menschen, seien sie rothaarig, sommersprossig, schmaler oder runder, mehr zu schätzen lernen, als 08/15 Modells mit Laufstegmassen und jeder einzelne zu einem neuen, gesunden Körpergefühl und Selbstbewusstsein zurückfindet. Betrachten wir unseren eigenen Körper und denjenigen unserer Mitmenschen mit Respekt, denn jeder Körper erzählt eine einzigartige Geschichte. Christian Morgenstern sagt: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“

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Fit und gesund durch die kältere Jahreszeit kommen

Arthur Schopenhauer hat gesagt: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“. Lichtmangel und nasskalte Temperaturen führen schnell zu Erkältungskrankheiten und Erschöpfungszuständen.

Im Sommer findet das Leben draussen statt. Wir gehen wandern, schwimmen, fahren Velo, gehen abends joggen oder treffen uns zu gemütlichen Grillabenden mit Freunden. Sobald es kühler wird, sieht man die Nachbarn nicht mehr, denn jeder zieht sich in die warme Stube zurück. Das Velo wird im Keller verstaut, die Joggingschuhe in den hintersten Ecken des Schuhgestells versorgt. Bewegungsmangel schwächt das Immunsystem. Und wer sich zurückzieht ins eigene Schneckenhaus, ist in Gefahr, in eine Winterdepression zu geraten. Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist. Wie stärken wir diese drei Komponenten, für die kühlere Jahreszeit?

Körperliche Abwehrkräfte stärken

Im Herbst sind Wanderungen besonders toll, denn es ist nicht mehr zu heiss, die Fernsicht prächtiger als an Sommertagen und das Rascheln durch einen Herbstblätterteppich bereitet der ganzen Familie Spass. Ein Sprichwort sagt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.“ Diese sollte aus mehreren Schichten atmungsaktiven Materials bestehen, um den Schweiss von der Haut abzuhalten und gleichzeitig die Körperwärme zu speichern. Viel Wärme verliert der Mensch über den Kopf und so ist das Tragen einer Mütze wichtig. Sobald Schnee liegt, eröffnen sich neue Bewegungsmöglichkeiten wie Langlaufen, Skifahren, Snowboarden oder Schneeschuhwandern. Der Aufenthalt im Freien ist im Herbst und Winter besonders für die Produktion von Vitamin D wichtig. Dieses schützt vor Infektionen. Doch viele Menschen haben in der kälteren Jahreszeit trotz Sport und gesunder Ernährung mit saisonalem Gemüse und Zitrusfrüchten, irgendeinen Vitamin-Mangel. Apotheken, Drogerien oder der Hausarzt beraten gerne, ob Sie persönlich eine zusätzliche Vitamingabe benötigen. Manchen Menschen, welche unter Lichtmangel leiden, hilft eine Tageslichtlampe. Das Licht einer solchen Lampe ähnelt dem Tageslicht und man setzt sich ihr täglich über längere Zeit aus. Sauna- oder Kneippgänge fördern die Durchblutung und stärken die Abwehrkräfte ebenfalls.

Stärkung von Seele und Geist

Zum Mensch-Sein gehört nicht nur der Körper, sondern auch die Seele und der Geist. Diese beinhalten grob umrissen die Psyche, den Verstand und das Bedürfnis nach erlebbarer Spiritualität. Wie wohl tun an dunklen Herbst- oder Winterabenden Besuche lieber Mitmenschen – vielleicht vor einem gemütlichen Cheminéefeuer. Und warum nicht wieder mal eine Kirche oder ein Konzert besuchen? Spannende Bücher lassen uns in der Fantasie in entlegenste Gegenden der Welt reisen. Gesellschaftsspiele vertreiben Kummer und Sorgen, lassen uns lachen und dies wiederum ist gesundheitsfördernd. Denn wenn wir lachen, sind sehr viele Muskeln involviert, die Atmung geht tiefer, die Körperzellen werden entsprechend mit mehr Sauerstoff versorgt, Stresshormone gebremst und Glückshormone ausgeschüttet. Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass Lachen, wie es der Volksmund sagt, „die beste Medizin“ sei.

In diesem Sinn: bleiben Sie gesund!

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Das Foto knipste ich auf dem Schächenthaler Höhenweg