Erstens kommt es oft anders und zweitens, als man denkt. ūüėČ (Redensart)¬†Am Freitag schrieb ich auf Facebook:¬†

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Das Geschenk bestand aus einer Wonderbox.¬†Man kann da aus mehreren Angeboten eines ausw√§hlen. Unsere Favoriten w√§ren √úbernachtungen in einer mongolischen Jurte, einem Baumhaus oder einem Nostalgiewagen gewesen. F√ľr solche Angebote zogen wir ein warmes Sommerwochenende vor. W√§hrend des Sommers aber waren diese Angebote an den Wochenenden immer ausgebucht. Unter der Woche, h√§tte es noch freie Pl√§tze gehabt, doch Andy wollte nicht extra frei nehmen. Also w√§hlten wir eine Schweizer Region, welche wir noch nicht so gut kannten: das Wadtland und buchten, bevor der Gutschein (nach einem Jahr) ablief, ein Romantikweekend.
Ich wollte schon immer gern mal in einem Himmelbett √ľbernachten und so w√§hlten wir dieses Angebot aus. Es handelte sich bei diesem √úbernachtungsplatz nicht um ein Hotel, sondern um ein Bed and Breakast.
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“Lustig” war, dass wir sofort Part der dortigen Grossfamilie waren. Ich meine, wir haben weltweit schon verschiedene B&B’s erlebt. Meistens ist man als Gast in einem separaten Trakt, hat ein eigenes Bad/WC und einen eigenen Fr√ľhst√ľcksraum, so wie in einem Hotel. Es gab einzelne F√§lle, da waren wir auch am selben Fr√ľhst√ľckstisch, wie die Gastgeber, aber nie zusammen mit ihnen, sondern immer zu einer eigenen Zeit. Und das Bad/WC haben unsere √§lteste Tochter und ich, an einem Mutter-Tochter-Weekend im Tessin, ein einziges Mal mit der Gastgeberin des B&B geteilt. Sonst ist das nicht √ľblich. Ok, ich habe mich im Internet im Nachhinein schlau gemacht und erfahren, dass die Vorschriften, ein B&B zu f√ľhren, von Kanton zu Kanton in der Schweiz unterschiedlich sind. Wie halt so vieles in der Schweiz. ūüėČ ¬†Nun – jedenfalls: die Familie hat 7 Kinder!! Also sie z√§hlt 9 Mitglieder, dazu kamen noch andere G√§ste, welche wir aber nie sahen. Und wir alle benutzten dasselbe Bad/WC. Es gab zwar f√ľr die Familie noch ein anderes, auf einer anderen Etage. Trotzdem – es war hie und da besetzt, wenn wir es aufsuchen wollten. Auch von der Katze wurde es benutzt, wie uns unsere Riechorgane best√§tigten.
Das Zimmer sah schon so aus wie auf der Ausschreibung. Aber das Bett war h√∂chstens 1 Meter 20 breit. Ich glaube, im Camper unserer USA Reise, hatten wir sogar mehr Platz…. Auf dem Nachttisch lagen Bibeln, in und auf der Kommode waren christliche Traktate zu finden, in der Wohnung √ľberall irgendwas mit “Jesus”.
Es war un√ľbersehbar: die Familie sind √ľberzeugte Christen. Sind wir ja auch. Nur vielleicht optisch nicht grad so offensichtlich. Wir erfuhren, dass sie zur Br√ľdergemeinde geh√∂ren.¬†Da Andy und ich seit √ľber 30 Jahren in freikirchlichen Kreisen aktiv sind, war uns das ein Begriff. Wir glauben ja an denselben Gott, aber die einzelnen Freikirchen unterscheiden sich schon untereinander. So sind die Br√ľdergemeinden im Vergleich mit anderen Freikirchen eher konservativ, die Frauen haben, wie es der Name vermuten l√§sst, in den Gottesdiensten nicht viel zu sagen, sollten Kleider nicht Hosen tragen, keinen Schmuck. Gesungen wird ohne Instrumente – um ein paar √Ąusserlichkeiten zu erw√§hnen.
Dennoch war es sch√∂n zu sp√ľren, dass wir innerlich auf eine Art “verbunden” waren durch den gemeinsamen Glauben. Das ist sowieso immer wieder – weltweit – ein sch√∂nes Ph√§nomen. Unterschiede spielen nicht so eine grosse Rolle… Vor den Mahlzeiten beteten wir zusammen…. Auf den Sonntagsgottesdienst, der im selben Haus stattfand, luden sie uns ein. Wir verzichteten dankend, da wir vermuteten, es k√∂nnte eher langweilig werden, wenn alles auf Franz√∂sisch sein w√ľrde und konservative Lieder gesungen w√ľrden. Zudem hatte ich kein Kleid eingepackt. Sie h√§tten es mir als Gast bestimmt tolerant durchgehen lassen, aber wenn man sich nicht an kulturelle Gepflogenheiten h√§lt, f√§llt man dennoch unbequem auf.
Ja eben – im Grunde genommen war eine Auszeit geplant, fernab der Familie. Einfach mal unter uns sein. Haha – und dann wird einem ein sabberndes, aber gl√ľckselig glucksendes Baby in die Arme gedr√ľckt und man sitzt staunend inmitten einer sehr aktiven, lauten Gesellschaft.¬†
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¬†Aber die Familie war sehr, sehr herzlich.¬†Zum Angebot geh√∂rte ein Racletteessen und die Familie verw√∂hnte uns dabei mit allerlei Extrabeilagen und wir konnten anschliessend aus mehreren Desserts eines ausw√§hlen. Wir plauderten zusammen und dann geschah ein “Wunder”: ich konnte fast fliessend Franz√∂sisch sprechen. Das war mir in Frankreich und im Schweizer Jura bisher nie m√∂glich, weil ich immer offensichtlich ausgelacht wurde aufgrund meiner mangelhaften Franz√∂sischkenntnissen. Ich konnte schon mal fliessend franz√∂sisch sprechen als Jugendliche, aber ich vergass es, weil ich es lange Zeit nicht mehr praktizierte. Bei dieser Familie erinnerte ich mich versch√ľtteter W√∂rter und Formulierungen. Einfach, weil sie mir Zeit liessen, S√§tze liebevoll erg√§nzten oder auf Deutsch nachhalfen. Ihr Deutsch war auch mangelhaft, also mussten wir uns ja voneinander nicht sch√§men. ūüėČ Das habe ich “so” wirklich noch nie erlebt und staunte √ľber mich selber. Wir empfehlen dieses B&B, aber es w√§re gut zu wissen, dass man sich inmitten einer Grossfamilie befindet, wenn man dort √ľbernachtet und auch, dass es eine Katze gibt (f√ľr Allergiker). Dies alles liest man auf der Ausschreibung nicht und deshalb kommuniziere ich es hier – f√ľr allf√§llig Interessierte. Die anderen G√§ste haben die untere K√ľche benutzt und wir sahen sie nie. Das w√§re also auch m√∂glich, wenn man dem Familienbetrieb ausweichen m√∂chte. Wie gesagt: die Familienmitglieder sind √ľberzeugte, aber nicht aufdringliche Christen. Zum Abschied schenkte mir das Familienoberhaupt eine CD mit christlicher Rockmusik! Ich weiss nicht, ob sie die selber nie h√∂ren w√ľrden – aber irgendwie schien es mir doch von <3 en zu kommen, dieses Geschenk.
Am Samstag besuchten wir Aigle mit dem Schloss und gingen ins Thermalbad Bains-Lavey. Ein sehr schönes Bad. Am Sonntag besichtigten wir zuerst Rougement und die uralte Kirche (im Jahre 1080 erbaut!),
Rossini√®re¬†und Ch√Ęteau-d’Oex. Anschliessend fuhren wir nach Gstaad, das ganz in der N√§he liegt, nahmen die Gondelbahn nach Wispelen und wanderten in 3 Stunden zum Lauenensee. (√úbrigens: lustige Idee) Ich musste doch sehen, was wir in einer Woche als Chor besingen werden.¬†
ūüėú
 
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Ja, so war das ein ereignisvolles Weekend und nun geniesse ich die Ruhe. 
ūüėā
 haha.