Der Platzhirsch

Der Sommer hat sich verabschiedet. Die Tage und Nächte werden kälter. Mit dem Herbst beginnt ein eindrückliches Naturschauspiel: die Paarungszeit des Rotwilds kündigt sich in den Bergwäldern mit lautem Röhren an.

Folgenden Artikel habe ich für den Nidwaldner Blitz verfasst und er erschien am 27.9.18

Werner Zumbühl, Mitglied der Kommission für Jagd-, Wild- und Vogelschutz (Jagdkommission), gibt den Nidwaldner Blitz Lesern im Folgenden interessante Einblicke in die Zeit der Brunft der Hirsche.

Zeit der Rotwildbrunft in Nidwalden
In Nidwalden kann man witterungsbedingt ab etwa Mitte September bis Mitte Oktober, vom Abend bis frühmorgens, das imposante Röhren von Hirschen hören. „Nicht in den Wäldern der Niederungen, aber zum Beispiel am Lutersee oberhalb von Grafenort oder dem Salistock, oberhalb von Wolfenschiessen“, verrät Werner Zumbühl. Waren Rothirsche früher mehr in der Region Wolfenschiessens zu finden, verteilen sich diese Tiere mittlerweile über den ganzen Kanton – von Hergiswil bis Emmetten. In der Schweiz gibt es 42 Jagdbanngebiete. Seltene und bedrohte Säugetiere und Vögel finden dort einen geschützten Lebensraum. Es gibt vor allem ältere Hirsche, welche die Nidwaldner Banngebiete zu kennen scheinen und sich in der Paarungszeit dorthin zurückziehen.

Wettkampf um die „Braut“ und „Hochzeit“

Im Frühling werfen Hirsche ihre vorjährigen Geweihe ab. Im Sommer sind neue gewachsen, bis zu 6 kg schwer und weisen ein paar Enden mehr als im Vorjahr auf. Im Herbst sondern sich die alten Hirsche vom Rudel ab und die jüngeren beginnen den Wettkampf um das Kalbwild. So nennt man die jungen Hirschkühe. Die jungen Männchen demonstrieren ihre Stärke, indem sie derart markerschütternd röhren, dass man diese Laute kilometerweit vernimmt. Doch allein mit ihren Stimmen kämpfen sie nicht für ein Weibchen, sondern meist folgt ein Duell. Erhobenen Hauptes gehen die starken männlichen Tiere zuerst nebeneinander her. Dabei spannen und demonstrieren sie einander ihre Muskeln, um möglichst grossen Eindruck auf den Nebenbuhler zu machen. Nun umkreisen sich die Tiere, senken ihre Köpfe, verhaken die Geweihe und kämpfen miteinander. Schwere Verletzungen werden im Grunde genommen von den Tieren vermieden, können aber, nach Aussage von Werner Zumbühl dann auftreten, wenn sie sich aus der Geweihverhängung nicht mehr befreien können. „Glücklicherweise verhaken sich die Geweihe selten derart stark, dass die Tiere elendiglich verenden. Solche Kadaver findet man meist nicht sofort. Dieses Fleisch ist nicht für den menschlichen Verzehr geeignet, dafür aber ein Festessen für Kolkraben oder den Fuchs“, erklärt Werner Zumbühl. Der Sieger aus dem Duell ist der „Platzhirsch“. So werden ja im übertragenen Sinn Menschen bezeichnet, welche meinen, das ganze Universum drehe sich um sie und entsprechend arrogant und selbstherrlich auftreten. Der Siegerhirsch darf sich als Lohn mit mehreren weiblichen Tieren paaren. Dieses Besamen nennt man beim Hirsch „beschlagen“. Gegen Ende Mai, Mitte Juni werden dann Kälber geboren.

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