FAKE News, die wir glauben: Ich muss mit allen Menschen versöhnt leben

Unterschied Vergebung – Versöhnung


Definitionen von Vergebung

Rachel Scott sass 1999 mit einem Freund auf dem Rasen des Schulgeländes in Columbine, USA, als zwei jugendlichen Täter auf sie schossen. Als sie noch nicht sofort tot war, fragte einer von ihnen: «Glaubst du noch an Gott?» Ohne zu zögern bejahte sie; der nächste Schuss brachte ihr den Tod. Die Mutter von Rachel konnte dem Mörder vergeben. Das war überhaupt nicht einfach, doch weiss sie, dass die Vergebung letztlich ihr selbst zugutekommt. «Wenn ich vergebe, sage ich damit: ‚Das, was du mir angetan hast, ist nicht normal, aber ich entscheide mich dafür, dir zu vergeben, weil ich nicht den Rest meines Lebens von dem Schmerz dominiert werden möchte. Er wird mich nicht kontrollieren, weil ich nicht zulassen werde, dass mich dies für den Rest meines Lebens definiert!’»

Ich weiss nicht, ob ihr auch schon mal einem Mörder vergeben musstest. Aber in unseren Leben werden wir oft innerlich verletzt und erleben mehr oder weniger dramatisch Schlimmes. Ein Mensch wie diese Mutter, der vergibt, verzichtet auf den Schuldvorwurf, auf jegliches Nachtragen des erlittenen Unrechts. Dies meint Vergebung. Dieser Mensch spricht das vor Gott aus.

Die Bibel sagt: Roemer 1218Ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. 19Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der HERR.“…

Gott möchte, dass wir dem Frieden gegen jedermann nachjagen, so wie es Hebräer 12,14 sagt und dass wir schnell bereit sind zu vergeben. Es liegt ihm viel an bereinigten Beziehungen, denn er sagt: Johannes 13, 34 und 35: Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben. 35 An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.«

Aber wie können wir denn das leben, wozu uns die Bibel aufruft.

Zuerst ist es wichtig zu sehen, dass auch wenn die Wörter Vergebung und Versöhnung häufig synonym gebraucht werden, sich doch ein feiner Unterschied hinter ihnen verbirgt.

Es gibt auch zum Thema Vergebung Fakes und Fakten.

Ver-geben: Vergeben hat etwas mit “geben” zu tun, also mit “Gabe”. Man kann das Wort auch in völlig anderem Kontext nutzen, etwa “Ein Stipendium vergeben”. Es geht also darum, dass jemand etwas erhält. In diesem Fall erhält jemand, der irgendetwas falsch gemacht hat, den Erlass seiner Schuld.

Fakes zum Thema Vergebung: 

– du kannst als Täter, Vergebung nicht einfordern, nur darum bitten. Die Gefahr besteht, wenn du Vergebung befiehlst, im Stil von: weil du Christ bist, musst du mir ja vergeben –  dass der andere sagt: jaja, ich vergebe dir, aber die Vergebung ist nicht wirklich so gemeint und dass das Opfer die Verletzung irgendwann wieder auf den Tisch bringt.
– Du kannst vergeben, auch wenn der Täter keine Reue zeigt.
– Vergeben bedeutet nicht vergessen. Es kann sein, dass Gott hilft zu vergessen und verletzte Gefühle heilt, aber es kann auch sein, dass ich mich, trotzdem ich vergeben habe, ein Leben lang schmerzhaft an erlittenes Unrecht erinnere. Und trotzdem darf ich daran festhalten, dass ich vergeben habe.
– Wenn ich vergebe, heisst das nicht, dass ich gut heisse, was der Täter mir angetan hat.
– Vergebung ist nicht gleich Versöhnung

Definition von Versöhnung 

Was ist denn der Unterschied? Versöhnung bedeutet zusätzlich zur Vergebung, dass beide Seiten die Beziehung fortsetzen wollen.  Zum Versöhnen gehören alle Beteiligten. Es ist ein Prozess, der voraussetzt, dass Schuld eingestanden wird.

Wenn die Bibel von Versöhnung spricht, meint sie in 1. Linie die Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Durch Jesus hat Gott Versöhnung möglich gemacht. Jesus hat die Schuld von dir und mir getragen, so dass eine versöhnte Beziehung zu Gott möglich ist. Aber die Bibel spricht auch davon, wie wichtig Gott versöhnte zwischenmenschliche Beziehungen ist.

Eine ganz schöne Versöhnungsgeschichte erzählt uns die Bibel im 1. Mose 33. In seiner Jugend war Jakob so eifersüchtig auf Esau, den Erstgeborenen und Liebling des Vaters, dass er ihm hinterlistig das Erstgeburtsrecht und den väterlichen Segen stahl. Aus Angst vor Esaus Zorn floh Jakob. Als sich viele Jahre später eine Begegnung mit Esau anbahnte, geriet Jakob in Panik vor lauter Angst, der Bruder könnte ihn und seine Familie umbringen. Jakob überlegte, ob er seinen Bruder vielleicht mit einem Geschenk besänftigen könnte.

… Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn, und sie weinten.

Auch die Josefsgeschichte erzählt eine schöne Versöhnung zwischen den Brüdern.

Zur Versöhnung bedurfte es auch zu biblischer Zeit schon der Bereitschaft auf beiden Seiten.

„Versöhnung fordert, dass die Parteien ihr Vertrauen zueinander erneuern.“ Bei Vergewaltigung oder physischer bzw. emotionaler Gewalt, kann das Opfer sich zur Vergebung entschließen. „Wenn der Täter keinerlei Reue zeigt und sich nicht ändert, ist Versöhnung sehr schwierig, wenn nicht sogar ausgeschlossen.“

Dieser Vorgang kann mit einem Brückenbau verglichen werden. Vergebung ist die eine Brückenhälfte und Reue die andere. Manchmal glauben wir, die Sache abkürzen zu können. Vergeben und abhaken, bevor die Sache überhaupt richtig benannt ist. Ich denke, dass ist vor allem unter uns Christen eine häufig begangene Schwierigkeit. Ich rede jetzt nicht von Kleinigkeiten, sondern dann, wenn etwas Schwerwiegendes vorgefallen ist oder Verletzungen sich öfters wiederholen.

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Denn ein Mensch braucht Zeit, um sich mit einer Kränkung auseinander zu setzen, sie zu verarbeiten und sie richtig einzuordnen, gefühlsmässig und gedanklich. Um sich versöhnen zu können, muss jeder der Beteiligten bei sich selber einen Verarbeitungsprozess durchmachen. Dies ist auch deshalb wichtig, weil sich sonst ähnliche Situationen immer wiederholen, ohne dass sie wirklich gelöst werden.

Problemfelder zum Thema Versöhnung – mit Andy zusammen vorspielen – 

Es gibt Menschen, mit denen man sich – selbst als «ernsthaften» Christ nicht versöhnen kann. Jede Ähnlichkeit mit lebenden und anwesenden Personen ist zufällig! 😉

  1. Mit Menschen, die nur oberflächlich und zu schnell vergeben. Sie nehmen bei nächster Gelegenheit alles Alte wieder raus. Die Beziehung ist dann nicht wirklich versöhnt. Glücklicherweise bin ich ein sehr versöhnlicher Mensch! Sonst wäre diese Beziehung schon längst gescheitert. Dabei übersehen sie, dass sie dauernd den Kürzeren ziehen, dass ihr Selbstwertgefühl ständig abgewertet wird. Ihren Ärger nehmen sie selber nicht ernst und übersehen und überspielen die Verletzung, den Schmerz, die Wut, die Scham und Neid. Man muss den Partner nicht ansprechen, nicht an der Beziehung arbeiten, sondern es ist bequemer zu sagen: «Ich vergebe dir.» Die Angst besteht darin: Wenn ich nicht ständig gute Miene zum bösen Spiel mache, dann liebt mich mein Gegenüber eventuell nicht mehr. Es gibt Menschen, die meinen dabei sogar, sie seien dabei besonders gute Christen und Gott verlange von ihnen ein solches «Martyrium». Sie sehen nicht, dass es Gottes Wunsch wäre, Beziehungen auf gleicher Augenhöhe zu pflegen.
  2. Mit Menschen, die Vergebung nicht annehmen können. Sie unterstellen mir, dass ich nicht vergeben hätte, weil ihre Schuld zu gross sei. Sie leiden sosehr unter dem, was sie falsch gemacht haben und bereuen es zutiefst, so dass sie sich selber nicht vergeben können, die Schuldgefühle nicht loslassen können. Solche Menschen können nicht daran glauben, dass andere Menschen ihnen verzeihen und dass auch Gott vergeben hat. Wer Gottes Vergebung nicht annehmen kann, unterstellt Ihm, dass er ein böser, nachtragender Gott ist. Und einer, der die Vergebung eines anderen Menschen nicht annehmen kann, unterstellt diesem Menschen genau dasselbe: dass er ein böser, nachtragender Mensch sei. Ein solcher Mensch blockiert sich und andere mit dem Problem, dem Konflikt. Eine versöhnte Beziehung ist so unmöglich. Sobald der andere Mensch sich in einer neuen Situation über ihn aufregt, bricht es heraus aus dem Menschen: «Ich habe ja immer gewusst, dass du mir nicht vergeben hast.» Was sie dabei vergessen: sie bleiben dem Gegenüber dabei immer etwas schuldig: nämlich das mitmenschliche Wohlwollen, das Vertrauen (ich vertraue dir, dass du es gut mit mir meinst und vergeben hast)
  3. Mit Menschen, die ihren eigenen Anteil nicht sehen wollen. Täter, die keine Reue zeigen. Mit Menschen, die ein Zugeben eines Fehlers als Verlieren sehen und stets Gewinnen wollen. Sie wollen so perfekt sein, dass dies in ihrer Welt nicht vorkommen darf. So suchen sie die Fehler beim anderen und erwarten, dass der andere um Vergebung bittet.
  4. Mit Menschen, die sich nicht auf einen Versöhnungsprozess einlassen wollen. (Keine Zeit, Nerven, zu unwichtig, zu bequem) Sie ziehen sich lieber zurück, wechseln die Kirche – gehen dem Konflikt aus dem Weg.

Das Gefühl, man sei ein schlechter Christ, weil man mit jemandem unversöhnt lebt, ist FAKE NEWS, eine Lüge. Es ist nicht in allen Fällen möglich, es liegt nicht immer in meiner Macht.

Ich ermutige uns: gehen wir Versöhnungsprozessen nicht aus dem Weg. Das bedeutet:

– Sei selber ein Mensch, der von Herzen vergibt und nicht bloss oberflächlich. Sprich deutlich aus: «Ich vergebe dir.» Und dann: nimm Altes, das du vergeben hast, nicht wieder hervor.

– Sei ein Mensch, der Vergebung annimmt – zuerst von Gott.

Und dann nimm Vergebung auch von Menschen an. Vertraue, dass Menschen fähig sind, dir zu vergeben.

– Sei ein Mensch, der bereit ist, deinen eigenen Anteil zu sehen. Das Zugeben eines Fehlers bedeutet nicht, dass ich verloren habe, sondern es ist ein Zeichen von Stärke. Lerne es auszusprechen: «Ich bitte dich um Vergebung.»

Eine passende Bibelstelle für die obigen Menschentypen ist: 1. Johannes 1,8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.

Manchmal nützt es nichts, auch wenn ich selber ein Mensch bin, dem Versöhnung am Herzen liegt.

Was mache ich mit der Situation, wenn ich zwar Versöhnung wünschte, dies aber aus den gezeigten Gründen nicht möglich ist?

Dann bleibt aber immer noch das innerliche Sich-Aussöhnen mit der Situation: Wir akzeptieren, dass wir uns nicht versöhnen könne, wir lassen aber unseren Groll los, vergeben dem Menschen. Manchmal ist es nötig, sich von einer Beziehung zu verabschieden, den Menschen los zu lassen. Und dazu gehört dann auch das Zulassen von Trauergefühlen. Beispiel NW Blitz. Da waren Missverständnisse, Schuldvorwürfe seitens an mich. Keine Gesprächsbereitschaft.

Gott sieht deine Bemühungen und spricht dir zu: «Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben» (Matthäus Kapitel 11, Vers 28).

Verurteile nicht, wenn Versöhnung nicht möglich ist.

Zusammenfassung

Vergebung geschieht von meiner Seite aus und dafür ist keine Reue des Gegenübers Voraussetzung. Versöhnung hingegen führt einen Schritt weiter. Es ist ein Prozess, der mehr oder weniger Zeit benötigt, damit die Beziehung wieder auf Augenhöhe, vertrauensvoll, ohne gegenseitige Schulzuweisungen und respektvoll funktionieren wird. Vergeben kann ich alleine – zusammen mit Gott – zur Versöhnung sind alle am Konflikt Beteiligten nötig. Reue gehört zu diesem Prozess.

Es ist ein Fake, wir bringen uns selber und andere damit unter einen Druck, wenn wir meinen, ein guter Christ müsse zwangsläufig mit allen Mitmenschen versöhnt leben. Es ist aus den genannten Gründen nicht immer möglich. Seien wir barmherzig zueinander.

Ich schliesse mit meinen Lesetipps:– dieses Mal habe ich mich vom Buch von Verena Kast «Wenn wir uns versöhnen» inspirieren lassen. Es gehört nicht zur Katgegorie «christliche oder theologische Literatur», gab mir aber bereits vor Jahren wertvolle Impulse. ….


Diese Predigt hielt ich am 24. November 19 in der Vineyard Luzern.

Fake News, die wir glauben: Gott wird mich von allem Übel bewahren

Die Frage «Warum lässt Gott das zu?» – beschäftigt die Menschen seit jeher. Ich persönlich dachte lange Zeit, dass es klar ist, dass Nichtchristen viel Unglück erleiden. Aber Christen? Ich ging davon aus, dass wir seine Lieblinge seien und deshalb lasse er es doch nicht zu, dass einem seiner Kinder etwas geschehe.

Heisst es nicht im Psalm 91:

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Frage: habt ihr euch noch nie an einem Stein gestossen? Ja, was ist denn nun mit der Verheissung, dass wir uns an keinem Stein stossen werden? Und was ist, wenn ein Christ eine tödliche Diagnose erhält? Zweifeln wir dann sofort an, ob er Gott von ganzem Herzen liebt und ihm vertraut? Eine schwierige Frage… Natürlich erzählen wir Menschen, welche Jesus noch nicht kennen, lieber sowas wie der Psalm 91 beschreibt, nämlich dass Gott uns bewahre und schütze vor allem Unheil. Es ist wenig populär, wenn wir ihnen von unseren Sorgen, Ängsten, tiefen Zweifeln und nicht geheilten Krankheitsgeschichten zu berichten. Darüber lässt sich nicht sosehr schwärmen, wie darüber, dass ein Leben als Christ Freude, Frieden, Erfüllung bringt und wir uns stets geborgen und beschützt vor allem Unglück wissen dürfen.  Wir «predigen» lieber uns selber und unseren Mitmenschen, dass Gott bewahrt und geheilt hat. Dass wir solches erleben, ist ja wirklich toll und ich freue mich über jede solche God Story. Nur könnte man daraus schliessen, dass unser allmächtiger Leibwächter uns stets davor bewahren würde, eine schlimme Krankheit zu bekommen, schlaflose Nächte zu erleben, unsere Arbeitsstelle zu verlieren, liebe Mitmenschen durch tragische Todesfälle zu verlieren oder peinliche Missgeschicke zu erleben und dadurch blöd dazustehen.

Ich lege eine Auslegung von Jens Kaldewey zu diesem Psalm auf, die ihr gerne ausleihen dürft. Das Pdf hier zum runterladen (klickmich). Auch er kommt zum Schluss, dass wir Christen ebenfalls tödliche Krankheiten und anderes Unglück erfahren können, dass es ganz einfach den Tatsachen entspricht. Er beschreibt die Bedrohungen so: «Die Pest, die im Finstern umherschleicht. Wen trifft sie als Nächstes? Wer „muss dran glauben“? Es sind die Gefahren, die vor der Tür lauern, die wir ahnen, auch wenn sie sich nicht deutlich zeigen und wir wissen nicht, wann es uns trifft. Es kann die Erkältungsgefahr sein, die Krebsgefahr, die Gefahr des Ausbruchs von Krankheiten, die schon immer in meiner Familie herumgeschlichen sind, aber auch der kontinuierliche Stellenabbau in der Firma, der „Raubtierkapitalismus“, der Terrorismus, der ja auch in unseren Breitengraden immer näher an uns herantritt, die immer noch steigenden Anforderungen meines Arbeitgebers. Oder anders formuliert: Die Bedrohung im Hintergrund.»

Auch die Geschichten in der Bibel erzählen davon, wie gottesfürchtige Menschen Schlimmes erleben. Erinnert ihr euch an die Geschichte von Josef? Ihm wurde wirklich massiv Böses angetan wurde vonseiten seiner Brüder. Josef, Hiob, Paulus und noch andere Menschen, von denen uns die Bibel erzählt, ja auch Jesus, sind Beispiele davon, dass Menschen, welche mit Gott in ihrem Lebensmittelpunkt leben, nicht vor allem Schweren bewahrt werden. Denkt nur daran, dass Paulus lange Gott gebeten hat, den «Pfahl», wie er ihn nennt, aus seinem Körper zu nehmen. Oder wie er Schiffbruch, Gefangennahme und anderes erlebt hat.

Im Ganzen gesehen, erzählt die Bibel nicht davon, dass wir Christen es im Leben einfacher haben würden, als diejenigen Menschen, welche ihm nicht nachfolgen. Ein Leben als Christ bedeutet nicht, dass ich es stets bequem habe.

Wir dürfen nicht vergessen, dass eine mögliche Ursache von Leid, der freie Wille ist.

Gott hat uns nicht als Marionetten, sondern als Menschen mit einem freien Willen geschaffen. Er steht uns normalerweise nicht im Weg, wenn wir diesen freien Willen einsetzen. Es mag Ausnahmen geben, aber meist lässt Gott uns tun und lassen, was wir wollen. Und so können uns und anderen schmerzhafte Konsequenzen aus falschen Handlungen entstehen. Er verhindert nicht, dass ich mich ins Unglück stürze, wenn ich das so entscheide. Es gibt Ausnahmen – und das sind dann eben Wunder! Er lässt es zu, dass ich zu stark aufs Gaspedal drücke und deswegen eine Busse kassiere. Nicht, weil Gott ein böser Gott wäre, sondern weil er mir den freien Willen lässt – mit allen Konsequenzen. So verhindert er auch nicht immer schlechte Noten, wenn ich nicht gelernt habe. Oder er nimmt mir mein Kopfweh vielleicht nicht weg, das ich nach zu grossen Alkoholgenuss verspüre. Wenn er das Kopfweh wegnimmt, was durchaus auch geschehen mag – dann ist es reine Gnade. Aber im Grunde genommen ist es ganz einfach die Konsequenz meines Verhaltens. Ich habe geerntet, was ich gesät habe, wie es die Bibel auch sagt. Nun habe nicht nur ich diesen freien Willen, sondern andere Mitmenschen auch. Schmerzen und andere Übel, können also unter anderem daher rühren, dass ich oder meine Mitmenschen den freien Willen auf ungesunde Weise gebrauchen.

Nicht alles Schmerzliche, das wir erleben, ist auf den freien Willen des Menschen zurück zu führen. Es gibt viele Unglücke, auch im Leben von Christen, deren Ursachen nicht zu erklären sind. Auch nicht damit, dass der betreffende Mensch gesündigt habe, nicht eine gute Beziehung zu Gott pflege oder unter einem Fluch stehe.

Wir sollten einfach manchmal nur zugeben, dass wir auch nicht weiterwissen. Es ist schön, wenn wir für andere beten, dass ihnen aus einer schwierigen Lebensphase herausgeholfen wird. Aber wir erwarten dann meist nach dem Amen ein sofortiges Eingreifen Gottes. Und wenn das ausbleibt? Ich denke, was uns Christen oft mangelt, ist Geduld und ein freundschaftliches Begleiten in Notzeiten. 

Wenn ich dem Fake glaube, dass Gott mich vor allem Übel bewahrt, weil er doch die pure Liebe und allmächtig ist, laufen wir Gefahr, zu verbittern Gott gegenüber. Ich habe im Sommer grad von vier christlichen US Musikern gelesen, welche sagen, dass sie ihren Glauben aufgegeben haben. Einer von ihnen, Marty Sampson, gab unter anderem als Begründung an: «Nur wenige Wunder passierten, und niemand spreche darüber. Die Bibel sei voller Widersprüche und niemand spreche darüber.» Ja, wenn wir glauben, dass es normal ist, dass Wunder geschehen, wie wir es in einem Lied singen, aber selber keine Wunder erleben, dann kann man schon an Gott verzweifeln. Die Bibel bietet solche Widersprüche, wie dieser Psalm 91 einerseits und unser ganz persönliches Erleben andererseits. Wenn man dann solche Spannungen, die sowas auslösen, nicht aussprechen darf, weil man vielleicht grad als «ungläubig» gilt, kann das mit der Zeit derart nagen an uns, dass man sich dem Glauben abwendet. Wenn wir dauernd gelehrt bekommen, dass Gott doch stets bewahre und dann etwas schief läuft in unserem Leben, sind wir in Gefahr, den gesamten Glauben hin zu schmeissen.

Ich habe auf das alles keine definitive, allumfassende Antwort. Ich weiss nur ganz tief innen mehrere Wahrheiten:

– dass Gott es immer gut mit uns meint.

– Und ich weiss auch, dass Gott uns einerseits vor Leid bewahren und es andererseits zulassen kann. Ohne dass wir immer verstehen, warum. Er bleibt Gott und wir sind in unserem Denken und Verstehen nicht immer fähig, alles einordnen zu können. Dabei dürfen wir Punkt 1 nicht vergessen: Gott meint es immer gut mit uns.

– Manchmal aber haben wir die Chance, etwas aus dem Leiden zu lernen. Kinder wissen das am besten. Sie fallen beim Velofahren-Lernen hie und da hin, holen sich ein aufgeschundenes Knie, geben aber nicht auf und lernen es immer besser. Manchmal holen wir uns in den Schwierigkeiten unseres Lebens aufgeschürfte Knie und weinen hie und da zutiefst. Aber Gott hilft uns immer wieder auf und ermutigt uns, nicht aufzugeben.

– Und Gott hat uns an mehreren Orten in der Bibel Versprechungen gegeben, im Schweren, das uns im Leben begegnet, bei zu stehen und es zum Besten dienen zu lassen!

Rö 8,28 Daran dürfen wir uns festhalten, auch wenn es rundum stürmt.

– Es gibt einen Spruch: Verwende die Steine, die dir das Leben in den Weg legt, dafür, dein Fundament zu stärken. Deshalb habe ich für jeden von euch einen Stein bereit, den ich als Erinnerung daran mitnehmen könnt.

– Der Teufel möchte uns an diesem Punkt unser Liebesverhältnis zu Gott zerstören. Mach es wie Hiob: halte an Gott fest, auch wenn es hart ist und du Gott nicht verstehst. Er ist und bleibt ein liebender Gott. Mir hilft in schwierigen Situationen das, was ich mal gehört habe: «Alles, was dir passiert, musste zuerst an Gott vorbei.»

– Etwas anderes, sehr Tröstliches: aller Mist, sämtliche Schmerzen und selbst der Tod, vermögen nicht, uns zu scheiden von der Liebe Gottes. Römer 8,35 und folgende. Ich mag zwar unter körperlichen Beschwerden leiden, aber der Glaube an Gott verleidet mir trotz Leiden nicht. Die Verbindung zu Gott hilft uns, indem er uns davor bewahrt, bitter zu werden.

– Er kann uns geistliche, seelische und körperliche Kraft geben, die Not zu ertragen.

– Und wir haben einen Gott, der gerade dann bei uns ist, wenn es am Dunkelsten ist. Es heisst im Hebräer 4,14, dass Jesus mit uns mitleidet. Leid zu erleben heisst nicht, von Gott im Stich gelassen zu sein. Leid ist nicht die Abwesenheit von Gott. Ja, Leid ist vielleicht die Abwesenheit von Schönheit, die Abwesenheit von Lebensfreude, die Abwesenheit von Glück und Zufriedenheit und Gesundheit. Aber Leid ist nicht die Abwesenheit von unserem Gott. Er ist so nahe bei uns, wie es kein Mensch sein kann. Evtl. von meinen Depressionen erzählen und meiner Frage an Gott, wo er denn sei….Gott vermag es, mitten in der Not zu trösten.

– Und natürlich vermag er auch, Umstände zum Guten zu verändern.

– Oder er kann mir einen kreativen Ausweg aus einer schwierigen Situation zeigen und mir den Mut dazu geben.

– – Schwierigkeiten, ja selbst schwere Unglücke müssen nicht deine gesamte Zukunft bestimmen. Sie sind letztlich Durchgangsstationen auf unserem Lebensweg, nicht die Endstation.

– Aber manchmal heisst seine Hilfe auch, dass er einen Menschen zu sich in seine Welt holt, um ihn so völlig zu erretten.

Zusammenfassung 

Es ist FAKE, eine Lüge, dass einem ernsthaften Nachfolger Jesu kein Unglück geschehen dürfe, oder dass, falls dies doch geschieht, Sünde oder Unglauben vorliegen würde.

Die Wahrheit ist, dass das Leben nun mal schwierig sein kann und nicht immer ein Zuckerschlecken und rosarot ist. Und ja: dies trifft sogar auf uns Christen zu. Der Glaube macht es leichter, Probleme anzugehen, Lasten zu tragen, aber Gott befreit uns nicht von allen Problemen. Er stellt uns aber Kraftquelle zur Verfügung: In der Beziehung zu ihm, welche wir zum Bsp. Im Gebet, Lobpreis und Bibel lesen pflegen können – und auch in der Gemeinschaft miteinander liegt unsere Stärke.

Ich schliesse mit 1. Petrus 5, 10: «Der Gott aber, der euch seine Gnade auf jede erdenkliche Weise erfahren lässt und der euch durch Jesus Christus dazu berufen hat, an seiner ewigen Herrlichkeit teilzuhaben, auch wenn ihr jetzt für eine kurze Zeit leiden müsst – dieser Gott wird euch mit allem versehen, was ihr nötig habt: er wird euch im Glauben stärken, euch Kraft verleihen und eure Füsse auf festen Boden stellen».


Diese Predigt hielt ich am 17. November 19 in der Vineyard Luzern

 

Fake News, die wir glauben: Ein guter Christ ist nicht zornig, besorgt oder deprimiert.

Was sind Fake News

Wenn man vom schwierigen Verhältnis des aktuellen US Präsidenten zu den Medien etwas hört, dann wird immer wieder das Schlagwort Fake News verwendet. Dies meint ganz einfach: Lügengeschichten. Lügen-Neuigkeiten.

Die meisten von uns besuchen keine Krisengebiete um uns vor Ort einen Eindruck der Lage zu verschaffen und mit CEOs von grossen Unternehmen und Wissenschaftlern verbringen wir auch eher selten Zeit. Trotzdem brauchen wir Informationen über die Politik, laufende Konflikte, die Wirtschaft und die Wissenschaft. Daraus ziehen wir nämlich unser Bild über die Welt, über die aktuellen Probleme, merken, wie unsere Meinung dazu aussehen mag und die möglichen Lösungen dafür – und darum wollen wir verlässliche News und keine Fake-News. Wir erwarten dies gerade von Zeitungen, TV, Ansprachen von Politikern.

Religiöse Lügen

Auch im christl. Glauben gibt es Lügen. Fake News, die nicht immer sofort als solche erkannt werden. Sie tarnen sich heilig, biblisch, klingen gut und kleiden sich in einem christlichen Kleid.

Eine solche christlich getarnte Lüge lautet: Ein guter Christ ist nicht zornig, besorgt oder deprimiert. Denn Gott schaut ja für ihn und sollte ein Christ solche Gefühle verspüren, hat er mangelnden Glauben oder es fehlt ihm an einem geheiligten Charakter.

Stell dir vor: Du bist im Begriff, die Strasse auf dem Fussgängerstreifen zu überqueren, es kommt grad kein Auto. Du setzt den ersten Fuss auf die Strasse, da rast ein Auto auf dich zu, du kannst dich grad noch mit einem Sprung zurück aufs Trottoir retten. Dein Puls geht hoch, der Atem stossweise, die Muskeln haben sich extrem schnell angespannt, um sich retten zu können, denn der Körper hat einen Extraschuss Adrenalin bekommen. Du wirst zornig auf einen solch rücksichtslosen oder unaufmerksamen Autofahrer. Würdest du nun sagen: ich hätte als guter Christ ruhiger bleiben müssen, denn im Vertrauen auf Gott sollte ich immer ruhig und gelassen bleiben? Ich bezweifle das. Du hast eine ganz natürliche Reaktion gezeigt. Der Situation angemessen.

Viele Menschen, egal ob Christ oder nicht, unterscheiden zwischen guten und negativen Emotionen. Positive Gefühle seien Freude, Hoffnung, Glaube, Vertrauen und die sind christlich. Zorn, Sorge, Trauer seien nicht «christlich», so meinen viele. Ich sage: das sind FAKE NEWS.

Wenn es wahr wäre, dass wir nicht fühlen dürften, was wir fühlen, müssten wir diese sogenannten «negativen Gefühle» verdrängen, runterschlucken, verleugnen, oder versuchen, sie Gott abzugeben, damit wir sie nicht mehr empfinden würden. Aber empfundene Gefühle bleiben stets im Unterbewussten. Sie sind bereit, jederzeit wieder hervor zu brechen und zwar dann, wenn wir zu müde, erschöpft oder krank sind. Es kann dann vorkommen, dass wir in einer relativ harmlosen Situation urplötzlich völlig unangemessen «explodieren» oder es kann sein, dass unterdrückte Trauer oder Besorgnis zu einer Depression führt. Letzteres ist mir übrigens passiert. Ich litt lange Jahre an einer Depression, unter anderem deswegen, weil ich Traurigkeit nicht zuliess.

Gott hat uns eine ganze Bandbreite von Emotionen geschenkt. Er hat sich als Schöpfer etwas dabei gedacht, als er uns mit der Fähigkeit ausstattete zornig zu sein, sorgenvoll oder sehr traurig.

Wenn unsere schmerzhaften und unangenehmen Emotionen ein Zeichen von falschem Glauben oder schwacher, mangelhafter Nachfolge wären, wie sollten wir denn die starken Gefühle von Jesus erklären, die er manchmal zeigte? Er weinte, als Lazarus starb. Im Garten von Gethsemane sagte er zu seinen Jüngern: «Meine Seele ist betrübt bis an den Tod.» Matth. 26.38. Er schrie und stiess Tische um, als er die Händler und Wechsler aus dem Tempel vertrieb. Das sind ziemlich starke Gefühlsäusserungen, oder seht ihr das anders?

Viele Christen sagen: aber das waren heilige Gefühle, das kann man nicht mit uns Menschen vergleichen, weil Jesus zwar fühlte wie wir, aber sündlos war. Ja, als Jesus zornig reagierte, tat er das, weil er sich darüber aufregte, dass im Tempel Dinge geschahen, die nicht mit der Idee Gottes übereinstimmten. Aber die Tatsache, dass er Zorn empfinden konnte zeigt, dass es nicht so unheilig sein kann, so zu empfinden.

Ich mag es zwar nicht, wenn ich spüre, dass mich etwas aufregt, oder dass sich mein Gegenüber über mich aufregt, weil wir doch alle Harmonie anstreben. Dabei zeigt meine Wut, die ich empfinde, einfach nur an, dass da jemand eine Grenze bei mir überschritten hat. Dass er etwas getan oder gesagt hat, dass ich als grenzüberschreitend empfunden habe. Es ist sehr wichtig, das wahr zu nehmen und zu äussern. Denn wer seine Aggressionen verleugnet und verdrängt, schadet sich und seinen Mitmenschen. Die Gefahr besteht, dass diese sich zu einem Hass weiterentwickelt. Denn Hass ist eine Steigerung von Zorn/Ärger. Es ist akzeptabel Dinge zu hassen, die Gott hasst; das ist tatsächlich ein guter Beweis für die richtige Einstellung zu Gott. „Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge!“ (Psalm 97,10a). Allerdings ist der Hass, der gegen andere gerichtet wird, sicherlich negativ. Der Herr erwähnt Hass in der Bergpredigt: Hass ist so abscheulich für Gott, dass man sagt, dass ein Mensch, der hasst in Dunkelheit geht, im Gegensatz zum Licht (1.Johannes 2,9 & 11).
Hass ist eine Position, die von innen zerstört, sie produziert Bitterkeit, die sich in unsere Herzen und in den Verstand frisst. Daher sagt uns die Heilige Schrift, “keine bittere Wurzel” in unserem Herz aufwachsen zu lassen (Hebräer 12,15).

Soweit zum Thema Wut/Zorn, Hass. Aber es geht mir allgemein um alle unsere Gefühle. Bitte versteht mich richtig. Ich sage nicht, dass ihr nun dauernd im «Fühlsch-mi-gschpürsch-mi-Modus» leben sollen. Dies meint, sich stets nur auf sich selber zu besinnen, mit sich selber zu beschäftigen, jedes noch so kleinste Gefühl hypersensibel zu analysieren. Nein! Aber ich sage: Es ist gut, wenn man starke Gefühle der Sorge, Traurigkeit, Wut oder ähnlicher Gefühle, über folgende Punkte nachzudenken und mit Gott und seinen Mitmenschen in einen Dialog über diese Fragen zu kommen:

Warum fühle ich jetzt so?

Was genau stimmt mich traurig, hoffnungslos, zornig?

Welche Werte, die mir wichtig sind, wurden missachtet?

Wurden meine Rechte in Frage gestellt?

Wie stark ist diese Empfindung? Achtung: es gibt natürlich die Problematik, dass starke Gefühle, welche sehr schmerzhaft und andauernd vorkommen, krankhaft sind und einer Behandlung bedürfen. Wenn ich mich ständig deprimiert oder sorgenvoll fühle, KANN das auf einen Mangel an Vertrauen in Gott hindeuten. Sei ehrlich vor Gott.

Seit wann fühle ich so?

 

Sollte ich die meine Gefühle als Anstoss nehmen, etwas zu verändern? Gerade Wut kann einen Kraftschub geben. Stellt euch vor, niemand wäre wütend gewesen, dass es die Sklaverei oder die Apartheid gibt. Ungerechtigkeit zu erleben oder zu beobachten, kann wirklich ZU RECHT wütend machen.

Oder bin ich wütend, weil ich in meinem Stolz verletzt bin? Das wäre was anderes und Ehrlichkeit gegenüber von mir könnte heilsame Veränderung bewirken

Frage dich: warum bin ich besorgt? Befindet sich ein Mitmensch oder ich selber, in Gefahr, eine Dummheit zu machen? Dann sollte ich Vorkehrungen treffen. Oder sorge ich mich, weil mir Vertrauen in Gottes Möglichkeiten fehlt?

Bin ich deprimiert, weil mir vieles misslingt und ich mich als ständiges Opfer fühle? Die Einsicht darüber, könnte der erste Schritt zu einem Weg aus dieser Depression sein. Oder fühle ich mich traurig, weil ich einen tiefen Verlust erlitten habe? Dann sollte ich geduldiger mit mir sein.

Es kann bei allen genannten Gefühle sein, dass ich überempfindlich, egoistisch, zu perfektionistisch bin.

Die Frage ist natürlich, wie ich meine Gefühle angemessen ausdrücke, so dass dies sowohl mir wie meinen Mitmenschen auf irgendeine Art weiterhilft.

Nicht hilfreich sind -und ich spreche jetzt insbesondere von Wut: schreien, Schuldzuweisungen, den anderen verletzen ob mit Worten oder gar Taten, Altes hervorholen und die «Immer-tust-du-das-Form».

Hilfreich ist, wenn man ruhig an ein solches Gespräch geht, vorher betet, in der «Ich-Form» spricht und auch Toleranz, Empathie, Grosszügigkeit walten lässt – und Vergebung. Auf das Thema Vergebung/Versöhnung werde ich in einem extra Teil meiner Trilogie eingehen.

Zusammenfassung:

Verdammen wir uns selber und andere nicht, wenn wir wütend werden, unsere Sorge oder deprimierte Gefühle ausdrücken. Meiden wir Apelle wie: «Aber als Christ solltest du nicht so empfinden….» Denn diese Gefühle haben seinen Sinn. Gefühle, welche du negativ nennst, können ein Geschenk Gottes sein in Form eines Stopp-Schildes oder roten Ampel. Sie könnten den Motor sein, der dich antreibt, etwas zu verändern. Wenn ich aber nicht fühlen darf, was ich fühle, weil es sich als guter Christ nicht gehört, bin ich in Gefahr, dieses Stopp-Schild von Gott oder eine Aufforderung zu einer Handlung gar nicht wahr zu nehmen.

Es ist gut und hilfreich, auf die Gefühle zu hören und zwar nicht erst dann, wenn sich aus einem kleinen Ärger ein Riesenzorn oder gar Hass entwickeln konnte oder aus einer Besorgnis oder Traurigkeit eine Depression..

Machen wir uns nicht lustig darüber, wenn jemand von uns Ärger ausdrückt. Nehmen wir das Gefühl des Gegenübers wahr, ernst und fassen wir es nicht per se als persönlichen Angriff auf. Es hat einen Grund, warum mein Gegenüber so empfindet, wie er oder sie es das grad ausdrückt. Versuchen wir, wenn die Wogen sich etwas gelegt haben, dem Ursprung auf den Grund zu gehen…. Dies kann eine Chance für unsere Beziehung sein.

Dass ein guter Christ keine Gefühle wie Zorn, Sorge, Trauer spüren und ausdrücken dürfte, ist eine Lüge. Wenn wir der Lüge aber glauben, kann uns das krank machen. Die Wahrheit hingegen macht frei (Johannes 8,32 Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen)


Dies war meine erste Predigt, die ich in der Vineyard Luzern hielt (am 10. Nov. 19). Kein Fake 😉 

 

Schnupper-Pilgern

Die Idee, auf dem St. Jakobsweg wandern zu gehen, sei ihm gekommen, als ich ihm wiederholt von meiner 10-tägigen Tour vom Oberalppass erzählte, erklärte mein Mann. Vor 40 Jahren wurde ich als Nanny für drei Pfarrfamilien-Kinder engagiert und ich schwärme tatsächlich hie und da von diesem Abenteuer, als wir in diversen SAC Hütten übernachteten. Den zweiten Ausschlag, eventuell eine Pilgertour auf dem Jakobsweg zu wagen, gab unsere mittlere Tochter. Sie pilgerte vor genau einem Jahr alleine von Porto nach San Compostela. Ihre Schilderungen und Bilder beeindruckten uns. Und nun kam mein Mann tatsächlich mit der Idee auf mich zu: „Wie wäre es? Wollen wir einmal eine  Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg unternehmen? Wärst du dabei?“ Ich reagierte zurückhaltend und hatte tausend Fragen: würde ich es rein physisch schaffen, mehrere Tage am Stück zu wandern? Wir wandern zwar viel, aber zusammen waren wir erst einmal auf einer 3-Tages-Wanderung. Und zwar hoch auf die SAC Christallina-Hütte und hinunter ins Tessin, zusammen mit unserem Sohnemann. Dies war ein gutes Erlebnis, aber bestimmt um die 10 Jahre zurückliegend. Ich habe ein Belastungs-Asthma und hege Bedenken, ob meine Kondition für so ein Vorhaben ausreichend wäre. Aber ok – wer nichts wagt, gewinnt nichts. Warum nicht mal eine Schnupper-Pilgerwanderung in der Schweiz unter die Füsse nehmen? Schliesslich meinte schon Demokrit, ein griechischer Philosoph:

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis. Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, unsere Zweifel und Bedenken.

Also wagten wir uns zusammen auf eine 3-Tageswanderung über die Auffahrtstage 2019. Mein Mann wählte die Strecke St. Urban nach Luthern Bad, auf den Napf und hinunter nach Romoos, Holzwäge aus. Er schaute auf der Karte, wo wir unsere Tour unterbrechen und übernachten könnten.

Doch vor dem Start, galt es zu packen. Dabei galt: jedes Gramm zählt und weglassen ist Pflicht, denn alles, was man nicht tragen muss, entlastet. 😉

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Das Bild entspricht nicht genau dem, was ich schlussendlich mitnahm: die Shorts packte ich leider nicht ein und für abendliche Schuhe fand ich ein paar noch leichtere Turnschuhe, als die auf dem Bild. Den roten Regenschutz und die grüne Jacke, hätte ich zuhause lassen können, aber das weiss man ja im Vorfeld nie so genau. Als Pijama packte ich ein paar leichte Leggins und ein atmungsaktives Langarmshirt ein und das war gut so. Frottétücher und Weiteres wie Teller, Abwaschtuch und auch Pflegeprodukte konnten wir uns sparen, weil wir in Gasthäusern übernachteten.

Nicht immer, aber streckenweise, wanderten wir während der nächsten Tage auf dem Schweizer Jakobsweg Nummer 4.

1. Wandertag: St. Urban – Gondiswil

In der Barock-Kirche St. Urban starteten wir mit einem Vater-Unser, denn es fand gerade ein Auffahrtsgottesdienst statt. Dabei durften wir die beeindruckenden Klänge der Orgel, welche  zu den grössten noch weitgehend erhaltenen Barockorgeln Europas zählt, geniessen. Ein schöner Start. Wenn wir meine Eltern besuchen, fahren wir jeweils an dieser Kirche vorbei. Dies seit etwa 30 Jahren. Nie hielten wir, um die Kirche oder das Psychiatrie-Gelände zu besichtigen, denn wir wollten jeweils immer möglichst schnell bei meinen Eltern ankommen. Umso mehr staunte ich über die vielen Gebäude der psych. Klinik.

Der Weg nach Gondiswil gestaltete sich abwechslungsreich und führte über Wiesen und Wälder.

 

Wir wanderten auf dem Grenzpfad Napfbergland , auf wahrhaft „himmlischen Pfaden“, denn  so nennt sich ein Wegnetz der Sakrallandschaft Innerschweiz. und im Smaragdgebiet.

Wir starteten ungefähr um 12.30 Uhr und um ca. 17 Uhr trafen wir beim Gasthaus Rössli in Gondiswil ein. Die Mittagspause abgerechnet, wanderten wir 3.5 Stunden, an diesem 1. Tag.

Leider servierte das Rössli kein Abendessen, weil das Restaurant aufgrund des Feiertages geschlossen war. Im Vorfeld lasen wir nirgendwo was darüber. Uns blieb nichts anderes übrig, als nach Huttwil zu fahren. Dorthin fährt jede Stunde ein privat geführter Bus, der leider kein Halbtax akzeptiert. Im Restaurant Bahnhof assen wir fein z’Nacht und bummelten anschliessend noch durch das malerische Huttwil.

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Freundlicherweise holte der Rössli-Wirt uns in Huttwil ab und kutschierte uns zurück nach Gondiswil. Unterwegs entdeckten wir ein Reh und der Wirt erklärte uns die Gegend ein bisschen. Er gab uns den Tipp, den Sonnenuntergang beim Weiher zu erleben. Also nochmals ein Abendspaziergang – der sich aber lohnte, denn es war wirklich malerisch.

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Alles in allem waren wir dann an diesem Tag doch 4.5 Stunden auf den Beinen.

Im einfachen Logie schliefen wir gut. Meine ausführlichere Bewertung steht auf Booking.com.

2. Wandertag: Gondiswil – Luthern

Beim Frühstück gab uns der Wirt zwei Geschichten zum Besten:

  • Wer entscheidet sich schon, in Gondiswil zu übernachten? In einem kleinen Dörfchen, wo sich Fuchs und Hase Gute-Nacht sagen? Ein Gast aus den USA entschied sich dafür. Er hat sich via Google Maps erkundigt, welche Ortschaft ungefähr in der Mitte zwischen Bern und Luzern liegt und von Gondiswil aus alles erreicht, was für ihn sehenswert war.
  • Folgende Geschichte der zwei Mexikaner ist herrlich! Sie verarbeiten zu zweit ungefähr dieselbe Milchmenge, wie die Käserei in Gondiswil. Dies fanden sie ebenfalls Google-sei-Dank heraus und flogen nach Rom und von dort via Mietauto nach Gondiswil. „He ja – Rom-Gondiswil ist ja keine Strecke für Mexikaner“, schmunzelte unser Wirt. „Die sind sich anderes gewohnt.“. Ohne Voranmeldung standen sie vor dem bodenständigen Schweizer Käser, der natürlich kein Wort Spanisch sprach. Aber irgendwie kam es dann doch zustande, dass die zwei Mexikaner eine Führung durch die Käserei erleben durften und Tipps für die Veredelung der Käsezubereitung erhielten.

Der 2. Wandertag bot uns viel Aussicht, verlief aber ab Zell leider oft auf geteerten Strassen. Ausgerechnet der Jakobsweg war so eine geteerte Strasse.

Das Laufen auf harten Untergrund ermüdet halt viel schneller und zudem war es heiss! Wir wanderten nun streckenweise auf der Via Jacobi Nr. 4, Etappe 27 und folgten den Wegweisern Lutrun (Luthern), (Pro Luthertal) welche uns aber einmal in die Irre leiteten, bzw. auf die Hauptstrasse, statt einem Bach entlang. Schade. Spannend war, dass ein Reh, durch uns aufgescheucht, unseren Weg kreuzte.

In Luthern assen wir in unserem Abend-Logie fein z’Nacht. Andy wählte das Pilgermenü aus. 😉

Bewertung der Krone auf Booking.com. Auch ein Rundgang durch Luthern durfte nicht fehlen und so kamen wir an diesem 2. Wandertag insgesamt auf ungefähr 5 Stunden reine Wanderzeit.

3. Wandertag Luthern – Luthern Bad – Napf – Romoos, Holzwäge

In Luthern Bad war ich überrascht, weil sich mir der Ort kleiner als in meiner Vorstellung präsentierte. Wir badeten unsere Arme und Füsse im Heilwasser und tranken davon. War es Einbildung? Mir schmeckte dieses Wasser tatsächlich anders als unser Hahnenwasser zuhause. Die Erfrischung für die Füsse hielt etwa eine halbe Stunde lang an.

Von da an wurde es aber mühsam, weil der Weg auf den Napf sehr steil und sonnenbeschienen war. Es war einfach nur heiss, heiss, heiss. Und ich atmete schwer, war aber auf dem Napf die Aussicht ins Tal betrachtend sehr stolz. Das alles haben wir geschafft. Nur zu Fuss. Ohne Verkehrsmittel.

Nach einer kurzen Mittagspause, wanderten wir nach Romoos, Holzwäge (ab dem Napf ca. 1. Std. 20. Die Zeit dorthin fehlt auf den vielen Wegweisern) wo wir das Postauto in Richtung nach Hause bestiegen. Ungefähre Wanderzeit an diesem 3. Tag: nicht ganz 5 Stunden.

Fazit:

Die 3 Wandertage waren ein Abenteuer für mich, das sich gelohnt hat, zu wagen. Es ging ohne Blasen an den Füssen ab und der Rucksack drückte nicht. Das Gewicht von ca. 5.5 kg samt Proviant und Getränke war perfekt. Ich würde für ein nächstes Mal ein paar Ersatzhosen mitnehmen für den abendlichen Restaurantgang. Und die Shorts, welche ich bereits eingepackt hatte, dann aber doch zuhause liess, wären bei dem heissen Wanderwetter ideal gewesen. Ansonsten aber vermisste ich nichts und würde auch für noch längere Wanderungen versuchen, nicht mehr einzupacken. Wir haben jeden Abend etwas ausgewaschen und weil die Wäsche atmungsaktiv und leicht war, trocknete sie schnell. Ich bin gern wieder für eine mehrtägige Tour dabei. Vielleicht aber wagen wir uns zuerst auf die diversen Jakobsweg-Etappen in der Schweiz, bevor wir uns das Ziel San Compostela vornehmen. Was ich toll finde, ist der Austausch und die Ermutigungen in Jakobs-Pilger-Foren auf Facebook, Twitter und Instagram.

Über den spirituellen Aspekt des Pilgerns nachdenkend, komme ich zum Schluss, dass ich Gott in der Natur erlebte, einem schönen Orgelspiel, beim bewussten Beten des Vater-Unsers, dem Nachdenken über Heilungswunder, welche in Geschichten auf Bildtafeln zu lesen waren, begegnete, aber auch in den Begegnungen mit Menschen. Das Unterwegs-Sein mit meinem Mann, an dessen Seite ich seit 32 Jahren den Lebensweg beschreiten darf, ist ein tägliches Geschenk. Die Freundlichkeiten der Wirtsleute und die Geschichten des Rössli-Wirts, bereicherten mich. Kurze Plaudereien auf den Wanderwegen und das gemeinsame Bestaunen eines Alpenpanoramas und darüber Austauschen mit wildfremden Menschen, erfreuten mich. Ich habe mir sagen lassen, dass dies beim Pilgern auf dem Jakobsweg auch immer ein grosses Erlebnis ist: das Aufeinandertreffen und das Gesegnet-Werden durch Mitmenschen.

Unsere Strecke der 3-Tages-Wanderung:

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Gut ersichtlich ist, dass wir immer schön auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Luzern wanderten. Ich bin stolz, dies alles zu Fuss geschafft zu haben und danke Gott für alle Bewahrung, die Fitness und Gesundheit, das schöne Wetter, die guten Unterkunftsorte, dass wir zwei Rehe sahen, die beeindruckende, herrliche Natur und für die herzlichen Begegnungen mit Mitmenschen.

Was fehlt, wenn Gott fehlt?

Was fehlt, wenn Gott fehlt, ist die Preisfrage.

Und der Preis, wenn Gott fehlt, ist gross – ich klage:

 

Wer vergibt und liebt ohne Bedingung?

Für den Frieden gab er die Rahmenbedingung

mit seiner Opferdarbringung.

Sich selbst hat er gegeben.

Und das würde fehlen.

 

Was fehlt, wenn Gott fehlt – eine Fangfrage?

Denn gefangen in meiner Selbstanklage

drehe ich mich wie ein Hamster im Rad

und kriege Krummes selber nicht grad.

 

Wenn Gott fehlt, bin ich statt Kind nur Waise

und Sorgen wären ohne ihn meine Speise.

Destruktive Gedanken drehen im Kreise

und niemand ermutigt auf meiner Lebensreise.

 

Mit Gott aber springe ich über jede Mauer

und er tröstet mich in meiner Trauer.

Am Ende des Tunnels ist Gott das Licht.

Ohne ihn bleibt es dunkel und Licht gibt es nicht.

Wenn Gott fehlt, ist wichtig, was die Leute über mich denken.

Doch ich lasse mir Selbstvertrauen von ihm schenken.

 

Wenn Gott fehlt, fehlt er ohne Ende.

Ich lege mein Leben in seine Hände.

Sich ihm anzuvertrauen, bedeutet die Wende.

Gibt es dagegen noch Einwände?

 

Die Frage ist also geklärt – was fehlt, wenn Gott fehlt.

Klug, wer ein Leben mit ihm im Mittelpunkt wählt.

Regula Aeppli-Fankhauser


Das Gedicht war mein Wettbewerbsbeitrag für die Reformierte Kirche (Reformationsjubiläum). Leider gewann ich weder 5000.– noch 3000.– noch 2000.– ;-( Und jetzt stehe ich vor der Aufgabe zu überlegen, was fehlt, wenn das Preisgeld fehlt und was ich mit dem fehlenden Preisgeld mache. 😛

„In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ (Hermann Hesse) Aepplis 2018/2019

Das Gedicht von Hermann Hesse beschreibt das Leben als ein Prozess. Lebensstufen oder Lebensräume folgen einander. Für mich sind Jahre jeweils solche Räume und Abschnitte. Ich blicke zurück auf den durchschrittenen Raum, das Erlebte darin und gehe mutig vorwärts.

Aepplis 2018

Träume leben -jetzt

Wenn uns die Krankheit Andys im Jahr 2017 etwas gelernt hat, dann dieses: die gemeinsame Zeit zu geniessen und Träume nicht auf später zu verschieben. Andy hat ein rückfall-freies Jahr 2018 hinter sich. Mögen weitere 4 Jahre folgen – dann gilt er offiziell als geheilt von der CLL.

Wir reisen beide sehr gerne und wollen nicht Reiseträume auf die Zeit unserer Pensionierung verschieben. Denn wer weiss, was dann ist…

Im Jahr 2018 waren wir zweimal in Österreich. Einmal genossen wir Ski- und Snowboardferien, zusammen mit Tobias und im Herbst haben Andy und ich seit Jahren wieder mal zu zweit Ferien verbracht. Freiburg i. Breisgau, Hamburg, Norwegen mit dem Nordkap, Kiel, Dresden, Paris und Lissabon, wecken in uns wunderschöne Erinnerungen. Manchmal waren wir mit Tobias zusammen unterwegs und hie und da als Paar, das sich auch nach 31 Jahren Ehe noch von Herzen tief liebt.

Kinder werden flügge

Die älteste Tochter unterrichtet mit sehr viel Freude Unterstufenkinder und wird 2019 heiraten. Darauf freuen wir uns alle unbeschreiblich fest.

Die mittlere Tochter studiert Ergotherapie in Winterthur. Weil sie im Sommer die Badeaufsicht im Strandbad Ennetbürgen/Buochs macht und im Winter als Ski- und Snowboardlehrerin auf unserem Hausberg, der Klewenalp tätig ist, wohnt sie an den Wochenenden bei uns. Im 2018 begab sie sich alleine auf Pilgerreise von Porto nach San Compostela. (Jakobsweg)

Sohnemann ist nebst der Lehre als Elektroinstallateur erfolgreich mit der Aeppli Production. In Cambridge absolvierte er ein Kurz- Englischstudium. Das erste Mal, dass er ohne uns Eltern im Ausland war.

Mütter

Wenn Kinder klein sind, sorgen sich die Mütter (und Väter) um sie. Werden die Eltern betagt, kehrt sich der Spiess um. Unsere beiden Väter sind leider gestorben. Andys Mutter hat Demenz im Anfangsstadium und zügelte im 2018 ins Altersheim Ennetbürgen. Meine Mutter hat sich von einem Schlaganfall, den sie im April 18 erlitt, mittlerweile fast vollständig erholt und wohnt wieder alleine zuhause. Doch auch für sie ist ein möglicher Wechsel in eine Alterswohnung immer wieder im Gespräch.

2019 – neuer „Raum“

Den ersten Wochen eines neuen Jahres wohnt für mich ein Zauber inne. Wie unbeschriebene, weisse Notizblätter liegen die Tage vor uns und wir dürfen sie füllen. Nebst der Hochzeit unserer ältesten Tochter, steht noch nichts „fest“. Doch wir planen bereits unsere diesjährigen Ferien. 😉 So schön, wenn man das Leben und Beziehungen geniessen kann, gesund ist und die Finanzen auch Reisen ermöglichen. Ich erlebe als Freelancerin immer wieder, wie Gott versorgt und Aufträge schenkt. Ja Gott – ich möchte ihn last, but not least erwähnen. Er ist es, an dessen Hand wir durch die Räume und Zeiten unseres Lebens schreiten dürfen. Ohne Ihn ist alles nichts. Er gibt uns Halt, Zuversicht und Sinn. In diesem Sinn: es guets Neus – von Aepplis

Die grosse Gefahr der kleinen Zecken

Hunde- oder Katzenbisse können Infektionen verursachen. Weitaus schlimmere Folgen verursacht aber der „Biss“ (eigentlich Stich) eines unscheinbaren Tieres: der Zecke. Zweimal wurde Maria Stern von einer infizierten Zecke gestochen. Die Folgen sind fatal.

Folgen von Zeckenstichen: Lyme-Borreliose und FSME

Bloss so klein wie ein Stecknadelkopf und doch kann eine Zecke enormes Leid verursachen. Wird ein Mensch von einer infizierten Zecke (im Volksmund „Holzbock“) gestochen, drohen zweierlei Krankheiten. Von der sogenannten Lyme-Borreliose sind in der Schweiz jedes Jahr ungefähr 3000 bis 5000 Menschen neu betroffen, Tendenz steigend. Es gab laut Auskunft von Dr. med. Norbert Satz, Spezialist für Zeckenerkrankungen, schon Jahre mit bis zu 10’000 Neuerkrankungen. 60 bis fast 300 Menschen erleiden jährlich durch Zecken eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), das ist eine Hirnhautentzündung. Diese Zahl variiert laut Dr. Satz witterungsbedingt. Im Gegensatz zu einem Mückenstich, spürt man den Zeckeneinstich nicht. Die Zecke saugt das Menschenblut vor allem an versteckten Orten, wie in den Kniekehlen, in der Schamgegend, im Bauchnabel, in den Achselhöhlen, an den Schultern, am Nacken oder hinter den Ohren. 80% der Stiche werden nicht erkannt.

Maria Stern – von Lyme-Borreliose betroffen

Rasende Bauch- und Gliederschmerzen, Lähmungen, Muskelzuckungen, dauerhaft entzündete Schleimhäute, eine überempfindliche Haut, Übelkeit, Herzrhythmus-Störungen – der Leidenskatalog, den Maria Stern seit dem ersten Zeckenstich im Jahre 1987 erlitt, ist gross. Leider erwischte es sie trotz allen Vorsichtsmassnahmen ein zweites Mal im Sommer 2003. Sie erzählt: „Ich habe fast 50 Ärzte aufgesucht, keiner konnte mir wirklich helfen. Die Symptome waren stark, aber unklar.“ Erst als sie zu einem Spezialisten für Zeckenkrankheiten überwiesen wurde, erhielt sie die Diagnose „Lyme-Borreliose“. Es folgten Antibiotika-Kuren, ein Aufenthalt in einer Schmerzklinik und es war gar nötig, eine Schmerzpumpe zu implantieren. Sie ist bis heute auf ein grosses Pensum an Schmerzmitteln angewiesen, um vor allem die Nervenschmerzen in den Beinen und Füssen ertragen zu können. Trotz dieser Qualen engagiert sie sich beim Telefondienst der Selbsthilfe Schweiz für Zeckenbetroffene im Kanton Aargau. Sie sagt: „Der Austausch mit anderen Betroffenen hat mir und meinem Mann selbst viel an Wissen und Verständnis gebracht.“ Weitere Unterstützung erlebt sie durch ihre Kinder, Freunde und der kirchlichen Gemeinde. Kraft und Halt geben ihr der Glaube an Gott. Bei einer Begegnung mit ihr, staunt man über ihr sonniges, empathisches, lebensbejahendes Wesen.

Prävention

Gegen die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) ist eine Impfung möglich. Gegen Borreliose ist derzeit kein Impfstoff auf dem Markt. Es bleibt nur, sich im Wald, Wiesen, Parks und im Garten zu schützen. Geschlossene Kleidung, die Socken über die Hosen gestülpt und festes Schuhwerk, beugen einem Zeckenstich vor. Ein Zeckenschutzmittel gibt für beschränkte Zeit einen weiteren Schutz. Seien Sie vorsichtig beim Liegen auf dem Boden im Freien, streifen Sie möglichst nicht Sträuchern entlang und meiden Sie hohes Gras. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte man sich duschen, die Haut gut abreiben und den Körper systematisch nach Zecken absuchen. Entfernen Sie eine Zecke mit einer Pinzette hautnah, durch einen geraden Zug und achten Sie sich auf mögliche Krankheitssymptome in den folgenden Wochen.

Herzlichen Dank an Dr. med. Norbert Satz für die telefonische Fachauskunft und Maria Stern für ihren persönlichen Einblick in ihr Leben als Betroffene.

Regula Aeppli-Fankhauser


Dieser Artikel erschien am 29. März 2018 im Nidwaldner Blitz


P.S. Jemand schrieb mir über Twitter: „Eine Info noch: im Gegensatz zu Menschen kann man Hunde gegen Borreliose impfen. Warum das so ist, weiß ich aber auch nicht.“