Fit, schön und gesund

Die aktuelle „Nidwaldner Blitz“ Ausgabe hat einen Beihefter zum Thema „Fit, schön und gesund“. Ich bin mit grad zwei Beiträgen vertreten:

Vom Druck, jung, schön, schlank und fit zu sein

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ wollte die Königin im Märchen „Schneewittchen“ wissen. Wer hat sich oder seine Mitmenschen noch nie gefragt: „Bin ich schön?“ Doch wer bestimmt, was schön oder hässlich ist? Und was ist, wenn ich der Norm nicht genüge?

Hier ein bisschen Fett absaugen, die Nase minim korrigieren und die Lippen aufpolstern lassen. Was ist denn schon dabei? Solche Perfektionierungen des Körpers gehören, wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte, zur Normalität. Wer dem Idealbild, das die Werbung und die sozialen Medien vorgeben, nicht entspricht, erntet Häme, oder den Vorwurf, aufgrund Übergewichts hohe Krankenkassenkosten zu verursachen und damit der Allgemeinheit auf dem Portemonnaie zu liegen. Wer „dick“ ist, heisst es, der ist faul und undiszipliniert. Kontrolle und Leistungsbereitschaft gilt sowohl an der Arbeit und zeigt sich ebenso im Körperkult. Nicht nur Frauen vergleichen sich untereinander, auch Männer müssen ihren „Body“ stählen, ein „Six-Pack“ antrainieren und eine glattrasierte Männerbrust vorweisen. Sonst – so könnte man meinen, ist der Mann kein Mann.

Fataler Schönheitswahn

Für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl ist diese Entwicklung unheilvoll. Laut „Club“, einer kürzlich ausgestrahlten Diskussionsrunde des Schweizer Fernsehens SRF, fühlt sich jedes zweite 13 bis 15-jährige Mädchen in der Schweiz zu dick. Und 80 Prozent der Buben dieses Alters wünschten sich sehnlichst mehr Muskeln. Schweizer Kinder wachsen in der Selbstwahrnehmung auf, etwas sei mit ihrem Körper „falsch“ und machen bereits Diäten. In den USA schenken Mütter ihren Töchtern im Grundschulalter auf Weihnachten oder Geburtstage Brustvergrösserungen. So ist es nicht verwunderlich, aber dennoch erschreckend, dass 91 Prozent aller befragten Frauen in Deutschland angaben, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein und 45 Prozent von Normalgewichtigen sich zu dick fühlen. (Quelle SRF, Club) Diese Entwicklung hat heute einen Namen: „Body Shaming“ (Körperkritik). Der Mensch schämt sich seines natürlichen Körpers und kritisiert andere, sie seien zu fett, zu dünn, zu wenig straff, sogar selbst dann, wenn die auf Instagram geteilten Porträts bearbeitet sind.

Kulturell und historisch wandelbare Schönheitsideale

Dabei ist die Definition, was Schönheit ist, einerseits historischen Modeströmungen unterworfen und andererseits von Land zu Land verschieden. So gelten heute grössere Brüste als schön und sexy, während sich früher die Damen ihre Busen einbanden, um sie kleiner wirken zu lassen. Auf Bildern und Skulpturen der Barockzeit sieht man, dass Frauen mit üppigen Rundungen dem damaligen Schönheitsideal entsprachen. Aber ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Frauen für fast drei Jahrhunderte lang in Korsetts gezwungen. Und so kamen die Menschen schon früh zur Überzeugung, für ihre Schönheit leiden zu müssen. Skurril wirken auf uns Schönheitsideale gewisser Völker, wie zum Beispiel der Surma in Äthiopien. Dort ist eine Frau, ohne eine Platte wie einen Teller in den Lippen, unattraktiv und findet keinen Ehemann. Und die Padaungfrauen im Südosten Myanmars tragen Messingringe um den Hals, welche bis zu 30 Zentimetern über die Schulter ragen, einem Turm gleich. Dieser Schmuck lässt die Halsmuskulatur verkümmern und erschwert das Schlucken. Man mag sich fragen, warum diese Frauen sich sowas antun. Sie hingegen würden es wahrscheinlich als unlogisch empfinden, dass sich Europäer eines Schönheitsideals zuliebe operieren lassen oder trotz ausreichendem Nahrungsangebot einen schlanken Körper anstreben. Ja, warum will der Mensch denn eigentlich schön sein? Wir sind halt soziale Wesen, wollen sowohl gefallen, anerkannt, ja bewundert und geliebt werden, wie dazu gehören. Dabei ist Schönheit relativ und liegt im Auge des Betrachters.

Gegentrend «Body Positivity» 

Es regt sich Widerstand. Denn die Entwicklung, dass Menschen vergessen haben, wie ein Durchschnittskörper aussieht und nur noch derjenige etwas gilt, der faltenlos, schlank und sportlich ist, kann so nicht weitergehen. Es darf nicht zur Gewohnheit werden, dass sich auch unsere Primarschulkinder auf den Pausenplätzen über Diäten und gar angestrebter Schönheits-Operationen unterhalten. Eine Gegenbewegung, „Body Positivity“ genannt,  auf den sozialen Netzwerken breitet sich aus. Menschen setzen sich für eine positive Einstellung dem eigenen Körper gegenüber ein und präsentieren sich mit „Bauchröllchen“, ohne Make-up, unretouchierten Selbstbildern (Selfies), wo man die Cellulite-Dellen auf den Oberschenkeln sieht. Es ist zu wünschen, dass wir die grössere Vielfalt an Menschen, seien sie rothaarig, sommersprossig, schmaler oder runder, mehr zu schätzen lernen, als 08/15 Modells mit Laufstegmassen und jeder einzelne zu einem neuen, gesunden Körpergefühl und Selbstbewusstsein zurückfindet. Betrachten wir unseren eigenen Körper und denjenigen unserer Mitmenschen mit Respekt, denn jeder Körper erzählt eine einzigartige Geschichte. Christian Morgenstern sagt: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“

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Fit und gesund durch die kältere Jahreszeit kommen

Arthur Schopenhauer hat gesagt: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“. Lichtmangel und nasskalte Temperaturen führen schnell zu Erkältungskrankheiten und Erschöpfungszuständen.

Im Sommer findet das Leben draussen statt. Wir gehen wandern, schwimmen, fahren Velo, gehen abends joggen oder treffen uns zu gemütlichen Grillabenden mit Freunden. Sobald es kühler wird, sieht man die Nachbarn nicht mehr, denn jeder zieht sich in die warme Stube zurück. Das Velo wird im Keller verstaut, die Joggingschuhe in den hintersten Ecken des Schuhgestells versorgt. Bewegungsmangel schwächt das Immunsystem. Und wer sich zurückzieht ins eigene Schneckenhaus, ist in Gefahr, in eine Winterdepression zu geraten. Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist. Wie stärken wir diese drei Komponenten, für die kühlere Jahreszeit?

Körperliche Abwehrkräfte stärken

Im Herbst sind Wanderungen besonders toll, denn es ist nicht mehr zu heiss, die Fernsicht prächtiger als an Sommertagen und das Rascheln durch einen Herbstblätterteppich bereitet der ganzen Familie Spass. Ein Sprichwort sagt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.“ Diese sollte aus mehreren Schichten atmungsaktiven Materials bestehen, um den Schweiss von der Haut abzuhalten und gleichzeitig die Körperwärme zu speichern. Viel Wärme verliert der Mensch über den Kopf und so ist das Tragen einer Mütze wichtig. Sobald Schnee liegt, eröffnen sich neue Bewegungsmöglichkeiten wie Langlaufen, Skifahren, Snowboarden oder Schneeschuhwandern. Der Aufenthalt im Freien ist im Herbst und Winter besonders für die Produktion von Vitamin D wichtig. Dieses schützt vor Infektionen. Doch viele Menschen haben in der kälteren Jahreszeit trotz Sport und gesunder Ernährung mit saisonalem Gemüse und Zitrusfrüchten, irgendeinen Vitamin-Mangel. Apotheken, Drogerien oder der Hausarzt beraten gerne, ob Sie persönlich eine zusätzliche Vitamingabe benötigen. Manchen Menschen, welche unter Lichtmangel leiden, hilft eine Tageslichtlampe. Das Licht einer solchen Lampe ähnelt dem Tageslicht und man setzt sich ihr täglich über längere Zeit aus. Sauna- oder Kneippgänge fördern die Durchblutung und stärken die Abwehrkräfte ebenfalls.

Stärkung von Seele und Geist

Zum Mensch-Sein gehört nicht nur der Körper, sondern auch die Seele und der Geist. Diese beinhalten grob umrissen die Psyche, den Verstand und das Bedürfnis nach erlebbarer Spiritualität. Wie wohl tun an dunklen Herbst- oder Winterabenden Besuche lieber Mitmenschen – vielleicht vor einem gemütlichen Cheminéefeuer. Und warum nicht wieder mal eine Kirche oder ein Konzert besuchen? Spannende Bücher lassen uns in der Fantasie in entlegenste Gegenden der Welt reisen. Gesellschaftsspiele vertreiben Kummer und Sorgen, lassen uns lachen und dies wiederum ist gesundheitsfördernd. Denn wenn wir lachen, sind sehr viele Muskeln involviert, die Atmung geht tiefer, die Körperzellen werden entsprechend mit mehr Sauerstoff versorgt, Stresshormone gebremst und Glückshormone ausgeschüttet. Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass Lachen, wie es der Volksmund sagt, „die beste Medizin“ sei.

In diesem Sinn: bleiben Sie gesund!

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Das Foto knipste ich auf dem Schächenthaler Höhenweg

 

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Mein facettenreicher, geliebter Vater

Bald jährt sich der Todestag meines Vaters zum 2. Mal. Wir sind immer noch am Sichten/Räumen von seinen vielen Sammlungen (Briefmarken, Münzen, Nostalgisches…) Letzte Woche haben meine mittlere Tochter und ich beim Durchstöbern von Ordnern ein paar interessante Sachen aus dem Leben meines Vaters erfahren. Zum Beispiel, dass er sogar weltweit eine Kapazität war, was Wärmebehandlung von Metall betrifft. Er ging an Konferenzen als Delegierter der Schweiz, offiziell aufgeboten seitens des Bundesrates, war Dozent an der Fachhochschule Zürich und bildete Lehrlinge aus. Das war mir bis heute nicht bewusst. Ich wusste, dass mein Vater geschäftlich mehrmals in Paris war, aber nicht, dass dies einmal kurz vor meiner Geburt noch der Fall war. Meine Schwester erzählte mir gestern, dass er einmal ein Raketenteil, das für die NASA produziert wurde, persönlich in die USA begleiten musste. Unter grössten Sicherheitsauflagen. Mein Vater war massgeblich an der Produktion dieses Stücks beteiligt gewesen. Damals sprach er noch nicht Englisch. Er hat dies erst später gelernt und mit mir lange Zeit brieflich in Englisch korrespondiert, um es zu lernen und praktizieren.

Und noch was habe ich in diesen Ordnern gelesen: dass er an einem Wettbewerb künstlerischer Natur, mitgemacht hat. Im Ordner ist seine Arbeit beschrieben. Später am Tag habe ich diese kleine Eisenskulptur in einem Zimmer des Hauses meiner Eltern zufällig entdeckt. Lustig – sie ist mir bisher nie aufgefallen. Da lese ich was in einem Ordner, vom Vater angelegt und sehe dieses künstlerische Werk daraufhin sofort.  Meine Mutter wusste nicht mehr in welchem Zusammenhang er dieses Stück erstellt hat. Sie meinte aber, er wäre wohl glücklicher gewesen, wenn er als Künstler hätte leben können statt als Mechaniker. Nur hätte er halt damit nicht eine Familie ernähren können. Meine Schwester hat mir gestern auch über diese künstlerische Ader meines Vaters die Augen geöffnet. Ja, es stimmt: bei jeder Gelegenheit hat er sich mit uns Kindern und später mit den Enkelkindern hingesetzt und uns ermutigt, zu malen, was wir sehen würden. Meine Schwester ist bis heute am Aktivsten von uns künstlerisch tätig. Ich versuche mich hie und da ebenfalls im Malen. Ich kombiniere es mit der Fotografie…. Auch die Schreiblust habe ich von meinem Vater geerbt. Ich habe in besagen Ordnern Gedichte und andere Schreiberzeugnisse gefunden.

Berufliche Kapazität, Künstler, Religionslehrer – und gemobbt

Diese Entdeckungen über meinen Vater begeisterten mich. Aber sie stimmten mich auch nachdenklich und erinnerten mich an Mobbingzeiten. Das kam so: mein Vater war seitens seines Arbeitgebers, zeitlebens unter Druck gesetzt worden. Er musste sich weiterbilden, an Konferenzen gehen weltweit – nicht aus freien Stücken, sondern unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes,. Ich erinnere mich nicht daran, dass mir mein Vater irgendwann gefehlt hätte als Kind. In meiner Erinnerung war er nie lange weg. Obwohl er nebst seinem Beruf auch noch in der reformierten Kirche ehrenamtlich engagiert war und auch dort verantwortungsvolle Posten inne hatte (Sonntagsschule: Teamleiter, Religionsunterricht, Besuchsdienst, zeitweise nebenberuflich Sigrist). Aber ich erinnere mich lebhaft daran, dass unsere Familie oft unter Existenzängsten litt. Damals, vor rund 50 Jahren war es noch viel schlimmer als heute, wenn ein Vater arbeitslos wurde. Die Ehefrauen arbeiteten oftmals noch nicht auswärts. Die Familie war auf dieses eine Einkommen dringend angewiesen. Oft herrschte „dicke, bedrückende Luft“ am Familienesstisch, weil mein Vater trotz seiner Kapazität um seinen Arbeitsstelle bangte. Er wurde zur Karriere gezwungen, wurde x mal intern in eine andere Abteilung versetzt, hatte es aber überall schwer. Er klagte oft, er fühle sich „zwischen Stuhl und Bänken“. Er, der von der „Picke auf“ lernte, was es heisst, als einfacher Mechaniker zu arbeiten, war später gezwungen, unrealistische Vorstellungen und Vorschriften umzusetzen, welche ETH Studenten in den Betrieb hinein brachten. Ein Beispiel der „Plagerei“ (Quälerei) war, dass im Grossraumbüro, in dem er arbeitete, Stumpen und Zigaretten geraucht wurden – obwohl bekannt war, dass mein Vater eine Schwächung auf der Lunge hatte.

Mehrmals meinten wir, wir müssten berufsbedingt umziehen. Wir waren oft wie „auf dem Sprung“. Diese Pläne des Arbeitgebers wurden dann jedes Mal aufgegeben, aber sie prägten unsere Familienathmosphäre. Einmal hat sich gar meine Mutter gewagt zu wehren. Denn wir hätten nach Altdorf umziehen müssen. Bekannt für Föhnwetter. Für meine Mutter, welche ab und zu unter Migräne litt, eine Horrorvorstellung. Und ein anderes Mal – wir hätten nach Bern umziehen wollen – hat sich mein 6. Klass-Primarschullehrer für uns beim Chef meines Vaters persönlich eingesetzt! Wo gäbe es das heute noch??!! Damals kannte man im Bernbiet bereits das Frühfranzösisch in den Schulen. Mir hätte bei einem Umzug 2 Jahre Französisch gefehlt. Mein Lehrer meinte, dass ich unter diesen Umständen die Sekundarschule nicht schaffen würde. Er wäre aber sonst, wenn es soweit gekommen wäre, bereit gewesen, mir kostenlos Privatunterricht in Französisch zu erteilen.

Wir wohnten in einem Hochhaus, das hauptsächlich von Mitarbeitern des Betriebes bewohnt war, in dem mein Vater ebenfalls Angestellter war. Ich glaube, wir waren an die 30 Familien in diesem Haus. Jedesmal, wenn es hiess, „dr Fankhuser“ wird wahrscheinlich auswärts versetzt, gab es solche, welche mit dem internen Umzug in unsere Wohnung liebäugelten. Als der Umzug nach Bern drohte, war es ganz schlimm für mich: mein Zimmer wurde von einer Frau, welche mit ihrer Familie eine nicht so schöne Wohnung im selben Hochhaus bewohnte, vermessen und laut dachte sie vor mir, wie sie das Zimmer für ihre Tochter, welche mit mir befreundet war, einrichten würde. Als es dann nichts wurde mit dem Umzug nach Bern, zettelte diese Familie einen Kleinkrieg an gegen uns und spürte ich am eigenen Leib, was vorher nur mein Vater am Arbeitsplatz erlebte: Ausgrenzung, Isolation. Meinen besten Freundinnen wurde seitens ihrer Eltern verboten, mit mir Kontakt zu haben. Einmal habe ich ein Gespräch der vielen Hochhauskinder im Treppenhaus belauscht. Sie erzählten, meine Mutter sei eine Hexe (sie hatte damals einen Kropf am Hals). Ihre Eltern hätten gewarnt vor uns und gesagt, sie müssten uns meiden. Wir hätten sowieso nicht den richtigen Glauben. (Wir waren in der Hochburg der Katholiken einige der wenigen Reformierten.) Heulend lief ich in die Wohnung und erzählte meiner Mutter schluchzend, was ich gehört hatte. „Du musst deine Feinde lieben und vergeben. Tu ihnen überraschend Gutes, statt dich zu rächen“, war ihre Antwort, welche ich aber überhaupt nicht verstand damals. Fortan hatte keine einzige Freundin mehr, war total einsam, hatte nur noch mein Meerschweinchen und mein Tagebuch. Meinen Eltern erzählte ich nichts mehr von meiner Not. Ich sah, wie sie litten und ich wollte sie nicht noch mehr belasten. Doch wahrscheinlich war diese dunkle Zeit für mich Wegbereiter, damit ich zum lebendigen Glauben an Jesus Christus fand. Ohne diese schwere Zeit, wäre ich wohl nicht offen für das Evangelium gewesen.

Bevor im Gemeinschafts-Büro mit der Arbeit begonnen wurde, lasen laut Berichten meines Vaters alle seine Arbeitskollegen die Zeitung. So nahm er sich die Freiheit, in dieser Zeit in der Bibel zu lesen. Nie länger als die anderen Zeitung lasen. Dennoch wurde ihm auch das jeweils „angekreidet“. Die Tageslosung las er in Englisch und manchmal schrieb er mir ein paar Zeilen (habe den Arbeitsort/Unternehmung wegretuschiert):

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Als er diese zwei Briefe schrieb, war er mitten im Englischstudium und 58 Jahre alt.

Am Tag seiner Pension, schrieb er – auch das habe ich in einem Ordner entdeckt: „Am Abend fragt die Frau: wie war’s? Und du hörst dich selber sagen: es war eigentlich noch ganz schön.“ So war er mein Vater: trotz allem positiv gestimmt, humorvoll und bis zu seinem Lebensende stolz auf seinen Arbeitgeber. Er ging jeweils voll Freude zu den Veranstaltungen der Pensionierten.

Diesen Brief schrieb er, als er längstens pensioniert war. Heute kommt er mir vor wie ein Gruss aus dem Himmel:

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Ich vermisse meinen Vater. 😦

Welche Bergpredigt und Seligpreisungen brauchen wir für die Zukunft?

Die Gesellschaft nimmt das Thema Glaube/Christen heute nur dann wahr, wenn es um den Tod geht oder wenn die Christen gegen etwas sind. Gegen Homosexualität, gegen den Islam, gegen Sex vor der Ehe. Dr. Andreas Walker ist Zukunftsforscher. Er berät Politiker und Wirtschaftsleute zu Fragen zukünftiger Chancen und Risiken. Im Rahmen des Community Weekend der Vineyard, am 8. April 17, warf er Fragen auf wie: „Können christliche Kirchen ihr „Kerngeschäft“ noch erklären in einer Sprache und mit Bildern, welche heute verstanden werden? Was ist christliche Hoffnung?“

Unter der Leitung von Dr. Andreas Walker und Dr. Andreas Krafft hat Swissfuture in Zusammenarbeit mit 20minuten und BILD dieses Jahr zum achten Mal eine Umfrage lanciert. Mit den Ergebnissen wurde das „Hoffnungsbarometer 2017“ erstellt – als hoffnungsvolle Antwort auf die seit über 40 Jahren publizierten «Sorgenbarometer» und «Angstbarometer». Die Fragen gingen in diese Richtung: „Was erwarten Sie vom kommenden Jahr? – Was wünschen Sie sich? Ihre grossen Hoffnungen 2017? Aktivitäten zur Erfüllung dieser Hoffnungen?“ Auf der Rangliste der Hoffnungen ganz zuoberst stehen bei Herr und Frau Schweizer die persönliche Gesundheit, gefolgt von der Hoffnung auf eine glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft. Ganz zuunterst auf der Liste rangiert die Hoffnung darauf, religiöse und spirituelle Erfahrungen zu machen.

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Um sich Hoffnungen zu erfüllen, denken die Schweizer gern nach, analysieren Zusammenhänge, übernehmen Selbstverantwortung, sprechen mit Freunden darüber. Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Schweizer, besucht eine Kirche, einen Tempel oder Kraftort, um Hoffnung zu schöpfen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.32.jpegAuch als Hoffnungsträger besetzen Pfarrer/Pfarrerinnen, Priester, Geistliche, Mönche oder Nonnen den Schlussrang, noch hinter den Bankern, Finanz- und Versicherungsfachleuten. Als erste Hoffnungsträger werden Ehepartner oder Lebenspartner genannt. Als zweites setzen die Schweizer ihre Hoffnung auf sich selber.

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Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die schweizerische Gesellschaft von uns Christen nichts erwartet. Man setzt keine Hoffnungen auf uns und das Thema Glaube interessiert nicht. Haben wir unseren Mitmenschen, der Schweizer Gesellschaft wirklich nichts zu geben als Christen?

Dr. Andreas Walker hat zusammen mit anderen Zukunftsforschern aus Wirtschaft und Politik festgestellt, dass folgende 4 Schwerpunkte uns in der nahen Zukunft herausfordern werden:

  • Angst/Hoffnung

Der Mensch hat noch nie so lange gelebt, wir haben noch nie soviel Geld gehabt wie heute, aber auch noch nie soviel Angst. Arbeitslosigkeit, Gewalt, Fake News, Attentate, IS, Rechtspopulismus, Angst davor, ob das AHV Geld für die eigene Rente reichen wird, flössen den Schweizern Angst ein. Die Welt verändert sich, aber der Durchschnittschweizer will um jeden Preis die Gegenwart festhalten und nichts verändern.

Dabei haben wir Christen eine Botschaft der Hoffnung. Die Bibel sagt in Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Wir müssen nichts bekämpfen, nicht jammernd gegen etwas sein, hingegen vielmehr überwinden. Als Christen sind wir herausgefordert, unseren Mitmenschen zuzuhören, zu erfahren, was ihre Ängste sind und tragen zu helfen. Die christliche Botschaft, welche wir den Menschen zu geben haben, lautet: „Du musst nicht alleine sein!“

Die Bibel sagt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe“ 1. Korinther 13, 13 Christen haben in der Vergangenheit laut Aussage von Dr. Walker zu lange und zu rechthaberisch und aggressiv über theologische Unterschiede gestritten. Darüber, was „richtiger“ Glaube ist, wurde zu Genüge diskutiert. Das Thema Glaube ist wie das dritte Standbein eines Dreihöckers. Weil wir uns zu lange auf dieses Thema konzentrierten, sind wir Christen aus der Balance geraten.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.37.jpegDeshalb sollten wir uns in Zukunft stärker auf die Hoffnung und die Liebe konzentrieren, um die Balance wieder herzustellen. Die Hoffnung sagt, wir bleiben dran, wir stehen auf und gehen weiter. Geduld und Langmut sind Geschwister der Hoffnung. „Glaube an das Morgen, auch wenn das Heute dich überfordert“, sagt Walker. Dies ist die christliche Botschaft an unsere angstgeplagte Schweizer Mitbevölkerung.

  • Langlebigkeit

Zwischen 1880 bis heute hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen verdoppelt.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.41.jpegIm Jahr 2030 werden ein Drittel der Schweizer Bevölkerung 60 Jahre und älter sein. Sah ein Leben früher so aus, dass man 15 Jahre lang ein Kind war, dann bis 65 arbeitete und etwa 70 Lebensjahre zu erwarten hatte, sieht ein Lebenszyklus heute so aus: 30 Jahre bis der Mensch mit dem Studium fertig und bereit zur Elternschaft ist, 30 Jahre Berufs- und Familienleben und 30 Jahre lang ein fittes Alter geniessen. Dr. Walker meint, wir sollten für die Zukunft mehr Senioren- statt Jugendpastoren ausbilden, denn die Fragen, Sorgen, Bedürfnisse aber auch Möglichkeiten dieser Gesellschaftsmehrheit werde uns als Christen herausfordern.

  • Globale Migration

Dieses Thema fordert uns Christen heraus, Versöhnung zu leben. Trennendes soll überwunden werden. Es wird eine Globalisierung des Christentums geben, eine Herausbildung eines grenzsprengenden, überkonfessionell christlichen Milieus. Die Christengemeinschaft wird neu herausfinden müssen, was „christlich“ ist, ohne sich ausschliesslich in der „Dagegen-Form“ zu definieren. (Gegen den Koran, gegen…)

  • Digitalisierung

Die Digitalisierung ist sowohl Chance wie Auftrag für uns Christen. Die Frage: „Ist ein Roboter der bessere Mensch?“, stellt Christen vor eine Herausforderung. Was macht den Menschen zum Menschen, im Gegensatz zum Roboter? Was ist der Sinn des Lebens? Wer kennt und versteht mich? Was ist ein Gott? Was ist ein Herz – ich habe doch für alles meinen Computer? Was macht meine Identität aus? Warum sollte ich Gott brauchen, wenn doch der Computer alles für mich erledigen kann, wenn die „künstliche Intelligenz“ alles weiss – bis hin zur perfekten Partnerwahl?

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Die Abschlussfrage Walkers: „Wie schafft ihr „christliche Kompetenzen“ für gesellschaftsrelevante Zukunftsfragen?“ ist nicht so auf die Schnelle zu beantworten, sondern wird eine Knacknuss für die Zukunft sein.WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.46.jpeg

Wo ist Gott auf meiner Lebensreise?

Gestern, 22. März, als ich die Nachricht hörte, dass im Bahnhof Luzern ein Zug entgleiste, wusste ich noch nicht, dass sich mein Bruder im umgekippten Waggon befand. Er ist Zugchef, seit 47 Jahren für die SBB tätig und wird Ende Monat pensioniert. Gott-sei-Dank gab es „nur“ 7 Leichtverletzte und mein Bruder kam mit einer leichten Ellbogenprellung davon. Er sagte mir, die Passagiere seien ruhig geblieben, hätten einfach eine Stunde lang in dieser unbequemen Schräglage ausharren müssen. Auf meine Frage, ob der Wagen nicht in Gefahr gewesen sei, ganz zu kippen, schickte er mir dieses Bild:

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Standbild eines Videos, Quelle Tamedia/SDA

Und er erklärte mir, was auf dem Bild gut ersichtlich ist, – nämlich, dass das vollständige Kippen verhindert worden sei, weil ein Fahrleitungsmasten genau am richtigen Ort stand und die Zugkomposition hielt.

Mir war es, wie wenn Gott durch dieses Bild zu mir reden würde. Da sitze ich in einer schwierigen Situation und klage Gott:“Wie schräg ist das denn!? Gott, du weisst doch, dass ich den Anschlusszug nun verpasse. Zudem habe ich mir eine Beule am Kopf zugezogen – siehst du – hier? Aua. Wie lange muss ich nun hier so unbequem ausharren? Mühsam, das Ganze.“ (Ist jetzt eine Metapher – ich sass nicht im Zug.) Ich sehe nicht das grosse Ganze dabei. Im Gegensatz zu Gott, der den Überblick hat. Er hält seine Hand so, dass der Wagen nicht ganz kippt. Er bewahrte alle Passagiere vor grösseren Verletzungen oder gar dem Tod. Zudem hat Gott dafür gesorgt, dass der Zugchef und ein weiterer Reisezugbegleiter sich auch grad im umgekippten Waggon befanden. Zufall? Sie hielten für die Passagiere die Verbindung zur Aussenwelt und zur SBB Konzernleitung. „Es wird alles getan für unsere Rettung. Es besteht keine Gefahr für uns.“ Wie gut, dass wir den Heiligen Geist in uns haben. Auf unserer Lebensreise ist er ein treuer Begleiter. Er teilt mir genau dieselbe Botschaft mit: „Gott ist mit dir in deiner schwierigen Situation. Ich weiss, wie unbequem sie ist und wiesehr deine Verletzung schmerzt. Hilfe naht. Du siehst es nicht, aber rundherum wird alles getan für deine Rettung. Es kommt gut. Sei getrost und ruhig.“

Wenn einem ein Unglück im Leben trifft, kann man sich schon fragen, warum Gott das zugelassen hat. Nur bringt einem diese Frage selten weiter. Hingegen die Frage: „Gott wo bist du in dieser Situation?“ schon eher. Sie kann einem die Augen öffnen, Trost, Halt und Zuversicht schenken.

Dies wünsche ich uns allen auf unserer Lebensreise.

Blogparade Dankbarkeit

Via Twitter wurde ich auf auf eine Blogparade zum Thema Dankbarkeit aufmerksam.

Ich bezeichne mich selber als dankbare Frau. Ich muss mich dazu nicht extra bemühen, sondern es ist seit langem mein Lebensstil. Und selbst in der schwierigen Zeit, in der wir aktuell stehen, gibt es viel Grund zur Dankbarkeit.

Ich bin Gott dankbar dafür, dass:

  • ich IHN (Gott) mit 18 Jahren kennenlernen durfte und seitdem ganz bewusst als sein Kind auf dem Lebensweg unterwegs sein darf. Er ist mein bester Freund, hält, trägt, tröstet, stärkt, ermutigt, fördert, berät und kennt mich.
  • mein Mann und ich in diesem Jahr unseren 30. Hochzeitstag feiern dürfen. Er ist mein Lieblingsmensch und ich hoffe, dass wir uns noch lange geniessen können.
  • Andy und ich drei gesunde, zwäge Kinder haben, welche alle einen guten Weg gehen.
  • wir so schön wohnen. Wir haben See- und Bergsicht, wohnen in einem ruhigen Quartier und pflegen gute und teilweise freundschaftliche Kontakte zu unseren Nachbarn. Im Sommer sind wir in 5 Gehminuten am See und können jeden Tag ein paarmal schwimmen. Im Winter erreichen wir die Talstation zum Hausberg der Klewenalp, wo man toll Wintersport ausüben kann, innert 10 Gehminuten.
  • unser Kater Minouch seit 5 Jahren zu unserer Familie gehört. Er entlockt uns hie und da ein herzliches Lachen oder ein „jöööö“.
  • wir so gute Jobs haben, welche wir gerne ausüben. Seit August 16 habe ich eine zweite Stelle als Freelancerin beim Nidwaldner Blitz (die erste beim SCM Bundes-Verlag Schweiz). Beim Blitz erhalte ich viele spannende Aufträge und das kommt unserem Familienbudget sehr zugute.
  • wir gute Freunde haben, welche in jeder Not für uns da sind, aber auch mit uns die schönen Seiten des Lebens teilen, denn „geteilte Not ist halbe Not, geteilte Freude ist doppelte Freude.“
  • er uns die Musik geschenkt hat. Wie oft stellt mich ein Lied auf und wie wohl tut das Singen. Bald startet zum Glück wieder das Ennetbürger Chorprojekt. Dieses Jahr zum Thema „Mundartlieder“.
  • ich über Facebook, Twitter, Blog und Co. soviele wertvolle Kontakte knüpfen konnte.
  • mir das danken nie ausgeht und ich hier noch zehntausend andere Gründe aufzählen könnte. Danke Gott, dass eine gute Perspektive gibt. Danken zieht nach „oben“. Deshalb habe ich das Beitragsbild gewählt: Wofür kann ich danken – dies zu fokussieren, ins Visier zu nehmen, tut gut.

Ich bin gespannt auf eure Dankbarkeitsberichte. Ich denke, es ist wie ein Ping-Pong-Spiel: wenn ich aufzähle, wofür ich dankbar bin, löst das beim Gegenüber auch Dankbarkeit aus. Es hilft, sein Leben nach Dankbarkeitsgründen zu durchforschen – und wenn man dies teilt, wirkt es ansteckend. Also: wofür bist du dankbar? Mach doch auch mit.

 

LIEBSTER BLOG AWARD

Schön, dass Zora mich für den Liebster Blog Award vorgeschlagen hat. Danke für die Nominierung!

Hier meine Antworten auf Zoras Fragen:

1. Warum hast du angefangen, diesen Blog zu schreiben?

Nachdem ich auf Facebook hie und da längere Texte oder Fotos postete, wurde ich ermutigt, doch alles mal zu „verbloggen“. Diese Ermutigungen stammten hauptsächlich von Zora und Karin Mayerhofer Dobler. Lange Zeit sträubte ich mich gegen diese Idee und dachte: „Ach, wer wird schon Interesse an meinem Blog haben?“ Irgendwann hatte ich genügend Schreibmaterial zusammen und startete, einfach nur für mich selber. Egal, ob es andere lesen würden… Heute ist es mir nicht immer egal, ob ich nur für mich selber schreibe. Es wäre schön, es würden ein paar mehr mitlesen.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?

Ausflüge, Reisen, Wanderungen, Ferien mit der Familie, aussergewöhnliche Erlebnisse. Es kann aber auch vorkommen, dass mich was beschäftigt, das in der weltweiten Welt grad so abgeht, sei es politisch, religiös, weltanschaulich. Dann zwickt es mich in den Fingern, meine Meinung zu verbloggen.

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3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?

Ich lebe zu einem Teil vom Schreiben. Aber nicht vom Blog. Das heisst, wir sind als Familie auf mein Einkommen angewiesen, welches ich als Freelancerin beim SCM Bundes-Verlag und dem Nidwaldner Blitz verdiene. Wir sind vor 1.5 Jahren umgezogen und ich habe die Stellen als Hundesitterin und Hauwarting dabei verloren. Die neue Miete beträgt aber Fr. 500.– mehr als vorher. Der Lohn, den ich bei beiden Stellen verdiene plus mein Engagement als Testkundin und als Kindergottesdienstmitarbeiterin der Reformierten Kirche decken in etwa diese Lücke.

Klar wäre es schön, auch mit dem Blogschreiben etwas zu verdienen. Ich könnte mir vorstellen, für die SBB oder andere Unternehmen gegen Bezahlung von unseren Reisen zu erzählen. Ich habe bei den zuständigen Stellen schon ein paarmal angeklopft deswegen. Wer weiss, vielleicht klappt es irgendwann? 😉

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?

Ich erlebe viele perfekte Tage. 😉 Ich bin zufrieden und glücklich, wenn meine Liebsten einschliesslich Katze Minouch und ich gesund sind, wenn ich das tun kann, was ich am liebsten mache: schreiben. Wenn meine Schreibergüsse dazu noch beachtet werden, ist mein Tag perfekt. Sahnehäubchen sind sonniges, warmes Wetter, eine tolle Unternehmung mit der Familie und interessante Fotosujets.

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5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?

Meine Eltern. Sie haben mir viel an Werten mitgegeben. Später Predigten und das Leben in diversen Freikirchen. Sowohl im Positiven wie leider auch im Negativen. Auch das Leben mit eigenen Kindern hat mich geprägt. Ich lernte viel durch sie und mit ihnen zusammen. Vor allem lernte ich mich selber durch meine Kinder von einer anderen Seite her kennen.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?

Ich denke viel und gern an gemeinsame Wanderferien in der Schweiz zurück. Mit meinen Eltern war ich nie im Ausland, lernte aber wohl jeden Ecken im eigenen Land kennen. Ich bedauerte zwar, dass meine 8 und 10 Jahre älteren Geschwister meistens nicht mit uns in die Ferien fuhren, hatte aber viel Spass mit meinen Eltern zusammen. An den Abenden lachten wir beim Spielen zusammen, bis uns die Bauchmuskeln schmerzten und die Augen tränten. Nie erlebte ich meine Eltern glücklicher als an solchen Ferienabenden.

7. Dürrenmatt oder Frisch?

Weder noch. Ich musste Werke von beiden in der Töchterhandelsschule Luzern lesen, konnte mich aber persönlich nie erwärmen – weder von der einen noch der anderen Literatur.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?

Ich mag die Schweiz und das Leben hier. Die abwechslungsreiche Landschaft und die ruhige, politische Lage, welche mir Sicherheit vermittelt.

Als wir als Familie in Australien waren, sagte ich an der Ostküste: „Falls Auswandern einmal ein Thema wäre, könnte ich mir ein Leben hier vorstellen.“ Dies, weil im Atherton Tableland sowohl Berge, Seen wie in der Schweiz vorkommen, aber auch Regenwald, Städte und das Meer. An ein und demselben Tag könnte man in den Bergen wandern und im Meer baden.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?

Ich würde Tagebuch und Briefe schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Buch zu schreiben, wäre ohne Internetanschluss grösser, als es aktuell ist. Vielfach verbringe ich zu viel Zeit bei Facebook, Twitter, Instagram. Diese fehlt mir dann, um mich fantasievoll der Entwicklung einer Geschichte anzunehmen. Ich habe im Rahmen des Novemberschreibens einen Roman verfasst mit dem Titel „Die Liebe ist rot“, der aber leider keinen Verlag fand. Zudem ein Kinderbüchlein. Ein weiterer Roman liegt irgendwo unvollendet auf einer externen Speicherplatte.

Ich würde mich wahrscheinlich zudem vermehrt dem Fotografieren widmen und Kurse belegen.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?

Ich bin ein naiver Typ. Wurde mir schon oft gesagt. Ich gehe immer davon aus, dass es mein Gegenüber gut mit mir meint. Ausschliesslich gut. Und falle dann halt vielfach auf die Nase. Dennoch möchte ich mir diese Art der Naivität nicht nehmen lassen, denn ich würde mir gleichzeitig viele schöne Erlebnisse mit völlig Unbekannten nehmen lassen.

Von meinem Glauben und persönlichen Lebenserfahrungen her weiss ich, dass jeder Mensch zum Egoismus tendiert. Doch weil ich mich selber mit Schwachheiten erlebe, bin ich grundsätzlich gnädig mit meinen Mitmenschen. Ich kann mich zwar schnell aufregen, teile dann das auch mit, vergebe und vergesse aber genauso schnell wieder.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte? 

Probieren geht über studieren!

Ich habe mir kein Konzept erstellt, über was ich bloggen möchte, sondern einfach begonnen, von meinem Leben zu erzählen. Von dem, was ich tue und denke. Die Handhabung via WordPress war zu Beginn eine grosse Herausforderung. Ich habe einfach ausprobiert, nichts darüber gelesen, mich durchgeklickt – und es hat funktioniert. Ich mag es nicht, wenn ich für etwas, das ich tun möchte, zuerst Bedienungsanleitungen und Bücher studieren und wenn möglich noch Seminare besuchen muss. Wenn ich etwas tun möchte, dann muss es subito geschehen können. Nicht nur in dieser Beziehung bin ich ein ungeduldiger Mensch. 😉 Fang einfach an. Tu den ersten Schritt. Und bei konkreten Fragen bin ich für dich da.

Die Regeln, wenn ihr nominiert wurdet:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.

2. Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite. (Ich sah keines bei meiner Vorgängerin und habe deshalb auch keines verwendet. Könnt diesen Punkt also streichen.)

3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite.

4. Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf eurem Blog.

5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.

7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt.

Meine 11 Fragen an euch (die ihr gerne mittels Worten oder auch Bildern beantworten dürft)

  1. Wo siehst du den Vorteil eines Blogs gegenüber von Facebook oder anderen Social Medien?
  2. Würdest du deinen Blog auch dann weiter führen, sollte kein einziger Mensch ihn lesen?
  3. Was würdest du bei Gmerkigs gern lesen?
  4. Verdienst du mit deinem Blog Geld? Falls nein – wäre das dein Wunsch, strebst du es an? Falls ja: wie hast du das zustande gekriegt?
  5. Wann hast du mit deinem Blog gestartet? Gab es dafür einen bestimmten Grund?
  6. Gibt es etwas, das deinen Blog speziell macht, ihn abhebt von anderen mit ähnlichen Themen?
  7. Könntest du dir vorstellen, auszuwandern? Falls ja: wohin und weshalb dort hin? Falls nein: warum nicht?
  8. Liest du regelmässig andere Blogs, hie und da oder gar nicht?
  9. Bist du mit deinem Leben zufrieden? Oder was fehlt dir zum Glücklichsein?
  10. Wie häufig veröffentlichst du einen neuen Blogbeitrag?
  11. Welche Rolle spielt Gott in deinem Leben?

Hier die Blogger, die ich nominiere:

Karsten Socher, ein Fotograf, den ich über das Projekt der 99 ig Fotografen persönlich kennen gelernt habe. Heike und er haben uns schon ein paarmal besucht. Das Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr entwickelt sich schon fast zu einer lieben Tradition. 😉

Am Twittertreffen mit SBB CEO Andreas Meyer, lernte ich Andreas Schweizer kennen. Er ist einer der SBB-Servicescouts und ich lese hauptsächlich sehr gerne über Twitter, was er alles zu erzählen hat.

Markus Schmid ist mein treuster Leser. Sei es auf Facebook, Twitter oder über diesen Blog. Er beachtet mich, kommentiert, interessiert sich. Dafür möchte ich dir, Markus einmal danke sagen.

Johannes Mairhofer war der Initiant der 99Fotografen. Ich habe dort mit Begeisterung mitgemacht und bin ihm dankbar für dieses Projekt. Denn erstens lernte ich enorm viel über die Fotografie und zweitens erweiterte sich mein Bekanntenkreis um einige interessante Persönlichkeiten.

Benno hat mich ermutigt, die alten Kameras, welche beim Zügeln zum Vorschein kamen, auszuprobieren. Es wäre schön, Benno, wenn du obige 11 Fragen beantworten und bei dieser Blogparade mitmachen würdest.

Andrea Jerger hat das SBB SOME organisiert, ist wie Andreas Schweizer, SBB Sevicescout und ich bin ihr sehr dankbar für das unvergessliche SBB Twittertreffen.

Auch Martin Rechsteiner lernte ich am SBB SOME kennen. Ich lese gerne mit, wenn er über seine Ausflüge mit der Familie berichtet. Vielleicht magst du zur Abwechslung obige 11 Fragen verbloggen?

Gaby Rudolf – ist dein Blog noch aktiv?

Gaby, Benno und Johannes Mairhofer lassen sich entschuldigen – keine Lust oder Zeit, hier mit zu machen. Vielleicht magst du, Sven? Bist der Erste und bisher Einzige Liker hier. 😉

Mein Griechenland-, Mazedonienabenteuer

Zuerst verbrachten wir einfach nur „normale“ Strandferien in der Nähe von Thessaloniki – Griechenland. Wir logierten zwischen dem 16. bis 30. Juli 16 in Hotel Marias House direkt am Meer. Per Mietauto erkundigten wir die drei „Finger“ Chalkidikis, genossen die Hitze nach unserem durchzogenen Schweizer Sommer, das Schwimmen im meist wellenlosen, türkisblauen, glasklaren Meer und planschten und spielten im Pool ausgelassen. Jeden Abend assen wir in einem anderen Restaurant. Die Küche Griechenlands ist wirklich fein. Was mich bei Erkundigungen etwas enttäuschte war, dass diese Gegend Griechenlands einen anderen Baustil hat, als das, was bei uns assoziiert wird mit griechischen Häusern. Mir gefallen halt die weissen Häuser mit blauen Kuppeln, welche ich von früheren Reisen aus Paros, Naxos, Mykonos und Santorini her kenne. Solche sah man hier nur auf Postkarten, welche in Souvenirläden wohl schon Jahre auf Käufer warten. Die Häuser Chalkidikis sind oft viereckige, schnörkellose Bauten, einige erinnerten mich an den mexikanischen Baustil oder auch an gewisse Tessinerhäuser. Wenn sie schön restauriert wären, wie die Beispiele auf dieser Seite, würde mir dieser Baustil gefallen. Aber man merkt es schon, dass die Griechen momentan nicht gerade finanzkräftig genug sind, Häuser und auch Strassen auszubessern. Strassen waren selbst in grösseren Orten oft in bedenkenswertem Zustand.

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Die zwei letzten Ferientage verbrachten wir zusammen mit einem Ehepaar, welches wir vom Café Pizzeria Piccadilly Buochs, unserem Nachbarort her kennen. Toni und Suzana konnten sich ein paar Tage Auszeit nehmen von ihrem strengen Beruf in der Gastromenie. Später trafen wir sie an der Hochzeitsfeier in Mazedonien, da sie mit den Familien des Bräutigams und der Braut befreundet sind.

Und das ist das Stichwort zu meinem eigentlichen Abenteuer – jedenfalls empfand ich das so. Ich glaube, mein Mann und unser Sohn empfanden es nicht ganz genau so aufregend wie ich.

Wir begaben uns am Samstag, 30. Juli auf unsere Reise von Griechenland nach Mazedonien, weil wir erstens die Familie des Freundes unserer Tochter besuchen wollten und weil wir zweitens zur Hochzeitsfeier des Bruders dieses Freundes eingeladen waren. Eine mazedonische Hochzeitsfeier! Ich freute mich bereits im Oktober 2015 darauf, als wir die Zivilhochzeit dieses Paares in der Rosenburg in Stans mitfeiern durften.

Das Abenteuer begann am Flughafen Thessaloniki, nachdem wir unser Mietauto abgegeben hatten. Wir sollten von einem Bekannten der Braut abgeholt und chauffiert werden. Im Vorfeld schilderten wir unser Aussehen der Mutter des Bräutigams, welche diesen Transport für uns organisierte und auch bezahlte. Der Chauffeur selber sollte ein Schild mit „Aeppli“ hochhalten. Abgemacht war, am Ausgang des Flughafens einander zu begegnen. Nur stellten wir dort fest, dass es 8 Ausgänge gab und dass auf der unteren Strassenzufahrt bloss offizielle Taxis ein Durchfahrtsrecht besitzen. Es gab ein paar aufgeregte Telefongespräche mit unserem zukünftigen Chauffeur, bei dem weder er noch ich wirklich etwas anderes verstanden als „Chauffeur“ – „Aeppli“ – „Wo?“ – „Problem“ oder so ähnlich. Nach einem Telefongespräch mit dem Bräutigam, klappte dann unser Zusammentreffen doch noch.

Es folgte ein spannendes 3.5 stündiges Unterwegs-Sein mit einem Chauffeur, welcher kaum ein Wort Englisch, sondern nur Mazedonisch sprechen konnte, uns aber als seine  Gäste so gut es ihm möglich war, verwöhnte. Er fragte, welchen Musikstil wir liebten, gab über die Gegend ein bisschen Auskunft, fragte, ob es mit der Temperatur im Auto ok sei, fuhr sehr regelmässig und angenehm, bezahlte bei einer Rast unsere Getränke – und half uns, als mein Mann ein bisschen Probleme am Zoll bekam, weil er zuerst seine abgelaufene ID zeigte, statt sofort den Notfallpass heraus zu kramen, welcher halt im Rucksack steckte. Mein Mann meinte, die würden bestimmt nicht so genau schauen. Denkste, der Zoll kontrollierte sehr genau. Zum Glück bescherte uns diese Bequemlichkeit nicht grösseren Ärger, sondern ging glimpflich aus. Unterwegs telefonierte unser Chauffeur ein paarmal mit der Braut, welche sich regelmässig erkundigte, wie es um unsere Fahrt stünde.

Als er bei der Familie des Bräutigams vorfuhr, wurde er zu seiner vollen Zufriedenheit bezahlt. Er verdiente wahrscheinlich an diesem Tag einen halben, dort üblichen Monatslohn. Und nun begann das Vorfest der Hochzeitsfeier: wir wurden anderen Gästen vorgestellt, welche Freunde des Bräutigams aus der Schweiz waren und der Familie und Verwandtschaft des Bräutigams. Auch unsere Tochter und ihr Freund begrüssten uns. Sie reisten ein paar Tage vorher nach Mazedonien an. Ein paar Schweizer Gäste kannten wir von der Zivilhochzeit in Stans her.Von der Familie des Bräutigams aber kannten wir bis dahin nur die Eltern und natürlich den Bräutigam selber. Wir wurden aufs herzlichste willkommen geheissen, bald wurde grilliert und ein paar typische mazedonische Tanzschritte eingeübt. Wann wir denn die Braut treffen würden, fragte ich. „Erst morgen, am Hochzeitstag selber“, erhielt ich zur Antwort.Am Abend vorher feiert die Braut mit Familie und Freunden bei ihrem Elternhaus und der Bräutigam mit seinen Gästen in seinem. Braut und Bräutigam dürfen sich erst am Hochzeitstag treffen. Unser Sohn meinte: „Dabei sind sie ja seit Oktober 2015 verheiratet.“ 😉 Aber sie wollten es halt alles so handhaben und feiern, wie es der Tradition ihres Volkes entspricht. Mit der einen Ausnahme: sie kürzten den Festablauf um einige Tage ab. 😉

Wir mussten uns übrigens noch persönlich bei der mazedonischen Polizei anmelden. Das ist scheinbar nicht allen bekannt, welche nicht in einem Hotel, sondern privat logieren. Wenn man sich nicht innert 48 Std. nach Ankunft bei der mazedonischen Polizei meldet, könnte es Probleme bei der Ausreise geben.

Mein Mann, unser Sohn und ich begaben uns im Verlauf des Abends auf einen Dorfrundgang. Viele Bewohner kamen auf uns zu und fragten uns freundlich, nach dem Woher- und Wohin. (Auf Mazedonisch, Englisch, Italienisch und sogar Deutsch) Wir entdeckten ein Schwyzer-Autonummernschild, kamen mit dem Besitzer ins Gespräch und erfuhren, dass er in der Schweiz arbeite und hier wie so viele im Sommer auf Besuch bei seiner Familie und Verwandtschaft wäre. Sofort wurden wir eingeladen an den Tisch im Garten. Wir lehnten dankend ab, waren wir doch schon zu Gast an einem anderen langen Festtisch.Bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, dass im Sommer in dieser Gegend jeden Tag mindestens ein Hochzeitsfest stattfindet. Weil dann jeweils alle Menschen, welche im Ausland arbeiten, in ihrem Heimatdorf zusammenkommen, also Nachbarn, Freunde, Verwandte, Bekannte sich treffen, werden auch die grossen Feste auf diese Jahreszeit verlegt. Am Vorabend des Hochzeitsfestes, zu dem wir eingeladen waren, war die Familie eigentlich noch zum Hochzeitsfest eines Verwandten (Bräutigams Cousin) eingeladen. Die Bräutigameltern verschwanden dann auch für ein paar Stunden, um dort wenigstens ein bisschen mitzufeiern. Jeden Tag während unseres Aufenthaltes hörte man Autogehupe, weil wieder eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs war und das Restaurant, in dem wir am Abend feierten, war jeden Tag ausgebucht für Hochzeitsessen.

Der Tag des Hochzeitsfestes begann für die Brautleute und deren Gäste ebenfalls wie am Vorabend getrennt. Das heisst: sowohl im Elternhaus der Braut, wie im Elternhaus des Bräutigams wurde gebruncht. Viele der Hochzeitsgesellschaft im Hause des Bräutigams begaben sich über die Strasse zum Coiffeur (Frisör). Die Brautmutter bezahlte allen eine Festfrisur.

Ich kann nicht sagen, wie es bei der Braut war, aber im Bräutigamhaus wurde ab 9.30 Uhr ausgiebig per Liveblasmusik getanzt und vom herrlichen Buffet gekostet. Ich dachte, dass der Bräutigam seine ganze Energie bereits am Vormittag aufgebraucht hätte, derart gab er sich dem Tanz hin. Doch ich sollte mich täuschen – er war zu noch viel grösserer Tanzausdauer fähig. Und dies bei ca. 40 Grad Celsius!

Irgendwann begab sich die Festgesellschaft des Bräutigams zum Haus der Braut. Die Autos wurden parkiert und die letzten Meter tanzte man zum Elternhaus der Braut. Natürlich immer begleitet mit der Roma Blaskapelle. Allen voraus der Bräutigam mit seinen Eltern, welche Geschenke trugen. Apropos Blaskapelle: diese spielte zwischen 9.30 bis ca. 17 Uhr, unterbrochen nur während des orthodoxen Trauungsgottesdienstes. Die Leute tanzten die ganze Zeit – habe ich schon erwähnt, wie heiss es war? Wir Schweizer fielen im Schatten überhaupt nicht auf, denn alle Einheimischen waren in der prallen Sonne mit Tanzen beschäftigt. grins Die Musiker bespielten manchmal extra einen Gast, d.h. kamen ihm derart aufdringlich nah, bis dieser nachgab und ihm einen Geldschein auf die schweissnasse Stirn klatschte, oder einen Schein ins Musikinstrument steckte, wo es halt grad Platz fand. Ich fand es ja im Grunde genommen lustig, aber als sie einem Baby die Trompete ins Ohr bliesen, hatte ich doch meine Bedenken.

Wir hatten doch keine Ahnung! Eigentlich wären wir erst dann in den Vorhof der Braut eingelassen worden von den Brautjungfern, wenn wir einen Geldbetrag hinterlassen hätten. Doch wir Touristen erhielten die Anstecker umsonst und bemerkten erst im Nachhinein den Geldteller. Ich erinnerte mich an die Schilderungen unseres Reiseleiters in der Türkei. Er erzählte, wie eine türkische Hochzeit abläuft – und es kam mir genauso vor, was ich hier alles erlebte.

Mir kam während des Tages viel die Bibel in den Sinn und ich verstand einzelne Passagen besser:

Matthaeus 25:1-13 / LUT

Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. …

Die meisten Gäste wurden im Garten draussen bewirtet und tanzten dort. Wir aber erfuhren, dass wir zum engeren Kreis der Gäste gehörten, was uns vorher nicht bewusst war. Wir waren, wie es mein Sohn ausdrückte, VIP’s. 😉 Als diese wurden wir an den grossen Festtisch in der Stube geleitet, dort der Familie und den Eltern der Braut vorgestellt und verköstigt. Währenddem wir assen, erlebte unsere Tochter als Freundin des Brautführers etwas, was sich sonst allen Blicken entzog: der Bräutigam wurde ins Brautzimmer geführt, musste dort der Braut einen Kranz geben und dann wurden auch andere, symbolische Handlungen ausgeführt, welche ich vergessen habe, weil ich selber dort nicht dabei war.

An unserem Tisch sassen wir nicht lange, sondern als die Blasmusik eintrat, standen alle auf und tanzten, wie wenn es zum ersten Mal an diesem Tag und nicht derart stickig heiss im Raum gewesen wäre. Auch wir versuchten es natürlich darin. Hilfreich erwiesen sich den ganzen Tag über die Tücher, welche uns zu Tagesbeginn gereicht wurden. Sie dienten dazu, sie beim Tanzen rhythmisch zu schwenken, aber noch viel praktischer waren sie einsetzbar als Fächer und zum Schweiss abwischen.

Und plötzlich trat das Brautpaar ein und wir sahen zum ersten Mal die Braut! Auch das Brautpaar tanzte zuerst eine Weile ausgelassen und dann begann eine Reihe symbolischer Handlungen, deren Sinn wir erahnen konnten und teilweise erklärt bekamen vom Pate des Bräutigams, welcher wie er uns erklärte, die wichtigste Rolle an diesem Tag inne hatte, nebst dem Brautpaar natürlich. Vor allem war er der „Hauptsponsor“, wie er uns augenzwinkernd verriet. Er ist mazedonischer Herkunft, wohnt und arbeitet aber schon manche Jahre zusammen mit seiner Familie in München.

Brautvater- und Bräutigamvater tranken zusammen aus einer Schüssel Wein, in der die Eheringe des Brautpaares waren und bissen miteinander von einem grossen Stück Brot ab, welches uns allen dann gereicht wurde. Es kam mir wie ein Abendmahl vor, oder als Handlung der Verbrüderung. Dem Bräutigam wurde ein ganzes Poulet vorgesetzt, von dem er zuerst selber essen und dann seine Braut verköstigen musste. Er sei nun der Ernährer der Familie, wurde mir erklärt. (Obwohl die Braut selber ja studiert hat und auf eigenen Füssen stehen kann.) 😉 Die Braut verteilte ein paar Geschenke und jeder, welcher eines erhielt, drückte der Braut wiederum ein paar Geldscheine in die Hand. Wie gesagt: wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns einliessen und wussten von daher nicht, dass auch unsere Tochter als Freundin des Brautführers beschenkt würde. Geld für ihr Geschenk erhielt sie von der Mutter ihres Freundes. 😉 Als weiter getanzt wurde und es war ziemlich laut dabei – wollten wir uns mal im Schatten draussen ausruhen. Kaum setzte ich mich erschöpft auf einen Plastikstuhl im Garten neben eine ältere Dame, dachte diese wohl, ich würde mich langweilen und forderte mich zu einem Tänzchen auf. Es wurde ein wunderschönes Erlebnis. Diese Frau war so herzlich zu mir und wir verstanden uns tanzend, ohne Worte. Mir wurde erklärt, sie sei die Schwester der Brautmutter.

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Irgendwann fuhren wir zur schön gelegenen Kirche und erlebten unseren ersten orthodoxen Gottesdienst. Der Pope sang, schwenkte Weihrauch und alle standen ums Brautpaar und die engsten Familienangehörigen herum. Es gab keine Sitzgelegenheiten, bzw. nur eine lange Bank, auf welche sofort ein paar junge Damen sassen. Später klagte mir eine Frau, sie hätte sich darüber gewundert, denn eigentlich dürften nur kranke oder alte Leute sitzen. Der Freund unserer Tochter musste sich bei der Braut einhängen und auch während des Gottesdienstes konnten wir viele Symbolhandlungen miterleben. So wurde um die Arme des Brautpaares zum Beispiel neue T-Shirts des Paares geschlungen (ich glaube, die wurden anschliessend der Kirche zum Weiterverkauf gespendet) Der Pate des Bräutigams erklärte mir später, dies bedeute, dass die zwei nun Zeit ihrer Lebtage miteinander verbunden seien. Ich beobachtete, wie die Braut langsam hin- und her zu schwanken begann und ihre Augen verdrehte. „Oh – oh, sie wird ohnmächtig, bei dieser Hitze“, dachte ich. Zum Glück erhielten sie in diesem Moment Brot und Wein des Abendmahls. Später gestand mir die Braut, das Abendmahl wäre ihre Rettung gewesen. 😉 Auch im orthodoxen Gottesdienst wird das „Jawort“ gegeben und die Ringe getauscht. Und dann wurde dreimal um den Altar gelaufen – währenddem das Brautpaar ihre Kronen, welche sie erhalten hatten, ein paarmal vor dem Altar zogen.

Nach der kirchlichen Trauuung wurde natürlich wieder getanzt, es gab Apéro und dann begab man sich zum Haus des Bräutigams. Die letzten paar Meter – ab dem Dorfplatz bis zum Haus – begleitete man die Braut tanzend zum Elternhaus ihres Mannes. Ihr am nächsten tanzten immer die Brautjungfern. Dann wurde die Braut über die Türschwelle des Elternhauses ihres Mannes getragen. Draussen wurde wieder gegessen und getrunken, die Musiker verabschiedeten sich. Und so nach und nach verabschiedete sich auch die Gästeschar. Endlich konnten wir duschen, uns umziehen und für die Abendfeier im Restaurant bereit machen. By the way: die Frisur hielt den ganzen Tag – und Abend! 😉

Am Abend standen unsere Tochter und ihr Freund etwa 1.5 Std. beim Eingang des Restaurants und nahmen die Geschenke fürs Brautpaar entgegen. Im Gegenzug zu ihrem Geschenk erhielten die Gäste ein Raffaello und wurden zusammen mit dem Brautpaar fotografiert. Oben wurden die Gäste von den Eltern beider Seiten begrüsst und man ass und trank bereits. Zu unserem Tisch gesellten sich Toni und Suzana – ihr erinnert euch – das Paar, welches wir von Buochs kennen und mit denen wir zwei Tage in Griechenland genossen. Als die Brautpaar eintrat, überraschte es alle Gäste mit einem wunderschön einstudierten Brauttanz. So romantisch! Und dann wurde getanzt, getanzt, getanzt. Ohne erwähnenswerten Unterbruch. Von ca. 20.30 Uhr bis um 1 Uhr früh! Und das Brautpaar feierte anschliessend mit ihren jugendlichen Freunden weiter bis um 6 Uhr! Ich muss gestehen: wir tanzten zwar auch viel – und die mazedonischen Tanzschritte wurden uns sehr gastfreundlich und geduldig gelehrt – learning by doing – aber wir pausierten auch oft. Im Gegensatz zum Brautpaar – dieses tanzte stuuuundenlaaang! Ich staune einfach heute noch darüber! Die Band, welche spielte und der Sänger der Gruppe sind in Mazedonien sehr bekannt. Im Verlauf des Abends wurde ich immer wieder mit Komplimenten bedacht, wie gut ich tanzen würde und oft gefragt, ob ich mich wohl fühlen würde, mir auch ja nichts fehle. Auch unsere ganze Familie wurde liebevoll ins Fest mit einbezogen.

Müde und voller Eindrücke gingen wir nach 1 Uhr schlafen. Anschliessend durften wir im Elternhaus des Bräutigams noch ein paar Tage ihre Gastfreundschaft geniessen. Der Brautvater chauffierte unsere Tochter, ihren Freund, meinen Mann, unseren Sohn und mich am Dienstag, 2. August nach Skopje an den Flughafen. Ein paar Tage später wütete in dieser Gegend ein heftiges Unwetter und es gab leider auch Tote. Wir haben die Gastfreundschaft dieser Menschen erlebt – ihre Herzlichkeit und deshalb ging mir diese Schreckensnachricht nah. Gerne kehre ich wieder mal nach Mazedonien zurück und ich möchte die Sprache lernen, um mich mit den Grosseltern und Verwandten dort unterhalten zu können.