Schnupper-Pilgern

Die Idee, auf dem St. Jakobsweg wandern zu gehen, sei ihm gekommen, als ich ihm wiederholt von meiner 10-tägigen Tour vom Oberalppass erzählte, erklärte mein Mann. Vor 40 Jahren wurde ich als Nanny für drei Pfarrfamilien-Kinder engagiert und ich schwärme tatsächlich hie und da von diesem Abenteuer, als wir in diversen SAC Hütten übernachteten. Den zweiten Ausschlag, eventuell eine Pilgertour auf dem Jakobsweg zu wagen, gab unsere mittlere Tochter. Sie pilgerte vor genau einem Jahr alleine von Porto nach San Compostela. Ihre Schilderungen und Bilder beeindruckten uns. Und nun kam mein Mann tatsächlich mit der Idee auf mich zu: „Wie wäre es? Wollen wir einmal eine  Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg unternehmen? Wärst du dabei?“ Ich reagierte zurückhaltend und hatte tausend Fragen: würde ich es rein physisch schaffen, mehrere Tage am Stück zu wandern? Wir wandern zwar viel, aber zusammen waren wir erst einmal auf einer 3-Tages-Wanderung. Und zwar hoch auf die SAC Christallina-Hütte und hinunter ins Tessin, zusammen mit unserem Sohnemann. Dies war ein gutes Erlebnis, aber bestimmt um die 10 Jahre zurückliegend. Ich habe ein Belastungs-Asthma und hege Bedenken, ob meine Kondition für so ein Vorhaben ausreichend wäre. Aber ok – wer nichts wagt, gewinnt nichts. Warum nicht mal eine Schnupper-Pilgerwanderung in der Schweiz unter die Füsse nehmen? Schliesslich meinte schon Demokrit, ein griechischer Philosoph:

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis. Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, unsere Zweifel und Bedenken.

Also wagten wir uns zusammen auf eine 3-Tageswanderung über die Auffahrtstage 2019. Mein Mann wählte die Strecke St. Urban nach Luthern Bad, auf den Napf und hinunter nach Romoos, Holzwäge aus. Er schaute auf der Karte, wo wir unsere Tour unterbrechen und übernachten könnten.

Doch vor dem Start, galt es zu packen. Dabei galt: jedes Gramm zählt und weglassen ist Pflicht, denn alles, was man nicht tragen muss, entlastet. 😉

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Das Bild entspricht nicht genau dem, was ich schlussendlich mitnahm: die Shorts packte ich leider nicht ein und für abendliche Schuhe fand ich ein paar noch leichtere Turnschuhe, als die auf dem Bild. Den roten Regenschutz und die grüne Jacke, hätte ich zuhause lassen können, aber das weiss man ja im Vorfeld nie so genau. Als Pijama packte ich ein paar leichte Leggins und ein atmungsaktives Langarmshirt ein und das war gut so. Frottétücher und Weiteres wie Teller, Abwaschtuch und auch Pflegeprodukte konnten wir uns sparen, weil wir in Gasthäusern übernachteten.

Nicht immer, aber streckenweise, wanderten wir während der nächsten Tage auf dem Schweizer Jakobsweg Nummer 4.

1. Wandertag: St. Urban – Gondiswil

In der Barock-Kirche St. Urban starteten wir mit einem Vater-Unser, denn es fand gerade ein Auffahrtsgottesdienst statt. Dabei durften wir die beeindruckenden Klänge der Orgel, welche  zu den grössten noch weitgehend erhaltenen Barockorgeln Europas zählt, geniessen. Ein schöner Start. Wenn wir meine Eltern besuchen, fahren wir jeweils an dieser Kirche vorbei. Dies seit etwa 30 Jahren. Nie hielten wir, um die Kirche oder das Psychiatrie-Gelände zu besichtigen, denn wir wollten jeweils immer möglichst schnell bei meinen Eltern ankommen. Umso mehr staunte ich über die vielen Gebäude der psych. Klinik.

Der Weg nach Gondiswil gestaltete sich abwechslungsreich und führte über Wiesen und Wälder.

 

Wir wanderten auf dem Grenzpfad Napfbergland , auf wahrhaft „himmlischen Pfaden“, denn  so nennt sich ein Wegnetz der Sakrallandschaft Innerschweiz. und im Smaragdgebiet.

Wir starteten ungefähr um 12.30 Uhr und um ca. 17 Uhr trafen wir beim Gasthaus Rössli in Gondiswil ein. Die Mittagspause abgerechnet, wanderten wir 3.5 Stunden, an diesem 1. Tag.

Leider servierte das Rössli kein Abendessen, weil das Restaurant aufgrund des Feiertages geschlossen war. Im Vorfeld lasen wir nirgendwo was darüber. Uns blieb nichts anderes übrig, als nach Huttwil zu fahren. Dorthin fährt jede Stunde ein privat geführter Bus, der leider kein Halbtax akzeptiert. Im Restaurant Bahnhof assen wir fein z’Nacht und bummelten anschliessend noch durch das malerische Huttwil.

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Freundlicherweise holte der Rössli-Wirt uns in Huttwil ab und kutschierte uns zurück nach Gondiswil. Unterwegs entdeckten wir ein Reh und der Wirt erklärte uns die Gegend ein bisschen. Er gab uns den Tipp, den Sonnenuntergang beim Weiher zu erleben. Also nochmals ein Abendspaziergang – der sich aber lohnte, denn es war wirklich malerisch.

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Alles in allem waren wir dann an diesem Tag doch 4.5 Stunden auf den Beinen.

Im einfachen Logie schliefen wir gut. Meine ausführlichere Bewertung steht auf Booking.com.

2. Wandertag: Gondiswil – Luthern

Beim Frühstück gab uns der Wirt zwei Geschichten zum Besten:

  • Wer entscheidet sich schon, in Gondiswil zu übernachten? In einem kleinen Dörfchen, wo sich Fuchs und Hase Gute-Nacht sagen? Ein Gast aus den USA entschied sich dafür. Er hat sich via Google Maps erkundigt, welche Ortschaft ungefähr in der Mitte zwischen Bern und Luzern liegt und von Gondiswil aus alles erreicht, was für ihn sehenswert war.
  • Folgende Geschichte der zwei Mexikaner ist herrlich! Sie verarbeiten zu zweit ungefähr dieselbe Milchmenge, wie die Käserei in Gondiswil. Dies fanden sie ebenfalls Google-sei-Dank heraus und flogen nach Rom und von dort via Mietauto nach Gondiswil. „He ja – Rom-Gondiswil ist ja keine Strecke für Mexikaner“, schmunzelte unser Wirt. „Die sind sich anderes gewohnt.“. Ohne Voranmeldung standen sie vor dem bodenständigen Schweizer Käser, der natürlich kein Wort Spanisch sprach. Aber irgendwie kam es dann doch zustande, dass die zwei Mexikaner eine Führung durch die Käserei erleben durften und Tipps für die Veredelung der Käsezubereitung erhielten.

Der 2. Wandertag bot uns viel Aussicht, verlief aber ab Zell leider oft auf geteerten Strassen. Ausgerechnet der Jakobsweg war so eine geteerte Strasse.

Das Laufen auf harten Untergrund ermüdet halt viel schneller und zudem war es heiss! Wir wanderten nun streckenweise auf der Via Jacobi Nr. 4, Etappe 27 und folgten den Wegweisern Lutrun (Luthern), (Pro Luthertal) welche uns aber einmal in die Irre leiteten, bzw. auf die Hauptstrasse, statt einem Bach entlang. Schade. Spannend war, dass ein Reh, durch uns aufgescheucht, unseren Weg kreuzte.

In Luthern assen wir in unserem Abend-Logie fein z’Nacht. Andy wählte das Pilgermenü aus. 😉

Bewertung der Krone auf Booking.com. Auch ein Rundgang durch Luthern durfte nicht fehlen und so kamen wir an diesem 2. Wandertag insgesamt auf ungefähr 5 Stunden reine Wanderzeit.

3. Wandertag Luthern – Luthern Bad – Napf – Romoos, Holzwäge

In Luthern Bad war ich überrascht, weil sich mir der Ort kleiner als in meiner Vorstellung präsentierte. Wir badeten unsere Arme und Füsse im Heilwasser und tranken davon. War es Einbildung? Mir schmeckte dieses Wasser tatsächlich anders als unser Hahnenwasser zuhause. Die Erfrischung für die Füsse hielt etwa eine halbe Stunde lang an.

Von da an wurde es aber mühsam, weil der Weg auf den Napf sehr steil und sonnenbeschienen war. Es war einfach nur heiss, heiss, heiss. Und ich atmete schwer, war aber auf dem Napf die Aussicht ins Tal betrachtend sehr stolz. Das alles haben wir geschafft. Nur zu Fuss. Ohne Verkehrsmittel.

Nach einer kurzen Mittagspause, wanderten wir nach Romoos, Holzwäge (ab dem Napf ca. 1. Std. 20. Die Zeit dorthin fehlt auf den vielen Wegweisern) wo wir das Postauto in Richtung nach Hause bestiegen. Ungefähre Wanderzeit an diesem 3. Tag: nicht ganz 5 Stunden.

Fazit:

Die 3 Wandertage waren ein Abenteuer für mich, das sich gelohnt hat, zu wagen. Es ging ohne Blasen an den Füssen ab und der Rucksack drückte nicht. Das Gewicht von ca. 5.5 kg samt Proviant und Getränke war perfekt. Ich würde für ein nächstes Mal ein paar Ersatzhosen mitnehmen für den abendlichen Restaurantgang. Und die Shorts, welche ich bereits eingepackt hatte, dann aber doch zuhause liess, wären bei dem heissen Wanderwetter ideal gewesen. Ansonsten aber vermisste ich nichts und würde auch für noch längere Wanderungen versuchen, nicht mehr einzupacken. Wir haben jeden Abend etwas ausgewaschen und weil die Wäsche atmungsaktiv und leicht war, trocknete sie schnell. Ich bin gern wieder für eine mehrtägige Tour dabei. Vielleicht aber wagen wir uns zuerst auf die diversen Jakobsweg-Etappen in der Schweiz, bevor wir uns das Ziel San Compostela vornehmen. Was ich toll finde, ist der Austausch und die Ermutigungen in Jakobs-Pilger-Foren auf Facebook, Twitter und Instagram.

Über den spirituellen Aspekt des Pilgerns nachdenkend, komme ich zum Schluss, dass ich Gott in der Natur erlebte, einem schönen Orgelspiel, beim bewussten Beten des Vater-Unsers, dem Nachdenken über Heilungswunder, welche in Geschichten auf Bildtafeln zu lesen waren, begegnete, aber auch in den Begegnungen mit Menschen. Das Unterwegs-Sein mit meinem Mann, an dessen Seite ich seit 32 Jahren den Lebensweg beschreiten darf, ist ein tägliches Geschenk. Die Freundlichkeiten der Wirtsleute und die Geschichten des Rössli-Wirts, bereicherten mich. Kurze Plaudereien auf den Wanderwegen und das gemeinsame Bestaunen eines Alpenpanoramas und darüber Austauschen mit wildfremden Menschen, erfreuten mich. Ich habe mir sagen lassen, dass dies beim Pilgern auf dem Jakobsweg auch immer ein grosses Erlebnis ist: das Aufeinandertreffen und das Gesegnet-Werden durch Mitmenschen.

Unsere Strecke der 3-Tages-Wanderung:

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Gut ersichtlich ist, dass wir immer schön auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Luzern wanderten. Ich bin stolz, dies alles zu Fuss geschafft zu haben und danke Gott für alle Bewahrung, die Fitness und Gesundheit, das schöne Wetter, die guten Unterkunftsorte, dass wir zwei Rehe sahen, die beeindruckende, herrliche Natur und für die herzlichen Begegnungen mit Mitmenschen.

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Schneeschuhwanderung auf Trübsee/Gerschnialp

Engelberg ist für uns ein Naherholungsgebiet und doch waren wir das erste Mal Schneeschuhwandern in dieser Region. Die Talstation des Titlis Xpress wirkt auf mich immer noch etwas „futuristisch“, obwohl sie auch schon wieder 4 Jahre alt ist. Wir haben zwar zuhause die möglichen Schneeschuhtrails auf der Webseite studiert, wissen aber nicht genau, ob wir die Tickets einzeln lösen sollen und wie es mit dem Sonnenstand in dieser Region steht. Wir wollen ja schliesslich bei diesem wunderbaren Sonnenschein nicht ausschliesslich im Schatten wandern. Wir werden von Leandra Elmiger an der Talstation kompetent beraten und erhalten als Halbtax-Besitzer für Fr. 16.– ein tolles Angebot: Gondelbahnfahrt bis Trübsee, kleine Kabinenbahn Älplerseil Obertrübsee-Untertrübsee und mit der alten Standseilbahn (seit 1913) von der Gerschnialp bis Engelberg zurück.

Auf Trübsee herrscht ein ziemlicher Rummel. Es gibt nebst dem Skifahren und Winterwandern, die Möglichkeiten, sich beim Rutschpark oder mit Schneetöffs zu vergnügen. Und wo startet nun der Schneeschuhtrail? Ein freundlicher Mitarbeiter überreicht uns ein Plänli und erklärt uns die verschiedenen Möglichkeiten nochmals.

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Wir entscheiden uns aufgrund des Sonnenstands, nicht in den Schatten Richtung Alpstübli (um den gefroreren See herum) zu wandern, sondern für die direkte Route auf den Aussichtspunkt Chrüzhubel Richtung Kabinenbahn Älplerseil. Für diese Route sind wir froh um unsere Schnee-Schuhe, denn sie bewahren uns vor dem Einsinken in den Schnee. Tiefe Fuss-Spuren zeugen davon, dass es manchen Wanderern, welche keine Schnee-Schuhe hatten, anders erging. Ich habe immer etwas Respekt vor dem Einsinken in den Schnee beim Winterwandern, seitdem meine Mutter auf diese Weise ihren Fuss brach. Aber vor- und nach dieser Route, wären Schnee-Schuhe nicht zwingend nötig und wir ziehen sie auch zeitweise ab, ist das Wandern ohne diese Schnee-Schuhe doch etwas leichter. Bei wunderschönster Aussicht geniessen wir unser Picknick und die Sonne. Wie warm es ist – und dabei haben wir doch immer noch Februar! Mein Mann wandert im T-Shirt und auch ich kremple die Hemdsärmel meines atmungsaktiven Wanderhemdes hoch. Ab dem Aussichtspunkt folgen wir dem Winterwanderweg, statt dem Schneeschuhtrail, weil der breitere Spazierweg im Gegensatz zum direkteren geführten Schneeschuhwanderweg, noch in der Sonne liegt. Es gibt also mehrere Möglichkeiten – doch alle führen zum Älplerseil.

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Die kleine Kabinenbahn fährt auf Abruf (Telefon vor Ort) und überwindet beeindruckende, senkrechte Felswände über 400 Höhenmeter. Ich staune immer wieder bei solchen Anlagen, wie jemand auf die Idee kommen konnte, dort eine Bahn zu konstruieren. Die Englisch sprechende Mitfahrerin in der kleinen Kabine war noch faszinierter als wir von den steilen Klüften, welche die Bahn überwand. Und irgendwann äusserte sie begeistert, wie klar und rein doch unsere Bergluft sei. Wie selbstverständlich wir selber doch diese reine Luft einfach atmen….

Von der Bahn aus beobachten wir Schneeschuhwanderer, welche der Piste entlang hinunter laufen. Sowas ist sehr gefährlich und verboten! Auch der Mitarbeiter dieser Bahn informiert uns an der Talstation Untertrübsee freundlich über den Verlauf des Schneeschuhtrails bis zur Bahnstation Gerschnialp. Das Queren der Skipiste empfinde ich als gefährlich, ist aber leider unumgänglich. Wir befinden uns nun im Schatten. Schade – und sofort so kalt, dass wir unsere Jacken, Kopfbedeckungen und gar Handschuhe anziehen. Enorm, dieser Temperatur-Unterschied. Die Bahnfahrt mit der alten Standseilbahn weckt in uns beiden nostalgische Kindheitserinnerungen an Zeiten, als wir mit unseren Eltern Ski fahren gingen.

Die ganze Tour ist mit rund 2 Stunden ausgeschrieben. Wir vermuten, dass wir für die reine Wanderzeit höchstens 1.5 Stunden benötigten. Wir nahmen es dabei gemütlich.  Was für eine abwechslungsreiche Tour – zusammen mit diesen unterschiedlichen Bahnfahrten von der topmodernen Gondelbahn, über das kleine Älplerseil bis zur nostalgischen Standseilbahn!

Schneeschuhwandern in der Zentralschweiz

Der Schnee knirscht unter den Schneeschuhen, der Blick wandert hinauf zu den sonnenbeschienen Gipfeln und dann wieder hinunter zu einer interessanten Tierspur. Hier hüpfte ein Schneehase und dort spazierte vielleicht eine Gämse vorbei. So ganz sicher bin ich mir noch nicht im Tierspuren lesen – aber ich habe eine Tour mit einem Wildhüter vor mir. Ich darf am 14. Februar die Schulklasse meiner Tochter auf den spannenden Ausflug begleiten. Ihr hört von mir. 😉

Letztes Wochenende wanderten unsere älteste Tochter, mein Mann Andy und ich, im „Tschiffiländ“. So nennen wir Nidwaldner (Reysseckler) liebevoll scherzend unser Nachbarkantönli. 😉

Langis – beim Glaubenbergpass

Das Wetter war sowohl am Samstag, wie Sonntag nicht so wunderprächtig. Aber erstens kann man selbst bei Schneefall und Bewölkung gut Schneeschuhwandern und zweitens sind bei diesen Bedingungen viel weniger andere Ausflügler unterwegs. So war das mit dem Parkieren überhaupt kein Problem – anders, als bei strahlend schönem Sonnenschein. Denn dann hört man oft in den Radionachrichten, dass die Parkplätze beim Langis besetzt seien und man zur Anfahrt das Postauto benutzen solle.

Das Langis ist ein Winterparadies für Schlittler, Spaziergänger – mit und ohne Hund, Anfänger auf Skien – und eben Schneeschuhwanderer. Wir waren etwa 2.5 Stunden unterwegs auf diesem märchenhaft verschneiten Hochmoorplateau.

Fürenalp – oberhalb von Engelberg

In Engelberg sind wir hie und da. Aber ob wir je schon mal auf der Fürenalp waren, daran konnten Andy und ich uns nicht erinnern. Vielleicht in der Kindheit zum wandern? Die Fürenalp überraschte uns positiv. Die Schneeschuhtrails waren teilweise zwar aufgrund der Lawinengefahr abgesperrt, aber einen rund einstündigen Rundweg konnten wir dennoch absolvieren – und geniessen.

Was mir am Schneeschuhwandern so enorm gut gefällt ist, dass ich im Gegensatz zum Skifahren, die Natur viel intensiver wahr nehme. In den Schneeschuhen setzt man bewusst und langsam einen Schritt um den anderen auf den Schneepfad. Ruhe, Gelassenheit und manchmal das Gefühl, sich in einer Eisprinzessinnen-Welt zu befinden, umgeben von verzauberten Wesen, verzückt und versetzt mich ein Stück weit in die Kindheit zurück. Aber auch das Wissen, dass die Bewegung an der frischen Luft körperlich gut tut, motiviert für die nächste Tour.

S’isch ä Brüüch (Es ist ein alter Brauch)

Ju-hu-hu-hui!“ juchzt unterhalb unseres Wanderwegs auf dem Schächentaler Höhenweg ein Älpler. „Ju-hu-huiii!“ – so so ähnlich 😉 gibts fröhlich Antwort von der oberen Alp. Und der Wanderer auf dem Weg vor uns, der früher auch z’Alp ging, wie er uns erzählte, juchzt seine Lebensfreude ebenfalls als Echo zurück. Er erklärt in schönstem Urner-Dialekt: „S’isch äbe äso de Brüüch im Ürnerland.“ („Es ist eben so der Brauch im Urnerland.“ Früher, als es noch keine Handys gab, hätten sich die Älpler auf diese Weise von Alp zu Alp signalisiert, dass alles in bester Ordnung bei ihnen sei.  Heute wird der Brauch auch gern von Wanderern übernommen, um ihre Freude an den Bergen auszudrücken.

Dü-da-do, Postauto, hed e Floh, macht eso“, sangen wir als Kind, wenn der Dreiklang des Postautos ertönte. („Dü-da-do, Postauto, hat einen Floh, macht so.“) Mehr als ein netter Brauch auf unseren Bergstrassen. 😉

Unsere heutige Tour: Auto bis Spiringen Post, Postauto Spiringen Post bis Balm (Klausen), Wanderung auf dem Schächentaler Höhenweg, bis Ratzi Bergstation, ca. 3 Std. 20. Mit der kleinen Kabinenbahn runter nach Spiringen Post. Und anschliessend noch kleine Wanderung am Urnersee-Uferweg entlang

 

„Grüezi“, grüsst jeder Wanderer in den Bergen den anderen. Seinen Ursprung hat diese Sprachwendung in „Gott grüss dich„. Man wünscht, dass Gott dem Mitmenschen begegnet und ihn segnet. Ich stelle mir ein Grüssen von Gott vor, wie ein liebevoller Kuss von ihm. Ein schöner Brauch, unbekannten Menschen Aufmerksamkeit und einen kleinen Segen auf den Weg mit zu geben, den man in der Stadt natürlich nicht mehr so pflegt, höchstens vielleicht noch an der Migros-Kasse. 😉

Das Wandern gehört ebenfalls zu den Brauchtümern der Schweizer. Es sei der Schweizer Volkssport Nummer 1, hat sogar eine Studie festgestellt. 😉

Zum Wandern gehören:

a) der Brauch, ein Picknick aus dem Rucksack zu verzehren. Es gibt viele tolle Picknickstellen in den Bergen, auf denen man die berühmte Schweizer Cervelat bräteln kann, was natürlich ebenfalls ein Schweizer Brauchtum an Esskultur ist.

b) seit jeher der Brauch, einen Wanderstock zu verwenden. Früher wurde er manchmal mit sogenannten Stocknadeln geschmückt von Orten, welche man besucht hatte. Als Kind benutzte ich öfters einen dicken Ast als Wanderstab und liess während der Wanderungen meiner Fantasie freien Lauf. So galoppierte oder trabte ich damit, als wäre er ein Pferdehuf. Die restlichen drei Hufe stellte ich mir einfach vor – und das Wandern über Stock und Stein auf meinem imaginären Pferderücken, bereitete mir grad viel die grössere Freude. 😀 Seit kurzem habe ich die modernen Wanderstöcke wieder entdeckt. Während der drei Schwangerschaften waren sie mir bereits eine grosse Hilfe und jetzt wieder. Es ist einfach mit über 50 Jahren auf dem Buckel gelenkschonender, solche zu verwenden 😉 Vor- und Nachteile und der richtige Gebrauch: hier und  hier .

c) die vielen Bänkli (Sitzgelegenheiten) an schönsten Aussichtslagen, gehören ebenfalls zum Schweizer Brauchtum. Dieses Jahr kann man die entdeckten Bänkli auf der Webseite „Bankgeheimnisse“ 😉 eintragen lassen und sich die Chance auf tolle Gewinne sichern oder auf der Landkarte nach bereits eingetragenen Bänkli stöbern.

Jetzt seid aber ihr dran, mir auf die Sprünge zu helfen. Denn mir erschliesst sich der Sinn des Brauches nicht, den ich erstmals während unserer Österreich-Wanderferien entdeckte, aber auf der Wanderung auf dem Schächenthaler Höhenweg jetzt eben auch: diese weissen Papiere…. Sind das Grüsse…. für wen oder was und von wem? Oder hat hier ein Städter versucht, etwas zu säen?

Hängt dieser neuste Brauch mit dem Wanderboom zusammen? Mehr und mehr Leute, welche unterwegs sind und keine Ahnung mehr haben, vom Brauch, den Güsel (Abfall), den man auf einer Wanderung produziert, auch wieder in den Rucksack zu packen und zuhause zu entsorgen? Oder muss jedes Bisi (Pinkeltröpfli 😉 ) abgewischt werden heutzutage? Oder das Füdli der Hündli (Hund-Pos) damit abgewischt werden und dann lässt man es einfach liegen? Ich will niemandem was unterstellen – b’hüet is nei – aber ich weiss etwas: dieser neumodische Brauch gefällt mir nicht und jedes dieser weissen Dinger braucht 8 Monate, bis es in der Natur verrottet, je nachdem sogar Jahre! So lange „darf „sich jeder Wanderer am Anblick dieser Fremdkörper in der Natur „erfreuen“.

 

 

Aktivferien im Hochmontafon,6. – 13. Oktober 2018

Wir verbrachten eine herrliche Zeit im Hochmontafon/Österreich. Ich hatte es nicht geplant, aber schlussendlich habe ich doch an jedem Abend eine Tagebuch verfasst. Hier alle Links dazu gesammelt:

https://gmerkigs.blog/2018/10/07/ein-auf-und-ab-auf-schmugglers-pfaden/

https://gmerkigs.blog/2018/10/08/silbertal-wanderung-erinnerung-an-herr-der-ringe-oder-schatz-im-silbersee/

https://gmerkigs.blog/2018/10/09/surprise/

https://gmerkigs.blog/2018/10/10/ab-in-den-stollen/

https://gmerkigs.blog/2018/10/11/zweite-mutprobe/

https://gmerkigs.blog/2018/10/12/pilz-erlebnistour-mit-harry/

https://gmerkigs.blog/2018/10/13/gemuetliche-heimfahrt-mit-spaziergang-am-walensee/

Meine Bewertung des Ferienresorts Landal Hochmontafon.

Zweite Mutprobe

Die Wanderung am Sonntag, unserem 1. Ferientag, benötigte viel Mut von mir. Heute war es nicht die Wanderung an sich, welche Mut von mir verlangte. Sie verlief zwar wiederum auf einem Grat, aber der war breit. Auch die kleine, mit einem Stahlseil gesicherte Stelle, war mehr ein Fotosujet, als wirklich gefährlich. 😉

Die Berglandschaft sieht jetzt im Herbst manchmal krass aus, in dem Sinn, dass man sieht, wo im Winter die Pisten verlaufen und überall beschneit werden muss. Der Abstieg über Stock, Stein und Wurzelwerk durch den Wald, war anstrengend, forderte mich aber nur körperlich heraus, nicht mental. Der Blick durch das Fernrohr war faszinierend, denn die Bergspitzen und Täler wurden fortlaufend mit Namen versehen.

Was wirklich Mut von mir verlangte, war die Benutzung der Sesselbahn hinunter – so ins „Nichts“. Unserem Empfinden und Erfahrungen nach, ist dies eher ein älteres Modell an Seilbahn. Der Bügel schliesst nicht wirklich gut und so fehlte mir ein Sicherheitsgefühl, zumal ein Bergab fahren per offener Seilbahn immer etwas schwindelerregender ist, als eine Bergfahrt. Und diese Bahn fuhr teilweise wirklich „gredi abe“.

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Heutige Wandertour: per Auto bis Talstation der Seilbahn Garfrescha, Talstation, per Bus bis Talstation der Versettla-Bahn in Gaschurn, per Gondel-Bahn bis Nova Stoba. Wanderung (ca. 2 Std.) bis Garfescha Berg und eben: per obgenannter Sesselbahn runter. 😉

So – jetzt gehts ab zu einer Rücken-, Nackenmassage und der Abend wird ausklingen mit einem gemütlichen Fackelspaziergang.

Ab in den Stollen

Heute gehts in den Bergwerkstollen. Im Jahre 842 n. Chr. wird erstmals Eisenerzabbau auf dem Bartholomäberg dokumentiert. Mit 45 schweisstreibenden Wanderminuten ab dem Parkplatz bei der Barockkirche müssen wir uns den Eintritt zur etwas abenteuerlichen Stollenbesichtigung erarbeiten. Jeder Besucher erhält eine Jacke, denn im Stollen beträgt die Lufttemperatur ganzjährig ca. 8 Grad. Zudem wird jeder auch mit einem Helm ausgerüstet und glaubt mir: den braucht es. Mehr als einmal schlagen wir den Kopf an der niederen Decke an und dank des Helms, tuts nicht weh. 😉 Die 115 begehbaren Stollenmeter erscheinen uns viel länger, weil man sie meist nur gebückt durchwandern kann. Wir sind begeistert und finden auch die Erklärungen zu den kargen und harten Arbeitsbedingungen der damaligen Bergbauarbeiter spannend. Für Menschen aber, welche etwas unter Platzangst leiden, ist diese Begehung nichts. Das Licht der Taschenlampe des Guides und ein paar Lampen leuchten uns den Pfad aus, aber manchmal sehe ich nicht, wo ich hintreten soll, weil der Vorgänger das ganze Licht verdeckt. Also heisst es einfach: keinen zu grossen Abstand halten und sich teilweise blindlings vorwärts bewegen. Tipp: direkt hinter dem Tourenführer laufen, falls einem das mangelnde Licht etwas ausmachen sollte. Ok – eine andere Möglichkeit wäre es natürlich, das Handylicht einzuschalten. Wenn einem das in den Sinn kommt und das Handy nicht im Rucksack liegt und dieser an der Eingangskasse in Obhut gegeben wurde – wie das bei uns der Fall ist. 😉

Nach diesem Stollenerlebnis, wandern wir weitere 40 Minuten zum Restaurant Rellseck. Bei schönstem Panoramablick lassen wir uns bestens verköstigen und machen uns dann weitere 45 Minuten auf den Rückweg.

Bevor wir uns im Hotel Berger Hof ein Dessert genehmigen, überraschen uns ein paar Rehe, welche unseren Weg kreuzen.

Was für ein erlebnisreicher Tag!