Fake News, die wir glauben: Gott wird mich von allem Übel bewahren

Die Frage «Warum lässt Gott das zu?» – beschäftigt die Menschen seit jeher. Ich persönlich dachte lange Zeit, dass es klar ist, dass Nichtchristen viel Unglück erleiden. Aber Christen? Ich ging davon aus, dass wir seine Lieblinge seien und deshalb lasse er es doch nicht zu, dass einem seiner Kinder etwas geschehe.

Heisst es nicht im Psalm 91:

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Frage: habt ihr euch noch nie an einem Stein gestossen? Ja, was ist denn nun mit der Verheissung, dass wir uns an keinem Stein stossen werden? Und was ist, wenn ein Christ eine tödliche Diagnose erhält? Zweifeln wir dann sofort an, ob er Gott von ganzem Herzen liebt und ihm vertraut? Eine schwierige Frage… Natürlich erzählen wir Menschen, welche Jesus noch nicht kennen, lieber sowas wie der Psalm 91 beschreibt, nämlich dass Gott uns bewahre und schütze vor allem Unheil. Es ist wenig populär, wenn wir ihnen von unseren Sorgen, Ängsten, tiefen Zweifeln und nicht geheilten Krankheitsgeschichten zu berichten. Darüber lässt sich nicht sosehr schwärmen, wie darüber, dass ein Leben als Christ Freude, Frieden, Erfüllung bringt und wir uns stets geborgen und beschützt vor allem Unglück wissen dürfen.  Wir «predigen» lieber uns selber und unseren Mitmenschen, dass Gott bewahrt und geheilt hat. Dass wir solches erleben, ist ja wirklich toll und ich freue mich über jede solche God Story. Nur könnte man daraus schliessen, dass unser allmächtiger Leibwächter uns stets davor bewahren würde, eine schlimme Krankheit zu bekommen, schlaflose Nächte zu erleben, unsere Arbeitsstelle zu verlieren, liebe Mitmenschen durch tragische Todesfälle zu verlieren oder peinliche Missgeschicke zu erleben und dadurch blöd dazustehen.

Ich lege eine Auslegung von Jens Kaldewey zu diesem Psalm auf, die ihr gerne ausleihen dürft. Das Pdf hier zum runterladen (klickmich). Auch er kommt zum Schluss, dass wir Christen ebenfalls tödliche Krankheiten und anderes Unglück erfahren können, dass es ganz einfach den Tatsachen entspricht. Er beschreibt die Bedrohungen so: «Die Pest, die im Finstern umherschleicht. Wen trifft sie als Nächstes? Wer „muss dran glauben“? Es sind die Gefahren, die vor der Tür lauern, die wir ahnen, auch wenn sie sich nicht deutlich zeigen und wir wissen nicht, wann es uns trifft. Es kann die Erkältungsgefahr sein, die Krebsgefahr, die Gefahr des Ausbruchs von Krankheiten, die schon immer in meiner Familie herumgeschlichen sind, aber auch der kontinuierliche Stellenabbau in der Firma, der „Raubtierkapitalismus“, der Terrorismus, der ja auch in unseren Breitengraden immer näher an uns herantritt, die immer noch steigenden Anforderungen meines Arbeitgebers. Oder anders formuliert: Die Bedrohung im Hintergrund.»

Auch die Geschichten in der Bibel erzählen davon, wie gottesfürchtige Menschen Schlimmes erleben. Erinnert ihr euch an die Geschichte von Josef? Ihm wurde wirklich massiv Böses angetan wurde vonseiten seiner Brüder. Josef, Hiob, Paulus und noch andere Menschen, von denen uns die Bibel erzählt, ja auch Jesus, sind Beispiele davon, dass Menschen, welche mit Gott in ihrem Lebensmittelpunkt leben, nicht vor allem Schweren bewahrt werden. Denkt nur daran, dass Paulus lange Gott gebeten hat, den «Pfahl», wie er ihn nennt, aus seinem Körper zu nehmen. Oder wie er Schiffbruch, Gefangennahme und anderes erlebt hat.

Im Ganzen gesehen, erzählt die Bibel nicht davon, dass wir Christen es im Leben einfacher haben würden, als diejenigen Menschen, welche ihm nicht nachfolgen. Ein Leben als Christ bedeutet nicht, dass ich es stets bequem habe.

Wir dürfen nicht vergessen, dass eine mögliche Ursache von Leid, der freie Wille ist.

Gott hat uns nicht als Marionetten, sondern als Menschen mit einem freien Willen geschaffen. Er steht uns normalerweise nicht im Weg, wenn wir diesen freien Willen einsetzen. Es mag Ausnahmen geben, aber meist lässt Gott uns tun und lassen, was wir wollen. Und so können uns und anderen schmerzhafte Konsequenzen aus falschen Handlungen entstehen. Er verhindert nicht, dass ich mich ins Unglück stürze, wenn ich das so entscheide. Es gibt Ausnahmen – und das sind dann eben Wunder! Er lässt es zu, dass ich zu stark aufs Gaspedal drücke und deswegen eine Busse kassiere. Nicht, weil Gott ein böser Gott wäre, sondern weil er mir den freien Willen lässt – mit allen Konsequenzen. So verhindert er auch nicht immer schlechte Noten, wenn ich nicht gelernt habe. Oder er nimmt mir mein Kopfweh vielleicht nicht weg, das ich nach zu grossen Alkoholgenuss verspüre. Wenn er das Kopfweh wegnimmt, was durchaus auch geschehen mag – dann ist es reine Gnade. Aber im Grunde genommen ist es ganz einfach die Konsequenz meines Verhaltens. Ich habe geerntet, was ich gesät habe, wie es die Bibel auch sagt. Nun habe nicht nur ich diesen freien Willen, sondern andere Mitmenschen auch. Schmerzen und andere Übel, können also unter anderem daher rühren, dass ich oder meine Mitmenschen den freien Willen auf ungesunde Weise gebrauchen.

Nicht alles Schmerzliche, das wir erleben, ist auf den freien Willen des Menschen zurück zu führen. Es gibt viele Unglücke, auch im Leben von Christen, deren Ursachen nicht zu erklären sind. Auch nicht damit, dass der betreffende Mensch gesündigt habe, nicht eine gute Beziehung zu Gott pflege oder unter einem Fluch stehe.

Wir sollten einfach manchmal nur zugeben, dass wir auch nicht weiterwissen. Es ist schön, wenn wir für andere beten, dass ihnen aus einer schwierigen Lebensphase herausgeholfen wird. Aber wir erwarten dann meist nach dem Amen ein sofortiges Eingreifen Gottes. Und wenn das ausbleibt? Ich denke, was uns Christen oft mangelt, ist Geduld und ein freundschaftliches Begleiten in Notzeiten. 

Wenn ich dem Fake glaube, dass Gott mich vor allem Übel bewahrt, weil er doch die pure Liebe und allmächtig ist, laufen wir Gefahr, zu verbittern Gott gegenüber. Ich habe im Sommer grad von vier christlichen US Musikern gelesen, welche sagen, dass sie ihren Glauben aufgegeben haben. Einer von ihnen, Marty Sampson, gab unter anderem als Begründung an: «Nur wenige Wunder passierten, und niemand spreche darüber. Die Bibel sei voller Widersprüche und niemand spreche darüber.» Ja, wenn wir glauben, dass es normal ist, dass Wunder geschehen, wie wir es in einem Lied singen, aber selber keine Wunder erleben, dann kann man schon an Gott verzweifeln. Die Bibel bietet solche Widersprüche, wie dieser Psalm 91 einerseits und unser ganz persönliches Erleben andererseits. Wenn man dann solche Spannungen, die sowas auslösen, nicht aussprechen darf, weil man vielleicht grad als «ungläubig» gilt, kann das mit der Zeit derart nagen an uns, dass man sich dem Glauben abwendet. Wenn wir dauernd gelehrt bekommen, dass Gott doch stets bewahre und dann etwas schief läuft in unserem Leben, sind wir in Gefahr, den gesamten Glauben hin zu schmeissen.

Ich habe auf das alles keine definitive, allumfassende Antwort. Ich weiss nur ganz tief innen mehrere Wahrheiten:

– dass Gott es immer gut mit uns meint.

– Und ich weiss auch, dass Gott uns einerseits vor Leid bewahren und es andererseits zulassen kann. Ohne dass wir immer verstehen, warum. Er bleibt Gott und wir sind in unserem Denken und Verstehen nicht immer fähig, alles einordnen zu können. Dabei dürfen wir Punkt 1 nicht vergessen: Gott meint es immer gut mit uns.

– Manchmal aber haben wir die Chance, etwas aus dem Leiden zu lernen. Kinder wissen das am besten. Sie fallen beim Velofahren-Lernen hie und da hin, holen sich ein aufgeschundenes Knie, geben aber nicht auf und lernen es immer besser. Manchmal holen wir uns in den Schwierigkeiten unseres Lebens aufgeschürfte Knie und weinen hie und da zutiefst. Aber Gott hilft uns immer wieder auf und ermutigt uns, nicht aufzugeben.

– Und Gott hat uns an mehreren Orten in der Bibel Versprechungen gegeben, im Schweren, das uns im Leben begegnet, bei zu stehen und es zum Besten dienen zu lassen!

Rö 8,28 Daran dürfen wir uns festhalten, auch wenn es rundum stürmt.

– Es gibt einen Spruch: Verwende die Steine, die dir das Leben in den Weg legt, dafür, dein Fundament zu stärken. Deshalb habe ich für jeden von euch einen Stein bereit, den ich als Erinnerung daran mitnehmen könnt.

– Der Teufel möchte uns an diesem Punkt unser Liebesverhältnis zu Gott zerstören. Mach es wie Hiob: halte an Gott fest, auch wenn es hart ist und du Gott nicht verstehst. Er ist und bleibt ein liebender Gott. Mir hilft in schwierigen Situationen das, was ich mal gehört habe: «Alles, was dir passiert, musste zuerst an Gott vorbei.»

– Etwas anderes, sehr Tröstliches: aller Mist, sämtliche Schmerzen und selbst der Tod, vermögen nicht, uns zu scheiden von der Liebe Gottes. Römer 8,35 und folgende. Ich mag zwar unter körperlichen Beschwerden leiden, aber der Glaube an Gott verleidet mir trotz Leiden nicht. Die Verbindung zu Gott hilft uns, indem er uns davor bewahrt, bitter zu werden.

– Er kann uns geistliche, seelische und körperliche Kraft geben, die Not zu ertragen.

– Und wir haben einen Gott, der gerade dann bei uns ist, wenn es am Dunkelsten ist. Es heisst im Hebräer 4,14, dass Jesus mit uns mitleidet. Leid zu erleben heisst nicht, von Gott im Stich gelassen zu sein. Leid ist nicht die Abwesenheit von Gott. Ja, Leid ist vielleicht die Abwesenheit von Schönheit, die Abwesenheit von Lebensfreude, die Abwesenheit von Glück und Zufriedenheit und Gesundheit. Aber Leid ist nicht die Abwesenheit von unserem Gott. Er ist so nahe bei uns, wie es kein Mensch sein kann. Evtl. von meinen Depressionen erzählen und meiner Frage an Gott, wo er denn sei….Gott vermag es, mitten in der Not zu trösten.

– Und natürlich vermag er auch, Umstände zum Guten zu verändern.

– Oder er kann mir einen kreativen Ausweg aus einer schwierigen Situation zeigen und mir den Mut dazu geben.

– – Schwierigkeiten, ja selbst schwere Unglücke müssen nicht deine gesamte Zukunft bestimmen. Sie sind letztlich Durchgangsstationen auf unserem Lebensweg, nicht die Endstation.

– Aber manchmal heisst seine Hilfe auch, dass er einen Menschen zu sich in seine Welt holt, um ihn so völlig zu erretten.

Zusammenfassung 

Es ist FAKE, eine Lüge, dass einem ernsthaften Nachfolger Jesu kein Unglück geschehen dürfe, oder dass, falls dies doch geschieht, Sünde oder Unglauben vorliegen würde.

Die Wahrheit ist, dass das Leben nun mal schwierig sein kann und nicht immer ein Zuckerschlecken und rosarot ist. Und ja: dies trifft sogar auf uns Christen zu. Der Glaube macht es leichter, Probleme anzugehen, Lasten zu tragen, aber Gott befreit uns nicht von allen Problemen. Er stellt uns aber Kraftquelle zur Verfügung: In der Beziehung zu ihm, welche wir zum Bsp. Im Gebet, Lobpreis und Bibel lesen pflegen können – und auch in der Gemeinschaft miteinander liegt unsere Stärke.

Ich schliesse mit 1. Petrus 5, 10: «Der Gott aber, der euch seine Gnade auf jede erdenkliche Weise erfahren lässt und der euch durch Jesus Christus dazu berufen hat, an seiner ewigen Herrlichkeit teilzuhaben, auch wenn ihr jetzt für eine kurze Zeit leiden müsst – dieser Gott wird euch mit allem versehen, was ihr nötig habt: er wird euch im Glauben stärken, euch Kraft verleihen und eure Füsse auf festen Boden stellen».


Diese Predigt hielt ich am 17. November 19 in der Vineyard Luzern

 

Was fehlt, wenn Gott fehlt?

Was fehlt, wenn Gott fehlt, ist die Preisfrage.

Und der Preis, wenn Gott fehlt, ist gross – ich klage:

 

Wer vergibt und liebt ohne Bedingung?

Für den Frieden gab er die Rahmenbedingung

mit seiner Opferdarbringung.

Sich selbst hat er gegeben.

Und das würde fehlen.

 

Was fehlt, wenn Gott fehlt – eine Fangfrage?

Denn gefangen in meiner Selbstanklage

drehe ich mich wie ein Hamster im Rad

und kriege Krummes selber nicht grad.

 

Wenn Gott fehlt, bin ich statt Kind nur Waise

und Sorgen wären ohne ihn meine Speise.

Destruktive Gedanken drehen im Kreise

und niemand ermutigt auf meiner Lebensreise.

 

Mit Gott aber springe ich über jede Mauer

und er tröstet mich in meiner Trauer.

Am Ende des Tunnels ist Gott das Licht.

Ohne ihn bleibt es dunkel und Licht gibt es nicht.

Wenn Gott fehlt, ist wichtig, was die Leute über mich denken.

Doch ich lasse mir Selbstvertrauen von ihm schenken.

 

Wenn Gott fehlt, fehlt er ohne Ende.

Ich lege mein Leben in seine Hände.

Sich ihm anzuvertrauen, bedeutet die Wende.

Gibt es dagegen noch Einwände?

 

Die Frage ist also geklärt – was fehlt, wenn Gott fehlt.

Klug, wer ein Leben mit ihm im Mittelpunkt wählt.

Regula Aeppli-Fankhauser


Das Gedicht war mein Wettbewerbsbeitrag für die Reformierte Kirche (Reformationsjubiläum). Leider gewann ich weder 5000.– noch 3000.– noch 2000.– ;-( Und jetzt stehe ich vor der Aufgabe zu überlegen, was fehlt, wenn das Preisgeld fehlt und was ich mit dem fehlenden Preisgeld mache. 😛

YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken

„Tun was er sagt…. das bedeutet für mich in diesem neuen Jahr unter anderem, dass ich mir konkrete Gebetszeiten einrichten möchte. Ich hatte den Eindruck von einer bestimmten Uhrzeit. Diese Zeit mit Gott, welche ich mir vorgenommen habe, im 2018 fest einzurichten, werde ich von meinen Facebook- und Twitter-Aktivitätszeiten wegstreichen. Denn an einem Abend hörten wir von Pete Greig (Leiter und Gründer von einer Gebetsbewegung, welche 24 Std. und 7 Tage die Woche beten), dass wir alles wegräumen sollen, was uns abhalten und ablenken will vom Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen. Mir war klar, dass die Zeiten, welche ich mit Social Media verbringe, zu viel Platz in meinem Leben einnehmen. Ich sage nicht, dass ich kein Facebook, Twitter, Instagram mehr nutzen möchte – aber nicht mehr zwei oder mehr Stunden am Tag, sondern die Hälfte davon. Es ist nicht so, dass Gott uns zwingt, etwas weg zu geben oder los zu lassen. Sondern er fragt uns, ob wir bereit sind, ihm etwas zurück zu geben, was uns nicht gut tut, damit er uns mit etwas beschenken könnte, was tausendmal wertvoller ist. Ich bete im Grunde genommen überhaupt nicht gerne. Aber ich sah während dieser Explo-Zeit ein, dass Gebet der Schlüssel zur Kommunikation mit Gott ist. Und Kommunikation gehört nun mal zu einer freundschaftlichen Beziehung. Also möchte ich dieses „Land“ ganz neu entdecken für mich.“ „YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken“ weiterlesen

Vor mir lit offnigs Land

Vor mir lit offnigs Land, bi ganz i dinre Hand…“

So sang ich zusammen mit rund 6000 anderen Menschen zwischen dem 29. Dezember 17 und 1. Januar 2018 begeistert und überzeugt. In der überkonfessionellen Veranstaltung „Explo“ in Luzern, nahmen wir uns zusammen vor, im Jahr 2018 Neuland zu betreten. Nicht im Alten zu verharren, sondern uns herausfordern zu lassen, neugierig und mutig Neues zu entdecken. Denn es ist ein Lebensprinzip: was nicht in Bewegung bleibt, stirbt. Oder wie wir es in einer Plenarveranstaltung hörten: „Was wir nicht brauchen, kann man bald rauchen“. (Andreas Boppart) 😉 Solche eingängigen Schlagworte mag ich und wir hörten einige davon:

„Jesus nimmt uns manchmal aus unserem Weg, um uns jemand anderem in den Weg zu stellen.“ Danielle Strickland, Heilsarmee-Offizierin.

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Die Bilder stammen alle von der Facebookseite der Explo-Konferenz.

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Am Silvesterabend versammelten wir uns rund ums Reussbecken in Luzern. Wir trugen abertausende von Lichtern, sangen, beteten zusammen und Andreas Boppart (Missionsleiter von Campus für Christus Schweiz) wurde gefragt, ob man nun einfach alles gutheissen solle von den verschiedenen Denominationen, was man bisher kritisch gesehen habe. Er antwortete treffend:Bildschirmfoto 2018-01-01 um 21.36.13.png

Das war etwas, was mich sehr beeindruckte: diese Einheit. Ob mein Sitznachbar im Plenum oder einem Seminar aus der katholischen, reformierten oder freikirchlichen Ecke kam, interessierte nicht und war überhaupt nicht spürbar. Es war kein Thema. Wichtig war unsere Ausrichtung auf Jesus. Wir sangen ihm Lobpreislieder, hörten enorm spannende Erlebnisberichte, lernten voneinander in Seminaren, freuten uns an künstlerischen Ausdrucksarten, segneten einander im Gebet, assen, tranken, lachten und weinten zusammen an diesen Tagen.

(Adams Wedding)
(Sehr kurzer Einblick in die Eröffnungsfeier)

Ich persönlich wurde herausgefordert, ermutigt und gestärkt. Ich hörte von Gott: „Tu einfach, was ich dir sage.“ Das war schon an der Explo 15 das Thema, welches ich immer wieder hörte von IHM. Tun was er sagt…. das bedeutet für mich in diesem neuen Jahr unter anderem, dass ich mir konkrete Gebetszeiten einrichten möchte. Ich hatte den Eindruck von einer bestimmten Uhrzeit. Diese Zeit mit Gott, welche ich mir vorgenommen habe, im 2018 fest einzurichten, werde ich von meinen Facebook- und Twitter-Aktivitätszeiten wegstreichen. Denn an einem Abend hörten wir von Pete Greig (Leiter und Gründer von einer Gebetsbewegung, welche 24 Std. und 7 Tage die Woche beten), dass wir alles wegräumen sollen, was uns abhalten und ablenken will vom Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen. Mir war klar, dass die Zeiten, welche ich mit Social Media verbringe, zu viel Platz in meinem Leben einnehmen. Ich sage nicht, dass ich kein Facebook, Twitter, Instagram mehr nutzen möchte – aber nicht mehr zwei oder mehr Stunden am Tag, sondern die Hälfte davon. Es ist nicht so, dass Gott uns zwingt, etwas weg zu geben oder los zu lassen. Sondern er fragt uns, ob wir bereit sind, ihm etwas zurück zu geben, was uns nicht gut tut, damit er uns mit etwas beschenken könnte, was tausendmal wertvoller ist. Ich bete im Grunde genommen überhaupt nicht gerne. Aber ich sah während dieser Explo-Zeit ein, dass Gebet der Schlüssel zur Kommunikation mit Gott ist. Und Kommunikation gehört nun mal zu einer freundschaftlichen Beziehung. Also möchte ich dieses „Land“ ganz neu entdecken für mich.

Noch zwei persönliche Erlebnisse während diesen Tagen:

  • Ich lud meine Mutter, welche in der Nähe von Solothurn lebt, zur Lichterfeier in Luzern ein. Sie sagte, dass sie vielleicht komme, vielleicht aber auch nicht. Sie fand unsere Familie bereits zu Beginn der Feier unter allen tausenden von Teilnehmern und wir konnten miteinander feiern. Sie fand uns ohne Handy, denn sie besitzt keines.
  • Am meisten berührt hat mich etwas ganz „Kleines“. Und zwar, als Kuno nach seinem Seminarteil uns Teilnehmer segnete. Er sagte in seinem Segen, dass jeder Elternteil im Raum für seine Kinder der beste Vater, oder die beste Mutter sei. Und zwar nicht, weil wir perfekt wären, sondern weil Gott sich das so ausgedacht habe und uns für genau diejenigen Kinder berufen hätte, Vater oder Mutter zu sein, welche unsere Kinder seien. Dies hat mich so stark berührt, dass meine Tränen nur so flossen. Ich kann mir dieses Gefühl nur so erklären, dass Gott selber mir ein Kompliment machte, mich tröstete, weil mir in der Erziehung nicht alles gelang, ich den Glauben nicht immer so feurig an unsere Kinder weitergab, wie es möglich gewesen wäre und dass ER mir seine Sicht auf mich zeigte. Diese ist voller Güte, Liebe, Verständnis, Zuneigung und Achtung. So wie ich spürte, dass er mich ansah, so sieht er auch dich an. 😉 Er verurteilt uns nicht wegen unserer Unvollkommenheit, unserer Fehler, sondern nimmt uns an, wie wir sind, führt uns aber eben auf Neuland, lässt uns Neues ausprobieren und entdecken, so dass wir wachsen.

Ich möchte im Neuen Jahr weniger Zeit mit Destruktivem und Unwichtigem verbringen, sondern Gott täglich fragen, was er für mich vorbereitet hat an guten Werken und das dann auch tun. Nicht, weil ich durch Werke den Himmel verdienen müsste, sondern weil er seine Liebe durch mich an andere weiter verschenken möchte. Ich bin gespannt auf das Neuland, das er mir zeigen wird und ich weiss, ich darf mutig und furchtlos sein, weil ER selber bereits in diesem neuen Land auf mich wartet.

[Strophe 1]
Ich weiss Du liebsch mich
Ich vertroue dir
Häsch mich tüür erchauft
Mis Läbe ghört ganz dir
Alls was gsi isch
Lahn ich hinder mir
Laufe mutig dur di offni Tür
[Refrain 1]
Drum lahn ich alles zrugg und luege nur uf dich
Vor mir lit offnigs Land und du begleitisch mich
Dini Gnad, die wohnt a jedem Ort und mis Dihei isch det
Wo du bisch min Gott
[Strophe 2]
Ich weiss du liebsch mich, ich vertroue dir
Häsch mich tüür erchauft Mis Läbe ghört ganz dir
Los uf dini Stimm, a jedem neue Tag
Wo mich userüeft, min Glaube wachse laht
[Refrain 1]
Drum lahn ich alles zrugg und luege nur uf dich
Vor mir lit offnigs Land und du begleitisch mich
Dini Gnad, die wohnt a jedem Ort und mis Dihei isch det
Wo du bisch min Gott
 [Bridge]
Vor mir lit offnigs Land bin ganz i dinre Hand
Vor mir lit offnigs Land bin ganz i dinre Hand
Vor mir lit offnigs Land bin ganz i dinre Hand
Vor mir lit offnigs Land bin ganz i dinre Hand
[Refrain 1]
Drum lahn ich alles zrugg und luege nur uf dich
Vor mir lit offnigs Land und du begleitisch mich
Dini Gnad, die wohnt a jedem Ort und mis Dihei isch det
Wo du bisch min Gott
[Refrain 2]
Drum lahn ich alles zrugg und luege nur uf dich
Vor mir lit offnigs Land und du begleitisch mich
Dini Gnad, die wohnt a jedem Ort und mis Dihei isch det
Wo du bisch min Gott
Drum lahn ich alles zrugg und luege nur uf dich
Vor mir lit offnigs Land und du begleitisch mich
Dini Gnad, die wohnt a jedem Ort und mis Dihei isch det
Wo du bisch min Gott
Drum lahn ich alles zrugg

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Ein weiterer super Bericht. 

 

Mein facettenreicher, geliebter Vater

Bald jährt sich der Todestag meines Vaters zum 2. Mal. Wir sind immer noch am Sichten/Räumen von seinen vielen Sammlungen (Briefmarken, Münzen, Nostalgisches…) Letzte Woche haben meine mittlere Tochter und ich beim Durchstöbern von Ordnern ein paar interessante Sachen aus dem Leben meines Vaters erfahren. Zum Beispiel, dass er sogar weltweit eine Kapazität war, was Wärmebehandlung von Metall betrifft. Er ging an Konferenzen als Delegierter der Schweiz, offiziell aufgeboten seitens des Bundesrates, war Dozent an der Fachhochschule Zürich und bildete Lehrlinge aus. Das war mir bis heute nicht bewusst. Ich wusste, dass mein Vater geschäftlich mehrmals in Paris war, aber nicht, dass dies einmal kurz vor meiner Geburt noch der Fall war. Meine Schwester erzählte mir gestern, dass er einmal ein Raketenteil, das für die NASA produziert wurde, persönlich in die USA begleiten musste. Unter grössten Sicherheitsauflagen. Mein Vater war massgeblich an der Produktion dieses Stücks beteiligt gewesen. Damals sprach er noch nicht Englisch. Er hat dies erst später gelernt und mit mir lange Zeit brieflich in Englisch korrespondiert, um es zu lernen und praktizieren.

Und noch was habe ich in diesen Ordnern gelesen: dass er an einem Wettbewerb künstlerischer Natur, mitgemacht hat. Im Ordner ist seine Arbeit beschrieben. Später am Tag habe ich diese kleine Eisenskulptur in einem Zimmer des Hauses meiner Eltern zufällig entdeckt. Lustig – sie ist mir bisher nie aufgefallen. Da lese ich was in einem Ordner, vom Vater angelegt und sehe dieses künstlerische Werk daraufhin sofort.  Meine Mutter wusste nicht mehr in welchem Zusammenhang er dieses Stück erstellt hat. Sie meinte aber, er wäre wohl glücklicher gewesen, wenn er als Künstler hätte leben können statt als Mechaniker. Nur hätte er halt damit nicht eine Familie ernähren können. Meine Schwester hat mir gestern auch über diese künstlerische Ader meines Vaters die Augen geöffnet. Ja, es stimmt: bei jeder Gelegenheit hat er sich mit uns Kindern und später mit den Enkelkindern hingesetzt und uns ermutigt, zu malen, was wir sehen würden. Meine Schwester ist bis heute am Aktivsten von uns künstlerisch tätig. Ich versuche mich hie und da ebenfalls im Malen. Ich kombiniere es mit der Fotografie…. Auch die Schreiblust habe ich von meinem Vater geerbt. Ich habe in besagen Ordnern Gedichte und andere Schreiberzeugnisse gefunden.

Berufliche Kapazität, Künstler, Religionslehrer – und gemobbt

Diese Entdeckungen über meinen Vater begeisterten mich. Aber sie stimmten mich auch nachdenklich und erinnerten mich an Mobbingzeiten. Das kam so: mein Vater war seitens seines Arbeitgebers, zeitlebens unter Druck gesetzt worden. Er musste sich weiterbilden, an Konferenzen gehen weltweit – nicht aus freien Stücken, sondern unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes,. Ich erinnere mich nicht daran, dass mir mein Vater irgendwann gefehlt hätte als Kind. In meiner Erinnerung war er nie lange weg. Obwohl er nebst seinem Beruf auch noch in der reformierten Kirche ehrenamtlich engagiert war und auch dort verantwortungsvolle Posten inne hatte (Sonntagsschule: Teamleiter, Religionsunterricht, Besuchsdienst, zeitweise nebenberuflich Sigrist). Aber ich erinnere mich lebhaft daran, dass unsere Familie oft unter Existenzängsten litt. Damals, vor rund 50 Jahren war es noch viel schlimmer als heute, wenn ein Vater arbeitslos wurde. Die Ehefrauen arbeiteten oftmals noch nicht auswärts. Die Familie war auf dieses eine Einkommen dringend angewiesen. Oft herrschte „dicke, bedrückende Luft“ am Familienesstisch, weil mein Vater trotz seiner Kapazität um seinen Arbeitsstelle bangte. Er wurde zur Karriere gezwungen, wurde x mal intern in eine andere Abteilung versetzt, hatte es aber überall schwer. Er klagte oft, er fühle sich „zwischen Stuhl und Bänken“. Er, der von der „Picke auf“ lernte, was es heisst, als einfacher Mechaniker zu arbeiten, war später gezwungen, unrealistische Vorstellungen und Vorschriften umzusetzen, welche ETH Studenten in den Betrieb hinein brachten. Ein Beispiel der „Plagerei“ (Quälerei) war, dass im Grossraumbüro, in dem er arbeitete, Stumpen und Zigaretten geraucht wurden – obwohl bekannt war, dass mein Vater eine Schwächung auf der Lunge hatte.

Mehrmals meinten wir, wir müssten berufsbedingt umziehen. Wir waren oft wie „auf dem Sprung“. Diese Pläne des Arbeitgebers wurden dann jedes Mal aufgegeben, aber sie prägten unsere Familienathmosphäre. Einmal hat sich gar meine Mutter gewagt zu wehren. Denn wir hätten nach Altdorf umziehen müssen. Bekannt für Föhnwetter. Für meine Mutter, welche ab und zu unter Migräne litt, eine Horrorvorstellung. Und ein anderes Mal – wir hätten nach Bern umziehen wollen – hat sich mein 6. Klass-Primarschullehrer für uns beim Chef meines Vaters persönlich eingesetzt! Wo gäbe es das heute noch??!! Damals kannte man im Bernbiet bereits das Frühfranzösisch in den Schulen. Mir hätte bei einem Umzug 2 Jahre Französisch gefehlt. Mein Lehrer meinte, dass ich unter diesen Umständen die Sekundarschule nicht schaffen würde. Er wäre aber sonst, wenn es soweit gekommen wäre, bereit gewesen, mir kostenlos Privatunterricht in Französisch zu erteilen.

Wir wohnten in einem Hochhaus, das hauptsächlich von Mitarbeitern des Betriebes bewohnt war, in dem mein Vater ebenfalls Angestellter war. Ich glaube, wir waren an die 30 Familien in diesem Haus. Jedesmal, wenn es hiess, „dr Fankhuser“ wird wahrscheinlich auswärts versetzt, gab es solche, welche mit dem internen Umzug in unsere Wohnung liebäugelten. Als der Umzug nach Bern drohte, war es ganz schlimm für mich: mein Zimmer wurde von einer Frau, welche mit ihrer Familie eine nicht so schöne Wohnung im selben Hochhaus bewohnte, vermessen und laut dachte sie vor mir, wie sie das Zimmer für ihre Tochter, welche mit mir befreundet war, einrichten würde. Als es dann nichts wurde mit dem Umzug nach Bern, zettelte diese Familie einen Kleinkrieg an gegen uns und spürte ich am eigenen Leib, was vorher nur mein Vater am Arbeitsplatz erlebte: Ausgrenzung, Isolation. Meinen besten Freundinnen wurde seitens ihrer Eltern verboten, mit mir Kontakt zu haben. Einmal habe ich ein Gespräch der vielen Hochhauskinder im Treppenhaus belauscht. Sie erzählten, meine Mutter sei eine Hexe (sie hatte damals einen Kropf am Hals). Ihre Eltern hätten gewarnt vor uns und gesagt, sie müssten uns meiden. Wir hätten sowieso nicht den richtigen Glauben. (Wir waren in der Hochburg der Katholiken einige der wenigen Reformierten.) Heulend lief ich in die Wohnung und erzählte meiner Mutter schluchzend, was ich gehört hatte. „Du musst deine Feinde lieben und vergeben. Tu ihnen überraschend Gutes, statt dich zu rächen“, war ihre Antwort, welche ich aber überhaupt nicht verstand damals. Fortan hatte keine einzige Freundin mehr, war total einsam, hatte nur noch mein Meerschweinchen und mein Tagebuch. Meinen Eltern erzählte ich nichts mehr von meiner Not. Ich sah, wie sie litten und ich wollte sie nicht noch mehr belasten. Doch wahrscheinlich war diese dunkle Zeit für mich Wegbereiter, damit ich zum lebendigen Glauben an Jesus Christus fand. Ohne diese schwere Zeit, wäre ich wohl nicht offen für das Evangelium gewesen.

Bevor im Gemeinschafts-Büro mit der Arbeit begonnen wurde, lasen laut Berichten meines Vaters alle seine Arbeitskollegen die Zeitung. So nahm er sich die Freiheit, in dieser Zeit in der Bibel zu lesen. Nie länger als die anderen Zeitung lasen. Dennoch wurde ihm auch das jeweils „angekreidet“. Die Tageslosung las er in Englisch und manchmal schrieb er mir ein paar Zeilen (habe den Arbeitsort/Unternehmung wegretuschiert):

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Als er diese zwei Briefe schrieb, war er mitten im Englischstudium und 58 Jahre alt.

Am Tag seiner Pension, schrieb er – auch das habe ich in einem Ordner entdeckt: „Am Abend fragt die Frau: wie war’s? Und du hörst dich selber sagen: es war eigentlich noch ganz schön.“ So war er mein Vater: trotz allem positiv gestimmt, humorvoll und bis zu seinem Lebensende stolz auf seinen Arbeitgeber. Er ging jeweils voll Freude zu den Veranstaltungen der Pensionierten.

Diesen Brief schrieb er, als er längstens pensioniert war. Heute kommt er mir vor wie ein Gruss aus dem Himmel:

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Ich vermisse meinen Vater. 😦

Geplant: Romantikweekend zu Zweit – Erlebt: Spezialwochenende in Grossfamilie, 1. bis 3. Sept. 17

Erstens kommt es oft anders und zweitens, als man denkt. 😉 (Redensart) Am Freitag schrieb ich auf FacebookBildschirmfoto 2017-09-04 um 17.40.08.png

Das Geschenk bestand aus einer Wonderbox. Man kann da aus mehreren Angeboten eines auswählen. Unsere Favoriten wären Übernachtungen in einer mongolischen Jurte, einem Baumhaus oder einem Nostalgiewagen gewesen. Für solche Angebote zogen wir ein warmes Sommerwochenende vor. Während des Sommers aber waren diese Angebote an den Wochenenden immer ausgebucht. Unter der Woche, hätte es noch freie Plätze gehabt, doch Andy wollte nicht extra frei nehmen. Also wählten wir eine Schweizer Region, welche wir noch nicht so gut kannten: das Wadtland und buchten, bevor der Gutschein (nach einem Jahr) ablief, ein Romantikweekend.
Ich wollte schon immer gern mal in einem Himmelbett übernachten und so wählten wir dieses Angebot aus. Es handelte sich bei diesem Übernachtungsplatz nicht um ein Hotel, sondern um ein Bed and Breakast.
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„Lustig“ war, dass wir sofort Part der dortigen Grossfamilie waren. Ich meine, wir haben weltweit schon verschiedene B&B’s erlebt. Meistens ist man als Gast in einem separaten Trakt, hat ein eigenes Bad/WC und einen eigenen Frühstücksraum, so wie in einem Hotel. Es gab einzelne Fälle, da waren wir auch am selben Frühstückstisch, wie die Gastgeber, aber nie zusammen mit ihnen, sondern immer zu einer eigenen Zeit. Und das Bad/WC haben unsere älteste Tochter und ich, an einem Mutter-Tochter-Weekend im Tessin, ein einziges Mal mit der Gastgeberin des B&B geteilt. Sonst ist das nicht üblich. Ok, ich habe mich im Internet im Nachhinein schlau gemacht und erfahren, dass die Vorschriften, ein B&B zu führen, von Kanton zu Kanton in der Schweiz unterschiedlich sind. Wie halt so vieles in der Schweiz. 😉  Nun – jedenfalls: die Familie hat 7 Kinder!! Also sie zählt 9 Mitglieder, dazu kamen noch andere Gäste, welche wir aber nie sahen. Und wir alle benutzten dasselbe Bad/WC. Es gab zwar für die Familie noch ein anderes, auf einer anderen Etage. Trotzdem – es war hie und da besetzt, wenn wir es aufsuchen wollten. Auch von der Katze wurde es benutzt, wie uns unsere Riechorgane bestätigten.
Das Zimmer sah schon so aus wie auf der Ausschreibung. Aber das Bett war höchstens 1 Meter 20 breit. Ich glaube, im Camper unserer USA Reise, hatten wir sogar mehr Platz…. Auf dem Nachttisch lagen Bibeln, in und auf der Kommode waren christliche Traktate zu finden, in der Wohnung überall irgendwas mit „Jesus“.
Es war unübersehbar: die Familie sind überzeugte Christen. Sind wir ja auch. Nur vielleicht optisch nicht grad so offensichtlich. Wir erfuhren, dass sie zur Brüdergemeinde gehören. Da Andy und ich seit über 30 Jahren in freikirchlichen Kreisen aktiv sind, war uns das ein Begriff. Wir glauben ja an denselben Gott, aber die einzelnen Freikirchen unterscheiden sich schon untereinander. So sind die Brüdergemeinden im Vergleich mit anderen Freikirchen eher konservativ, die Frauen haben, wie es der Name vermuten lässt, in den Gottesdiensten nicht viel zu sagen, sollten Kleider nicht Hosen tragen, keinen Schmuck. Gesungen wird ohne Instrumente – um ein paar Äusserlichkeiten zu erwähnen.
Dennoch war es schön zu spüren, dass wir innerlich auf eine Art „verbunden“ waren durch den gemeinsamen Glauben. Das ist sowieso immer wieder – weltweit – ein schönes Phänomen. Unterschiede spielen nicht so eine grosse Rolle… Vor den Mahlzeiten beteten wir zusammen…. Auf den Sonntagsgottesdienst, der im selben Haus stattfand, luden sie uns ein. Wir verzichteten dankend, da wir vermuteten, es könnte eher langweilig werden, wenn alles auf Französisch sein würde und konservative Lieder gesungen würden. Zudem hatte ich kein Kleid eingepackt. Sie hätten es mir als Gast bestimmt tolerant durchgehen lassen, aber wenn man sich nicht an kulturelle Gepflogenheiten hält, fällt man dennoch unbequem auf.
Ja eben – im Grunde genommen war eine Auszeit geplant, fernab der Familie. Einfach mal unter uns sein. Haha – und dann wird einem ein sabberndes, aber glückselig glucksendes Baby in die Arme gedrückt und man sitzt staunend inmitten einer sehr aktiven, lauten Gesellschaft. 😂 Aber die Familie war sehr, sehr herzlich. Zum Angebot gehörte ein Racletteessen und die Familie verwöhnte uns dabei mit allerlei Extrabeilagen und wir konnten anschliessend aus mehreren Desserts eines auswählen. Wir plauderten zusammen und dann geschah ein „Wunder“: ich konnte fast fliessend Französisch sprechen. Das war mir in Frankreich und im Schweizer Jura bisher nie möglich, weil ich immer offensichtlich ausgelacht wurde aufgrund meiner mangelhaften Französischkenntnissen. Ich konnte schon mal fliessend französisch sprechen als Jugendliche, aber ich vergass es, weil ich es lange Zeit nicht mehr praktizierte. Bei dieser Familie erinnerte ich mich verschütteter Wörter und Formulierungen. Einfach, weil sie mir Zeit liessen, Sätze liebevoll ergänzten oder auf Deutsch nachhalfen. Ihr Deutsch war auch mangelhaft, also mussten wir uns ja voneinander nicht schämen. 😉 Das habe ich „so“ wirklich noch nie erlebt und staunte über mich selber. Wir empfehlen dieses B&B, aber es wäre gut zu wissen, dass man sich inmitten einer Grossfamilie befindet, wenn man dort übernachtet und auch, dass es eine Katze gibt (für Allergiker). Dies alles liest man auf der Ausschreibung nicht und deshalb kommuniziere ich es hier – für allfällig Interessierte. Die anderen Gäste haben die untere Küche benutzt und wir sahen sie nie. Das wäre also auch möglich, wenn man dem Familienbetrieb ausweichen möchte. Wie gesagt: die Familienmitglieder sind überzeugte, aber nicht aufdringliche Christen. Zum Abschied schenkte mir das Familienoberhaupt eine CD mit christlicher Rockmusik! Ich weiss nicht, ob sie die selber nie hören würden – aber irgendwie schien es mir doch von ❤ en zu kommen, dieses Geschenk.
Am Samstag besuchten wir Aigle mit dem Schloss und gingen ins Thermalbad Bains-Lavey. Ein sehr schönes Bad. Am Sonntag besichtigten wir zuerst Rougement und die uralte Kirche (im Jahre 1080 erbaut!),
Rossinière und Château-d’Oex. Anschliessend fuhren wir nach Gstaad, das ganz in der Nähe liegt, nahmen die Gondelbahn nach Wispelen und wanderten in 3 Stunden zum Lauenensee. (Übrigens: lustige Idee) Ich musste doch sehen, was wir in einer Woche als Chor besingen werden. 😜 Bildschirmfoto 2017-08-07 um 10.29.22
Ja, so war das ein ereignisvolles Weekend und nun geniesse ich die Ruhe. 😂 haha.

Blogparade Dankbarkeit

Via Twitter wurde ich auf auf eine Blogparade zum Thema Dankbarkeit aufmerksam.

Ich bezeichne mich selber als dankbare Frau. Ich muss mich dazu nicht extra bemühen, sondern es ist seit langem mein Lebensstil. Und selbst in der schwierigen Zeit, in der wir aktuell stehen, gibt es viel Grund zur Dankbarkeit.

Ich bin Gott dankbar dafür, dass:

  • ich IHN (Gott) mit 18 Jahren kennenlernen durfte und seitdem ganz bewusst als sein Kind auf dem Lebensweg unterwegs sein darf. Er ist mein bester Freund, hält, trägt, tröstet, stärkt, ermutigt, fördert, berät und kennt mich.
  • mein Mann und ich in diesem Jahr unseren 30. Hochzeitstag feiern dürfen. Er ist mein Lieblingsmensch und ich hoffe, dass wir uns noch lange geniessen können.
  • Andy und ich drei gesunde, zwäge Kinder haben, welche alle einen guten Weg gehen.
  • wir so schön wohnen. Wir haben See- und Bergsicht, wohnen in einem ruhigen Quartier und pflegen gute und teilweise freundschaftliche Kontakte zu unseren Nachbarn. Im Sommer sind wir in 5 Gehminuten am See und können jeden Tag ein paarmal schwimmen. Im Winter erreichen wir die Talstation zum Hausberg der Klewenalp, wo man toll Wintersport ausüben kann, innert 10 Gehminuten.
  • unser Kater Minouch seit 5 Jahren zu unserer Familie gehört. Er entlockt uns hie und da ein herzliches Lachen oder ein „jöööö“.
  • wir so gute Jobs haben, welche wir gerne ausüben. Seit August 16 habe ich eine zweite Stelle als Freelancerin beim Nidwaldner Blitz (die erste beim SCM Bundes-Verlag Schweiz). Beim Blitz erhalte ich viele spannende Aufträge und das kommt unserem Familienbudget sehr zugute.
  • wir gute Freunde haben, welche in jeder Not für uns da sind, aber auch mit uns die schönen Seiten des Lebens teilen, denn „geteilte Not ist halbe Not, geteilte Freude ist doppelte Freude.“
  • er uns die Musik geschenkt hat. Wie oft stellt mich ein Lied auf und wie wohl tut das Singen. Bald startet zum Glück wieder das Ennetbürger Chorprojekt. Dieses Jahr zum Thema „Mundartlieder“.
  • ich über Facebook, Twitter, Blog und Co. soviele wertvolle Kontakte knüpfen konnte.
  • mir das danken nie ausgeht und ich hier noch zehntausend andere Gründe aufzählen könnte. Danke Gott, dass eine gute Perspektive gibt. Danken zieht nach „oben“. Deshalb habe ich das Beitragsbild gewählt: Wofür kann ich danken – dies zu fokussieren, ins Visier zu nehmen, tut gut.

Ich bin gespannt auf eure Dankbarkeitsberichte. Ich denke, es ist wie ein Ping-Pong-Spiel: wenn ich aufzähle, wofür ich dankbar bin, löst das beim Gegenüber auch Dankbarkeit aus. Es hilft, sein Leben nach Dankbarkeitsgründen zu durchforschen – und wenn man dies teilt, wirkt es ansteckend. Also: wofür bist du dankbar? Mach doch auch mit.