Geschichtsträchtiges Haus sucht neuen Liebhaber

Der Titel mag sich anhören wie so ein Partnersuch-Inserat. Aber die 108-jährige „Dame“ hat einen neuen Liebhaber verdient. Jemand, der dieses alte Haus liebt, wie es alle seine Bewohner seit Generationen taten und alles gaben, um es zu unterhalten und behalten.

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Der Titel mag sich anhören wie so ein Partnersuch-Inserat. Aber die 108-jährige „Dame“ hat einen neuen Liebhaber verdient. Jemand, der dieses alte Haus liebt, wie es alle seine Bewohner seit Generationen taten und alles gaben, um es zu unterhalten und behalten. Wieviel hat es erlebt! Es wurde geboren und gestorben in diesem Haus. Gelacht, gesungen mit Handorgelbegleitung und geweint, ja auch gestritten.

Erbaut wurde es 1911 im schönen Solothurner-Stil und wurde zuerst von meiner Grosstante und meinem Grossonkel bewohnt.

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Als Grosstantes Mann Dominik 1918 starb, zog meine Grossmutter zu ihr ins Haus und verrichtete alle Hausarbeiten für sie. Sie war damals 16-jährig und lebte bis zu ihrem Einzug zur Tante, als Verdingkind bei der Bauernsfamilie Küng in Grosswil. Das war  ihr Glück, denn bei der Bauersfamilie Küng wurde sie leider wie eine Kindersklavin gehalten. Sie hat mir viel erzählt aus dieser Zeit.

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Item – meine Grossmutter lernte den lieben Felix kennen und als sie heirateten, übergab meine Grosstante das Haus dem glücklichen neuen Ehepaar.

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Die Tante blieb noch manches Jahr im Haus wohnen und half, die drei Buben von Felix und Bertha aufzuziehen. Viele Jahre zogen ins Land, das Haus erlebte den Todesfall des kleinen Kurt, der noch im Säuglingsalter starb, aber auch viele Familienfeste.

Aber es wurde auch zu einem kleinen Lädeli, das es im Läubeli beherbergte. In diesem Lädeli konnten die Subinger Strümpfe, Elektroartikel, Seife, Bier, Mineralwasser und vieles mehr erwerben. Wenn ein Hausierer vorbeizog, kauften Fankhausers ihm grad die ganze Ware ab und verkauften sie im Dorf weiter. Das heisst, nicht nur im kleinen Lädeli konnte man so manches erwerben, sondern die Kinder (mein Vater und meine Onkel) wurden auf Botengang im ganzen Dorf herum geschickt. Fast täglich mussten die Zeitschriftenhefte an die Abonnenten vertragen werden. Am Montag war das „Leben und Glauben“ dran, am Dienstag die „Schweizer Familie“ etc. Wenn jemand gern ein Bier ins Haus geliefert bekommen hätte, wurde ebenfalls ein Junge geschickt und wenn die Grossmutter wieder mal ein paar handgestrickte Strumpfhosen oder Socken fertig hatte, so mussten diese ebenfalls einer ihrer Buben ausliefern. Meine Grossmutter hütete nebenbei noch einen anderen Laden im Dorf, ging bei den Dorfleuten putzen und übernahm die Kleiderwäsche für so manche Haushaltung. Dazu beherbergte sie zeitlebens stets sogenannte „Zimmerherren“. Meist waren dies Mitarbeiter der SBB, denn der Bahnhof Subingen lag sehr nah an ihrem Haus. Diese jungen Männer bewohnten ein Zimmer im Haus und erhielten Vollpension. Zudem erledigte meine Grossmutter die Kleiderwäsche für sie.  Mein Grossvater war als Heizer in der Kammgarnfabrik angestellt. In der „Freizeit“, welche es so nicht gab, war er als „Stromer“ und Sanitärinstallateur auf Stör, ohne dies gelernt zu haben. Immer wenn jemand einen Handwerker im oder ums Haus herum benötigte, wurde „de Fankhuser“ gerufen. Und stets, wenn ein Kind ein Knie aufschlug und sich damit nicht nach Hause getraute, weil es dort nur Schelte erwartete, ging es lieber zum Berthi und liess sich verarzten. Denn meine Grossmutter hatte den Sanitätsposten des roten Kreuzes inne. Mein Vater erzählte mir, dass alle Dorfbewohner bei ihnen baden kamen, denn sie hatten lange Zeit als einzige eine Badewanne im Waschhaus. So mussten er und seine Brüder die Wanne für die Besucher herrichten, was Kübel für Kübel heisses Wasser schleppen bedeutete. Und nach dem Besuch galt es, die Wanne zu schrubben, damit sie bereit für den nächsten Besucher war. Auch das Telefon war eines der ersten im Dorf und so läutete einfach jeder den Fankhausers an, welche Nachrichten im Dorf weiter trugen oder auch mal jemanden ans Telefon heranrufen gingen.

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Diese vielen Einkünfte waren nicht einfach da, weil meine Grosseltern Freude daran gehabt hätten, viel zu verdienen. Nein, es war so, dass mein Grossvater und seine zwei Brüder eine Bürgschaft für einen Cousin übernahmen. Dieser ging leider Konkurs und die Bürgen mussten die Schulden übernehmen. Die Brüder meines Grossvaters beteiligten sich nicht an der Schuldentilgung. Mein Grossvater nahm alle Schuld auf sich und bezahlte bis an sein Lebensende Rappen für Rappen zurück.

Als die Tante und der Mann meiner Grossmutter starben, fühlte sie sich alleine im grossen Haus. Ihre Söhne waren ausgezogen und hatten ihre eigenen Familien. Im Haus war es zu still. Auf den Wunsch meiner Grossmutter hin, wurde im unteren Stock umgebaut und aus einem Einfamilien- wurde ein Zweifamilienhaus. Dies war ungefähr 1966 und die Familie Lönne zog ein, mit zwei kleinen Mädchen. Sie blieben fast ihr ganzes Leben lang im Haus wohnen, feierten Familienfeste mit und gehörten fast zur Familie dazu. Marianne Lönne kümmerte sich noch lange um das Wohl meiner Grossmutter.

Meine Grossmutter überschrieb das Haus ihren drei Söhnen. Als der eine von ihnen Konkurs machte und selber aus dem Leben schied, forderte das Konkursamt, dass die zwei verbliebenen Brüder seinen Teil des Hausanteils zurückkaufen würden. Sonst wäre ein familienexterner Dritter Hausteilbesitzer geworden. Dies, obwohl bisher noch kein Geld geflossen war, denn das Haus wurde ja von der Tante an die Grossmutter und von da an die Söhne einfach weitergegeben.

1988 musste der verbliebene Bruder meines Vaters, eine neue Druckmaschine kaufen. Er konnte seinen Hausanteil nicht mehr halten und bat meinen Vater, ihm seinen Teil abzukaufen. Meine Eltern standen damals vor Vertragsabschluss, um ein Haus in Emmen zu kaufen. Sie gaben diesen geplanten Kauf auf, zugunsten des Elternhauses meines Vaters. Mein Vater kaufte also den gesamten Teil seines Bruders auf, mitsamt Wäschehaus. Doch dieses Wäschehaus schenkte er seinem Bruder zurück. Einfach, weil er so gutgläubig war und dieser Bruder sich mitsamt seiner Familie eh schon in besagtem Wäschehaus eingerichtet hatte. Das heisst, er hat es ohne Absprache mit meinem Vater umgebaut in ein Wochenendhaus. Mein Vater fand, dann solle er es halt haben. Viele Jahrzehnte später verkaufte es meine Tante nach dem Tod meines Onkels für 300’000.– ….

Das Haus erlebte manchen Um- und Anbau. Für Lönnes entstand aus dem ungeheizten Wintergarten eine grosse Stube und ein neues Schlafzimmer. Dafür konnte im ersten Stock eine Terrasse gebaut werden. Im Keller bauten meine damals noch zwei Onkel und Herr Lönne sogar einen kleinen Kinosaal! Mein Vater war gegen dieses Projekt, aber er wurde überstimmt. Ich erinnere mich an ganz viel Streit und dass mein Vater oft gesundheitliche Probleme hatte, wegen all dem Umbauärger, das dieses Haus mit sich brachte. Das heisst, vor allem deshalb, weil er immer zu kurz kam, über- und leider oft hintergangen wurde. Mein Vater baute eine Doppelgarage und so entstand im oberen Stock eine wunderbar schön grosse Stube. Das kleine Stübli im oberen Stock erhielt eine Aufwertung durch den Einbau einer Dachlukarne.

Unser Zuhause war in Emmenbrücke in einer Hochhauswohnung. Jahrelang reisten meine Eltern per Zug Wochenende für Wochenende nach Subingen, um dort umzubauen, zu räumen, der Grossmutter mit Haus und Garten zu helfen. Meist begleitete ich sie. Stets mit einem Buch unter dem Arm. Doch lesen durfte man nur im Versteckten. Es galt zu arbeiten, zu „schaffen“. Lesen war etwas für Faule oder wenn man für die Schule lernen sollte. In meiner Erinnerung rieche ich das Feuer, das stets brannte, wenn wir in Subingen waren. Denn alles, was man nicht mehr brauchen konnte – bestimmt so manch schönes Möbel, wurde verbrannt.

Als meine Grossmutter ins Altersheim zog, war das Haus in Subingen drei Jahre lang Zweitwohnung und Ferienhaus für unsere Familie. Am 15. November 1991 zogen meine Eltern von Emmenbrücke ins Elternhaus meines Vaters um. Mein Vater liess sich frühpensionieren. Für ihn war es ein Heimkommen. Meine Mutter tat sich schwer mit diesem Schritt, fühlte sie sich doch nach 40 Jahren in Emmenbrücke mittlerweile dort mehr zuhause als in ihrem ehemaligen Heimatort. Denn auch sie wuchs ja in Subingen auf, allerdings im unteren Dorfteil. Ihr eigenes Haus, in dem sie aufwuchs, wurde mittlerweile dem Erdboden gleich gemacht, ohne dass sie das so wollte. Auch sie wurde übergangen…. Dort, wo sie früher auf ihre einzige Kuh aufpasste, steht nun der Coop mit Wohnüberbauung. Wo das Geld für dieses Land blieb, ist ihr ein Rätsel. Sie hatte also nicht so gute Erinnerungen an Subingen, zumal die Eltern meines Vaters (Fabrikler) damals gegen die Heirat waren mit einem Mädchen aus dem unteren Dorfteil (Bauern). Als junges Ehepaar flüchteten meine Eltern geradezu aus Subingen und mein Vater fand eine Lebensanstellung im Flugzeugwerk Emmen. Und nun sollte sie zurückkehren? Sie tat es, lebt mittlerweile seit fast 30 Jahren wieder dort und fühlt sich wiederum in Subingen mehr zuhause, als in Emmenbrücke, wo alte Bekannte mehr und mehr „weg sterben“. Seit dem Tod meines Vaters 2015 lebt meine Mutter alleine im grossen Haus. Mit ihren nun bald 90 Jahren ist es ihr nun leider einfach alles zuviel. Zuviel an Treppen, zuviel an Arbeit – um und im Haus. Wir unterstützen sie, so gut es geht, aber sie hat nun selber gefunden, dass es Zeit für einen Auszug aus dem Haus ist. Sie tat sich sehr schwer damit. Und wir ebenfalls. Wenn ich mir vor Augen führe, wiesehr die Familie meines Vaters für das Haus gekämpft hat, wird mir ganz weh. Ich weiss, dass mein Vater dagegen wäre, das Haus aus der Hand der Familie zu geben. Wir haben alle Möglichkeiten über Jahre hinweg hin- und her diskutiert und überlegt. Keiner meiner Geschwister will und kann das Haus kaufen und die anderen ausbezahlen. Auch keinem unserer Kinder ist dies möglich. Die Pensionskasse würde uns finanziell helfen – aber nur dann, wenn wir selber im Haus wohnen würden. Leider aber befindet es sich geografisch nicht ideal, damit Andy die paar kurzen Jahre zu seiner Pensionierung von dort aus nach Hergiswil arbeiten gehen könnte. Und in seinem Alter in Solothurn eine neue Stelle zu finden, wäre sehr schwierig. So bleibt uns trotz schwerem Herzen nur der Verkauf dieses geschichtsträchtigen Hauses. Und wir hoffen, wie eingangs beschrieben, einen Käufer zu finden, der dieses Haus lieben wird.

Die Verkaufsdokumentation befindet sich hier: https://api.casaone.ch/faehrhof/orig/_slash_prince_slash_dossier_5710e4b0-16a3-11ea-9cb0-a4bf01195aaa_cf138c0e29e2724c808b0362f07ed627.pdf?dname=Dokumentation.pdf

Oder auf der Webseite des Immobilienhändlers. Im Suchfeld (Lupe) Subingen eingeben.

Bitte Anfragen nicht über mich, sondern über Herrn Bachmann laufen lassen – danke:

Fährhof AG Immobilien
Schänzlistrasse 14
4500 Solothurn

Mobile +41 78 604 67 03
Telefon +41 32 623 05 50

e.bachmann@faehrhof.ch
http://www.fährhof.ch

Warum uns Salvatore und Giovanni entwischten. Schmugglertrail Andermatt

Unsere geheime Mission war klar:

Der Urschner-Kristallschatz wurde gestohlen und soll nach Italien in den Palast des venezianischen Mafia-Bosses geschmuggelt werden. Für diesen gigantischen Diebeskomplott wurden die gerissenen Schmuggler Salvatore und Giovanni beauftragt. Können Sie die beiden Banditen aufhalten und die wertvolle Beute sichern?

Gefasst hatten mein Mann Andy, unser 18jähriger Sohn Tobias und ich diesen Auftrag in der Tourist Info in Andermatt, nachdem ich beim Bankgeheimnisse-Wettbewerb 3 Tickets für diesen Schmugglertrail gewonnen habe.

Hach – wir alten Fuchsjäger werden diese gerissenen Schmuggler mit links und im Nu erwischen. Wir geben zu: wir befürchteten sogar, dass uns der Trail zu simpel und ein superleichtes Kinderspiel wäre. Dachten wir zu Beginn. Schon bald dachten wir anders. Denn bereits der 1. Wegweiser führte uns in die Irre. „Folgt dem Pfeil und geht mit der Flussrichtung“, klingt im Grunde genommen sonnenklar. Nicht?

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Nicht, wenn man dem falschen Fluss in falscher Flussrichtung folgt. 😛 Wir überlegten nicht lange und liefen geradeaus zum einen Fluss, den wir bereits aus dem Auto auf der Hinfahrt bestaunt hatten. Wir überquerten die Brücke – war das bereits die erwähnte „erste Gelegenheit“? Und dann folgten wir dem Fluss in seiner Richtung, also talwärts – und das Naturschutzgebiet war wirklich schön. Nur leider die falsche Fährte. 😛 Denn der Weg führte uns in einer Schlaufe wieder zur Brücke zurück.

Schön, aber falsch:

 

Aber wir fühlten uns immer noch als schlaue Füchse und vermuteten: dann eben auf der anderen Fluss-Seite dasselbe von vorne. Also zurück, über die Brücke, an den Sawiris-Bauten vorbei und flussabwärts.

Wir freuten uns, als der Weg über eine Brücke führte, obwohl es uns seltsam vorkam, dass es eine Baustellenbrücke war. Und dann endete dieser Weg in militärischem Gelände. Also wieder nichts.

Wir wären nicht erfahrene Fuchsjäger, hätten wir nicht früher bereits ähnliche Herausforderungen ohne mit den ermüdeten Waden zu zucken, gemeistert. Ähm. Bei genauerem Nachdenken erinnerten wir uns zwar nicht daran, jeweils auf einem Foxtrail derart kläglich in die Irre gelaufen zu sein. Nichtsdestotrotz – der Helpline anzurufen, kam noch nicht in Frage, schliesslich hatten wir noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Geht mit der Flussrichtung“, wie es auf dem Schild hiess, bedeutete zwar für uns eindeutig, flussabwärts zu laufen, aber das war wohl blosse Verwirr-Taktik der fiesen Schmuggler. Also das Ganze in Richtung flussAUFWÄRTS. Wir wanderten nicht ganz zum Wegweiser zurück, sondern bloss nach der Brücke auf der rechten Seite flussaufwärts – und oh – welch Wunder, stiessen tatsächlich auf Posten 2 von Salvatore. Von da aus sahen wir, welchen Weg wir eigentlich hätten nehmen müssen vom Wegweiser aus. Über besagte zwei Brücken…. Das wollten wir uns dann unbedingt am Schluss nochmals genauer anschauen. Doch zuerst klatschten wir uns ab – wir waren im Spiel! Hach, das wäre doch gelacht. Doch mittlerweile waren wir sehr hungrig und liessen die Schmuggler mit ihrer Ware ihrer Wege ziehen, denn einholen konnten wir sie nach unseren Irrwegen eh nicht mehr. Die steinerne Sitzbank mit Ausblick auf einen schönen Weiher kam uns wie gerufen – oder gesucht. 😉 Wir witzelten darüber, wie es wäre, der Hotline anzurufen und zu sagen, dass wir nun nach 5 Stunden Wanderung endlich bei Herrn Albert Heims Hütte angekommen wären, wie in den Startunterlagen als Marschrichtung angegeben. Was wir nun tun sollten? Sie hätten uns doch wirklich erzählen sollen, dass man für diesen Trail das Zahnbürstli und Pijama hätten mitnehmen sollen. Wir hätten uns das Sprichwort zu Herzen nehmen sollen: „Wer ZULETZT lacht, lacht am besten.“ Denn noch waren wir erst bei Posten 2 von sage und schreibe 14. 😀 Frisch gestärkt nahmen wir die Fährte trotz unseres Zeitverlustes wieder auf. Was konnte jetzt schon schief gehen? Wir hatten den richtigen Weg gefunden, der Rest würde für uns ein Kinderspiel sein.

Doch es kam noch schlimmer! Verwirrt durch das Flussaufwärts-Folgen eines Fluss-Laufs, der doch meistens fluss-ABWÄRTS fliesst, was ja aber falsch war, gab uns die verdrehte Logik, die wir meinten, gelernt zu haben, nach dieser Weisung

IMG_20190801_130003nur eine Möglichkeit vor: nämlich flussAUFwärts nach besagtem 1999 Ausschau zu halten. Das war wieder falsch und das merkten wir dann, nachdem wir über eine Brücke mit diesem Jahrgang gegangen, dort aber im Nirgendwo landeten, weiter wanderten in Richtung einer Satelittenschüssel, welche wir hoch auf einem Berg entdeckten, kehrtum machten und auf eine andere bei einer Holzverarbeitungsanlage zuliefen, Kreuzungen suchten und meinten, diese bei einer Eisenbahnkreuzung gefunden zu haben, vergeblich nach gelben Querstreifen suchten, denn Fussgängerstreifen gab es auf jener Hauptstrasse nicht….

Schön, aber falsch:

Vernünftig, wie mein Mann und ich sind und durchaus bereit, zuzugeben, dass wir nicht mehr weiterkommen, hätten wir zwei schon längst die Hotline kontaktiert. Unser Sohn war da anderer Meinung. Beziehungsweise, er schlug vor, falls wir anrufen würden, ganz verzweifelt zu schildern, dass wir nun in Hospental nach gelben Querstreifen und Raumschiffstationen mit Satelittenschüsseln suchen würden, aber da nichts dergleichen zu finden sei – wie lange wir denn noch wandern sollten und ob sie nicht was davon gesagt hätten, dass die ganze Tour  2 bis 3 Stunden dauern, wir aber schon viel länger unterwegs wären? Ich rief dann trotz Protesten an und schilderte möglichst ruhig und gelassen, dass wir es tatsächlich bisher bis zum Posten 2 geschafft hätten, aber hier keine gelben Querstreifen zu finden seien. 😀 Schande über uns. haha. Die Hotline Mitarbeiterin war sehr nett, obwohl sie ein Lachen nicht verkneifen konnte und keine Ahnung hatte, welche Umgebung ich ihr schilderte. Sie hatte uns hilfreiche Tipps und meinte, wir sollten sie doch lieber kontaktieren, bevor wir völlig verzweifeln würden. Sie sei weiter für uns da und falls wir es tatsächlich nicht finden sollten, käme sie uns sogar per Velo entgegen! Nett und sehr freundliche gemeint. Doch diese Schande wurde uns Gott-sei-Dank erspart . Es stellte sich heraus, dass dieses Mal flussabwärts doch richtig gewesen wäre und so wanderten wir an der Brücke 1999 und noch anderen vorbei zurück zur richtigen 1999-Brücke und fanden auf den richtigen Weg zurück. Uff! Doch wer meint, wir hätten es ausgestanden, täuscht sich, so wie wir uns auch, welche uns erneut abklatschten. Wir verwechselten Salvatore und Giovanni und machten eine Extra-Schlaufe. Nicht so schlimm zwar, dennoch schüttelten wir unsere Köpfe über uns selber, wie wenn wir nicht schon genug Umwege gelaufen wären. Immerhin liefen wir ungefähr ab Posten 7 so, wie es vorgesehen gewesen wäre. 😀 Der findige Leser merkt: ab der Hälfte aller Posten. 😛

 

Nach 4 Stunden Unterwegs-Sein (Irrwege, eine halbe Std. Mittagspause und eine Viertelstunde Glacé-Schlecken inklusive) lösten wir unseren Voucher ziemlich erschöpft an der Theke von Posten 13 ein. Was für eine schöne Überraschung!

Noch die grössere Überraschung war, dass es am Ziel hiess, die Schmuggler zwar über alle Berge davon gekommen seien – aber immerhin das Diebesgut gesichert werden konnte. Im Wortlaut: „Als Dank für euren mutigen Einsatz und die erfolgreiche Mission darf jeder von euch ….. psst – verrate nicht was…. behalten. Gratulation – 007 James Bond hätte damals im jahr 1964 diese Aufgabe nicht bravouröser gemeistert! Ihr seid echt klasse!“ Das fanden wir auch. 😀

Wie erwähnt, fuxte es uns, dass wir den Einstieg in den Trail nicht fanden und schauten am Schluss nach, wo dies gewesen wäre. Doch: wer vermutet, dass man an dieser Stelle den breiten Weg verlassen sollte und nicht auf den bekannten Fluss zuhalten, sondern oben einen Fluss suchen müsste? Hier wäre für den besseren Einstieg ein Wegweiser angebracht, waren wir uns einig, liebe Andermatt-Tourismus-Verantwortliche:

Fazit und Feedback: Trotz Irrwegen erinnern wir uns gerne an diesen Schmuggler-Trail zurück. Der Einstieg nach dem ersten Wegweiser sollte durch einen zweiten unbedingt erleichtert werden. „Folgt dem Pfeil“ heisst eigentlich beim ersten Wegweiser, dass man in Richtung Golfplatz wandern sollte und so gelangt man automatisch zur grossen Brücke, nicht aber dorthin, wohin ihr die Verfolger führen möchtet. „Geht mit der Flussrichtung“ heisst flussabwärts/talwärts, aber am Anfang muss man flussaufwärts gehen. Dies verwirrt total. Dass dann das nächste Mal „der Richtung des Flusses folgen“ so gemeint ist, wie es sich tatsächlich verhält, verwirrte uns doppelt. Die Schilder sind originell, manchmal aber fast zu gut versteckt. Unseres Erachtens kann der Trail gut mit einem Foxtrail mithalten, obwohl bei Letzterem die Posten jeweils noch etwas kreativer gestaltet sind. Der Schmugglertrail kann mit Familien und Gruppen aller Altersstufen absolviert werden. Von Marias Gotteshaus an talwärts ist der Weg nicht rollstuhl- oder kinderwagentauglich, könnte aber eventuell umgangen werden. Ich bin mir nun nicht sicher, wie der erste Teil, den wir ja verpassten und auf der anderen Fluss-Seite liefen, für Kinderwägen und Rollstühle wären… Fragt doch bei Interesse bei der Tourist Info nach. Die „B’haltis“ sind ganz liebe Überraschungen – vielen herzlichen Dank.

 

„In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ (Hermann Hesse) Aepplis 2018/2019

Das Gedicht von Hermann Hesse beschreibt das Leben als ein Prozess. Lebensstufen oder Lebensräume folgen einander. Für mich sind Jahre jeweils solche Räume und Abschnitte. Ich blicke zurück auf den durchschrittenen Raum, das Erlebte darin und gehe mutig vorwärts.

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Träume leben -jetzt

Wenn uns die Krankheit Andys im Jahr 2017 etwas gelernt hat, dann dieses: die gemeinsame Zeit zu geniessen und Träume nicht auf später zu verschieben. Andy hat ein rückfall-freies Jahr 2018 hinter sich. Mögen weitere 4 Jahre folgen – dann gilt er offiziell als geheilt von der CLL.

Wir reisen beide sehr gerne und wollen nicht Reiseträume auf die Zeit unserer Pensionierung verschieben. Denn wer weiss, was dann ist…

Im Jahr 2018 waren wir zweimal in Österreich. Einmal genossen wir Ski- und Snowboardferien, zusammen mit Tobias und im Herbst haben Andy und ich seit Jahren wieder mal zu zweit Ferien verbracht. Freiburg i. Breisgau, Hamburg, Norwegen mit dem Nordkap, Kiel, Dresden, Paris und Lissabon, wecken in uns wunderschöne Erinnerungen. Manchmal waren wir mit Tobias zusammen unterwegs und hie und da als Paar, das sich auch nach 31 Jahren Ehe noch von Herzen tief liebt.

Kinder werden flügge

Die älteste Tochter unterrichtet mit sehr viel Freude Unterstufenkinder und wird 2019 heiraten. Darauf freuen wir uns alle unbeschreiblich fest.

Die mittlere Tochter studiert Ergotherapie in Winterthur. Weil sie im Sommer die Badeaufsicht im Strandbad Ennetbürgen/Buochs macht und im Winter als Ski- und Snowboardlehrerin auf unserem Hausberg, der Klewenalp tätig ist, wohnt sie an den Wochenenden bei uns. Im 2018 begab sie sich alleine auf Pilgerreise von Porto nach San Compostela. (Jakobsweg)

Sohnemann ist nebst der Lehre als Elektroinstallateur erfolgreich mit der Aeppli Production. In Cambridge absolvierte er ein Kurz- Englischstudium. Das erste Mal, dass er ohne uns Eltern im Ausland war.

Mütter

Wenn Kinder klein sind, sorgen sich die Mütter (und Väter) um sie. Werden die Eltern betagt, kehrt sich der Spiess um. Unsere beiden Väter sind leider gestorben. Andys Mutter hat Demenz im Anfangsstadium und zügelte im 2018 ins Altersheim Ennetbürgen. Meine Mutter hat sich von einem Schlaganfall, den sie im April 18 erlitt, mittlerweile fast vollständig erholt und wohnt wieder alleine zuhause. Doch auch für sie ist ein möglicher Wechsel in eine Alterswohnung immer wieder im Gespräch.

2019 – neuer „Raum“

Den ersten Wochen eines neuen Jahres wohnt für mich ein Zauber inne. Wie unbeschriebene, weisse Notizblätter liegen die Tage vor uns und wir dürfen sie füllen. Nebst der Hochzeit unserer ältesten Tochter, steht noch nichts „fest“. Doch wir planen bereits unsere diesjährigen Ferien. 😉 So schön, wenn man das Leben und Beziehungen geniessen kann, gesund ist und die Finanzen auch Reisen ermöglichen. Ich erlebe als Freelancerin immer wieder, wie Gott versorgt und Aufträge schenkt. Ja Gott – ich möchte ihn last, but not least erwähnen. Er ist es, an dessen Hand wir durch die Räume und Zeiten unseres Lebens schreiten dürfen. Ohne Ihn ist alles nichts. Er gibt uns Halt, Zuversicht und Sinn. In diesem Sinn: es guets Neus – von Aepplis

Kindererziehung im Wandel der Zeit

Kindererziehung im Wandel der Zeit – Teil 1

Gehorsam und Pflichterfüllung gegenüber Erwachsenen und Disziplin – dies waren drei typische „Tugenden“, welche Kindern über Jahrzehnte eingetrichtert und nicht selten eingeprügelt wurden. In der Schule und im Elternhaus war es für ein Kind tabu, zu widersprechen.

„Tatzen-Geben“ (mit dem Lineal auf die Finger schlagen) war als Bestrafung ungehorsamer Kinder legitim. Mit Lederriemen, Teppichklopfern, dünnen Rohrstecken wurden kindliche Gesässe traktiert, um sie fühlen zu lassen, dass die Erwachsenen sagen, wie sie sich zu verhalten haben. Ohrfeigen, „Kopfnüsse“, das Ziehen an den Haaren oder Ohren und das Knien-Lassen des Kindes auf einem spitzen, dreikantigen Holzscheit, waren ebenfalls beliebte Disziplinarmassnahmen. Pfarrer, Lehrer und Eltern beriefen sich nicht selten auf den Bibelvers von Sprüche 13,24: »Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.« Dabei waren sich die Erziehungsberechtigten nicht bewusst, dass das hebräische Wort „Rod“ für Rute auch mit „Korrektur“ übersetzt werden kann. Nach heutigen Bibelauslegern legitimiert dieser Vers nicht das Schlagen von Kindern, sondern es geht um das Erziehen im Allgemeinen. Einem Kind soll nach biblischem Erziehungsverständnis nicht alles erlaubt werden, sondern es soll Grenzen spüren, ähnlich wie sie der Autofahrer in Form von Leitplanken auf Autobahnen erlebt.

Körperstrafen im Strafrecht

Die Generationen bis 1960 kannten einzig den strengen Erziehungsstil der vorangegangenen Jahrzehnte. Gehorchen, ohne kindliche Wünsche zu äussern, das war das Übliche, was für ein Kind galt. Erst ab den 1960er Jahren setzte eine Trendwende in der Gesellschaft ein. Seither gilt es als barbarisches Relikt früherer Zeiten, Kinder körperlich zu bestrafen. Allerdings sind bis heute in den meisten Ländern der Welt Ohrfeigen oder Schläge auf den Allerwertesten als Erziehungsmittel legal, solange sie „massvoll“ und „angemessen“ sind. Anders als in der Schweiz, sind in Deutschland, Schweden, Island, Finnland, Dänemark, Norwegen, Italien, Österreich, Zypern, Kroatien, Neuseeland, Costa Rica, Venezuela und Italien die gesetzlichen Regelungen strikt und verbieten körperliche Züchtigungen. Das schweizerische Strafgesetzbuch sagt, Körperstrafen seien gesetzlich erlaubt“ im Sinne von Artikel 14, „solange sie als Befugnis der elterlichen Sorge gelten“. Einzig wiederholte körperliche Bestrafungen, die „das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass“ überschreiten, werden als Tätlichkeit von Amtes wegen verfolgt.

Autoritärer und antiautoritärer Erziehungsstil

Als die Gesellschaft sich von der autoritären, politischen Führung, zur Demokratie bewegte, wurden Zweifel an strengen Erziehungsmethoden laut. Die sogenannte 68er Bewegung setzte einen Gegentrend: die antiautoritäre Erziehung. Sie proklamierten, dass jede Erziehung Gewalt sei. Dem Kind sollte ein eigener Freiraum zugestanden werden und sie sollten zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, ohne ihnen Grenzen zu setzen.

Fortsetzung im Teil 2

War es früher klar, dass es Aufgabe der Erziehungsberechtigten war, Kinder zu disziplinieren, so ist es heute komplizierter, einen eigenen Weg zu finden, Kinder zu angenehmen Zeitgenossen heran zu ziehen. Viele Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Mit dieser Problematik wird sich die Fortsetzung des Themas in einem 2. Teil beschäftigen.

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„Kindererziehung im Wandel der Zeit“ weiterlesen

Frühlingshaft warme Schneeschuhwanderung auf dem Wirzweli, 24. März 18

Die milden Frühlingstemperaturen verbinden wir am Samstag, 24. März 18 mit einer Schneeschuhwanderung auf dem Wirzweli (oberhalb von Dallenwil, Nidwalden).

Der Aufstieg in Richtung Wirzwelihorn (1’471 Meter über Meer) ab der Bergstation Wirzweli ist zwar schweisstreibend, lohnt sich aber.

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Denn die Aussicht auf die Zentralschweizeralpen und runter auf Wirzweli, Wiesenberg, Dallenwil, Ennetbürgen, Buochs und ins Engelbergertal, ist wunderschön.

 

Was sind das für Tierspuren? Der Osterhase?

DSC_0009_2.jpgDer Blick durch die „gespaltene Fluh“ ist genauso originell, wie ein paar Strassenbeschilderungen und der immer noch tief verschneite Robidogbehälter:

 

Nachdem wir den höchsten Punkt, die Gummenalp (1’579 Meter über Meer) erreicht haben, gehts noch fast ebenaus zur kleinen 6-Personen-Luftseilbahn.

 

Leider haben alle Beizen auf unserer Tour geschlossen, denn es ist im Grunde genommen Saisonende. Wir vernehmen, dass die Wirte des Gasthaus Gummenalp auf den Malediven in den Ferien weilen. Es sei ihnen gegönnt. Mittels Gegensprechanlage rufen wir Bähnliführer herbei, der im benachbarten Haus wohnt und fahren mit der Bahn runter zum Eggwald. Wir wählen den kurzen Eulenpfad, um nach ca. 2.5 Stunden unseren Ausgangspunkt, die Bergstation der Wirzwelibahn zu erreichen.

 

Der Trail „Panoramawelt“, den wir wählten, ist zu jeder Jahreszeit eine schöne, 3 Kilometer lange Wanderroute.

Im Sommer ist der Spielplatz mit der Rodelbahn und der neu errichtete Themenwanderweg für Familien sowieso ein lohnendes Ausflugsziel.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsert, ich bekam keine Werbegelder.

Kindererziehung im Wandel der Zeit – Teil 1

Gehorsam und Pflichterfüllung gegenüber Erwachsenen und Disziplin – dies waren drei typische „Tugenden“, welche Kindern über Jahrzehnte eingetrichtert und nicht selten eingeprügelt wurden. In der Schule und im Elternhaus war es für ein Kind tabu, zu widersprechen.

„Tatzen-Geben“ (mit dem Lineal auf die Finger schlagen) war als Bestrafung ungehorsamer Kinder legitim. Mit Lederriemen, Teppichklopfern, dünnen Rohrstecken wurden kindliche Gesässe traktiert, um sie fühlen zu lassen, dass die Erwachsenen sagen, wie sie sich zu verhalten haben. Ohrfeigen, „Kopfnüsse“, das Ziehen an den Haaren oder Ohren und das Knien-Lassen des Kindes auf einem spitzen, dreikantigen Holzscheit, waren ebenfalls beliebte Disziplinarmassnahmen. Pfarrer, Lehrer und Eltern beriefen sich nicht selten auf den Bibelvers von Sprüche 13,24: »Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.« Dabei waren sich die Erziehungsberechtigten nicht bewusst, dass das hebräische Wort „Rod“ für Rute auch mit „Korrektur“ übersetzt werden kann. Nach heutigen Bibelauslegern legitimiert dieser Vers nicht das Schlagen von Kindern, sondern es geht um das Erziehen im Allgemeinen. Einem Kind soll nach biblischem Erziehungsverständnis nicht alles erlaubt werden, sondern es soll Grenzen spüren, ähnlich wie sie der Autofahrer in Form von Leitplanken auf Autobahnen erlebt.

Körperstrafen im Strafrecht

Die Generationen bis 1960 kannten einzig den strengen Erziehungsstil der vorangegangenen Jahrzehnte. Gehorchen, ohne kindliche Wünsche zu äussern, das war das Übliche, was für ein Kind galt. Erst ab den 1960er Jahren setzte eine Trendwende in der Gesellschaft ein. Seither gilt es als barbarisches Relikt früherer Zeiten, Kinder körperlich zu bestrafen. Allerdings sind bis heute in den meisten Ländern der Welt Ohrfeigen oder Schläge auf den Allerwertesten als Erziehungsmittel legal, solange sie „massvoll“ und „angemessen“ sind. Anders als in der Schweiz, sind in Deutschland, Schweden, Island, Finnland, Dänemark, Norwegen, Italien, Österreich, Zypern, Kroatien, Neuseeland, Costa Rica, Venezuela und Italien die gesetzlichen Regelungen strikt und verbieten körperliche Züchtigungen. Das schweizerische Strafgesetzbuch sagt, Körperstrafen seien gesetzlich erlaubt“ im Sinne von Artikel 14, „solange sie als Befugnis der elterlichen Sorge gelten“. Einzig wiederholte körperliche Bestrafungen, die „das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass“ überschreiten, werden als Tätlichkeit von Amtes wegen verfolgt.

 Autoritärer und antiautoritärer Erziehungsstil

Als die Gesellschaft sich von der autoritären, politischen Führung, zur Demokratie bewegte, wurden Zweifel an strengen Erziehungsmethoden laut. Die sogenannte 68er Bewegung setzte einen Gegentrend: die antiautoritäre Erziehung. Sie proklamierten, dass jede Erziehung Gewalt sei. Dem Kind sollte ein eigener Freiraum zugestanden werden und sie sollten zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, ohne ihnen Grenzen zu setzen.

Fortsetzung im Teil 2

War es früher klar, dass es Aufgabe der Erziehungsberechtigten war, Kinder zu disziplinieren, so ist es heute komplizierter, einen eigenen Weg zu finden, Kinder zu angenehmen Zeitgenossen heran zu ziehen. Viele Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Mit dieser Problematik wird sich die Fortsetzung des Themas in einem 2. Teil beschäftigen.

Regula Aeppli-Fankhauser


Dieser Artikel aus meiner Feder, erschien im Nidwaldner Blitz (in der Kinderbeilage) vom 1. März 2018

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Engel Niki weist den Weg. Foxtrail HB Zürich

Die Bibel kennt die Engel Michael, Gabriel, Raphael und Uriel. Und der Hauptbahnhof Zürich den Engel Niki.

(Nicht zu verwechseln mit dem biblischen Kinderangebot, das wir vor Jahren in Nidwalden anboten, ebenfalls NIKI genannt, was NIdwaldner KInder hiess.) 😉

Der Foxtrail im HB Zürich ist der erste Indoor-Trail. Es ist der achte in Zürich und der 25. Trail in der Schweiz. Der Engel Niki, riesengross in der Bahnhofshalle die täglich 500’000 Passagiere beobachtend, gab uns zu Beginn der Foxtrailjagd den ersten Hinweis, wo wir den Fuchs finden können.

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Achtung, damit ihr ihm die Engelsbotschaft entlocken könnt, benötigt ihr einen eigenen Hausschlüssel. Dies steht nicht auf den Startunterlagen. Heutzutage gibt es andere Zutrittsmöglichkeiten zum Daheim. Vor unserem Umzug hatten wir ein Wohnungskärtchen, keinen Schlüssel mehr. Also nehmt unbedingt einen eigenen Schlüssel mit, sonst bekommt ihr bereits zu Beginn Schwierigkeiten! Und gleich ein zweiter Tipp: druckt die Startunterlagen zwingend farbig und mit vollen Farbpatronen aus. Unser Pink zeigte auf den Startunterlagen mehr ein Rot, was uns anfänglich verwirrte. Ebenfalls verwirrt war die Gruppe, welche vor uns startete. Wir beobachteten vor unserem Start, in welche Richtung sie davon zogen. Wir wählten die um 90 Grad andere Richtung und waren richtig. Hoffentlich hat die Gruppe vor uns jemals aus dem Hauptbahnhof herausgefunden. Naja – wenn man nicht weiterkommt, gibt es für diesen Trail die automatische SMS Hilfe oder wenn man dann immer noch Fragen hätte, steht die gewohnte Foxtrail Helpline zur Verfügung. Wir benötigten diese Hilfe nie, im Gegensatz zu anderen Foxtrails, welche wir bereits absolvierten und viel kniffliger waren. Für uns alte Foxtrail-Jäger hätte der Trail ruhig etwas herausfordernder sein können, selbst wenn wir einen Abfahrtsanzeiger von vorne bis hinten des Gleises suchten, bis wir ihn dort fanden, wo es die Beschreibung der Startunterlagen sehr gut beschrieb. Auch der „Riesen-Pilz“ vor dem „Bahn-Depot“ wollte sich zuerst trotz seiner Grösse vor unseren Augen verbergen. Wie waren wir doch blind! Wir drehten uns ein paarmal auf dem Zeichen am Boden, bis uns ein Passant fragte, ob wir was suchen würden. „Ja, einen Riesenpilz und einen Fuchs“, gaben wir schmunzelnd zur Antwort und erklärten Sinn und Zweck der Fuchsjagd. 😉

 

Sohnemann öffnete uns die Augen, so dass wir das Gesuchte erkannten. Er war sowieso eine sehr grosse Hilfe. Denn mein Mann und ich hätten nicht gewusst, dass man im Billettautomaten QR-Codes einlesen kann.

P1004136Und auch das Logo, auf das uns Alfred Escher hinwies, entdeckte Tobias. Wer weiss – ohne ihn wären wir wahrscheinlich länger als die eine Stunde unterwegs gewesen, welche wir schlussendlich benötigten. Dass es sich um Alfred Escher handelte, erfuhren wir aber  nicht vom Fuchs, sondern erst zuhause von Onkel Google….

 

Leider entwischte uns der Fuchs wieder einmal mehr. Er sprang in die Limmat!

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Nach der Jagd wollten wir die Fr. 5.–, welche in Form einer „SBB Geschenkkarte Bahnhof“, im Foxtrail-Startpreis pro Person inbegriffen ist, einlösen. Sie wäre in zahlreichen Bahnhofgeschäften und Restaurants gültig, hiess es. Doch in denjenigen 5 Restaurants und Shops, welche wir im Hauptbahnhof besuchten und etwas kauften, wurde sie überall leider abgelehnt. Hilfreich wäre, zusammen mit den Startunterlagen eine Liste der Geschäfte abzugeben, welche die Geschenkkarten akzeptieren. Klar kann man den Link aufrufen, aber dazu benötigt man Internet und wenn man an einer Kasse steht hat man die Zeit, sich durch die SBB Seiten zu klicken, nicht. Druckt am besten diese Liste zuhause bereits aus. 

Fazit: der Foxtrail HB Zürich besticht mit originellen Installationen und ist eine gute Schlechtwetteraktivität. Für erfahrene Fuchsjäger leider etwas zu kurz und zu einfach. Aber der Spassfaktor war dennoch sehr hoch. 🙂 Aufgrund der Länge und des Schwierigkeitsgrades, empfehle  ich den  Trail vor allem für Menschen allen Alters, welche eine kurze Unterhaltung in Zürich suchen und auch für Neulinge, welche noch nie einen Foxtrail absolviert haben.

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Preise: Erwachsene: CHF 31.-, Kinder: CHF 16.-, Familien: CHF 79.-. Gruppen (Ab 19 Personen): Offerte auf Anfrage.

Anmerkung: Ich erhielt als Bloggerin die Karten geschenkt, aber ohne Auflage, extra wohlwollend zu schreiben. So verfasste ich diesen Bericht wie gewohnt unabhängig.

 

 

Katze in der Krippe

Esel, Ochs, Schafe, der Sennenhund Bläss und sogar ein grosses und zwei Jungkamele gehören zu unserer Krippenszene. Nebst versammelter „Tiermannschaft“ gehören last but noch least als Hauptfiguren die Heilige Familie mit dem Jesuskind, drei Hirten und drei Weise aus dem Morgenland zur jährlich wiederkehrenden „Theaterbühne“. Aber unserem Kater Minouch sind glaub die Tiere wichtiger. Egal, ob wir die Krippe im Eckmöbel, im Stubenbuffet oder am Boden aufstellen: er legt sich bevorzugt zu den Schafen. Jedes Jahr. Und wenn ihm dabei ein Tier in den Weg kommt, stupst er es kurzerhand weg. Er findet, bzw. schafft sich immer ein Plätzchen als lebendende „Tierfigur“ in der Krippenszene. So „schienen“ wir Jahr für Jahr gebrochene Tierbeine. 😉 😦

Welche gloriose Idee hatte ich dieses Jahr! Ich stelle doch die ganze Szenerie auf einen Tisch. Denn auf einen Tisch springt unser guterzogenes Katerchen nie, ausser man vergisst die Butter drauf. Da kann er nicht widerstehen. 😉 Aber wenn ich die Krippenszene auf den hohen Tisch stelle, wird er nicht hinauf springen. Denkste! Alle Jahre wieder…. 😉 Keine Ahnung, was ihn an der Schafherde so anzieht. Meint er, er sei selber ein Schaf? Und so musste der arme Bläss gestern daran glauben und brach sich beim Sturz vom Tisch das Bein!

Minouch hat es schon zwei Jahre in Folge in die Luzerner Zeitung geschafft! (2015 und 2016)15418313_10208108991583816_5294451437804686304_o.jpg

 

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Ja, unser Kater ist berühmt. Vielleicht tun wir ihm unrecht und er will einfach nah bei der Hauptperson – dem neugeborenen Jesuskind sein? Dann sollten wir ihn uns als Vorbild nehmen. Und alles vom Tisch stossen, was uns daran hindert, SEINE Nähe zu suchen. Suchen wir einen Platz nah am ❤ en der Hauptperson dieses Festes. 😉


P.S. Nachdem sich Minouch sogar in die Krippe, d.h. in den Stall gelegt hat, waren die Reaktionen auf die entsprechenden Fotos auf Facebook ganz lustig. Zusammen fanden wir heraus, dass Minouch dem Jesuskind wohl einfach eine wohlige Fellunterlage bieten möchte – oder sich als Hirte in der Krippenszene sieht. Ein solcher schlief jeweils im Türrahmen, als Schutz für die Schafe im Stall.

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Ich hätte gesagt…. ;-)

Als mich Regi Sager, SRF1 Moderatorin versuchte zu erreichen, war ich an einer Nidwaldner Blitz-Sitzung. Ich konnte sie, als ich zuhause war, wiederum nicht erreichen und füllte ein Mailformular aus, das direkt ins Studio gelangte. Sie antwortete mir:

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Zugrunde lag diesem Austausch die Aufforderung von SFR1, in alten Fotoalben zu stöbern und Foto einzusenden, welche einen Moment zeigen, in dem man so rundum glücklich war.Bildschirmfoto 2017-11-14 um 22.39.27.png Schade, ich hätte Zeit gehabt, um ihr mehr über dieses Foto zu erzählen.

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Ich hätte ihr erzählt, dass mir diese Situation, obwohl rund 50 Jahre her, immer noch sehr präsent ist und es mir grad jetzt, wo ich mich dran erinnere, warm wird im Herzen. Mein Vater verstand es, mir zu zeigen, wie härzig er mich fand. Es wird mir erst jetzt bewusst, dass er mir dadurch den Grundstein legte, für ein gesundes Selbstwertgefühl. Ich weiss noch, wie ich in dem Moment vor der Kamera stand im Selbstverständnis: ich bin hübsch, meine Eltern lieben mich, es ist gut so wie ich bin. Später wurde dieses Selbstwertgefühl stark gedämpft. Ich litt unter dem Spott von Gspänli, weil ich einen sogenannten Vorbiss hatte, d.h. meine Vorder-Zähne standen stark vor. Eine jahrelange Zahnkorrekur erbrachte nicht die gewünschten Erfolge. Erst durch die Liebe Gottes und meines Mannes, geriet das schiefe Selbstbewusstsein wieder ins Lot und ich begann, mich selber erneut zu mögen und meine Gaben zu erkennen. Damals, als Kind, war einfach rundum alles gut. Mit mir und mit der ganzen Welt. Nichts konnte mir passieren, denn mein Zuhause schenkte mir Geborgenheit. Dieses Urvertrauen, welches gelegt wurde, konnte nie ganz zerstört werden.

Wenn die Zeit gereicht hätte, dann hätte ich Regi Sager erzählt, dass ich in meinem späteren Leben noch ganz viele glückliche Momente erlebt habe. Immer wieder so ähnliche, in denen mein Vater mich ablichtete, weil er mich hübsch fand. Aber auch damals, als ich das Handelsschuldiplom in den Händen hielt und während dieser Schulzeit zu einer lebendigen Beziehung zu Gott fand, lösten tiefe Glücksgefühle aus in mir. Die Heirat mit Andy, die Geburten unserer drei Kinder, die vielen gemeinsamen Erlebnisse sind glückliche Erinnerungen, auf die ich alle dankbar zurückblicke.

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Dies alles hätte ich erzählt – aber leider konnten Regi Sager und ich uns gegenseitig nicht erreichen……. 😉

 

 

 

S’Fankhuser Berti us Subige

Verdingkind

Wie oft hat mir meine Grossmutter, als ich ein Kind war, von ihrer Zeit als Verdingkind erzählt. Weil ihre Mutter am „Kindbettfieber“ starb, wurden alle vier Kinder weg gegeben. Meine Grossmutter verbrachte ihre Kindheit und Jugendzeit beim Bauern Künsch in Graswil. Sie klagte mir oft, dass ihre Füsse derart deformiert seien, weil sie erst an der Konfirmation ihre ersten Lederschuhe erhielt, deren Anschaffungskosten sie notabene abarbeiten musste. Diese Schuhe waren beide genau gleich. Es gab also keinen linken oder rechten Schuh. Ihre Füsse waren sich an Schuhe aber eh nicht gewöhnt, denn im Frühling, Sommer und Herbst lief sie barfuss, im Winter taten es „Holzböden“, auch Zoggeli genannt, welche an besonders kalten Tagen mit Heu zur Isolation ausgestopft wurden. Sie konnte ihre Konfirmation, das erste Fest, das zu ihren Ehren gefeiert wurde, nicht geniessen vor lauter Blasen an den Füssen. Die „gute Stube“ durfte sie nie betreten, selbst an Weihnachten nicht. Die Pflegemutter behandelte sie wie eine Magd. Schlafen durfte sie im „Stöckli“, zusammen mit der Mutter des Bauern. Diese war liebevoll und wurde zum Mutterersatz. Ihre Geschwister kannte meine Grossmutter nicht, obwohl sie mit ihrem Bruder Fritz in dieselbe Klasse ging. Der Lehrer verplapperte sich und gab so das Geheimnis preis. Erst als Erwachsene lernte sie noch ihre zwei Schwestern kennen und der Kontakt zu ihren Geschwistern und zur Frau des Bruders, riss Zeit ihres Lebens nie ab.

Die wahre Erfinderin der Onlineshops und des Bed and Breakfast

Sie heiratete 1921 Felix und gebar 4 Söhne. Einer starb leider als Einjähriger. Dies verkraftete sie nie und das Foto, wie er als lebloser Säugling in seinem Bettchen lag, mit Blumen umrankt, zeigte sie mir hie und da. Sie trug ihn in einem Medaillon am ❤ en. Der Sohn, welcher ihr als nächstes nach dem Walterli geboren wurde, bekam seinen Namen. Als Walter erwachsen war und sein Geschäft drohte in den Konkurs zu geraten, entschied er sich für den Freitod, was wiederum ein unendlich grosser Schock für meine Grossmutter war. Zwei Walter-Söhne hat sie verloren!

Mein Grossvater hat sich tief verschuldet, weil er sich genötigt fühlte, eine Bürgschaft zu übernehmen. Der Mann für den er bürgte – ich glaube, es war ein Cousin, ging pleite und mein Grossvater musste die Schulden tilgen. Die ganze Familie litt fortan darunter, solange ich denken kann. Auswirkungen des Familienzwists, welcher daraus resultierte, sind bis heute in unserer Familie spürbar. Eine Liegenschaft musste veräussert werden, die Familie musste schauen, wie sie sich über Wasser halten konnte. Ich bin so stolz auf meine erfinderische Grossmutter, denn sie fand so allerlei, womit sie zusätzlich zum Geld, welches ihr Mann von der Fabrik nach Hause brachte, etwas verdienen konnte. So ging sie putzen ins  Nachbarhaus, zu ihrer Tante. In ihrem Haus befindet sich immer noch ein Läubeli-Abstellkämmerchen. Sie füllte dieses mit Sicherungen, Lampenbirnen, Nähzeug, Seifen und vielem anderem, Nützlichen. Ein kleines Tante-Berti-Lädeli. So ging jeder Subinger schnell zum Berti, wenn eine Sicherung im Haus durchgebrannt war. Sie konnte immer aushelfen. Frauen stöberten in Magazinen über Damenenunterwäsche und bestellten bei ihr Unterhosen, Unterhemden Nylonstrumpfhosen, aber auch ganze Deux-Pieces für Frauen oder gar Herrenanzüge. Die Bestellungen wurden von ihren drei Söhnen ausgetragen. Sie hat sozusagen LeShop, Amazon und Co. erfunden, lange vor dem Onlinehandel. Die drei Söhne meiner Grossmutter betrieben einen Hauslieferdienst mit Bier. Und auch Mineralwasser und diverse Heftli, wie die „Schweizer Familie“ , das „Leben und Glauben“ oder die „Schweizer Illustrierte„, konnten über meine Grossmutter bezogen werden. Bei ihr lernte ich das Ginger Ale Mineralwasser und später das Rivella lieben. Zuhause gab es doch kein „Blötterliwasser“. Mein Vater hat oft erzählt, dass er nicht wirklich Freizeit hatte. Nur für die Jungschar, deren Leiter er wurde und hie und da eine Geigenstunde, da durfte er sich frei nehmen. Ausgang war ein Fremdwort. Es galt, Botendienste im ganzen Dorf zu erledigen, oder das Badehaus zu reinigen. Denn im Waschhaus neben dem Hühnerhaus, hatte meine Grossmutter, als einzige von Subingen, eine Badewanne! Wenn ein Kunde kam, musste mein Vater Wasser einlassen und den Raum und Badewanne nachher reinigen. Meine Mutter erzählte, dieses Haus sei vor 70 Jahren ein wahrer Treffpunkt des gesamten Dorfes gewesen.

Ihr Haus befand sich in Nachbarschaft des Bahnhofs. Und so kam es, dass bei ihr immer ein sogenannter „Zimmerherr“ oder „Bähnler“ logierte. Mal für kürzere, mal für längere Aufenthalte. Das heisst, sie führte ein Bed and Breakfast, lange bevor man dieses Wort kannte. Sie hatte, bis sie etwa 80 Jahre alt und ins Pflegeheim wechseln musst, einen Zimmerherrn. Einmal war der junge Willy Fischer bei ihr einquartiert und lernte die Schwester meiner Mutter kennen, welche damals bereits mit meinem Vater „liiert“ war. Willy und Miggy heirateten, bekamen drei Kinder und leben heute noch glücklich miteinander.

Wenn ein Kind im Dorf sich ein Knie aufgeschlagen hatte, ging es meistens lieber zum Tante Berti, wie alle Kinder sie nannten, als nach Hause, wo es womöglich Schelte erhielt. Mein Grossmuetti hatte den offiziellen Samariterposten des Dorfes, als solchen mit einem Schild am Gartenzaun vor dem Haus gekennzeichnet. 45 Jahre lang war sie treues Mitglied des Samaritervereins Subingen – und die Kinder liebten sie. Aber auch wenn ein Erwachsener sich den halben Finger abschnitt oder sich gröber verletzte, suchte er als erstes meine Grossmutter auf, denn einen Arzt gab es lange Zeit keinen in Subingen. Erst wenn meine Grossmutter fand, eine Wunde müsse genäht werden, schickte sie den Patienten in ein Nachbardorf, zum Beispiel Langendorf zu einem Arzt.

Die Medizin der Musik

Sie sang oft und gern. Alleine oder im Chor. Wenn ich das schreibe, habe ich noch ihre im Alter etwas zittrige, aber schöne Stimme im Ohr  und ich höre, wie sie „I Muetters Stübeli“ oder „Stägeli uf, Stägeli ab“ singt. Der Schalk sass ihr im Nacken, wenn sie sang: „jo du bruchsch mir nit z’trotze, ja suscht trotz i dir au. Sones Bürchteli wie du eis bisch, sones Meiteli bini au.“ Deshalb war es für mich ein besonders ergreifendes Erlebnis, als wir solche Lieder im letzten Chorprojekt Ennetbürgen sangen. Sie hätte mir mit Tränen der Rührung in den Augen zugehört, da bin ich mir sicher. Und ich höre sie sagen: „Jo, s’Regeli, die Liebe zum Singen, hast du von mir geerbt….“

Scan 1.jpegSie war regelmässig bei uns in den Ferien. Dann sass sie auf meinem Bett und hörte mir aufmerksam und mit Genuss und Begeisterung beim klassischen Gitarrespiel zu. Genauso hätte sie mir beim MundArt-Konzert des Chorprojekts zugehört.

Ein Glaube, der „verthebt“ wie bei den Hugenotten

Ihr Glaube war mir ein Vorbild. Ihren Lieblingspsalm, der ihr Konfirmandenspruch war, hat sie öfters rezitiert: Psalm 23,4: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Diesen Psalm habe ich vor zwei Jahren meinem Vater auf seinem Sterbebett vorgelesen…

Sie trug stets ein goldenes Kettchen mit einem Anhänger um den Hals. Einmal sagte sie zu mir: „Wenn du die Bedeutung des Anhängers kennst, dann schenke ich dir das Ketteli.“ Da ich gerade von einem Ferienlager der Jungen Kirche Schweiz mit dem Titel „Auf den Spuren der Hugenotten“, aus der Provence nach Hause kam, wusste ich die Antwort: es war ein Hugenottenkreuz. Dieses Kreuz hat eine besondere Symbolik durch das Leid, das damit verbunden ist. Die Hugenotten wurden verfolgt und viele von ihnen mussten fliehen.   Grossmutter hielt ihr Wort. Sorgsam legte sie mir das Goldkettchen mit Anhänger in meine Hände und sagte: „Halte es in Ehren. Denke immer an dein Grossmuetti.“ Und das tue ich bis heute.

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Grossmuetti war eine Frau, welche Emotionen zeigte. Wie herzhaft und ansteckend sie lachen konnte! Niemals aber lachte sie jemanden aus. Aber sie war auch oft traurig, ich glaube, manchmal litt sie unter Depressionen. Wenn ich sie als Kind fragte: „Grossmuetti, warum bist du traurig?“, dann erzählte sie mir eben von ihrem traurigen Leben als Verdingkind.

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Warum ich jetzt über meine Grossmutter schreibe? Ich bin immer noch am Sichten von Ordnern meines Vaters. Dabei kam dieser Nachruf zum Vorschein, den er für seine Mutter verfasste:

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Auf dass meine Grossmutter und ihr Sohn Eugen, mein Vater niemals vergessen gehen!

So ein lieber Kommentar via Facebook, wo ich meine Gmerkigs-Beiträge ebenfalls veröffentliche:

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Aktualisierung am 17. September 2018: heute las ich in der Zeitung über die deutschen Kinder, welche nach dem 2. Weltkrieg für Monate in die Schweiz zur Erholung reisen durften. Meine Grossmutter nahm auch ein Mädchen namens Lore auf. Zu ihr und ihrer Familie hielt sie bis zu ihrem Tod freundschaftlichen Kontakt.