Geschichtsträchtiges Haus sucht neuen Liebhaber

Der Titel mag sich anhören wie so ein Partnersuch-Inserat. Aber die 108-jährige „Dame“ hat einen neuen Liebhaber verdient. Jemand, der dieses alte Haus liebt, wie es alle seine Bewohner seit Generationen taten und alles gaben, um es zu unterhalten und behalten.

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Der Titel mag sich anhören wie so ein Partnersuch-Inserat. Aber die 108-jährige „Dame“ hat einen neuen Liebhaber verdient. Jemand, der dieses alte Haus liebt, wie es alle seine Bewohner seit Generationen taten und alles gaben, um es zu unterhalten und behalten. Wieviel hat es erlebt! Es wurde geboren und gestorben in diesem Haus. Gelacht, gesungen mit Handorgelbegleitung und geweint, ja auch gestritten.

Erbaut wurde es 1911 im schönen Solothurner-Stil und wurde zuerst von meiner Grosstante und meinem Grossonkel bewohnt.

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Als Grosstantes Mann Dominik 1918 starb, zog meine Grossmutter zu ihr ins Haus und verrichtete alle Hausarbeiten für sie. Sie war damals 16-jährig und lebte bis zu ihrem Einzug zur Tante, als Verdingkind bei der Bauernsfamilie Küng in Grosswil. Das war  ihr Glück, denn bei der Bauersfamilie Küng wurde sie leider wie eine Kindersklavin gehalten. Sie hat mir viel erzählt aus dieser Zeit.

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Item – meine Grossmutter lernte den lieben Felix kennen und als sie heirateten, übergab meine Grosstante das Haus dem glücklichen neuen Ehepaar.

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Die Tante blieb noch manches Jahr im Haus wohnen und half, die drei Buben von Felix und Bertha aufzuziehen. Viele Jahre zogen ins Land, das Haus erlebte den Todesfall des kleinen Kurt, der noch im Säuglingsalter starb, aber auch viele Familienfeste.

Aber es wurde auch zu einem kleinen Lädeli, das es im Läubeli beherbergte. In diesem Lädeli konnten die Subinger Strümpfe, Elektroartikel, Seife, Bier, Mineralwasser und vieles mehr erwerben. Wenn ein Hausierer vorbeizog, kauften Fankhausers ihm grad die ganze Ware ab und verkauften sie im Dorf weiter. Das heisst, nicht nur im kleinen Lädeli konnte man so manches erwerben, sondern die Kinder (mein Vater und meine Onkel) wurden auf Botengang im ganzen Dorf herum geschickt. Fast täglich mussten die Zeitschriftenhefte an die Abonnenten vertragen werden. Am Montag war das „Leben und Glauben“ dran, am Dienstag die „Schweizer Familie“ etc. Wenn jemand gern ein Bier ins Haus geliefert bekommen hätte, wurde ebenfalls ein Junge geschickt und wenn die Grossmutter wieder mal ein paar handgestrickte Strumpfhosen oder Socken fertig hatte, so mussten diese ebenfalls einer ihrer Buben ausliefern. Meine Grossmutter hütete nebenbei noch einen anderen Laden im Dorf, ging bei den Dorfleuten putzen und übernahm die Kleiderwäsche für so manche Haushaltung. Dazu beherbergte sie zeitlebens stets sogenannte „Zimmerherren“. Meist waren dies Mitarbeiter der SBB, denn der Bahnhof Subingen lag sehr nah an ihrem Haus. Diese jungen Männer bewohnten ein Zimmer im Haus und erhielten Vollpension. Zudem erledigte meine Grossmutter die Kleiderwäsche für sie.  Mein Grossvater war als Heizer in der Kammgarnfabrik angestellt. In der „Freizeit“, welche es so nicht gab, war er als „Stromer“ und Sanitärinstallateur auf Stör, ohne dies gelernt zu haben. Immer wenn jemand einen Handwerker im oder ums Haus herum benötigte, wurde „de Fankhuser“ gerufen. Und stets, wenn ein Kind ein Knie aufschlug und sich damit nicht nach Hause getraute, weil es dort nur Schelte erwartete, ging es lieber zum Berthi und liess sich verarzten. Denn meine Grossmutter hatte den Sanitätsposten des roten Kreuzes inne. Mein Vater erzählte mir, dass alle Dorfbewohner bei ihnen baden kamen, denn sie hatten lange Zeit als einzige eine Badewanne im Waschhaus. So mussten er und seine Brüder die Wanne für die Besucher herrichten, was Kübel für Kübel heisses Wasser schleppen bedeutete. Und nach dem Besuch galt es, die Wanne zu schrubben, damit sie bereit für den nächsten Besucher war. Auch das Telefon war eines der ersten im Dorf und so läutete einfach jeder den Fankhausers an, welche Nachrichten im Dorf weiter trugen oder auch mal jemanden ans Telefon heranrufen gingen.

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Diese vielen Einkünfte waren nicht einfach da, weil meine Grosseltern Freude daran gehabt hätten, viel zu verdienen. Nein, es war so, dass mein Grossvater und seine zwei Brüder eine Bürgschaft für einen Cousin übernahmen. Dieser ging leider Konkurs und die Bürgen mussten die Schulden übernehmen. Die Brüder meines Grossvaters beteiligten sich nicht an der Schuldentilgung. Mein Grossvater nahm alle Schuld auf sich und bezahlte bis an sein Lebensende Rappen für Rappen zurück.

Als die Tante und der Mann meiner Grossmutter starben, fühlte sie sich alleine im grossen Haus. Ihre Söhne waren ausgezogen und hatten ihre eigenen Familien. Im Haus war es zu still. Auf den Wunsch meiner Grossmutter hin, wurde im unteren Stock umgebaut und aus einem Einfamilien- wurde ein Zweifamilienhaus. Dies war ungefähr 1966 und die Familie Lönne zog ein, mit zwei kleinen Mädchen. Sie blieben fast ihr ganzes Leben lang im Haus wohnen, feierten Familienfeste mit und gehörten fast zur Familie dazu. Marianne Lönne kümmerte sich noch lange um das Wohl meiner Grossmutter.

Meine Grossmutter überschrieb das Haus ihren drei Söhnen. Als der eine von ihnen Konkurs machte und selber aus dem Leben schied, forderte das Konkursamt, dass die zwei verbliebenen Brüder seinen Teil des Hausanteils zurückkaufen würden. Sonst wäre ein familienexterner Dritter Hausteilbesitzer geworden. Dies, obwohl bisher noch kein Geld geflossen war, denn das Haus wurde ja von der Tante an die Grossmutter und von da an die Söhne einfach weitergegeben.

1988 musste der verbliebene Bruder meines Vaters, eine neue Druckmaschine kaufen. Er konnte seinen Hausanteil nicht mehr halten und bat meinen Vater, ihm seinen Teil abzukaufen. Meine Eltern standen damals vor Vertragsabschluss, um ein Haus in Emmen zu kaufen. Sie gaben diesen geplanten Kauf auf, zugunsten des Elternhauses meines Vaters. Mein Vater kaufte also den gesamten Teil seines Bruders auf, mitsamt Wäschehaus. Doch dieses Wäschehaus schenkte er seinem Bruder zurück. Einfach, weil er so gutgläubig war und dieser Bruder sich mitsamt seiner Familie eh schon in besagtem Wäschehaus eingerichtet hatte. Das heisst, er hat es ohne Absprache mit meinem Vater umgebaut in ein Wochenendhaus. Mein Vater fand, dann solle er es halt haben. Viele Jahrzehnte später verkaufte es meine Tante nach dem Tod meines Onkels für 300’000.– ….

Das Haus erlebte manchen Um- und Anbau. Für Lönnes entstand aus dem ungeheizten Wintergarten eine grosse Stube und ein neues Schlafzimmer. Dafür konnte im ersten Stock eine Terrasse gebaut werden. Im Keller bauten meine damals noch zwei Onkel und Herr Lönne sogar einen kleinen Kinosaal! Mein Vater war gegen dieses Projekt, aber er wurde überstimmt. Ich erinnere mich an ganz viel Streit und dass mein Vater oft gesundheitliche Probleme hatte, wegen all dem Umbauärger, das dieses Haus mit sich brachte. Das heisst, vor allem deshalb, weil er immer zu kurz kam, über- und leider oft hintergangen wurde. Mein Vater baute eine Doppelgarage und so entstand im oberen Stock eine wunderbar schön grosse Stube. Das kleine Stübli im oberen Stock erhielt eine Aufwertung durch den Einbau einer Dachlukarne.

Unser Zuhause war in Emmenbrücke in einer Hochhauswohnung. Jahrelang reisten meine Eltern per Zug Wochenende für Wochenende nach Subingen, um dort umzubauen, zu räumen, der Grossmutter mit Haus und Garten zu helfen. Meist begleitete ich sie. Stets mit einem Buch unter dem Arm. Doch lesen durfte man nur im Versteckten. Es galt zu arbeiten, zu „schaffen“. Lesen war etwas für Faule oder wenn man für die Schule lernen sollte. In meiner Erinnerung rieche ich das Feuer, das stets brannte, wenn wir in Subingen waren. Denn alles, was man nicht mehr brauchen konnte – bestimmt so manch schönes Möbel, wurde verbrannt.

Als meine Grossmutter ins Altersheim zog, war das Haus in Subingen drei Jahre lang Zweitwohnung und Ferienhaus für unsere Familie. Am 15. November 1991 zogen meine Eltern von Emmenbrücke ins Elternhaus meines Vaters um. Mein Vater liess sich frühpensionieren. Für ihn war es ein Heimkommen. Meine Mutter tat sich schwer mit diesem Schritt, fühlte sie sich doch nach 40 Jahren in Emmenbrücke mittlerweile dort mehr zuhause als in ihrem ehemaligen Heimatort. Denn auch sie wuchs ja in Subingen auf, allerdings im unteren Dorfteil. Ihr eigenes Haus, in dem sie aufwuchs, wurde mittlerweile dem Erdboden gleich gemacht, ohne dass sie das so wollte. Auch sie wurde übergangen…. Dort, wo sie früher auf ihre einzige Kuh aufpasste, steht nun der Coop mit Wohnüberbauung. Wo das Geld für dieses Land blieb, ist ihr ein Rätsel. Sie hatte also nicht so gute Erinnerungen an Subingen, zumal die Eltern meines Vaters (Fabrikler) damals gegen die Heirat waren mit einem Mädchen aus dem unteren Dorfteil (Bauern). Als junges Ehepaar flüchteten meine Eltern geradezu aus Subingen und mein Vater fand eine Lebensanstellung im Flugzeugwerk Emmen. Und nun sollte sie zurückkehren? Sie tat es, lebt mittlerweile seit fast 30 Jahren wieder dort und fühlt sich wiederum in Subingen mehr zuhause, als in Emmenbrücke, wo alte Bekannte mehr und mehr „weg sterben“. Seit dem Tod meines Vaters 2015 lebt meine Mutter alleine im grossen Haus. Mit ihren nun bald 90 Jahren ist es ihr nun leider einfach alles zuviel. Zuviel an Treppen, zuviel an Arbeit – um und im Haus. Wir unterstützen sie, so gut es geht, aber sie hat nun selber gefunden, dass es Zeit für einen Auszug aus dem Haus ist. Sie tat sich sehr schwer damit. Und wir ebenfalls. Wenn ich mir vor Augen führe, wiesehr die Familie meines Vaters für das Haus gekämpft hat, wird mir ganz weh. Ich weiss, dass mein Vater dagegen wäre, das Haus aus der Hand der Familie zu geben. Wir haben alle Möglichkeiten über Jahre hinweg hin- und her diskutiert und überlegt. Keiner meiner Geschwister will und kann das Haus kaufen und die anderen ausbezahlen. Auch keinem unserer Kinder ist dies möglich. Die Pensionskasse würde uns finanziell helfen – aber nur dann, wenn wir selber im Haus wohnen würden. Leider aber befindet es sich geografisch nicht ideal, damit Andy die paar kurzen Jahre zu seiner Pensionierung von dort aus nach Hergiswil arbeiten gehen könnte. Und in seinem Alter in Solothurn eine neue Stelle zu finden, wäre sehr schwierig. So bleibt uns trotz schwerem Herzen nur der Verkauf dieses geschichtsträchtigen Hauses. Und wir hoffen, wie eingangs beschrieben, einen Käufer zu finden, der dieses Haus lieben wird.

Die Verkaufsdokumentation befindet sich hier: https://api.casaone.ch/faehrhof/orig/_slash_prince_slash_dossier_5710e4b0-16a3-11ea-9cb0-a4bf01195aaa_cf138c0e29e2724c808b0362f07ed627.pdf?dname=Dokumentation.pdf

Oder auf der Webseite des Immobilienhändlers. Im Suchfeld (Lupe) Subingen eingeben.

Bitte Anfragen nicht über mich, sondern über Herrn Bachmann laufen lassen – danke:

Fährhof AG Immobilien
Schänzlistrasse 14
4500 Solothurn

Mobile +41 78 604 67 03
Telefon +41 32 623 05 50

e.bachmann@faehrhof.ch
http://www.fährhof.ch

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