Winterliches Freiburg im Breisgau (D), 17. – 19. März 2018

Auf meinen 54. Geburi im Okt. 17 schenkte mir mein Mann Andy einen Wellnessgutschein und den lösten wir vergangenes Wochenende ein. Weil Nidwalden am 19. 3. mit dem Seppitag einen arbeitsfreien Montag hatte, wurde es ein verlängertes Wochenende.
Nach erstaunlich kurzem 2-stündigen Anfahrtsweg, erreichten wir bereits unser Ziel, Freiburg im Breisgau. Wir waren schon öfters hier, aber immer nur als kurze Zwischenhalt-Stopps auf der Durchreise. Dieses Mal wollten wir die Stadt ausführlicher erkundigen.
Meine Bewertung zum Friedrich Boutique-Apartment-Hotel, in dem wir logierten:
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Pilgrim5
Beckenried, Schweiz

🙂 Die Lage der Appartements ist super, denn innert weniger Minuten erreicht man die tolle Altstadt. Trotz der zentralen Lage, ist es relativ ruhig. Man hört zwar den Verkehr immer noch ein bisschen, aber nicht wirklich störend.
Zur Begrüssung gabs eine kleine Flasche Wein, Wasser und auch Kaffeetabs und Abwaschmaschinentabs standen kostenlos bereit. Wir schätzten dies sehr. 
Die Betten waren bequem, die Einrichtung modern und mit hübschen Fotos versehen.
Frühstück war nicht inbegriffen im Preis. Aber im selben Haus, verbunden durch einen direkten Zugang innerhalb des Hauses, befindet sich eine Bäckerei. Das Preis-Leistungsverhältnis des Frühstückangebotes dort ist toll. Man könnte das Frühstück sogar ins Appartement liefern lassen. 

WhatsApp Image 2018-03-18 at 13.38.52Trotz all dem, was ich unter dem 😦 schreibe, empfehlen wir diesen Aufenthaltsort gerne weiter. Ich empfehle für ältere Personen oder Gehbehinderte, zu bitten, dass sie ein Bett bekommen, das einen beidseitigen Zugang zur Liegefläche hat. Ich selber musste über die Bettseite meines Mannes krabbeln, was für mich kein Problem darstellte. Ich fragte mich nur, ob das für alle Menschen so problemlos machbar ist. Ein anderer Nachteil besteht aber dadurch, dass das Bett direkt am Fenster ist: das Licht lässt sich nur auf der anderen Seite bedienen.
Warum heisst dies eigentlich Apart-Hotel? Nicht dass mich das stören würde – aber es hat mit Hotel nichts zu tun. Es sind einfach Ferienwohnungen. Es gibt eine Art Réception, also ein kleiner Tisch mit Hocker, die zeitweise besetzt ist und wenn nicht, könnte man telefonische Auskunft verlangen. (Wir hatten kein Ausland-Abo gekauft für unsere Handys.) Zuhause fühlte sich die Tochter etwas gestresst, weil noch vor 20 Uhr dreimal auf die Festnetznummer zuhause angerufen wurde. Die Frage war lediglich, ob wir wohl das Appartment-Hotel finden würden. Also – wir hätten uns schon gemeldet, wenn wir es nicht gefunden hätten. Wir hatten ja bis 21 Uhr Zeit zum Einchecken und waren kurz nach 20 Uhr bereits dort. Wir vermuteten, dass die Mitarbeiterin einfach einmal Feierabend machen wollte. 
😦 :
Der Druck in der Dusche war nicht ziemlich gross.
Die Bett- und Frottéewäsche ist bereits etwas ausgebleicht.
Ein zweiter bequemer Fernsehsessel wäre nett gewesen. Wir waren ja zu Zweit in der Wohnung, aber nur ein Sessel, nebst den Stühlen war vorhanden.
Schade, dass es vor dem Haus nicht ein paar reservierte Parkplätze für die Gäste hat. Wir hatten beide Male Glück, einen der letzten Aussen-Parkplätze in der Nähe des Hauses zu erwischen. Klar gibt es noch eine Tiefgarage in der Nähe – was allerdings dann nicht so günstig zu haben ist.


Freiburg i.B. bietet eine wunderschöne Altstadt, viele preiswerte und aussergewöhnliche Restaurants und ein breites kulturelles Angebot. So waren wir einmal marokkanisch , bzw. ägyptisch essen und haben an einer Stadtführung mitgemacht. Trotz der Kälte haben wir den zweistündigen Rundgang sehr genossen.

Die Bächle ziehen sich 15.5 km durch die Stadt und haben diese vor manch grossem Brand bewahrt.

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Die Konviktstrasse wäre wahrscheinlich im Sommer mit dem Flieder, den wir auf Fotos sahen, noch malerischer. Aber wir waren auch vom winterlichen Look begeistert.

Was mich verwirrt hat, waren das gleichzeitige Kreuz und Hahn auf dem Münster. Mir wurde gelehrt, dass auf dem Dach einer katholischen Kirche ein Kreuz und auf demjenigen einer reformierten Kirche, ein Hahn wäre. Ich wurde eines besseren belehrt. In Süddeutschland gilt diese Regel, welche in der Schweiz üblich ist, nicht. Das Münster ist selbstverständlich katholisch, obwohl sich auf dem Dach beide Symbole befinden.

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Links und rechts auf den Münsterportalen sind die früheren Mass-Einheiten für alle damaligen Marktbesucher gut sicht- und überprüfbar eingemeisselt. Links unten sieht man ein Brot und später bekam man für dieselbe Geldmenge ein viel kleineres – rechts davon sichtbar.

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Beeindruckt hat mich nebst dem Krokodil 😀 ………

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…. die auffällig grosse Anzahl Studierenden. Man könne in Freiburg i.B. jede mögliche Studienrichtung studieren, erklärte mir unsere Stadtrundgang-Führerin. Ich sehe zwar grad, dass unsere Tochter ihr Ergotherapie-Studium dort nicht absolvieren könnte.

Wir nahmen einen Augenschein über die rauchenden Köpfe in der Uni-Bibliothek, welche mir von der Architektur vor allem in der Aussenansicht imponierte.

Zu unserem Freiburg im Breisgau-Aufenthalt gehörte auch das Wellnessen im Keidel Bad. Grundsätzlich gefiel es uns gut in diesem grossen Thermalbad – nur hatte es ein bisschen zuviel Besucher. Gegen Abend wurde es dann ruhiger. Die Badezeit ist nicht beschränkt, was einerseits angenehm ist, andererseits gäbe es einen grösseren Wechsel bei einer beschränkten Aufenthaltsdauer.

Auf der Heimfahrt legten wir einen Einkaufs-Stopp in Lörrach ein. Gerne würde ich Freiburg im Breisgau mal im Sommer erleben, wenn die Studenten sich vermehrt draussen aufhalten. Unsere Stadt-Führerin hat erzählt, auf dem Platz der Toleranz würden sich im Sommer hunderte junge Leute auf dem Boden friedlich unterhalten, musizieren, etwas trinken. Es sei eine super Atmosphäre, wären da nicht die dauernden Lärmklagen der Anwohner. Eine Leuchtsäule sollte die Feiernden zur Ruhe mahnen, wenn die Dezibel zu hoch würden. Bisher wirkt sie eher kontraproduktiv. Doch ich hoffe, dass die Anwohner sich tolerant zeigen und auch wir mal diese Stimmung erleben dürften. 😉

 

P.S. Kein gesponserter Beitrag, keine bezahlte Werbung. 😉

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YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken

„Tun was er sagt…. das bedeutet für mich in diesem neuen Jahr unter anderem, dass ich mir konkrete Gebetszeiten einrichten möchte. Ich hatte den Eindruck von einer bestimmten Uhrzeit. Diese Zeit mit Gott, welche ich mir vorgenommen habe, im 2018 fest einzurichten, werde ich von meinen Facebook- und Twitter-Aktivitätszeiten wegstreichen. Denn an einem Abend hörten wir von Pete Greig (Leiter und Gründer von einer Gebetsbewegung, welche 24 Std. und 7 Tage die Woche beten), dass wir alles wegräumen sollen, was uns abhalten und ablenken will vom Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen. Mir war klar, dass die Zeiten, welche ich mit Social Media verbringe, zu viel Platz in meinem Leben einnehmen. Ich sage nicht, dass ich kein Facebook, Twitter, Instagram mehr nutzen möchte – aber nicht mehr zwei oder mehr Stunden am Tag, sondern die Hälfte davon. Es ist nicht so, dass Gott uns zwingt, etwas weg zu geben oder los zu lassen. Sondern er fragt uns, ob wir bereit sind, ihm etwas zurück zu geben, was uns nicht gut tut, damit er uns mit etwas beschenken könnte, was tausendmal wertvoller ist. Ich bete im Grunde genommen überhaupt nicht gerne. Aber ich sah während dieser Explo-Zeit ein, dass Gebet der Schlüssel zur Kommunikation mit Gott ist. Und Kommunikation gehört nun mal zu einer freundschaftlichen Beziehung. Also möchte ich dieses „Land“ ganz neu entdecken für mich.“ Continue reading „YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken“

Weltfrauentag – Internationaler Frauentag

Am 8. März stehen die Frauen im Mittelpunkt. Denn dann wird der Weltfrauentag gefeiert. Man nennt ihn auch internationalen Frauentag, Tag der Frau, der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau oder International Women’s Day. An diesem Tag soll der Fokus der Weltöffentlichkeit auf spezielle Probleme gelenkt werden, welche im Zusammenhang mit Frauen von globaler Bedeutung sind. Es geht also anders als am Muttertag, weniger darum, den Frauen Geschenke zu überreichen oder sie zu einem guten Essen einzuladen. Nein, das Ziel des Tages ist, auf Missstände aufmerksam zu machen. Kinderheirat oder weibliche Genitalverstümmelung, gleiche Löhne für gleiche Arbeit, sind Beispiele dafür. Es finden Demonstrationen statt und Frauengruppen halten Vorträge.

Lange Tradition
Der Weltfrauentag kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Es war die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, welche am 27. August 1910 in Kopenhagen an der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz, die Einführung eines weltweiten Frauentages vorschlug. Inspiriert wurde sie von den USA. Dort hatten Frauen zwei Jahre zuvor ein Nationales Frauenkomitee gegründet. Dieses beschloss, einen landesweiten Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Der Weltfrauentag wurde dann bereits im drauffolgenden Jahr am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, Ungarn und auch in der Schweiz gefeiert. Clara Zetkin meinte 1911 zu ihrem Erfolg: „Dieser Internationale Frauentag ist die wuchtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht gewesen, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann.“ Seit 1921 findet dieser Frauentag jährlich am 8. März statt. In einigen Ländern ist er ein gesetzlicher Feiertag.

Tag der Dankbarkeit und dennoch noch nicht überflüssig
An diesem besonderen Tag besteht Grund zur Dankbarkeit, gegenüber denjenigen Frauen, welche sich für die politische Mündigkeit der Frauen und für Gleichberechtigung in allen Belangen eingesetzt haben. Denn viele Ziele wurden erreicht. Doch andere globale Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen, sind leider auch heute noch ein Grund, zum Kampf für Gerechtigkeit, bessere Arbeitsbedingungen und gegen häusliche Gewalt aufzurufen. In Entwicklungsländern werden Mädchen zum Beispiel durch kulturelle Normen an einer Ausbildung gehindert. Unter Armut und Krankheit, leiden weltweit vor allem Mädchen und Frauen. Ein weiteres Schlüsselthema ist die Familienplanung, denn in manchen Ländern werden Mädchen, welche bei uns noch die obligatorische Schule besuchen, bereits Mütter. Die UN-Menschenrechtekonvention besagt: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ An der Umsetzung dieses Grundsatzes, muss noch viel gearbeitet werden. Die luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding meint: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“

Regula Aeppli-Fankhauser

P.S. Drei super Beiträge darüber, habe ich grad hier und hier und hier gelesen.


Dieser Artikel aus meiner Feder, erschien am 8.3.17 im Nidwaldner BlitzBildschirmfoto 2017-03-01 um 21.50.18.png

Was bedeutet es, eine Frau zu sein?

„Wann ist der Mann ein Mann?“, fragte sich Herbert Grönemeyer in einem bekannten Lied. Er kam zum Schluss: „Außen hart und innen ganz weich.“ Aber wann ist eine Frau eine Frau?

Weil die Menschen immer älter werden, leben heute drei Generationen Frauen gleichzeitig in der Schweiz. Diese haben unterschiedliche Frauen-Rollenbilder in der Erziehung und Gesellschaft erfahren.

Frauenbilder im Wandel

Einer 90-jährige Urgrossmutter wurde als Kind vermittelt, dass sie, im Gegensatz zu ihren Brüdern, im Hintergrund fleissig wirken solle. Buben mussten nicht im Haushalt helfen. Die „drei K’s“ waren die Welt einer Frau. Diese bedeuteten Kinder, Küche, Kirche. Sie hatte keine Wahl, als bald zu heiraten, Mutter zu werden, die Kinder gut zu erziehen, die Hausarbeit zur Zufriedenheit ihres Mannes zu erledigen und ein gottesfürchtiges Leben zu führen. Seither gab es mit jeder Generationenfolge in der Gesellschaft einen grossen Wandel. Das eidgenössische Frauenstimmrecht wurde 1971 eingeführt. Frauen arbeiten gegenwärtig wie selbstverständlich, nebst dem Muttersein, in ihren gelernten Berufen. Rufe nach Gleichberechtigung in allen Belangen werden immer lauter. Die moderne junge Frau lebt durchorganisiert, gibt sich stets gepflegt, ist beruflich kompetent und sozial vernetzt. Stimmungsschwankungen zu haben, aufgrund des weiblichen Zyklus, ist verpönt. Frauen haben heute verinnerlicht, dass es in Wirklichkeit keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gäbe, sondern dass diese nur anerzogen worden seien. Sie haben gelernt, dafür zu sorgen, dass sie kriegen, was ihnen zusteht und immer stark zu sein. Der Berufswettbewerb wird härter, die Frau will mit ihrem Fachwissen ernst genommen werden. Im Gegensatz zum ältesten Frauenjahrgang, muss sich die jüngste Frauengeneration auf eine Art „neu definieren“ im Sinn von: herausfinden, was Weiblichkeit ist und wie sie heute ausgelebt werden kann. Es kann ja nicht sein, dass die Lösung für sie bedeutet, zum „besseren Mann“ zu werden, ihre männliche Seite herauskehrend und auf den Tisch klopfend, mit Gewalt zu ihren Zielen zu kommen. Hinter einem männlichen Schönheitsideal hinterher zu rennen, um Anerkennung zu bekommen, kann ebenfalls nicht der Weg sein.

Gelebte Frauensolidarität


Leider besteht die Gefahr, dass kennzeichnende feminine Eigenschaften wie Feinfühligkeit, Fürsorglichkeit, ganzheitliches, vernetztes Denken und geduldiges Zuhören, im harten Berufsalltag der Frau und in einer gleichwertigen Partnerschaft, auf der Strecke bleiben. Wie wäre es, sich selber als Frau, mit allen weiblichen Eigenschaften, dem hormonellen Zyklus und unseren körperlichen Makeln, neu anzunehmen und sich selber mit Respekt zu begegnen? Kommen wir weg, vom ständigen Vergleichen mit anderen. Glauben wir nicht den Medien, welche uns sagen wollen, was eine „richtige Frau“ ausmachen soll. Komplimente verteilen, statt negativ taxierenden Blicken und herablassenden Kommentaren, wäre das Ausleben einer typisch positiven, weiblichen Eigenschaft: der Fähigkeit, zu ermutigen und fördern. Gönnen wir den anderen Frauen ihren beruflichen und privaten Erfolg. Geniessen wir das Leben vermehrt, mit all unseren weiblichen Sinnen, statt es einander schwer zu machen.

Regula Aeppli-Fankhauser


Der Artikel erschien am 7. März 2018 in der „Frauenbeilage“ des Nidwaldner Blitz

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Kindererziehung im Wandel der Zeit – Teil 1

Gehorsam und Pflichterfüllung gegenüber Erwachsenen und Disziplin – dies waren drei typische „Tugenden“, welche Kindern über Jahrzehnte eingetrichtert und nicht selten eingeprügelt wurden. In der Schule und im Elternhaus war es für ein Kind tabu, zu widersprechen.

„Tatzen-Geben“ (mit dem Lineal auf die Finger schlagen) war als Bestrafung ungehorsamer Kinder legitim. Mit Lederriemen, Teppichklopfern, dünnen Rohrstecken wurden kindliche Gesässe traktiert, um sie fühlen zu lassen, dass die Erwachsenen sagen, wie sie sich zu verhalten haben. Ohrfeigen, „Kopfnüsse“, das Ziehen an den Haaren oder Ohren und das Knien-Lassen des Kindes auf einem spitzen, dreikantigen Holzscheit, waren ebenfalls beliebte Disziplinarmassnahmen. Pfarrer, Lehrer und Eltern beriefen sich nicht selten auf den Bibelvers von Sprüche 13,24: »Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.« Dabei waren sich die Erziehungsberechtigten nicht bewusst, dass das hebräische Wort „Rod“ für Rute auch mit „Korrektur“ übersetzt werden kann. Nach heutigen Bibelauslegern legitimiert dieser Vers nicht das Schlagen von Kindern, sondern es geht um das Erziehen im Allgemeinen. Einem Kind soll nach biblischem Erziehungsverständnis nicht alles erlaubt werden, sondern es soll Grenzen spüren, ähnlich wie sie der Autofahrer in Form von Leitplanken auf Autobahnen erlebt.

Körperstrafen im Strafrecht

Die Generationen bis 1960 kannten einzig den strengen Erziehungsstil der vorangegangenen Jahrzehnte. Gehorchen, ohne kindliche Wünsche zu äussern, das war das Übliche, was für ein Kind galt. Erst ab den 1960er Jahren setzte eine Trendwende in der Gesellschaft ein. Seither gilt es als barbarisches Relikt früherer Zeiten, Kinder körperlich zu bestrafen. Allerdings sind bis heute in den meisten Ländern der Welt Ohrfeigen oder Schläge auf den Allerwertesten als Erziehungsmittel legal, solange sie „massvoll“ und „angemessen“ sind. Anders als in der Schweiz, sind in Deutschland, Schweden, Island, Finnland, Dänemark, Norwegen, Italien, Österreich, Zypern, Kroatien, Neuseeland, Costa Rica, Venezuela und Italien die gesetzlichen Regelungen strikt und verbieten körperliche Züchtigungen. Das schweizerische Strafgesetzbuch sagt, Körperstrafen seien gesetzlich erlaubt“ im Sinne von Artikel 14, „solange sie als Befugnis der elterlichen Sorge gelten“. Einzig wiederholte körperliche Bestrafungen, die „das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass“ überschreiten, werden als Tätlichkeit von Amtes wegen verfolgt.

 Autoritärer und antiautoritärer Erziehungsstil

Als die Gesellschaft sich von der autoritären, politischen Führung, zur Demokratie bewegte, wurden Zweifel an strengen Erziehungsmethoden laut. Die sogenannte 68er Bewegung setzte einen Gegentrend: die antiautoritäre Erziehung. Sie proklamierten, dass jede Erziehung Gewalt sei. Dem Kind sollte ein eigener Freiraum zugestanden werden und sie sollten zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, ohne ihnen Grenzen zu setzen.

Fortsetzung im Teil 2

War es früher klar, dass es Aufgabe der Erziehungsberechtigten war, Kinder zu disziplinieren, so ist es heute komplizierter, einen eigenen Weg zu finden, Kinder zu angenehmen Zeitgenossen heran zu ziehen. Viele Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Mit dieser Problematik wird sich die Fortsetzung des Themas in einem 2. Teil beschäftigen.

Regula Aeppli-Fankhauser


Dieser Artikel aus meiner Feder, erschien im Nidwaldner Blitz (in der Kinderbeilage) vom 1. März 2018

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Die alte Dame und der verlorene Fünfliber – eine Kindergeschichte

Eine Bettmümpfeligeschichte

Oh nein! Schon wieder begegnet Marion auf dem Kindergartenweg dieser seltsamen alten Frau. Sie ist schwarz angezogen, läuft gebückt an einem Stock und murmelt dauernd leise was vor sich hin. Gerade schimpft sie mit Kindern und fuchtelt mit ihrem Stock! Marion fürchtet sich vor ihr. Sie duckt sich in einen Hauseingang, bis die Frau humpelnd und murmelnd vorübergezogen ist.
»Mami, kennst du die alte schwarzgekleidete Frau? Ist das eine Hexe?«, will Marion am Mittagstisch wissen. »Aber nein«, antwortet die Mutter. »Diese Frau war früher Besitzerin eines Schmuckgeschäftes und ist eine sehr feine Dame. Ihr Mann ist kürzlich verstorben und nun fühlt sie sich wahrscheinlich einsam und spricht deswegen mit sich selber. Angst vor ihr brauchst du bestimmt nicht zu haben – eher ein bisschen Mitleid.« Am nächsten Morgen schneit es auf dem Weg zum Kindergarten ganz fest. Marion möchte so gerne eine der grossen, weissen Schneeflocken mit den Händen auffangen. Aber das geht nicht, denn in ihrer rechten Hand, welche in dicken Handschuhen steckt, hält sie ein Fünfliberstück fest umklammert. Das Geld muss sie im Kindergarten abgeben für die bevorstehende Kindergartenreise. Sie wollen zusammen eine Schlittenfahrt unternehmen. Das Geld hätte sie eigentlich in das Kindergartentäschchen packen sollen. Doch das war nicht zu finden, also trägt sie das Geld einfach so in ihrer Hand. Nun streckt sie die Zunge heraus und versucht so, eine Schneeflocke in den Mund zu bekommen.

Das Geld ist weg!
Aber was ist denn das? Noch ehe Marion versteht, was geschieht, liegt sie kopfvoran im tiefen Schnee neben dem Weg. Pascal und Severin, zwei Buben aus ihrer Kindergartenklasse, haben sie von hinten derart heftig geschubst, dass sie in den Schnee gefallen ist! Die Jungen johlen und werfen ein paar Schneebälle in ihre Richtung. Dann verziehen sie sich schleunigst. Denn von Weitem sehen sie die schrullige alte Frau! Marion steht langsam auf. Ihr Gesicht ist nass und fühlt sich sehr kalt an. Sie wischt sich mit den Händen den Schnee von der Kleidung und schluchzt leise. Aber wo ist denn der Fünfliber geblieben? Durch den Sturz hat sie ihn verloren und nun kann sie ihn nicht sehen im tiefen Schnee. »Hast du was verloren, Kind?«, hört sie plötzlich die alte Frau sagen. Ihre Stimme tönt angenehm beruhigend. Marion schaut auf und blickt ins Gesicht der Frau, von der sie sich doch fürchtet. »J– ja-a«, stammelt sie. »Mein Geld für die Kindergartenreise.« Die alte Frau stellt ihre Handtasche auf den Boden und stochert nun mit ihrem Stock im Schnee herum. »Hm – hast du es wirklich hier verloren? Es scheint aber nicht da zu sein?«, murmelt sie fragend. Marion schiessen erneut die Tränen in die Augen. Wenn sie die fünf Franken nicht im Kindergarten abgibt, kann sie nicht mitgehen zur Schlittenfahrt! Und was soll sie zuhause erzählen? Dass sie das Geld nicht in das Kindergartentäschchen gesteckt hat? Wie ein Häufchen Elend hockt sie sich nun in den Schnee. Zu allem Kummer wird sie nun auch noch zu spät in den Kindergarten kommen!

Unerwartete Hilfe
»Na, na«, brummt die alte Dame. »So schlimm ist kein Problem, dass man derart fest weinen und verzweifeln muss.« »Komm, ich gebe dir einen Fünfliber von mir. Wenn du mich das nächste Mal siehst, gibst du ihn mir einfach zurück. Einverstanden?« Was bleibt Marion anderes übrig, als zu nicken? Sie wird im Kindergarten das Geld abgeben können, aber zu Hause alles ihrer Mami erzählen müssen. Ihr bangt jetzt schon vor dem Donnerwetter. Seufzend steht Marion auf. Die alte Frau will ihr Portemonnaie aus der Tasche zücken und hebt sie deshalb vom Boden hoch. Doch was glänzt da an der Sonne, welche nun hinter den Wolken hervorblinzelt im von der Tasche plattgedrückten Schnee? Richtig! Der Fünfliber! Die Frau hatte, ohne es zu merken, ihre Tasche auf das Geldstück gestellt. Erleichtert lachen sie nun beide. Die alte Frau, die nicht mehr so „gfürchig“ wirkt, hilft Marion den Fünfliber in die Jackentasche zu versorgen. »So kannst du ihn nicht mehr verlieren, und wenn du schnell rennst, so bist du auch noch pünktlich!« Wie der Blitz rennt Marion in den Kindergarten. Froh gibt sie das Geld bei ihrer Kindergärtnerin ab.

Regula Aeppli-Fankhauser


Diese Geschichte von mir erschien in der Anthologie „An der Sonne“, Vidal Verlag  und im Nidwaldner Blitz vom 1. März 2018/Kinderbeilage

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Zügeln

Vor 3 Jahren zogen wir um – innerhalb des Dorfes. Damals schrieb ich:
„Alles Vorteile? Nein, ich werde unsere grosse Terasse vermissen, unsere lieben Nachbarn im Haus, meine Nachbarin vis-à-vis, das heimelige Holz der Wohnung, den riesengrossen Estrich, den Schlupf, das eine Zimmer, welche wir jetzt mehr haben, das grosse Badezimmer (wir werden nur noch ein einziges, sehr kleines haben), die gemütlichen Dachschrägen, den originellen Grundriss, den breiten Gang, die grosse Essküche, unsere älteste Tochter, welche bei dieser Gelegenheit auszieht…. Und die Wohnung wird uns rund Fr. 500.–/ Mt. mehr kosten als anhin. Minouch wird vor allem die ersten 14 Tage, wenn er bloss mit der Katzenleine nach draussen gehen darf, wie damals nach seiner OP sehr leiden, das weiss ich jetzt schon. Und wir mit ihm. 😦 Ich hoffe nur, er werde uns am neuen Ort nicht davonlaufen….“

Jetzt, drei Jahre später, ist das für mich selber interessant zu lesen. Ja, die ehemaligen Nachbarn vermisse ich, aber ich habe andere gewonnen. Unsere Vermieter sind zu Freunden geworden, welche uns auch während der Chemozeiten von Andy unterstützten. Der Küchenbalkon liegt derart zur Wohnstrasse hin, dass er wie diese früheren amerikanischen Veranden ist: Leute bummeln an uns vorbei, Kinder spielen auf der Strasse, man grüsst sich und plaudert spontan miteinander. Ich bin viel naher an den „Leuten“ und im Dorfzentrum als früher und das schätze ich enorm.

Den Estrich vermisse ich interessanterweise nicht. Früher wanderte alles, was wir uns nicht zu entsorgen wagten, dort hinauf und ging nicht selten vergessen. Mit weniger Inventar ist es mir leichter zumute. Ich vermisse seit dem Zügeln und der Entrümpelung nur etwas, was noch irgendwo sein sollte: eine Taschenuhr meines Grossvaters. Die habe ich doch sicher nicht weg gegeben. Aber vielleicht unabsichtlich „entsorgt“? :-O

Ja, der Wohnungsgrundriss war aussergewöhnlich originell und die Wohnfläche grosszügig. Wir wohnen jetzt auf kleinerem Raum und konventioneller. Dafür ist die Wohnung im Gegensatz zur alten, sehr hell. Und das wiegt alle Nachteile zur früheren Wohnung auf. Meine Tageslichtlampe muss ich hier am neuen Wohnort kaum mehr in Betrieb nehmen.

Wir essen in der Stube, nicht wie vorher in der Wohnküche. Und das ist vor allem, wenn wir Gäste haben ein Vorteil: man hat die Unordnung vom Kochen her, während des Essens nicht vor der Nase. Der Nachteil ist, dass man während des Kaffee-Zubereitens allein in der Küche steht oder auch dann, wenn noch eine Kleinigkeit fertig zubereitet werden muss. Währenddem sich die Gäste rein von den Platzverhältnissen her, in der Stube unterhalten. Viele Gespräche entgehen mir dadurch.

Meine älteste Tochter vermisse ich – ja. Aber sie wäre auch ohne unser Zügeln bald zu ihrem Freund gezogen….

Die Fr. 500.– welche wir mehr an Miete bezahlen für unsere jetzige Wohnung, spüren wir. Ich gebe meinen Lohn, den ich als Freie Journalistin für den Nidwaldner Blitz verdiene, sozusagen grad ab, für diese Mehrkosten. Doch mein Lohn ist nicht fix, sondern auftragsabhängig. So ist unsere Haushaltkasse manchmal strapaziert.

Minouch hat sich damals sehr schnell eingelebt am neuen Wohnort. Er ist nie an den alten Ort zurückgelaufen. Verwunderlich wäre das nicht gewesen, denn die Wohnorte liegen bloss 20 Gehminuten voneinander entfernt. Hier am neuen Ort schafft er es, die Katzentreppe problemlos zu benutzen und kann so frei rein- oder rausgehen, wie es ihm beliebt. Am alten Wohnort schaffte er es bloss, die Katzentreppe hinab zu laufen. Hoch kam er nie auf diesem Weg, sondern wartete immer, bis ihm jemand den Zugang ins Treppenhaus gewährte. Wir vermuteten, dass ihm die Treppe dort zu lang war und am Schluss verschwand sie unter einem Giebel. Vielleicht war ihm das doch zu dunkel. Er lebt hier draussen ungefährlicher als am früheren Wohnort, denn die Strasse vor dem Haus ist eine Wohnstrasse, auf der Kinder liegen und mit Kreide auf den Boden malen. Es gibt ein paar Zäune zu überkletten, das Land ist nicht so offen, wie am anderen Wohnort. Aber er schafft es problemlos, diese zu überspringen. 😉 Mit den anderen Katzen in der Gegend versteht er sich gut. Er ist der King des Quartiers. 😀 Es gibt ein paar Leute in der Nachbarschaft, welche Katzen nicht so mögen – aber ein grosses Problem ist es nicht. Als ich das im Vorfeld hörte, hatte ich Bauchschmerzen deswegen.

Alles in allem ist es rundum gut, dass wir hier nun seit drei Jahren wohnen dürfen.

Gmerkigs

Mit zügeln meinen wir Schweizer nicht das, was der deutsche Duden assoziert:

Duden | Suchen | zügeln

 

bezähmen Worttrennung: be|zäh|men Beispiel: sich bezähmen zügeln, beherrschen, in Schranken halten, im Zaum halten, bändigen (veraltet) zahm machen …

Nein, wenn wir Schweizer sagen, dass wir zügeln, meinen wir, dass wir umziehen. Und das tun wir. Leider. Viel lieber würden wir hier wohnen bleiben. Wir genossen unser Zuhause im Dreifamilienhaus mit Garten, riesengrosser Terasse (siehe mein Titelbild), die superschöne Nachbarschaft im Haus und dem Quartier und vor allem dem Seeblick seitdem wir 10 Tage vor der Geburt unseres 14jährigen hierher zogen.

Seit mind. 5 Jahren erzählte unser Vermieter immer wieder, dass er sein Elternhaus abreissen und hier einen Minergiebau erstellen möchte. Er wiederholte seine Ambitionen in regelmässigen Abständen – und dann tat sich doch nie was, so dass wir seine Worte nicht mehr wirklich ernst nahmen, d.h. wir gingen davon aus…

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