Wüstenerkenntnisse in der Coronazeit

In dieser Coronazeit werden mein Mann und ich sonntäglich vom Livestream-Gottesdienst des GVC Winterthur inspiriert. Die aktuelle Serie „Wanted“, spricht mich besonders an. Der Gedanke, dass uns dieses Coronavirus in eine Art Wüste geführt hat, fasziniert mich. In der Wüste sind wir ohne Ablenkung und mit uns selbst, Gott und den Versuchungen des Teufels allein. Unsere Stärken und Schwächen kommen in Wüstenzeiten unseres Lebens vermehrt zum Vorschein und zum Tragen.

Hosea 2, 16+17 trafen mich ins Herzen:

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Gott ist es, der uns in die Wüste führen kann. An diesen unbequemen Ort, der uns einen Spiegel der Selbsterkenntnis vorhält. Nicht, weil er uns quälen will, sondern aus Liebe. Wie schön: „…in aller Liebe mit ihr reden“. Wenn die lauten Geräusche des Alltags verklingen, sind wir empfänglicher für Gottes liebevolle Worte. Er liebt uns, seitdem wir im Mutterleib waren und niemals wurde seine Liebe weniger. Wenn ich dann eine Schwachheit an mir entdecke, welche mich nervt oder deprimiert, brauche ich nicht zu verzweifeln, denn das Unglückstal soll ein Tor der Hoffnung werden. Das ist richtig schön philosophisch formuliert, findet ihr nicht auch? 😉

Vielleicht interessiert euch, welche Selbsterkenntnis ich in der Wüste hatte? 😉 Was Gott in Liebe zu mir sprach? Es war mein Umgang mit Ungerechtigkeiten. Ich stellte mit Schrecken fest, wiesehr ich mich in etwas verbeissen kann, wenn ich feststelle: das ist völlig unfair, unsolidarisch, unsozial – da werden Regeln verletzt.

Konkret geht es darum, dass der Bundesrat öffentliche Sporttrainings verboten hat. Kanu-, Tennisclub, Turnvereine und andere halten sich daran. Müssen sie. Mein Mann verzichtet auf sein Tennistraining. Ich selber aufs wöchentliche Hallenbadschwimmen, Pilatestraining und Line Dance. Und jetzt beobachtete ich seit dem Lockdown doch tatsächlich, wie vor meinen Augen auf dem Sportplatz fast täglich ein Leichtathletiktraining stattfand. In einer grösseren Gruppe als zugelassen und um den Abstand scherten sich die Athleten samt Trainer einen Deut. Ich schaffte es, über Wochen hinweg, relativ gelassen zu bleiben. Eines Tages wurde meine Toleranz aber überstrapaziert, als es der Trainer mit der Anzahl Athletinnen übertrieb und ich kontaktierte trotz meiner Vorsätze, ruhig und gelassen zu bleiben und nicht zu einer „Bespitzlerin“ zu werden, die Polizei. Enttäuscht war ich, als die Polizei den Lügen der Leichtathleten und des Trainers mehr glaubten, als mir. Sie würden die Abstandsregeln einhalten, seien ja nie mehr als 5 und der Trainer sei nur ein Zuschauer. Wie ungerecht gegenüber allen, die sich an die Regeln halten! Ich ärgerte mich sehr und gleichzeitig wunderte ich mich über meinen Eifer. Warum konnte ich nicht einfach das Ganze loslassen? Unsere Welt ist nun mal ungerecht und es gibt schlimmere Regelverstösse. Zudem wird ja nicht mir persönlich weh getan damit. Im Grunde meines Herzens, mochte ich den jungen Leuten ihre sportliche Aktivität gönnen. Wie gern hätte ich es gehabt, wenn ich mich darüber einfach nur hätte freuen können. Aber ihre Trainings waren ungerecht allen anderen Sportlern gegenüber, welche sich diese Freiheit nicht nahmen und verstiessen gegen die bundesrätlichen Vorschriften. Mich zerriss das Beobachten der Ungerechtigkeit einerseits und mein andererseits starkes Harmoniebedürfnis fast.

Ich suchte das Gespräch mit Gott und fragte ihn. Und siehe da… Ich hörte seine Worte in Form eines Blogbeitrags, der mir ein Aha-Erlebnis bescherte. Der Grund meines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns liegt wohl in meiner Hochsensibilität. Das Wissen, dass nichts falsch ist daran, entlastete mich enorm. Ich bin so geschaffen von Gott und es ist gut so. Ich muss nicht dagegen ankämpfen und mein Wesen verleugnen oder unterdrücken. Nun gilt es, einen guten Umgang damit zu finden. Inga hat diese Tipps im verlinkten Blog näher ausgeführt und ich beschreibe sie nun mit eigenen Worten:

  • sich selber treu sein und die Empfindungen wahr nehmen, nicht verleugnen, ignorieren, unterdrücken
  • meinen Anteil sehen – und hier dachte ich an meine eigene Predigt über den Umgang mit Ärger/Wut zurück 😉
  • mitfühlend mir und anderen gegenüber sein
  • Verzeihen und vergeben und auch hier dachte ich natürlich an meine eigene Predigt 😉

Das wirklich „Neue“ für mich waren daher nicht diese Tipps, sondern das Hören, dass es ok ist, wie ich bin. Mein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit und das gleichzeitige Streben nach Harmonie, wurden von Gott in mich hinein gelegt und er möchte mich genau damit zum Segen für andere setzen. Tröstlich war für mich schon immer in diesem Zusammenhang der Bibelvers:

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Gott – vor dem ich gerecht bin 😉 wird meinen Hunger nach Gerechtigkeit eines Tages ganz sättigen.

Wird die Welt nach Corona besser?

Neid, Egoismus, Materialismus, das Streben nach immer mehr und immer höher, habe jetzt ein Ende durch diese Coronazeit, so verheissen es mir mehrere Whats-App-Videos, die mich erreichten. Sie sagen, der Mensch habe es, Corona-sei-Dank, gelernt, aufeinander acht zu geben, Reichtum nicht mehr über alles zu stellen und mal auf etwas zu verzichten. Sie sagen, die Welt werde nach Corona definitiv nicht mehr dieselbe, sondern eine bessere sein.

Ich beobachte selber ebenfalls wunderschöne Aktionen der Nächstenliebe. Nur bin ich skeptisch, ob eine Veränderung zum Guten durch eine Krise nachhaltig ist. Lassen wir uns hier nicht durch eine Wunschvorstellung zu romantischen Gefühlen hinreissen? Wer mich kennt, der weiss, dass ich ein sehr optimistisch-fröhlicher Mensch bin. Dennoch bin ich gleichzeitig eine Realistin.

Werden wir wirklich weiterhin an unseren älteren Nachbarn denken, wenn unser Leben seinen gewohnten Lauf nehmen wird? Haben wir noch Zeit, uns um Bedürftige zu kümmern, wenn Arbeit, Sporttraining, Konzerte unsere Agenda füllen erneut füllen werden? Werde ich nicht wieder mir selbst der Nächste sein, wenn die Zeiten sich nach Corona normalisieren? Der Mensch hat niemals gern verzichtet. Corona zwingt uns dazu. Dabei entdecken wir Solidarität mit Risikogruppen. Aber nach Corona wird jeder die neugewonnene Freiheit umso mehr geniessen. Dazu gehört der vielmals grenzenlose Konsum, die Ausbeutung der Natur, das Streben nach noch mehr und Höherem. Der Schwache bleibt dabei auf der Strecke. Wenn der Zwang zum Verzicht wegfällt, werden viele Menschen in alte Gewohnheitsmuster und fest verankerte Denkschemen zurückfallen.

Was verändert den Menschen zum Guten? Ist es eine Krise, Krankheit, ein Schicksalsschlag oder vielleicht Liebe, welche ich selber in einer schweren Zeit erfahren durfte?

Die Bibel spricht von einer nötigen Sinnesänderung, einer Umkehr. Wenn wir von einer Route umkehren, benötigt dies zuerst die Einsicht, dass ich bisher falsch fuhr und mich dieser Weg nicht zum Ziel bringen wird.

»Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« (Markus 1,15)

»Ändert euch! Werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes«, sagt Paulus in Römer 12,2. Diese „Verwandlung“ meint einen Prozess der Veränderung. Und die Bibel sagt, dies geschehe, indem wir Jesus anschauen, ihn als Vorbild nehmen, die Verbundenheit/Freundschaft mit ihm suchen. „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht, die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild.“
2. Korinther 3,18 Denn worauf mein Fokus liegt, auf das steuere ich zu und was ich anschaue, das prägt mich, das färbt auf mich ab.

Damit nachhaltig Egoismus, Missgunst, das Streben nach Materiellem etc. in mir verändert werden kann, ist es nötig, meine Gedanken und Gefühle immer wieder auf das Gute und auf Gottes Richtlinien auszurichten. „ Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!“ (Sprüche 4, 23).

Eine Krise kann helfen, meine Werte zum Guten umzupolen, aber der Mensch ist im Grunde seines Wesens stets in Gefahr, dass er meint, seine innere Kompassnadel zeige auf das Gute und dabei entspricht dies nicht der Wahrheit, sondern Hass und anderes, Unschönes, haben wieder überhand genommen. Ich bin zeitweise „betriebsblind“, was mich selber betrifft. Tiefe Veränderung ist ein lebenslanger Prozess und dabei hilft mir der Heilige Geist, aber auch Menschen, denen ich erlaube, mich zu spiegeln.

Ich habe auf Livenet hilfreiche Gedanken von Rick Warren zu diesem Thema gefunden. (Lesenswert – klickmich)

 

 

Ich habe keinen Plan, dafür Sorgen

Bastelvorschläge, Livestreams rund um die Uhr, Klatschen um 12 Uhr für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen, um 18 Uhr für den Bundesrat, Videobotschaften, Sportvorschläge für zuhause, Musik auf Balkonen, Haarschneidetipps, Endzeitbotschaften, Witze, Medienveranstaltungen des BAG und Bundesrats – und dazwischen sollte ich haushalten und Home Office machen. Ich bin eine Frau, welche einer Sache auf den Grund gehen und breit informiert sein möchte. Nicht so einfach in dieser Zeit. Ich ertappe mich viel zu oft darin, unter #Coronavirus nach neusten Zahlen und Erkenntnissen zu suchen.

Ich beobachte meine Mitmenschen und mich selber und stelle fest, dass sich in Krisensituationen klarer herauskristallisiert, welcher Menschentyp man ist:

  • Leugner, Ignoranten
  • Verschwörungsfanatiker
  • Endzeitpropheten
  • Optimisten/Pessimisten
  • Phobiker
  • Schaffer, d.h. solche, die sich in die Arbeit stürzen und ablenken, indem sie Frühlingsputz machen, den Garten umgraben… etc.
  • Sinnsuchende
  • Ermutiger
  • Helfer
  • Solche, die wie gelähmt gar nichts mehr zustande bringen
  • Menschen, die nicht mit sich allein sein können

Ich persönlich entdecke mich je nach Stimmungslage und Tagesverfassung selber mal hier und dort… Mir gefällt ganz vieles, das uns dieser Tage begegnet – aber nicht alles. Nichts anfangen kann ich mit Endzeit-, Erweckungs- und jenen Botschaften, welche sagen, diese Seuche sei bereits in der Bibel vorausgesagt. Und es ist mir zuwider, dass man zwingend einen Sinn hinter diesem Virus sehen will. Da gibts solche, die sagen, die Natur schlage jetzt zurück. Es ist schön, dass sich die Natur erholt, aber ich will nicht, dass sie meine Liebsten sterben lässt. Und dass sich Menschen auf die Nächstenliebe besinnen, ist ja schön und gut. Nur – sobald das mit Corona vorbei ist, wird uns der Senior in der Nachbarschaft wieder egal sein. So ist der Mensch leider. Egoistisch, unbelehrbar und zu stark mit sich selber beschäftigt. Ich glaube nicht, dass die Menschheit per se sich aufgrund eines Virus bessern würde. Sie hätte dies nach der Sinflut, nach der Pest, Lepra, nach der spanischen und russischen Grippe längst beweisen können.

Wer jetzt sagt, es sei eine spezielle Zeit, dem halte ich entgegen: nur für unsere Generation. Meine Mutter feierte kürzlich ihren 90. Geburtstag und ich habe mir die Mühe gemacht, zusammen zu tragen, was sie alles erlebt hat in diesen 90 Jahren. Historisches, Persönliches, Schönes und Tragisches. Ein paar Beispiele von weniger Schönem, aus dem der Mensch lernen und sich Gott in grossem Masse hätte zuwenden können: Spanischer Bürgerkrieg, 2. Weltkrieg, Vietnamkrieg, asiatische Grippe (weltweit 1-2 Mill. Tote) Sechstagekrieg, Typhus in der Schweiz, Hongkongrippe (weltweit mehrere Mill. Tote), russische Grippe (weltweit 700’00 Tote), Aids, Tschernobyl, 9/11, Sars, Tsunami (weltweit 230’000 Tote und Mill. obdachlos), Schweinegrippe (weltweit 18’449 Tote)

Der Prediger sagt in Sprüche 1: 9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen,  was getan wurde, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. 10 Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues -aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.

Nicht alles Schwere macht Sinn, so verzweifelt der Mensch auch einen Sinn und eine Antwort auf das „Warum“ oder „Wozu“ suchen möchte. Ein Kind, das stirbt, ein Familienvater, der einen tödlichen Unfall hat, eine Mutter, welche einem Gewaltverbrechen erliegt, die Krebserkrankung meines Liebsten damals. Es ist menschlich, Schicksalsschlägen einen Sinn versuchen zu geben. Gerne verweise ich auf meine Predigt „Fake News, die wir glauben. Gott wird mich von allem Übel bewahren.“  Es kann sein, dass ich einen Sinn entdecke, im Schweren, das mir geschieht. Nicht auf alles aber erhalten wir eine Antwort. Und doch darf ich wissen und spüren: da ist Einer, der in meinen Lebensstürmen mitten dabei ist. Der hält und trägt und der es stets gut mit mir meint. Ich verstehe nicht immer, was mir geschieht, denn Gott bleibt Gott und er braucht sich uns Menschen nicht zu erklären oder rechtfertigen. Ja: manchmal haben wir die Chance, etwas zu lernen, uns verändern oder stärken zu lassen. Aber es gibt Ereignisse, die lassen einen ein Leben lang ratlos zurück und es bleibt nur, dennoch an Gott fest zu halten und das Leid immer wieder ihm hin zu legen. Er stärkt und schenkt Ruhe und Frieden, mitten im Trubel.

Die Coranakrise fordert jeden einzelnen wahrscheinlich in einem anderen Punkt heraus. Bei mir sind es drei wunde Punkte:

  1. ….lasse ich mich zu stark von Negativschlagzeilen bestimmen. Ich möchte lernen, nicht ständig auf den Newsfeed zu starren, sondern meine Aufmerksamkeit dem Guten und Schönen zuzuwenden.

    Philipper 4,8 Und nun, liebe Freunde, lasst mich zum Schluss noch etwas sagen: Konzentriert euch auf das, was wahr und anständig und gerecht ist. Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen.

  2. ….sorge ich mich zu oft und zu stark. Ich habe Angst vor Verlusten. Auch wenn meine Mutter 90 ist, so möchte ich sie nicht durch diesen doofen Virus verlieren. Auch keinen anderen lieben Mitmenschen aus meiner Familie, meinem Freundeskreis und ich selber möchte auch noch viele Tage auf dieser Erde erleben. (Bin Asthmatikerin) Mein Mutterherz ist traurig, weil mein Sohn vielleicht keine Diplomfeier der Lehrabschlussprüfung erleben kann und weil er den Einstieg zur Berufsmaturität vielleicht nicht schaffen wird. Ob meine Mutter, die ihr Haus verkauft hat, in die Alterssiedlung umziehen kann, weiss Gott allein. Denn dort gibts Coronafälle. Die Käuferschaft möchte aber doch einziehen ins Haus. Ich möchte lernen:

    1. Petrus 5,7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

  3. ….plane ich gern und erlebe momentan, dass meine Pläne durcheinander gewirbelt werden. Können wir im Juni unsere Pilgertour in Deutschland durchführen? Und den Indian Summer im Herbst in Kanada und den USA? Wann finden die Lehrabschlussprüfung/Studienabschluss/Abschlussfeiern unserer Tochter und unseres Sohnes statt? Die Bibel sagt, es ist richtig und klug, Pläne zu machen und spricht zum Beispiel in positivem Sinn von einem Bauherrn, der Kosten überschlägt. Nur warnt sie gleichzeitig davor zu meinen, unsere Pläne, Wünsche und Vorstellungen seien das Mass aller Dinge. Wie schnell ist ein Menschenleben vorbei, wie schnell können unsere Pläne durchkreuzt werden. Wir werden es nie schaffen, die volle Kontrolle über unser Leben und demjenigen unserer Liebsten zu haben, sondern sind immer auf Gottes Gelingen und Segen angewiesen. Ich möchte mehr lernen, meine Pläne Gott hinzulegen, sie mit ihm zu besprechen und sie ihm anzuvertrauen. Er weiss, was für mich das Beste ist.

    Jakobus 4,13 Nun zu euch, die mit großen Worten ankündigen: »Heute oder morgen wollen wir in diese oder jene Stadt reisen. Wir wollen dort ein Jahr bleiben, gute Geschäfte machen und viel Geld verdienen.« 14 Ihr wisst ja noch nicht einmal, was morgen sein wird! Was ist denn schon euer Leben? Nichts als ein flüchtiger Hauch, der – kaum ist er da – auch schon wieder verschwindet. 15 Darum sollt ihr lieber sagen: »Wenn der Herr will, werden wir dann noch leben und wollen dieses oder jenes tun.« 16 Ihr aber seid stolz auf eure Pläne und gebt damit an. Eine solche Überheblichkeit ist verwerflich. 

Es war nicht so geplant, aber das wurde ja eine richtige Predigt. 😀 Zum Schluss dies: seien wir geduldig und liebevoll mit uns selber und unseren Mitmenschen, nicht nur in dieser Zeit, aber gerade jetzt. Und denken wir daran: nicht alle leiden aktuell unter Langeweile, sondern da sind einige, die jetzt Überstunden schuften (im Gesundheitswesen, Regionale Arbeitsvermittlung, Arbeitslosenkasse, BAG, Bundesrat, kantonale Behörden, Sozialämter, Budgetberatungen….)

Fake News, die wir glauben: Gott wird mich von allem Übel bewahren

Die Frage «Warum lässt Gott das zu?» – beschäftigt die Menschen seit jeher. Ich persönlich dachte lange Zeit, dass es klar ist, dass Nichtchristen viel Unglück erleiden. Aber Christen? Ich ging davon aus, dass wir seine Lieblinge seien und deshalb lasse er es doch nicht zu, dass einem seiner Kinder etwas geschehe.

Heisst es nicht im Psalm 91:

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Frage: habt ihr euch noch nie an einem Stein gestossen? Ja, was ist denn nun mit der Verheissung, dass wir uns an keinem Stein stossen werden? Und was ist, wenn ein Christ eine tödliche Diagnose erhält? Zweifeln wir dann sofort an, ob er Gott von ganzem Herzen liebt und ihm vertraut? Eine schwierige Frage… Natürlich erzählen wir Menschen, welche Jesus noch nicht kennen, lieber sowas wie der Psalm 91 beschreibt, nämlich dass Gott uns bewahre und schütze vor allem Unheil. Es ist wenig populär, wenn wir ihnen von unseren Sorgen, Ängsten, tiefen Zweifeln und nicht geheilten Krankheitsgeschichten zu berichten. Darüber lässt sich nicht sosehr schwärmen, wie darüber, dass ein Leben als Christ Freude, Frieden, Erfüllung bringt und wir uns stets geborgen und beschützt vor allem Unglück wissen dürfen.  Wir «predigen» lieber uns selber und unseren Mitmenschen, dass Gott bewahrt und geheilt hat. Dass wir solches erleben, ist ja wirklich toll und ich freue mich über jede solche God Story. Nur könnte man daraus schliessen, dass unser allmächtiger Leibwächter uns stets davor bewahren würde, eine schlimme Krankheit zu bekommen, schlaflose Nächte zu erleben, unsere Arbeitsstelle zu verlieren, liebe Mitmenschen durch tragische Todesfälle zu verlieren oder peinliche Missgeschicke zu erleben und dadurch blöd dazustehen.

Ich lege eine Auslegung von Jens Kaldewey zu diesem Psalm auf, die ihr gerne ausleihen dürft. Das Pdf hier zum runterladen (klickmich). Auch er kommt zum Schluss, dass wir Christen ebenfalls tödliche Krankheiten und anderes Unglück erfahren können, dass es ganz einfach den Tatsachen entspricht. Er beschreibt die Bedrohungen so: «Die Pest, die im Finstern umherschleicht. Wen trifft sie als Nächstes? Wer „muss dran glauben“? Es sind die Gefahren, die vor der Tür lauern, die wir ahnen, auch wenn sie sich nicht deutlich zeigen und wir wissen nicht, wann es uns trifft. Es kann die Erkältungsgefahr sein, die Krebsgefahr, die Gefahr des Ausbruchs von Krankheiten, die schon immer in meiner Familie herumgeschlichen sind, aber auch der kontinuierliche Stellenabbau in der Firma, der „Raubtierkapitalismus“, der Terrorismus, der ja auch in unseren Breitengraden immer näher an uns herantritt, die immer noch steigenden Anforderungen meines Arbeitgebers. Oder anders formuliert: Die Bedrohung im Hintergrund.»

Auch die Geschichten in der Bibel erzählen davon, wie gottesfürchtige Menschen Schlimmes erleben. Erinnert ihr euch an die Geschichte von Josef? Ihm wurde wirklich massiv Böses angetan wurde vonseiten seiner Brüder. Josef, Hiob, Paulus und noch andere Menschen, von denen uns die Bibel erzählt, ja auch Jesus, sind Beispiele davon, dass Menschen, welche mit Gott in ihrem Lebensmittelpunkt leben, nicht vor allem Schweren bewahrt werden. Denkt nur daran, dass Paulus lange Gott gebeten hat, den «Pfahl», wie er ihn nennt, aus seinem Körper zu nehmen. Oder wie er Schiffbruch, Gefangennahme und anderes erlebt hat.

Im Ganzen gesehen, erzählt die Bibel nicht davon, dass wir Christen es im Leben einfacher haben würden, als diejenigen Menschen, welche ihm nicht nachfolgen. Ein Leben als Christ bedeutet nicht, dass ich es stets bequem habe.

Wir dürfen nicht vergessen, dass eine mögliche Ursache von Leid, der freie Wille ist.

Gott hat uns nicht als Marionetten, sondern als Menschen mit einem freien Willen geschaffen. Er steht uns normalerweise nicht im Weg, wenn wir diesen freien Willen einsetzen. Es mag Ausnahmen geben, aber meist lässt Gott uns tun und lassen, was wir wollen. Und so können uns und anderen schmerzhafte Konsequenzen aus falschen Handlungen entstehen. Er verhindert nicht, dass ich mich ins Unglück stürze, wenn ich das so entscheide. Es gibt Ausnahmen – und das sind dann eben Wunder! Er lässt es zu, dass ich zu stark aufs Gaspedal drücke und deswegen eine Busse kassiere. Nicht, weil Gott ein böser Gott wäre, sondern weil er mir den freien Willen lässt – mit allen Konsequenzen. So verhindert er auch nicht immer schlechte Noten, wenn ich nicht gelernt habe. Oder er nimmt mir mein Kopfweh vielleicht nicht weg, das ich nach zu grossen Alkoholgenuss verspüre. Wenn er das Kopfweh wegnimmt, was durchaus auch geschehen mag – dann ist es reine Gnade. Aber im Grunde genommen ist es ganz einfach die Konsequenz meines Verhaltens. Ich habe geerntet, was ich gesät habe, wie es die Bibel auch sagt. Nun habe nicht nur ich diesen freien Willen, sondern andere Mitmenschen auch. Schmerzen und andere Übel, können also unter anderem daher rühren, dass ich oder meine Mitmenschen den freien Willen auf ungesunde Weise gebrauchen.

Nicht alles Schmerzliche, das wir erleben, ist auf den freien Willen des Menschen zurück zu führen. Es gibt viele Unglücke, auch im Leben von Christen, deren Ursachen nicht zu erklären sind. Auch nicht damit, dass der betreffende Mensch gesündigt habe, nicht eine gute Beziehung zu Gott pflege oder unter einem Fluch stehe.

Wir sollten einfach manchmal nur zugeben, dass wir auch nicht weiterwissen. Es ist schön, wenn wir für andere beten, dass ihnen aus einer schwierigen Lebensphase herausgeholfen wird. Aber wir erwarten dann meist nach dem Amen ein sofortiges Eingreifen Gottes. Und wenn das ausbleibt? Ich denke, was uns Christen oft mangelt, ist Geduld und ein freundschaftliches Begleiten in Notzeiten. 

Wenn ich dem Fake glaube, dass Gott mich vor allem Übel bewahrt, weil er doch die pure Liebe und allmächtig ist, laufen wir Gefahr, zu verbittern Gott gegenüber. Ich habe im Sommer grad von vier christlichen US Musikern gelesen, welche sagen, dass sie ihren Glauben aufgegeben haben. Einer von ihnen, Marty Sampson, gab unter anderem als Begründung an: «Nur wenige Wunder passierten, und niemand spreche darüber. Die Bibel sei voller Widersprüche und niemand spreche darüber.» Ja, wenn wir glauben, dass es normal ist, dass Wunder geschehen, wie wir es in einem Lied singen, aber selber keine Wunder erleben, dann kann man schon an Gott verzweifeln. Die Bibel bietet solche Widersprüche, wie dieser Psalm 91 einerseits und unser ganz persönliches Erleben andererseits. Wenn man dann solche Spannungen, die sowas auslösen, nicht aussprechen darf, weil man vielleicht grad als «ungläubig» gilt, kann das mit der Zeit derart nagen an uns, dass man sich dem Glauben abwendet. Wenn wir dauernd gelehrt bekommen, dass Gott doch stets bewahre und dann etwas schief läuft in unserem Leben, sind wir in Gefahr, den gesamten Glauben hin zu schmeissen.

Ich habe auf das alles keine definitive, allumfassende Antwort. Ich weiss nur ganz tief innen mehrere Wahrheiten:

– dass Gott es immer gut mit uns meint.

– Und ich weiss auch, dass Gott uns einerseits vor Leid bewahren und es andererseits zulassen kann. Ohne dass wir immer verstehen, warum. Er bleibt Gott und wir sind in unserem Denken und Verstehen nicht immer fähig, alles einordnen zu können. Dabei dürfen wir Punkt 1 nicht vergessen: Gott meint es immer gut mit uns.

– Manchmal aber haben wir die Chance, etwas aus dem Leiden zu lernen. Kinder wissen das am besten. Sie fallen beim Velofahren-Lernen hie und da hin, holen sich ein aufgeschundenes Knie, geben aber nicht auf und lernen es immer besser. Manchmal holen wir uns in den Schwierigkeiten unseres Lebens aufgeschürfte Knie und weinen hie und da zutiefst. Aber Gott hilft uns immer wieder auf und ermutigt uns, nicht aufzugeben.

– Und Gott hat uns an mehreren Orten in der Bibel Versprechungen gegeben, im Schweren, das uns im Leben begegnet, bei zu stehen und es zum Besten dienen zu lassen!

Rö 8,28 Daran dürfen wir uns festhalten, auch wenn es rundum stürmt.

– Es gibt einen Spruch: Verwende die Steine, die dir das Leben in den Weg legt, dafür, dein Fundament zu stärken. Deshalb habe ich für jeden von euch einen Stein bereit, den ich als Erinnerung daran mitnehmen könnt.

– Der Teufel möchte uns an diesem Punkt unser Liebesverhältnis zu Gott zerstören. Mach es wie Hiob: halte an Gott fest, auch wenn es hart ist und du Gott nicht verstehst. Er ist und bleibt ein liebender Gott. Mir hilft in schwierigen Situationen das, was ich mal gehört habe: «Alles, was dir passiert, musste zuerst an Gott vorbei.»

– Etwas anderes, sehr Tröstliches: aller Mist, sämtliche Schmerzen und selbst der Tod, vermögen nicht, uns zu scheiden von der Liebe Gottes. Römer 8,35 und folgende. Ich mag zwar unter körperlichen Beschwerden leiden, aber der Glaube an Gott verleidet mir trotz Leiden nicht. Die Verbindung zu Gott hilft uns, indem er uns davor bewahrt, bitter zu werden.

– Er kann uns geistliche, seelische und körperliche Kraft geben, die Not zu ertragen.

– Und wir haben einen Gott, der gerade dann bei uns ist, wenn es am Dunkelsten ist. Es heisst im Hebräer 4,14, dass Jesus mit uns mitleidet. Leid zu erleben heisst nicht, von Gott im Stich gelassen zu sein. Leid ist nicht die Abwesenheit von Gott. Ja, Leid ist vielleicht die Abwesenheit von Schönheit, die Abwesenheit von Lebensfreude, die Abwesenheit von Glück und Zufriedenheit und Gesundheit. Aber Leid ist nicht die Abwesenheit von unserem Gott. Er ist so nahe bei uns, wie es kein Mensch sein kann. Evtl. von meinen Depressionen erzählen und meiner Frage an Gott, wo er denn sei….Gott vermag es, mitten in der Not zu trösten.

– Und natürlich vermag er auch, Umstände zum Guten zu verändern.

– Oder er kann mir einen kreativen Ausweg aus einer schwierigen Situation zeigen und mir den Mut dazu geben.

– – Schwierigkeiten, ja selbst schwere Unglücke müssen nicht deine gesamte Zukunft bestimmen. Sie sind letztlich Durchgangsstationen auf unserem Lebensweg, nicht die Endstation.

– Aber manchmal heisst seine Hilfe auch, dass er einen Menschen zu sich in seine Welt holt, um ihn so völlig zu erretten.

Zusammenfassung 

Es ist FAKE, eine Lüge, dass einem ernsthaften Nachfolger Jesu kein Unglück geschehen dürfe, oder dass, falls dies doch geschieht, Sünde oder Unglauben vorliegen würde.

Die Wahrheit ist, dass das Leben nun mal schwierig sein kann und nicht immer ein Zuckerschlecken und rosarot ist. Und ja: dies trifft sogar auf uns Christen zu. Der Glaube macht es leichter, Probleme anzugehen, Lasten zu tragen, aber Gott befreit uns nicht von allen Problemen. Er stellt uns aber Kraftquelle zur Verfügung: In der Beziehung zu ihm, welche wir zum Bsp. Im Gebet, Lobpreis und Bibel lesen pflegen können – und auch in der Gemeinschaft miteinander liegt unsere Stärke.

Ich schliesse mit 1. Petrus 5, 10: «Der Gott aber, der euch seine Gnade auf jede erdenkliche Weise erfahren lässt und der euch durch Jesus Christus dazu berufen hat, an seiner ewigen Herrlichkeit teilzuhaben, auch wenn ihr jetzt für eine kurze Zeit leiden müsst – dieser Gott wird euch mit allem versehen, was ihr nötig habt: er wird euch im Glauben stärken, euch Kraft verleihen und eure Füsse auf festen Boden stellen».


Diese Predigt hielt ich am 17. November 19 in der Vineyard Luzern

 

YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken

„Tun was er sagt…. das bedeutet für mich in diesem neuen Jahr unter anderem, dass ich mir konkrete Gebetszeiten einrichten möchte. Ich hatte den Eindruck von einer bestimmten Uhrzeit. Diese Zeit mit Gott, welche ich mir vorgenommen habe, im 2018 fest einzurichten, werde ich von meinen Facebook- und Twitter-Aktivitätszeiten wegstreichen. Denn an einem Abend hörten wir von Pete Greig (Leiter und Gründer von einer Gebetsbewegung, welche 24 Std. und 7 Tage die Woche beten), dass wir alles wegräumen sollen, was uns abhalten und ablenken will vom Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen. Mir war klar, dass die Zeiten, welche ich mit Social Media verbringe, zu viel Platz in meinem Leben einnehmen. Ich sage nicht, dass ich kein Facebook, Twitter, Instagram mehr nutzen möchte – aber nicht mehr zwei oder mehr Stunden am Tag, sondern die Hälfte davon. Es ist nicht so, dass Gott uns zwingt, etwas weg zu geben oder los zu lassen. Sondern er fragt uns, ob wir bereit sind, ihm etwas zurück zu geben, was uns nicht gut tut, damit er uns mit etwas beschenken könnte, was tausendmal wertvoller ist. Ich bete im Grunde genommen überhaupt nicht gerne. Aber ich sah während dieser Explo-Zeit ein, dass Gebet der Schlüssel zur Kommunikation mit Gott ist. Und Kommunikation gehört nun mal zu einer freundschaftlichen Beziehung. Also möchte ich dieses „Land“ ganz neu entdecken für mich.“ „YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken“ weiterlesen

Eines Tages sterben wir – aber an allen anderen Tagen nicht.

Kurz vor Weihnachten erhielt mein Mann die Diagnose CLL. Altersleukämie. Nach dem ersten Schock erholten wir uns, denn wenn man googelt, ist der 1. Treffer Köbi Kuhn, welcher Entwarnung gibt. Er lebt seit 3 Jahren gut mit dieser Diagnose. Viele Menschen in unserem Umfeld, welche von der Diagnose meines Mannes hörten, beruhigten uns dann auch in diese Richtung. Lieb gemeint. Nur ist erstens Köbi Kuhn 20 Jahre älter als mein Mann und fällt somit in die Statistik, nach dem die CLL hauptsächlich Männer ab 70 ig trifft. Wenn dann solche Menschen noch 10 oder vielleicht ein paar Jahre länger leben können, ist das für sie ein Glück. Wenn mein Mann das Glück hat, noch 10 Jahre leben zu können, hätte er noch nicht mal das Pensionsalter erreicht. Zweitens verläuft die Krankheit bei meinem Mann aggressiver. Die CLL wird in die Stufen A, B, C eingeteilt. Nach der ersten Untersuchung im Spital Stans, hiess es, er sei in der Stufe A. Wir atmeten auf. Denn dies hätte bedeutet, dass über Jahre bloss die Blutwerte hätten kontrolliert werden müssen – ohne Therapiebedarf. Am 6. Januar 2017 hatten wir unser erstes Gespräch und Untersuch im Kantonsspital Luzern. Dort hiess es, mein Mann sei in der Stufe B. Ein Schock. Denn das bedeutet, dass ein Therapiebedarf in nächster Zeit gegeben sein könnte. Doch es kam schlimmer – ein weiterer Schlag: im Arztbericht des Spezialisten an den Hausarzt schrieb er mehrfach von Stufe C. Wir konnten es irgendwie gar nicht glauben – aber es ist Tatsache. Das heisst, die Krankheit verläuft aktiv, die Blutwerte verschlechtern sich drastisch. Deshalb ist eine Chemo- und eine Antikörpertherapie ab März nun unumgänglich. Zusätzlich hoffen wir auf eine Unterstützung per Komplementärmedizin und sind bei Paramed angemeldet. Wie das finanziell mit unserer Versicherung aussehen wird. wissen wir noch nicht.

Was bewirkt diese Situation in uns? Mein Mann, der Betroffene, ist seit Diagnosestellung in einer Ruhe, Gelassenheit und Zuversicht. Er meint, es bringe nichts, sich Sorgen zu machen, sondern wir sollen das Leben nun erst recht geniessen, solange wir das könnten. Ein Wunder ist, dass er ausser schlechten Blutwerten, keine Beschwerden hat. Ok – zur Zeit leidet er zwar unter Husten. Aber er kann skifahren, wandern, in die Turnstunden gehen – ohne Einschränkung. Rabenau in der heutigen Zeitung

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trifft es also. Was die Chemo angeht, macht er sich im voraus keine Gedanken. Er lässt es auf sich zukommen und nimmt Tag für Tag. Ich habe ein Bild von Snoopy gesehen und wollte es posten, aber ich weiss nicht, ob dessen Verwendung auf meinem Blog legal ist. Deshalb hier einfach ein Link dazu. Mein Mann ist wie der Snoopy – und ich wie Charlie Brown. An manchen Tagen bin ich zuversichtlich, fühle mich getragen – oder verdränge erfolgreich die Situation. An anderen Tagen bin ich sorgenvoll, fühle mich einsam und tieftraurig. Ich möchte doch noch soviele Jahre mit meinem geliebten Mann zusammen verbringen! Noch soviel mit ihm entdecken. Wir sind ein derart tolles Team. Ohne ihn kann ich mir das Leben gar nicht vorstellen. 😦 Dieses Jahr feiern wir unseren 30 igsten Hochzeitstag… Im Grunde genommen wollten wir uns deshalb eine USA Reise gönnen, welche wir schon lange gebucht haben… 😦 Mir hilft in tieftraurigen, einsamen Momenten, das Wissen, dass viele Menschen für uns beten, die Zuflucht zu Gott im Gebet, Bibellesen und Lobpreislieder singen und auch Postkarten, Besuche von lieben Menschen oder Einladungen zu Freunden, sind Lichtblicke. Kein Mensch kann rund um die Uhr für mich da sein, auch wenn mir viele Menschen im Umfeld versichert haben, sie seien für mich/uns da. So gibt es dennoch Momente der Einsamkeit, in denen ich froh bin, meine Traurigkeit und meine Ängste zu Gott bringen zu können. Denn ER kann das, was kein Mensch kann: rund um die Uhr da sein für mich. Er schläft und schlummert nicht. Seine Sprechstundenzeit ist immer JETZT.

Das Gebetsanliegen, welches mir zur Zeit am nächsten liegt ist, dass wir als Familie unsere Ferien in Oesterreich antreten könnten. (Ende Februar) Wir haben vor etwa einem halben Jahr gebucht. Ob mein Mann reisefähig sein wird, entscheidet der Arzt 3 Tage vor Ferienbeginn. :-O

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Ich versuche es – diese Zuversicht und dieses Vertrauen festzuhalten….

Danke allen, welche uns in irgend einer Form mittragen.

 

Licht am Ende des Tunnels

Erst nach dem Mittag am Sonntag, 5. Juni 2016, fuhren wir per Auto nach Rynächt, um uns am Volksfest über den längsten Eisenbahntunnel der Welt mitzufreuen. Aus Zeitgründen hatten wir nur im Sinn, die beiden Festplätze Rynächt und Erstfeld zu besuchen und bei anderer Gelegenheit einmal durch den Tunnel zu fahren.

In Rynächt genossen wir zuerst ein Konzert von Knackeboul. Es ist wohl selten möglich, ihn derart zum Greifen nah zu geniessen, wie wir es konnten, denn der tanzte durchs Volk und rappte spontan über Menschen, welche ihm dabei auffielen. Viele Menschen tanzten spontan mit – ein Volksfest, das mitriss!

Die Stände erinnerten mich an eine Gewerbeausstellung oder eine Expo – letzterer Vergleich natürlich im Miniformat gemeint. 😉 Um 3 D Brillen auszuprobieren, hätte man zu lange anstehen müssen, aber zum Glück hat unser Sohnemann eine Brille, in die man sein Handy legen und 3 D Filme bestaunen kann, selber gebastelt – so könnten wir den SBB Film zuhause geniessen.

Viele Unternehmen warben für sich selber – wir fühlen uns dabei bestens unterhalten. Am Coopstand gab es stur nur originelle Stofftaschen, wenn man ein Quiz spielte, wofür man anstehen musste, was wir nicht taten. Währenddem sang der Urner Gospelchor von „Umbrella“ und der Regen setzte prompt ein.

Am Stand der Mobiliar rubbelten wir gesuchte Orte in der Schweiz auf einer Karte derart genau auf, dass ein Mitarbeiter völlig verblüfft, uns statt eines gewöhnlichen Sofortpreises 3 Tickets für die Reise durch den neuen Gotthardtunnel und über die alte Strecke retour anbot, sollte nicht sein „Chef-Chef“ in den nächsten 30 Minuten noch Eigenbedarf ankündigen. Die Tickets seien für ihn hinterlegt worden, aber mit der Weisung, sie dürften verschenkt werden, sollte er sie nicht selber benötigen. Um 16.09 Uhr fuhr der letzte Zug durchs Tunnel Richtung Tessin und zu unserem Glück meldete sich der Mobiliar-Chef nicht. Danke, an dieser Stelle. 🙂 Wir durften sogar in einen 1. Klass-Waggon steigen, da alle 1. Klassabteile mit 2. Klasse umgeschrieben wurden.

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So befanden wir uns plötzlich auf einer Reise ins Tessin, von der wir beim Aufstehen am Morgen noch nichts gewusst hatten. 😀

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Die Fahrt durchs Tunnel selber war so wie es andere vor uns bereits beschrieben: dunkel – wer hätte das gedacht – und nur deswegen spektakulär, wenn man sich der baulichen Meisterleistung bewusst wurde.

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Im Süden (Pollegio) schlug uns ein warmer Wind entgegen und die Sonne zeigte sich tatsächlich! Lustig: im Tessin hörte man auf einen Schlag meistens nur Italienisch und auf der Urner Seite Schweizerdeutsch – obwohl es doch durch die schnelle Tunnelverbindung eine grössere Durchmischung hätte geben sollen?

Gerade rechtzeitig kamen wir an, um uns die Show, von der wir im Vorfeld nicht nur Positives lasen, anzuschauen. Das Ganze war beeindruckend und unterhaltsam. Traditionelle Alphornklänge und unsere Schweizer Militärmusik wurde mit modernem Tanz kombiniert. An einer imposant grossen Leinwand, auf welche Bergmassive oder technische Elemente projeziert wurde, turnten Mineure in ihren orangen Arbeitskleidern rum. Aber weswegen Bergarbeiter später halb nackt tanzen mussten, verstanden wir ebensowenig wie der Sinn der mystischen Elemente . Und warum tanzen diese Heuhaufen? Ah – der tiefere Sinn, der gar nicht vorhanden ist, erschliesst sich mir heute. Danke, SRF 3.

Noch ein bisschen verwirrt von diesem Spektakel, begaben wir uns bereits zum Shuttlebus, welcher uns nach Biasca zum SBB Anschluss nach Erstfeld fuhr. Und dann ging es auf der alten Bahnstrecke, dreimal am berühmten Chileli von Wassen vorbei, Richtung Norden.

Der Herr in unserem Abteil begann plötzlich ausgehend von der schönen Bergwelt davon zu erzählen, dass es einmal im Paradies keine Berge mehr geben würde. Er sei im Koma gelegen und habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Und dann plauderte er eine gefühlte Ewigkeit vom Paradies, Jesus, von 7 mysteriösen Toren, welche man nach dem Tod durchschreiten müsse, aber das 7. Tor werde am Sonntag nicht geöffnet, weil Gott dann ruhe – und wir schauten einander immer verstohlener an, versuchten, uns selber in Gespräche zu verwickeln, uns hinzuweisen auf die vielen Wasserfälle, schöne Tessinerhäuser…. Nichts half – nichts stoppte seinen Redefluss. Was hätten wir tun können? Wir waren gefangen in seiner Gemeinschaft, im Viererabteil, konnten ihm nicht entfliehen. Irgendwann stoppte er dann doch mit der Bemerkung, er sei wieder hier auf die Erde zurückgekehrt nach seinem himmlischen Ausflug, um sich nun seinen nächsten Aufenthalt im Himmel, der dann ewig sein werde, zu verdienen durch möglichst gute Werke. Da schoben wir ganz kurz ein, dass wir glauben würden, das ewige Leben im Himmel würde uns laut Bibel geschenkt, man könne es nicht verdienen. Wir hätten alle gesündigt und Jesus sei deswegen auf die Erde gekommen, um uns unsere Sünden zu vergeben. Dieses Geschenk könne man annehmen oder auch nicht, aber durch eigene Werke könne man sich den Himmel ganz sicher nicht verdienen. Er wurde fast zornig und von da an sehr wortkarg, währenddem uns die Fahrgäste im Abteil nebenan ebenso verstohlen musterten, wie wir uns gegenseitig vorher. 😉

Ich weiss nicht, ob uns die Fahrt über die alte Strecke nach Norden deswegen im Vergleich zur Fahrt durch den Tunnel in den Süden wie eine Tagesreise vorkam.

In Erstfeld suchten wir zuerst den Shuttlebus, welcher uns dann aber zuverlässig zu unserem Ausgangspunkt auf den Parkplatz Rynächt brachte. Der Shuttletransport mit den Postautos hat überall super speditiv funktioniert.

Zuhause erwartete uns ein Gemisch aus Regen und Sonne, aus Süd- und Nordwetter.

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Nachtrag: danke Coop! 🙂 IMG-20160614-WA0000

Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen. Gott in Matthäus 25, 31-46

Auf Facebook gehen die Wogen derzeit hoch, was die Flüchtlingsthematik betrifft. Ich lese da Posts wie: „Vergasen sollte man die, verrecken sollen sie, alles Schmarotzer, nehmen uns die Arbeit weg, bei uns in der Schweiz gibt es genügend arme Leute, welche keine Unterstützung kriegen, kümmere dich lieber um die, wir haben gar keinen Platz – nimm doch selber Flüchtlinge auf, wenn du so ein Gutmensch bist“… etc.

Vermutlich liegen solchen Äusserungen ganz viel Bitterkeit, Sorgen, Verletzungen, sich ungerecht behandelt fühlen und ähnliches zugrunde.

Viele Sorgen, Ängste und Unverständnis teile ich. Ich bin der Meinung, jeder Asylant sollte die Sprache des Zuwanderlandes, lernen, es wäre schön, Menschen, welche sich aus dem Ausland hier niederliessen, würden sich auch in Schweizer Vereinen integrieren, an unseren Festen teilnehmen. Ich bin der Meinung, dass Menschen, welche sich um Migranten kümmern, ihren Betreuungspersonen noch zuwenig vermitteln, was die Schweizer Kultur ausmacht. Klar kann man sich darüber auslassen, was denn „Schweizer Kultur“ überhaupt bedeutet. Ich denke, da hat jeder Schweizer seine eigene Gewichtigung. Ungeachtet dessen finde ich es wichtig, dass Menschen, welche in diesen Bereichen beruflich oder ehrenamtlich tätig sind, sich noch mehr bemühen, auch Schweizer Werte, Schweizer Geschichte und Kultur weiter zu vermitteln. Integration gelingt noch zu wenig. Ich gehe mit Frank A. Meyer einig. In der Schweiz am Sonntag meint er dazu:

«Man könnte jedem Asylanten beim Übertritt über die Grenze in Chiasso einen Merkzettel in die Hand drücken mit den zehn wichtigsten Punkten über unser Land und unsere Kultur: Bei uns sind Frauen und Mädchen gleichberechtigt, bei uns gilt Religionsfreiheit, weitere Punkte müssten die Aufklärung über Gesetze enthalten, über Regeln und Riten, vielleicht sogar über Geschichte.»

Entnommen einem Livenet Artikel.

Als wir in der Türkei in den Ferien waren, hat uns der Reiseleiter auf Sitten, Gebräuche des Landes aufgeklärt. Für uns Schweizer ist es selbstverständlich, dass wir uns über „No goes“ des Ziellandes informieren, über kulturelle Fettnäpfchen, in die man tappen könnte und vor denen man bewahrt werden möchte. Dasselbe steht jedem Gast in unserem Land zu. Das Zusammenleben wird einfacher, der Zugezogene wird eher akzeptiert, erfährt Bestätigung und Zugehörigkeit.

Es gibt sie: die Kriminaltouristen und solche, welche über zuwenig Taschengeld und schlechte Unterkünfte jammern. Ich habe mit einer syrischen Frau geredet, welche sich beklagte, dass sie sich mit ihrem Unterstützungsgeld bloss eine kleine Wohnung in Stans leisten könne – zuhause hätten sie zwei Autos und eine Villa gehabt. Den Lebensstandart, den sie mal genoss, kann sie hier nicht gratis weiterführen. Es gibt sie: und ich rege mich ebenfalls darüber auf. Und ich denke, hier sollten Flüchtlingsbetreuer/Sozialarbeiter noch viel professioneller wirken und solchen Menschen nicht nur Verständnis entgegenbringen, sondern helfen, mit der Realität umzugehen und zeigen, wie Schweizer wirklich leben. Der Durchschnittsschweizer kann sich kein Dienstpersonal und keine Villa mit Pool und mehrere Autos leisten. Der Sohn dieser Frau hat die Lehre abgebrochen, u.a. deswegen, weil er weniger Lehrlingslohn erhält, als wenn er einfach so irgendwo jobben geht. Wo sind die Flüchtlingsbetreuer, welche solchen Menschen unter anderem unser Lehrlingssystem erklären? Ich habe es versucht, bin aber gescheitert. Sie kennen sowas einfach nicht und es müsste mehr Menschen geben, welche ihnen Kultur- und Schweizer Lebensschule unterrichten würden.

Wie gesagt. ich habe viel Verständnis für Sorgen, Ängste, Befürchtungen, welche im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage geäussert werden und ich bin für Meinungsfreiheit und dafür, dass man solch ungute Gefühle und auch Erlebnisse ernst nimmt und was daraus lernt. Doch was ich verabscheue sind Gemeinheiten, Fäkalsprache, Verallgemeinerungen und ähnliches in leider meist primitiven Diskussionen. Ich vermisse eine gute, faire, menschenachtende Gesprächskultur in den Social Media.

Es wäre schön, Menschen würden sich erst gar nicht auf den gefährlichen Fluchtweg aus ihren Herkunftsländern machen. Es wäre super, wenn wir Kriege beenden könnten und die Menschen in den Ländern in Frieden wohnen lassen könnten, in denen sie sich kulturell und sozial wohl fühlen. Denn hier in der Schweiz niedergelassen, plagt doch viele von ihnen das Heimweh und sie möchten nichts lieber, als wieder zurückkehren in ihre Heimatländer. Das Leben ist nicht so einfach hier, wie sie es sich erträumt haben und viele kommen mit dieser Realität nicht klar. Leider entspricht es auch nicht der Realität, dass Kriege so leicht beendet und die Flüchtlingsströme versiegen. Trotzdem ich viele Befürchtungen, Verständnislosigkeit und Verärgerungen teile, bin ich entsetzt darüber, dass Menschen, welche ihr Leben aufs Spiel setzten, um aus einem Kriegsland zu flüchten, hier massivsten Drohungen ausgesetzt sind. Sie meinten, endlich in ein Land zu kommen, welches ihnen Geborgenheit und Sicherheit geben könnte, aber ihre erlebten Traumas wiederholen sich hier.

„Brandstiftung, Körperverletzung und Demütigung sind keine Ausdrucksmittel der freien Meinungsäusserung.“ sagt Oliver Kalkofe und ich gehe mit ihm einig. Sein Videobeitrag ist bemerkenswert.

Unter den Flüchtlingen sind viele Christen, welche entweder zum Islam hätten zwangskonvertieren oder sonst um ihr Leben bangen mussten. Sie haben zu Geld gemacht, was sich zu Geld machen liess, haben alles zurückgelassen für eine unbestimmte Zukunft. Viele Menschen in der Schweiz zeigten ihre Solidarität in den Sozialen Medien mit dem Hashtag #WeAreN . Aber nun stelle ich fest, dass teilweise dieselben Menschen aktuell gegen diese Flüchtlinge hetzen, weil sie befürchten, es könnten viele Moslems darunter sein, es könnte sich um eine diffuse Unterwanderungstaktik des Islams handeln. Und? In erster Linie handelt es sich bei den Flüchtlingen um Menschen. Menschen wie du und ich. Und sie haben in erster Linie mal eine menschwürdige Behandlung zugut. Nur weil es einigen Schweizern nicht gut geht, dürfte es Flüchtlingen nicht besser gehen? Was ist denn das für eine egoistische Haltung? Würden wir nicht auch flüchten, sollten wir uns an Leib und Leben in unserem Land bedroht sehen? Zudem hat jeder Moslem nun die Chance, in unserem Land Jesus kennen zu lernen – wir müssen nicht erst Missionare zu ihnen aussenden, sondern sie kommen nun vor unsere Haustüre. Wir sollten in ihnen keine Bedrohung sehen, sondern Menschen, welche von Gott geliebt und geachtet sind.

Die Bibel stellt sich auf die Seite der Flüchtlinge, fordert uns mehrfach auf, ihnen zu helfen. Die Familie von Jesus musste ebenfalls flüchten, kaum war er geboren. Gottes ❤ schlägt für die Vetriebenen und Verachteten. Schlagen wir uns doch auf seine Seite.

P.S. Von Mandy bekomme ich jeden Tag ein sogenanntes „Seelenfutter“. Habe gerade erst gelesen, dass sie so ziemlich dasselbe über die Flüchtlingsproblematik schreibt. GekreuzSiegt.

Ein etwas langer, aber lohnenswerter Artikel darüber (klickmich), ein Livenetartikel und dies hier.

Und natürlich sehe ich diese Seite ebenfalls. Mag widersprüchlich scheinen zu obigem, zeigt aber die Komplexität, welche mir durchaus bewusst ist.

Vom Säen und Ernten – Holzbauwelt

„Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.“
Bibel, Galater 6,9

Es ist sehr befriedigend, sich in der Gesellschaft sinnvoll einzusetzen. Besonders viel Spass bereitet es mir, wenn wir als ganze Familie Aktionen organisieren wie zum Beispiel die Weihnachtspäckliaktion oder unser jährliches Engagement für den Ferienpass Nidwalden.

Einige Jahre lang organisierte mein Mann die Legostadt für den Ferienpass und dieses Jahr das erste Mal die Holzbauwelt des Bibellesebundes Schweiz. Im Vorfeld galt es, terminliche Absprachen zu tätigen, die Räumlichkeiten mit dem Bibellesebund- Verantwortlichen Stephan Böhi, zu besichtigen, Leitern und Gestelle zu organisieren und transportieren, immer wieder im Gespräch zu sein mit dem Ferienpass OK, einen Übernachtungsplatz und Geschenk für den ehrenamtlichen Mitarbeiter zu suchen, welcher die Holzbauwelt transportierte und betreute, einen Einladungszettel für die Besichtigung der Holzbauwelt zu gestalten, die Presse einzuladen, Mitarbeiter für die zwei Tage zu suchen und sovieles mehr… Ich bin stolz auf meinen Mann, dass er sich nebst einem 100 Prozentjob beim RAV und einer beruflichen Weiterbildung, welche er zur Zeit auch grad anpackt, immer wieder Zeit freischaufelt, für solche Projekte und Ferientage dafür einsetzt. Ebenfalls möchte ich an dieser Stelle meinem 14-jährigen Sohn Tobias ein Kränzchen winden: er hat sich durch sein praktisches Engagement im letzten und diesjährigen Ferienpass bereits in diesem jungen Alter ins OK hineingearbeitet. 3 seiner 6 Sommerferienwochen investiert er in den Ferienpass Nidwalden, vor allem im technischen Bereich. Daneben ging er noch in der Berufswelt schnuppern und schrieb Lehrstellenbewerbungen.

Am Montag und Dienstag, 3. und 4. August, durften wir dann ernten, was wir im Vorfeld an Organisatorischem gesät hatten. Rund 20 Kinder bauten an diesen zwei Tagen voll Begeisterung, Eifer, Ausdauer und Konzentration hohe fantasievolle Gebäude. Der höchste Turm wurde am Schluss rund 4 Meter 70 hoch und wir alle hätten weitergebaut daran, hätte uns nicht die Raumdecke eine Grenze gesetzt. Wir hätten den bisherigen Rekord, welcher einen Meter höher liegt, locker geschlagen. 😉 Was mich erstaunte war, wie friedlich die Stimmung an beiden Tagen war. Kein Streit, kein Klötzlirumwerfen wurde beobachtet, es gab keine Tränen und keinem Kind war es je langweilig! Alle liefen sehr vorsichtig zwischen den Kunstwerken herum und gaben acht, nichts Fremdes zum Einsturz zu bringen – das hat mich fasziniert. Auf dem hohen Malergestell und den Leitern verhielten sich die Kinder diszipliniert, ohne dass wir eine Regel zu deren Gebrauch herausgeben mussten. Auch Kinder, welche zuhause viel Gamen, sind fürs „Klötzlibauen“ total zu begeistern, was wiederum mich begeisterte!

Tobias hat dazu ein cooles, sehr sehenswertes Video erstellt- in stundenlanger Arbeit – ich staune einmal mehr über meinen Sohn:

Und in Slow Motion:

In den Pausen hörten die Kinder jeweils etwas von der Bibel, zum Beispiel die Geschichte des Turmbaus zu Babel und dort wiederum war ich erstaunt, wie aufmerksam und vorurteilslos die Kinder zuhörten und wieviel sie generell von der Bibel wussten. Es gab ein Jahr, an dem wir die damals geplante Legostadt nicht durchführen konnten, weil es seitens der Erwachsener Bedenken gab, wegen der biblischen Pausen-Geschichten. Doch die Bibel gehört meiner Meinung nach zu unserer schweizerischen Kultur und es schadet keinem Kind, wenn es Geschichten daraus kennenlernt. Es sind meistens die Erwachsenen, welche „kompliziert tun“ und von „missionieren“ reden, wenn es um dieses Thema geht. Die Kinder selber hören gespannt zu, egal ob es sich um ein Grimmmärchen oder um eine biblische Geschichte handelt und fühlen sich überhaupt nicht bedrängt.

Meinem Mann und mir macht es Freude, uns in die Kinder zu investieren. Der Ferienpass selber ist sowieso eine unterstützenswerte Einrichtung, damit Kinder, denen es langweilig wäre in den Sommerferien, ein sinnvolles Freizeitangebot nutzen können. Wir hoffen, dass wir das, was wir nicht nur im Ferienpass, sondern auch sonst in Kinderleben säen, einmal ernten dürfen in Form von Erwachsenen, welche ihren Weg im Leben gefunden haben und sich ebenfalls wieder für die Allgemeinheit sinnvoll einsetzen.

Gmerkigs

„Besch es Gmerkigs“ sagen wir Schweizer, wenn wir jemandem etwas scherzhaft zugestehen, er oder sie hätte etwas entdeckt, was für andere schon längstens selbstverständlich sei. Alternativ kann man sowas über sich selber aussagen: „Be halt scho es Gmerkigs.“ 😉

Dasselbe Wort kann aber auch bewundernd verwendet werden: „Er isch e rächt e Gmerkige!“ Er merkt sich Dinge schnell, ist zum Beispiel ein intelligenter, aufgeweckter, spürender, gut beobachtender, aufmerksamer Schüler.

In meinem Blog halte ich gmerkige Gedanken, Erlebnisse, Fragen, handgemalte Bilder von mir und Fotos fest und gebe sie für das weltweite Netz frei. Dieser Blog ist ein buntes Sammelsurium – ein Abbild meines Lebens. Einige Bücher enthalten Beiträge von mir und diese, sowie Bilder und Fotoprodukte können im Gmerkigs Shop erworben werden.

Ich bin eine Jahrgang 63 igerin, Familienmanagerin und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Die älteste Tochter hat im Sommer 2019 geheiratet, die mittlere Tochter studiert Ergotherapie und wohnt teilweise zuhause. Der Jüngste ist im letzten Lehrjahr als Stromer und wohnt ebenfalls noch zuhause. In der Freizeit führt er seine Aeppli Production.

Seit 1987 bin ich glücklich verheiratet mit Andy, Hobbyfotografin, begeisterte Ganzjahreswanderin, Schwimmerin, Mitarbeiterin für Kindergottesdienste, manchmal Predigerin, Bibelkreisleiterin, Malerin, Lebenskünstlerin, da in diversen Teilzeitjobs aktiv.

In der Hochsensibilität erkenne ich Wesenszüge von mir wieder. Eben – bin manchmal „übergmerkig“, mit allen Vor- und Nachteilen.