Canyonland, Monument Valley, Lake Powell, Grand Canyon, 4. Teil USA, 22. – 26. Juli

Samstag, 22. 7.

Sowohl im Pool des Campings KOA Moab, wie auch am nahe gelegenen Ken’s Lake lässt es sich herrlich baden. Wir sind froh drum, denn die Durchschnittstemperatur auf unserer gesamten Reiseroute beträgt immer gegen 35-40 Grad.  (Durchschnitt – es war auch mal kühler oder heisser als 40) Beim See weht ein kühles Windchen.

Später fahren wir mit dem Camper durchs Canyonland. Eine bequeme Art, aber von den diversen Parkplätzen (Outlooks) sieht man wirklich toll in die faszinierende Schluchtenwelt. Es ist uns schlicht zu heiss für eine Wanderung. Vom Camping aus bis zum Eingang des Nationalparks fahren wir 45 Min. Bis zum hintersten Aussichtsort sind es 1 Std. reine Fahrzeit.

 

Sonntag, 23. 7.

Wir baden nochmals im Pool und fahren dann weiter zum Monument Valley. Die Fahrzeit beträgt mit dem Camper ungefähr 2.5 Std. Wir haben in unserem Reiseführerbuch gelesen, dass man sich am Infodesk nach Jeeptouren erkundigen kann, denn mit dem RV Camper können wir die Strassen rund um die imposanten felsigen Berge nicht befahren. Doch wir müssen einmal ums gesamte Visitorcenter laufen und entdecken dann den Infodesk im Untergeschoss, wo man uns aber nicht wirklich Auskunft geben kann über diese Jeeptouren. Wir sollen uns draussen auf dem Parkplatz bei den Jeeps selber grad erkundigen. Dort sind verschiedene Anbieter von solchen Touren – man könnte auch das Ganze auf einer Reittour erkundigen. Wir haben einen Reiseführer von diesem Jahr, die Preise sollten also aktuell sein. Sind es aber nicht. Die Navajo Indianer wollen 85 Dollar pro Person verlangen. In unserem Buch steht, 60 Dollar seien ok. So handeln wir den Preis auf diese 60 Dollar herunter. Die Tour lohnt sich. So sehen wir nicht nur die bekannte Filmkulisse so manch eines Westernfilms als Skyline, sondern auch von Nahem. Wir bemerken auch ein paar Lehmhütten, in denen bis heute ein paar Navajos leben. Doch so abgeschieden leben sie nicht, denn quasi vor ihrer Haustüre schlängeln sich Jeeps und Privatautos vorbei und hunderte Kameras klicken in der Vorbeifahrt. Wir entdecken Wildpferde und ich sah ein Tierskelett am Wegrand liegen

Auf der Strecke halten wir ein paarmal an und die Navajofrau erzählt uns indianische Mythen zu den Felsstrukturen. Auf einem Felsen posiert dauernd ein Cowboy und stellt damit eine Filmszene nach. Wer will, kann ihm 2 bis 5 Dollar bezahlen. Also das Ganze ist sehr touristisch aufgezogen. Wir merken je länger je mehr, dass uns diejenigen Nationalparks am besten gefallen, welche nicht derart stark von den Touristen überlaufen sind. Die Souvenirs, welche angeboten werden, ähneln sich überall ein bisschen und sind sehr teuer. Uns sagt das Angebot nicht wirklich zu.

Unser Campingplatz „Gouldings Campground“ liegt inmitten des Nationalparks. Leider aber bekommen wir einen Übernachtungsplatz zugewiesen, der sich eher auf einem Parkplatz ausserhalb des eigentlichen Campings, als unter einem lauschigen Baum mit Aussicht auf die tolle Bergkulisse befindet. Vielleicht waren wir zu spät dran mit der Buchung dieses Platzes. Auf unserem Platz stinkt es. Ein wilder Hund hat dort sein Geschäft verrichtet. Die Internetverbindung ist lausig. Die Sanitäranlagen veraltet und der Innenpool ist mehr ein Kinderplanschbecken, als zum Schwimmen geeignet und sehr kalt. Doch der Camping hat auch seine Vorteile: er ist verbunden mit einem Motelgelände und einem Museum, wo man den Pionieren Gouldings auf die Spur kommen kann. Das Ehepaar Gouldings kam um 1920 nach Monument Valley. Sie hatten vor, hier Schafszucht zu betreiben, gründeten dann aber ein Postbüro und ein Verkaufsgeschäft. Sie handelten mit den damals dortig ansässigen Paiute Indiandern. 1930 holten sie Hollywood ins Monument Valley und der erste Film von vielen, entstand. „Stagecoach“ mit John Wayne, den wir dann am Abend auch im Filmgebäude dieser Siedlung anschauen. Zwischendurch ist es uns aufgrund der zu stark eingestellten Klimanalage zu kalt im Gebäude und wir fliehen nach draussen. Gerade rechtzeitig, um den Sonnenuntergang in dieser nostalgischen Kulisse mit zu erleben. Sozusagen vom Film in die Realität, welche aber – sieht man von den Autos ab – immer noch wie zu diesen Filmzeiten aussieht.

 

Montag, 24. Juli

Geburtstag unserer ältesten Tochter zuhause. Wir gratulieren ihr nach unserer amerikanischen Zeit bereits am 23. Juli. 😉

In der Nacht und am Morgen regnet es. Eine kurze Regenpause benutzen Andy und ich, um direkt vom Camping aus ein bisschen den Hügel hinauf zu spazieren. Etwa 10 Gehminuten entfernt, befindet sich ein schöner Arche (natürlicher Felsbogen, wie im Arches Nationalpark). Die ganze Zeit werden wir begleitet vom wilden Hund und ich fühle mich irgendwie wie beschützt. Ich habe das Gefühl, er mag uns, obwohl wir ihn weder streicheln noch füttern.

Vor der Weiterfahrt besichtigen wir das Gouldings Museum. Es befindet sich im ersten Wohnhaus des Ehepaars, welches 1981 (Harry) und 1992 (Mike) verstarb.

Nach ca. 2.5 Std. Fahrt mit dem Camper, erreichen wir die ersten Anbieter von Touren in den Antelope Canyon. Uns erscheint das Ganze nicht sehr professionell. Wir erhalten die Infos, welche wir wünschen in spärlicher, verwirrender Art und Weise. Also entschliessen wir uns, zum Camping Page Lake Powell zu fahren und dort zu schauen, ob wir uns einer Tour zur oberen oder unteren Schlucht anschliessen können. Die Uhren können wir übrigens wieder eine Stunde zurück stellen. Auch für diese Ausflüge sind die Preise unseres Reiseführerbuches (aktualisiert in diesem Jahr 2017) nicht mehr aktuell. Sie betragen für den Upper Antelope zwischen 50 bis 170 Dollar pro Person. Dies erscheint uns etwas viel und wir entscheiden uns für eine wesentlich günstigere Tour im Lower Antelope für 25 Dollar pro Person plus Parkingebühren. Der Unterschied ist dieser: das Lower Antelope ist eine V Form und man bewandert es zuunterst. Das Licht fällt spärlich hinein, was aber eine sehr mystische Stimmung erzeugt. Im Upper Antelope wandert man in einer etwas weiteren, helleren Schlucht.

Wir können grad noch kurz etwas trinken, uns mit Sonnencrème einschmieren, die Wanderschuhe anziehen und schon startet unsere Tour mit dem Navajomann Jonah. Wir spazieren zusammen zum Treppenabgang in die Schlucht und müssen dort dann aber etwa eine halbe Stunde warten, weil sich vor uns ein Car voll Asiaten befindet. Diese bekunden Mühe, mit ihren „Schläppli“ (Sandalen, leichte Halbschuhe), die Treppen hinunter zu steigen. Wir benutzen die Wartezeit, Jonah zu seiner Kultur, Traditionen, Sprache, früherem und heutigen Leben zu befragen. Er erzählt bereitwillig und erzählt auch sonst manch Interessantes zur Schlucht, welche zufällig von einem Kind entdeckt wurde, dessen Ziege, welche es zu hüten hatte, entlaufen war. Wir haben schon manche Tropfsteinhöhlen der Welt besichtigt. Aber was wir hier am Boden dieser Schlucht oder „Kamins“ entdecken, haben wir noch nie gesehen. Nach jeder Kurve staunen wir erneut. Das Farbspiel der orange-gelb-braun-grau-beig-schwarzen Felsen ist überwältigend. Atemberaubend. Dies übertrifft unsere vorherigen Favoriten der anderen Nationalparks. Klar, jeder Park birgt seine einzigartig, unverwechselbare Schönheit. Doch sowas wie hier – verschlägt jedem Schreiberling die Sprache. Dafür knipsen wir eine riesige Menge an Fotos. Jonah ermutigt uns, sich Zeit zu lassen – wir müssten uns überhaupt nicht beeilen. Und er stellt sich als fachkundiger Fotograf heraus und zeigt uns für jede Kamera und jedes Handy die optimale Einstellung und knipst und hie und da als Familie.

Das ganze Gebiet hier nennt sich Glen Canyon. Dazu gehört auch der atemberaubende Aussichtspunkt Horseshoe Bend. Der Fels sieht wirklich aus wie ein Riesen-Pferdehuf, der sich ins Wasser gesetzt hat. Auch hier sind wir nicht die einzigen Touristen. Ein paar wagen sich so weit wie möglich an den Abgrund, um möglichst spektakuläre Fotos schiessen zu können. Dies lässt nicht nur mich den Kopf schütteln, sondern sogar auch Tobias, unseren 16 jährigen Sohn. Auf den Fotos sieht man doch gar nicht, ob man einen Meter weiter vom Abgrund steht, als genau an der Kante. Es kommt auf die Perspektive drauf an….. Ich kann fast nicht hinschauen. Das Gebaren mancher Touristen ist fast genauso atemraubend, wie die tolle Aussicht.

Ob der Grand Canyon uns morgen noch mehr beeindrucken kann, als das Lower Antelope?

Dienstag, 25. Juli

Wir frühstücken im Mac Donald, was mir auf Facebook mehr Kommentare beschert, als irgendwas sonst, das ich über unsere Amerikatour teile. Wir Schweizer sind halt amüsiert darüber, dass man in einem Mac Donald frühstücken kann. Das kann man bei uns nicht. Es ist nicht so ungesund, wie uns und diesem Geschäft „vorgeworfen“ wird. Die Pancakes sind Pancakes, die Eier sind Eier, die Früchte im Müesli normale Früchte….

Wir müssen im Walmart einen Teller, Abwaschlappen, Feueranzünder und Backofengeschirr kaufen, was zur Camperausrüstung gehört und wir kaputt gemacht haben. (Billige Ware) Anschliessend besichtigen wir den Glen Canyon Dam. Das ist der Damm zum Lake Powell. Auch der Grand Canyon wird von diesem Wasser gespiesen.

Wir fahren heute mit dem Camper ca. 3.5 Std. Eingeschlossen in diese Zeit ist die Fahrt durch den gesamten Grand Canyon Nationalpark. Wir bestaunen beim Watchtower und an diversen Aussichtsplätzen die grandiose Aussicht und die enorme Tiefe, welche wir nicht zu schätzen vermögen. Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang erwischen wir einen Shuttle zum Yaki Point. Was für ein romantischer Sonnenuntergang. Leute klatschen sogar und eine Frau spielt Amazing Grace auf der Flöte. Irgendwie kitschig und doch echt berührend.

Wir kommen spät an beim KOA Circle Pins Camping in Williams. Leider liegt er eine Autofahrstunde vom Grand Canyon entfernt. (In den 3.5 Std. oben eingerechnet). Wir fanden nichts Näheres. Für Spätankommende liegt jeweils eine Infoschrift an der Pinnwand vor der geschlossenen Recéption bereit.

Mittwoch, 26. Juli

Weil wir uns noch ordentlich einchecken müssen und der Empfang erst um 8 Uhr öffnet, können wir nicht allzu früh starten, für unseren zweiten Ausflug in den Grand Canyon. Entgegen unserer Befürchtungen, hat es noch genügend RV Parkplätze so gegen 10 Uhr beim Visitor Center. Das Warten auf die Shuttle Busse, welche einen an die diversen Aussichtspunkte führen, wird allerdings zur Geduldsprobe. Es ist eben nicht möglich, mit dem Privatauto jede Strasse zu befahren. Jedenfalls in den Sommermonaten. Im Winter ist dies anders. Nicht immer mögen wir auf freie Plätze in einem Shuttle warten, sondern wandern hie und da den Klippen entlang. Dies auf sehr gut ausgebauten, ungefährlichen Wegen. Wir wagen uns im Gegensatz zu anderen Touristen nicht über Abschrankungen und verzichten darauf, möglichst spektakuläre Bilder am Abgrund zu knipsen. Unser Leben ist uns zu teuer. Mit der Zeit wird es immer heisser zum Wandern. Beim Aufstehen zeigte das Thermometer noch erstaunlich kühle 15 Grad – wir befinden uns immerhin auf etwa 2’100 Meter über Meer – aber die Temperaturen steigen im Tagesverlauf schnell auf gegen 30 Grad.

Am Abend mache ich nochmals eine Wäsche, dann geniessen wir die weiteren super Infrastrukturen dieses Campings. Das heisst, wir spielen Minigolf, schauen den Kindern beim Trampolinspringen zu, Tobias fährt Go Cart. Es ist der beste Camping, den wir je erlebten – nicht nur in Amerika. Leider ist der Pool defekt. Und die nahe Autobahn und der Zug, der selbst nachts hie und da laut hupt, nerven. Die Mitarbeiter aber sind allesamt sehr freundlich und aufmerksam. So können wir diesen Ort nur wärmstens empfehlen. Er bietet auch Tipis und Bungalows.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bryce Canyon – USA, 2. Teil, 17. bis 18. Juli 2017

Montag, 17. Juli

Die Fahrt vom Camping am Zion Nationalpark bis zum Bryce Canyon dauert 2.5 Stunden. Wir nehmen dabei nicht den Weg über den Tunnel beim Zion Nationalpark, sondern die Autobahn. Unterwegs tanken wir das erste Mal, was uns 90 US Dollar kostet und kaufen erneut beim Walmart ein. Überrascht stellen wir fest, dass man in Amerika in einem normalen Supermarkt Waffen kaufen kann. Wir kochen meistens selber in unserer Wohnwagenküche.

Der Himmel wird immer dunkler und so sind wir ganz verunsichert, als wir das Eingangstor zum Bryce Canyon passieren. Sollen wir die geplante Wanderung wagen oder nur per Wohnmobil oder Gratisshuttle eine Sightseeingtour durch den Park unternehmen? Wir packen unsere Regenjacken und Regenschirme ein und steigen mal in den Shuttle ein. Dies sei ein Happybus, lacht der Chauffeur. Und Regen würde ihm persönlich nichts machen. Auch als die Tropfen heftiger gegen die Scheiben trommeln und wir unterwegs durchnässte Nationalparkbesucher zusteigen lassen, reisst der Fahrer weiterhin ununterbrochen seine Witzchen. Er ist von derselben „Natur“ wie unser Reitführer – ihr erinnert euch? Wir steigen bei der Sunset-Station (Sonnenuntergang-Station) aus. Nachdem wir vorher durch einen ebenen Wald gefahren sind, ist der erste Blick in den Bryce Canyon hinunter überwältigend schön. Sowas Grandioses habe ich noch nie in meinem über 50 ig jährigen Leben gesehen. Klar auf Fotos – aber das ist was komplett anderes, als wenn man mitten in dieser Naturkulisse steht, das wird mir jetzt klar. Anders als beim blossen Betrachten von Bildern oder Filmen, nimmt man beim persönlichen Erleben die Naturschönheit mit allen Sinnen auf und der Rundumblick lässt sich mit keiner Kamera wirklich festhalten. Noch nie in meinem Leben war ich mir der Grenze so bewusst, was es heisst, Erinnerungen in Bildern und Worten festhalten zu wollen. Ich habe ein Foto im Buch „Dieser Moment“ veröffentlicht via Vidal Verlag. Da schrieb ich: „Halte diesen Moment nicht fest – geniesse ihn.“ Ja, solch kostbare Augenblicke wollen einfach nur genossen und im Herzen verinnerlicht werden. Dennoch knipsen Sohnemann und ich unzählige Fotos. 😉 Letzterem hat zwar das Valley of Fire besser gefallen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil wir dort (im Valley of Fire) fast alleine inmitten der puren Natur unterwegs waren und nach der Fahrt durch eine Wüstenlandschaft völlig perplex waren ob der Felsen, welche morgens beim Aufwachen in vielen Farbtönen strahlten. Hier im Bryce Canyon sind wir nicht alleine. Warum müssen Asiaten immer so aufgeregt hin- und her wuseln und einander anschreien, wenn sie sich was erzählen wollen? Ok – ist etwas fies – ist wohl einfach ihre Kultur und auch sie sind geliebte Geschöpfe Gottes. Dennoch nervt dieses Getue und wir steigen den Wanderweg in die Schlucht herunter und lassen diese vielen Touristen nach und nach hinter uns. Zuerst müssen wir die Regenschirme aufspannen und der Weg ist etwas glitschig. Wir sind froh um unsere Wanderschuhe und schütteln erneut die Köpfe über die paar Asiaten, welche hinaufsteigen und dabei Sandaletten und Ballerinas tragen. Bald schon scheint die Sonne wieder von einem wolkenlosen Himmel.

Der Weg hinunter ist spektakulär, aber super und breit angelegt. Unterwegs freuen wir uns an den vielen neugierigen, putzigen Eichhörnchen. Einen blauen Vogel wollen wir fotografieren, aber er meint, ich solle es eben lernen, den Augenblick nicht festhalten zu wollen, sondern zu geniessen. 😉 Er lässt das Fotografieren jedenfalls nicht zu. Die Felsstrukturen inspirieren die Fantasie. Es ist wie eine Märchenlandschaft und man könnte soviel in den Säulen und Formationen sehen. Foto- und Trinkpausen eingerechnet, sind wir zwischen dem Sunset- und dem Sunriseplace 2 Stunden unterwegs. Wir wählen den längeren Aufstieg, der nicht so steil ist, wie ein anderer, direkter. Es wird heiss….

Bevor wir zu unserem Campingplatz fahren, suchen wir das Visitorcenter auf und sind enttäuscht über die schlechte Filmqualität, welche uns dort vorgesetzt wird. Eine monotone Stimme lullt uns ein. Die Bilder sind zu dunkel und unscharf. Schade, denn mit kleinem Aufwand und Budget liesse sich doch etwas viel Moderneres, Ansprechendes produzieren. Aber die Touristen kommen halt so oder so – Werbung hat dieser Nationalpark wohl nicht nötig. Der Rest der Ausstellung ist – hm – soso lala. Man hat nichts verpasst, wenn man das Visitorcenter auslässt. Leider.

20 Autofahrminuten vom Bryce Canyon entfernt, liegt der Camping KOA Bryce Valley Cannonville. Unser Zuhause für zwei Nächte. Ein schöner Platz mit Pool, auf Wunsch mit Frühstück, Waschmaschinen und Tumbler, Propangastankstelle, kleiner Shop, wie schon der Camping beim Zion. Leider wurden wir direkt an der etwas vielbefahrenen Strasse platziert.

Wir baden im Pool und sind dabei nicht allein. 😉 Das erste Mal sehen wir Mormonen. Oder sind es Amish People? Sie sind jedenfalls so gekleidet und frisiert, wie ich es von Filmen kenne, aber ich war mir nicht bewusst, dass sie ein Wohnmobil steuern dürfen. Die Kinder und nur diese durften im Pool mit Kleidern (….) schwimmen.

Ein heftiges Gewitter zieht erneut auf – und wir gehen früh schlafen, denn wir haben uns entschlossen, morgen noch früher als sonst schon aufzustehen. Also, ich bin ja keine Frühaufsteherin in der Schweiz. Aber hier entwickle ich mich geradezu zu einer solchen. Haha.

Dienstag, 18. Juli

Der Wecker klingelt, wie von uns gewünscht 😉 bereits um 5 Uhr und wir fahren um halb 6 ohne Frühstück zum Bryce Canyon. Weil wir ein RV Fahrzeug haben, dürfen wir nur bis zum Northern Parkplatz fahren. Autos dürfen weiter in den Park hinein fahren. Wir parkieren also dort und wandern – man erinnere sich: ohne Frühstück (!) zackigen Schrittes eine Viertelstunde zum Sunrise Punkt. Wir dachten, dass wir als einzige die Idee hatten, so früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang dort zu erleben. Haha! Die Asiaten sind auch schon auf den Beinen – und auch französisch sprechende Besucher. Wir finden dennoch einen Platz ganz für uns allein und sind etwa eine Viertelstunde vor dem eigentlichen Sonnenaufgang (Sonnenaufgang 6.20 Uhr) dran. Zeit genug also, um die Kamera einzustellen und schön zu positionieren. Zeit auch, zur Ruhe zu kommen und die Stimmung zu geniessen. Die Luft ist noch kühl und wir sind froh um unsere langen Hosen und Jacken. Ein paar andere Leute um uns herum frieren in ihren Jäckchen und Shorts. Sonst haben wir halt schon eine Durchschnittstagestemperatur von um die 40 Grad. Es wird immer romantischer… Die aufgehende Sonne setzt die Felsstrukturen in ein immer wieder anderes Licht, je höher sie steigt. Traumhaft und unvergesslich! Die ganze Schlucht ist in diesem ersten Morgenlicht noch viel schöner anzusehen, als bei praller Sonne.

 

 

Wir frühstücken auf der Retourfahrt zum Campingort in der Ortschaft Tropic im Bryce Pioneer Village Motel Restaurant. Auch als Nicht-Übernachtungsgäste können wir uns für 4 Dollar pro Person vom Frühstücksbuffet „all you can eat“ bedienen. Es ist ein einfaches Zmorge aus Pappgeschirr, aber für den Preis ganz gut.

Den Rest des Tages geniessen wir auf dem Camping mit Lesen, Baden, Nickerchen machen, diesen Blogbeitrag schreiben, Whatsapp, Messenger, Facebook, Twitter, Instagram checken…. 😉

Morgen gehts zu einem Nationalen Monument: den Grand Staircase-Escalante. Wir rechnen mit ein bisschen mehr als 2 Std. Fahrt.

 

 

 

USA Abenteuer – Erster Teil – 10. bis 16. Juli 2017

Montag, 10. Juli

Jetzt ist es soweit! Unser US-Abenteuer kann beginnen. Nachdem wir ein Jahr lang geplant und seit Dezember 16 gebibbert haben, ob wir unseren Traum erfüllen können, starten wir, das sind Andy (mein Mann), Tobias (Sohn) und ich tatsächlich am 10.7. frühmorgens unsere Reise. Tochter Petra chauffiert uns nach Luzern, wo wir den Zug zum Flughafen Zürich Kloten voller Vorfreude, Spannung und etwas Nervosität besteigen. Das Einchecken verläuft problemlos und wir starten pünktlich um 10.15 Uhr. Nach ca. 9 Stunden Flug, welche wie im Flug vergehen (3 Filme schauen, lesen, Dehnübungen im Gang), landen wir in New York mit einer halben Stunde Verspätung, was einigen Passagieren, welche eine knappe Umsteigzeit für einen Weiterflug hatten, Probleme bereitet. Sie werden bereits empfangen und können die Security und Einwanderungschecks schneller passieren. Wir selber haben keinen zeitlichen Stress, denn der Weiterflug nach Los Angeles findet erst in 3 Std. statt.

Aufgeregt sind wir, weil wir nicht wissen, wie die Beamten auf unsere technische Ausrüstung reagieren wird. Wir reisen mit einem Laptop, zwei Kameras, einer Menge Ladegeräte und vor allem mit einer Drohne ein. Die Einfuhr ist zwar nicht verboten, aber wir stellen uns auf eine Menge unangenehmer Fragen ein. Tobias hat extra eine Bewilligung (Licence) als Privatpilot aussstellen lassen und dafür 5 Dollar bezahlt. Dennoch wissen wir nicht, wie die Security oder auch Einwanderungsbehörde auf so ein technisches Ding reagieren wird. Wir haben uns über die Rechte und Verbote informiert. In den meisten Nationalparks dürfen Drohnen nicht privat geflogen werden. Und natürlich auch nicht dort, wo sich ein militärisches Gebiet oder ein Flughafen in der Nähe befindet. Zum Glück zeigt niemand grosses Interesse an unserer Ausrüstung und so können wir alle Kontrollen schnell passieren. Insgesamt wird jeder von uns dreimal kurz nach Sinn, Zweck und Aufenthaltsdauer in den USA befragt.

Etwas seltsam dünkt es uns, dass wir unsere Koffer für den Weiterflug nach Los Angeles selber in Empfang nehmen und wieder abgeben müssen und dass es in diesem international wichtigen Drehangelpunkt keinen eigentlichen Transitbereich gibt. So befinden wir uns plötzlich im selben Raum wie andere Passagiere, welche ab New York ihre Reise starten.

Wir fliegen mit American Airlines und leider bestätigt sich die Meinung, welche wir von jemandem im Vorfeld hörten, nämlich dass diese Fluggesellschaft öfters Verspätungen hat. Vielleicht aber liegt es auch nur daran, dass der New Yorker Flughafen überlastet ist. Die Flugzeuge, welche abfliegen wollen, stehen Kolonne. Vor uns sichten wir 5 Flieger. Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir eine geschlagene Stunde im Flugzeug auf der Startbahn ausharren müssen, bis wir eine Starterlaubnis bekommen. Ich weiss schon nach dieser Stunde nicht mehr, wie ich sitzen soll. Immerhin haben wir seit Beckenried bereits 15.5 Stunden Reisezeit hinter uns.  Die nächsten 5 Stunden werden mühsam. Lesen mag ich nicht, weil mir die Augen zufallen. Schlafen kann ich nicht, weil mir die Beine schmerzen. Aufstehen bringt nur kurze Erleichterung. Ich habe keine Lust auf einen Film, da mir keiner der angebotenen zusagt. Trotzdem starte ich irgendeinen, der nicht mal so schlecht ist und mich kurzfristig ablenkt. Meine Männer schlafen…. 😉 Endlich kommt Bewegung in die Menge: die ersten haben Los Angeles entdeckt. Geschafft! Wir sind tatsächlich an unserem ersten Zielort angekommen! Wow, welche Erleichterung und irgendwie surreal.

Eine gefühlte Ewigkeit warten wir auf die Herausgabe der Koffer. Auch der Flughafen Los Angeles scheint ein Problem mit sovielen Landungen zu haben. Ein Shuttlebus bringt uns zur Mietwagenvermittlung. Zuerst will uns der Angestellte ein Upgrade verkaufen, weil er meint, mit unserem Gepäck würden wir nicht in den gebuchten Autotyp passen. Doch wir probieren es aus. Es klappt. Wir sind verwirrt, weil bei der Übergabe niemand in der Garage ist. Man kann selber irgend einen Autotyp auswählen – plötzlich ginge auch ein grösseres Auto, wie man uns am Eingang zur Garage versicherte. Dies ohne Aufpreis. Doch wir bleiben beim gebuchten Typ. Wir wollen nicht ein zu grosses Auto durch diesen Grossstadtverkehr lenken. Das lange Warten auf die Koffer, die Fahrt mit dem Shuttlebus, die Verunsicherung, das Hin- und Her, hat uns etwa 2 Std. gekostet. So ist es ungefähr Mitternacht, als wir endlich todmüde in die Betten des Titta Inn Hotels sinken können.

Das Hotel erweist sich als einfache, aber saubere Unterkunft. Das Personal ist freundlich und was uns total erstaunt ist, dass gratis Früchte, Süssigkeiten und Getränke rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Dies in einer Unterkunft, welche kein Frühstück anbietet. Grossartig. Auch das WLAN funktioniert immer tadellos.

Dienstag, 11. Juli

Die Nacht war sehr ruhig. Wir schlafen tief und fest und haben null Probleme, unsere innere Zeit umzustellen. In Los Angeles ist es 9 Stunden früher als in der Schweiz.

Am 1. Tag in Los Angeles chauffiert uns Andy souverän durch den regen und oft zähen Verkehr. Wir bestaunen das berühmte Hollywood-Zeichen, den Walk of Fames und suchen dann einen Walmart auf, um eine SIM Karte für Tobias Handy für einen Internetzugang innerhalb des Landes zu kaufen. Leider ist die Beratung überfordert. Wir werden nicht ganz schlau, was wir per Internet ergoogeln, was für Tobias Handy, das zwei SIM Kartenanschlüsse hat, sinnvoll ist. Und so checken wir im Walmart einfach mal unsere Schweizer Nachrichten, kaufen Wasser und etwas Knabbereien, aber keine SIM Karte. Wir denken, dass die Fahrt zum Longbeach von kuzer Dauer sein wird, sind dann aber 2 Stunden unterwegs durch den Traffic Jam. So wird aus dem geplanten Beachnachmittag nur ein kurzes Bad und schon machen wir uns weiter auf nach Santa Monica, zum berühmten Pier, den wir bei letztem Abendlicht und später Dunkelheit mit schöner Beleuchtung erleben. Weil wir uns beim Mac Donald verpflegen, können wir gratis parkieren, sonst wäre es im angrenzenden Parkhaus nur gegen 20 Dollar möglich gewesen. Venice schaffen wir leider zeitlich nicht mehr, denn wir müssen das Mietauto zurück bringen.

Wir dachten, dass wir per öffentlichen Verkehr eine Stunde zum Hotel zurück hätten. Dachten… Das öffentliche Verkehrsnetz ist kompliziert und chaotisch. Wir reisen tatsächlich 2 Std. per Shuttle, Metro und Bus retour und müssen immer wieder Passanten fragen, wo nach einem Umsteigen die nächste Haltestelle zum Wiedereinstieg sei. Manchmal finden wir die Haltestelle für eine Richtung, aber für unsere Gegenrichtung nicht. Pläne suchen wir vergebens und leider haben wir unterwegs ja kein Internet. Dafür kommen wir in Kontakt mit vielen Los Angelesbewohnern allen Alters, Hautfarben und sozialen Schichten und allesamt sind sehr freundlich, kompetent und hilfreich. Ich friere trotz Daunenjacke in den Bussen, denn die Klimaanlagen sind stark eingestellt. Nach dieser tollen Erfahrung der anderen Art kommen wir erschöpft um 2 Uhr morgens im Hotel an. Per Auto war dies eine Strecke, welche etwa 40 Minuten dauerte! Das geplante Treffen am anderen Vormittag mit einer ehemaligen Handelsschulkollegin, welche vor Jahren nach Los Angeles ausgewandert ist, sage ich ab. Wir haben Schlaf nötig.

Mittwoch, 12. Juli

Und prompt verschlafen wir und wachen ohne Wecker erst um 11 Uhr auf. Uber Taxidienst sei dank, schaffen es noch zur Studioführung von Warner Bros, welche wir auf 12.30 Uhr gebucht haben. Eine halbe Stunde sind wir zu früh da und können ein paar Kekse und Eistee „frühstücken“. Die Führung ist sehr fröhlich, freundlich, informativ und interessant. Anschliessend essen wir im Olive and Thyme ein feines Zmittag. In diesem Restaurant wollten wir uns eigentlich mit meiner Kollegin treffen, woraus ja eben leider nichts wurde.

Und wieder denken wir, dass wir uns die Uber Taxifahrt zurück zum Hotel sparen und stattdessen den viel günstigeren öffentlichen Verkehr benutzen könnten. Denkste…. Wieder haben wir geschlagene 2 Std. für einen Weg, den der Taxifahrer in einer halben Stunde zurücklegte. Und wieder müssen wir x mal nach dem Weg fragen. Fazit: den öffentlichen Verkehr in Los Angeles empfehlen wir nicht, nehmt lieber gleich Uber. Die kommen ein paar Minuten, nachdem man sie gerufen hat. Nur: dafür braucht es halt auch Internet und das hatten wir ja nicht.

So ist es Abend, als wir wieder im Hotel ankommen. Wir essen den grossen gemischten Salat, den wir im Olive and Thyme nicht schafften und in eine Box einpacken liessen und werden satt.

 

Sorry, ich arbeite sonst per Mac. Der Laptop ist mir nicht vertraut. So habe ich hier jetzt einfach mal einen Mix der vergangen Tage eingefügt.

Donnerstag, 13. Juli

Frühstück gibt es jeweils in einem zum Hotel benachbarten kleinen Restaurant. Und dies ausführlich und sehr fein. Nach der Erfahrung mit dem öffentlichen Verkehr, gehen wir kein Risiko ein und bestellen Uber auf 11 Uhr, damit wir um 11.45 Uhr ganz sicher beim Greyhoundbahnhof sein werden. Tatsächlich sind wir vor der Zeit dort, erfahren aber leider, dass sämtliche Fernverkehrsbusse 1 Std. Verspätung haben. Nach etwas mehr als 5 Std. Fahrt für 15 Dollar pro Person, erreichen wir Las Vegas. Nach einer stundenlangen Fahrt durch die Wüste, ist es ein extrem beeindruckendes Erlebnis, die Stadt, welche aus der Wüste gestampft zu sein scheint, zu erreichen.

Per Uber (smile) erreichen wir unser Motel und sind positiv überrascht über das einfache, aber saubere Zimmer.

Wir liegen ein paar Fussminuten vom Strip entfernt und erkunden ihn. Fantastisch, gross, überwältigend, extrem, wow, schillernd, glitzernd, blinkend, pulsierend und sehr, sehr heiss, selbst in der Nacht, so erleben wir Landeier diese Stadt. Apropos Temperatur: selbst die Einwohner klagten über die Hitze und erzählten, sie sei seit Menschengedenken nicht so gross gewesen. Ich glaube, es war tagsüber etwa 44 Grad, in der Nacht noch fast 40 Grad. Wir staunen über die Architektur, die Fantasie, die Schönheit und wähnen uns in einem Disneyland oder im Europark.

Es wird wiederum etwa 1 Uhr morgens, bis wir ins Bett sinken.

Freitag, 14. Juli

Ein grosser Tag: obwohl natürlich bisher alle Tage ereignisvolle waren…. Aber heute ist er speziell aufregend, denn wir holen unser Wohnmobil, das Zuhause für die nächsten 14 Tage ab. Die Instruktion dauert zwei Stunden. Das erste Ziel ist der Walmart, wo uns eine kompetente Verkäuferin endlich eine SIM Karte für Tobias Handy einrichten kann. Wir kaufen Lebensmittel und viel Wasser ein und starten gegen den späteren Nachmittag die erste wirkliche Strecke. Nach ca. 1.45 Stunden Fahrt über den Mead Lake Nationalpark, wo wir einen Ausweis für sämtliche Nationalparks für 80 Dollars kaufen, erreichen wir das erste Tagesziel: den Camping Valley of Fire, inmitten des gleichnamigen Nationalparks. Es ist dunkel, als wir ankommen. Der Camping liegt inmitten der Natur, ist sehr einfach, bietet aber doch Strom- und Wasseranschluss und hat Duschen und WC’s. Man bezahlt den geringen Betrag von 30 US Dollars selber, in ein Kässeli und füllt das Formular dazu aus. Der Sternenhimmel ist überwältigend schön. Er reicht weiter als unser Himmel, so scheint es uns und ist viel klarer. Es ist auch abends immer noch heiss draussen.

Samstag, 15. Juli

Nach einer heissen Nacht, trotz Ventilator im Camper, stehen wir am Morgen vor 6 Uhr auf. Wir öffnen die Wohnwagentüre und wähnen uns ins Paradies versetzt! Vor uns erheben sich feuerrote Felswände. Der Anblick ist unbeschreiblich überwältigend schön. Wir frühstücken inmitten dieser wunderbar traumhaften Kulisse. Nicht nur die Umgebung raubt uns den Atem: auch die extrem grosse Hitze, bereits frühmorgens. Bei der Abfahrt machen uns eine Menge Bienen zu schaffen, welche sich an unserem Wasseranschluss satt trinken. Wir schaffen es, eine einstündige Wanderung zu unternehmen und trinken dabei fast ununterbrochen. Wir fotografieren, laufen und trinken – und staunen. Die Felsen besitzen verschiedene Farbschattierungen, sind marmoriert. Wir entdecken Felsbemalungen von indianischen Ureinwohnern und lachen über kleine Mauskänguruhs und wilde Hasen, welche wie einen Mischung zwischen kleinen Rehen und Hasen sind. Im Visitor Center informieren wir uns über diese Tier- und Pflanzenwelt und die Entstehung der speziellen Felsformationen.

Wir fahren weiter und erreichen nach 2 Stunden abwechslungsreicher Fahrt, bei der auch ich mich mal ans Steuer wagte (!!!!) den Camping, der sich vor dem Zion Nationalpark befindet. (Eine halbe Autostunde vor dem Parkeingang entfernt.) Wir erfahren,dass wir unsere Uhren eine Stunde vorstellen müssen (andere Zeitzone) Uns wird also leider eine Stunde geklaut. Zuerst baden wir im Pool, essen z’Mittag und dann erkunden wir den Nationalpark das erste Mal. Zwar nur via Shuttlebus, aber die erste Fahrt hin- und zurück gibt uns einen ersten Eindruck über diesen Nationalpark. In der Abendsonne leuchten diese Felswände rot, aber es gibt auch weisse und schwarze Kontraste. Wir besichtigen die Lodge für den morgigen, geplanten Ausritt.

Ich wasche ein erstes Mal unsere verschwitzten Kleider. Im Gegensatz vom Camping im Valley of Fire, ist dieser Camping luxuriös, denn er hat einen Pool, Waschmaschinen, Tumbler, man kann Nachtessen, es gibt selbstgemachtes Eis….

Sonntag, 16. Juli

Auch dieser Tag ist aufregend: wir werden ausreiten! Mein Mann und Sohnemann sassen noch nie auf einem Pferd. Ich einmal, im Jura. Wir stehen vor 6 Uhr auf und fahren nach dem Frühstück zum Eingang des Zion Nationalpark. Um die frühe Uhrzeit findet man noch Parkplätze für Camper und Autos vor Ort, später wird das unmöglich sein und die Besucher müssen einen Fussmarsch von einer halben Stunde an der brütenden Sonne auf sich nehmen, nur bis sie den Eingang zum Park erreicht haben. Eine frühe Anfahrt lohnt sich sowieso aus diversen Gründen: das Anstehen beim Gratisshuttle dauert nur eine halbe Stunde, statt bis zu 90 Minuten, später am Tag. Und am frühen Vormittag ist die Temperatur noch nicht 40 Grad, sondern vielleicht erst 25. 😉

Nach einer Instruktion werden uns die Pferde zugewiesen. Meines ist Charlie. Die Pferde sind sich Reitanfänger wie uns gewohnt und traben gemütlich und gutmütig hintereinander her durch die wundervolle Bergwelt. Der Ranger erzählt ununterbrochen Witze und lacht selber am lautesten darüber. Er ist hilfsbereit und geduldig. Der Ritt wird zu einem schönen Abenteuererlebnis und wird uns unvergessen bleiben.

Nach dem frühen Mittagessen im dortigen Restaurant, begeben wir uns auf eine Wanderung. Doch es wird bald zu heiss und die Wasserfälle, welche auf der Beschreibung so toll ausgesehen haben, sind fast ausgetrocknet. Nach einer Stunde wandern fühlen wir uns so erschöpft, wie nach mehreren Stunden erst in der Schweiz. Zurück im Camping erfrischen wir uns im Pool, lesen – und ich schreibe diesen Blog.

Morgen wartet der Bryce Canyon auf uns. Wir rechnen mit einer 2 stündigen Anfahrt. Was wir dort erleben – ihr werdet es lesen. Coming soon – auf dieser Seite. 😉

Kick auf der Kickboardtour, Insider Familienausflugstipp,

Heute verrate ich euch einen Insider-Familienausflugstipp: mein Mann und ich unternehmen manchmal trotz unseres fortgeschrittenen Alters noch Ausflüge mit Kick. 😀 So fuhren wir diesen Monat (Juni 2017) per Postauto ab Bahnhof Sarnen ins Melchtal, bis Station „gedeckte Brücke“.

Blick aus dem Postautofenster:

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Wir fuhren per mitgebrachten Kickboards über diese alte Brücke Richtung Flüeli Ranft. Die Strasse stieg nur gemächlich an, um dann längere Zeit genauso bergab zu führen. Es war eine gemütliche Fahrt und dennoch schmerzten mir mit der Zeit die Füsse, weil ich immer genau gleich auf dem Kickboard stand und doch etwas bremsen musste. 😉 Nachdem wir den Wald hinter uns gelassen hatten, gings etwas rasanter hinunter, aber man kann ja auch absteigen, das Kickboard zusammen klappen und mittragen.

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Auf diese Weise fährt man gemütlich etwa eine halbe Stunde bis zum Wallfahrtsort Flüeli Ranft und kann das Postauto Richtung Sarnen zurück besteigen. Ein schöner, etwas abenteuerlicher Familienausflug. Gewisse Walfahrer haben uns zwar bestaunt, wie wenn wir Aliens wären, obwohl wir rücksichtsvoll fuhren und keine eigentliche Andachtsstätte mit den Kickboards befuhren.

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Tipp: es ist eine Strasse, also rechts fahren. Uns begegnete zwar nur ein Velofahrer, der dieselbe Richtung wie wir fuhr, aber es könnte einem auch ein Auto oder Forstwirtschaftsfahrzeug entgegen kommen. Auch ein Helm und evtl. Knie- und Handgelenkschoner wären nicht schlecht, habe ich unterwegs erst gedacht…. Muss jeder selber wissen, ich lehne an dieser Stelle einfach jede Haftung ab, wünsche aber jedem vernünftigen Fahrer viel Spass. Es ist ein wirklicher Insidertipp, überhaupt nicht bekannt… 😉

Mein Griechenland-, Mazedonienabenteuer

Zuerst verbrachten wir einfach nur „normale“ Strandferien in der Nähe von Thessaloniki – Griechenland. Wir logierten zwischen dem 16. bis 30. Juli 16 in Hotel Marias House direkt am Meer. Per Mietauto erkundigten wir die drei „Finger“ Chalkidikis, genossen die Hitze nach unserem durchzogenen Schweizer Sommer, das Schwimmen im meist wellenlosen, türkisblauen, glasklaren Meer und planschten und spielten im Pool ausgelassen. Jeden Abend assen wir in einem anderen Restaurant. Die Küche Griechenlands ist wirklich fein. Was mich bei Erkundigungen etwas enttäuschte war, dass diese Gegend Griechenlands einen anderen Baustil hat, als das, was bei uns assoziiert wird mit griechischen Häusern. Mir gefallen halt die weissen Häuser mit blauen Kuppeln, welche ich von früheren Reisen aus Paros, Naxos, Mykonos und Santorini her kenne. Solche sah man hier nur auf Postkarten, welche in Souvenirläden wohl schon Jahre auf Käufer warten. Die Häuser Chalkidikis sind oft viereckige, schnörkellose Bauten, einige erinnerten mich an den mexikanischen Baustil oder auch an gewisse Tessinerhäuser. Wenn sie schön restauriert wären, wie die Beispiele auf dieser Seite, würde mir dieser Baustil gefallen. Aber man merkt es schon, dass die Griechen momentan nicht gerade finanzkräftig genug sind, Häuser und auch Strassen auszubessern. Strassen waren selbst in grösseren Orten oft in bedenkenswertem Zustand.

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Die zwei letzten Ferientage verbrachten wir zusammen mit einem Ehepaar, welches wir vom Café Pizzeria Piccadilly Buochs, unserem Nachbarort her kennen. Toni und Suzana konnten sich ein paar Tage Auszeit nehmen von ihrem strengen Beruf in der Gastromenie. Später trafen wir sie an der Hochzeitsfeier in Mazedonien, da sie mit den Familien des Bräutigams und der Braut befreundet sind.

Und das ist das Stichwort zu meinem eigentlichen Abenteuer – jedenfalls empfand ich das so. Ich glaube, mein Mann und unser Sohn empfanden es nicht ganz genau so aufregend wie ich.

Wir begaben uns am Samstag, 30. Juli auf unsere Reise von Griechenland nach Mazedonien, weil wir erstens die Familie des Freundes unserer Tochter besuchen wollten und weil wir zweitens zur Hochzeitsfeier des Bruders dieses Freundes eingeladen waren. Eine mazedonische Hochzeitsfeier! Ich freute mich bereits im Oktober 2015 darauf, als wir die Zivilhochzeit dieses Paares in der Rosenburg in Stans mitfeiern durften.

Das Abenteuer begann am Flughafen Thessaloniki, nachdem wir unser Mietauto abgegeben hatten. Wir sollten von einem Bekannten der Braut abgeholt und chauffiert werden. Im Vorfeld schilderten wir unser Aussehen der Mutter des Bräutigams, welche diesen Transport für uns organisierte und auch bezahlte. Der Chauffeur selber sollte ein Schild mit „Aeppli“ hochhalten. Abgemacht war, am Ausgang des Flughafens einander zu begegnen. Nur stellten wir dort fest, dass es 8 Ausgänge gab und dass auf der unteren Strassenzufahrt bloss offizielle Taxis ein Durchfahrtsrecht besitzen. Es gab ein paar aufgeregte Telefongespräche mit unserem zukünftigen Chauffeur, bei dem weder er noch ich wirklich etwas anderes verstanden als „Chauffeur“ – „Aeppli“ – „Wo?“ – „Problem“ oder so ähnlich. Nach einem Telefongespräch mit dem Bräutigam, klappte dann unser Zusammentreffen doch noch.

Es folgte ein spannendes 3.5 stündiges Unterwegs-Sein mit einem Chauffeur, welcher kaum ein Wort Englisch, sondern nur Mazedonisch sprechen konnte, uns aber als seine  Gäste so gut es ihm möglich war, verwöhnte. Er fragte, welchen Musikstil wir liebten, gab über die Gegend ein bisschen Auskunft, fragte, ob es mit der Temperatur im Auto ok sei, fuhr sehr regelmässig und angenehm, bezahlte bei einer Rast unsere Getränke – und half uns, als mein Mann ein bisschen Probleme am Zoll bekam, weil er zuerst seine abgelaufene ID zeigte, statt sofort den Notfallpass heraus zu kramen, welcher halt im Rucksack steckte. Mein Mann meinte, die würden bestimmt nicht so genau schauen. Denkste, der Zoll kontrollierte sehr genau. Zum Glück bescherte uns diese Bequemlichkeit nicht grösseren Ärger, sondern ging glimpflich aus. Unterwegs telefonierte unser Chauffeur ein paarmal mit der Braut, welche sich regelmässig erkundigte, wie es um unsere Fahrt stünde.

Als er bei der Familie des Bräutigams vorfuhr, wurde er zu seiner vollen Zufriedenheit bezahlt. Er verdiente wahrscheinlich an diesem Tag einen halben, dort üblichen Monatslohn. Und nun begann das Vorfest der Hochzeitsfeier: wir wurden anderen Gästen vorgestellt, welche Freunde des Bräutigams aus der Schweiz waren und der Familie und Verwandtschaft des Bräutigams. Auch unsere Tochter und ihr Freund begrüssten uns. Sie reisten ein paar Tage vorher nach Mazedonien an. Ein paar Schweizer Gäste kannten wir von der Zivilhochzeit in Stans her.Von der Familie des Bräutigams aber kannten wir bis dahin nur die Eltern und natürlich den Bräutigam selber. Wir wurden aufs herzlichste willkommen geheissen, bald wurde grilliert und ein paar typische mazedonische Tanzschritte eingeübt. Wann wir denn die Braut treffen würden, fragte ich. „Erst morgen, am Hochzeitstag selber“, erhielt ich zur Antwort.Am Abend vorher feiert die Braut mit Familie und Freunden bei ihrem Elternhaus und der Bräutigam mit seinen Gästen in seinem. Braut und Bräutigam dürfen sich erst am Hochzeitstag treffen. Unser Sohn meinte: „Dabei sind sie ja seit Oktober 2015 verheiratet.“ 😉 Aber sie wollten es halt alles so handhaben und feiern, wie es der Tradition ihres Volkes entspricht. Mit der einen Ausnahme: sie kürzten den Festablauf um einige Tage ab. 😉

Wir mussten uns übrigens noch persönlich bei der mazedonischen Polizei anmelden. Das ist scheinbar nicht allen bekannt, welche nicht in einem Hotel, sondern privat logieren. Wenn man sich nicht innert 48 Std. nach Ankunft bei der mazedonischen Polizei meldet, könnte es Probleme bei der Ausreise geben.

Mein Mann, unser Sohn und ich begaben uns im Verlauf des Abends auf einen Dorfrundgang. Viele Bewohner kamen auf uns zu und fragten uns freundlich, nach dem Woher- und Wohin. (Auf Mazedonisch, Englisch, Italienisch und sogar Deutsch) Wir entdeckten ein Schwyzer-Autonummernschild, kamen mit dem Besitzer ins Gespräch und erfuhren, dass er in der Schweiz arbeite und hier wie so viele im Sommer auf Besuch bei seiner Familie und Verwandtschaft wäre. Sofort wurden wir eingeladen an den Tisch im Garten. Wir lehnten dankend ab, waren wir doch schon zu Gast an einem anderen langen Festtisch.Bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, dass im Sommer in dieser Gegend jeden Tag mindestens ein Hochzeitsfest stattfindet. Weil dann jeweils alle Menschen, welche im Ausland arbeiten, in ihrem Heimatdorf zusammenkommen, also Nachbarn, Freunde, Verwandte, Bekannte sich treffen, werden auch die grossen Feste auf diese Jahreszeit verlegt. Am Vorabend des Hochzeitsfestes, zu dem wir eingeladen waren, war die Familie eigentlich noch zum Hochzeitsfest eines Verwandten (Bräutigams Cousin) eingeladen. Die Bräutigameltern verschwanden dann auch für ein paar Stunden, um dort wenigstens ein bisschen mitzufeiern. Jeden Tag während unseres Aufenthaltes hörte man Autogehupe, weil wieder eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs war und das Restaurant, in dem wir am Abend feierten, war jeden Tag ausgebucht für Hochzeitsessen.

Der Tag des Hochzeitsfestes begann für die Brautleute und deren Gäste ebenfalls wie am Vorabend getrennt. Das heisst: sowohl im Elternhaus der Braut, wie im Elternhaus des Bräutigams wurde gebruncht. Viele der Hochzeitsgesellschaft im Hause des Bräutigams begaben sich über die Strasse zum Coiffeur (Frisör). Die Brautmutter bezahlte allen eine Festfrisur.

Ich kann nicht sagen, wie es bei der Braut war, aber im Bräutigamhaus wurde ab 9.30 Uhr ausgiebig per Liveblasmusik getanzt und vom herrlichen Buffet gekostet. Ich dachte, dass der Bräutigam seine ganze Energie bereits am Vormittag aufgebraucht hätte, derart gab er sich dem Tanz hin. Doch ich sollte mich täuschen – er war zu noch viel grösserer Tanzausdauer fähig. Und dies bei ca. 40 Grad Celsius!

Irgendwann begab sich die Festgesellschaft des Bräutigams zum Haus der Braut. Die Autos wurden parkiert und die letzten Meter tanzte man zum Elternhaus der Braut. Natürlich immer begleitet mit der Roma Blaskapelle. Allen voraus der Bräutigam mit seinen Eltern, welche Geschenke trugen. Apropos Blaskapelle: diese spielte zwischen 9.30 bis ca. 17 Uhr, unterbrochen nur während des orthodoxen Trauungsgottesdienstes. Die Leute tanzten die ganze Zeit – habe ich schon erwähnt, wie heiss es war? Wir Schweizer fielen im Schatten überhaupt nicht auf, denn alle Einheimischen waren in der prallen Sonne mit Tanzen beschäftigt. grins Die Musiker bespielten manchmal extra einen Gast, d.h. kamen ihm derart aufdringlich nah, bis dieser nachgab und ihm einen Geldschein auf die schweissnasse Stirn klatschte, oder einen Schein ins Musikinstrument steckte, wo es halt grad Platz fand. Ich fand es ja im Grunde genommen lustig, aber als sie einem Baby die Trompete ins Ohr bliesen, hatte ich doch meine Bedenken.

Wir hatten doch keine Ahnung! Eigentlich wären wir erst dann in den Vorhof der Braut eingelassen worden von den Brautjungfern, wenn wir einen Geldbetrag hinterlassen hätten. Doch wir Touristen erhielten die Anstecker umsonst und bemerkten erst im Nachhinein den Geldteller. Ich erinnerte mich an die Schilderungen unseres Reiseleiters in der Türkei. Er erzählte, wie eine türkische Hochzeit abläuft – und es kam mir genauso vor, was ich hier alles erlebte.

Mir kam während des Tages viel die Bibel in den Sinn und ich verstand einzelne Passagen besser:

Matthaeus 25:1-13 / LUT

Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. …

Die meisten Gäste wurden im Garten draussen bewirtet und tanzten dort. Wir aber erfuhren, dass wir zum engeren Kreis der Gäste gehörten, was uns vorher nicht bewusst war. Wir waren, wie es mein Sohn ausdrückte, VIP’s. 😉 Als diese wurden wir an den grossen Festtisch in der Stube geleitet, dort der Familie und den Eltern der Braut vorgestellt und verköstigt. Währenddem wir assen, erlebte unsere Tochter als Freundin des Brautführers etwas, was sich sonst allen Blicken entzog: der Bräutigam wurde ins Brautzimmer geführt, musste dort der Braut einen Kranz geben und dann wurden auch andere, symbolische Handlungen ausgeführt, welche ich vergessen habe, weil ich selber dort nicht dabei war.

An unserem Tisch sassen wir nicht lange, sondern als die Blasmusik eintrat, standen alle auf und tanzten, wie wenn es zum ersten Mal an diesem Tag und nicht derart stickig heiss im Raum gewesen wäre. Auch wir versuchten es natürlich darin. Hilfreich erwiesen sich den ganzen Tag über die Tücher, welche uns zu Tagesbeginn gereicht wurden. Sie dienten dazu, sie beim Tanzen rhythmisch zu schwenken, aber noch viel praktischer waren sie einsetzbar als Fächer und zum Schweiss abwischen.

Und plötzlich trat das Brautpaar ein und wir sahen zum ersten Mal die Braut! Auch das Brautpaar tanzte zuerst eine Weile ausgelassen und dann begann eine Reihe symbolischer Handlungen, deren Sinn wir erahnen konnten und teilweise erklärt bekamen vom Pate des Bräutigams, welcher wie er uns erklärte, die wichtigste Rolle an diesem Tag inne hatte, nebst dem Brautpaar natürlich. Vor allem war er der „Hauptsponsor“, wie er uns augenzwinkernd verriet. Er ist mazedonischer Herkunft, wohnt und arbeitet aber schon manche Jahre zusammen mit seiner Familie in München.

Brautvater- und Bräutigamvater tranken zusammen aus einer Schüssel Wein, in der die Eheringe des Brautpaares waren und bissen miteinander von einem grossen Stück Brot ab, welches uns allen dann gereicht wurde. Es kam mir wie ein Abendmahl vor, oder als Handlung der Verbrüderung. Dem Bräutigam wurde ein ganzes Poulet vorgesetzt, von dem er zuerst selber essen und dann seine Braut verköstigen musste. Er sei nun der Ernährer der Familie, wurde mir erklärt. (Obwohl die Braut selber ja studiert hat und auf eigenen Füssen stehen kann.) 😉 Die Braut verteilte ein paar Geschenke und jeder, welcher eines erhielt, drückte der Braut wiederum ein paar Geldscheine in die Hand. Wie gesagt: wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns einliessen und wussten von daher nicht, dass auch unsere Tochter als Freundin des Brautführers beschenkt würde. Geld für ihr Geschenk erhielt sie von der Mutter ihres Freundes. 😉 Als weiter getanzt wurde und es war ziemlich laut dabei – wollten wir uns mal im Schatten draussen ausruhen. Kaum setzte ich mich erschöpft auf einen Plastikstuhl im Garten neben eine ältere Dame, dachte diese wohl, ich würde mich langweilen und forderte mich zu einem Tänzchen auf. Es wurde ein wunderschönes Erlebnis. Diese Frau war so herzlich zu mir und wir verstanden uns tanzend, ohne Worte. Mir wurde erklärt, sie sei die Schwester der Brautmutter.

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Irgendwann fuhren wir zur schön gelegenen Kirche und erlebten unseren ersten orthodoxen Gottesdienst. Der Pope sang, schwenkte Weihrauch und alle standen ums Brautpaar und die engsten Familienangehörigen herum. Es gab keine Sitzgelegenheiten, bzw. nur eine lange Bank, auf welche sofort ein paar junge Damen sassen. Später klagte mir eine Frau, sie hätte sich darüber gewundert, denn eigentlich dürften nur kranke oder alte Leute sitzen. Der Freund unserer Tochter musste sich bei der Braut einhängen und auch während des Gottesdienstes konnten wir viele Symbolhandlungen miterleben. So wurde um die Arme des Brautpaares zum Beispiel neue T-Shirts des Paares geschlungen (ich glaube, die wurden anschliessend der Kirche zum Weiterverkauf gespendet) Der Pate des Bräutigams erklärte mir später, dies bedeute, dass die zwei nun Zeit ihrer Lebtage miteinander verbunden seien. Ich beobachtete, wie die Braut langsam hin- und her zu schwanken begann und ihre Augen verdrehte. „Oh – oh, sie wird ohnmächtig, bei dieser Hitze“, dachte ich. Zum Glück erhielten sie in diesem Moment Brot und Wein des Abendmahls. Später gestand mir die Braut, das Abendmahl wäre ihre Rettung gewesen. 😉 Auch im orthodoxen Gottesdienst wird das „Jawort“ gegeben und die Ringe getauscht. Und dann wurde dreimal um den Altar gelaufen – währenddem das Brautpaar ihre Kronen, welche sie erhalten hatten, ein paarmal vor dem Altar zogen.

Nach der kirchlichen Trauuung wurde natürlich wieder getanzt, es gab Apéro und dann begab man sich zum Haus des Bräutigams. Die letzten paar Meter – ab dem Dorfplatz bis zum Haus – begleitete man die Braut tanzend zum Elternhaus ihres Mannes. Ihr am nächsten tanzten immer die Brautjungfern. Dann wurde die Braut über die Türschwelle des Elternhauses ihres Mannes getragen. Draussen wurde wieder gegessen und getrunken, die Musiker verabschiedeten sich. Und so nach und nach verabschiedete sich auch die Gästeschar. Endlich konnten wir duschen, uns umziehen und für die Abendfeier im Restaurant bereit machen. By the way: die Frisur hielt den ganzen Tag – und Abend! 😉

Am Abend standen unsere Tochter und ihr Freund etwa 1.5 Std. beim Eingang des Restaurants und nahmen die Geschenke fürs Brautpaar entgegen. Im Gegenzug zu ihrem Geschenk erhielten die Gäste ein Raffaello und wurden zusammen mit dem Brautpaar fotografiert. Oben wurden die Gäste von den Eltern beider Seiten begrüsst und man ass und trank bereits. Zu unserem Tisch gesellten sich Toni und Suzana – ihr erinnert euch – das Paar, welches wir von Buochs kennen und mit denen wir zwei Tage in Griechenland genossen. Als die Brautpaar eintrat, überraschte es alle Gäste mit einem wunderschön einstudierten Brauttanz. So romantisch! Und dann wurde getanzt, getanzt, getanzt. Ohne erwähnenswerten Unterbruch. Von ca. 20.30 Uhr bis um 1 Uhr früh! Und das Brautpaar feierte anschliessend mit ihren jugendlichen Freunden weiter bis um 6 Uhr! Ich muss gestehen: wir tanzten zwar auch viel – und die mazedonischen Tanzschritte wurden uns sehr gastfreundlich und geduldig gelehrt – learning by doing – aber wir pausierten auch oft. Im Gegensatz zum Brautpaar – dieses tanzte stuuuundenlaaang! Ich staune einfach heute noch darüber! Die Band, welche spielte und der Sänger der Gruppe sind in Mazedonien sehr bekannt. Im Verlauf des Abends wurde ich immer wieder mit Komplimenten bedacht, wie gut ich tanzen würde und oft gefragt, ob ich mich wohl fühlen würde, mir auch ja nichts fehle. Auch unsere ganze Familie wurde liebevoll ins Fest mit einbezogen.

Müde und voller Eindrücke gingen wir nach 1 Uhr schlafen. Anschliessend durften wir im Elternhaus des Bräutigams noch ein paar Tage ihre Gastfreundschaft geniessen. Der Brautvater chauffierte unsere Tochter, ihren Freund, meinen Mann, unseren Sohn und mich am Dienstag, 2. August nach Skopje an den Flughafen. Ein paar Tage später wütete in dieser Gegend ein heftiges Unwetter und es gab leider auch Tote. Wir haben die Gastfreundschaft dieser Menschen erlebt – ihre Herzlichkeit und deshalb ging mir diese Schreckensnachricht nah. Gerne kehre ich wieder mal nach Mazedonien zurück und ich möchte die Sprache lernen, um mich mit den Grosseltern und Verwandten dort unterhalten zu können.