Der schaurig-schöne, mystische Klang der Hornbläser Beckenried am Samichlaiseinzug

Diese Zeilen habe ich für den Nidwaldner Blitz verfasst und sie erscheinen heute, 30.11.17 in der Printausgabe, in leicht angepasster Form.

Manche Beckenrieder, sagen, dass der „Samichlais-Iizug“ der höchste Feiertag im Dorf sei. Jung und Alt sind auf dem Samichlais-Märcht anzutreffen, wenn nicht grad der Samichlais zuhause auf Besuch ist. In Beckenried besucht er jede Familie. Man muss sich nicht anmelden dafür.

Abends trifft sich das ganze Dorf, als Teilnehmer oder Zuschauer beim Einzug des Heiligen St. Nikolaus ins Dorf. Nicht wegzudenken sind dabei die Beckenrieder Hornbläser.

Hier, in einem meiner Videos ab Minute 2.19 zu hören. Ich habe es 2008 gedreht und es ist leider nicht in der heute üblichen Qualität:

Seit 1978 lassen die Hornbläser jedem Menschen am Strassenrand mit ihren archaischen, langgezogenen Klängen einen Schauer den Rücken hinunter rieseln und auf den Armen bildet sich Hühnerhaut.

Horn- oder Helmibläser?

Im 15. Jahrhundert wurde die Vorhut eines eidgenössischen Heeres „Harster“ genannt. Diese spielten ein Kriegshorn aus Tierhörnern, das „Harschhorn“. Man verwendete sie ebenfalls als Jagd- und Hirtenhorn, denn die rauhen und starken Töne waren dazu besonders geeignet. An der Landsgemeinde Stans eröffneten die Helmibläser jeweils die Versammlung, indem sie in ein solches Horn bliesen. An der letzten Landsgemeinde Stans 1996, hatte Helmibläser Paul Arnold aus Dallenwil diese Ehre. Nicht aus demselben Grund blasen die Beckenrieder am Samichlauseinzug in ihre Tierhörner. Denn früher glaubten die Menschen, dass sich Dämonen, welche in der dunklen Jahreszeit besonders aktiv seien, mit Lärm und Lichter vertreiben liessen. So entstand der Brauch des „Geisslechlepfens“ (Peitschen knallen), „Trichlens“ (Kuhglocken rhythmisch schwingen), des Hornblasens und des „Iffelen“-Tragens (grosse Laternen).

Hörner von Zwittertieren

Früher wurden Zwitter-Rinder bevorzugt für die Hofarbeit eingesetzt und vor Wagen gespannt. Denn sie vereinen die Grossmütigkeit einer Kuh mit der Stärke eines Stiers. Die Hörner dieser Tiere waren besonders lang und stark. Der Hornbläser erzeugt durch das Hineinblasen in ein sogenanntes Zwickhorn einen tiefen Klang. Auch Geissen-Zwitterhörner sind beliebt. Sie klingen heller. Diese Tiere werden heute nicht mehr gezüchtet, sondern als Jungtiere geschlachtet. Deshalb sind Hörner, welche sich für den Samichlauseinzug verwenden lassen, rar geworden. Doch die Hornbläser haben gute Beziehungen zu Familien, die 100-jährige Hörner besitzen und sie für das besondere Brauchtum gern ausleihen. Andere Bläser finden Hörner auf Flohmärkten, fragen Züchter von Hochlandrindern, finden ein Wasserbüffelhorn, oder gar das geschwungene Horn einer Antilope. Jedes Horn erzeugt einen einzigen Ton. Wenn alle miteinander in ihre verschiedenen Hörner blasen, ergibt dies eben diesen schaurig-schönen Ton.

Der Samichlauseinzug ist Hauptprobe, „Aufführung“ und Probe fürs nächste Jahr

Angesprochen darauf, ob denn die mittlerweile 18 Männer und 1 Frau, welche sich zum Verein „Hornbläser Beggeried“ zählen, zum Üben zusammenkommen, meint der Präsident Turi Käslin augenzwinkernd: „Wir üben an jedem Samichlais-Iizug fürs nächste Jahr.“ Das jüngste Mitglied ist um die 30 Jahre alt, die ältesten im Pensionsalter. Letztere schätzen die rückenschonende Möglichkeit der Umzugsteilname, im Gegensatz zum Tragen einer grossen „Trichle“ oder einer schweren “Iffele“.

Ich hoffe am 2. Dezember auf gutes Wetter, viele Teilnehmer und Zuschauer, um dem Samichlais einen würdigen Einzug ins Dorf Beckenried zu bereiten.

Im Jahr 2009 gedreht – leider ebenfalls noch nicht die Qualität, welche heute möglich wäre:

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Winteraktivitäten in Nidwalden

Hinweis: dieser Blogbeitrag erschien in leicht angepasster Form, als redaktioneller Artikel in der Winterbeilage des Nidwaldner Blitz vom 22.11.17 Ich bin dort als Freelancerin tätig. Der Beitrag wurde nicht von den erwähnten Unternehmen gesponsert.

„S hät Schnee, juhee, und s git nomeh, s’isch alles wiis veruss! Ich legg mi aa zum Usägah und bliib dä ganz Tag duss!“ Andrew Bond besingt, wie herrlich es ist, sich in der klaren Winterluft und im frischgefallenen Schnee zu bewegen.

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In der vom Schnee überzuckerten Welt die Schneeschuhe montieren und frische Spuren im pulvrigen Weiss zu hinterlassen, was gibt es Wundervolleres? Wo kann man aber im Kanton Nidwalden schneeschuhwandern? Oder wo winterwandern, wenn man keine speziellen Schuhe anziehen möchte? Eine längere Plausch-Schlittenfahrt – wo ist dies in der Region möglich?

Über dem Nebelmeer auf der Klewenalp-Stockhütte

Der Hausberg Beckenrieds liegt deutlich über der Nebelgrenze. Spaziergänger können auf gepfadeten Winterwanderwegen unterwegs sein. Ein schöner Weg ist derjenige rund um den Klewenstock. Dauer dieser Rundwanderung: 1 Stunde. Ein Trail für Menschen, welche sich lieber auf Schneeschuhen durch den Schnee bewegen, startet bei der der Schneebar. Folgen Sie dem markierten Schneeschuhwanderweg in Richtung Twäregg. Dort angekommen, entscheiden sie, ob Sie zurück zur Klewenalp oder noch weiter zur Stockhütte hinunter wandern und von da mit der Gondelbahn und dem Postauto an den Ausgangspunkt fahren möchten.  Die reine Wanderzeit für die Route Klewenalp-Stockhütte beträgt ungefähr 1.5 Stunden. Möchten Sie sich auf Stockhütte nicht von der Gondel nach Emmetten bringen lassen, können Sie in einer weiteren Stunde hinunter wandern. (520 Meter Höhendifferenz) Wer keine Schneeschuhe mitbringt, kann diese bei der Arena Station in der Bergstation für CH 65.—mieten. (Preise Winter 2016). Der längste Schlittelweg der Region Luzern-Vierwaldstättersee mit 9 km führt von der Klewenalp über die Stockhütte bis nach Emmetten hinunter. Die Klewenalp bietet geführte Schneeschuhwanderungen, Mondscheintouren und Nachtschlitteln an.

Die Ruhe der Natur in Niederrickenbach

Im bevölkerungsmässig kleinsten Teil der politischen Gemeinde Oberdorf, auf 1200 Metern Höhe, liegt Niederrickenbach. Im Volksmund Maria-Rickenbach genannt. Die Luftseilbahn LDN ab Dallenwil eröffnet den Gästen bereits auf der Bergfahrt ein wunderschönes Panorama. Sowohl präparierte Winterwanderwege, wie gut markierte Schneeschuhtrails, entführen die Besucher in eine ruhige Schneelandschaft abseits des Rummels. Alle Touren sind lawinensicher ausgesteckt. Nach der Bewegung an der frischen Luft, wärmt ein Fondue im „Pilgerhaus“ Leib und Seele. Es werden geführte Touren angeboten. Informationen über das Telefon der LDN-Talstation 041 628 17 35, wo auch Schneeschuhe und Stöcke vermietet werden.

Geheimtipp für Vogelfreunde auf dem Wirzweli

Dallenwil ist nicht nur Ausgangspunkt für die Fahrt auf Niederrickenbach, sondern auf der anderen Talseite geht’s hinauf zum Wirzweli. Ein Gratis Shuttle Bus fährt die Wirzweligäste gegen telefonische Voranmeldung, vom Bahnhof Dallenwil direkt zur Talstation der Luftseilbahn Dallenwil – Wirzweli. Für Anreisende per Auto stehen rund 300 gebührenpflichtige Parkplätze zur Verfügung. Eine der möglichen 30 km Winterwanderwege, ist diese: Wirzweli – Gummenbahn (15min) – Alp Langboden (45min) – Dürrenboden (15min) – Vorderegg – Ronenhütte (30min) – Gummenalp Bergstation (20min), Talfahrt mit Seilbahn – Talstation – Wirzweli Bergstation. Es gibt einen 5 km langen, kombinierten Schlittel-Wanderweg. Schlitten können im Restaurant Waldegg auf Wirzweli gemietet werden. Direkt bei der Bergstation der Wirzwelibahn befindet sich der Bergladen mit Vermietcenter und Schneesportschulbüro. Schneeschuhe und Stöcke können hier gemietet werden. Der Eulenpfad mit lebenden Eulen und Uhus, ist ein kleiner Geheimtipp für Vogelfreunde.

Nach der Winterwanderung gibt’s ein Fondue auf dem Niederbauen

Auch hier kann man an der Talstation Schneeschuhe mieten und sich über geführte Touren mit anschliessenden Fondue-Essen informieren. Eine 8-Kabinenbahn führt Sie ab Emmetten auf 1575 Meter Höhe. Ausgangspunkt von verschiedenen Schneeschuhrouten, ist das Restaurant Niederbauen, welches sich direkt an der Bergstation befindet.

Wandertouren in einer Märchenlandschaft auf der Bannalp

Die Bannalp befindet sich auf 1600 Meter über Meer oberhalb von Wolfenschiessen, im Engelbergertal. Sie ist mit einer Luftseilbahn ab Oberrickenbach erschlossen. Die Bergstation Chrüzhütte ist der Startpunkt von Schneeschuhtouren und Winterwanderwegen in einer verträumten Bergwelt.

Auf dem ob- oder nidwaldnerischen Trübsee?

Wussten Sie, dass der Trübsee nicht zu Ob-, sondern zu Nidwalden gehört? Die Titlis-Bahn startet im obwaldnerischen Engelberg. Trübsee, Gerschnialp oder Engelberg bieten ein Winterwandernetz von 50 Kilometern und eine Schlittelstrecke ab Gerschnialp. Wie wäre es, am Ende eines Wintersporttags im Iglu zu übernachten? Ein Expeditionsschlafsack, welcher für Temperaturen von bis zu minus 40 Grad hergestellt wurde, liegt auf einem flauschig weichen Bett aus Schaffellen bereit.

Für alle Trails gilt: bitte betreten Sie die Wildruhezonen nicht.

Geheimtipp 

Schneeschuhtrails, Winterwanderwege und Schlittelplauschabfahrten sind ideale Möglichkeiten, sich als ganze Familie in glitzernden, pulvrigen Berg-Schneelandschaften Nidwaldens zu vergnügen. Eine ganz andere Möglichkeit, sich im Winter aktiv zu bewegen, bietet die Kanuwelt Buochs an. Denn auch in der kalten Jahreszeit kann man durchaus Kanufahren. Die Landschaft ist ruhiger und idyllischer, als im Sommer. In dieser Ruhe, warm eingepackt über den See zu gleiten, entführt in eine andere Welt. Sogar ein Fondue-Plausch in der Gruppe ist buchbar. Oder wie wäre es mit einem Eskimorollentraining im Hallenbad?

 

 

Beachten Sie die Revisionen der Bergbahnen:

Klewenalpbahnen, Wirzweli und Bannalp bis 1. Dezember

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Ich hätte gesagt…. ;-)

„Du bist im Radio gekommen?“, fragte meine Mutter mich, als sie extra deswegen anrief. Dass mein Foto nicht nur auf der Webseite von SRF erschien, sondern dass Regi Sager ebenfalls am Mikrofon was darüber sagte (im Nachtclub), war mir nicht bewusst. Ich habe es später zusätzlich von mehreren Personen vernommen.

Meine Mutter war sichtlich gerührt über meine Erzählung – vor allem zu hören, wie meine Beziehung zu meinem Vater war, der ja leider vor zwei Jahren starb. Sie erzählte mir, dass es für sie als Eltern nicht leicht gewesen sei, mich in herzige Röckli zu kleiden, schöne Haarzöpfli zu flechten und mir zu vermitteln, wie hübsch ich sei. Denn sie waren befreundet mit einer sehr streng pietistisch geprägten Familie. Die Frau schimpfte, laut Auskunft meiner Mutter, oft mit ihnen und hielt ihnen vor, die Kinder zu verwöhnen, sie stolz zu machen. Das sei nicht gottgefällig. Ich sagte meiner Mutter, wie froh ich sei, dass sie mir einen Boden mit einem gesunden Selbstwertgefühl gelegt hätten, denn später zweifelte ich sehr stark an mir. Aber weil da etwas tief innen war, das zu mir selber sagte: du bist wertvoll und gut, wie du bist – konnten diese langen Jahre des Selbstzweifelns und der Minderwertigkeitgefühle nicht völlig Oberhand gewinnen.

Gmerkigs

Als mich Regi Sager, SRF1 Moderatorin versuchte zu erreichen, war ich an einer Nidwaldner Blitz-Sitzung. Ich konnte sie, als ich zuhause war, wiederum nicht erreichen und füllte ein Mailformular aus, das direkt ins Studio gelangte. Sie antwortete mir:

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Zugrunde lag diesem Austausch die Aufforderung von SFR1, in alten Fotoalben zu stöbern und Foto einzusenden, welche einen Moment zeigen, in dem man so rundum glücklich war.Bildschirmfoto 2017-11-14 um 22.39.27.png Schade, ich hätte Zeit gehabt, um ihr mehr über dieses Foto zu erzählen.

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Ich hätte ihr erzählt, dass mir diese Situation, obwohl rund 50 Jahre her, immer noch sehr präsent ist und es mir grad jetzt, wo ich mich dran erinnere, warm wird im Herzen. Mein Vater verstand es, mir zu zeigen, wie härzig er mich fand. Es wird mir erst jetzt bewusst, dass er mir dadurch den Grundstein legte, für ein gesundes Selbstwertgefühl. Ich weiss noch, wie ich in dem Moment vor…

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Warum wir nicht nur armen Menschen in der Schweiz helfen…

„Soso, Menschen in Osteuropa helft ihr? Als ob wir in der Schweiz nicht auch Arme hätten. Ihr würdet lieber der eigenen Bevölkerung helfen. Dort in Osteuropa wohnen doch diese Roma, welche sich in Einbrecher-, oder Bettelbanden organisieren und auch bei uns aktiv sind.“

Seit Jahren hilft unsere ganze Familie tatkräftig mit bei der Aktion Weihnachtspäckli. Bedürftige Menschen in Ost- und Südosteuropa erhalten Weihnachtspakete, organisiert von vier Schweizer Hilfsorganisationen. Unsere Kinder haben von klein auf gelernt, ihr Taschengeld zu teilen mit anderen Kindern auf der Welt.

Mehrere hundert Pakete für Osteuropa

Heute haben wir zusammen mit vielen anderen Menschen, 315 Pakete eingepackt. 250 davon sind für Kinder bestimmt. Eine Sammelaktion läuft so ab, dass wir die Leute ansprechen, bevor sie einkaufen gehen und ihnen sagen, was wir für den Inhalt eines Pakets für Erwachsene und für ein Kinderpaket benötigen. Bildschirmfoto 2017-11-18 um 17.39.34

Sie gehen im Coop Buochs einkaufen und geben uns ab, was sie spenden möchten. Es muss nicht eine ganze Liste sein, sondern jede einzelne Tafel Schokolade ist willkommen. Der Coop Buochs stellt uns seit Jahren den Aussen-Eingangsbereich zur Verfügung und dieses Jahr hat er sogar ausgemusterte Kinder-Burdihemden und Socken gesponsert.

Solche und andere Reaktionen

Die meisten Leute reagieren freundlich und hilfsbereit auf uns. Wir drängen uns nicht auf und versuchen, nur Passanten anzusprechen, welche den Augenkontakt mit uns suchen und fragend schauen, was wir da wohl machen. Wir erhalten Rückmeldungen wie: „Da helfe ich doch gerne – super, dass ihr sowas macht, viel Spass und Erfolg.“ Und das erste Mal, haben wir dieses Jahr sogar erlebt, dass uns Menschen beschenkten. Ein Mann brachte Schoggis und sagte, zwei davon seien für uns Helfer. Und eine Frau versorgte uns Helfer mit einem Sack Mandarinen.

Es gibt aber auch negative Reaktionen. Und das sind Jahr für Jahr dieselben Aussagen, welche meist ganz hässig und verbittert ausgesprochen werden:
„Soso, Menschen in Osteuropa helft ihr? Als ob wir in der Schweiz nicht auch Arme hätten. Ihr würdet lieber der eigenen Bevölkerung helfen. Dort in Osteuropa wohnen doch diese Roma, welche sich in Einbrecher-, oder Bettelbanden organisieren und auch bei uns aktiv sind.“ Ich habe es noch nie geschafft, mit einem Menschen, der solches sagte, das Ganze auszudiskutieren, denn sie schmeissen einem dies an den Kopf und ziehen ihres Weges. Nicht bereit zur Diskussion. Dabei möchte ich ihnen so gerne offerieren, dass sie sich bedienen dürften von unseren Päckli, falls sie selber wirklich zu wenig Mehl, Zucker, Teigwaren oder Seife hätten. Oder sie dürften sogar Kinderpäckli mitnehmen, wenn sie von Kindern wüssten, welche begeistert wären, an Weihnachten Zahnpasta, ein Zahnbürstli, Duschmittel, eine selbstgestrickte Mütze, Socken, Farbstiften und einen Zeichnungsblock zu erhalten – zusammen mit einem kleinen Spiel (vielleicht einem Memory oder Puzzle) und ein Plüschtierli. (Siehe oben – Inhalt der Päckli.) Ich hatte tatsächlich einmal die Gelegenheit, dies einem „Reklamierer“ zu offerieren. Er hat das Angebot abgelehnt.

Ich würde solche Menschen fragen, ob sie sich selber bei 2x Weihnachten aktiv beteiligen würden oder wo sie sich denn karitativ engagieren würden, statt nur zu klagen, dass wir etwas tun. Man könnte zum Beispiel auch die Winterhilfe Schweiz unterstützen. Machen das diejenige, welche unsere Aktion nicht gut finden, dafür dann?

Wenn wir die Menschen in Osteuropa mit Kleidern und Grundnahrungsmitteln versorgen, verhindern wir, dass sie zu uns fliehen müssen und bei uns in der Kriminalität landen. Hilfe zum Überleben vor Ort ist sicher am besten. Es geht ja nicht darum, ihnen Luxusgeschenke zu machen. Sondern die Pakete versorgen Menschen, welche unter dem Existenzminimum leben, oder Waisenkindern, mit Grundnahrungsmitteln und sie schenken hoffentlich mit einer Tafel Schokolade und Biskuits, sowie Geschenken wie einer Kerze, etwas Licht und ein Lächeln. Wir schenken die Pakete Menschen, für die eine Seife bereits Luxus ist und Kindern, die keine Farbstifte haben und kein Zeichnungspapier. Ich behaupte, solche Produkte haben in der Schweiz selbst die ärmsten Menschen.

Die Pakete kommen wirklich an.

Sie versanden nicht bei Regierungsstellen oder dem Zoll. Die Hauptorganisatoren unserer Sammelstelle Buochs, haben den Hilfskonvoi letztes Jahr begleitet und kamen mit vielen berührenden Erlebnisberichten zurück.

Eindrucksvoll sind Filmberichte über die Verteilaktion. Oder Einzelgeschichten… Sie schenken Motivation und ich freue mich, wenn auch das Päckli ankommt, in das heute ein schüchternes Kind einen Zeichnungsblock, Guetzli, eine Tafel Schoggi und Farbstifte gelegt hat. Oder ich denke an den einen langhaarigen, etwas „ausgeflippten“ Herrn, der fand, das sei eine tolle Sache, was wir denn aktuell grad benötigen würden. Ich entgegnete: „Süssigkeiten sind ausgegangen.“ Freudestrahlend kam er vom Einkauf zurück, drückte mir ein paar Päckli Haribobärchen und einige Samichlaussäckli in die Hand. „Welches Kind erhält dies?“, fragte er mich, als er sah, dass ich ein Samichlaussäckli und ein Päckli Gummibärchen sofort in eine Kartonschachtel legte. „Eines, das ohne Sie kein einziges Weihnachtspäckli erhalten würde und dessen Augen ganz fest strahlen werden“, entgegnete ich ihm, selber emotional aufgewühlt.

Es gibt bestimmt auch in deiner Nähe eine Sammelstelle. Hilfst du mit, Hoffnung zu bringen und ein Zeichen der Solidarität über die Grenzen hinaus zu setzen?

Nächstenliebe zu üben, beginnt in der eigenen Familie, der Nachbarschaft, bei Arbeitskollegen, bedürftigen Menschen in der Schweiz – aber sie hört nicht an der Schweizergrenze auf.


Für den Nidwaldner Blitz habe ich für die Sammelaktion vom 11. Nov. 18 diesen Artikel dazu verfasst:

Falls der Text nicht so gut lesbar ist, hier im Original:


Weihnachtspäckli reisen von Buochs nach Ost- und Südosteuropa
 
Seit Jahren sind sie im November vor dem Coop Buochs freiwillig im Einsatz und packen Weihnachtspäckli für Menschen in Albanien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien, Serbien, Weissrussland und der Ukraine.
Letztes Jahr wickelten in Buochs 22 Erwachsene und sogar 15Kinder, 315 Geschenke in schönes Weihnachtspapier ein. Die 264 Kinderpäckli waren gefüllt mit Schulmaterialien, Spielsachen, Socken, Mützen und anderem Nützlichem und die 51 Erwachsenenpäckli mit Grundnahrungsmitteln, Hygieneartikeln etc.
 
Aktion Weihnachtspäckli (AWP)
Die AWP ist ein Zusammenschluss von vier Schweizer Hilfswerken. Auf ihrer Webseite sind die rund 500 Sammelstellen in der Schweizersichtlich, welche bis am 24. November 2018 Päckli entgegennehmen. In Buochs organisiert die Sammlung der Christliche Treffpunkt Nidwalden. 2017 transportierten 33 Sattelschlepper die Geschenke an verarmte Rentner oder Familien und an kranke oder behinderte Menschen. So konnten mehr als hunderttausend Bedürftige ein Weihnachtspäckli aus der Schweiz in die Arme schliessen. Ist bei uns ein Weihnachtsgeschenk eines von vielen, so ist es dort oft das Einzige, was die Menschen zu Weihnachten erhalten.
 
Sollte man nicht zuerst den Notleidenden hier in der Schweiz helfen?
Das Ehepaar Vogel, welches 2015 eine Verteilaktion nachRumänien und 2016 nach Albanien begleitete, erklärt: «Die Schweiz verfügt über ein gut funktionierendes, soziales Netz. Man denke an die Krankenkassen, welche sich den Versicherten annehmen, an Sozialämter, die Aktion Tischlein-deck-Dich, die Lebensmittelverteilungen der sogenannten Tafeln, zweimal Weihnachten, CaritasLäden etc. In den Zielländern, welche die AWP anfahren, gibt es kaum staatliche und soziale Einrichtungen. In Albanien zum Beispiel, verteilten wir Päckli zusammen mit der Sozialarbeiterin der Stadt. Diese hat aber kaum Geld zurVerfügung. Als Unterstützung muss ein Besuch reichen – und unsere Pakete. InRumänien und Albanien erlebten wir, dass die Wohnräume bei Aussentemperaturen im Minusbereich, oft ungeheizt sind. Eines der Häuser hatte nicht mal eineHaustüre. Oft müssen die Leute entscheiden, ob sie entweder heizen oder essenwollen – für beides reicht das Geld nicht. Wir waren schockiert über die Armut und gleichzeitig berührt von der Fröhlichkeit, Dankbarkeit der Menschen»
 
Wie kann ich mich an der Aktion beteiligen?
Es gibt Frauen, die stricken das ganze Jahr Mützen, Socken, Pullover,Schals und geben diese bereits im Vorfeld der Familie Vogel ab. Sie nehmen auch gern viele andere neuwertige Dinge wie Kerzen, Schreibblöcke, Farbstifte entgegen. Auf der Webseite sind die gewünschten Inhalte der Kinder- undErwachsenenpakete detailliert beschrieben, so dass jeder Empfänger in etwa gleich viel bekommt, wie sein Nachbar. Am 10. November, zwischen 9 bis 18 Uhr, kann man im Coop Buochs Benötigtes für die Päckli einkaufen oder Vorhandenes vorbeibringen. Ehrenamtliche Helfer packen dies anschliessend direkt vor Ort ein. Wer weiss: vielleicht entdecken Sie auf einem Foto oder in einem Film, welche auf der Webseite von AWP im folgenden Jahr aufgeschaltet werden, genau«Ihr» Päckli. Es hat einen langen Weg hinter sich gebracht. Seien Sie überzeugt, ein solches Paket zu erhalten, berührt bis ins Innerste, ermutigt und schenkt Hoffnung, die unbezahlbar ist. Jemand, der mich gar nicht kennt, hat mit viel Liebe ein Päckli für mich gepackt. Das lässt hoffen!
 
Regula Aeppli-Fankhauser
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Ich hätte gesagt…. ;-)

Als mich Regi Sager, SRF1 Moderatorin versuchte zu erreichen, war ich an einer Nidwaldner Blitz-Sitzung. Ich konnte sie, als ich zuhause war, wiederum nicht erreichen und füllte ein Mailformular aus, das direkt ins Studio gelangte. Sie antwortete mir:

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Zugrunde lag diesem Austausch die Aufforderung von SFR1, in alten Fotoalben zu stöbern und Foto einzusenden, welche einen Moment zeigen, in dem man so rundum glücklich war.Bildschirmfoto 2017-11-14 um 22.39.27.png Schade, ich hätte Zeit gehabt, um ihr mehr über dieses Foto zu erzählen.

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Ich hätte ihr erzählt, dass mir diese Situation, obwohl rund 50 Jahre her, immer noch sehr präsent ist und es mir grad jetzt, wo ich mich dran erinnere, warm wird im Herzen. Mein Vater verstand es, mir zu zeigen, wie härzig er mich fand. Es wird mir erst jetzt bewusst, dass er mir dadurch den Grundstein legte, für ein gesundes Selbstwertgefühl. Ich weiss noch, wie ich in dem Moment vor der Kamera stand im Selbstverständnis: ich bin hübsch, meine Eltern lieben mich, es ist gut so wie ich bin. Später wurde dieses Selbstwertgefühl stark gedämpft. Ich litt unter dem Spott von Gspänli, weil ich einen sogenannten Vorbiss hatte, d.h. meine Vorder-Zähne standen stark vor. Eine jahrelange Zahnkorrekur erbrachte nicht die gewünschten Erfolge. Erst durch die Liebe Gottes und meines Mannes, geriet das schiefe Selbstbewusstsein wieder ins Lot und ich begann, mich selber erneut zu mögen und meine Gaben zu erkennen. Damals, als Kind, war einfach rundum alles gut. Mit mir und mit der ganzen Welt. Nichts konnte mir passieren, denn mein Zuhause schenkte mir Geborgenheit. Dieses Urvertrauen, welches gelegt wurde, konnte nie ganz zerstört werden.

Wenn die Zeit gereicht hätte, dann hätte ich Regi Sager erzählt, dass ich in meinem späteren Leben noch ganz viele glückliche Momente erlebt habe. Immer wieder so ähnliche, in denen mein Vater mich ablichtete, weil er mich hübsch fand. Aber auch damals, als ich das Handelsschuldiplom in den Händen hielt und während dieser Schulzeit zu einer lebendigen Beziehung zu Gott fand, lösten tiefe Glücksgefühle aus in mir. Die Heirat mit Andy, die Geburten unserer drei Kinder, die vielen gemeinsamen Erlebnisse sind glückliche Erinnerungen, auf die ich alle dankbar zurückblicke.

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Dies alles hätte ich erzählt – aber leider konnten Regi Sager und ich uns gegenseitig nicht erreichen……. 😉

 

 

 

S’Fankhuser Berti us Subige

Verdingkind

Wie oft hat mir meine Grossmutter, als ich ein Kind war, von ihrer Zeit als Verdingkind erzählt. Weil ihre Mutter am „Kindbettfieber“ starb, wurden alle vier Kinder weg gegeben. Meine Grossmutter verbrachte ihre Kindheit und Jugendzeit beim Bauern Künsch in Graswil. Sie klagte mir oft, dass ihre Füsse derart deformiert seien, weil sie erst an der Konfirmation ihre ersten Lederschuhe erhielt, deren Anschaffungskosten sie notabene abarbeiten musste. Diese Schuhe waren beide genau gleich. Es gab also keinen linken oder rechten Schuh. Ihre Füsse waren sich an Schuhe aber eh nicht gewöhnt, denn im Frühling, Sommer und Herbst lief sie barfuss, im Winter taten es „Holzböden“, auch Zoggeli genannt, welche an besonders kalten Tagen mit Heu zur Isolation ausgestopft wurden. Sie konnte ihre Konfirmation, das erste Fest, das zu ihren Ehren gefeiert wurde, nicht geniessen vor lauter Blasen an den Füssen. Die „gute Stube“ durfte sie nie betreten, selbst an Weihnachten nicht. Die Pflegemutter behandelte sie wie eine Magd. Schlafen durfte sie im „Stöckli“, zusammen mit der Mutter des Bauern. Diese war liebevoll und wurde zum Mutterersatz. Ihre Geschwister kannte meine Grossmutter nicht, obwohl sie mit ihrem Bruder Fritz in dieselbe Klasse ging. Der Lehrer verplapperte sich und gab so das Geheimnis preis. Erst als Erwachsene lernte sie noch ihre zwei Schwestern kennen und der Kontakt zu ihren Geschwistern und zur Frau des Bruders, riss Zeit ihres Lebens nie ab.

Die wahre Erfinderin der Onlineshops und des Bed and Breakfast

Sie heiratete 1921 Felix und gebar 4 Söhne. Einer starb leider als Einjähriger. Dies verkraftete sie nie und das Foto, wie er als lebloser Säugling in seinem Bettchen lag, mit Blumen umrankt, zeigte sie mir hie und da. Sie trug ihn in einem Medaillon am ❤ en. Der Sohn, welcher ihr als nächstes nach dem Walterli geboren wurde, bekam seinen Namen. Als Walter erwachsen war und sein Geschäft drohte in den Konkurs zu geraten, entschied er sich für den Freitod, was wiederum ein unendlich grosser Schock für meine Grossmutter war. Zwei Walter-Söhne hat sie verloren!

Mein Grossvater hat sich tief verschuldet, weil er sich genötigt fühlte, eine Bürgschaft zu übernehmen. Der Mann für den er bürgte – ich glaube, es war ein Cousin, ging pleite und mein Grossvater musste die Schulden tilgen. Die ganze Familie litt fortan darunter, solange ich denken kann. Auswirkungen des Familienzwists, welcher daraus resultierte, sind bis heute in unserer Familie spürbar. Eine Liegenschaft musste veräussert werden, die Familie musste schauen, wie sie sich über Wasser halten konnte. Ich bin so stolz auf meine erfinderische Grossmutter, denn sie fand so allerlei, womit sie zusätzlich zum Geld, welches ihr Mann von der Fabrik nach Hause brachte, etwas verdienen konnte. So ging sie putzen ins  Nachbarhaus, zu ihrer Tante. In ihrem Haus befindet sich immer noch ein Läubeli-Abstellkämmerchen. Sie füllte dieses mit Sicherungen, Lampenbirnen, Nähzeug, Seifen und vielem anderem, Nützlichen. Ein kleines Tante-Berti-Lädeli. So ging jeder Subinger schnell zum Berti, wenn eine Sicherung im Haus durchgebrannt war. Sie konnte immer aushelfen. Frauen stöberten in Magazinen über Damenenunterwäsche und bestellten bei ihr Unterhosen, Unterhemden Nylonstrumpfhosen, aber auch ganze Deux-Pieces für Frauen oder gar Herrenanzüge. Die Bestellungen wurden von ihren drei Söhnen ausgetragen. Sie hat sozusagen LeShop, Amazon und Co. erfunden, lange vor dem Onlinehandel. Die drei Söhne meiner Grossmutter betrieben einen Hauslieferdienst mit Bier. Und auch Mineralwasser und diverse Heftli, wie die „Schweizer Familie“ , das „Leben und Glauben“ oder die „Schweizer Illustrierte„, konnten über meine Grossmutter bezogen werden. Bei ihr lernte ich das Ginger Ale Mineralwasser und später das Rivella lieben. Zuhause gab es doch kein „Blötterliwasser“. Mein Vater hat oft erzählt, dass er nicht wirklich Freizeit hatte. Nur für die Jungschar, deren Leiter er wurde und hie und da eine Geigenstunde, da durfte er sich frei nehmen. Ausgang war ein Fremdwort. Es galt, Botendienste im ganzen Dorf zu erledigen, oder das Badehaus zu reinigen. Denn im Waschhaus neben dem Hühnerhaus, hatte meine Grossmutter, als einzige von Subingen, eine Badewanne! Wenn ein Kunde kam, musste mein Vater Wasser einlassen und den Raum und Badewanne nachher reinigen. Meine Mutter erzählte, dieses Haus sei vor 70 Jahren ein wahrer Treffpunkt des gesamten Dorfes gewesen.

Ihr Haus befand sich in Nachbarschaft des Bahnhofs. Und so kam es, dass bei ihr immer ein sogenannter „Zimmerherr“ oder „Bähnler“ logierte. Mal für kürzere, mal für längere Aufenthalte. Das heisst, sie führte ein Bed and Breakfast, lange bevor man dieses Wort kannte. Sie hatte, bis sie etwa 80 Jahre alt und ins Pflegeheim wechseln musst, einen Zimmerherrn. Einmal war der junge Willy Fischer bei ihr einquartiert und lernte die Schwester meiner Mutter kennen, welche damals bereits mit meinem Vater „liiert“ war. Willy und Miggy heirateten, bekamen drei Kinder und leben heute noch glücklich miteinander.

Wenn ein Kind im Dorf sich ein Knie aufgeschlagen hatte, ging es meistens lieber zum Tante Berti, wie alle Kinder sie nannten, als nach Hause, wo es womöglich Schelte erhielt. Mein Grossmuetti hatte den offiziellen Samariterposten des Dorfes, als solchen mit einem Schild am Gartenzaun vor dem Haus gekennzeichnet. 45 Jahre lang war sie treues Mitglied des Samaritervereins Subingen – und die Kinder liebten sie. Aber auch wenn ein Erwachsener sich den halben Finger abschnitt oder sich gröber verletzte, suchte er als erstes meine Grossmutter auf, denn einen Arzt gab es lange Zeit keinen in Subingen. Erst wenn meine Grossmutter fand, eine Wunde müsse genäht werden, schickte sie den Patienten in ein Nachbardorf, zum Beispiel Langendorf zu einem Arzt.

Die Medizin der Musik

Sie sang oft und gern. Alleine oder im Chor. Wenn ich das schreibe, habe ich noch ihre im Alter etwas zittrige, aber schöne Stimme im Ohr  und ich höre, wie sie „I Muetters Stübeli“ oder „Stägeli uf, Stägeli ab“ singt. Der Schalk sass ihr im Nacken, wenn sie sang: „jo du bruchsch mir nit z’trotze, ja suscht trotz i dir au. Sones Bürchteli wie du eis bisch, sones Meiteli bini au.“ Deshalb war es für mich ein besonders ergreifendes Erlebnis, als wir solche Lieder im letzten Chorprojekt Ennetbürgen sangen. Sie hätte mir mit Tränen der Rührung in den Augen zugehört, da bin ich mir sicher. Und ich höre sie sagen: „Jo, s’Regeli, die Liebe zum Singen, hast du von mir geerbt….“

Scan 1.jpegSie war regelmässig bei uns in den Ferien. Dann sass sie auf meinem Bett und hörte mir aufmerksam und mit Genuss und Begeisterung beim klassischen Gitarrespiel zu. Genauso hätte sie mir beim MundArt-Konzert des Chorprojekts zugehört.

Ein Glaube, der „verthebt“ wie bei den Hugenotten

Ihr Glaube war mir ein Vorbild. Ihren Lieblingspsalm, der ihr Konfirmandenspruch war, hat sie öfters rezitiert: Psalm 23,4: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Diesen Psalm habe ich vor zwei Jahren meinem Vater auf seinem Sterbebett vorgelesen…

Sie trug stets ein goldenes Kettchen mit einem Anhänger um den Hals. Einmal sagte sie zu mir: „Wenn du die Bedeutung des Anhängers kennst, dann schenke ich dir das Ketteli.“ Da ich gerade von einem Ferienlager der Jungen Kirche Schweiz mit dem Titel „Auf den Spuren der Hugenotten“, aus der Provence nach Hause kam, wusste ich die Antwort: es war ein Hugenottenkreuz. Dieses Kreuz hat eine besondere Symbolik durch das Leid, das damit verbunden ist. Die Hugenotten wurden verfolgt und viele von ihnen mussten fliehen.   Grossmutter hielt ihr Wort. Sorgsam legte sie mir das Goldkettchen mit Anhänger in meine Hände und sagte: „Halte es in Ehren. Denke immer an dein Grossmuetti.“ Und das tue ich bis heute.

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Grossmuetti war eine Frau, welche Emotionen zeigte. Wie herzhaft und ansteckend sie lachen konnte! Niemals aber lachte sie jemanden aus. Aber sie war auch oft traurig, ich glaube, manchmal litt sie unter Depressionen. Wenn ich sie als Kind fragte: „Grossmuetti, warum bist du traurig?“, dann erzählte sie mir eben von ihrem traurigen Leben als Verdingkind.

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Warum ich jetzt über meine Grossmutter schreibe? Ich bin immer noch am Sichten von Ordnern meines Vaters. Dabei kam dieser Nachruf zum Vorschein, den er für seine Mutter verfasste:

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Auf dass meine Grossmutter und ihr Sohn Eugen, mein Vater niemals vergessen gehen!

So ein lieber Kommentar via Facebook, wo ich meine Gmerkigs-Beiträge ebenfalls veröffentliche:

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Aktualisierung am 17. September 2018: heute las ich in der Zeitung über die deutschen Kinder, welche nach dem 2. Weltkrieg für Monate in die Schweiz zur Erholung reisen durften. Meine Grossmutter nahm auch ein Mädchen namens Lore auf. Zu ihr und ihrer Familie hielt sie bis zu ihrem Tod freundschaftlichen Kontakt.

Sich einmal fühlen wie ein VIP (Very Important Person) im Spa Hotel Villa Honegg

Vorbemerkung: dieser Blogbeitrag wurde weder vom Hotel Villa Honegg noch von einem anderen Werbepartner  gesponsert.

Der Blick, wenn wir zuhause am Esstisch sitzen, geht jeden Tag in Richtung Rigi, Bürgenstock und Vierwaldstättersee. Wir wandern oft in unserer wunderschönen Zentralschweiz – im Herzen der Schweiz, wie es ein neues Video des Kanton Nidwaldens treffend beschreibt.

Ich erinnere mich, wie wir am 8. Dezember 2016 nach einer Wanderung auf dem Bürgenstock oberhalb des Hotel Villa Honegg auf den Pool hinunterblickten und zueinander sagten: „Nun ja – wir können die atemberaubende Aussicht ja genauso geniessen, ob wir uns nun im oder ausserhalb des Pools befinden.“

Heute gebe ich zu: es schwang nebst Bedauern auch Neid mit in dieser Aussage. Denn wir würden uns den stolzen Eintrittspreis in den Spa-Bereich dieses 5-Sternehotels nie leisten können oder wollen.

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Wie schön, wenn liebe Mitmenschen sowas aus unseren Bemerkungen heraushören und daran denken, wenn sie überlegen, was sie einen zum Geburtstag oder auf Weihnachten schenken könnten. Und so erhielt mein Mann zu seinem  55. Geburtstag im April 2017 von seinen zwei erwachsenen Töchtern einen Gutschein für eben diesen Wellnessbereich. Glücklicherweise liessen sie ihn für zwei Personen ausstellen. 😀

Am 11.11.17 auf 11.11 Uhr reservierten wir unsere besondere Auszeit. 

Bereits am Empfang fühlen wir uns „königlich“. Man merkt, dass diese Jugendstil-Villa ein 5-Sterne Superior Hotel ist. Persönlich werden wir zu den Umkleidekabinen geleitet. Ein Kästchen für unsere Kleider sei vorbereitet worden, informierte man uns und es enthalte Badetücher und je einen Bademantel. Pflegeprodukte würden in der Duschkabine bereit liegen. Wir wären froh gewesen, hätten wir gewusst, dass wir keine eigenen Frottéetücher und Bademäntel mitzubringen brauchten. Denn wir reisten mit auffällig dicken IKEA Taschen an. 😛

Als Erstes wollen wir natürlich sofort im berühmten Edge-Pool „sprudelen und bädelen“. Berühmt, ja „viral“ ging er im Internet, als der Reiseblogger Loucos Por Viagem sein Erlebnis davon weltweit teilte. Die Webseite des Hotels ging damals zeitweise down. Von einer „Treppe zum Himmel“ war in den Kommentaren die Rede und Vergleiche mit der Narniawelt wurden angestellt . Deswegen hat sich Hotel zwischenzeitlich ein ausgeklügeltes System entwickelt, um Gästen weiterhin Ruhe im Spabereich zu gewähren. „Es hängt davon ab, wieviele Hotelgäste wir aktuell beherbergen und die Wetterlage spielt eine Rolle“, meint Frau Von Holzen, als ich sie frage, wieviele Gäste sie zeitgleich ins Spa einlasse. Während unseres 4-stündigen Besuchs, befanden wir uns mit 3 anderen Paaren zusammen im gesamten Bereich. Dies war eine sehr angenehme Anzahl an Personen. Wir verteilten uns im Aussen-, im kühleren Innenpool, in der Sauna und dem Dampfbad. Es standen grad 8 Liegen zur Verfügung. Weil sich nicht immer die genau gleichen 8 Personen im Bad befanden, kam es vor, dass Liegen noch mit Tüchern der Vorgängern besetzt waren. Doch es ging nie lange und sie wurden von Mitarbeitenden entfernt und neue Tücher wurden schön drapiert bereitgelegt. Diese Mitarbeiter waren auch fleissig beim Boden aufwischen und Kontrollieren, ob noch genügend Früchte, Knäckebrot, Tee, Bouillon und Mineralflaschen bereit liegen. Wir schätzten diese Gratisangebote. Wenn es wärmer gewesen wäre, hätten wir uns im Aussenbereich auf Liegen bequem machen können. Während unseres Besuches war das Wetter diesig, manchmal tröpfelte es sogar leicht.

Das Erlebnis, sich in diesem Aussenpool aufzuhalten, sich von Boden-, Wänden-, und Liegesprudeln massieren zu lassen mit der traumhaften Aussicht, war dann wirklich traumhaftes. Selbst für uns, welche die Aussicht ja kennen. Aber wir sind noch nicht abgestumpft und geniessen es, hier wohnen zu dürfen.

Ich habe mir überlegt, dass von einem Baden in diesem wunderschönen Aussenpool nur bei einem Schneesturm, Gewitter und dickstem Nebel abzuraten ist. Das Wetter muss nicht zwingend strahlendblau sein – auch wir genossen unseren 4-stündigen Aufenthalt rundum. Wir fühlten uns verwöhnt wie VIP’s und mussten uns zugestehen, dass der Preis unter den Umständen, dass man die Ruhe in diesem aussergewöhnlichen Pool mit der phänomenalen Aussicht wirklich geniessen kann, gerechtfertigt ist. Wir können einen Besuch dort wärmstens empfehlen. Buchungen bis Ende Jahr sind leider nicht mehr möglich, wie man der Webseite des Hotels entnehmen kann, aber fürs 2018 kann man bereits jetzt einen Termin reservieren.