Warum wir nicht nur armen Menschen in der Schweiz helfen…

„Soso, Menschen in Osteuropa helft ihr? Als ob wir in der Schweiz nicht auch Arme hätten. Ihr würdet lieber der eigenen Bevölkerung helfen. Dort in Osteuropa wohnen doch diese Roma, welche sich in Einbrecher-, oder Bettelbanden organisieren und auch bei uns aktiv sind.“

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Seit Jahren hilft unsere ganze Familie tatkräftig mit bei der Aktion Weihnachtspäckli. Bedürftige Menschen in Ost- und Südosteuropa erhalten Weihnachtspakete, organisiert von vier Schweizer Hilfsorganisationen. Unsere Kinder haben von klein auf gelernt, ihr Taschengeld zu teilen mit anderen Kindern auf der Welt.

Mehrere hundert Pakete für Osteuropa

Heute haben wir zusammen mit vielen anderen Menschen, 315 Pakete eingepackt. 250 davon sind für Kinder bestimmt. Eine Sammelaktion läuft so ab, dass wir die Leute ansprechen, bevor sie einkaufen gehen und ihnen sagen, was wir für den Inhalt eines Pakets für Erwachsene und für ein Kinderpaket benötigen. Bildschirmfoto 2017-11-18 um 17.39.34

Sie gehen im Coop Buochs einkaufen und geben uns ab, was sie spenden möchten. Es muss nicht eine ganze Liste sein, sondern jede einzelne Tafel Schokolade ist willkommen. Der Coop Buochs stellt uns seit Jahren den Aussen-Eingangsbereich zur Verfügung und dieses Jahr hat er sogar ausgemusterte Kinder-Burdihemden und Socken gesponsert.

Solche und andere Reaktionen

Die meisten Leute reagieren freundlich und hilfsbereit auf uns. Wir drängen uns nicht auf und versuchen, nur Passanten anzusprechen, welche den Augenkontakt mit uns suchen und fragend schauen, was wir da wohl machen. Wir erhalten Rückmeldungen wie: „Da helfe ich doch gerne – super, dass ihr sowas macht, viel Spass und Erfolg.“ Und das erste Mal, haben wir dieses Jahr sogar erlebt, dass uns Menschen beschenkten. Ein Mann brachte Schoggis und sagte, zwei davon seien für uns Helfer. Und eine Frau versorgte uns Helfer mit einem Sack Mandarinen.

Es gibt aber auch negative Reaktionen. Und das sind Jahr für Jahr dieselben Aussagen, welche meist ganz hässig und verbittert ausgesprochen werden:
„Soso, Menschen in Osteuropa helft ihr? Als ob wir in der Schweiz nicht auch Arme hätten. Ihr würdet lieber der eigenen Bevölkerung helfen. Dort in Osteuropa wohnen doch diese Roma, welche sich in Einbrecher-, oder Bettelbanden organisieren und auch bei uns aktiv sind.“ Ich habe es noch nie geschafft, mit einem Menschen, der solches sagte, das Ganze auszudiskutieren, denn sie schmeissen einem dies an den Kopf und ziehen ihres Weges. Nicht bereit zur Diskussion. Dabei möchte ich ihnen so gerne offerieren, dass sie sich bedienen dürften von unseren Päckli, falls sie selber wirklich zu wenig Mehl, Zucker, Teigwaren oder Seife hätten. Oder sie dürften sogar Kinderpäckli mitnehmen, wenn sie von Kindern wüssten, welche begeistert wären, an Weihnachten Zahnpasta, ein Zahnbürstli, Duschmittel, eine selbstgestrickte Mütze, Socken, Farbstiften und einen Zeichnungsblock zu erhalten – zusammen mit einem kleinen Spiel (vielleicht einem Memory oder Puzzle) und ein Plüschtierli. (Siehe oben – Inhalt der Päckli.) Ich hatte tatsächlich einmal die Gelegenheit, dies einem „Reklamierer“ zu offerieren. Er hat das Angebot abgelehnt.

Ich würde solche Menschen fragen, ob sie sich selber bei 2x Weihnachten aktiv beteiligen würden oder wo sie sich denn karitativ engagieren würden, statt nur zu klagen, dass wir etwas tun. Man könnte zum Beispiel auch die Winterhilfe Schweiz unterstützen. Machen das diejenige, welche unsere Aktion nicht gut finden, dafür dann?

Wenn wir die Menschen in Osteuropa mit Kleidern und Grundnahrungsmitteln versorgen, verhindern wir, dass sie zu uns fliehen müssen und bei uns in der Kriminalität landen. Hilfe zum Überleben vor Ort ist sicher am besten. Es geht ja nicht darum, ihnen Luxusgeschenke zu machen. Sondern die Pakete versorgen Menschen, welche unter dem Existenzminimum leben, oder Waisenkindern, mit Grundnahrungsmitteln und sie schenken hoffentlich mit einer Tafel Schokolade und Biskuits, sowie Geschenken wie einer Kerze, etwas Licht und ein Lächeln. Wir schenken die Pakete Menschen, für die eine Seife bereits Luxus ist und Kindern, die keine Farbstifte haben und kein Zeichnungspapier. Ich behaupte, solche Produkte haben in der Schweiz selbst die ärmsten Menschen.

Die Pakete kommen wirklich an.

Sie versanden nicht bei Regierungsstellen oder dem Zoll. Die Hauptorganisatoren unserer Sammelstelle Buochs, haben den Hilfskonvoi letztes Jahr begleitet und kamen mit vielen berührenden Erlebnisberichten zurück.

Eindrucksvoll sind Filmberichte über die Verteilaktion. Oder Einzelgeschichten… Sie schenken Motivation und ich freue mich, wenn auch das Päckli ankommt, in das heute ein schüchternes Kind einen Zeichnungsblock, Guetzli, eine Tafel Schoggi und Farbstifte gelegt hat. Oder ich denke an den einen langhaarigen, etwas „ausgeflippten“ Herrn, der fand, das sei eine tolle Sache, was wir denn aktuell grad benötigen würden. Ich entgegnete: „Süssigkeiten sind ausgegangen.“ Freudestrahlend kam er vom Einkauf zurück, drückte mir ein paar Päckli Haribobärchen und einige Samichlaussäckli in die Hand. „Welches Kind erhält dies?“, fragte er mich, als er sah, dass ich ein Samichlaussäckli und ein Päckli Gummibärchen sofort in eine Kartonschachtel legte. „Eines, das ohne Sie kein einziges Weihnachtspäckli erhalten würde und dessen Augen ganz fest strahlen werden“, entgegnete ich ihm, selber emotional aufgewühlt.

Es gibt bestimmt auch in deiner Nähe eine Sammelstelle. Hilfst du mit, Hoffnung zu bringen und ein Zeichen der Solidarität über die Grenzen hinaus zu setzen?

Nächstenliebe zu üben, beginnt in der eigenen Familie, der Nachbarschaft, bei Arbeitskollegen, bedürftigen Menschen in der Schweiz – aber sie hört nicht an der Schweizergrenze auf.

 

 

2 thoughts on “Warum wir nicht nur armen Menschen in der Schweiz helfen…

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