Fit, schön und gesund

Die aktuelle „Nidwaldner Blitz“ Ausgabe hat einen Beihefter zum Thema „Fit, schön und gesund“. Ich bin mit grad zwei Beiträgen vertreten:

Vom Druck, jung, schön, schlank und fit zu sein

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ wollte die Königin im Märchen „Schneewittchen“ wissen. Wer hat sich oder seine Mitmenschen noch nie gefragt: „Bin ich schön?“ Doch wer bestimmt, was schön oder hässlich ist? Und was ist, wenn ich der Norm nicht genüge?

Hier ein bisschen Fett absaugen, die Nase minim korrigieren und die Lippen aufpolstern lassen. Was ist denn schon dabei? Solche Perfektionierungen des Körpers gehören, wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte, zur Normalität. Wer dem Idealbild, das die Werbung und die sozialen Medien vorgeben, nicht entspricht, erntet Häme, oder den Vorwurf, aufgrund Übergewichts hohe Krankenkassenkosten zu verursachen und damit der Allgemeinheit auf dem Portemonnaie zu liegen. Wer „dick“ ist, heisst es, der ist faul und undiszipliniert. Kontrolle und Leistungsbereitschaft gilt sowohl an der Arbeit und zeigt sich ebenso im Körperkult. Nicht nur Frauen vergleichen sich untereinander, auch Männer müssen ihren „Body“ stählen, ein „Six-Pack“ antrainieren und eine glattrasierte Männerbrust vorweisen. Sonst – so könnte man meinen, ist der Mann kein Mann.

Fataler Schönheitswahn

Für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl ist diese Entwicklung unheilvoll. Laut „Club“, einer kürzlich ausgestrahlten Diskussionsrunde des Schweizer Fernsehens SRF, fühlt sich jedes zweite 13 bis 15-jährige Mädchen in der Schweiz zu dick. Und 80 Prozent der Buben dieses Alters wünschten sich sehnlichst mehr Muskeln. Schweizer Kinder wachsen in der Selbstwahrnehmung auf, etwas sei mit ihrem Körper „falsch“ und machen bereits Diäten. In den USA schenken Mütter ihren Töchtern im Grundschulalter auf Weihnachten oder Geburtstage Brustvergrösserungen. So ist es nicht verwunderlich, aber dennoch erschreckend, dass 91 Prozent aller befragten Frauen in Deutschland angaben, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein und 45 Prozent von Normalgewichtigen sich zu dick fühlen. (Quelle SRF, Club) Diese Entwicklung hat heute einen Namen: „Body Shaming“ (Körperkritik). Der Mensch schämt sich seines natürlichen Körpers und kritisiert andere, sie seien zu fett, zu dünn, zu wenig straff, sogar selbst dann, wenn die auf Instagram geteilten Porträts bearbeitet sind.

Kulturell und historisch wandelbare Schönheitsideale

Dabei ist die Definition, was Schönheit ist, einerseits historischen Modeströmungen unterworfen und andererseits von Land zu Land verschieden. So gelten heute grössere Brüste als schön und sexy, während sich früher die Damen ihre Busen einbanden, um sie kleiner wirken zu lassen. Auf Bildern und Skulpturen der Barockzeit sieht man, dass Frauen mit üppigen Rundungen dem damaligen Schönheitsideal entsprachen. Aber ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Frauen für fast drei Jahrhunderte lang in Korsetts gezwungen. Und so kamen die Menschen schon früh zur Überzeugung, für ihre Schönheit leiden zu müssen. Skurril wirken auf uns Schönheitsideale gewisser Völker, wie zum Beispiel der Surma in Äthiopien. Dort ist eine Frau, ohne eine Platte wie einen Teller in den Lippen, unattraktiv und findet keinen Ehemann. Und die Padaungfrauen im Südosten Myanmars tragen Messingringe um den Hals, welche bis zu 30 Zentimetern über die Schulter ragen, einem Turm gleich. Dieser Schmuck lässt die Halsmuskulatur verkümmern und erschwert das Schlucken. Man mag sich fragen, warum diese Frauen sich sowas antun. Sie hingegen würden es wahrscheinlich als unlogisch empfinden, dass sich Europäer eines Schönheitsideals zuliebe operieren lassen oder trotz ausreichendem Nahrungsangebot einen schlanken Körper anstreben. Ja, warum will der Mensch denn eigentlich schön sein? Wir sind halt soziale Wesen, wollen sowohl gefallen, anerkannt, ja bewundert und geliebt werden, wie dazu gehören. Dabei ist Schönheit relativ und liegt im Auge des Betrachters.

Gegentrend «Body Positivity» 

Es regt sich Widerstand. Denn die Entwicklung, dass Menschen vergessen haben, wie ein Durchschnittskörper aussieht und nur noch derjenige etwas gilt, der faltenlos, schlank und sportlich ist, kann so nicht weitergehen. Es darf nicht zur Gewohnheit werden, dass sich auch unsere Primarschulkinder auf den Pausenplätzen über Diäten und gar angestrebter Schönheits-Operationen unterhalten. Eine Gegenbewegung, „Body Positivity“ genannt,  auf den sozialen Netzwerken breitet sich aus. Menschen setzen sich für eine positive Einstellung dem eigenen Körper gegenüber ein und präsentieren sich mit „Bauchröllchen“, ohne Make-up, unretouchierten Selbstbildern (Selfies), wo man die Cellulite-Dellen auf den Oberschenkeln sieht. Es ist zu wünschen, dass wir die grössere Vielfalt an Menschen, seien sie rothaarig, sommersprossig, schmaler oder runder, mehr zu schätzen lernen, als 08/15 Modells mit Laufstegmassen und jeder einzelne zu einem neuen, gesunden Körpergefühl und Selbstbewusstsein zurückfindet. Betrachten wir unseren eigenen Körper und denjenigen unserer Mitmenschen mit Respekt, denn jeder Körper erzählt eine einzigartige Geschichte. Christian Morgenstern sagt: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“

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Fit und gesund durch die kältere Jahreszeit kommen

Arthur Schopenhauer hat gesagt: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“. Lichtmangel und nasskalte Temperaturen führen schnell zu Erkältungskrankheiten und Erschöpfungszuständen.

Im Sommer findet das Leben draussen statt. Wir gehen wandern, schwimmen, fahren Velo, gehen abends joggen oder treffen uns zu gemütlichen Grillabenden mit Freunden. Sobald es kühler wird, sieht man die Nachbarn nicht mehr, denn jeder zieht sich in die warme Stube zurück. Das Velo wird im Keller verstaut, die Joggingschuhe in den hintersten Ecken des Schuhgestells versorgt. Bewegungsmangel schwächt das Immunsystem. Und wer sich zurückzieht ins eigene Schneckenhaus, ist in Gefahr, in eine Winterdepression zu geraten. Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist. Wie stärken wir diese drei Komponenten, für die kühlere Jahreszeit?

Körperliche Abwehrkräfte stärken

Im Herbst sind Wanderungen besonders toll, denn es ist nicht mehr zu heiss, die Fernsicht prächtiger als an Sommertagen und das Rascheln durch einen Herbstblätterteppich bereitet der ganzen Familie Spass. Ein Sprichwort sagt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.“ Diese sollte aus mehreren Schichten atmungsaktiven Materials bestehen, um den Schweiss von der Haut abzuhalten und gleichzeitig die Körperwärme zu speichern. Viel Wärme verliert der Mensch über den Kopf und so ist das Tragen einer Mütze wichtig. Sobald Schnee liegt, eröffnen sich neue Bewegungsmöglichkeiten wie Langlaufen, Skifahren, Snowboarden oder Schneeschuhwandern. Der Aufenthalt im Freien ist im Herbst und Winter besonders für die Produktion von Vitamin D wichtig. Dieses schützt vor Infektionen. Doch viele Menschen haben in der kälteren Jahreszeit trotz Sport und gesunder Ernährung mit saisonalem Gemüse und Zitrusfrüchten, irgendeinen Vitamin-Mangel. Apotheken, Drogerien oder der Hausarzt beraten gerne, ob Sie persönlich eine zusätzliche Vitamingabe benötigen. Manchen Menschen, welche unter Lichtmangel leiden, hilft eine Tageslichtlampe. Das Licht einer solchen Lampe ähnelt dem Tageslicht und man setzt sich ihr täglich über längere Zeit aus. Sauna- oder Kneippgänge fördern die Durchblutung und stärken die Abwehrkräfte ebenfalls.

Stärkung von Seele und Geist

Zum Mensch-Sein gehört nicht nur der Körper, sondern auch die Seele und der Geist. Diese beinhalten grob umrissen die Psyche, den Verstand und das Bedürfnis nach erlebbarer Spiritualität. Wie wohl tun an dunklen Herbst- oder Winterabenden Besuche lieber Mitmenschen – vielleicht vor einem gemütlichen Cheminéefeuer. Und warum nicht wieder mal eine Kirche oder ein Konzert besuchen? Spannende Bücher lassen uns in der Fantasie in entlegenste Gegenden der Welt reisen. Gesellschaftsspiele vertreiben Kummer und Sorgen, lassen uns lachen und dies wiederum ist gesundheitsfördernd. Denn wenn wir lachen, sind sehr viele Muskeln involviert, die Atmung geht tiefer, die Körperzellen werden entsprechend mit mehr Sauerstoff versorgt, Stresshormone gebremst und Glückshormone ausgeschüttet. Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass Lachen, wie es der Volksmund sagt, „die beste Medizin“ sei.

In diesem Sinn: bleiben Sie gesund!

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Das Foto knipste ich auf dem Schächenthaler Höhenweg

 

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Blogparade Dankbarkeit

Via Twitter wurde ich auf auf eine Blogparade zum Thema Dankbarkeit aufmerksam.

Ich bezeichne mich selber als dankbare Frau. Ich muss mich dazu nicht extra bemühen, sondern es ist seit langem mein Lebensstil. Und selbst in der schwierigen Zeit, in der wir aktuell stehen, gibt es viel Grund zur Dankbarkeit.

Ich bin Gott dankbar dafür, dass:

  • ich IHN (Gott) mit 18 Jahren kennenlernen durfte und seitdem ganz bewusst als sein Kind auf dem Lebensweg unterwegs sein darf. Er ist mein bester Freund, hält, trägt, tröstet, stärkt, ermutigt, fördert, berät und kennt mich.
  • mein Mann und ich in diesem Jahr unseren 30. Hochzeitstag feiern dürfen. Er ist mein Lieblingsmensch und ich hoffe, dass wir uns noch lange geniessen können.
  • Andy und ich drei gesunde, zwäge Kinder haben, welche alle einen guten Weg gehen.
  • wir so schön wohnen. Wir haben See- und Bergsicht, wohnen in einem ruhigen Quartier und pflegen gute und teilweise freundschaftliche Kontakte zu unseren Nachbarn. Im Sommer sind wir in 5 Gehminuten am See und können jeden Tag ein paarmal schwimmen. Im Winter erreichen wir die Talstation zum Hausberg der Klewenalp, wo man toll Wintersport ausüben kann, innert 10 Gehminuten.
  • unser Kater Minouch seit 5 Jahren zu unserer Familie gehört. Er entlockt uns hie und da ein herzliches Lachen oder ein „jöööö“.
  • wir so gute Jobs haben, welche wir gerne ausüben. Seit August 16 habe ich eine zweite Stelle als Freelancerin beim Nidwaldner Blitz (die erste beim SCM Bundes-Verlag Schweiz). Beim Blitz erhalte ich viele spannende Aufträge und das kommt unserem Familienbudget sehr zugute.
  • wir gute Freunde haben, welche in jeder Not für uns da sind, aber auch mit uns die schönen Seiten des Lebens teilen, denn „geteilte Not ist halbe Not, geteilte Freude ist doppelte Freude.“
  • er uns die Musik geschenkt hat. Wie oft stellt mich ein Lied auf und wie wohl tut das Singen. Bald startet zum Glück wieder das Ennetbürger Chorprojekt. Dieses Jahr zum Thema „Mundartlieder“.
  • ich über Facebook, Twitter, Blog und Co. soviele wertvolle Kontakte knüpfen konnte.
  • mir das danken nie ausgeht und ich hier noch zehntausend andere Gründe aufzählen könnte. Danke Gott, dass eine gute Perspektive gibt. Danken zieht nach „oben“. Deshalb habe ich das Beitragsbild gewählt: Wofür kann ich danken – dies zu fokussieren, ins Visier zu nehmen, tut gut.

Ich bin gespannt auf eure Dankbarkeitsberichte. Ich denke, es ist wie ein Ping-Pong-Spiel: wenn ich aufzähle, wofür ich dankbar bin, löst das beim Gegenüber auch Dankbarkeit aus. Es hilft, sein Leben nach Dankbarkeitsgründen zu durchforschen – und wenn man dies teilt, wirkt es ansteckend. Also: wofür bist du dankbar? Mach doch auch mit.

 

Zu Weihnachten gibts Diagnose Krebs

Krebs, das war für mich schon immer ein Schreckenswort.

Meine damals 18 jährige Cousine starb innert Tagen an Leukämie. Das war damals ein Riesenschock für mich.
Als ich ein Teenie war, erkrankte meine Mutter an Krebs. Wir wussten nicht, ob sie’s überlebt. Meine Schulleistungen gingen den Bach runter und niemand fragte nach dem Grund. Meine Lehrerin fand, bei mir seien „Hopfen und Malz verloren“, als ich eine einfache Geometriaufgabe an der Tafel nicht lösen konnte und stattdessen vor der gesamten Klasse in Schluchzen ausbrach. Meine Mutter wurde geheilt. Für uns ein Wunder. Aber vorher war es wochenlang eine ganz schlimme Zeit der Ungewissheit. Und ich war als Kind allein mit allen Ängsten.
Mein Schwiegervater hatte Magenkrebs – ihm musste der gesamte Magen entfernt werden.
In unserer Familie ist Hautkrebs seit Jahrzehnten ein Thema. Wir kennen sämtliche Hautkrebsarten aus eigenen Erfahrungen, gut- und bösartige Flecken, welche aber bisher gut entfernt werden konnten. Meine Mutter hatte mal ein Melanom der ganz schlimmsten Art – und wurde wieder geheilt. Meinem Vater (verstorben im Oktober 15) musste ein grosser, bösartiger Tumor am Kiefer entfernt werden. Damit begann seine grosse Leidenszeit.
Mit einer lieben Bekannten fieberten wir über Jahre nach der ersten Brust-OP aufgrund von Brustkrebs. Sie verlor den Kampf leider.
Ein befreundeter Jugendpastor kämpft ebenfalls seit Jahren mit diesem Ungetüm. Er hat alle düsteren Prognosen der Ärzte überlebt. Sein Zustand ist momentan stabil, aber geheilt ist er nicht.

Und nun das: mein geliebter Mann hat am 19. Dezember die Diagnose Leukämie erhalten. Pünktlich auf die Weihnachtszeit, wenn man sich auf „oh du Fröhliche“ einstimmen möchte. Ein Schock. Es klingt so unreal und ist doch brutale Realität. Dabei wollten wir zusammen alt und grau werden. Mindestens 90ig. Und wir haben für den Juli 2017 eine dreiwöchige USA Reise gebucht. Zu unserem 30. Hochzeitstag, der nächstes Jahr stattfindet. Auf einen Schlag in die Magengrube ist alles ungewiss. Werden wir den 30. Hochzeitstag noch miteinander feiern können? Falls ja: wie wird der Gesundheitszustand meines Mannes dann sein? Können wir noch irgendwelche Pläne miteinander machen? Uns noch auf etwas freuen, das in der Zukunft liegt? Ich wollte die Reise annullieren, aber mein Mann sagte: „Jetzt erst recht. Wir feiern und geniessen das Leben und die Liebe, solange es geht.“

Er ist derjenige, der von dieser fiesen Krankheit betroffen ist und bleibt gelassen. Manchmal ist er etwas „duuuch“, aber das kann auch nur die Müdigkeit sein, welche vielleicht aufgrund der Krankheit vermehrt spürbar ist. Sonst spürt er noch keine Beschwerden. Wir hoffen, dass dies möglichst lange so bleibt. Die Altersleukämie betrifft laut Statistik vor allem Männer ab 70. Wie fies für einen 54 jährigen. Sie verläuft nicht so aggressiv wie in jungen Jahren. Köbi Kuhn, welcher seit 3 Jahren mit dieser Krankheit lebt, schenkt mir Hoffnung. Doch genaue Prognosen über die zu erwartende Lebenszeit und über den Krankheitsverlauf, kann niemand geben, zumal das Infektionsrisiko aufgrund der zu grossen Menge an weissen Blutkörperchen erhöht ist.

Ich weiss, dass unsere Leben in Gottes Hand liegen. Manchmal aber überkommt mich eine riesengrosse Angst. Ich will meinen Mann nicht verlieren. Wir lieben uns, sind glücklich verheiratet. Gerade in den letzten paar Monaten verspürten wir die Dankbarkeit über unsere Beziehung vermehrt. Mein Mann deckte mich mit Zärtlichkeiten ein und versicherte mir, wie hübsch ich sei. Wir kennen einander durch und durch. Müssen einander fast nicht mal mehr anschauen, um zu spüren, wie es dem anderen geht, geschweige denn etwas sagen – wir wissen es so oder so. Ich habe vor ein paar Wochen bereits Veränderungen an A. festgestellt und ihn gefragt, ob er sich fiebrig oder sonst krank fühle. Auch unser Kater lag in letzter Zeit vermehrt ganz laut schnurrend bei ihm. Ich möchte nie ohne meinen Liebsten leben. Die Angst vermischt sich mit einer grossen Traurigkeit. Vorgestern liefen mir im Postauto auf einmal Tränen die Wangen runter. Ich konnte sie nicht stoppen. Ich glaube, es hat niemand von den anderen Fahrgästen was bemerkt.

Was wird auf uns zukommen? Ich weiss nicht, ob ich das jetzt überhaupt wissen möchte. Lieber jetzt jeden Tag für sich allein nehmen. Die gegenseitige Liebe geniessen. Aber das ist leichter gesagt, als getan – mit dem Damoklesschwert der Krankheit und des Todes über uns. Klar, jeder weiss, dass er mal gehen muss von dieser Erde. Aber 54 Jahre – das ist doch noch kein Alter, oder? Wir glauben, dass Gott heilen kann – nur wird er es tun, will er es tun? Ich bitte an dieser Stelle, uns von geistlichen Belehrungen zu verschonen. Unser Glaube ist stark und das theologische Wissen gross. Zudem sind wir gut betreut durch die Vineyard Luzern.

Das genaue Ausmass des Krankheitsbefalls wissen wir übrigens noch nicht genau. Mein Mann hat eine Untersuchung beim Hausarzt und zwei im Kantonsspital Stans hinter sich. Wir warten als nächstes auf ein Aufgebot zu einer noch genaueren Untersuchung in der Onkologie des Kantonsspitals Luzern.Diese sollte nächste Woche statt finden.

Wir werden Weihnachten feiern. Denn sie mag vielleicht nicht so unbeschwert sein wie früher, aber der Sinn von Weihnachten wird durch die Krankheit nicht genommen. Das Licht kam in die grösste Dunkelheit. Ohne Jesus wäre alles nichts.

Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch, durch das auf unsren dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.
Friedrich von Bodelschwingh
deutscher Pastor und Theologe
* 06.03.1831, † 02.04.1910

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Dieses Bild entstand im Februar dieses Jahres. Es zeigt Seifenblasen auf der Hand meines Mannes. Mein Beitrag wurde im Buch von Fatima Vidal „Dieser Moment“ veröffentlicht.

In Wirklichkeit ist die Realität anders.

Facebook hat die Angewohnheit, mich von Zeit zu Zeit an Dinge zu erinnern, welche ich vor 1 oder mehreren Jahren mit meinen Mitlesern geteilt habe.

Heute erinnerte mich Facebook an einen Streit mit einer damaligen Nachbarin und alles kam mir „obsi“, wie wir Schweizer zu sagen pflegen, wenn einen die Erinnerungen zu überrollen drohen und so frisch sind, als ob das Ganze erst heute geschehen wäre.

Der Streit begann, als unsere Nachbarn, mit denen wir bis anhin fast 10 Jahre lang in Frieden und sogar freundschaftlich verbunden im selben Miethaus lebten, ihren 3 jährigen Sohn unbeaufsichtigt im und ums Haus herum streunen liessen. Ich beobachtete mehr als eine kritische Gefahrensituation, denn die Strasse und ein Bach, dessen Bachbett glitschig war und der manchmal zu einem Wildbach mutieren konnte, befanden sich in unmittelbarer Nähe. Der kleine Junge zerstörte meine Gartenbepflanzungen. Die Nachbarn, welche sich bisher an die Hausordnungen hielten, verstiessen von einem Tag auf den anderen gegen mehrere solcher Ordnungen. Ich stand in der Funktion der Hausabwartin und hatte klare Aufträge seitens unseres Vermieters. Gespräche mit dem Jungen und mit seinen Eltern brachten keine Einigung – auch nicht, als sich der Vermieter einschaltete. Sie wurden immer dreister, ja sogar gegenüber dem Vermieter so frech, dass er ihnen nach mehreren Gesprächsversuchen und Mahnungen kündigte. Natürlich gaben die Nachbarn mir die Schuld daran, als ob ich unseren Vermieter dermassen hätte beeinflussen können. Sie waren felsenfest davon überzeugt, ich hätte ihn dazu überredet.

Ja, das war schwierig damals vor 5 Jahren. Das Ganze gipfelte darin, dass sie unseren drei Kindern schrieben, was für eine elend miese, heuchlerische und unfähige Frau ich sei und wie sie zu bedauern wären mit so einer Mutter. Meine eine Tochter, damals ein Teenager, schrieb ihnen zurück, dass sie stolz auf „so eine Mutter“ sei. In einem persönlichen „Abschiedsgespräch“ warf mir der Mann vor, ich sei doch überhaupt keine „richtige Frau“. So ein absurder Vorwurf wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Heulen gewesen wäre. Ein sachliches Gespräch war unmöglich, diese Leute waren auf „Krieg“ aus.

Ich getraute mich damals kaum mehr, einen Fuss vor die Türe zu setzen, aus Angst, ihnen zu begegnen. Bevor ich zur Haustüre hinaus trat, bat ich Gott immer um Liebe für meine Nachbarn. So brachte ich es fertig, ihnen von meiner Seite her immer freundlich zu begegnen, sie stets zu grüssen und mit dem kleinen Jungen weiterhin unbeschwert zu plaudern. Aber seine Eltern schalteten auf stur und grüssten nie mehr zurück. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich damals einen tausendfachen Tod gestorben. Ich glaube, meine Freundlichkeit war ihnen ein weiterer Dorn im Auge. Es muss für sie so gewesen sein, wie es die Bibel beschreibt:

Sprüche 25, 21Wenn dein Feind Hunger hat, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken.

22Denn dadurch wirst du ihn zutiefst beschämen, und dich wird der HERR belohnen.

In einer anderen, älteren  Übersetzung steht, dass es sei, wie wenn man mit Freundlichkeit bei denen, welche einem feindlich gesinnt seien, „glühende Kohlen aufs Haupt sammle“. 

Ich wollte sie mit Freundlichkeit bestimmt nicht provozieren, sondern meinte es echt. Die Kraft dazu kam aber aus der Verbindung mit Gott.

Im Grunde genommen taten mir diese Nachbarn leid. Es muss hart sein, so voller Hass zu leben. Die Wucht ihres Hasses blies mich manchmal fast um. Weh tat es mir ums Ungeborene (die Frau war mit dem 2. Kind schwanger). Denn diese Frau war derart verbittert, ihr Gesicht nahm stark verhärmte Züge an – sie war sichtbar ebenfalls unglücklich und ich fragte mich ernsthaft, was für Auswirkungen dies auf ihr Kind im Leib haben würde.

Ich bin froh, muss ich mir selber nichts vorwerfen in dieser Angelegenheit. Ich habe meine Pflichten als Hausabwartin erfüllt, was diese Nachbarn partout nicht einsehen wollten.

Mich hat damals erschreckt, wiesehr ein Mensch seine eigene „Wirklichkeit“ bauen und daran festhalten kann. Sie waren sosehr überzeugt von ihrer Sicht der Dinge. Für sie entsprach ihre Sicht der unumstösslichen Realität. Sie haben sich gegenseitig hochgeschaukelt, sich bestärkt in ihrer Meinung, Bestätigung in ihrem Familien- und Freundeskreis geholt und verstrickten sich immer mehr in ihre eigenen Lügengebilde. Und logisch kann man dann nicht einfach sagen: eure Sicht der Dinge stimmt nicht – sie hätten es nie geglaubt.

Wir wohnen seit einem Jahr an einem anderen Ort, das damalige Haus wurde abgerissen. Mit den Nachfolgern dieser Streithähne hatten wir es dann sehr harmonisch.

Nie vorher in meinem über 50 jährigen Leben und seitdem auch nicht mehr, habe ich solch krasse Anschuldigungen an meine Persönlichkeit hören müssen.

Ich habe unseren ehemaligen Nachbarn vergeben. Aber vergessen will ich bewusst nicht. Das Erlebnis soll mich immer wieder mal fragen lassen: wann bin ich in der Gefahr, Dinge als unverrückbar wahr zu sehen und dabei nicht zu merken, dass ich mir meine eigene Realität aufgebaut habe, welche nicht übereinstimmt mit der realen Wirklichkeit? Ich möchte eine Frau sein, welche sich sagen lässt: pass auf, du hast dich da möglicherweise in etwas verrannt – könnte es sein, dass dein Blick auf die Realität getrübt ist?

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Bild mit freundlicher Genehmigung von „Nur positive Nachrichten“

Wenn ich Gedanken des Neids, der Ablehnung, des Misstrauens über meine Mitmenschen füttere, wird diese Sicht auf meine Mitmenschen meine Realität. Ich kann dann gar nicht anders, als zu glauben, dass sie mir Böses wollen, mich beabsichtigen zu hintergehen. Wenn ich meinen Mitmenschen fortlaufend vergebe, Gutes von ihnen erwarte, dankbar für kleine Liebeszeichen bin und sehe, dass jeder Mensch ein wertvolles Geschöpf ist, verändert das meine Sicht auf sie.

Deshalb will ich diese Lebenserfahrung nicht vergessen. Nicht, um Groll und Bitterkeit zu hegen und pflegen, sondern als Mahnmal für mich selber.

 

Die Blusen meiner Mutter

„Gefällt sie dir wirklich, oder soll ich sie nicht doch in den Altkleidersack geben?“ – „Sie ist wunderschön, Mami. Ich ziehe sie gern an.“ Die Rede war wieder mal von einer der Blusen meiner Mutter. Auf meinen Wunsch hin, schenkte mir meine Mutter ein paar ihrer Kleidungsstücke. Ich liebte sie – nicht nur die Blusen, sondern auch mein Mami. Mit einem ungläubigen Lächeln, in dem aber sehr viel Mutterliebe steckte, fragte sie mich, ob ich denn nicht ausgelacht werden würde in der Schule, wenn ich sowas Altmodisches tragen würde. Eine leichte Verunsicherung regte sich in mir, aber ich wagte es trotzdem. Und ich sah den stolzen und gleichzeitig sanften Glanz meiner Mutter in ihren Augen. Ihre Tochter liebte etwas, was ihr selber einmal viel bedeutet hatte, an dem viele Erinnerungen hingen. Und ich liebte meine Mutter noch mehr und spürte die Verbindung zwischen uns, obwohl ich doch in der Pubertät steckte.

Ich fiel bös auf die Nase, denn natürlich bekam ich in der 6. Klasse zu spüren, dass ich mich nicht chick angezogen hatte. Enttäuscht machte ich mich zuhause an die Hausaufgaben. Meine Mutter spürte, dass etwas nicht stimmte und fragte mich traurig, ob ich wegen der Bluse gehänselt worden sei. Ich mochte es nicht, meine Mutter so traurig zu sehen und ich wollte nicht zugeben, dass der Grund meiner eigenen Traurigkeit die Bluse war. Also verneinte ich. Ich wollte die Bluse nicht mehr anziehen. Nicht, weil sie mir nicht gefiel, aber weil sie meinen Mitschülerinnen nicht passte. Es zerriss mir fast mein Herz – ich erinnere mich so gut. Es tat so weh, denn ich wollte wieder diesen sanften, liebevollen Glanz in den Augen meiner Mutter sehen, ich wollte sehen, dass sie stolz und glücklich darüber war, dass mir ihre Bluse gefiel – und sie gefiel mir ja wirklich auch. Aber ich wollte auch meinen Mitschülerinnen gefallen. Ich wollte keine Aussenseiterin sein, hatte nicht den Mut dazu. Was tun? Langsam drückte ich meinen Fülli auf das eine Löchlein im Spitzenmuster der Bluse und beobachtete entsetzt, wie sich der blaue Tintenfleck mehr und mehr ausbreitete. Meine Kolleginnen sahen mich nicht gern anders – und ich hatte nicht den Mut, zu meiner modischen Vorliebe zu stehen. Ich hatte das Gefühl, meine Mutter zu verraten und schämte mich sehr dafür. Meine Tränen konnten das gute Stück nicht reinwaschen und meine Mutter verstand, dass ich die Bluse nicht mehr anziehen mochte. Ob sie noch lange versucht hatte, den Tintenfleck auszuwaschen, weiss ich nicht mehr. Aber dass ich traurig war, sie so traurig zu sehen, das weiss ich noch.

Mami und Regi
Das war in der Ferienwohnung in Walzenhausen. Ich war zwei Jahre alt und erinnere mich daran, dass ich kurz nach der Aufnahme das Bärli vom Balkon fallen liess. Mein Bruder musste es wieder holen. Das Bärli habe ich im März 15 mitgezügelt ins neue Zuhause.

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Eine andere ihrer Blusen trage ich bis heute. Mit Stolz, auch wenn vor rund 30 Jahren eine Mitschülerin der Haushaltungsschule beim Bügeln meiner Bluse unsorgfältig war und ein brauner Fleck zurückblieb. Ich liebe sie mit der ganzen Geschichte, welche an dieser Bluse hängt. Ich liebe sie mit ihrem Fleck, ihren Knöpfen, welche den Perlmutterglanz verloren haben, der Masche am Halsauschnitt, welche ich nie mehr so schön binden kann, wie sie mal war. Die Liebe zu dieser Bluse ist vergleichbar mit der Liebe zu meiner Mutter. ❤