Paris – Stadt der Liebe

Paris sei im Sommer mit Touristen „überlaufen“, man stehe bei Museen etc. überall stundenlang an und deshalb wählten wir eine gewöhnliche Woche inmitten des Novembers für unseren Besuch der „Stadt der Liebe“.

Stadt der Liebe

Warum meint ihr, nennt man Paris „Stadt der Liebe?“

Natürlich – die Liebe wurde in den berühmten Chansons viel besungen, sie war eine mannigfaltige Inspirationsquelle für die Literatur, Filme, das Theater. Ich habe so manches davon im Französischunterricht gelernt und erinnere mich  bis heute daran. Romantische Gässchen, schöne Aussichten, der Eiffelturm, Versailles, die Liebes-Schlösschen und Bootsfahrten auf der Seine – wecken romantische Gefühle. Auf der „Mur des je t’aime“ wurde die Liebesbekundung in den originalen Handschriften in 311 Sprachen verewigt.

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Aber Meike, mit der wir uns auf eine zweistündige Gratis-Stadtführung begaben, hatte eine ganz andere, unromantische Erklärung dafür: Paris war schon immer Handelsmetropole. Und wenn sich Geschäftsreisende ein paar Tage in Paris aufhielten, besuchten sie wohl auch das Moulin Rouge und begaben sich in „Gesellschaft leichterer Damen“. Sie kamen beflügelt heim und erweckten bei ihren Gattinnen zuhause den Wunsch, diese besondere Stadt, die ihre Männer glücklich stimmte, ebenfalls besuchen zu wollen. So kam es, dass viele Monsieurs zusammen mit ihren Ehefrauen den Eiffelturm besichtigten, eine Bootsfahrt auf der Seine unternahmen, ihrer Liebsten in der Galerie Lafayette etwas Hübsches kauften und die Damen wiederum zu schwärmen begannen, von dieser romantischen Stadt. 😉

Wir erlebten Paris in den Begegnungen mit den Parisern als „Stadt der Liebe“. Im Hotel, den Restaurants, Museen, auf der Strasse, der Metro – überall erlebten wir hilfsbereite, neugierige und liebenswürdige Menschen. „Woher kommt ihr, wie lange seid ihr da, gefällt es euch in Paris und was am besten, kann ich euch helfen, sucht ihr etwas?“ hörten wir täglich mehrmals. Securitas entschuldigten sich dafür, dass sie unser Gepäck durchsuchen müssten und wünschten uns einen wunderschönen Tag. Und wenn ich mein spärlich vorhandenes Französisch anwandte, wurde ich gelobt und bewundert. Es hiess, ich würde gut verstanden und das bedeute was – darauf könne ich mir was einbilden. 😀 Bisher hatte ich eigentlich eher die Erfahrung gemacht, dass Franzosen mein Französisch nicht verstehen wollten. Es tat mir so gut- diesen so ganz anderen Eindruck, den ich von Frankreich und Franzosen erhielt. Diese Begegnungen weckten in mir wirklich eine Liebe zu Paris und ich werde bei Gelegenheit bestimmt gerne zurückkehren.

Stadt der Fussmärsche 😉

Die Metro ist ja eine gute Einrichtung. Aber was wir an Kilometern in langen Verbindungsgängen zurücklegten und treppauf- treppab liefen, weil es nicht überall Rolltreppen gab – das wirkte sehr, sehr ermüdend auf uns. Treppen bestiegen wir zudem bei der Notre Dame, im Louvre, im Schloss Versailles, beim Tour Montparnasse (nach dem Lift muss man das letzte Stück noch zu Fuss erklimmen), zur Sacré-Coeur… Ich hätte an unsere knapp 5 Besuchstage nicht noch weitere anhängen mögen. Dennoch habe ich nicht etwa an Kilos verloren, sondern ein Kilo zugenommen, aufgrund des exklusiv guten Essens überall, wo wir einkehrten. 😉

Stadt der schönen Aussichtspunkte 😉

Auf dem historischsten Aussichtspunkt, dem Eiffelturm, waren wir leider nicht. Am Abend unserer Ankunft besichtigten wir ihn von unten und erlebten die – meiner Meinung nach zu kitschige – Blinki-Glitzer-Beleuchtung vom Boden aus. Wir hielten dies per Kamera fest und erfuhren erst im Nachhinein, dass es darauf ein Copyright gibt und man für solche Aufnahmen dann gebüsst werden könnte, wenn man sie kommerziell verbreiten würde. An dieser Stelle sei festgehalten, dass ich mit meinem Blog und Fotos nichts verdiene. Vor dem Lift befand sich eine lange Warteschlange, online waren keine Tickets für unsere möglichen Besuchszeiten mehr vorhanden und so hatten wir im Sinn, die Treppen bis zum Restaurant zu Fuss zu erklimmen und erst von dort an den Lift zu benutzen. Doch leider schloss der Zugang zum Treppenaufgang in dem Moment, in dem wir eintrafen. In den folgenden Tagen war die Spitze des Eiffelturms entweder nebelverhangen oder wir befanden uns grad dann an einem anderen Ecken der Stadt, wenn sich die Wolkendecke lichtete und die Sonne sich zeigte. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes war der gesamte Turm geschlossen, aufgrund der „Gilets Jaunes“ Demonstrationen. Also haben wir die Aussicht von da oben leider nicht geniessen können.

Dafür aber boten die Dachterrasse von Notre- Dame, von der Galerie Lafayette und vom Aussichtshügel der Sacré-Coeur schöne Blicke auf die Stadt. Aber die phänomenalste Rundumsicht genossen wir auf dem Tour Montparnasse! Dies ohne anzustehen! Wir befanden uns sogar höher, als der Eiffelturm – ein Tipp, der scheinbar noch ziemlich unbekannt ist.

Stadt der Sicherheit?

Mein letzter Paris-Besuch liegt 40 Jahre zurück. Mein Vater schenkte mir damals diese Städtereise zur Konfirmation. 😉 Ich staunte nicht schlecht über die Veränderungen, innert dieser 40 Jahre. Am augenfälligsten waren die Securitas-Kontrollen vor jedem Museumseintritt, Kirchenräumen und manchmal auch vor Restaurants. Der Eiffelturm ist mit hohen Sicherheitsglaswänden gesichert. Krass irgendwie. Aber oft kam uns der ganze Aufwand lächerlich vor, denn oberflächliche Blicke in unsere Rucksäcke genügten vielfach.

Stadt der Geheimtipps 😉

Wir hörten viele Geheimtipps im Vorfeld und wie es so ist mit Geheimtipps – vieles davon ist nicht mehr wirklich geheim und auch nicht jeder Geheimtipp gefällt allen gleich gut.

Geheimtipps, welche wir vernahmen und die sich für uns nicht lohnten, waren:

  • der Blumenmarkt am Place de Madeleine, der aus drei Ständen bestand und wohl im Sommer und Frühling malerisch sein wird.
  • die Street-Art-Malereien in Belleville, weil man in der ganzen Stadt verteilt, überall auf solche Graffitis stösst.
  • Le Comptoir General. Dies wurde in einem Film, den wir uns vor der Reise anschauten, als aussergewöhnlich dargestellt. Nun ja – es stimmt: ein unscheinbarer Zugang, ein origineller Korridor – aber dann sind es zwei Restaurants, welche etwas speziell eingerichtet und dekoriert sind. In einem befindet sich ein Schiff, im anderen Raum wähnt man sich in einem Tropenhaus. Die Möblierung und Deko wirkte teilweise so, dass man sich in einem Museum wähnte. Aber ich meinte, aufgrund des Films, es würden sich dort mehr Räume befinden und war eher ernüchtert.
  • Le Marché des enfangs rouge ist der älteste, überdachte Markt von Paris. Aber er bot, als wir ihn besuchten, nicht wirklich viel. Er ist sehr, sehr klein – ich hätte vermutet, er sei grösser. Vielleicht ist das Warenangebot in Sommermonaten grösser. Dafür stiessen wir auf der Suche nach diesem Marché des enfants rouge auf den phänomenalsten Flohmarkt ever.
  • Im selben Film, der Le Comptoir General empfahl, wurde ein Gang rund um die Fondation Louis Vuittons empfohlen. Wir lasen in mehreren Bewertungen, dass die ausgestellten Kunstwerke nicht ein absolutes „Muss“ zum Besichtigen wären. Aber das Gebäude nur schon von aussen zu betrachten, sei beeindruckend. Naja – es war ok. Zum Vergleich hat mich die Architektur der „Stadt der Künste und Wissenschaften“ in Valencia/Spanien vor Jahren viel mehr beeindruckt. Wir staunten über den grossen Besucheraufmarsch vor der Fondation Louis Vuittons. Eine lange Menschenschlange harrte in der Kälte aus. Dies, obwohl eine Onlinebuchung nötig ist. (Zum Vergleich: im Eingang zum Louvre standen wir nicht an und dies ohne Onlinereservierung.) Die Fondation ist nicht gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. Dass der Shuttlebus nur 1 Euro gekostet hätte, lasen wir erst zuhause. Der Busschauffeur selber gab uns keine Auskunft und wir meinten, es handle sich um einen Shuttlebus, der im Eintrittspreis inkludiert wäre. Wir hätten uns eine Viertelstunde Hin- und Rückweg zu Fuss sparen können.

Geheimtipps, welche wir vernahmen und die sich für uns aber wirklich lohnten, waren:

  • La Défense, das moderne Hochhausquartier mit einer neuen Art des l’arc de Triomphe. Die Architektur, die Farbenspiele und Kunstwerke, sind faszinierend und lohnen einen Besuch. Auf der Hauptachse pulsiert das ganze Jahr hindurch das Leben. Während unseres Aufenthaltes fand dort grad ein Weihnachtsmarkt statt mit originellen und teilweise handwerklichen Produkten, welche man auf unseren Weihnachtsmärkten nicht sieht.
  • Und eben – die Aussicht vom Tour Montparnasse, welche ich oben bereits erwähnte.
  • Das Hotel B Montmartre, in dem wir logierten, ist ein Tipp, den wir gerne weiter geben: es ist zentral gelegen und dennoch ruhig. Die Mitarbeiter lesen den Gästen die Wünsche von den Augen ab. Einzig die Matratzen waren etwas gar hart – aber es gibt Menschen, die gerade diese Härtegrade bevorzugen. 😉 Wir logierten in einem geräumigen Dreibett-Familienzimmer. In der Reiseplanung wendeten wir viel Zeit auf, Hotelbewertungen zu lesen. In sovielen war von unfreundlichem Personal, lärmigen, sehr kleinen und unsauberen Zimmern die Rede. Doch unser Logie war von allem das Gegenteil. Mag sein, dass die normalen Zimmer ebenfalls sehr klein sind -aber unser Familienraum war ausreichend gross für uns drei.
  • Das Lösen eines Museumspasses hat sich für uns gelohnt. Für die Metro lösten wir meist ein 10-er Set und nur einmal Tageskarten.
  • Wir empfehlen die Gratis-Stadtführung „Paris mal anders“. Es war zwar sehr kalt, aber auf dem zweistündigen Fussmarsch durch die Gegend rund um Notre Dame, hat uns Mike auf Deutsch sehr viel Interessantes erzählt und gezeigt. Je nach Zufriedenheit der Führung, bezahlt man dem Guide ein Trinkgeld.
  • Besucht nicht nur das Schloss Versailles, sondern auch Trianon und das kleine Städtchen Le Hameau de la Reine. Die Geschichte zu letzterem: die Königin liess ein kleines, französisches Dorf bauen, eine Art „Ballenberg“ wo sie eine Magd spielen konnte. Das einfache Landleben wurde idealisiert. Sie konnte dort beim Bauernhof jederzeit Milch trinken, frische Eier etc. geniessen, beim Müllner schauen wie gemahlen wurde. Aber diese 10 Gebäude stellten bloss eine künstliche Dorfidylle für sie, ihre Hofstaat-„Freunde“ und ihre Kinder dar. In Wirklichkeit ging es den Leuten auf dem Land schlecht. Sie hungerten, währenddem das Königshaus in Prunk lebte. Der Unterhalt des künstlichen Dorfs verschlang auch nicht wenig Gelder. Das alles führte schlussendlich zur französischen Revolution.

Der Link zu unserem Fotoalbum hier (klick mich).

Die Reise mit dem TGV war entspannend, ruhig und innert 3 Stunden ab Basel sehr schnell. An dieser Stelle nochmals ein Merci an Michel Azéma. Ich lernte ihn via Facebook kennen, er besuchte uns mal in unserem Zuhause in Beckenried – und er wiederum hiess uns in „seiner“ Stadt auf allerherzlichste willkommen. Michel – Paris – nous aimons revenir.

 

 

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YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken

„Tun was er sagt…. das bedeutet für mich in diesem neuen Jahr unter anderem, dass ich mir konkrete Gebetszeiten einrichten möchte. Ich hatte den Eindruck von einer bestimmten Uhrzeit. Diese Zeit mit Gott, welche ich mir vorgenommen habe, im 2018 fest einzurichten, werde ich von meinen Facebook- und Twitter-Aktivitätszeiten wegstreichen. Denn an einem Abend hörten wir von Pete Greig (Leiter und Gründer von einer Gebetsbewegung, welche 24 Std. und 7 Tage die Woche beten), dass wir alles wegräumen sollen, was uns abhalten und ablenken will vom Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen. Mir war klar, dass die Zeiten, welche ich mit Social Media verbringe, zu viel Platz in meinem Leben einnehmen. Ich sage nicht, dass ich kein Facebook, Twitter, Instagram mehr nutzen möchte – aber nicht mehr zwei oder mehr Stunden am Tag, sondern die Hälfte davon. Es ist nicht so, dass Gott uns zwingt, etwas weg zu geben oder los zu lassen. Sondern er fragt uns, ob wir bereit sind, ihm etwas zurück zu geben, was uns nicht gut tut, damit er uns mit etwas beschenken könnte, was tausendmal wertvoller ist. Ich bete im Grunde genommen überhaupt nicht gerne. Aber ich sah während dieser Explo-Zeit ein, dass Gebet der Schlüssel zur Kommunikation mit Gott ist. Und Kommunikation gehört nun mal zu einer freundschaftlichen Beziehung. Also möchte ich dieses „Land“ ganz neu entdecken für mich.“ Continue reading „YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken“

Mein facettenreicher, geliebter Vater

Bald jährt sich der Todestag meines Vaters zum 2. Mal. Wir sind immer noch am Sichten/Räumen von seinen vielen Sammlungen (Briefmarken, Münzen, Nostalgisches…) Letzte Woche haben meine mittlere Tochter und ich beim Durchstöbern von Ordnern ein paar interessante Sachen aus dem Leben meines Vaters erfahren. Zum Beispiel, dass er sogar weltweit eine Kapazität war, was Wärmebehandlung von Metall betrifft. Er ging an Konferenzen als Delegierter der Schweiz, offiziell aufgeboten seitens des Bundesrates, war Dozent an der Fachhochschule Zürich und bildete Lehrlinge aus. Das war mir bis heute nicht bewusst. Ich wusste, dass mein Vater geschäftlich mehrmals in Paris war, aber nicht, dass dies einmal kurz vor meiner Geburt noch der Fall war. Meine Schwester erzählte mir gestern, dass er einmal ein Raketenteil, das für die NASA produziert wurde, persönlich in die USA begleiten musste. Unter grössten Sicherheitsauflagen. Mein Vater war massgeblich an der Produktion dieses Stücks beteiligt gewesen. Damals sprach er noch nicht Englisch. Er hat dies erst später gelernt und mit mir lange Zeit brieflich in Englisch korrespondiert, um es zu lernen und praktizieren.

Und noch was habe ich in diesen Ordnern gelesen: dass er an einem Wettbewerb künstlerischer Natur, mitgemacht hat. Im Ordner ist seine Arbeit beschrieben. Später am Tag habe ich diese kleine Eisenskulptur in einem Zimmer des Hauses meiner Eltern zufällig entdeckt. Lustig – sie ist mir bisher nie aufgefallen. Da lese ich was in einem Ordner, vom Vater angelegt und sehe dieses künstlerische Werk daraufhin sofort.  Meine Mutter wusste nicht mehr in welchem Zusammenhang er dieses Stück erstellt hat. Sie meinte aber, er wäre wohl glücklicher gewesen, wenn er als Künstler hätte leben können statt als Mechaniker. Nur hätte er halt damit nicht eine Familie ernähren können. Meine Schwester hat mir gestern auch über diese künstlerische Ader meines Vaters die Augen geöffnet. Ja, es stimmt: bei jeder Gelegenheit hat er sich mit uns Kindern und später mit den Enkelkindern hingesetzt und uns ermutigt, zu malen, was wir sehen würden. Meine Schwester ist bis heute am Aktivsten von uns künstlerisch tätig. Ich versuche mich hie und da ebenfalls im Malen. Ich kombiniere es mit der Fotografie…. Auch die Schreiblust habe ich von meinem Vater geerbt. Ich habe in besagen Ordnern Gedichte und andere Schreiberzeugnisse gefunden.

Berufliche Kapazität, Künstler, Religionslehrer – und gemobbt

Diese Entdeckungen über meinen Vater begeisterten mich. Aber sie stimmten mich auch nachdenklich und erinnerten mich an Mobbingzeiten. Das kam so: mein Vater war seitens seines Arbeitgebers, zeitlebens unter Druck gesetzt worden. Er musste sich weiterbilden, an Konferenzen gehen weltweit – nicht aus freien Stücken, sondern unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes,. Ich erinnere mich nicht daran, dass mir mein Vater irgendwann gefehlt hätte als Kind. In meiner Erinnerung war er nie lange weg. Obwohl er nebst seinem Beruf auch noch in der reformierten Kirche ehrenamtlich engagiert war und auch dort verantwortungsvolle Posten inne hatte (Sonntagsschule: Teamleiter, Religionsunterricht, Besuchsdienst, zeitweise nebenberuflich Sigrist). Aber ich erinnere mich lebhaft daran, dass unsere Familie oft unter Existenzängsten litt. Damals, vor rund 50 Jahren war es noch viel schlimmer als heute, wenn ein Vater arbeitslos wurde. Die Ehefrauen arbeiteten oftmals noch nicht auswärts. Die Familie war auf dieses eine Einkommen dringend angewiesen. Oft herrschte „dicke, bedrückende Luft“ am Familienesstisch, weil mein Vater trotz seiner Kapazität um seinen Arbeitsstelle bangte. Er wurde zur Karriere gezwungen, wurde x mal intern in eine andere Abteilung versetzt, hatte es aber überall schwer. Er klagte oft, er fühle sich „zwischen Stuhl und Bänken“. Er, der von der „Picke auf“ lernte, was es heisst, als einfacher Mechaniker zu arbeiten, war später gezwungen, unrealistische Vorstellungen und Vorschriften umzusetzen, welche ETH Studenten in den Betrieb hinein brachten. Ein Beispiel der „Plagerei“ (Quälerei) war, dass im Grossraumbüro, in dem er arbeitete, Stumpen und Zigaretten geraucht wurden – obwohl bekannt war, dass mein Vater eine Schwächung auf der Lunge hatte.

Mehrmals meinten wir, wir müssten berufsbedingt umziehen. Wir waren oft wie „auf dem Sprung“. Diese Pläne des Arbeitgebers wurden dann jedes Mal aufgegeben, aber sie prägten unsere Familienathmosphäre. Einmal hat sich gar meine Mutter gewagt zu wehren. Denn wir hätten nach Altdorf umziehen müssen. Bekannt für Föhnwetter. Für meine Mutter, welche ab und zu unter Migräne litt, eine Horrorvorstellung. Und ein anderes Mal – wir hätten nach Bern umziehen wollen – hat sich mein 6. Klass-Primarschullehrer für uns beim Chef meines Vaters persönlich eingesetzt! Wo gäbe es das heute noch??!! Damals kannte man im Bernbiet bereits das Frühfranzösisch in den Schulen. Mir hätte bei einem Umzug 2 Jahre Französisch gefehlt. Mein Lehrer meinte, dass ich unter diesen Umständen die Sekundarschule nicht schaffen würde. Er wäre aber sonst, wenn es soweit gekommen wäre, bereit gewesen, mir kostenlos Privatunterricht in Französisch zu erteilen.

Wir wohnten in einem Hochhaus, das hauptsächlich von Mitarbeitern des Betriebes bewohnt war, in dem mein Vater ebenfalls Angestellter war. Ich glaube, wir waren an die 30 Familien in diesem Haus. Jedesmal, wenn es hiess, „dr Fankhuser“ wird wahrscheinlich auswärts versetzt, gab es solche, welche mit dem internen Umzug in unsere Wohnung liebäugelten. Als der Umzug nach Bern drohte, war es ganz schlimm für mich: mein Zimmer wurde von einer Frau, welche mit ihrer Familie eine nicht so schöne Wohnung im selben Hochhaus bewohnte, vermessen und laut dachte sie vor mir, wie sie das Zimmer für ihre Tochter, welche mit mir befreundet war, einrichten würde. Als es dann nichts wurde mit dem Umzug nach Bern, zettelte diese Familie einen Kleinkrieg an gegen uns und spürte ich am eigenen Leib, was vorher nur mein Vater am Arbeitsplatz erlebte: Ausgrenzung, Isolation. Meinen besten Freundinnen wurde seitens ihrer Eltern verboten, mit mir Kontakt zu haben. Einmal habe ich ein Gespräch der vielen Hochhauskinder im Treppenhaus belauscht. Sie erzählten, meine Mutter sei eine Hexe (sie hatte damals einen Kropf am Hals). Ihre Eltern hätten gewarnt vor uns und gesagt, sie müssten uns meiden. Wir hätten sowieso nicht den richtigen Glauben. (Wir waren in der Hochburg der Katholiken einige der wenigen Reformierten.) Heulend lief ich in die Wohnung und erzählte meiner Mutter schluchzend, was ich gehört hatte. „Du musst deine Feinde lieben und vergeben. Tu ihnen überraschend Gutes, statt dich zu rächen“, war ihre Antwort, welche ich aber überhaupt nicht verstand damals. Fortan hatte keine einzige Freundin mehr, war total einsam, hatte nur noch mein Meerschweinchen und mein Tagebuch. Meinen Eltern erzählte ich nichts mehr von meiner Not. Ich sah, wie sie litten und ich wollte sie nicht noch mehr belasten. Doch wahrscheinlich war diese dunkle Zeit für mich Wegbereiter, damit ich zum lebendigen Glauben an Jesus Christus fand. Ohne diese schwere Zeit, wäre ich wohl nicht offen für das Evangelium gewesen.

Bevor im Gemeinschafts-Büro mit der Arbeit begonnen wurde, lasen laut Berichten meines Vaters alle seine Arbeitskollegen die Zeitung. So nahm er sich die Freiheit, in dieser Zeit in der Bibel zu lesen. Nie länger als die anderen Zeitung lasen. Dennoch wurde ihm auch das jeweils „angekreidet“. Die Tageslosung las er in Englisch und manchmal schrieb er mir ein paar Zeilen (habe den Arbeitsort/Unternehmung wegretuschiert):

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Als er diese zwei Briefe schrieb, war er mitten im Englischstudium und 58 Jahre alt.

Am Tag seiner Pension, schrieb er – auch das habe ich in einem Ordner entdeckt: „Am Abend fragt die Frau: wie war’s? Und du hörst dich selber sagen: es war eigentlich noch ganz schön.“ So war er mein Vater: trotz allem positiv gestimmt, humorvoll und bis zu seinem Lebensende stolz auf seinen Arbeitgeber. Er ging jeweils voll Freude zu den Veranstaltungen der Pensionierten.

Diesen Brief schrieb er, als er längstens pensioniert war. Heute kommt er mir vor wie ein Gruss aus dem Himmel:

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Ich vermisse meinen Vater. 😦

Schwarzweissfotos mit Farbtupfern

Schwarzweissfotos mit Farbtupfern

EInzigartige, originelle Technik:

Ich kombiniere Fotografie mit der Malerei. So werden meine Schwarzweissfotografien zu dreidimensionalen Kunstwerken. Jedes Bild ist ein Unikat.

– Schwarzweissfotografie auf Leinwand gedruckt, auf Holzkeilrahmen aufgezogen
– Von Hand mit Acrylfarbe coloriert
– 20 mal 20 cm Richtpreis pro Bild Fr. 40.– (verhandelbar)
– Das Bild mit der Tulpe hat die Masse 20 mal 30 cm. Richtpreis Fr. 45.– (verhandelbar)
Werke können bei uns unverbindlich besichtigt werden. Kein Versand. Entweder Abholung bei uns zuhause oder Auslieferung im Raum Innerschweiz.