Von Kobolden und Brücken, USA, 3. Teil, 19. – 21. Juli 17

Mittwoch, 19. 7.

Wir frühstücken feine, hausgemachte Pancakes mit Speck auf dem KOA Bryce Valley Cannonville Campingplatz und tauschen uns dabei mit einem deutschen Ehepaar aus. Er ist pensionierter Lehrer, sie aktive Schulleiterin.

Die Weiterfahrt mit dem  Camper führt uns durch den Staircase Escalante National Monument Park. Wir wandern zum 1.15 Std. lang durch die brütend heisse Wüstensonne – links und rechts türmen sich imposante Felswände – und sind, obwohl wir wussten, dass da ein Wasserfall kommen wird, überrascht, als wir uns plötzlich fast frieren, weil wir uns an einem Schattenplatz vor dem Calf Creek Falls wiederfinden, dessen vom Winde verwehte Gischt uns ansprüht. Trotzdem wir bereits durch diese Gischt abgekühlt sind, wagen wir ein sehr erfrischendes Bad im natürlichen Pool vor dem Wasserfall. Wir wissen ja: 1.5 Std. Rückwanderung in der immer noch heissen Sonne erwartet uns. Das Wetter ist etwas unsicher. Es wurden Sturmwinde und Gewitter gemeldet. Doch mehr als drohende Wolken und ein paar winzige Regentropfen erleben wir nicht.

Zwischen dem letzten Campingplatz, dem Bryce Valley Cannonville und unserem nächsten Übernachtungsplatz, dem Thousand Lake RV Pak in Torray liegen insgesamt ca. 2. Std. 15 Min. Trotz des Namens 1000 Seen, entdecken wir keinen einzigen. 😉 Aber im Grunde genommen, gibt es nichts zu bemängeln an diesem Campingplatz, wie auch an den vorherigen nicht. Der Pool ist leider aufgrund der Wetterunsicherheit geschlossen.

Andy grilliert – ich koche Teigwaren dazu und Gemüse und mache unsere zweite Wäsche seit unserer Reise.

 

 

Donnerstag, 20. 7.

Wir frühstücken wieder fein. Dieses Mal sind es vom Campingplatz aus selbstgebackene Muffins in 4 verschiedenen Sorten.

Wir fahren weiter durch den Capitol Reef Nationalpark und wandern dort zum zur Hickman Bridge. Dies ist eine etwa 40 Meter lange, natürliche „Brücke“. Auch heute wandern wir nicht an einem kühlen Tag. 😉 Doch die verschiedenen Felsformationen und unser Ziel, diese Hickman Bridge, entschädigen uns für die schweisstreibende Wanderung. Insgesamt sind wir 1.5 Std. unterwegs.

Wir fahren mit dem Camper weiter zum Goblin RV, welches sich nach Hanksville befindet. Und was wir hier erleben, sprengt alles, was wir bisher gesehen und erlebt haben! Wir befinden uns in einer surrealen Welt, umgeben von versteinerten Gnoms, oder wie es mir vorkam: versteinerte Krieger aus Narnia. Natürlich kann sich jeder selber vorstellen, was die fantastischen Säulen, Köpfe, Gestalten, darstellen können. Ein absolutes Märchenparadies für Kinder – oder Erwachsene, welche noch ein kleines bisschen Kind geblieben sind. Dies gäbe eine grandiose FilmkulisWeitse für irgendeinen Science Fiction oder Fantasiefilm. Auf dem Abendspaziergang fühlen wir uns im wahrsten Sinn „ab von dieser Welt“. Hier wäre der funkelndste und klarste Sternenhimmel der USA zu bestaunen. Leider erleben wir ihn wolkenverhangen.

Wir übernachten hier am bisher einfachsten Campingplatz. Ohne Strom- und Wasseranschluss und ohne Internet und Telefonempfang (Tobias hat ja eine US SIM Karte), aber es hat ein Sanitärgebäude mit Duschen und Toiletten.

Mir gefällt dieser Park bisher am besten – sogar mehr als der Bryce Canyon. Einfach, weil er so total anders ist, als ich es bisher auf Fotos sah. Wie eine ganz persönliche Neuentdeckung. Und auch deswegen, weil auf dem Campinplatz hier eine familiäre Athmosphäre herrscht, denn er ist noch nicht so bekannt unter den Reisenden…..

 

Freitag, 21. 7.

Weiterfahrt zum Arches Nationalpark. Hier sind wir natürlich im Gegensatz zu gestern wieder inmitten des Massentourismus. Doch wir verlassen die rollstuhlgängigen Pfade und nehmen einen, der als schwierig ausgeschrieben ist. Wir vermuten, dass das amerikanische „schwierig“, nicht dasselbe wie das unsrige, berggewohnte ist. Denkste… habe ich schon ein paarmal im Blog festhalten müssen…. Der Wanderweg stellt sich wirklich als grosse Herausforderung heraus und ich wundere mich, wie die Kletter- und Rutschpartien von jenen Menschen bewältigt werden kann, welche bloss mit Sandalen oder Ballerinas beschuht sind. Ich bin so froh um meine Mammutwanderschuhe mit festen, griffigen Sohlen, aber auch um meine vier starken Männerhände 😉 , welche mir hie und da zu Hilfe kommen müssen. Das Schlimmste war nicht die Gratwanderung für mich, obwohl ich nicht schwindelfrei bin und auch nicht die Klettereien, auch nicht die heisse Wüstensonne und noch nicht mal das unfreiwillige Bad in fast hüfthohem Wasser (und das Weiterwandern in pflotschnassen Schuhen)…. Sogar dass wir die Steinmanndli, welche den Weg markierten, hie und da suchen und uns nicht ausmalen wollten, was wäre, wenn wir uns verirren würden… Nein, das alles war nichts gegen die eine Partie am Fels, den wir queren mussten und der rutschig war. Es war kein eigentlicher Weg, aber wir mussten da durch. Die schräge Felswand queren wollte ich, indem ich mich an den Fels lehnte und nur mit den Aussenseiten der Schuhe aufstand. Das war natürlich zu rutschig. Doch ganz aufzutreten wagte ich nicht, weil ich mich auf diese Weise nicht mehr ganz so schräg an die Felswand schmiegen konnte. Doch ich musste es wagen, die Füsse ganz aufzustellen und voll auf den Halt der Wanderschuhe zu vertrauen. Das war für mich wirklich etwas zuviel Action. Ich hatte nur noch pure Angst. Da erwies sich Tobias, mein Sohn als wirklicher Helfer in der Not. Er sprach fest und beruhigend auf mich ein, fasste mich mit starker Hand, zeigte, wo meine linke Hand am Fels Halt finden konnte und stützte mich einmal gar mit einem Fuss. Sogar Andy, dem ja solche Touren sonst überhaupt keine Schwierigkeiten bereiten, brauchte einmal die Hilfe von Tobias. Gott-sei-Dank haben wir alle Strapazen gut überlebt, hatten auch genügend zu Trinken dabei. Diese Wanderung dauerte 3 Std.

Lieber Blogleser: solltest du dies hier lesen, weil du auch eine Wanderung im Arches Nationalpark planst: der Devils Garden lohnt sich auf jeden Fall. Auf breiten Pfaden sieht man den Tunnel, Pine Tree, Landscape, Partition und Navajo Arch. Erst ab da beginnt der wirklich schwierige Teil zum Double O, Dark Angel und Private Arch. Glaube mir: auch wir dachten zuerst, als wir die Leute beim ersten Felsen hinaufklettern sahen, das sei ja nichts für uns berggewohnte Schweizer. Wir wandern wirklich viel. Nein, dieser erste Felsen war wie oben beschrieben, noch nicht die wirkliche Herausforderung. Es wird einfach nur noch krasser. Falls dir das nichts ausmacht: nimm auf jeden Fall genug Wasser mit und trag keine anderen, als gute Wander- oder Treckingschuhe.

Und über die Arches – also die natürlichen Brücken habe ich ja noch gar nichts gesagt. Ziel dieses Nationalparkbesuches. 😉 Ja, sie sind beeindruckend. Aber sie kommen bei mir nicht an die Gobelin-Kobolde ran.  😀

Insgesamt dauerte unsere heutige Fahrt bis zum KOA Campingplatz Moab 3 Stunden. Aber in dieser Zeit ist die Fahrt (eine halbe Stunde ein Weg) durch den Nationalpark mit eingerechnet.

Auch dieser Campingplatz hat wieder einen Pool, den aber nur Andy benutzt, denn das Wetter verschlechtert sich. Nun regnet es ziemlich stark und wir essen das erste Mal im Camper drin.

Fotos sind übrigens immer von Tobias (16) und mir – durcheinandergewürfelt….

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Antworten auf „Von Kobolden und Brücken, USA, 3. Teil, 19. – 21. Juli 17

  1. Der Arches war mein erster US N.P. als ich mit Kollegen 1992 zum ersten Mal in die USA reiste. Und ich war immer mal wieder gerne dort. Ein toller Nationalpark, aber man kann sich hier wirklich «verschätzen» mit Distanzen und Temperaturen. Man ist ja auch auf rund 1’500 Meter über Meer.
    Wir wollten mal zur Double Arch wandern und wählten den Weg zur Double O Arch, was dann auch etwa doppelt so weit war.

    Gefällt 1 Person

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