Der schaurig-schöne, mystische Klang der Hornbläser Beckenried am Samichlaiseinzug

Diese Zeilen habe ich für den Nidwaldner Blitz verfasst und sie erscheinen heute, 30.11.17 in der Printausgabe, in leicht angepasster Form.

Manche Beckenrieder, sagen, dass der „Samichlais-Iizug“ der höchste Feiertag im Dorf sei. Jung und Alt sind auf dem Samichlais-Märcht anzutreffen, wenn nicht grad der Samichlais zuhause auf Besuch ist. In Beckenried besucht er jede Familie. Man muss sich nicht anmelden dafür.

Abends trifft sich das ganze Dorf, als Teilnehmer oder Zuschauer beim Einzug des Heiligen St. Nikolaus ins Dorf. Nicht wegzudenken sind dabei die Beckenrieder Hornbläser.

Hier, in einem meiner Videos ab Minute 2.19 zu hören. Ich habe es 2008 gedreht und es ist leider nicht in der heute üblichen Qualität:

Seit 1978 lassen die Hornbläser jedem Menschen am Strassenrand mit ihren archaischen, langgezogenen Klängen einen Schauer den Rücken hinunter rieseln und auf den Armen bildet sich Hühnerhaut.

Horn- oder Helmibläser?

Im 15. Jahrhundert wurde die Vorhut eines eidgenössischen Heeres „Harster“ genannt. Diese spielten ein Kriegshorn aus Tierhörnern, das „Harschhorn“. Man verwendete sie ebenfalls als Jagd- und Hirtenhorn, denn die rauhen und starken Töne waren dazu besonders geeignet. An der Landsgemeinde Stans eröffneten die Helmibläser jeweils die Versammlung, indem sie in ein solches Horn bliesen. An der letzten Landsgemeinde Stans 1996, hatte Helmibläser Paul Arnold aus Dallenwil diese Ehre. Nicht aus demselben Grund blasen die Beckenrieder am Samichlauseinzug in ihre Tierhörner. Denn früher glaubten die Menschen, dass sich Dämonen, welche in der dunklen Jahreszeit besonders aktiv seien, mit Lärm und Lichter vertreiben liessen. So entstand der Brauch des „Geisslechlepfens“ (Peitschen knallen), „Trichlens“ (Kuhglocken rhythmisch schwingen), des Hornblasens und des „Iffelen“-Tragens (grosse Laternen).

Hörner von Zwittertieren

Früher wurden Zwitter-Rinder bevorzugt für die Hofarbeit eingesetzt und vor Wagen gespannt. Denn sie vereinen die Grossmütigkeit einer Kuh mit der Stärke eines Stiers. Die Hörner dieser Tiere waren besonders lang und stark. Der Hornbläser erzeugt durch das Hineinblasen in ein sogenanntes Zwickhorn einen tiefen Klang. Auch Geissen-Zwitterhörner sind beliebt. Sie klingen heller. Diese Tiere werden heute nicht mehr gezüchtet, sondern als Jungtiere geschlachtet. Deshalb sind Hörner, welche sich für den Samichlauseinzug verwenden lassen, rar geworden. Doch die Hornbläser haben gute Beziehungen zu Familien, die 100-jährige Hörner besitzen und sie für das besondere Brauchtum gern ausleihen. Andere Bläser finden Hörner auf Flohmärkten, fragen Züchter von Hochlandrindern, finden ein Wasserbüffelhorn, oder gar das geschwungene Horn einer Antilope. Jedes Horn erzeugt einen einzigen Ton. Wenn alle miteinander in ihre verschiedenen Hörner blasen, ergibt dies eben diesen schaurig-schönen Ton.

Der Samichlauseinzug ist Hauptprobe, „Aufführung“ und Probe fürs nächste Jahr

Angesprochen darauf, ob denn die mittlerweile 18 Männer und 1 Frau, welche sich zum Verein „Hornbläser Beggeried“ zählen, zum Üben zusammenkommen, meint der Präsident Turi Käslin augenzwinkernd: „Wir üben an jedem Samichlais-Iizug fürs nächste Jahr.“ Das jüngste Mitglied ist um die 30 Jahre alt, die ältesten im Pensionsalter. Letztere schätzen die rückenschonende Möglichkeit der Umzugsteilname, im Gegensatz zum Tragen einer grossen „Trichle“ oder einer schweren “Iffele“.

Ich hoffe am 2. Dezember auf gutes Wetter, viele Teilnehmer und Zuschauer, um dem Samichlais einen würdigen Einzug ins Dorf Beckenried zu bereiten.

Im Jahr 2009 gedreht – leider ebenfalls noch nicht die Qualität, welche heute möglich wäre:

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Samichlais – St. Nikolaus – Samichlaus

„Der Samichlaus weiss alles. Wenn du nicht brav bist, wird er schimpfen und dir nichts als eine Rute bringen. Der Schmutzli wird dich in seinem Sack davontragen.“ Solche Drohungen gehörten früher zur Kindererziehung. Heute ist der Samichlausbesuch ein freudiges Ereignis.

Nikolaus von Myra war ein Bischof, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts in der heutigen Türkei, lebte. Um sein Leben ranken sich zahlreiche Legenden. So habe er einen Sturm gezähmt und deshalb ist er der Schutzpatron der Seefahrer. Sein ererbtes Vermögen verteilte er unter den Armen. Mehrere Wunderwirkungen werden ihm zugesprochen, so auch solche an Kindern. Daraus entstand das Brauchtum des Beschenkens von Kindern. Dies geschieht an seinem Todestag, dem 6. Dezember. Samichlaus ist eine Wortabwandlung von Sankt (heiliger) Nikolaus (Chlaus).

Samichlausbräuche

In jedem der Länder Österreich, Deutschland, England, Irland, Italien, Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Polen, Russland, Griechenland, Ungarn, Bulgarien, Mazedonien und in den Benelux-Staaten heisst der Sankt Nikolaus ein bisschen anders und jedes Land kennt seine eigenen Traditionen. In der Schweiz werden je nach Region entweder Samichlaus Ein- oder Auszüge gefeiert. In Nidwalden sind das wunderschöne Anlässe, an denen Geisslechlöpfer, Trichler und Iffelenträger bestaunt werden können. Am Abend des 6. Dezembers, besucht der Samichlaus die Familien zuhause. Die Kinder sagen ein Samichlausgedicht vor, spielen vielleicht etwas auf einem Instrument und werden dafür vom Samichlaus mit Nüssen, Mandarinen, Orangen, Lebkuchen, Schokolade und anderen Süssigkeiten belohnt. Die Idee, dass unter den Geschenken auch iPods und ähnliches zu sein hat, stammt ursprünglich nicht vom Samichlaus. Er trägt das Gewand eines katholischen Bischofs mit MitraKrummstab und in seinem goldenen Buch sind Lob und Tadel festgehalten. Begleitet wird der Samichlaus nebst seinem Esel von einem oder mehreren Schmutzlis, auch Knecht Ruprecht genannt. Diese gefürchigen, stummen Gesellen, sind in schwarze Kutten gehüllt und mit einer Rute ausgestattet. Der Einsatz dieser Rute ist aber heutzutage verpönt, der Schmutzli klopft höchstens mit einem Augenzwinkern auf seine eigenen Beine, wenn der Samichlaus tadeln muss. Kam es früher tatsächlich vor, dass der Schmutzli hie und da ein Kind zur Abschreckung in den Jutesack steckte, ist das nicht mehr denkbar. In Nidwalden gehören zu den Gehilfen des Samichlaus, je nach Dorf, Laternenträger, Geigel oder Dotschenträger.

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Der Beckenrieder Samichlais bei uns zuhause, vor ein paar Jahren, am alten Wohnort.

Ist der Samichlaus und der Weihnachtsmann ein und derselbe Mann?

Gemeinsam ist beiden älteren Männern ein weisser Bart und rote Kleidung. Und beide beschenken Kinder. Doch es gibt Unterschiede. Die Symbolfigur des Weihnachtsmanns hat sich in Amerika durch europäische Einwanderer vom niederländischen Sinterklaas (Nikolaus) zu Santa Claus entwickelt. Statt des liturgischen Gewandes und der Bischofmütze, trägt er rote Hosen, Oberkleid und Zipfelmütze. Der amerikanische Santa Claus kommt vom finnischen Lappland. Unser Samichlaus wohnt hingegen der Legende nach im Wald. Der Weihnachtsmann bringt Geschenke, indem er auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten durch den Himmel fährt. Am 24. Dezember steigt er nachts durch die Kamine in die Häuser ein und verteilt seine Geschenke unter dem Christbaum. Dieses Märchen ist zurückzuführen auf ein anonym veröffentlichtes Gedicht von 1823 „The Night before Christmas.“ Der Mythos des Weihnachtsmanns wird vor allem in Amerika, aber auch in Grossbritanien, Deutschland und den Benelux-Ländern gepflegt.

Samichlaussprüchli

Samichlais im roote Gwand

Mit em Goldstab i de Hand,

mit de schwääre Winterschuä,

hesch i eysem Dorf vil z’tuä.

Jetzt chlopfids a dr Tiirä scho,

ich ha so planged und bi froh.

Dr Samichlais bringt d’Liäbi mit,

d’Wiähnachtszeyt isch nimmä wiit.

————-

Es Licht chunnt de Fäldwäg yy.

Ich glaub, das muess de Samichlais sey.

Jetzt ghört me s’Glöggli – still los guet,

wie’s über d’Wiese leyte tuet.

Meys Härz chlopft ganz fescht,

ich hoff, du weisch vo mir nur s’Bescht.

Diä andere chleyne, dummä Sachä,

möchte ich s’nächscht Jahr besser machä.

Drum bitte lueg in Sack jetzt drii,

eb’s eppis het fir mich derbie.

————-

Taif verschniit sind Fäld und Wald

De Samichlais chunnt scho bald.

Äs schneyelet ganz lys und fin.

Jetzt gsehn ich det ä Liächterschyn.

De Chlais chund mit em rote Gwand.

Är trait de Goldschtab i de Hand.

Und s’Eseli tramped hindedrey.

Chund är ächt ai bi miär verbey?

Jetzt chlopfeds a de Tiire scho,

ich ha planged und bi froh.

De Samichlais bringt d’Liäbi mit,

denn d’Wiähnachtszeyt isch nimma wit.


Mein Artikel erschien am Mittwoch, 23. November 2016 im Nidwaldner Blitz.

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Vorschau Nidwaldner Alpchäs-Märcht, Beckenried, 19./20. November 2016

Ein schöner Alpsommer neigt sich dem Ende zu. Nebst der Älplerchilbi und Alpabzügen, gehört seit 16 Jahren der Alpchäs Märcht Beckenried zu einer liebgewonnenen Nidwaldner Herbst-Tradition.

Urschweizer Alpkäsemarkt, so nannten ein paar Nidwaldner-, Schwyzer- und Urnerälpler 1998 die erste Veranstaltung dieser Art in Beckenried. Sie fand auf dem Parkplatz der Klewenalpbahn in einem Festzelt statt. Der Markt stiess auf ein derart grosses Interesse, dass sofort im Anschluss ein OK fürs drauffolgende Jahr gegründet wurde. Seit dem Jahr 2000 findet der Käsemarkt im heimelig passenden Schützenhaus statt. Paul Barmettler, Präsident der IG Nidwaldner Alpkäser, welche seit 2004 für die Durchführung verantwortlich ist, zeigt sich dankbar, dass die Dekoration von der Älplerchilbi Beckenried jeweils übernommen werden kann. Diese findet immer eine Woche vor dem Nidwaldner Alpchäs Märcht statt.

Der Käse steht im Mittelpunkt

An zwei Tagen bieten 15 Aussteller nebst bekannten Käsesorten auch kreative Eigenkreationen an. „Dies ist es, was uns von anderen Käsemärkten unterscheidet“, meint Barmettler begeistert. „Bei uns ist der Käse nicht etwas, das an einem Volksfest nebenbei verkauft wird, sondern der Käse steht im Mittelpunkt. Keine Region der Schweiz präsentiert eine derart grosse Käsevielfalt.“ Übrigens wird am Nidwaldner Alpchäs Märcht nicht ausschliesslich Alp-, sondern auch Bergkäse verkauft. Ist denn das nicht ein- und dasselbe? „Nein“, erklärt Barmettler, „Alpkäse wird nur im Sommer und direkt auf der Alp hergestellt. Im Unterschied zum Bergkäse, welcher das ganze Jahr hindurch auch in Käsereien im angrenzenden Berggebiet produziert wird.“ Obwohl es Nidwaldner Alpchäs Märcht heisst, werden auch Aussteller aus Seelisberg, dem Urner Stäfeli oder der Gerschnialp auf dem Verzeichnis aufgeführt. „Wir Älpler gehören zusammen und sehen das mit den Kantonsgrenzen nicht so eng.“ Diverse Hofprodukte wie Tee, Fleisch, Backwaren und Weine ergänzen das Käseangebot.

Seit 5 Jahren findet am Samstagabend jeweils ein Alpchäs-Fondueplausch und am Sonntagmorgen ein grosses Bauernfrühstück statt. Beide Anlässe sind in der Bevölkerung und bei Heimwehbeckenriedern äusserst beliebt. Autokennzeichen vor dem alten Schützenhaus zeugen davon, dass die Besucher nicht nur aus der Innerschweiz, sondern aus Basel, Zürich, dem „Welschland“ und sogar dem nahen Ausland anreisen.

Paul Barmettler, Älpler von der Bleiki erklärt: „Wenn ich sehe, wie viele Menschen jeweils das Schützenhaus mit einem zufriedenen Gesicht verlassen, bedeutet mir das genauso viel, wie gute Verkaufszahlen. Wenn Besucher mit den Käseproduzenten in Kontakt kommen, werden sie sensibilisiert für die Wichtigkeit unserer Alpwirtschaft und des Schweizer Bauerntums.“

Geheimtipp

Obwohl das Schützenhaus den Besucherandrang zu Spitzenzeiten fast nicht mehr bewältigen kann, möchte die IG Nidwaldner Alpkäser das Angebot nicht ausbauen. „Die Stimmung im Schützenhaus ist einmalig und stimmig für unsere Produkte“, meint Barmettler. Und er hat einen Geheimtipp für solche, denen der Menschenauflauf in den letzten Jahren zuviel wurde: „Am Samstagvormittag hat es jeweils schön Platz, um von Stand zu Stand zu schlendern, zu degustieren und feine Ware einzukaufen. Die Nidwaldner Alpkäserinnen und Alpkäser freuen sich auf Ihren Besuch!“

Regula Aeppli-Fankhauser

Programm
Nidwaldner Alpchäs Märcht 2016
 
Rahmenprogramm beide Tage:
9.00-18.00 Uhr: Markt, Festwirtschaft, Kinderattraktionen, Weindegustation
Samstag, 19. November 16:
18.30-22.00 Uhr: Alpchäs-Fondueplausch/Reservationen unter 041 620 51 50 oder alp.bleiki@sunrise.ch
Sonntag, 20. November 16:
8.30-10.00 Uhr: Grosses Bauernfrühstück/Reservationen siehe oben

Der Bericht ist heute, 10. November 16, im Nidwaldner Blitz Nr. 45 erschienen

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Halloween

Gfürchigi Gselle ziehnd durs Land,
im Dunkle, das isch doch allerhand
gar nid lieblichi, nei, derig zum gruise!
Ich trau mich ja nümm veruise.
Häxe, Skelett, was isch au los?
De Chleynscht findets nümm famos.
Jetzt hends gleitet, diä Gschpäischter!
Nur schnell wäg vom Fäischter!
Was hends gmeint: „Süässes oder Suuirs“?
Im Chleynschte isch äs immer no gschmuich.
Dere Gsellschaft wird e chli Süesses häre gläit
Au im Chleynschte – so het au är wider Fräid.
Regula Aeppli-Fankhauser

Manch ein älterer Nidwaldner mag den Kopf schüttelnd fragen: „Was ist denn das für ein neumodischer Brauch? Woher kommt dieses Gruselfest, an dem sich vorwiegend Kinder als Gespenster, Hexen, Skelette verkleiden, von Tür zu Tür gehen und um Süssigkeiten betteln? Wir jedenfalls kannten dies früher nicht.

In Irland hingegen ist der Brauch seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Später wurde er durch die Einwanderungswellen an die amerikanische Ostküste gebracht. Und alles Amerikanische trifft früher oder später auf Europa und somit irgendwann auch auf unser Nidwaldner Land.

Mit Süssem und Licht böse Geister vertreiben

Als Halloween werden die Bräuche bezeichnet, welche in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ausgeübt werden. Halloween ist eine Abwandlung von All Hallows’ Eve. Eve kommt von englischen evening, was Abend heisst und hallow von Heiliger. Gemeint ist also ein Fest am Vorabend zu Allerheiligen. Wir kennen Halloween vor allem von den Kindergruppen her, welche in den letzten Jahren vermehrt auch in Nidwalden verkleidet von Haus zu Haus ziehen, um Süssigkeiten einzufordern. „Süsses oder Saures“ wird dabei verkündet, in Anlehnung an das englische trick or treat. Dies meint zu gut deutsch: „Wenn du mir keine Leckereien gibst, dann spiele ich dir einen Streich!“ Eine Theorie besagt, dieser Brauch komme von einer Glaubensüberzeugung, dass die Lebenden Gaben für umherwandernde Geistwesen bereitstellen müssten. Die Verkleidung soll der Vertreibung von bösen Geistern dienen, denn man war überzeugt davon, dass in dieser Nacht die Pforten der Hölle offen und wirkliche Dämonen, Hexen und andere teuflische Wesen unterwegs seien, um ihr Unwesen zu treiben. Zu diesem keltischen Brauch gehörte ursprünglich das Entzünden von Höhenfeuern. Dies waren Freudenfeuer, weil man glaubte, in dieser heiligen Zeit würden die Seelen der Toten kurz zu ihren Heimen zurückkehren. Das Feuer war seit jeher ein Symbol für Reinigung, der Vernichtung von Bösem, für Wärme, Licht und Liebe, welches man sich alles in den dunkleren Jahreszeiten umso mehr wünschte. Im Zuge des Entzündens dieser Feuer wurde auch Wahrsagerei betrieben. Zu Halloween gehört zudem das Aufstellen eines orangen Kürbisses. Manchmal ausgehöhlt und mit einer Kerze erleuchtet. Damit gedenken wir dem armen Jack o’Lantern. Dieser irische Trunkenbold, muss mit einer ausgehölten Rübe im Dunkeln zwischen Hölle und Himmel wandern, weil er aufgrund einer Wette zwar von der Hölle verschont blieb, aber dennoch nicht in den Himmel gekommen sei. Wiederum um böse Geister abzuschrecken, schnitzt man Fratzen in die Kürbisse.

An Halloween scheiden sich die Geister

Nicht alle Eltern unterstützen ihre Kinder in ihrem Vorhaben, als Gruppe verkleidet von Tür zu Tür gehen zu wollen und die Nachbarn anzubetteln. Kritik wird auch laut, weil Menschen sagen, das sei kein „hiesiger Brauch“ und bei Streichen würden Hausmauern mit Eiern verschmiert. Ausserdem passt nicht jedem der okkulte (mystische, übersinnliche) Charakter des Brauchtums.

Egal, wie Sie es persönlich halten: die Farbe Orange und die Lichter der Dekoartikel, aber auch feine Kürbisgerichte passen doch zur Jahreszeit und mögen diese etwas erhellen.

Der Artikel ist heute, 26. Oktober im Nidwaldner Blitz online geschaltet worden. Die Printausgabe liegt morgen in jedem Briefkasten in Nidwalden und bei ausserkantonalen Abonnenten. (Auflage 24’000)bildschirmfoto-2016-10-26-um-10-59-52

Mein Griechenland-, Mazedonienabenteuer

Zuerst verbrachten wir einfach nur „normale“ Strandferien in der Nähe von Thessaloniki – Griechenland. Wir logierten zwischen dem 16. bis 30. Juli 16 in Hotel Marias House direkt am Meer. Per Mietauto erkundigten wir die drei „Finger“ Chalkidikis, genossen die Hitze nach unserem durchzogenen Schweizer Sommer, das Schwimmen im meist wellenlosen, türkisblauen, glasklaren Meer und planschten und spielten im Pool ausgelassen. Jeden Abend assen wir in einem anderen Restaurant. Die Küche Griechenlands ist wirklich fein. Was mich bei Erkundigungen etwas enttäuschte war, dass diese Gegend Griechenlands einen anderen Baustil hat, als das, was bei uns assoziiert wird mit griechischen Häusern. Mir gefallen halt die weissen Häuser mit blauen Kuppeln, welche ich von früheren Reisen aus Paros, Naxos, Mykonos und Santorini her kenne. Solche sah man hier nur auf Postkarten, welche in Souvenirläden wohl schon Jahre auf Käufer warten. Die Häuser Chalkidikis sind oft viereckige, schnörkellose Bauten, einige erinnerten mich an den mexikanischen Baustil oder auch an gewisse Tessinerhäuser. Wenn sie schön restauriert wären, wie die Beispiele auf dieser Seite, würde mir dieser Baustil gefallen. Aber man merkt es schon, dass die Griechen momentan nicht gerade finanzkräftig genug sind, Häuser und auch Strassen auszubessern. Strassen waren selbst in grösseren Orten oft in bedenkenswertem Zustand.

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Die zwei letzten Ferientage verbrachten wir zusammen mit einem Ehepaar, welches wir vom Café Pizzeria Piccadilly Buochs, unserem Nachbarort her kennen. Toni und Suzana konnten sich ein paar Tage Auszeit nehmen von ihrem strengen Beruf in der Gastromenie. Später trafen wir sie an der Hochzeitsfeier in Mazedonien, da sie mit den Familien des Bräutigams und der Braut befreundet sind.

Und das ist das Stichwort zu meinem eigentlichen Abenteuer – jedenfalls empfand ich das so. Ich glaube, mein Mann und unser Sohn empfanden es nicht ganz genau so aufregend wie ich.

Wir begaben uns am Samstag, 30. Juli auf unsere Reise von Griechenland nach Mazedonien, weil wir erstens die Familie des Freundes unserer Tochter besuchen wollten und weil wir zweitens zur Hochzeitsfeier des Bruders dieses Freundes eingeladen waren. Eine mazedonische Hochzeitsfeier! Ich freute mich bereits im Oktober 2015 darauf, als wir die Zivilhochzeit dieses Paares in der Rosenburg in Stans mitfeiern durften.

Das Abenteuer begann am Flughafen Thessaloniki, nachdem wir unser Mietauto abgegeben hatten. Wir sollten von einem Bekannten der Braut abgeholt und chauffiert werden. Im Vorfeld schilderten wir unser Aussehen der Mutter des Bräutigams, welche diesen Transport für uns organisierte und auch bezahlte. Der Chauffeur selber sollte ein Schild mit „Aeppli“ hochhalten. Abgemacht war, am Ausgang des Flughafens einander zu begegnen. Nur stellten wir dort fest, dass es 8 Ausgänge gab und dass auf der unteren Strassenzufahrt bloss offizielle Taxis ein Durchfahrtsrecht besitzen. Es gab ein paar aufgeregte Telefongespräche mit unserem zukünftigen Chauffeur, bei dem weder er noch ich wirklich etwas anderes verstanden als „Chauffeur“ – „Aeppli“ – „Wo?“ – „Problem“ oder so ähnlich. Nach einem Telefongespräch mit dem Bräutigam, klappte dann unser Zusammentreffen doch noch.

Es folgte ein spannendes 3.5 stündiges Unterwegs-Sein mit einem Chauffeur, welcher kaum ein Wort Englisch, sondern nur Mazedonisch sprechen konnte, uns aber als seine  Gäste so gut es ihm möglich war, verwöhnte. Er fragte, welchen Musikstil wir liebten, gab über die Gegend ein bisschen Auskunft, fragte, ob es mit der Temperatur im Auto ok sei, fuhr sehr regelmässig und angenehm, bezahlte bei einer Rast unsere Getränke – und half uns, als mein Mann ein bisschen Probleme am Zoll bekam, weil er zuerst seine abgelaufene ID zeigte, statt sofort den Notfallpass heraus zu kramen, welcher halt im Rucksack steckte. Mein Mann meinte, die würden bestimmt nicht so genau schauen. Denkste, der Zoll kontrollierte sehr genau. Zum Glück bescherte uns diese Bequemlichkeit nicht grösseren Ärger, sondern ging glimpflich aus. Unterwegs telefonierte unser Chauffeur ein paarmal mit der Braut, welche sich regelmässig erkundigte, wie es um unsere Fahrt stünde.

Als er bei der Familie des Bräutigams vorfuhr, wurde er zu seiner vollen Zufriedenheit bezahlt. Er verdiente wahrscheinlich an diesem Tag einen halben, dort üblichen Monatslohn. Und nun begann das Vorfest der Hochzeitsfeier: wir wurden anderen Gästen vorgestellt, welche Freunde des Bräutigams aus der Schweiz waren und der Familie und Verwandtschaft des Bräutigams. Auch unsere Tochter und ihr Freund begrüssten uns. Sie reisten ein paar Tage vorher nach Mazedonien an. Ein paar Schweizer Gäste kannten wir von der Zivilhochzeit in Stans her.Von der Familie des Bräutigams aber kannten wir bis dahin nur die Eltern und natürlich den Bräutigam selber. Wir wurden aufs herzlichste willkommen geheissen, bald wurde grilliert und ein paar typische mazedonische Tanzschritte eingeübt. Wann wir denn die Braut treffen würden, fragte ich. „Erst morgen, am Hochzeitstag selber“, erhielt ich zur Antwort.Am Abend vorher feiert die Braut mit Familie und Freunden bei ihrem Elternhaus und der Bräutigam mit seinen Gästen in seinem. Braut und Bräutigam dürfen sich erst am Hochzeitstag treffen. Unser Sohn meinte: „Dabei sind sie ja seit Oktober 2015 verheiratet.“ 😉 Aber sie wollten es halt alles so handhaben und feiern, wie es der Tradition ihres Volkes entspricht. Mit der einen Ausnahme: sie kürzten den Festablauf um einige Tage ab. 😉

Wir mussten uns übrigens noch persönlich bei der mazedonischen Polizei anmelden. Das ist scheinbar nicht allen bekannt, welche nicht in einem Hotel, sondern privat logieren. Wenn man sich nicht innert 48 Std. nach Ankunft bei der mazedonischen Polizei meldet, könnte es Probleme bei der Ausreise geben.

Mein Mann, unser Sohn und ich begaben uns im Verlauf des Abends auf einen Dorfrundgang. Viele Bewohner kamen auf uns zu und fragten uns freundlich, nach dem Woher- und Wohin. (Auf Mazedonisch, Englisch, Italienisch und sogar Deutsch) Wir entdeckten ein Schwyzer-Autonummernschild, kamen mit dem Besitzer ins Gespräch und erfuhren, dass er in der Schweiz arbeite und hier wie so viele im Sommer auf Besuch bei seiner Familie und Verwandtschaft wäre. Sofort wurden wir eingeladen an den Tisch im Garten. Wir lehnten dankend ab, waren wir doch schon zu Gast an einem anderen langen Festtisch.Bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, dass im Sommer in dieser Gegend jeden Tag mindestens ein Hochzeitsfest stattfindet. Weil dann jeweils alle Menschen, welche im Ausland arbeiten, in ihrem Heimatdorf zusammenkommen, also Nachbarn, Freunde, Verwandte, Bekannte sich treffen, werden auch die grossen Feste auf diese Jahreszeit verlegt. Am Vorabend des Hochzeitsfestes, zu dem wir eingeladen waren, war die Familie eigentlich noch zum Hochzeitsfest eines Verwandten (Bräutigams Cousin) eingeladen. Die Bräutigameltern verschwanden dann auch für ein paar Stunden, um dort wenigstens ein bisschen mitzufeiern. Jeden Tag während unseres Aufenthaltes hörte man Autogehupe, weil wieder eine Hochzeitsgesellschaft unterwegs war und das Restaurant, in dem wir am Abend feierten, war jeden Tag ausgebucht für Hochzeitsessen.

Der Tag des Hochzeitsfestes begann für die Brautleute und deren Gäste ebenfalls wie am Vorabend getrennt. Das heisst: sowohl im Elternhaus der Braut, wie im Elternhaus des Bräutigams wurde gebruncht. Viele der Hochzeitsgesellschaft im Hause des Bräutigams begaben sich über die Strasse zum Coiffeur (Frisör). Die Brautmutter bezahlte allen eine Festfrisur.

Ich kann nicht sagen, wie es bei der Braut war, aber im Bräutigamhaus wurde ab 9.30 Uhr ausgiebig per Liveblasmusik getanzt und vom herrlichen Buffet gekostet. Ich dachte, dass der Bräutigam seine ganze Energie bereits am Vormittag aufgebraucht hätte, derart gab er sich dem Tanz hin. Doch ich sollte mich täuschen – er war zu noch viel grösserer Tanzausdauer fähig. Und dies bei ca. 40 Grad Celsius!

Irgendwann begab sich die Festgesellschaft des Bräutigams zum Haus der Braut. Die Autos wurden parkiert und die letzten Meter tanzte man zum Elternhaus der Braut. Natürlich immer begleitet mit der Roma Blaskapelle. Allen voraus der Bräutigam mit seinen Eltern, welche Geschenke trugen. Apropos Blaskapelle: diese spielte zwischen 9.30 bis ca. 17 Uhr, unterbrochen nur während des orthodoxen Trauungsgottesdienstes. Die Leute tanzten die ganze Zeit – habe ich schon erwähnt, wie heiss es war? Wir Schweizer fielen im Schatten überhaupt nicht auf, denn alle Einheimischen waren in der prallen Sonne mit Tanzen beschäftigt. grins Die Musiker bespielten manchmal extra einen Gast, d.h. kamen ihm derart aufdringlich nah, bis dieser nachgab und ihm einen Geldschein auf die schweissnasse Stirn klatschte, oder einen Schein ins Musikinstrument steckte, wo es halt grad Platz fand. Ich fand es ja im Grunde genommen lustig, aber als sie einem Baby die Trompete ins Ohr bliesen, hatte ich doch meine Bedenken.

Wir hatten doch keine Ahnung! Eigentlich wären wir erst dann in den Vorhof der Braut eingelassen worden von den Brautjungfern, wenn wir einen Geldbetrag hinterlassen hätten. Doch wir Touristen erhielten die Anstecker umsonst und bemerkten erst im Nachhinein den Geldteller. Ich erinnerte mich an die Schilderungen unseres Reiseleiters in der Türkei. Er erzählte, wie eine türkische Hochzeit abläuft – und es kam mir genauso vor, was ich hier alles erlebte.

Mir kam während des Tages viel die Bibel in den Sinn und ich verstand einzelne Passagen besser:

Matthaeus 25:1-13 / LUT

Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. …

Die meisten Gäste wurden im Garten draussen bewirtet und tanzten dort. Wir aber erfuhren, dass wir zum engeren Kreis der Gäste gehörten, was uns vorher nicht bewusst war. Wir waren, wie es mein Sohn ausdrückte, VIP’s. 😉 Als diese wurden wir an den grossen Festtisch in der Stube geleitet, dort der Familie und den Eltern der Braut vorgestellt und verköstigt. Währenddem wir assen, erlebte unsere Tochter als Freundin des Brautführers etwas, was sich sonst allen Blicken entzog: der Bräutigam wurde ins Brautzimmer geführt, musste dort der Braut einen Kranz geben und dann wurden auch andere, symbolische Handlungen ausgeführt, welche ich vergessen habe, weil ich selber dort nicht dabei war.

An unserem Tisch sassen wir nicht lange, sondern als die Blasmusik eintrat, standen alle auf und tanzten, wie wenn es zum ersten Mal an diesem Tag und nicht derart stickig heiss im Raum gewesen wäre. Auch wir versuchten es natürlich darin. Hilfreich erwiesen sich den ganzen Tag über die Tücher, welche uns zu Tagesbeginn gereicht wurden. Sie dienten dazu, sie beim Tanzen rhythmisch zu schwenken, aber noch viel praktischer waren sie einsetzbar als Fächer und zum Schweiss abwischen.

Und plötzlich trat das Brautpaar ein und wir sahen zum ersten Mal die Braut! Auch das Brautpaar tanzte zuerst eine Weile ausgelassen und dann begann eine Reihe symbolischer Handlungen, deren Sinn wir erahnen konnten und teilweise erklärt bekamen vom Pate des Bräutigams, welcher wie er uns erklärte, die wichtigste Rolle an diesem Tag inne hatte, nebst dem Brautpaar natürlich. Vor allem war er der „Hauptsponsor“, wie er uns augenzwinkernd verriet. Er ist mazedonischer Herkunft, wohnt und arbeitet aber schon manche Jahre zusammen mit seiner Familie in München.

Brautvater- und Bräutigamvater tranken zusammen aus einer Schüssel Wein, in der die Eheringe des Brautpaares waren und bissen miteinander von einem grossen Stück Brot ab, welches uns allen dann gereicht wurde. Es kam mir wie ein Abendmahl vor, oder als Handlung der Verbrüderung. Dem Bräutigam wurde ein ganzes Poulet vorgesetzt, von dem er zuerst selber essen und dann seine Braut verköstigen musste. Er sei nun der Ernährer der Familie, wurde mir erklärt. (Obwohl die Braut selber ja studiert hat und auf eigenen Füssen stehen kann.) 😉 Die Braut verteilte ein paar Geschenke und jeder, welcher eines erhielt, drückte der Braut wiederum ein paar Geldscheine in die Hand. Wie gesagt: wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns einliessen und wussten von daher nicht, dass auch unsere Tochter als Freundin des Brautführers beschenkt würde. Geld für ihr Geschenk erhielt sie von der Mutter ihres Freundes. 😉 Als weiter getanzt wurde und es war ziemlich laut dabei – wollten wir uns mal im Schatten draussen ausruhen. Kaum setzte ich mich erschöpft auf einen Plastikstuhl im Garten neben eine ältere Dame, dachte diese wohl, ich würde mich langweilen und forderte mich zu einem Tänzchen auf. Es wurde ein wunderschönes Erlebnis. Diese Frau war so herzlich zu mir und wir verstanden uns tanzend, ohne Worte. Mir wurde erklärt, sie sei die Schwester der Brautmutter.

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Irgendwann fuhren wir zur schön gelegenen Kirche und erlebten unseren ersten orthodoxen Gottesdienst. Der Pope sang, schwenkte Weihrauch und alle standen ums Brautpaar und die engsten Familienangehörigen herum. Es gab keine Sitzgelegenheiten, bzw. nur eine lange Bank, auf welche sofort ein paar junge Damen sassen. Später klagte mir eine Frau, sie hätte sich darüber gewundert, denn eigentlich dürften nur kranke oder alte Leute sitzen. Der Freund unserer Tochter musste sich bei der Braut einhängen und auch während des Gottesdienstes konnten wir viele Symbolhandlungen miterleben. So wurde um die Arme des Brautpaares zum Beispiel neue T-Shirts des Paares geschlungen (ich glaube, die wurden anschliessend der Kirche zum Weiterverkauf gespendet) Der Pate des Bräutigams erklärte mir später, dies bedeute, dass die zwei nun Zeit ihrer Lebtage miteinander verbunden seien. Ich beobachtete, wie die Braut langsam hin- und her zu schwanken begann und ihre Augen verdrehte. „Oh – oh, sie wird ohnmächtig, bei dieser Hitze“, dachte ich. Zum Glück erhielten sie in diesem Moment Brot und Wein des Abendmahls. Später gestand mir die Braut, das Abendmahl wäre ihre Rettung gewesen. 😉 Auch im orthodoxen Gottesdienst wird das „Jawort“ gegeben und die Ringe getauscht. Und dann wurde dreimal um den Altar gelaufen – währenddem das Brautpaar ihre Kronen, welche sie erhalten hatten, ein paarmal vor dem Altar zogen.

Nach der kirchlichen Trauuung wurde natürlich wieder getanzt, es gab Apéro und dann begab man sich zum Haus des Bräutigams. Die letzten paar Meter – ab dem Dorfplatz bis zum Haus – begleitete man die Braut tanzend zum Elternhaus ihres Mannes. Ihr am nächsten tanzten immer die Brautjungfern. Dann wurde die Braut über die Türschwelle des Elternhauses ihres Mannes getragen. Draussen wurde wieder gegessen und getrunken, die Musiker verabschiedeten sich. Und so nach und nach verabschiedete sich auch die Gästeschar. Endlich konnten wir duschen, uns umziehen und für die Abendfeier im Restaurant bereit machen. By the way: die Frisur hielt den ganzen Tag – und Abend! 😉

Am Abend standen unsere Tochter und ihr Freund etwa 1.5 Std. beim Eingang des Restaurants und nahmen die Geschenke fürs Brautpaar entgegen. Im Gegenzug zu ihrem Geschenk erhielten die Gäste ein Raffaello und wurden zusammen mit dem Brautpaar fotografiert. Oben wurden die Gäste von den Eltern beider Seiten begrüsst und man ass und trank bereits. Zu unserem Tisch gesellten sich Toni und Suzana – ihr erinnert euch – das Paar, welches wir von Buochs kennen und mit denen wir zwei Tage in Griechenland genossen. Als die Brautpaar eintrat, überraschte es alle Gäste mit einem wunderschön einstudierten Brauttanz. So romantisch! Und dann wurde getanzt, getanzt, getanzt. Ohne erwähnenswerten Unterbruch. Von ca. 20.30 Uhr bis um 1 Uhr früh! Und das Brautpaar feierte anschliessend mit ihren jugendlichen Freunden weiter bis um 6 Uhr! Ich muss gestehen: wir tanzten zwar auch viel – und die mazedonischen Tanzschritte wurden uns sehr gastfreundlich und geduldig gelehrt – learning by doing – aber wir pausierten auch oft. Im Gegensatz zum Brautpaar – dieses tanzte stuuuundenlaaang! Ich staune einfach heute noch darüber! Die Band, welche spielte und der Sänger der Gruppe sind in Mazedonien sehr bekannt. Im Verlauf des Abends wurde ich immer wieder mit Komplimenten bedacht, wie gut ich tanzen würde und oft gefragt, ob ich mich wohl fühlen würde, mir auch ja nichts fehle. Auch unsere ganze Familie wurde liebevoll ins Fest mit einbezogen.

Müde und voller Eindrücke gingen wir nach 1 Uhr schlafen. Anschliessend durften wir im Elternhaus des Bräutigams noch ein paar Tage ihre Gastfreundschaft geniessen. Der Brautvater chauffierte unsere Tochter, ihren Freund, meinen Mann, unseren Sohn und mich am Dienstag, 2. August nach Skopje an den Flughafen. Ein paar Tage später wütete in dieser Gegend ein heftiges Unwetter und es gab leider auch Tote. Wir haben die Gastfreundschaft dieser Menschen erlebt – ihre Herzlichkeit und deshalb ging mir diese Schreckensnachricht nah. Gerne kehre ich wieder mal nach Mazedonien zurück und ich möchte die Sprache lernen, um mich mit den Grosseltern und Verwandten dort unterhalten zu können.