„Los, we s trichled…“ – Der Brauch des Trichelns in Beckenried, Nidwalden

Walter Käslin (+1998) Beckenrieder Mundartdichter beschrieb den archaischen Brauch folgendermassen: «Los, we s trichled uf de Gasse: wumm und wumm und wumm und wumm! Näi, das isch de nid zum Gschpasse, der liäb Samiglais gaad um….»

Heute hegen die Kinder vermutlich keine Angst mehr vor dem Samichlaus, aber das «Wumm und Wumm» der Trichler ist immer noch ein eindrückliches, Gänsehaut erzeugendes Erlebnis.

Ein festverankerter Brauch mit wechselhafter Geschichte

Lärmfeste haben ihren Ursprung bei den Germanen. Sie versuchten, mit Lärm und Licht Dämonen zu vertreiben. Heute pflegt man diese althergebrachten Traditionen wohl mehr, um mit Ritualen ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu zelebrieren. Der Samichlais-Iizug stammt aus dem 16. Jahrhundert. Seit 83 Jahren ist der Turnverein Beckenried für die Organisation verantwortlich. Das Dorf wuchs kontinuierlich und der Brauch musste sich dauernd anpassen. Doch vieles hielt allen Veränderungen stand. Einerseits sind dies Trichler, welche teils seit 60 Jahren treu dabei sind. Andererseits bestehen dieselben Hauptelemente seit Jahrzehnten. Nebst den Trichlern sind das: der Samichlais mit den Schmutzlis, Hornbläser (seit 1978), Iffelen (Laternen in Bischofmützenformen), Geisslechlepfer und Fackelträger. Eine Trichel ist eine Kuhglocke. Diese wird im Takt hin- und hergeschwenkt. Wenn man heutzutage den unendlich langen Zug der rund 500, in weissen Burdihemden eingekleideten Trichler bestaunt, ist es fast nicht auszudenken, dass es anfangs der 1960-er Jahre einen Teilnehmer-Einbruch gab. Es waren nur noch etwa 12 Trichler dabei. Doch nachdem diese auf Werbetour im ganzen Kanton gingen und man Tricheln und Burdisäcke ausleihen konnte, begann ein regelrechtes Trichlefieber um sich zu greifen. 1964 waren es bereits 80 Männer, welche dem Samichlais-Brauchtum zu neuem Schwung verhalfen.

Besonderheiten des Beckenrieder-Trichelns

In Siebnerreihen schreiten die Männer durchs Dorf, von Fackelträgern begleitet. Auch manch ein Heimweh-Beckenrieder reiht sich gern ein, aber die Aufstellung ist hierarchisch. In der ersten Reihe der Trichlerschar dürfen der amtierende Beggo-Zunftmeister und die neu gewählten Älplerhauptleute tricheln, nebst denjenigen Männern, welche seit Jahrzehnten dem Brauch treu geblieben sind. Wenn der lange Marsch auf dem Dorfplatz ankommt, formiert sich ein Kreis um den Samichlais. Nach einigen Minuten des Umkreisens, folgt der Höhepunkt, das Uistrichle. Dies meint, dass der vorher gleichmässige Trichlertakt in ein wildes Schellen mündet.

Diese 10 Fotos habe ich von Kobi Christen erhalten. Die anderen Fotos stammen von mir.

Für Nachwuchs ist gesorgt

Ähnlich wie beim Schellen-Ursli, der Kindergeschichte aus dem Bündnerland, suchen sich die Beckenrieder-Kinder eine möglichst grosse Trichle. Am Mittwoch vor dem Samichlais-Iizug, haben sie ihren grossen Tag: das Buebä-Trichlä. Auch wenn der Anlass von früher her so genannt wird, dürfen Mädchen ebenfalls mit machen. In Zweierreihen, nach der Grösse der Trichle eingeordnet, ziehen sie quartiersweise trichelnd durch die Strassen. Der Buebä- Samichlais geht von Haus zu Haus und sammelt Geld, das am Schluss nach Trichlergrösse verteilt wird.

Gerade jetzt, währenddem ich an diesem Blog schreibe, ziehen die Schulkinder trichelnd vor unserer Wohnung vorbei. Von soeben:

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Mir fiel grad auf, dass die Kinder bequemere Traggurte für die Trichle haben, als noch vor Jahren. Wahrscheinlich werden die Eltern innovativer, um ihren Kindern das stundenlange Tragen der schweren Kuhglocken zu erleichtern. 😉 Ein Bild, als Tobias noch mittrichelte (im Bild ganz links).

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Einen Wunsch haben die grösseren Kinder, welche den Anlass ohne erwachsene Hilfe organisieren: bitte liebe Eltern, lasst eure Kinder alleine mitmachen und begleitet sie nicht. Und eine weitere Bitte an alle Besucher des Samichlais-Iizugs: bitte fotografiert ohne Blitz.


Diesen Samstag, 2. Dezember ist es wieder so weit: der Samichlaus-Markt und Samichlaus-Einzug mit rund 500 Trichlern wird bestimmt wieder ein beeindruckender, stimmungsvoller Auftakt in die Advents- und Weihnachtszeit sein. Um 16 Uhr werden wir zudem das Konzert von Joy of Life in der katholischen Kirche Beckenried geniessen.


Dieser Beitrag wird in leicht abgeänderter Form im Nidwaldner Blitz erscheinen, den alle Nidwaldner morgen im Briefkasten vorfinden werden.

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Urchig, hiäsig und eifäch scheen

Urchig und schön sind unsere hiesigen Traditionen. (Urchig meint urtümlich.)

Heute besuchten wir den Dorfmarkt in Emmetten und erlebten ein paar Sentä Veh (Vieh-Senten = Viehzüge). Die Kühe, welche den Sommer hindurch auf den Alpen weiden durften, ziehen jetzt nach und nach talwärts. Sie werden von den Älplern schön geschmückt.

Wir verbanden den Besuch des Dorfmarkts mit einer Wanderung bis nach Hause. Die leichte Wanderung dauerte etwa 2 Stunden. Immer wieder begeisterte die Aussicht zum Vierwaldstättersee und Beckenried hinunter oder nach Emmetten zurück. Leider führt der Wanderweg über grosse Strecken über Asphaltstrassen. Retour ist dieselbe Wanderzeit angegeben, was wir fast nicht glauben können, ist doch Emmetten höher gelegen als Beckenried, das direkt am See liegt.

Zuhause, vom Balkon aus, sehen wir die gesamte Strecke unserer Wanderung. Von ganz links (Emmetten), nach rechts und hinunter…. 😉 Wie liebe ich es, hier wohnen zu dürfen.

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Foxolino Ballenberg – Auf der Suche nach einem wertvollen Kristall

Die Startinfo des Foxtrail erklärt uns, dass es auf dem Ballenberg nicht nur alte Häuser und Traditionen zu entdecken gäbe, sondern auch Geheimnisse, denen man auf die Spur kommen könne. Der Fuchs jedenfalls habe die Fährte nach einem sagenumwobenen Kristall aufgenommen und uns Hinweise von Geheimnisträgern hinterlassen.

Weil es so heiss war, genehmigten wir uns eine Znünipause und einen Kaffee- und Dessertaufenthalt im Gasthaus „Degen“. Leider kamen wir deshalb zu spät, um Liseli zu helfen, was uns schockierte. Kleineren Kindern müsste bei dieser Station erklärt werden, dass dort eine Puppe liegt und das Ganze ja ein Spiel ist. Dieses Zimmer ist  etwas gruselig inszeniert – was aber vom Freilichtmuseum so gestaltet ist, nicht vom Foxtrail. Aber echt – noch dazu mit diesen Gesängen…..

Ansonsten hat uns der Foxtrail wiederum sehr gut gefallen. Hier ein paar Impressionen. Aber Achtung: nicht alle Fotos haben mit dem Lösen des Foxtrailrätsels zu tun. Wir genossen unseren Aufenthalt und besuchten viele der Häuser, auch wenn das nicht auf der Foxtrailroute war. Denn unser letzter Besuch des Ballenbergs liegt 11 Jahre zurück. Seither gab es viele neue-alte Häuser.

Wir fühlten uns top unterhalten und wie das Schlussfoto zeigt, das zu einem Posten gehörte, der ein Höhepunkt an Originalität darstellte, gab es viel zum Lachen. Wir merkten übrigens dort nicht, dass wir zum obligaten Schlussfoto geknipst wurden, sondern meinten, dass es halt dieses Mal kein Schlussfoto geben würde. 😛

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Die Posten waren nicht zu schwierig, aber teilweise schön knifflig genug, um auch uns alten Fuchsjägern etwas zum Knobeln zu geben. Dieser Shorttrail eignet sich für Familien mit Kindern – und auch für Erwachsene, denn auch wir waren ohne Kinder unterwegs und hatten nie das Gefühl, kindisch zu sein. 😉 Natürlich verpassten wir den Fuchs wieder – wie immer. Aber den Kristall haben wir gefunden! Immerhin!

Ein Tipp für künftige Ballenberg-Fuchsjäger: nehmt euch unbedingt Zeit, die Häuser genau anzuschauen auf eurer Route und euch nicht nur auf das Lösen des Rätsels zu konzentrieren. Es lohnt sich und man kommt auf der Route nicht nochmals an denselben Häusern vorbei. Und schaut, dass ihr entweder vor oder nach dem Trail auch die übrigen Häuser noch betrachten könnt. Rechnet also für dieses Freilichtmuseum genügend Zeit ein, denn der Tageseintritt ist im Foxtrailbillett inbegriffen.

Drei Anmerkungen:

  • wir empfanden den Trail als viel zu kurz. Hätten wir ihn ohne Pause absolviert, wären wir in 1 bis 1.5 Stunden damit fertig gewesen. Warum nicht einen zweiten, längeren gestalten? Doppelt so lang dürfte er ruhig sein.
  • wir hätten mit der Raiffeisen-Memberkarte (Museumspass) Gratiseintritt ins Freilichtmuseum Ballenberg gehabt. Es wäre im Grunde genommen schön, wenn man damit nicht den vollen Preis für diesen Foxtrail bezahlen müsste. Foxtrail könnte dies vielleicht verrechnen lassen?
  • Es war schwierig und nur mit viel Geduld möglich, dem einen „Geist“ sein Geheimnis auf Deutsch zu entlocken. Dauernd sprach er irgend eine andere Sprache…. Wir benötigten zwischen 5-10 Versuche, bis er endlich merkte, dass er ja auch deutsch sprechen könnte. 😉

Ansonsten: danke für die fantasievollen Installationen! Es war wohl nicht unser letzter Foxtrail.

P.S. Kein gesponserter Beitrag.

Der schaurig-schöne, mystische Klang der Hornbläser Beckenried am Samichlaiseinzug

Diese Zeilen habe ich für den Nidwaldner Blitz verfasst und sie erscheinen heute, 30.11.17 in der Printausgabe, in leicht angepasster Form.

Manche Beckenrieder, sagen, dass der „Samichlais-Iizug“ der höchste Feiertag im Dorf sei. Jung und Alt sind auf dem Samichlais-Märcht anzutreffen, wenn nicht grad der Samichlais zuhause auf Besuch ist. In Beckenried besucht er jede Familie. Man muss sich nicht anmelden dafür.

Abends trifft sich das ganze Dorf, als Teilnehmer oder Zuschauer beim Einzug des Heiligen St. Nikolaus ins Dorf. Nicht wegzudenken sind dabei die Beckenrieder Hornbläser.

Hier, in einem meiner Videos ab Minute 2.19 zu hören. Ich habe es 2008 gedreht und es ist leider nicht in der heute üblichen Qualität:

Seit 1978 lassen die Hornbläser jedem Menschen am Strassenrand mit ihren archaischen, langgezogenen Klängen einen Schauer den Rücken hinunter rieseln und auf den Armen bildet sich Hühnerhaut.

Horn- oder Helmibläser?

Im 15. Jahrhundert wurde die Vorhut eines eidgenössischen Heeres „Harster“ genannt. Diese spielten ein Kriegshorn aus Tierhörnern, das „Harschhorn“. Man verwendete sie ebenfalls als Jagd- und Hirtenhorn, denn die rauhen und starken Töne waren dazu besonders geeignet. An der Landsgemeinde Stans eröffneten die Helmibläser jeweils die Versammlung, indem sie in ein solches Horn bliesen. An der letzten Landsgemeinde Stans 1996, hatte Helmibläser Paul Arnold aus Dallenwil diese Ehre. Nicht aus demselben Grund blasen die Beckenrieder am Samichlauseinzug in ihre Tierhörner. Denn früher glaubten die Menschen, dass sich Dämonen, welche in der dunklen Jahreszeit besonders aktiv seien, mit Lärm und Lichter vertreiben liessen. So entstand der Brauch des „Geisslechlepfens“ (Peitschen knallen), „Trichlens“ (Kuhglocken rhythmisch schwingen), des Hornblasens und des „Iffelen“-Tragens (grosse Laternen).

Hörner von Zwittertieren

Früher wurden Zwitter-Rinder bevorzugt für die Hofarbeit eingesetzt und vor Wagen gespannt. Denn sie vereinen die Grossmütigkeit einer Kuh mit der Stärke eines Stiers. Die Hörner dieser Tiere waren besonders lang und stark. Der Hornbläser erzeugt durch das Hineinblasen in ein sogenanntes Zwickhorn einen tiefen Klang. Auch Geissen-Zwitterhörner sind beliebt. Sie klingen heller. Diese Tiere werden heute nicht mehr gezüchtet, sondern als Jungtiere geschlachtet. Deshalb sind Hörner, welche sich für den Samichlauseinzug verwenden lassen, rar geworden. Doch die Hornbläser haben gute Beziehungen zu Familien, die 100-jährige Hörner besitzen und sie für das besondere Brauchtum gern ausleihen. Andere Bläser finden Hörner auf Flohmärkten, fragen Züchter von Hochlandrindern, finden ein Wasserbüffelhorn, oder gar das geschwungene Horn einer Antilope. Jedes Horn erzeugt einen einzigen Ton. Wenn alle miteinander in ihre verschiedenen Hörner blasen, ergibt dies eben diesen schaurig-schönen Ton.

Der Samichlauseinzug ist Hauptprobe, „Aufführung“ und Probe fürs nächste Jahr

Angesprochen darauf, ob denn die mittlerweile 18 Männer und 1 Frau, welche sich zum Verein „Hornbläser Beggeried“ zählen, zum Üben zusammenkommen, meint der Präsident Turi Käslin augenzwinkernd: „Wir üben an jedem Samichlais-Iizug fürs nächste Jahr.“ Das jüngste Mitglied ist um die 30 Jahre alt, die ältesten im Pensionsalter. Letztere schätzen die rückenschonende Möglichkeit der Umzugsteilname, im Gegensatz zum Tragen einer grossen „Trichle“ oder einer schweren “Iffele“.

Ich hoffe am 2. Dezember auf gutes Wetter, viele Teilnehmer und Zuschauer, um dem Samichlais einen würdigen Einzug ins Dorf Beckenried zu bereiten.

Im Jahr 2009 gedreht – leider ebenfalls noch nicht die Qualität, welche heute möglich wäre:

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Samichlais – St. Nikolaus – Samichlaus

„Der Samichlaus weiss alles. Wenn du nicht brav bist, wird er schimpfen und dir nichts als eine Rute bringen. Der Schmutzli wird dich in seinem Sack davontragen.“ Solche Drohungen gehörten früher zur Kindererziehung. Heute ist der Samichlausbesuch ein freudiges Ereignis.

Nikolaus von Myra war ein Bischof, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts in der heutigen Türkei, lebte. Um sein Leben ranken sich zahlreiche Legenden. So habe er einen Sturm gezähmt und deshalb ist er der Schutzpatron der Seefahrer. Sein ererbtes Vermögen verteilte er unter den Armen. Mehrere Wunderwirkungen werden ihm zugesprochen, so auch solche an Kindern. Daraus entstand das Brauchtum des Beschenkens von Kindern. Dies geschieht an seinem Todestag, dem 6. Dezember. Samichlaus ist eine Wortabwandlung von Sankt (heiliger) Nikolaus (Chlaus).

Samichlausbräuche

In jedem der Länder Österreich, Deutschland, England, Irland, Italien, Frankreich, Spanien, Kroatien, Serbien, Polen, Russland, Griechenland, Ungarn, Bulgarien, Mazedonien und in den Benelux-Staaten heisst der Sankt Nikolaus ein bisschen anders und jedes Land kennt seine eigenen Traditionen. In der Schweiz werden je nach Region entweder Samichlaus Ein- oder Auszüge gefeiert. In Nidwalden sind das wunderschöne Anlässe, an denen Geisslechlöpfer, Trichler und Iffelenträger bestaunt werden können. Am Abend des 6. Dezembers, besucht der Samichlaus die Familien zuhause. Die Kinder sagen ein Samichlausgedicht vor, spielen vielleicht etwas auf einem Instrument und werden dafür vom Samichlaus mit Nüssen, Mandarinen, Orangen, Lebkuchen, Schokolade und anderen Süssigkeiten belohnt. Die Idee, dass unter den Geschenken auch iPods und ähnliches zu sein hat, stammt ursprünglich nicht vom Samichlaus. Er trägt das Gewand eines katholischen Bischofs mit MitraKrummstab und in seinem goldenen Buch sind Lob und Tadel festgehalten. Begleitet wird der Samichlaus nebst seinem Esel von einem oder mehreren Schmutzlis, auch Knecht Ruprecht genannt. Diese gefürchigen, stummen Gesellen, sind in schwarze Kutten gehüllt und mit einer Rute ausgestattet. Der Einsatz dieser Rute ist aber heutzutage verpönt, der Schmutzli klopft höchstens mit einem Augenzwinkern auf seine eigenen Beine, wenn der Samichlaus tadeln muss. Kam es früher tatsächlich vor, dass der Schmutzli hie und da ein Kind zur Abschreckung in den Jutesack steckte, ist das nicht mehr denkbar. In Nidwalden gehören zu den Gehilfen des Samichlaus, je nach Dorf, Laternenträger, Geigel oder Dotschenträger.

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Der Beckenrieder Samichlais bei uns zuhause, vor ein paar Jahren, am alten Wohnort.

Ist der Samichlaus und der Weihnachtsmann ein und derselbe Mann?

Gemeinsam ist beiden älteren Männern ein weisser Bart und rote Kleidung. Und beide beschenken Kinder. Doch es gibt Unterschiede. Die Symbolfigur des Weihnachtsmanns hat sich in Amerika durch europäische Einwanderer vom niederländischen Sinterklaas (Nikolaus) zu Santa Claus entwickelt. Statt des liturgischen Gewandes und der Bischofmütze, trägt er rote Hosen, Oberkleid und Zipfelmütze. Der amerikanische Santa Claus kommt vom finnischen Lappland. Unser Samichlaus wohnt hingegen der Legende nach im Wald. Der Weihnachtsmann bringt Geschenke, indem er auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten durch den Himmel fährt. Am 24. Dezember steigt er nachts durch die Kamine in die Häuser ein und verteilt seine Geschenke unter dem Christbaum. Dieses Märchen ist zurückzuführen auf ein anonym veröffentlichtes Gedicht von 1823 „The Night before Christmas.“ Der Mythos des Weihnachtsmanns wird vor allem in Amerika, aber auch in Grossbritanien, Deutschland und den Benelux-Ländern gepflegt.

Samichlaussprüchli

Samichlais im roote Gwand

Mit em Goldstab i de Hand,

mit de schwääre Winterschuä,

hesch i eysem Dorf vil z’tuä.

Jetzt chlopfids a dr Tiirä scho,

ich ha so planged und bi froh.

Dr Samichlais bringt d’Liäbi mit,

d’Wiähnachtszeyt isch nimmä wiit.

————-

Es Licht chunnt de Fäldwäg yy.

Ich glaub, das muess de Samichlais sey.

Jetzt ghört me s’Glöggli – still los guet,

wie’s über d’Wiese leyte tuet.

Meys Härz chlopft ganz fescht,

ich hoff, du weisch vo mir nur s’Bescht.

Diä andere chleyne, dummä Sachä,

möchte ich s’nächscht Jahr besser machä.

Drum bitte lueg in Sack jetzt drii,

eb’s eppis het fir mich derbie.

————-

Taif verschniit sind Fäld und Wald

De Samichlais chunnt scho bald.

Äs schneyelet ganz lys und fin.

Jetzt gsehn ich det ä Liächterschyn.

De Chlais chund mit em rote Gwand.

Är trait de Goldschtab i de Hand.

Und s’Eseli tramped hindedrey.

Chund är ächt ai bi miär verbey?

Jetzt chlopfeds a de Tiire scho,

ich ha planged und bi froh.

De Samichlais bringt d’Liäbi mit,

denn d’Wiähnachtszeyt isch nimma wit.


Mein Artikel erschien am Mittwoch, 23. November 2016 im Nidwaldner Blitz.

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Vorschau Nidwaldner Alpchäs-Märcht, Beckenried, 19./20. November 2016

Ein schöner Alpsommer neigt sich dem Ende zu. Nebst der Älplerchilbi und Alpabzügen, gehört seit 16 Jahren der Alpchäs Märcht Beckenried zu einer liebgewonnenen Nidwaldner Herbst-Tradition.

Urschweizer Alpkäsemarkt, so nannten ein paar Nidwaldner-, Schwyzer- und Urnerälpler 1998 die erste Veranstaltung dieser Art in Beckenried. Sie fand auf dem Parkplatz der Klewenalpbahn in einem Festzelt statt. Der Markt stiess auf ein derart grosses Interesse, dass sofort im Anschluss ein OK fürs drauffolgende Jahr gegründet wurde. Seit dem Jahr 2000 findet der Käsemarkt im heimelig passenden Schützenhaus statt. Paul Barmettler, Präsident der IG Nidwaldner Alpkäser, welche seit 2004 für die Durchführung verantwortlich ist, zeigt sich dankbar, dass die Dekoration von der Älplerchilbi Beckenried jeweils übernommen werden kann. Diese findet immer eine Woche vor dem Nidwaldner Alpchäs Märcht statt.

Der Käse steht im Mittelpunkt

An zwei Tagen bieten 15 Aussteller nebst bekannten Käsesorten auch kreative Eigenkreationen an. „Dies ist es, was uns von anderen Käsemärkten unterscheidet“, meint Barmettler begeistert. „Bei uns ist der Käse nicht etwas, das an einem Volksfest nebenbei verkauft wird, sondern der Käse steht im Mittelpunkt. Keine Region der Schweiz präsentiert eine derart grosse Käsevielfalt.“ Übrigens wird am Nidwaldner Alpchäs Märcht nicht ausschliesslich Alp-, sondern auch Bergkäse verkauft. Ist denn das nicht ein- und dasselbe? „Nein“, erklärt Barmettler, „Alpkäse wird nur im Sommer und direkt auf der Alp hergestellt. Im Unterschied zum Bergkäse, welcher das ganze Jahr hindurch auch in Käsereien im angrenzenden Berggebiet produziert wird.“ Obwohl es Nidwaldner Alpchäs Märcht heisst, werden auch Aussteller aus Seelisberg, dem Urner Stäfeli oder der Gerschnialp auf dem Verzeichnis aufgeführt. „Wir Älpler gehören zusammen und sehen das mit den Kantonsgrenzen nicht so eng.“ Diverse Hofprodukte wie Tee, Fleisch, Backwaren und Weine ergänzen das Käseangebot.

Seit 5 Jahren findet am Samstagabend jeweils ein Alpchäs-Fondueplausch und am Sonntagmorgen ein grosses Bauernfrühstück statt. Beide Anlässe sind in der Bevölkerung und bei Heimwehbeckenriedern äusserst beliebt. Autokennzeichen vor dem alten Schützenhaus zeugen davon, dass die Besucher nicht nur aus der Innerschweiz, sondern aus Basel, Zürich, dem „Welschland“ und sogar dem nahen Ausland anreisen.

Paul Barmettler, Älpler von der Bleiki erklärt: „Wenn ich sehe, wie viele Menschen jeweils das Schützenhaus mit einem zufriedenen Gesicht verlassen, bedeutet mir das genauso viel, wie gute Verkaufszahlen. Wenn Besucher mit den Käseproduzenten in Kontakt kommen, werden sie sensibilisiert für die Wichtigkeit unserer Alpwirtschaft und des Schweizer Bauerntums.“

Geheimtipp

Obwohl das Schützenhaus den Besucherandrang zu Spitzenzeiten fast nicht mehr bewältigen kann, möchte die IG Nidwaldner Alpkäser das Angebot nicht ausbauen. „Die Stimmung im Schützenhaus ist einmalig und stimmig für unsere Produkte“, meint Barmettler. Und er hat einen Geheimtipp für solche, denen der Menschenauflauf in den letzten Jahren zuviel wurde: „Am Samstagvormittag hat es jeweils schön Platz, um von Stand zu Stand zu schlendern, zu degustieren und feine Ware einzukaufen. Die Nidwaldner Alpkäserinnen und Alpkäser freuen sich auf Ihren Besuch!“

Regula Aeppli-Fankhauser

Programm
Nidwaldner Alpchäs Märcht 2016
 
Rahmenprogramm beide Tage:
9.00-18.00 Uhr: Markt, Festwirtschaft, Kinderattraktionen, Weindegustation
Samstag, 19. November 16:
18.30-22.00 Uhr: Alpchäs-Fondueplausch/Reservationen unter 041 620 51 50 oder alp.bleiki@sunrise.ch
Sonntag, 20. November 16:
8.30-10.00 Uhr: Grosses Bauernfrühstück/Reservationen siehe oben

Der Bericht ist heute, 10. November 16, im Nidwaldner Blitz Nr. 45 erschienen

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Halloween

Gfürchigi Gselle ziehnd durs Land,
im Dunkle, das isch doch allerhand
gar nid lieblichi, nei, derig zum gruise!
Ich trau mich ja nümm veruise.
Häxe, Skelett, was isch au los?
De Chleynscht findets nümm famos.
Jetzt hends gleitet, diä Gschpäischter!
Nur schnell wäg vom Fäischter!
Was hends gmeint: „Süässes oder Suuirs“?
Im Chleynschte isch äs immer no gschmuich.
Dere Gsellschaft wird e chli Süesses häre gläit
Au im Chleynschte – so het au är wider Fräid.
Regula Aeppli-Fankhauser

Manch ein älterer Nidwaldner mag den Kopf schüttelnd fragen: „Was ist denn das für ein neumodischer Brauch? Woher kommt dieses Gruselfest, an dem sich vorwiegend Kinder als Gespenster, Hexen, Skelette verkleiden, von Tür zu Tür gehen und um Süssigkeiten betteln? Wir jedenfalls kannten dies früher nicht.

In Irland hingegen ist der Brauch seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Später wurde er durch die Einwanderungswellen an die amerikanische Ostküste gebracht. Und alles Amerikanische trifft früher oder später auf Europa und somit irgendwann auch auf unser Nidwaldner Land.

Mit Süssem und Licht böse Geister vertreiben

Als Halloween werden die Bräuche bezeichnet, welche in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ausgeübt werden. Halloween ist eine Abwandlung von All Hallows’ Eve. Eve kommt von englischen evening, was Abend heisst und hallow von Heiliger. Gemeint ist also ein Fest am Vorabend zu Allerheiligen. Wir kennen Halloween vor allem von den Kindergruppen her, welche in den letzten Jahren vermehrt auch in Nidwalden verkleidet von Haus zu Haus ziehen, um Süssigkeiten einzufordern. „Süsses oder Saures“ wird dabei verkündet, in Anlehnung an das englische trick or treat. Dies meint zu gut deutsch: „Wenn du mir keine Leckereien gibst, dann spiele ich dir einen Streich!“ Eine Theorie besagt, dieser Brauch komme von einer Glaubensüberzeugung, dass die Lebenden Gaben für umherwandernde Geistwesen bereitstellen müssten. Die Verkleidung soll der Vertreibung von bösen Geistern dienen, denn man war überzeugt davon, dass in dieser Nacht die Pforten der Hölle offen und wirkliche Dämonen, Hexen und andere teuflische Wesen unterwegs seien, um ihr Unwesen zu treiben. Zu diesem keltischen Brauch gehörte ursprünglich das Entzünden von Höhenfeuern. Dies waren Freudenfeuer, weil man glaubte, in dieser heiligen Zeit würden die Seelen der Toten kurz zu ihren Heimen zurückkehren. Das Feuer war seit jeher ein Symbol für Reinigung, der Vernichtung von Bösem, für Wärme, Licht und Liebe, welches man sich alles in den dunkleren Jahreszeiten umso mehr wünschte. Im Zuge des Entzündens dieser Feuer wurde auch Wahrsagerei betrieben. Zu Halloween gehört zudem das Aufstellen eines orangen Kürbisses. Manchmal ausgehöhlt und mit einer Kerze erleuchtet. Damit gedenken wir dem armen Jack o’Lantern. Dieser irische Trunkenbold, muss mit einer ausgehölten Rübe im Dunkeln zwischen Hölle und Himmel wandern, weil er aufgrund einer Wette zwar von der Hölle verschont blieb, aber dennoch nicht in den Himmel gekommen sei. Wiederum um böse Geister abzuschrecken, schnitzt man Fratzen in die Kürbisse.

An Halloween scheiden sich die Geister

Nicht alle Eltern unterstützen ihre Kinder in ihrem Vorhaben, als Gruppe verkleidet von Tür zu Tür gehen zu wollen und die Nachbarn anzubetteln. Kritik wird auch laut, weil Menschen sagen, das sei kein „hiesiger Brauch“ und bei Streichen würden Hausmauern mit Eiern verschmiert. Ausserdem passt nicht jedem der okkulte (mystische, übersinnliche) Charakter des Brauchtums.

Egal, wie Sie es persönlich halten: die Farbe Orange und die Lichter der Dekoartikel, aber auch feine Kürbisgerichte passen doch zur Jahreszeit und mögen diese etwas erhellen.

Der Artikel ist heute, 26. Oktober im Nidwaldner Blitz online geschaltet worden. Die Printausgabe liegt morgen in jedem Briefkasten in Nidwalden und bei ausserkantonalen Abonnenten. (Auflage 24’000)bildschirmfoto-2016-10-26-um-10-59-52