Naherholungsgebiet Rotsee-Sedel

Das Gebiet um den Rotsee und den Sedel, ist mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden. Wie oft spazierten, wanderten wir als Familie da, verbrachten Jungschar-Nachmittage im Sedelwald oder absolvierten Orientierungsläufe der Schulen.

Im Herbst wandern Andy und ich gerne dort. Das gefärbte Laub, dazu die Sicht auf den  Rotsee und den angeschneiten Alpen im Hintergrund, sind jeweils sehr malerisch. Letzten Sonntag trugen die Bäume noch nicht so ein stark gefärbtes Herbstkleid. Doch ein Ausflug in diese Gegend, lohnt sich immer. Wir spazierten 1.5 Stunden. Es gibt unzählige verschiedene Tourenmöglichkeiten.

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Gerne wandern wir zum Beispiel bis zum Trumpf Buur oder bis zum öffentlichen Restaurant des Schwerbehindertenheim Rathausen. Aber dieses Mal nicht… Wir parkieren jeweils oberhalb der Sedelstrasse, im Bild unten links. Unsere ungefähre Strecke letzten Sonntag:

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Unsere Sicht ging von den Alpen, bis zu den Orten Emmenbrücke, Ebikon, Luzern, zur Rotseebadi – also für Abwechslung ist gesorgt. Wir beobachteten, wie ein Helikopter auf dem Dach des Kantonsspitals Luzern landete.

Auf diesen Wegen sind, wenn man nicht grad wie ich, neue Wanderschuhe einläuft, Turnschuhe oder gute Halbschuhe ausreichend. Manche Strecken sind kinderwagentauglich, andere nicht.

Wenn man über den Sedelhof zurückkehrt, kann man sich dort je nach Saison mit Produkten des Bauernhofes eindecken: mit frischem Obstsaft,  Äpfeln, Sirup….

Vielleicht trifft man sich mal unterwegs im Sedelwald oder am Rotsee? 😉

 

 

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Ein Landei erlebt Züri

Aufgewachsen in Emmenbronx und ein Landei? Nun ja – Emmenbronx hiess in meiner Kindheit noch „Ämmebrögg“ und war tatsächlich ländlich. Neben unserem Hochhaus weideten Kühe und ich lernte Skifahren dort, wo das Emmen Center steht. Ich zügelte vom Land in die Stadt, ohne wirklich umzuziehen. Denn die Stadt zügelte zu uns aufs Land. Doch seit 30 Jahren wohne ich wieder auf dem Land – in Nidwalden. Wenn ich einmal eine grössere Stadt besuche, komme ich mir oft so vor, wie ein Marsmensch auf Erden. 😉 Erstens sehe ich so viele Menschen in einer Minute, wie ich an meinem Wohnort in einem Jahr nicht sehen würde und zweitens haben es alle diese Leute immer extremst eilig. Alle hetzen ständig äusserst dringlichen Terminen nach. In Städten bewegen sich wahrscheinlich besonders wichtige Menschen und die müssen das auch zeigen. Nicht nur mit ihren eiligen Schritten, sondern auch mit ihrer Mimik und ihrer pressanten (schnellen) Sprache. Dann stehe ich inmitten eines solchen Stadtgewühls und staune ab dem, was Normalzustand zu sein scheint, aber auch ab Originalen, nach denen sich auf dem Land alle Passanten kopfschüttelnd umdrehen würden, hier aber niemandem aufzufallen scheinen.

Als Kind reisten meine Eltern mit mir einmal im Jahr per SBB nach Zürich. Wir besuchten immer hauptsächlich den Globus. Ich erinnere mich nicht daran, was meine Eltern dort jeweils kauften. Für mich war es das Allergrösste, einen aussergewöhnlichen Radiergummi oder sonst was aus der Papeterie zu erhalten. Das grosse Kaufhaus war für mich ein Schloss und ich stellte mir vor, als Prinzessin dort zu wohnen und treppauf, treppab in meinem Prinzessinnengewand zu schweben. Ab und zu besuchten wir auch den Züri Zoo.

Sonst kenne ich Zürich hauptsächlich vom Flughafen her. Als Transit- und  Einsteigort ins Flugzeug für unsere Ferien.

In den letzten Wochen aber war ich grad öfters in Zürich. Weil wir als Familie zu den Testern der Preview Mobile App der SBB gehörten, war ich zu einem feinen Abendessen eingeladen und traf vorher Andreas Schweizer, der mir einen kleinen Teil Zürichs im Vorfeld etwas vorstellte. Ich kenne ihn vom SOME SBB (Social Media Treffen).

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Auch für den SCM Bundes-Verlag war ich schon ein paarmal in Zürich. So habe ich Artikel über die Streetchurch und das Stadtkloster Zürich verfasst. Derjenige über das Stadtkloster wird erst im Januar 2017 im Magazin 3E erscheinen. Um einen Artikel über die Fyrabigchile Sihlfeld zu schreiben, war ich letzte Woche wieder in Zürich. Ich verband diesen Interviewtermin mit einer Erkundungstour durch „Tsüri“ und fragte vorher über Twitter, ob mir jemand Tipps liefern könnte. Diese erhielt ich wirklich. Und so sah dann meine Stadterkundung aus:

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Ich löste via SBB Mobile App auf mein normales Billet das City Ticket für Zürich und durfte somit ohne weitere Kosten die Polybahn zur Uni Terrasse benutzen. Dies war ein langgehegter Wunsch von mir. Die Fahrt dauerte kürzer, als ich gedacht hatte, aber es ist eine hübsche, härzige Bahn. Oben bot sich mir ein schöner, leicht dunstverhangener Blick über die Stadt.

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Ich wagte mich durch die Türen des Hauptgebäudes der ETH zu treten und fragte mich, ob die jungen Studenten mich wohl eher als Mitstudentin oder als Professorin einordneten. Am Vorabend hatte ich mich auf der ETH Seite erkundigt, ob es eine öffentliche Veranstaltung geben würde. So war ich dann unter so vielen Studenten der einzige Mensch, über ein paar Vitrinen beugend, um unbekannte Seiten von Max Frisch als Architekten zu studieren.

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Von der Ausstellung selber war ich eher enttäuscht, aber umso faszinierter vom Gebäude der ETH.

 

Per Polybahn wieder unten angekommen, lädelte ich (für Deutsche: den Geschäften entlang bummeln) ein wenig im Niederdorf

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und staunte über die hohen Preise, welche ich nicht gewillt war, hin zu blättern. Mir gefielen vor allem die Ladenräumlichkeiten in den alten Gebäuden.

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Mein Weg führte über den Mühlesteg mit seinen Liebesschlössern

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zur Josefstrasse. Diese wandere ich entlang bis zum Viadukt. Wandern ist dabei nicht übertrieben, denn an diesem Tag zeigt mein Schrittmesser 3 Stunden aktive Minuten und 19036 Schritte. 😉 Die Josefstrasse begeisterte mich denn wirklich mit den versprochenen, alternativen, kleinen, originellen Geschäften.

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Aber noch überraschter war ich, als ich am Ende der Josefstrasse beim erwähnten Viadukt angekommen war. Unter den Bögen befanden sich hübsche Cafés, originelle Geschäfte und sogar eine ganze Markthalle. Aber auch hier waren die Preise für meine Gewohnheiten und mein Portemonnaie überrissen teuer. Gekauft habe ich innert 3 Stunden lädelen in Züri bloss zwei Postkarten. 😀

Zu meinem Interviewtermin beim Monolith der Andreaskirche, führte mich das Tram. Über den Freitagabendgottesdienst mit Eltern-Kind-Singen, Flöten, Funk, Soul – und Orgelkonzert, Suppe, Chor, Abendmahl, Schreckmümpfeli, habe ich einen Artikel verfasst, welcher im Magazin 3 E erscheinen wird.

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Spielplatzerinnerungen

Der Kulturplatz auf SRF1 zum Thema „Es lebe der Spielplatz“, weckte in mir Erinnerungen nach „meinem“ Spielplatz.

Ich (Jahrgang 1963) wuchs in Emmenbrücke in einem Hochhaus auf. Aufgrund der hohen Ausländerdichte, nennt man Emmenbrücke heute „Emmenbronx“. In meiner Kindheit kannte ich höchstens ein paar Italiener. Diese beneidete ich nicht, da sie sowohl von Lehrern wie von Mitschülern oft geplagt und „Tschinggen“ genannt wurden. Sie mussten zudem nach der Schule in eine eigene „Doposcuola“ gehen. Doch das wäre ein eigenes Kapitel…

Unser Spielplatz lag zwischen zwei Hochhäusern. Unter dem Spielplatz befand sich die Tiefgarage der beiden Häuser. Es war eine Riesenfläche (142 Meter Länge, sagt mir Google Maps, bis zur Meierhöflistrasse) und wie ich darauf sehe, hat sich da nicht gross was verändert.

Auf dem Spielplatz befanden sich für jedes der Hochhäuser je zwei Ritiseili, Sandkästen, Röhren, Klettergerüste, „Gigampfi“ und eine asphaltierte Fläche, auf der man gut Rollschuhfahren oder im Winter auf der Eisfläche schlittern konnte (Schlittschuhe besass kaum jemand). Und jede Menge Rasenfläche, welche man tatsächlich betreten durfte, Büsche, Bäume, Hügelchen, kleine Wege, auf denen man Rollschuhfahren, „Trottinettlen“ oder „Velölen“ konnte und ein paar rote Bänkchen, auf denen die Mütter oft sassen, miteinander plauderten und lismeten (strickten). Brauchte eines von uns Kindern Trost, musste es nur zu den Bänkli rennen und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller Mütter. Ansonsten aber mischten sie sich nicht in unsere Spiele ein und im Grunde genommen, war es für uns Kinder nur in wirklichen Notfällen so, dass man bei der Mutter Zuflucht suchte, ansonsten galt man entweder als „Rätschibäse“ (wenn man andere verklagte) oder als „Heultante“.

Ich weiss nicht, wieviele Kinder wir tatsächlich waren, welche in den zwei Hochhäusern wohnten, aber in meiner Erinnerung waren wir so um die 30ig. Schön war es für mich vor allem auch dann, wenn wir altersdurchmischt spielten, also selbst die 5 Jahre älteren Kinder sich mit uns Kleinen abgaben. Es war so wohltuend, wenn ein älteres Mädchen mich härzig fand, mich an die Hand nahm, um mit mir vor den Fängern wegzurennen und mir die Spielregeln erklärte. In diesen leider eher seltenen Momenten, spielte dann sogar auch meine Schwester (8 Jahre älter als ich) mit mir in der Gruppe. Mein Bruder war für solche Spiele schon zu alt.

An den Spielgeräten übten wir „Zirkuskunststücke“ ein und führten sie einander vor.

Im Winter wurden die Ritiseili jeweils versorgt und wir vermissten sie. Dafür konnten wir auf dem kleinen Hügel schlitteln, erste Versuche auf den Holzskien wagen und Iglus oder Schneemänner bauen. Wir erfanden Schneespiele, zum Beispiel trampelten wir einen Irrgarten in den Schnee. Wenn der Hausabwart die Ritiseili wieder hinhängte, gab es keinen Zweifel mehr: der Frühling hatte begonnen! Das bedeutete viel, nämlich, dass die Mutter auch einsehen musste, dass es nun „Kniesockenzeit“ war. („Chnüsi“ auf Schweizerdeutsch) Den ganzen Winter über mussten warme Strumpfhosen, auch unter den Hosen getragen werden. Aber wenn die Ritiseili hingen, konnte es sein, dass die Mutter dem Wunsch nach einem Röcklitragen und Kniestrümpfen nachgab. Ein wichtiger Gradmesser dafür war allerdings noch, ob auf dem „Kniesockenberg“, den wir von zuhause aus sahen, noch Schnee lag oder nicht.

Vielfach spielten wir Kinder alle zusammen – und wenn für ein Spiel zuwenig Kinder vorhanden waren, läuteten wir einander heraus. Wir spielten nebst selber erfunden Spielen, die altbekannten wie Versteckis und „normalem“ Fangis, aber auch „Pfiilversteckis“, „Tierverkäuferlis“, spielten „Seiligumpi“, Gummitwist, „Himmel und Hölle“, „Räuber und Poli“ oder „Völkeren“. Ob heutzutage noch alle Kinder diese Spiele kennen?

Wenn ich Glück hatte, durfte ich nach dem Abendessen sogar nochmals rausgehen, bekam dann aber eine kleine Uhr mit an den Hosenbund, welche alle so chick fanden. Meine Mutter konnte sie aufziehen – eine halbe Stunde oder eine Stunde… und wenn es an meinem Hosenbund läutete, wussten alle Kinder: die Regi muss raufgehen, da gibt es kein Pardon. 😦 Es nützte nichts, den Eltern zu klagen: „Die anderen dürfen länger bleiben“. „Wir sind nicht die anderen!“, hiess es dann bloss.

Schlimm war, wenn ich mit den Hausaufgaben nicht vorwärts rückte und meine Spielkameraden draussen kreischen und lachen hörte. Es half nichts: zuerst mussten die Aufgaben erledigt werden. Nur einmal machte meine Mutter eine Ausnahme und liess meinen Kopf verlüften, weil ich mit den cheiben Bruchrechnungen meine grösste Mühe hatte. Ich bekam die oben erwähnte Uhr an die Hosen gehängt und somit eine Verschnaufpause, bevor ich mich dann wieder an die Aufgaben machen musste.

Wenn ein Kind mit einem anderen Streit hatte, konnte dies soweit führen, dass wir alle nicht mehr miteinander spielten, sondern es zwei Cliquen gab: die vom vorderen und die vom hinteren Hochhaus. Wehe dem, der während einer solchen Zeit ein Spielgerät eines anderen Hauses benutzte! Dann konnte es vorkommen, dass ich als Mädchen von grösseren Knaben abgeschlagen wurde. So hat in meinem Fotoalbum mein Vater festgehalten, dass ich mal mit der Frage zu ihm kam: „Papi, was ist ein Gingg?“ Er wusste es nicht, aber ich fand es leider dann heraus, was schmerzhaft war, denn es hiess, ans Schienbein gekickt zu werden. Doch als ich herausfand, dass ich mit meinem grossen Bruder, er ist 10 Jahre älter als ich, angeben und gar drohen konnte, hörten Belästigungen tatsächlich auf.

Im Sommer hängten wir oft Tücher am Stacheldraht ein und zügelten viele Haushaltgegenstände und Lesesachen nach draussen, um dort zu „Müeterlen“. (Mutter- und Kind spielen.) Ein grosser Hit war unser Zelt, in dem ich mal alleine auf dem Spielplatz übernachten durfte. Aber es war eine unruhige Nacht. Es kam mir sehr abenteuerlich vor.

Nicht immer tummelten sich Kinder auf dem Spielplatz. Gerade an den Wochenenden, war er oft leer, denn es war in Mode, dann jeweils mit der ganzen Familie per Auto eine Fahrt ins Blaue zu unternehmen. So konnte man die heile Familie und das hippe Auto miteinander der grossen Öffentlichkeit vorführen. Wir hatten kein Auto und ich erinnere mich, dass es mir oft langweilig war auf dem Spielplatz. Dann kurvte ich allein mit dem Velo auf dem Hartplatz vor dem Haus herum und stellte mir dabei vor, ich würde mit meinem Pferd einen Hindernisparcour absolvieren, hüpfte alleine auf dem „Himmel- und Höllespiel“ und wenn ich Glück hatte, konnte ich meinen Vater überreden, mit mir Federball oder Boccia zu spielen. Meine Mutter beteiligte sich nie an solchen Spielen.

Manchmal durfte ich „Pan Tau“ oder „Pippi Langstrumpf“ im Fernsehen schauen, aber dann hiess es nach einer Sendung: „So und jetzt gehe noch etwas draussen spielen bei dem schönen Wetter.“ Wenn dann niemand draussen war und auch das Läuten an den Türen nichts brachte, hüpfte ich alleine draussen rum und spielte die geschauten Sendungen nach. Lautstark sang ich dann: „Hei Pippi Langstrumpf, tralli trallala, trallahopsassa. Hei Pippi Langstrumpf, die macht was ihr gefällt“.

Ich erinnere mich nicht, dass jemals Erwachsene reklamiert hätten, wir seien zu laut oder dürften was nicht tun. Selbst vor dem Hausabwart hatten wir keine Angst. Respekt schon, denn wenn er am Rasenmähen war, wusste jedes Kind, dass man ihn nicht stören durfte und einen Moment lang nicht auf den frisch gemähten Rasen stehen sollte. Aber manchmal, im Hochsommer kam es sogar vor, dass er den Rasensprenkler laufen liess und nichts dagegen hatte, wenn wir uns in den Badekleidern kreischend im herumwirbelnden Wasserstrahl vergnügten.

Vor etwa 20 Jahren war ich mal mit meinen Kindern zusammen auf diesem Spielplatz. Ich wollte ihnen den Zauber meiner Kindheit näher bringen. Aber der Spielplatz lag traurig und einsam da. Ob das daran lag, dass Wochenende war 😉 oder wird er gar nicht mehr so oft benutzt, wie zu unserer Zeit? Es wäre schade.