Fake News, die wir glauben: Ein guter Christ ist nicht zornig, besorgt oder deprimiert.

Was sind Fake News

Wenn man vom schwierigen Verhältnis des aktuellen US Präsidenten zu den Medien etwas hört, dann wird immer wieder das Schlagwort Fake News verwendet. Dies meint ganz einfach: Lügengeschichten. Lügen-Neuigkeiten.

Die meisten von uns besuchen keine Krisengebiete um uns vor Ort einen Eindruck der Lage zu verschaffen und mit CEOs von grossen Unternehmen und Wissenschaftlern verbringen wir auch eher selten Zeit. Trotzdem brauchen wir Informationen über die Politik, laufende Konflikte, die Wirtschaft und die Wissenschaft. Daraus ziehen wir nämlich unser Bild über die Welt, über die aktuellen Probleme, merken, wie unsere Meinung dazu aussehen mag und die möglichen Lösungen dafür – und darum wollen wir verlässliche News und keine Fake-News. Wir erwarten dies gerade von Zeitungen, TV, Ansprachen von Politikern.

Religiöse Lügen

Auch im christl. Glauben gibt es Lügen. Fake News, die nicht immer sofort als solche erkannt werden. Sie tarnen sich heilig, biblisch, klingen gut und kleiden sich in einem christlichen Kleid.

Eine solche christlich getarnte Lüge lautet: Ein guter Christ ist nicht zornig, besorgt oder deprimiert. Denn Gott schaut ja für ihn und sollte ein Christ solche Gefühle verspüren, hat er mangelnden Glauben oder es fehlt ihm an einem geheiligten Charakter.

Stell dir vor: Du bist im Begriff, die Strasse auf dem Fussgängerstreifen zu überqueren, es kommt grad kein Auto. Du setzt den ersten Fuss auf die Strasse, da rast ein Auto auf dich zu, du kannst dich grad noch mit einem Sprung zurück aufs Trottoir retten. Dein Puls geht hoch, der Atem stossweise, die Muskeln haben sich extrem schnell angespannt, um sich retten zu können, denn der Körper hat einen Extraschuss Adrenalin bekommen. Du wirst zornig auf einen solch rücksichtslosen oder unaufmerksamen Autofahrer. Würdest du nun sagen: ich hätte als guter Christ ruhiger bleiben müssen, denn im Vertrauen auf Gott sollte ich immer ruhig und gelassen bleiben? Ich bezweifle das. Du hast eine ganz natürliche Reaktion gezeigt. Der Situation angemessen.

Viele Menschen, egal ob Christ oder nicht, unterscheiden zwischen guten und negativen Emotionen. Positive Gefühle seien Freude, Hoffnung, Glaube, Vertrauen und die sind christlich. Zorn, Sorge, Trauer seien nicht «christlich», so meinen viele. Ich sage: das sind FAKE NEWS.

Wenn es wahr wäre, dass wir nicht fühlen dürften, was wir fühlen, müssten wir diese sogenannten «negativen Gefühle» verdrängen, runterschlucken, verleugnen, oder versuchen, sie Gott abzugeben, damit wir sie nicht mehr empfinden würden. Aber empfundene Gefühle bleiben stets im Unterbewussten. Sie sind bereit, jederzeit wieder hervor zu brechen und zwar dann, wenn wir zu müde, erschöpft oder krank sind. Es kann dann vorkommen, dass wir in einer relativ harmlosen Situation urplötzlich völlig unangemessen «explodieren» oder es kann sein, dass unterdrückte Trauer oder Besorgnis zu einer Depression führt. Letzteres ist mir übrigens passiert. Ich litt lange Jahre an einer Depression, unter anderem deswegen, weil ich Traurigkeit nicht zuliess.

Gott hat uns eine ganze Bandbreite von Emotionen geschenkt. Er hat sich als Schöpfer etwas dabei gedacht, als er uns mit der Fähigkeit ausstattete zornig zu sein, sorgenvoll oder sehr traurig.

Wenn unsere schmerzhaften und unangenehmen Emotionen ein Zeichen von falschem Glauben oder schwacher, mangelhafter Nachfolge wären, wie sollten wir denn die starken Gefühle von Jesus erklären, die er manchmal zeigte? Er weinte, als Lazarus starb. Im Garten von Gethsemane sagte er zu seinen Jüngern: «Meine Seele ist betrübt bis an den Tod.» Matth. 26.38. Er schrie und stiess Tische um, als er die Händler und Wechsler aus dem Tempel vertrieb. Das sind ziemlich starke Gefühlsäusserungen, oder seht ihr das anders?

Viele Christen sagen: aber das waren heilige Gefühle, das kann man nicht mit uns Menschen vergleichen, weil Jesus zwar fühlte wie wir, aber sündlos war. Ja, als Jesus zornig reagierte, tat er das, weil er sich darüber aufregte, dass im Tempel Dinge geschahen, die nicht mit der Idee Gottes übereinstimmten. Aber die Tatsache, dass er Zorn empfinden konnte zeigt, dass es nicht so unheilig sein kann, so zu empfinden.

Ich mag es zwar nicht, wenn ich spüre, dass mich etwas aufregt, oder dass sich mein Gegenüber über mich aufregt, weil wir doch alle Harmonie anstreben. Dabei zeigt meine Wut, die ich empfinde, einfach nur an, dass da jemand eine Grenze bei mir überschritten hat. Dass er etwas getan oder gesagt hat, dass ich als grenzüberschreitend empfunden habe. Es ist sehr wichtig, das wahr zu nehmen und zu äussern. Denn wer seine Aggressionen verleugnet und verdrängt, schadet sich und seinen Mitmenschen. Die Gefahr besteht, dass diese sich zu einem Hass weiterentwickelt. Denn Hass ist eine Steigerung von Zorn/Ärger. Es ist akzeptabel Dinge zu hassen, die Gott hasst; das ist tatsächlich ein guter Beweis für die richtige Einstellung zu Gott. „Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge!“ (Psalm 97,10a). Allerdings ist der Hass, der gegen andere gerichtet wird, sicherlich negativ. Der Herr erwähnt Hass in der Bergpredigt: Hass ist so abscheulich für Gott, dass man sagt, dass ein Mensch, der hasst in Dunkelheit geht, im Gegensatz zum Licht (1.Johannes 2,9 & 11).
Hass ist eine Position, die von innen zerstört, sie produziert Bitterkeit, die sich in unsere Herzen und in den Verstand frisst. Daher sagt uns die Heilige Schrift, “keine bittere Wurzel” in unserem Herz aufwachsen zu lassen (Hebräer 12,15).

Soweit zum Thema Wut/Zorn, Hass. Aber es geht mir allgemein um alle unsere Gefühle. Bitte versteht mich richtig. Ich sage nicht, dass ihr nun dauernd im «Fühlsch-mi-gschpürsch-mi-Modus» leben sollen. Dies meint, sich stets nur auf sich selber zu besinnen, mit sich selber zu beschäftigen, jedes noch so kleinste Gefühl hypersensibel zu analysieren. Nein! Aber ich sage: Es ist gut, wenn man starke Gefühle der Sorge, Traurigkeit, Wut oder ähnlicher Gefühle, über folgende Punkte nachzudenken und mit Gott und seinen Mitmenschen in einen Dialog über diese Fragen zu kommen:

Warum fühle ich jetzt so?

Was genau stimmt mich traurig, hoffnungslos, zornig?

Welche Werte, die mir wichtig sind, wurden missachtet?

Wurden meine Rechte in Frage gestellt?

Wie stark ist diese Empfindung? Achtung: es gibt natürlich die Problematik, dass starke Gefühle, welche sehr schmerzhaft und andauernd vorkommen, krankhaft sind und einer Behandlung bedürfen. Wenn ich mich ständig deprimiert oder sorgenvoll fühle, KANN das auf einen Mangel an Vertrauen in Gott hindeuten. Sei ehrlich vor Gott.

Seit wann fühle ich so?

 

Sollte ich die meine Gefühle als Anstoss nehmen, etwas zu verändern? Gerade Wut kann einen Kraftschub geben. Stellt euch vor, niemand wäre wütend gewesen, dass es die Sklaverei oder die Apartheid gibt. Ungerechtigkeit zu erleben oder zu beobachten, kann wirklich ZU RECHT wütend machen.

Oder bin ich wütend, weil ich in meinem Stolz verletzt bin? Das wäre was anderes und Ehrlichkeit gegenüber von mir könnte heilsame Veränderung bewirken

Frage dich: warum bin ich besorgt? Befindet sich ein Mitmensch oder ich selber, in Gefahr, eine Dummheit zu machen? Dann sollte ich Vorkehrungen treffen. Oder sorge ich mich, weil mir Vertrauen in Gottes Möglichkeiten fehlt?

Bin ich deprimiert, weil mir vieles misslingt und ich mich als ständiges Opfer fühle? Die Einsicht darüber, könnte der erste Schritt zu einem Weg aus dieser Depression sein. Oder fühle ich mich traurig, weil ich einen tiefen Verlust erlitten habe? Dann sollte ich geduldiger mit mir sein.

Es kann bei allen genannten Gefühle sein, dass ich überempfindlich, egoistisch, zu perfektionistisch bin.

Die Frage ist natürlich, wie ich meine Gefühle angemessen ausdrücke, so dass dies sowohl mir wie meinen Mitmenschen auf irgendeine Art weiterhilft.

Nicht hilfreich sind -und ich spreche jetzt insbesondere von Wut: schreien, Schuldzuweisungen, den anderen verletzen ob mit Worten oder gar Taten, Altes hervorholen und die «Immer-tust-du-das-Form».

Hilfreich ist, wenn man ruhig an ein solches Gespräch geht, vorher betet, in der «Ich-Form» spricht und auch Toleranz, Empathie, Grosszügigkeit walten lässt – und Vergebung. Auf das Thema Vergebung/Versöhnung werde ich in einem extra Teil meiner Trilogie eingehen.

Zusammenfassung:

Verdammen wir uns selber und andere nicht, wenn wir wütend werden, unsere Sorge oder deprimierte Gefühle ausdrücken. Meiden wir Apelle wie: «Aber als Christ solltest du nicht so empfinden….» Denn diese Gefühle haben seinen Sinn. Gefühle, welche du negativ nennst, können ein Geschenk Gottes sein in Form eines Stopp-Schildes oder roten Ampel. Sie könnten den Motor sein, der dich antreibt, etwas zu verändern. Wenn ich aber nicht fühlen darf, was ich fühle, weil es sich als guter Christ nicht gehört, bin ich in Gefahr, dieses Stopp-Schild von Gott oder eine Aufforderung zu einer Handlung gar nicht wahr zu nehmen.

Es ist gut und hilfreich, auf die Gefühle zu hören und zwar nicht erst dann, wenn sich aus einem kleinen Ärger ein Riesenzorn oder gar Hass entwickeln konnte oder aus einer Besorgnis oder Traurigkeit eine Depression..

Machen wir uns nicht lustig darüber, wenn jemand von uns Ärger ausdrückt. Nehmen wir das Gefühl des Gegenübers wahr, ernst und fassen wir es nicht per se als persönlichen Angriff auf. Es hat einen Grund, warum mein Gegenüber so empfindet, wie er oder sie es das grad ausdrückt. Versuchen wir, wenn die Wogen sich etwas gelegt haben, dem Ursprung auf den Grund zu gehen…. Dies kann eine Chance für unsere Beziehung sein.

Dass ein guter Christ keine Gefühle wie Zorn, Sorge, Trauer spüren und ausdrücken dürfte, ist eine Lüge. Wenn wir der Lüge aber glauben, kann uns das krank machen. Die Wahrheit hingegen macht frei (Johannes 8,32 Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen)


Dies war meine erste Predigt, die ich in der Vineyard Luzern hielt (am 10. Nov. 19). Kein Fake 😉 

 

YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken

„Tun was er sagt…. das bedeutet für mich in diesem neuen Jahr unter anderem, dass ich mir konkrete Gebetszeiten einrichten möchte. Ich hatte den Eindruck von einer bestimmten Uhrzeit. Diese Zeit mit Gott, welche ich mir vorgenommen habe, im 2018 fest einzurichten, werde ich von meinen Facebook- und Twitter-Aktivitätszeiten wegstreichen. Denn an einem Abend hörten wir von Pete Greig (Leiter und Gründer von einer Gebetsbewegung, welche 24 Std. und 7 Tage die Woche beten), dass wir alles wegräumen sollen, was uns abhalten und ablenken will vom Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen. Mir war klar, dass die Zeiten, welche ich mit Social Media verbringe, zu viel Platz in meinem Leben einnehmen. Ich sage nicht, dass ich kein Facebook, Twitter, Instagram mehr nutzen möchte – aber nicht mehr zwei oder mehr Stunden am Tag, sondern die Hälfte davon. Es ist nicht so, dass Gott uns zwingt, etwas weg zu geben oder los zu lassen. Sondern er fragt uns, ob wir bereit sind, ihm etwas zurück zu geben, was uns nicht gut tut, damit er uns mit etwas beschenken könnte, was tausendmal wertvoller ist. Ich bete im Grunde genommen überhaupt nicht gerne. Aber ich sah während dieser Explo-Zeit ein, dass Gebet der Schlüssel zur Kommunikation mit Gott ist. Und Kommunikation gehört nun mal zu einer freundschaftlichen Beziehung. Also möchte ich dieses „Land“ ganz neu entdecken für mich.“ „YouVersion und Bible Art Journaling – trendige Möglichkeiten, die Bibel zu entdecken“ weiterlesen

Geplant: Romantikweekend zu Zweit – Erlebt: Spezialwochenende in Grossfamilie, 1. bis 3. Sept. 17

Erstens kommt es oft anders und zweitens, als man denkt. 😉 (Redensart) Am Freitag schrieb ich auf FacebookBildschirmfoto 2017-09-04 um 17.40.08.png

Das Geschenk bestand aus einer Wonderbox. Man kann da aus mehreren Angeboten eines auswählen. Unsere Favoriten wären Übernachtungen in einer mongolischen Jurte, einem Baumhaus oder einem Nostalgiewagen gewesen. Für solche Angebote zogen wir ein warmes Sommerwochenende vor. Während des Sommers aber waren diese Angebote an den Wochenenden immer ausgebucht. Unter der Woche, hätte es noch freie Plätze gehabt, doch Andy wollte nicht extra frei nehmen. Also wählten wir eine Schweizer Region, welche wir noch nicht so gut kannten: das Wadtland und buchten, bevor der Gutschein (nach einem Jahr) ablief, ein Romantikweekend.
Ich wollte schon immer gern mal in einem Himmelbett übernachten und so wählten wir dieses Angebot aus. Es handelte sich bei diesem Übernachtungsplatz nicht um ein Hotel, sondern um ein Bed and Breakast.
Scan 6.jpeg
„Lustig“ war, dass wir sofort Part der dortigen Grossfamilie waren. Ich meine, wir haben weltweit schon verschiedene B&B’s erlebt. Meistens ist man als Gast in einem separaten Trakt, hat ein eigenes Bad/WC und einen eigenen Frühstücksraum, so wie in einem Hotel. Es gab einzelne Fälle, da waren wir auch am selben Frühstückstisch, wie die Gastgeber, aber nie zusammen mit ihnen, sondern immer zu einer eigenen Zeit. Und das Bad/WC haben unsere älteste Tochter und ich, an einem Mutter-Tochter-Weekend im Tessin, ein einziges Mal mit der Gastgeberin des B&B geteilt. Sonst ist das nicht üblich. Ok, ich habe mich im Internet im Nachhinein schlau gemacht und erfahren, dass die Vorschriften, ein B&B zu führen, von Kanton zu Kanton in der Schweiz unterschiedlich sind. Wie halt so vieles in der Schweiz. 😉  Nun – jedenfalls: die Familie hat 7 Kinder!! Also sie zählt 9 Mitglieder, dazu kamen noch andere Gäste, welche wir aber nie sahen. Und wir alle benutzten dasselbe Bad/WC. Es gab zwar für die Familie noch ein anderes, auf einer anderen Etage. Trotzdem – es war hie und da besetzt, wenn wir es aufsuchen wollten. Auch von der Katze wurde es benutzt, wie uns unsere Riechorgane bestätigten.
Das Zimmer sah schon so aus wie auf der Ausschreibung. Aber das Bett war höchstens 1 Meter 20 breit. Ich glaube, im Camper unserer USA Reise, hatten wir sogar mehr Platz…. Auf dem Nachttisch lagen Bibeln, in und auf der Kommode waren christliche Traktate zu finden, in der Wohnung überall irgendwas mit „Jesus“.
Es war unübersehbar: die Familie sind überzeugte Christen. Sind wir ja auch. Nur vielleicht optisch nicht grad so offensichtlich. Wir erfuhren, dass sie zur Brüdergemeinde gehören. Da Andy und ich seit über 30 Jahren in freikirchlichen Kreisen aktiv sind, war uns das ein Begriff. Wir glauben ja an denselben Gott, aber die einzelnen Freikirchen unterscheiden sich schon untereinander. So sind die Brüdergemeinden im Vergleich mit anderen Freikirchen eher konservativ, die Frauen haben, wie es der Name vermuten lässt, in den Gottesdiensten nicht viel zu sagen, sollten Kleider nicht Hosen tragen, keinen Schmuck. Gesungen wird ohne Instrumente – um ein paar Äusserlichkeiten zu erwähnen.
Dennoch war es schön zu spüren, dass wir innerlich auf eine Art „verbunden“ waren durch den gemeinsamen Glauben. Das ist sowieso immer wieder – weltweit – ein schönes Phänomen. Unterschiede spielen nicht so eine grosse Rolle… Vor den Mahlzeiten beteten wir zusammen…. Auf den Sonntagsgottesdienst, der im selben Haus stattfand, luden sie uns ein. Wir verzichteten dankend, da wir vermuteten, es könnte eher langweilig werden, wenn alles auf Französisch sein würde und konservative Lieder gesungen würden. Zudem hatte ich kein Kleid eingepackt. Sie hätten es mir als Gast bestimmt tolerant durchgehen lassen, aber wenn man sich nicht an kulturelle Gepflogenheiten hält, fällt man dennoch unbequem auf.
Ja eben – im Grunde genommen war eine Auszeit geplant, fernab der Familie. Einfach mal unter uns sein. Haha – und dann wird einem ein sabberndes, aber glückselig glucksendes Baby in die Arme gedrückt und man sitzt staunend inmitten einer sehr aktiven, lauten Gesellschaft. 😂 Aber die Familie war sehr, sehr herzlich. Zum Angebot gehörte ein Racletteessen und die Familie verwöhnte uns dabei mit allerlei Extrabeilagen und wir konnten anschliessend aus mehreren Desserts eines auswählen. Wir plauderten zusammen und dann geschah ein „Wunder“: ich konnte fast fliessend Französisch sprechen. Das war mir in Frankreich und im Schweizer Jura bisher nie möglich, weil ich immer offensichtlich ausgelacht wurde aufgrund meiner mangelhaften Französischkenntnissen. Ich konnte schon mal fliessend französisch sprechen als Jugendliche, aber ich vergass es, weil ich es lange Zeit nicht mehr praktizierte. Bei dieser Familie erinnerte ich mich verschütteter Wörter und Formulierungen. Einfach, weil sie mir Zeit liessen, Sätze liebevoll ergänzten oder auf Deutsch nachhalfen. Ihr Deutsch war auch mangelhaft, also mussten wir uns ja voneinander nicht schämen. 😉 Das habe ich „so“ wirklich noch nie erlebt und staunte über mich selber. Wir empfehlen dieses B&B, aber es wäre gut zu wissen, dass man sich inmitten einer Grossfamilie befindet, wenn man dort übernachtet und auch, dass es eine Katze gibt (für Allergiker). Dies alles liest man auf der Ausschreibung nicht und deshalb kommuniziere ich es hier – für allfällig Interessierte. Die anderen Gäste haben die untere Küche benutzt und wir sahen sie nie. Das wäre also auch möglich, wenn man dem Familienbetrieb ausweichen möchte. Wie gesagt: die Familienmitglieder sind überzeugte, aber nicht aufdringliche Christen. Zum Abschied schenkte mir das Familienoberhaupt eine CD mit christlicher Rockmusik! Ich weiss nicht, ob sie die selber nie hören würden – aber irgendwie schien es mir doch von ❤ en zu kommen, dieses Geschenk.
Am Samstag besuchten wir Aigle mit dem Schloss und gingen ins Thermalbad Bains-Lavey. Ein sehr schönes Bad. Am Sonntag besichtigten wir zuerst Rougement und die uralte Kirche (im Jahre 1080 erbaut!),
Rossinière und Château-d’Oex. Anschliessend fuhren wir nach Gstaad, das ganz in der Nähe liegt, nahmen die Gondelbahn nach Wispelen und wanderten in 3 Stunden zum Lauenensee. (Übrigens: lustige Idee) Ich musste doch sehen, was wir in einer Woche als Chor besingen werden. 😜 Bildschirmfoto 2017-08-07 um 10.29.22
Ja, so war das ein ereignisvolles Weekend und nun geniesse ich die Ruhe. 😂 haha.

Welche Bergpredigt und Seligpreisungen brauchen wir für die Zukunft?

Die Gesellschaft nimmt das Thema Glaube/Christen heute nur dann wahr, wenn es um den Tod geht oder wenn die Christen gegen etwas sind. Gegen Homosexualität, gegen den Islam, gegen Sex vor der Ehe. Dr. Andreas Walker ist Zukunftsforscher. Er berät Politiker und Wirtschaftsleute zu Fragen zukünftiger Chancen und Risiken. Im Rahmen des Community Weekend der Vineyard, am 8. April 17, warf er Fragen auf wie: „Können christliche Kirchen ihr „Kerngeschäft“ noch erklären in einer Sprache und mit Bildern, welche heute verstanden werden? Was ist christliche Hoffnung?“

Unter der Leitung von Dr. Andreas Walker und Dr. Andreas Krafft hat Swissfuture in Zusammenarbeit mit 20minuten und BILD dieses Jahr zum achten Mal eine Umfrage lanciert. Mit den Ergebnissen wurde das „Hoffnungsbarometer 2017“ erstellt – als hoffnungsvolle Antwort auf die seit über 40 Jahren publizierten «Sorgenbarometer» und «Angstbarometer». Die Fragen gingen in diese Richtung: „Was erwarten Sie vom kommenden Jahr? – Was wünschen Sie sich? Ihre grossen Hoffnungen 2017? Aktivitäten zur Erfüllung dieser Hoffnungen?“ Auf der Rangliste der Hoffnungen ganz zuoberst stehen bei Herr und Frau Schweizer die persönliche Gesundheit, gefolgt von der Hoffnung auf eine glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft. Ganz zuunterst auf der Liste rangiert die Hoffnung darauf, religiöse und spirituelle Erfahrungen zu machen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.27.jpeg

Um sich Hoffnungen zu erfüllen, denken die Schweizer gern nach, analysieren Zusammenhänge, übernehmen Selbstverantwortung, sprechen mit Freunden darüber. Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Schweizer, besucht eine Kirche, einen Tempel oder Kraftort, um Hoffnung zu schöpfen.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.32.jpegAuch als Hoffnungsträger besetzen Pfarrer/Pfarrerinnen, Priester, Geistliche, Mönche oder Nonnen den Schlussrang, noch hinter den Bankern, Finanz- und Versicherungsfachleuten. Als erste Hoffnungsträger werden Ehepartner oder Lebenspartner genannt. Als zweites setzen die Schweizer ihre Hoffnung auf sich selber.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.34.jpeg

Die Umfrageergebnisse lassen den Schluss zu, dass die schweizerische Gesellschaft von uns Christen nichts erwartet. Man setzt keine Hoffnungen auf uns und das Thema Glaube interessiert nicht. Haben wir unseren Mitmenschen, der Schweizer Gesellschaft wirklich nichts zu geben als Christen?

Dr. Andreas Walker hat zusammen mit anderen Zukunftsforschern aus Wirtschaft und Politik festgestellt, dass folgende 4 Schwerpunkte uns in der nahen Zukunft herausfordern werden:

  • Angst/Hoffnung

Der Mensch hat noch nie so lange gelebt, wir haben noch nie soviel Geld gehabt wie heute, aber auch noch nie soviel Angst. Arbeitslosigkeit, Gewalt, Fake News, Attentate, IS, Rechtspopulismus, Angst davor, ob das AHV Geld für die eigene Rente reichen wird, flössen den Schweizern Angst ein. Die Welt verändert sich, aber der Durchschnittschweizer will um jeden Preis die Gegenwart festhalten und nichts verändern.

Dabei haben wir Christen eine Botschaft der Hoffnung. Die Bibel sagt in Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Wir müssen nichts bekämpfen, nicht jammernd gegen etwas sein, hingegen vielmehr überwinden. Als Christen sind wir herausgefordert, unseren Mitmenschen zuzuhören, zu erfahren, was ihre Ängste sind und tragen zu helfen. Die christliche Botschaft, welche wir den Menschen zu geben haben, lautet: „Du musst nicht alleine sein!“

Die Bibel sagt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe“ 1. Korinther 13, 13 Christen haben in der Vergangenheit laut Aussage von Dr. Walker zu lange und zu rechthaberisch und aggressiv über theologische Unterschiede gestritten. Darüber, was „richtiger“ Glaube ist, wurde zu Genüge diskutiert. Das Thema Glaube ist wie das dritte Standbein eines Dreihöckers. Weil wir uns zu lange auf dieses Thema konzentrierten, sind wir Christen aus der Balance geraten.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.37.jpegDeshalb sollten wir uns in Zukunft stärker auf die Hoffnung und die Liebe konzentrieren, um die Balance wieder herzustellen. Die Hoffnung sagt, wir bleiben dran, wir stehen auf und gehen weiter. Geduld und Langmut sind Geschwister der Hoffnung. „Glaube an das Morgen, auch wenn das Heute dich überfordert“, sagt Walker. Dies ist die christliche Botschaft an unsere angstgeplagte Schweizer Mitbevölkerung.

  • Langlebigkeit

Zwischen 1880 bis heute hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen verdoppelt.

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.41.jpegIm Jahr 2030 werden ein Drittel der Schweizer Bevölkerung 60 Jahre und älter sein. Sah ein Leben früher so aus, dass man 15 Jahre lang ein Kind war, dann bis 65 arbeitete und etwa 70 Lebensjahre zu erwarten hatte, sieht ein Lebenszyklus heute so aus: 30 Jahre bis der Mensch mit dem Studium fertig und bereit zur Elternschaft ist, 30 Jahre Berufs- und Familienleben und 30 Jahre lang ein fittes Alter geniessen. Dr. Walker meint, wir sollten für die Zukunft mehr Senioren- statt Jugendpastoren ausbilden, denn die Fragen, Sorgen, Bedürfnisse aber auch Möglichkeiten dieser Gesellschaftsmehrheit werde uns als Christen herausfordern.

  • Globale Migration

Dieses Thema fordert uns Christen heraus, Versöhnung zu leben. Trennendes soll überwunden werden. Es wird eine Globalisierung des Christentums geben, eine Herausbildung eines grenzsprengenden, überkonfessionell christlichen Milieus. Die Christengemeinschaft wird neu herausfinden müssen, was „christlich“ ist, ohne sich ausschliesslich in der „Dagegen-Form“ zu definieren. (Gegen den Koran, gegen…)

  • Digitalisierung

Die Digitalisierung ist sowohl Chance wie Auftrag für uns Christen. Die Frage: „Ist ein Roboter der bessere Mensch?“, stellt Christen vor eine Herausforderung. Was macht den Menschen zum Menschen, im Gegensatz zum Roboter? Was ist der Sinn des Lebens? Wer kennt und versteht mich? Was ist ein Gott? Was ist ein Herz – ich habe doch für alles meinen Computer? Was macht meine Identität aus? Warum sollte ich Gott brauchen, wenn doch der Computer alles für mich erledigen kann, wenn die „künstliche Intelligenz“ alles weiss – bis hin zur perfekten Partnerwahl?

WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.39.jpeg

Die Abschlussfrage Walkers: „Wie schafft ihr „christliche Kompetenzen“ für gesellschaftsrelevante Zukunftsfragen?“ ist nicht so auf die Schnelle zu beantworten, sondern wird eine Knacknuss für die Zukunft sein.WhatsApp Image 2017-04-08 at 12.08.46.jpeg

Was sind deine Hoffnungen und Ängste fürs 2018? Die neue Umfrage ist lanciert. Klick mich.

Sammelleidenschaft

Mein Vater war ein leidenschaftlicher Sammler. Hauptsächlich sammelte er Münzen und Briefmarken. Dies tat er eigenwillig individualistisch. Er hielt sich an keine in Sammelkreisen gültige Regel, welche besagt, dass man sich auf ein Thema konzentrieren soll und vor allem, dass sich in Briefmarkenalben ausschliesslich Briefmarken und in Münzalben gefälligst ausschliesslich Münzen versammeln dürften. 😉

Er sammelte sowohl bei Münzen wie Marken kreuz und quer jedes Thema. Aber wenn er mal ein Thema interessant fand, dann vertiefte er sich konzentriert darauf. Dann lag eine interessante Briefmarke neben einer Münze, unterlegt von einem Zeitungsausschnitt, einem Abziehbild, Abzeichen, Kaffeerahmdeckeli und einer Postkarte, welche wir als Familie ihm geschickt haben. Oder eine Kinderzeichnung von einem seiner Enkelkinder konnte durchaus neben einem Ersttagskuvert mit Ernibriefmarken und neben einer persönlichen Erni-Widmung liegen.

DSC_0001DSC_0002DSC_0003

Meine Mutter sichtet zur Zeit zusammen mit 5 Mitgliedern des Philatelistenvereins Solothurn die über 100 Bundesordner (!) meines im Herbst 2015 leider verstorbenen Vaters. Etwa 3 Abende à ca. 5 Stunden haben die Männer bisher konzentriert damit verbracht, das Lebenswerk meines Vaters zu zerlegen – noch ist diese Arbeit nicht abgeschlossen. (Nachtrag, 28.6.16 Meine Mutter schätzt, dass rund 40 Arbeitsstunden dafür investiert worden sind.)

Diese Herren seien schweigend an ihrer Arbeit gesessen, die Sammlung meines Vaters zu sichten und nach ihren Ordnungsprinzipien auseinander zu nehmen, erzählte meine Mutter. Nur ab und zu hätten Ausrufe des Erstaunens die konzentrierte Stille unterbrochen: „Jetzt schau dir mal diese Marke an!“ Oder: „Was für ein Mensch! – Das gibt es ja nicht! – Die Art, wie er sammelte, zeigt seine interessante, vielfältige Persönlichkeit. Auf diese Art sammelt sonst kein Mensch. – Sowas habe ich noch nie gesehen! – Unglaublich!“

Die Bibliothek meines Vaters enthielt ausser seiner Ordner und Fotoalben auch sehr viele verschiedene Bücher. Ich glaube, es gibt kein einziges Buch darin, das keine Briefmarke zum Thema und keinen Zeitungsartikel enthält.

Letzten Samstag habe ich selber 2 Stunden damit verbracht, verschiedene Beigen (Schweizerdeutsch für Stapel) zu erstellen

solche für Sammler:

  • Ersttagskuverts, schön gestempelt
  • Schöne alte Postkarten
  • Ungestempelte Briefmarken, welche man noch verwenden kann – zusammengestellt in Kuverts à je Fr. 100.– Nominalwert. Der Verein kauft sie uns für je Fr. 70.– ab. Es kamen einige solcher Kuverts zusammen
  • Gestempelte, schöne und teilweise wertvolle Briefmarken
  • Sammlerbriefmarken, nicht für den Gebrauch gedacht
  • Schöne, alte Postkarten
  • 200 Jahre alte Briefe oder noch ältere…

solche für die Brockenstube:

  • Abzeichen, Medaillen, Pins
  • noch gut erhaltene Ordner

und mehrere Abfallbeigen:

  • Sichtmäppchen en masse
  • weniger schöne Ordner
  • Zeitungsartikel, welche kaum mehr jemand interessieren wird im Zeitalter von Googel
  • Kalenderbilder

Die eigene Ordnung meines Vaters wird in eine andere, massentaugliche Ordnung gebracht. Mir hat es fast das Herz zerrissen, sein Lebenswerk auseinandernehmen zu müssen. Meine Mutter hat erzählt, mein Vater hätte jede freie Minute seines Lebens mit Ordnen, Sichten, Lesen, Sammeln und Neuordnen verbracht und manchmal kaum Zeit gehabt, in Ruhe die Zeitung zu lesen. Wenn wir miteinander plauderten, kam es sehr oft vor, dass er sagte, er hätte da was zum Thema. Er stand dann auf und griff zielsicher nach einem seiner über 100 Ordner, blätterte darin und zeigte uns einen Zeitungsausschnitt oder eine interessante, wertvolle Marke dazu und gab uns mit seinen Erzählungen einen Einblick in sein immens grosses, breites und tiefes Allgemeinwissen.

Er sammelte nicht in erster Linie, um ein Kapital anzuhäufen. Er betonte immer wieder den Sammlerwert seiner Marken und dass man zuerst einen Käufer finden müsste, wollte man eine seiner wertvollen Stücke veräussern. Er hätte wohl seine gesamte Sammlung gern weiterverschenkt, hätte er von einem Menschen gespürt, dass er diese lieben und schätzen würde, um der Sammlung und nicht des Geldes willen. Traurig für ihn war zu erleben, dass keines seiner Kinder oder Enkelkinder seine Leidenschaft weiterführen mochte.

Er wollte sich nie bloss auf ein einziges Sammelthema festlegen. Mir kommt manchmal mein Blog genauso vor. Ich habe das von ihm geerbt. Ich will nicht ausschliesslich einen Blog übers Wandern/Ausflüge, einen anderen zur Fotografie, einen dritten zum Line Dance, einen vierten zum Thema Christlicher Glaube, einen fünften zum Thema Familie, einen sechsten über meine Journalistischen Tätigkeiten verfassen und einen siebten darüber, wie ich meine Hochsensibilität im Alltag erlebe – sondern einen Einzigen: über mein Leben, das hoffentlich auch so vielfältig und bunt ist, wie es das Leben meines Vaters  war.

Meine mittlere Tochter war es, welche sagte: „Es ist so schade, dass das Lebenswerk meines Grossvaters derart zerpflückt wird. Man sollte wenigstens einen einzigen Ordner so aufbewahren, wie er gesammelt hat.“ Sie hat nun einen kleinen Ordner zur Würdigung des Lebenswerkes ihres Grossvaters geschenkt erhalten.

Mein Vater verschickte selber auch gerne Briefe und Postkarten. Immer waren sie mit seinen kreativen Basteleien versehen.

Er sammelte auch Poststempel. Oft hat er die Angestellten an Postschaltern in Verlegenheit gebracht, weil er Stempel auf alle möglichen Artikel wünschte – was im Grunde genommen gegen die Postgesetze verstiess. Die Männer des Philatelievereins staunten auch hie und da, auf was mein Vater überall einen Poststempel gedrückt erhielt. Er konnte sich jeweils lausbubenartig freuen, wenn ihm eine Schaltermitarbeiterin versicherte: „Nor, wöu Sie es send.“ („Nur weil Sie es sind.“) Er kannte mit der Zeit Poststellen, welche ihm gewünschte Stempel anbrachten. Dabei stimmte die Uhrzeit, der Ort, das Sujet mit dem überein, was er in seiner Sammlung ergänzen wollte.

10931653_10203665899869300_1040771424373997387_o (1)
Wie ich meinen Vater kenne, hat der Löwe im Stempel die symbolische Bedeutung, dass Jesus der Löwe aus dem Stamm Juda ist. 😉

Niemand von unserer Familie kann über 100 Bundesordner in seiner Wohnung aufbewahren. Wir werden versuchen, soviel wie möglich zu verkaufen.

Die Reihen in den Gestellen bei meiner Mutter zuhause lichten sich. Zurück bleiben grosse Lücken. Mein Vater, dem ich immer nahestand und dem ich sehr ähnle, fehlt mir, er wird aber immer einen grossen Platz in meinem Herzen einnehmen.

 

 

Zeitreise

Aufräumen, ausmisten, entrümpeln, loslassen und dabei wie bei einer Zeitreise in längst Vergangenes einzutauchen, ist mein „Lebensthema“ seit mindestens einem Jahr.

Zuerst entrümpelten wir unser Zuhause samt Estrich (Dachboden) aufgrund des bevorstehenden Umzugs und aktuell helfen wir meiner Mutter beim Sichten von Dokumenten, Büchern, Sammlungen meines im Oktober 15 verstorbenen Vaters.

Es kann lustig sein oder berührend, auf alte Fotos zu stossen. Und es ist interessant und aufregend zu merken, dass mein Grossvater gerne Gedichte schrieb und auf diese Weise ungeschminkt und mutig seine Sicht der Dinge über die Hochkonjunktur und die Macht des Geldes selbst vor seinem Chef nicht verbarg.

Dichtkunst Felix Fankhauser 1Dichtkunst Felix Fankhauser

Und ich lese, wie mein Vater die Zeit seines Abschieds von seinem Vater in Worten festhielt und auf diese Weise verarbeitete. Die Liebe zum Schreiben, zum Wort, aber auch zur Wahrheit und meinen Gerechtigkeitssinn habe ich geerbt und das zu entdecken, berührt mich auf eine wohltuende Weise. Ich habe Gedichte meines Grossvaters und dieses Schreiben meines Vaters nie zuvor zu Gesicht bekommen. Weil es sehr persönlich ist, publiziere ich letzteres hier nicht.

Wie wertvoll ist es doch, dass wir nicht in Eile aufräumen müssen, sondern in aller Ruhe alles durchsehen und dabei in der Familienrunde über Vergangenes und Familienerlebnisse austauschen können.

Meine Gefühle fahren aber dabei Achterbahn. Erst noch gefreut und gelacht über Grossvaters Gedichte, bin ich im nächsten Moment wieder fassungslos wie damals, als ich auf Hilferufbriefe eines Familienmitglieds stosse. Wir erlebten, dass jemand der Familie durch die Hölle ging, mehrmals fast ermordet wurde und jeweils nur knapp entkam. Mein Herz pocht auch jetzt wieder heftig, wenn ich darüber schreibe. :-O Und wie sehr schmerzt es mich, als ich auf einen Ordner stosse, in dem mein Vater Unrecht, das ihm seitens von Familienmitgliedern (nicht von meiner Mutter oder uns Kindern) fortwährend geschah, dokumentierte. Ebenfalls wurde er beim Umbau seines Elternhauses von Handwerkern regelmässig übers Ohr gehauen. Zwar hat er sich gewehrt, als ihm aber nur noch der Rechtsweg übrig geblieben wäre, hat er immer bezahlt, was er überhaupt nicht hätte bezahlen müssen… Er war einfach zu gutmütig, hat des lieben Friedens willen geschwiegen, geschluckt, akzeptiert, dass er den „Kürzeren“ zog. Wahrscheinlich hatte er als überzeugter Christ auch die Auffassung, dass es sich so gehöre, nicht für sein Recht zu streiten. Aber ich weiss jetzt, warum ich als Kind oft eine miese, undefinierbare Stimmung wahrgenommen hatte. So manches, was ich als Kind und Jugendliche nicht einordnen konnte, wird mir jetzt wie „entschlüsselt“, was es aber nicht einfacher macht für mich. Jetzt bin ich nämlich gefragt, ob ich diese Dokumente, welche Unrecht belegen, aufbewahren oder vergeben und loslassen will.

Andere Trouvaillen sind Zeitdokumente, welche nicht nur mich faszinieren, sondern ebenfalls meine gute Bekannte, welche in der Budgetberatung tätig ist. Denn mein Vater stellte die Haushaltsausgaben der Jahre 1953 und 1964 sorgfältig grafisch dar. Ich halte die alten Aufzeichnungen in den Händen und höre dazu die Geschichten meiner Mutter, wie sie derart sparen mussten, dass sie sich als Familie kaum mal ein Yoghurt leisten konnten – und wenn, dann wurde dieses eine Yoghurt geteilt. Nicht zum ersten Mal höre ich, wie mein Bruder als Säugling derart krank war, dass er ins Spital eingeliefert werden und meine Mutter täglich abgepumpte Muttermilch einschicken musste. Das Porto dafür war ihnen aber mit der Zeit zu teuer und so holten sie meinen Bruder auf ihre Verantwortung wieder nach Hause zurück, was Gott-sei-Dank gut ging. Es hiess, Bananen würden ihm gut tun, aber Bananen waren damals ein Luxusgut! Wie die Zeiten sich änderten, kaum zum glauben – innert weniger Jahrzehnte… Ein Drittel des Lohns musste damals für Nahrung eingerechnet werden…..

Haushaltungsgeld 1964Haushaltungsausgaben 1954 monatlichHaushaltungsgeld 1953

Haushaltungsgeld 1953 1

Ein unerklärlicher „Gluscht“ (Appetit) holt mich aus meinen Überlegungen ins Jahr 2016 zurück. Schnell nehme ich mir ein Bananenyoghurt aus dem Kühlschrank. 😉

„Mission unter falscher Flagge“ – Christen im Umgang mit Medien und Kritik

Ich zitiere aus NDR: „Selten hat eine Dokumentation so viele Reaktionen ausgelöst wie der NDR Film „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“ von Mareike Fuchs und Sinje Stadtlich, der am 4. August im Ersten Premiere hatte. Den NDR und Das Erste haben danach mehrere Tausend Briefe, Mails und Anrufe erreicht. Wegen des großen Zuschauerinteresses zeigt das NDR Fernsehen die Dokumentation noch einmal – am Freitag, 22. August, um 22.00 Uhr.“

Dieser Film, war es, welcher sovielen Christen sauer aufgestossen ist und sie zu tausendfachen Reaktionen hinreissen liess: „Mission unter falscher Flagge“:

Nun hat DasErste auf die Vorwürfe der Christen reagiert:  Stellungnahme.

Wenn ich in einer leitenden Stellung in einer Freikirche oder einem christlichen Verband wäre, würde ich dieses Vorkommnis sofort als Anschauungsmaterial für Schulungen im Umgang mit den Medien und mit Kritik überhaupt verwenden.

Wie gehen Christen mit Kritik in den eigenen Reihen um und wie, wenn sie von aussen kritisiert werden?

Meine eigene Erfahrung bestätigt leider, dass die meisten Christen den Umgang mit Kritik nie gelernt haben und auch überhaupt nicht motiviert sind, in dieser Hinsicht lernbereit zu werden. Ich war 22 Jahre lang Mitglied in einer Freikirche, welche mein Mann und ich sogar die ersten 5 Jahre lang leiteten. Kritik war zu keinem Zeitpunkt erwünscht, sondern wurde immer auf mich selber zurückgeworfen. Wenn ich mit etwas in der freikirchlichen Gemeinde Probleme hätte, dann dürfe ich nicht darauf schliessen, dass alle damit ein Problem hätten, sondern dann sei es in erste Linie mein Problem – ja ich selber sei das eigentliche Problem. Diesen Satz hörte ich mehr als einmal – bis ich ihn zu verinnerlichen begann und ich therapeutische Hilfe in Anspruch nahm.

Kritik von aussen wird zu oft mal so aufgenommen, dass hier der Teufel den Christen schaden möchte. Es wird ein Zusammenhang mit Christenverfolgung hergestellt, abgeblockt, vehement alles rundum bestritten und sollte es ein Christ wagen, die eine oder andere Kritik zu unterstützen, gilt er nicht selten als Nestbeschmutzer.

Was ich nicht verstehe und was mich entsetzt, sollte der Vorwurf stimmen, ist, dass Christen scheinbar gelogen haben. Was für ein Armutszeugnis, wenn Christen vorgeworfen wird, sie würden lügen! Dies vor allem auch in ihren Reaktionen auf den ausgestrahlten Film. Ein Beispiel – ich zitiere aus der Stellungsnahme des TV Senders DasErste:

„Rund um dieses im Film ausgestrahlte Interview mit Jürgen Werth werden ebenfalls Vorwürfe erhoben. Wir hätten ihm vor diesem 26. Juni nicht gesagt, worum es ginge, welche Fragen wir hätten. Auch Jürgen Werth hat sich in einem Radiogespräch entsprechend geäußert. Diese Behauptungen sind falsch. In einer Mail vom 23. Juni teilten wir Herrn Werth die Themenkomplexe mit, erwähnten darin ausdrücklich die – in unseren Augen kritikwürdigen – Vorkommnisse beim Gospelforum und bei Mission Freedom. Dass Herr Werth dann im Interview auf die entsprechenden Fragen sein Nichtwissen um diese Vorgänge äußerte, hat aber auch uns irritiert. Zumal die beiden „Vorsitzenden“ von Gospelforum und „Mission Freedom“, Peter Wenz und Gabriele Wentland, zusammen mit Herrn Werth im Geschäftsführenden Vorstand der EAD sitzen, sich also gut kennen.“

Mir stellen einige Fragen:
Sollte es stimmen, dass Herr Jürgen Werth nichts über den Inhalt der Fragen wusste, welche auf ihn zukamen, dann hat er

– entweder das Mail nicht gelesen. Was nicht sehr professionell wäre.

– oder gelogen. Was ich mir aber doch auch nicht vorstellen kann, soweit ich ihn „kenne“.

Ich tippe eher auf ersteres: er hat das Mail nicht gelesen. Entweder, weil er es nicht unter die Augen bekommen hat, aus welchen Gründen auch immer, oder weil er es unnötig fand, sich auf die Fragen vorzubereiten und es bewusst oder unbewusst zur Seite geschoben hat. Warum hat er dann vor dem Interviewtermin nicht selber nochmals nachgefragt und um die Fragestellungen/Ziel des Interviews gefragt? Ich unterstelle hier eine gewisse Naivität im Umgang mit den Medien und befürchte, unsere Schweizer Freikirchen, unsere Schweizer Allianz würde in einem ähnlichen Fall genauso naiv handeln. Nehmt euch ein Beispiel und fragt euch bereits jetzt, bevor so ein Fall eintritt: wie würden wir reagieren – wie schnell wären wir bereit für Interviews – sind unsere Absprachewege evtl. zu lang? Sind wir für Medienanfragen auch dann bereit, wenn alle zuständigen Personen in den Sommerferien weilen? Den Medien ist das in der Regel egal, sie wollen Sommerlöcher füllen. 😉 Und vor allem: wie kritikbereit sind wir wirklich?

Eine weitere Frage, welche ich mir stelle lautet: sind sich alle freikirchlichen Gemeinden, welche Livestreamgottesdienste ausstrahlen bewusst, dass die aufgezeichneten Gottesdienste im Web jederzeit in irgendeinem TV-Beitrag eingebettet werden können? Und vor allem: werden Gottesdienstbesucher darauf aufmerksam gemacht, dass sie einen Gottesdienst besuchen, bei dem sie evtl. auch als Besucher von einer Kamera aufgezeichnet werden könnten?

Ich stelle fest, dass Christen und gerade auch solche in führenden Positionen, in den Social Medias noch viel zu wenig verankert und wenig präsent sind. Sie sind sich der Chancen und Gefahren nicht überall bewusst. Hier besteht eindeutiger Aufholbedarf. Geschulte Leute, welche man zu internen Fortbildungen „anzapfen“ könnte,  gäbe es unter Schweizer Christen genügend. Und dann, nachdem ihr geschult seid im Umgang mit Social Media – liebe Pastoren: wagt es, euch bei Facebook und Twitter anzumelden und aktiv zu werden, bleibt am Draht der Menschen von heute, kommt raus aus euren Schulungs- und Konferenzlokalen, nehmt Stellung, klickt euch unter den Kommentarfunktionen bei 20Minuten oder Blickamabend ein, denn dort sind die Menschen zu finden, welche ihr erreichen wollt!

Und dann noch was anderes: tausendfache Reaktionen seitens der Christen auf Kritik an Christen! Und wo bleiben diese tausendfachen Reaktionen, wenn es um wirkliche Christenverfolgungen geht?

Reaktion: http://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/ndr-beitrag-war-notwendig-89730/