Die Geburtstagsparty

Wie freute er sich auf seine Geburtstagsparty! Freunde würden da sein und er sehnte sich danach, mit ihnen bei einem feinen Essen zu plaudern. Wie schön sie den Weg zum gemieteten Festsaal beleuchtet hatten. Es wurde ihm ganz warm ums Herz, als er diesen funkelnden Sternen und Lichterketten folgte. Extra seinetwegen aufgehängt – wie lieb. Kerzen in Laternen schmückten den Eingang und seine Geburtstagsgäste begrüssten ihn herzlich. Lachend führten sie ihn an die festlich geschmückte Tafel.

Es wurde auf das „Geburtstagskind“ angestossen. „Am Tag deiner Geburt war es recht kalt“, meinte jemand. „Oh ja“, bestätigte ein anderer Gast und fügte hinzu: „Eine Schande war das. Du hättest einen angenehmeren Geburtsort als jenen verdient, an dem du das Licht der Welt erblicktest. Du – in deiner Stellung.“ – „Wenigstens bekam deine Mutter im Wochenbett schon bald angemessen hohen Besuch. Was ich hörte, brachten sie ein paar wertvolle Geschenke“, war es einer Frau wichtig zu erwähnen. „Ja, aber vor diesem Besuch, wurde dir die Aufwartung von stinkenden Gesellen gemacht“, rümpfte eine andere die Nase. Das „Geburtstagskind“ wollte erzählen, wie er einer Frau half. Sie wurde zum Tod verurteilt, er aber brachte ihre Feinde zum Schweigen. Doch er kam nur soweit, tief Luft zum Erzählen zu holen – und wurde unterbrochen. Ein Chor sang davon, wie aussergewöhnlich die Umstände seiner Geburt waren. Der Geehrte klatschte, freute sich und wollte frisch ansetzen, von seinem Leben zu erzählen. In dem Moment fragte ein Gast: „Hast du von eurer überstürzten Flucht nach Ägypten, gleich nach deiner Geburt, ein Trauma davongetragen?“ Wie gerne hätte er mit seinen Freunden auf die eine oder andere seiner Lebensstationen zurückschauen wollen – aber für sie gab es nur ein Thema: seine Geburt. Doch – beinhaltet ein Leben nicht viel mehr, als sein Beginn?
Regula Aeppli-Fankhauser

Dazu passt eines meiner Lieblingsweihnachtslieder. Musik: Buddy Greene, Text: Mark Lowry.

Hier die deutsche Übersetzung:

„Maria wusstest Du, dass Dein Sohn eines Tages auf Wasser wandeln wird? Maria wusstest Du, dass Dein Sohn unsere Söhne und Töchter retten wird? Wusstest Du, dass Dein Sohn gekommen ist, um uns zu erneuern? Dieses Kind, das du gebären wirst, wird uns erretten.

Maria wusstest Du, dass Dein Sohn einen blinden Mann das Augenlicht zurückgeben wird? Maria wusstest Du, dass Dein Sohn einen Sturm mit seiner blossen Hand beruhigen wird? Wusstest Du, dass Dein Sohn in die Fussstapfen der Engel treten wird? Und wenn Du Dein kleines Kind küsst, küsst du das Gesicht Gottes.

Die Blinden werden sehen, die Tauben hören und die Toten werden auferstehen. Die Lahmen werden springen, die Stummen sprechen, das Loblied auf das Lamm.

Maria wusstest Du, dass Dein Sohn Herr der ganzen Schöpfung ist? Maria wusstest Du, dass Dein Sohn eines Tages Herr wird über alle Nationen? Wusstest Du, dass Dein Sohn des Himmels vollkommenes Lamm ist? Das schlafende Kind, das Du gerade hältst, ist das große“ICH BIN“.

Eine wunderschöne Version von Pentatonix:

Diesen Beitrag habe ich für das Türchen vom 12.12.17 des Adventskalenders der Schweizer Schreibfrauen verfasst.

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Katze in der Krippe

Esel, Ochs, Schafe, der Sennenhund Bläss und sogar ein grosses und zwei Jungkamele gehören zu unserer Krippenszene. Nebst versammelter „Tiermannschaft“ gehören last but noch least als Hauptfiguren die Heilige Familie mit dem Jesuskind, drei Hirten und drei Weise aus dem Morgenland zur jährlich wiederkehrenden „Theaterbühne“. Aber unserem Kater Minouch sind glaub die Tiere wichtiger. Egal, ob wir die Krippe im Eckmöbel, im Stubenbuffet oder am Boden aufstellen: er legt sich bevorzugt zu den Schafen. Jedes Jahr. Und wenn ihm dabei ein Tier in den Weg kommt, stupst er es kurzerhand weg. Er findet, bzw. schafft sich immer ein Plätzchen als lebendende „Tierfigur“ in der Krippenszene. So „schienen“ wir Jahr für Jahr gebrochene Tierbeine. 😉 😦

Welche gloriose Idee hatte ich dieses Jahr! Ich stelle doch die ganze Szenerie auf einen Tisch. Denn auf einen Tisch springt unser guterzogenes Katerchen nie, ausser man vergisst die Butter drauf. Da kann er nicht widerstehen. 😉 Aber wenn ich die Krippenszene auf den hohen Tisch stelle, wird er nicht hinauf springen. Denkste! Alle Jahre wieder…. 😉 Keine Ahnung, was ihn an der Schafherde so anzieht. Meint er, er sei selber ein Schaf? Und so musste der arme Bläss gestern daran glauben und brach sich beim Sturz vom Tisch das Bein!

Minouch hat es schon zwei Jahre in Folge in die Luzerner Zeitung geschafft! (2015 und 2016)15418313_10208108991583816_5294451437804686304_o.jpg

 

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Ja, unser Kater ist berühmt. Vielleicht tun wir ihm unrecht und er will einfach nah bei der Hauptperson – dem neugeborenen Jesuskind sein? Dann sollten wir ihn uns als Vorbild nehmen. Und alles vom Tisch stossen, was uns daran hindert, SEINE Nähe zu suchen. Suchen wir einen Platz nah am ❤ en der Hauptperson dieses Festes. 😉


P.S. Nachdem sich Minouch sogar in die Krippe, d.h. in den Stall gelegt hat, waren die Reaktionen auf die entsprechenden Fotos auf Facebook ganz lustig. Zusammen fanden wir heraus, dass Minouch dem Jesuskind wohl einfach eine wohlige Fellunterlage bieten möchte – oder sich als Hirte in der Krippenszene sieht. Ein solcher schlief jeweils im Türrahmen, als Schutz für die Schafe im Stall.

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Zu Weihnachten gibts Diagnose Krebs

Krebs, das war für mich schon immer ein Schreckenswort.

Meine damals 18 jährige Cousine starb innert Tagen an Leukämie. Das war damals ein Riesenschock für mich.
Als ich ein Teenie war, erkrankte meine Mutter an Krebs. Wir wussten nicht, ob sie’s überlebt. Meine Schulleistungen gingen den Bach runter und niemand fragte nach dem Grund. Meine Lehrerin fand, bei mir seien „Hopfen und Malz verloren“, als ich eine einfache Geometriaufgabe an der Tafel nicht lösen konnte und stattdessen vor der gesamten Klasse in Schluchzen ausbrach. Meine Mutter wurde geheilt. Für uns ein Wunder. Aber vorher war es wochenlang eine ganz schlimme Zeit der Ungewissheit. Und ich war als Kind allein mit allen Ängsten.
Mein Schwiegervater hatte Magenkrebs – ihm musste der gesamte Magen entfernt werden.
In unserer Familie ist Hautkrebs seit Jahrzehnten ein Thema. Wir kennen sämtliche Hautkrebsarten aus eigenen Erfahrungen, gut- und bösartige Flecken, welche aber bisher gut entfernt werden konnten. Meine Mutter hatte mal ein Melanom der ganz schlimmsten Art – und wurde wieder geheilt. Meinem Vater (verstorben im Oktober 15) musste ein grosser, bösartiger Tumor am Kiefer entfernt werden. Damit begann seine grosse Leidenszeit.
Mit einer lieben Bekannten fieberten wir über Jahre nach der ersten Brust-OP aufgrund von Brustkrebs. Sie verlor den Kampf leider.
Ein befreundeter Jugendpastor kämpft ebenfalls seit Jahren mit diesem Ungetüm. Er hat alle düsteren Prognosen der Ärzte überlebt. Sein Zustand ist momentan stabil, aber geheilt ist er nicht.

Und nun das: mein geliebter Mann hat am 19. Dezember die Diagnose Leukämie erhalten. Pünktlich auf die Weihnachtszeit, wenn man sich auf „oh du Fröhliche“ einstimmen möchte. Ein Schock. Es klingt so unreal und ist doch brutale Realität. Dabei wollten wir zusammen alt und grau werden. Mindestens 90ig. Und wir haben für den Juli 2017 eine dreiwöchige USA Reise gebucht. Zu unserem 30. Hochzeitstag, der nächstes Jahr stattfindet. Auf einen Schlag in die Magengrube ist alles ungewiss. Werden wir den 30. Hochzeitstag noch miteinander feiern können? Falls ja: wie wird der Gesundheitszustand meines Mannes dann sein? Können wir noch irgendwelche Pläne miteinander machen? Uns noch auf etwas freuen, das in der Zukunft liegt? Ich wollte die Reise annullieren, aber mein Mann sagte: „Jetzt erst recht. Wir feiern und geniessen das Leben und die Liebe, solange es geht.“

Er ist derjenige, der von dieser fiesen Krankheit betroffen ist und bleibt gelassen. Manchmal ist er etwas „duuuch“, aber das kann auch nur die Müdigkeit sein, welche vielleicht aufgrund der Krankheit vermehrt spürbar ist. Sonst spürt er noch keine Beschwerden. Wir hoffen, dass dies möglichst lange so bleibt. Die Altersleukämie betrifft laut Statistik vor allem Männer ab 70. Wie fies für einen 54 jährigen. Sie verläuft nicht so aggressiv wie in jungen Jahren. Köbi Kuhn, welcher seit 3 Jahren mit dieser Krankheit lebt, schenkt mir Hoffnung. Doch genaue Prognosen über die zu erwartende Lebenszeit und über den Krankheitsverlauf, kann niemand geben, zumal das Infektionsrisiko aufgrund der zu grossen Menge an weissen Blutkörperchen erhöht ist.

Ich weiss, dass unsere Leben in Gottes Hand liegen. Manchmal aber überkommt mich eine riesengrosse Angst. Ich will meinen Mann nicht verlieren. Wir lieben uns, sind glücklich verheiratet. Gerade in den letzten paar Monaten verspürten wir die Dankbarkeit über unsere Beziehung vermehrt. Mein Mann deckte mich mit Zärtlichkeiten ein und versicherte mir, wie hübsch ich sei. Wir kennen einander durch und durch. Müssen einander fast nicht mal mehr anschauen, um zu spüren, wie es dem anderen geht, geschweige denn etwas sagen – wir wissen es so oder so. Ich habe vor ein paar Wochen bereits Veränderungen an A. festgestellt und ihn gefragt, ob er sich fiebrig oder sonst krank fühle. Auch unser Kater lag in letzter Zeit vermehrt ganz laut schnurrend bei ihm. Ich möchte nie ohne meinen Liebsten leben. Die Angst vermischt sich mit einer grossen Traurigkeit. Vorgestern liefen mir im Postauto auf einmal Tränen die Wangen runter. Ich konnte sie nicht stoppen. Ich glaube, es hat niemand von den anderen Fahrgästen was bemerkt.

Was wird auf uns zukommen? Ich weiss nicht, ob ich das jetzt überhaupt wissen möchte. Lieber jetzt jeden Tag für sich allein nehmen. Die gegenseitige Liebe geniessen. Aber das ist leichter gesagt, als getan – mit dem Damoklesschwert der Krankheit und des Todes über uns. Klar, jeder weiss, dass er mal gehen muss von dieser Erde. Aber 54 Jahre – das ist doch noch kein Alter, oder? Wir glauben, dass Gott heilen kann – nur wird er es tun, will er es tun? Ich bitte an dieser Stelle, uns von geistlichen Belehrungen zu verschonen. Unser Glaube ist stark und das theologische Wissen gross. Zudem sind wir gut betreut durch die Vineyard Luzern.

Das genaue Ausmass des Krankheitsbefalls wissen wir übrigens noch nicht genau. Mein Mann hat eine Untersuchung beim Hausarzt und zwei im Kantonsspital Stans hinter sich. Wir warten als nächstes auf ein Aufgebot zu einer noch genaueren Untersuchung in der Onkologie des Kantonsspitals Luzern.Diese sollte nächste Woche statt finden.

Wir werden Weihnachten feiern. Denn sie mag vielleicht nicht so unbeschwert sein wie früher, aber der Sinn von Weihnachten wird durch die Krankheit nicht genommen. Das Licht kam in die grösste Dunkelheit. Ohne Jesus wäre alles nichts.

Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch, durch das auf unsren dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.
Friedrich von Bodelschwingh
deutscher Pastor und Theologe
* 06.03.1831, † 02.04.1910

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Dieses Bild entstand im Februar dieses Jahres. Es zeigt Seifenblasen auf der Hand meines Mannes. Mein Beitrag wurde im Buch von Fatima Vidal „Dieser Moment“ veröffentlicht.