Ich hätte gesagt…. ;-)

Als mich Regi Sager, SRF1 Moderatorin versuchte zu erreichen, war ich an einer Nidwaldner Blitz-Sitzung. Ich konnte sie, als ich zuhause war, wiederum nicht erreichen und füllte ein Mailformular aus, das direkt ins Studio gelangte. Sie antwortete mir:

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Zugrunde lag diesem Austausch die Aufforderung von SFR1, in alten Fotoalben zu stöbern und Foto einzusenden, welche einen Moment zeigen, in dem man so rundum glücklich war.Bildschirmfoto 2017-11-14 um 22.39.27.png Schade, ich hätte Zeit gehabt, um ihr mehr über dieses Foto zu erzählen.

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Ich hätte ihr erzählt, dass mir diese Situation, obwohl rund 50 Jahre her, immer noch sehr präsent ist und es mir grad jetzt, wo ich mich dran erinnere, warm wird im Herzen. Mein Vater verstand es, mir zu zeigen, wie härzig er mich fand. Es wird mir erst jetzt bewusst, dass er mir dadurch den Grundstein legte, für ein gesundes Selbstwertgefühl. Ich weiss noch, wie ich in dem Moment vor der Kamera stand im Selbstverständnis: ich bin hübsch, meine Eltern lieben mich, es ist gut so wie ich bin. Später wurde dieses Selbstwertgefühl stark gedämpft. Ich litt unter dem Spott von Gspänli, weil ich einen sogenannten Vorbiss hatte, d.h. meine Vorder-Zähne standen stark vor. Eine jahrelange Zahnkorrekur erbrachte nicht die gewünschten Erfolge. Erst durch die Liebe Gottes und meines Mannes, geriet das schiefe Selbstbewusstsein wieder ins Lot und ich begann, mich selber erneut zu mögen und meine Gaben zu erkennen. Damals, als Kind, war einfach rundum alles gut. Mit mir und mit der ganzen Welt. Nichts konnte mir passieren, denn mein Zuhause schenkte mir Geborgenheit. Dieses Urvertrauen, welches gelegt wurde, konnte nie ganz zerstört werden.

Wenn die Zeit gereicht hätte, dann hätte ich Regi Sager erzählt, dass ich in meinem späteren Leben noch ganz viele glückliche Momente erlebt habe. Immer wieder so ähnliche, in denen mein Vater mich ablichtete, weil er mich hübsch fand. Aber auch damals, als ich das Handelsschuldiplom in den Händen hielt und während dieser Schulzeit zu einer lebendigen Beziehung zu Gott fand, lösten tiefe Glücksgefühle aus in mir. Die Heirat mit Andy, die Geburten unserer drei Kinder, die vielen gemeinsamen Erlebnisse sind glückliche Erinnerungen, auf die ich alle dankbar zurückblicke.

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Dies alles hätte ich erzählt – aber leider konnten Regi Sager und ich uns gegenseitig nicht erreichen……. 😉

 

 

 

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S’Fankhuser Berti us Subige

Verdingkind

Wie oft hat mir meine Grossmutter, als ich ein Kind war, von ihrer Zeit als Verdingkind erzählt. Weil ihre Mutter am „Kindbettfieber“ starb, wurden alle vier Kinder weg gegeben. Meine Grossmutter verbrachte ihre Kindheit und Jugendzeit beim Bauern Künsch in Graswil. Sie klagte mir oft, dass ihre Füsse derart deformiert seien, weil sie erst an der Konfirmation ihre ersten Lederschuhe erhielt, deren Anschaffungskosten sie notabene abarbeiten musste. Diese Schuhe waren beide genau gleich. Es gab also keinen linken oder rechten Schuh. Ihre Füsse waren sich an Schuhe aber eh nicht gewöhnt, denn im Frühling, Sommer und Herbst lief sie barfuss, im Winter taten es „Holzböden“, auch Zoggeli genannt, welche an besonders kalten Tagen mit Heu zur Isolation ausgestopft wurden. Sie konnte ihre Konfirmation, das erste Fest, das zu ihren Ehren gefeiert wurde, nicht geniessen vor lauter Blasen an den Füssen. Die „gute Stube“ durfte sie nie betreten, selbst an Weihnachten nicht. Die Pflegemutter behandelte sie wie eine Magd. Schlafen durfte sie im „Stöckli“, zusammen mit der Mutter des Bauern. Diese war liebevoll und wurde zum Mutterersatz. Ihre Geschwister kannte meine Grossmutter nicht, obwohl sie mit ihrem Bruder Fritz in dieselbe Klasse ging. Der Lehrer verplapperte sich und gab so das Geheimnis preis. Erst als Erwachsene lernte sie noch ihre zwei Schwestern kennen und der Kontakt zu ihren Geschwistern und zur Frau des Bruders, riss Zeit ihres Lebens nie ab.

Die wahre Erfinderin der Onlineshops und des Bed and Breakfast

Sie heiratete 1921 Felix und gebar 4 Söhne. Einer starb leider als Einjähriger. Dies verkraftete sie nie und das Foto, wie er als lebloser Säugling in seinem Bettchen lag, mit Blumen umrankt, zeigte sie mir hie und da. Sie trug ihn in einem Medaillon am ❤ en. Der Sohn, welcher ihr als nächstes nach dem Walterli geboren wurde, bekam seinen Namen. Als Walter erwachsen war und sein Geschäft drohte in den Konkurs zu geraten, entschied er sich für den Freitod, was wiederum ein unendlich grosser Schock für meine Grossmutter war. Zwei Walter-Söhne hat sie verloren!

Mein Grossvater hat sich tief verschuldet, weil er sich genötigt fühlte, eine Bürgschaft zu übernehmen. Der Mann für den er bürgte – ich glaube, es war ein Cousin, ging pleite und mein Grossvater musste die Schulden tilgen. Die ganze Familie litt fortan darunter, solange ich denken kann. Auswirkungen des Familienzwists, welcher daraus resultierte, sind bis heute in unserer Familie spürbar. Eine Liegenschaft musste veräussert werden, die Familie musste schauen, wie sie sich über Wasser halten konnte. Ich bin so stolz auf meine erfinderische Grossmutter, denn sie fand so allerlei, womit sie zusätzlich zum Geld, welches ihr Mann von der Fabrik nach Hause brachte, etwas verdienen konnte. So ging sie putzen ins  Nachbarhaus, zu ihrer Tante. In ihrem Haus befindet sich immer noch ein Läubeli-Abstellkämmerchen. Sie füllte dieses mit Sicherungen, Lampenbirnen, Nähzeug, Seifen und vielem anderem, Nützlichen. Ein kleines Tante-Berti-Lädeli. So ging jeder Subinger schnell zum Berti, wenn eine Sicherung im Haus durchgebrannt war. Sie konnte immer aushelfen. Frauen stöberten in Magazinen über Damenenunterwäsche und bestellten bei ihr Unterhosen, Unterhemden Nylonstrumpfhosen, aber auch ganze Deux-Pieces für Frauen oder gar Herrenanzüge. Die Bestellungen wurden von ihren drei Söhnen ausgetragen. Sie hat sozusagen LeShop, Amazon und Co. erfunden, lange vor dem Onlinehandel. Die drei Söhne meiner Grossmutter betrieben einen Hauslieferdienst mit Bier. Und auch Mineralwasser und diverse Heftli, wie die „Schweizer Familie“ , das „Leben und Glauben“ oder die „Schweizer Illustrierte„, konnten über meine Grossmutter bezogen werden. Bei ihr lernte ich das Ginger Ale Mineralwasser und später das Rivella lieben. Zuhause gab es doch kein „Blötterliwasser“. Mein Vater hat oft erzählt, dass er nicht wirklich Freizeit hatte. Nur für die Jungschar, deren Leiter er wurde und hie und da eine Geigenstunde, da durfte er sich frei nehmen. Ausgang war ein Fremdwort. Es galt, Botendienste im ganzen Dorf zu erledigen, oder das Badehaus zu reinigen. Denn im Waschhaus neben dem Hühnerhaus, hatte meine Grossmutter, als einzige von Subingen, eine Badewanne! Wenn ein Kunde kam, musste mein Vater Wasser einlassen und den Raum und Badewanne nachher reinigen. Meine Mutter erzählte, dieses Haus sei vor 70 Jahren ein wahrer Treffpunkt des gesamten Dorfes gewesen.

Ihr Haus befand sich in Nachbarschaft des Bahnhofs. Und so kam es, dass bei ihr immer ein sogenannter „Zimmerherr“ oder „Bähnler“ logierte. Mal für kürzere, mal für längere Aufenthalte. Das heisst, sie führte ein Bed and Breakfast, lange bevor man dieses Wort kannte. Sie hatte, bis sie etwa 80 Jahre alt und ins Pflegeheim wechseln musst, einen Zimmerherrn. Einmal war der junge Willy Fischer bei ihr einquartiert und lernte die Schwester meiner Mutter kennen, welche damals bereits mit meinem Vater „liiert“ war. Willy und Miggy heirateten, bekamen drei Kinder und leben heute noch glücklich miteinander.

Wenn ein Kind im Dorf sich ein Knie aufgeschlagen hatte, ging es meistens lieber zum Tante Berti, wie alle Kinder sie nannten, als nach Hause, wo es womöglich Schelte erhielt. Mein Grossmuetti hatte den offiziellen Samariterposten des Dorfes, als solchen mit einem Schild am Gartenzaun vor dem Haus gekennzeichnet. 45 Jahre lang war sie treues Mitglied des Samaritervereins Subingen – und die Kinder liebten sie. Aber auch wenn ein Erwachsener sich den halben Finger abschnitt oder sich gröber verletzte, suchte er als erstes meine Grossmutter auf, denn einen Arzt gab es lange Zeit keinen in Subingen. Erst wenn meine Grossmutter fand, eine Wunde müsse genäht werden, schickte sie den Patienten in ein Nachbardorf, zum Beispiel Langendorf zu einem Arzt.

Die Medizin der Musik

Sie sang oft und gern. Alleine oder im Chor. Wenn ich das schreibe, habe ich noch ihre im Alter etwas zittrige, aber schöne Stimme im Ohr  und ich höre, wie sie „I Muetters Stübeli“ oder „Stägeli uf, Stägeli ab“ singt. Der Schalk sass ihr im Nacken, wenn sie sang: „jo du bruchsch mir nit z’trotze, ja suscht trotz i dir au. Sones Bürchteli wie du eis bisch, sones Meiteli bini au.“ Deshalb war es für mich ein besonders ergreifendes Erlebnis, als wir solche Lieder im letzten Chorprojekt Ennetbürgen sangen. Sie hätte mir mit Tränen der Rührung in den Augen zugehört, da bin ich mir sicher. Und ich höre sie sagen: „Jo, s’Regeli, die Liebe zum Singen, hast du von mir geerbt….“

Scan 1.jpegSie war regelmässig bei uns in den Ferien. Dann sass sie auf meinem Bett und hörte mir aufmerksam und mit Genuss und Begeisterung beim klassischen Gitarrespiel zu. Genauso hätte sie mir beim MundArt-Konzert des Chorprojekts zugehört.

Ein Glaube, der „verthebt“ wie bei den Hugenotten

Ihr Glaube war mir ein Vorbild. Ihren Lieblingspsalm, der ihr Konfirmandenspruch war, hat sie öfters rezitiert: Psalm 23,4: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Diesen Psalm habe ich vor zwei Jahren meinem Vater auf seinem Sterbebett vorgelesen…

Sie trug stets ein goldenes Kettchen mit einem Anhänger um den Hals. Einmal sagte sie zu mir: „Wenn du die Bedeutung des Anhängers kennst, dann schenke ich dir das Ketteli.“ Da ich gerade von einem Ferienlager der Jungen Kirche Schweiz mit dem Titel „Auf den Spuren der Hugenotten“, aus der Provence nach Hause kam, wusste ich die Antwort: es war ein Hugenottenkreuz. Dieses Kreuz hat eine besondere Symbolik durch das Leid, das damit verbunden ist. Die Hugenotten wurden verfolgt und viele von ihnen mussten fliehen.   Grossmutter hielt ihr Wort. Sorgsam legte sie mir das Goldkettchen mit Anhänger in meine Hände und sagte: „Halte es in Ehren. Denke immer an dein Grossmuetti.“ Und das tue ich bis heute.

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Grossmuetti war eine Frau, welche Emotionen zeigte. Wie herzhaft und ansteckend sie lachen konnte! Niemals aber lachte sie jemanden aus. Aber sie war auch oft traurig, ich glaube, manchmal litt sie unter Depressionen. Wenn ich sie als Kind fragte: „Grossmuetti, warum bist du traurig?“, dann erzählte sie mir eben von ihrem traurigen Leben als Verdingkind.

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Warum ich jetzt über meine Grossmutter schreibe? Ich bin immer noch am Sichten von Ordnern meines Vaters. Dabei kam dieser Nachruf zum Vorschein, den er für seine Mutter verfasste:

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Auf dass meine Grossmutter und ihr Sohn Eugen, mein Vater niemals vergessen gehen!

So ein lieber Kommentar via Facebook, wo ich meine Gmerkigs-Beiträge ebenfalls veröffentliche:

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Aktualisierung am 17. September 2018: heute las ich in der Zeitung über die deutschen Kinder, welche nach dem 2. Weltkrieg für Monate in die Schweiz zur Erholung reisen durften. Meine Grossmutter nahm auch ein Mädchen namens Lore auf. Zu ihr und ihrer Familie hielt sie bis zu ihrem Tod freundschaftlichen Kontakt.

LIEBSTER BLOG AWARD

Schön, dass Zora mich für den Liebster Blog Award vorgeschlagen hat. Danke für die Nominierung!

Hier meine Antworten auf Zoras Fragen:

1. Warum hast du angefangen, diesen Blog zu schreiben?

Nachdem ich auf Facebook hie und da längere Texte oder Fotos postete, wurde ich ermutigt, doch alles mal zu „verbloggen“. Diese Ermutigungen stammten hauptsächlich von Zora und Karin Mayerhofer Dobler. Lange Zeit sträubte ich mich gegen diese Idee und dachte: „Ach, wer wird schon Interesse an meinem Blog haben?“ Irgendwann hatte ich genügend Schreibmaterial zusammen und startete, einfach nur für mich selber. Egal, ob es andere lesen würden… Heute ist es mir nicht immer egal, ob ich nur für mich selber schreibe. Es wäre schön, es würden ein paar mehr mitlesen.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?

Ausflüge, Reisen, Wanderungen, Ferien mit der Familie, aussergewöhnliche Erlebnisse. Es kann aber auch vorkommen, dass mich was beschäftigt, das in der weltweiten Welt grad so abgeht, sei es politisch, religiös, weltanschaulich. Dann zwickt es mich in den Fingern, meine Meinung zu verbloggen.

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3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?

Ich lebe zu einem Teil vom Schreiben. Aber nicht vom Blog. Das heisst, wir sind als Familie auf mein Einkommen angewiesen, welches ich als Freelancerin beim SCM Bundes-Verlag und dem Nidwaldner Blitz verdiene. Wir sind vor 1.5 Jahren umgezogen und ich habe die Stellen als Hundesitterin und Hauwarting dabei verloren. Die neue Miete beträgt aber Fr. 500.– mehr als vorher. Der Lohn, den ich bei beiden Stellen verdiene plus mein Engagement als Testkundin und als Kindergottesdienstmitarbeiterin der Reformierten Kirche decken in etwa diese Lücke.

Klar wäre es schön, auch mit dem Blogschreiben etwas zu verdienen. Ich könnte mir vorstellen, für die SBB oder andere Unternehmen gegen Bezahlung von unseren Reisen zu erzählen. Ich habe bei den zuständigen Stellen schon ein paarmal angeklopft deswegen. Wer weiss, vielleicht klappt es irgendwann? 😉

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?

Ich erlebe viele perfekte Tage. 😉 Ich bin zufrieden und glücklich, wenn meine Liebsten einschliesslich Katze Minouch und ich gesund sind, wenn ich das tun kann, was ich am liebsten mache: schreiben. Wenn meine Schreibergüsse dazu noch beachtet werden, ist mein Tag perfekt. Sahnehäubchen sind sonniges, warmes Wetter, eine tolle Unternehmung mit der Familie und interessante Fotosujets.

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5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?

Meine Eltern. Sie haben mir viel an Werten mitgegeben. Später Predigten und das Leben in diversen Freikirchen. Sowohl im Positiven wie leider auch im Negativen. Auch das Leben mit eigenen Kindern hat mich geprägt. Ich lernte viel durch sie und mit ihnen zusammen. Vor allem lernte ich mich selber durch meine Kinder von einer anderen Seite her kennen.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?

Ich denke viel und gern an gemeinsame Wanderferien in der Schweiz zurück. Mit meinen Eltern war ich nie im Ausland, lernte aber wohl jeden Ecken im eigenen Land kennen. Ich bedauerte zwar, dass meine 8 und 10 Jahre älteren Geschwister meistens nicht mit uns in die Ferien fuhren, hatte aber viel Spass mit meinen Eltern zusammen. An den Abenden lachten wir beim Spielen zusammen, bis uns die Bauchmuskeln schmerzten und die Augen tränten. Nie erlebte ich meine Eltern glücklicher als an solchen Ferienabenden.

7. Dürrenmatt oder Frisch?

Weder noch. Ich musste Werke von beiden in der Töchterhandelsschule Luzern lesen, konnte mich aber persönlich nie erwärmen – weder von der einen noch der anderen Literatur.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?

Ich mag die Schweiz und das Leben hier. Die abwechslungsreiche Landschaft und die ruhige, politische Lage, welche mir Sicherheit vermittelt.

Als wir als Familie in Australien waren, sagte ich an der Ostküste: „Falls Auswandern einmal ein Thema wäre, könnte ich mir ein Leben hier vorstellen.“ Dies, weil im Atherton Tableland sowohl Berge, Seen wie in der Schweiz vorkommen, aber auch Regenwald, Städte und das Meer. An ein und demselben Tag könnte man in den Bergen wandern und im Meer baden.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?

Ich würde Tagebuch und Briefe schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Buch zu schreiben, wäre ohne Internetanschluss grösser, als es aktuell ist. Vielfach verbringe ich zu viel Zeit bei Facebook, Twitter, Instagram. Diese fehlt mir dann, um mich fantasievoll der Entwicklung einer Geschichte anzunehmen. Ich habe im Rahmen des Novemberschreibens einen Roman verfasst mit dem Titel „Die Liebe ist rot“, der aber leider keinen Verlag fand. Zudem ein Kinderbüchlein. Ein weiterer Roman liegt irgendwo unvollendet auf einer externen Speicherplatte.

Ich würde mich wahrscheinlich zudem vermehrt dem Fotografieren widmen und Kurse belegen.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?

Ich bin ein naiver Typ. Wurde mir schon oft gesagt. Ich gehe immer davon aus, dass es mein Gegenüber gut mit mir meint. Ausschliesslich gut. Und falle dann halt vielfach auf die Nase. Dennoch möchte ich mir diese Art der Naivität nicht nehmen lassen, denn ich würde mir gleichzeitig viele schöne Erlebnisse mit völlig Unbekannten nehmen lassen.

Von meinem Glauben und persönlichen Lebenserfahrungen her weiss ich, dass jeder Mensch zum Egoismus tendiert. Doch weil ich mich selber mit Schwachheiten erlebe, bin ich grundsätzlich gnädig mit meinen Mitmenschen. Ich kann mich zwar schnell aufregen, teile dann das auch mit, vergebe und vergesse aber genauso schnell wieder.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte? 

Probieren geht über studieren!

Ich habe mir kein Konzept erstellt, über was ich bloggen möchte, sondern einfach begonnen, von meinem Leben zu erzählen. Von dem, was ich tue und denke. Die Handhabung via WordPress war zu Beginn eine grosse Herausforderung. Ich habe einfach ausprobiert, nichts darüber gelesen, mich durchgeklickt – und es hat funktioniert. Ich mag es nicht, wenn ich für etwas, das ich tun möchte, zuerst Bedienungsanleitungen und Bücher studieren und wenn möglich noch Seminare besuchen muss. Wenn ich etwas tun möchte, dann muss es subito geschehen können. Nicht nur in dieser Beziehung bin ich ein ungeduldiger Mensch. 😉 Fang einfach an. Tu den ersten Schritt. Und bei konkreten Fragen bin ich für dich da.

Die Regeln, wenn ihr nominiert wurdet:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.

2. Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite. (Ich sah keines bei meiner Vorgängerin und habe deshalb auch keines verwendet. Könnt diesen Punkt also streichen.)

3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite.

4. Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf eurem Blog.

5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.

7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt.

Meine 11 Fragen an euch (die ihr gerne mittels Worten oder auch Bildern beantworten dürft)

  1. Wo siehst du den Vorteil eines Blogs gegenüber von Facebook oder anderen Social Medien?
  2. Würdest du deinen Blog auch dann weiter führen, sollte kein einziger Mensch ihn lesen?
  3. Was würdest du bei Gmerkigs gern lesen?
  4. Verdienst du mit deinem Blog Geld? Falls nein – wäre das dein Wunsch, strebst du es an? Falls ja: wie hast du das zustande gekriegt?
  5. Wann hast du mit deinem Blog gestartet? Gab es dafür einen bestimmten Grund?
  6. Gibt es etwas, das deinen Blog speziell macht, ihn abhebt von anderen mit ähnlichen Themen?
  7. Könntest du dir vorstellen, auszuwandern? Falls ja: wohin und weshalb dort hin? Falls nein: warum nicht?
  8. Liest du regelmässig andere Blogs, hie und da oder gar nicht?
  9. Bist du mit deinem Leben zufrieden? Oder was fehlt dir zum Glücklichsein?
  10. Wie häufig veröffentlichst du einen neuen Blogbeitrag?
  11. Welche Rolle spielt Gott in deinem Leben?

Hier die Blogger, die ich nominiere:

Karsten Socher, ein Fotograf, den ich über das Projekt der 99 ig Fotografen persönlich kennen gelernt habe. Heike und er haben uns schon ein paarmal besucht. Das Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr entwickelt sich schon fast zu einer lieben Tradition. 😉

Am Twittertreffen mit SBB CEO Andreas Meyer, lernte ich Andreas Schweizer kennen. Er ist einer der SBB-Servicescouts und ich lese hauptsächlich sehr gerne über Twitter, was er alles zu erzählen hat.

Markus Schmid ist mein treuster Leser. Sei es auf Facebook, Twitter oder über diesen Blog. Er beachtet mich, kommentiert, interessiert sich. Dafür möchte ich dir, Markus einmal danke sagen.

Johannes Mairhofer war der Initiant der 99Fotografen. Ich habe dort mit Begeisterung mitgemacht und bin ihm dankbar für dieses Projekt. Denn erstens lernte ich enorm viel über die Fotografie und zweitens erweiterte sich mein Bekanntenkreis um einige interessante Persönlichkeiten.

Benno hat mich ermutigt, die alten Kameras, welche beim Zügeln zum Vorschein kamen, auszuprobieren. Es wäre schön, Benno, wenn du obige 11 Fragen beantworten und bei dieser Blogparade mitmachen würdest.

Andrea Jerger hat das SBB SOME organisiert, ist wie Andreas Schweizer, SBB Sevicescout und ich bin ihr sehr dankbar für das unvergessliche SBB Twittertreffen.

Auch Martin Rechsteiner lernte ich am SBB SOME kennen. Ich lese gerne mit, wenn er über seine Ausflüge mit der Familie berichtet. Vielleicht magst du zur Abwechslung obige 11 Fragen verbloggen?

Gaby Rudolf – ist dein Blog noch aktiv?

Gaby, Benno und Johannes Mairhofer lassen sich entschuldigen – keine Lust oder Zeit, hier mit zu machen. Vielleicht magst du, Sven? Bist der Erste und bisher Einzige Liker hier. 😉

Zeitreise in die Vergangenheit

DSC_0026Vor rund 30 Jahren zog ich bei meinen Eltern aus. Ich nahm nicht viel mit, sondern liess das meiste meiner Besitztümer und Kindheitserinnerungen im Kinderzimmer zurück. Vor 28 Jahren heirateten Andy und ich. Meine Eltern zogen kurz darauf ins Elternhaus meines Vaters um. Dies war der Zeitpunkt, an dem ich, vieles aus meiner Kindheit in unseren ersten, gemeinsamen Keller verlagerte. Nach zwei Jahren wurde uns die Wohnung wegen Eigenbedarf gekündigt. Zur neuen Wohnung gehörte ein riesengrosser Estrich. Also zügelte ich meine in Schachteln gehorteten Kindheitserinnerungen ungesehen mit. 10 Tage vor der Geburt unseres Jüngsten zogen wir in eine grössere 5.5 Zimmerwohnung um und hatten noch einen geräumigeren Estrich (Dachboden) als bisher. So nahm ich wiederum alles ungesichtet mit. Nun müssen wir Ende März in eine 4.5 Zimmerwohnung umziehen – ohne Estrich, bloss mit einem Kellerabteil. Dies heisst für mich: das erste Mal in meinem Leben wirklich mal räumen und Abschied nehmen von Kindheitszeichnungen, Schulheften, Briefen meiner 6 Brieffreundinnen, Pokalen/Medaillen, Büchern, Zeitungen, Nippsachen, Puppen und Puppenkleider, Bastelsachen, Bildern, Wandbehängen, Instrumenten, Musiknoten, Chorlieder, Kassetten…..Zu meinen persönlichen Erinnerungsstücken gesellten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten munter Bastelerzeugnisse unserer drei Kinder, Geschenke und Briefe von ihnen, Fotos, Videos, CD’s….

Was da alles zum Vorschein kommen und einen erstaunen kann beim Räumen und Entrümpeln, habe ich in einem Album festgehalten.

Hätte sich beim Entrümpeln noch vor ein paar Jahren bloss die Optionen wegwerfen, behalten, verschenken oder verkaufen geboten, kommt heutzutage zum Glück eine weitere hinzu: digitalisieren. So ist unser Junge stundenlang beschäftigt mit Videos, Schallplatten und Kassettendigitalisierung – mit den neusten Programmen und hat auch bereits von auswärts Zusatzaufträge erhalten. Und wir restlichen der Familie – vor allem ich – scannen ebenso stundenlang Briefe, Fotos, Dias, Zeichnungen und anderes, was uns erhaltenswert erscheint. Nach dem Scannen können wir diese Dinge getrost entsorgen und haben so weniger Zügelballast.

Stichwort Ballast: wir veranstalteten einen Garagenflohmarkt, an dem wir das, was wir nicht mehr mitzügeln können, günstig verkauften.

Garagenflohmarkt

So kamen an die Fr. 600.– zusammen. Freude hatte ich vor allem, dass für mein Rössli Hü, welches ich in der Haushaltungsschule selber gemacht hatte, ein neues Leben beginnen wird: es wird bei meiner Schwester Gästekinder erfreuen.

Rössli Hü

Am Tag nach dem Garagenflohmarkt, hatte ich das Gefühl, es befänden sich immer noch genau soviele Waren in den zwei Garagen wie vorher. Deshalb lud ich per Facebook und Twitter ein, sich gratis aus dem grossen, verbliebenen Rest zu bedienen. Viele Menschen kamen und füllten Autos voll mit Waren wie einer Spielküche aus Holz, welche mein Schwager für die Kinder selber hergestellt hatte, Haushaltungsgegenständen, Spielen, Bettwaren, CD’s etc. Wiederum einen Tag später fuhr ein Kleintransporter der Brockenstube Stans auf. Leider nahmen sie nur zwei grosse, gefüllte Kartonkisten, ein Heizöfeli und eine handvoll Kinderbücher mit. Zurück blieb immer noch eine grosse Menge an Waren, welche man im Alltag gut verwenden könnte. Ich gab nicht auf und schrieb noch ein paar Dinge wie Stelzen, Steckenpferde, Wecker mit Spielschiessfunktion, Massivholztisch, Pult, Bücher, Spiele zum Verkauf, bzw. zum Verschenken auf Facebook aus. Wiederum meldeten sich einige Leute, welche sich nochmals entweder gratis oder für ein paar Franken bedienen konnten. Gestaunt habe ich über zwei Frauen, welche den Weg per ÖV auf sich nahmen, um sich ein paar Bücher, welche dem Altpapier geweiht waren, zu erbarmen. 😉

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Verblieben sind nun noch ein paar Kleinmöbel, ca. 25 gefüllte Kisten mit diversen Waren, welche ich versuche, Mitte Mai dem Sperrgut zu übergeben. Mich reut es, gewisse Sachen wie intakte Vasen, DVD’s, Knieschoner für Kinder und anderes einfach dem Güsel zu übergeben. 6 Kisten vollgefüllt mit Büchern, werden wir versuchen, der Bücher Brocki Luzern zu übergeben. Morgen holt jemand gratis das Pult aus meiner Kindheit ab und mein Mann bringt heute einer Familie die zwei Steckenpferde und zwei Paar Stelzen vorbei. Vielleicht werde ich im Dorf mal Kinder auf diesen Spielgeräten herumtollen sehen – das wird meine Freude sein!

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Zudem füllten wir unzählige Abfallsäcke, eine Kiste, einen grossen Stoffsack und einen Koffer mit guterhaltenen Kleidern, Bett- und Frottéwäsche, Schuhen, Spielen, Plüschtieren und diversen Sporttaschen, Rucksäcken, Taschen. Dies alles werden wir Mitte April der Kleidersammlung für AVC übergeben. Wir spenden bereits seit Jahrzehnten Waren und Geld für dieses Werk, welche Menschen weltweit, aber vor allem in Osteuropa unterstützt. So eine grosse Menge kam aber bisher bei unserer Familie noch nie zusammen. 😉

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Stichwort Ballast zum Zweiten: das grosse Aufräumen, Entrümpeln, Sichten, Entsorgen, war für mich wie eine Zeitreise zurück in meine Kindheits- und Jugendzeit. Ich bin eine Frau, welche nicht gerne Fotos aus alten Zeiten anschaut. Sie wecken in mir eine Wehmut nach einer vergangenen Zeit und dabei möchte ich doch lieber mein Leben heute leben. Aber es war gut, sich bewusst mit der Vergangenheit konfrontieren zu müssen. Wir haben als Familie viel gelacht, wenn wir 20jährige Videos betrachteten, welche unser 14jähriger digitalisierte oder wenn meine Kinderstimme aus einer alten Kassettenaufnahme ertönte. 😉 Unser Sohn hat gesehen, wie seine 8 und 10 Jahre älteren Schwestern aussahen, klangen und sich bewegten, als sie klein waren oder so alt, wie er jetzt ist. Und etwas ganz Wichtiges ist in meinem Leben geschehen: durch das Lesen alter Briefe wurden meine bisherigen Erinnerungen an meine Kindheit in ein ganz anderes Licht gerückt. Ich wurde geheilt. Es gab Erlebnisse, welche ich meiner Familie im Rückblick ganz anders erzählte, als dass sie sich jetzt in meinen Tagebucheinträgen oder in Briefwechseln darstellen. Meine persönliche Vergangenheit konnte ich auf diese Weise aufarbeiten und das allein war der ganze Aufwand des Räumens wert!