S’isch ä Brüüch (Es ist ein alter Brauch)

Ju-hu-hu-hui!“ juchzt unterhalb unseres Wanderwegs auf dem Schächentaler Höhenweg ein Älpler. „Ju-hu-huiii!“ – so so ähnlich 😉 gibts fröhlich Antwort von der oberen Alp. Und der Wanderer auf dem Weg vor uns, der früher auch z’Alp ging, wie er uns erzählte, juchzt seine Lebensfreude ebenfalls als Echo zurück. Er erklärt in schönstem Urner-Dialekt: „S’isch äbe äso de Brüüch im Ürnerland.“ („Es ist eben so der Brauch im Urnerland.“ Früher, als es noch keine Handys gab, hätten sich die Älpler auf diese Weise von Alp zu Alp signalisiert, dass alles in bester Ordnung bei ihnen sei.  Heute wird der Brauch auch gern von Wanderern übernommen, um ihre Freude an den Bergen auszudrücken.

Dü-da-do, Postauto, hed e Floh, macht eso“, sangen wir als Kind, wenn der Dreiklang des Postautos ertönte. („Dü-da-do, Postauto, hat einen Floh, macht so.“) Mehr als ein netter Brauch auf unseren Bergstrassen. 😉

Unsere heutige Tour: Auto bis Spiringen Post, Postauto Spiringen Post bis Balm (Klausen), Wanderung auf dem Schächentaler Höhenweg, bis Ratzi Bergstation, ca. 3 Std. 20. Mit der kleinen Kabinenbahn runter nach Spiringen Post. Und anschliessend noch kleine Wanderung am Urnersee-Uferweg entlang

 

„Grüezi“, grüsst jeder Wanderer in den Bergen den anderen. Seinen Ursprung hat diese Sprachwendung in „Gott grüss dich„. Man wünscht, dass Gott dem Mitmenschen begegnet und ihn segnet. Ich stelle mir ein Grüssen von Gott vor, wie ein liebevoller Kuss von ihm. Ein schöner Brauch, unbekannten Menschen Aufmerksamkeit und einen kleinen Segen auf den Weg mit zu geben, den man in der Stadt natürlich nicht mehr so pflegt, höchstens vielleicht noch an der Migros-Kasse. 😉

Das Wandern gehört ebenfalls zu den Brauchtümern der Schweizer. Es sei der Schweizer Volkssport Nummer 1, hat sogar eine Studie festgestellt. 😉

Zum Wandern gehören:

a) der Brauch, ein Picknick aus dem Rucksack zu verzehren. Es gibt viele tolle Picknickstellen in den Bergen, auf denen man die berühmte Schweizer Cervelat bräteln kann, was natürlich ebenfalls ein Schweizer Brauchtum an Esskultur ist.

b) seit jeher der Brauch, einen Wanderstock zu verwenden. Früher wurde er manchmal mit sogenannten Stocknadeln geschmückt von Orten, welche man besucht hatte. Als Kind benutzte ich öfters einen dicken Ast als Wanderstab und liess während der Wanderungen meiner Fantasie freien Lauf. So galoppierte oder trabte ich damit, als wäre er ein Pferdehuf. Die restlichen drei Hufe stellte ich mir einfach vor – und das Wandern über Stock und Stein auf meinem imaginären Pferderücken, bereitete mir grad viel die grössere Freude. 😀 Seit kurzem habe ich die modernen Wanderstöcke wieder entdeckt. Während der drei Schwangerschaften waren sie mir bereits eine grosse Hilfe und jetzt wieder. Es ist einfach mit über 50 Jahren auf dem Buckel gelenkschonender, solche zu verwenden 😉 Vor- und Nachteile und der richtige Gebrauch: hier und  hier .

c) die vielen Bänkli (Sitzgelegenheiten) an schönsten Aussichtslagen, gehören ebenfalls zum Schweizer Brauchtum. Dieses Jahr kann man die entdeckten Bänkli auf der Webseite „Bankgeheimnisse“ 😉 eintragen lassen und sich die Chance auf tolle Gewinne sichern oder auf der Landkarte nach bereits eingetragenen Bänkli stöbern.

Jetzt seid aber ihr dran, mir auf die Sprünge zu helfen. Denn mir erschliesst sich der Sinn des Brauches nicht, den ich erstmals während unserer Österreich-Wanderferien entdeckte, aber auf der Wanderung auf dem Schächenthaler Höhenweg jetzt eben auch: diese weissen Papiere…. Sind das Grüsse…. für wen oder was und von wem? Oder hat hier ein Städter versucht, etwas zu säen?

Hängt dieser neuste Brauch mit dem Wanderboom zusammen? Mehr und mehr Leute, welche unterwegs sind und keine Ahnung mehr haben, vom Brauch, den Güsel (Abfall), den man auf einer Wanderung produziert, auch wieder in den Rucksack zu packen und zuhause zu entsorgen? Oder muss jedes Bisi (Pinkeltröpfli 😉 ) abgewischt werden heutzutage? Oder das Füdli der Hündli (Hund-Pos) damit abgewischt werden und dann lässt man es einfach liegen? Ich will niemandem was unterstellen – b’hüet is nei – aber ich weiss etwas: dieser neumodische Brauch gefällt mir nicht und jedes dieser weissen Dinger braucht 8 Monate, bis es in der Natur verrottet, je nachdem sogar Jahre! So lange „darf „sich jeder Wanderer am Anblick dieser Fremdkörper in der Natur „erfreuen“.

 

 

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Wanderung Biel Kinzig – Urigen

Jeden Herbst wandern wir auf der Schächentalerhöhenweg-Seite, denn sie ist sonnenbeschienen und die farbigen Laubbäume geben einen wunderschön lieblichen Kontrast zur gegenüberliegenden, felsigen und schattigen Seite. Hier Facebookfotos einer Wanderung 2011 mit einem abenteuerlichen Bähnchen.

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Das Auto lassen wir an der Talstation der Ruogigbahn stehen, nehmen aber die Biel Kinzig, nicht die Ruogigbahn. Im Bähnchen begrüsst uns Poesie meiner lieben Freundin Blanca Imboden.

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Meist entscheiden wir uns für eine Teilstrecke auf dem Schächentalerhöhenweg selbst. Aber die Auswahl an Wanderungen ist gross, was dieser Wanderweg, der uns ein Schmunzeln entlockte, bezeugt:

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Wir wählen den Orchideenweg, den wir noch nie begingen, hier nicht mal auf den vielen Wanderwegzeichen ersichtlich. Der erste Wanderweg, welcher rechts nach der Bergstation Biel Kinzig abzweigt, ist der Orchideenweg. Diese seltenen Wildpflanzen sehen wir leider nicht mehr blühend, denn dafür ist es von der Jahreszeit her zu spät. Der Weg führt zuerst durch einen Wald und immer wieder herzigen Bächlein entlang.

Wir staunen über die Holzkanäle, welche vermutlich viele  Arbeitsstunden für den Unterhalt benötigen. Manchmal ist der Pfad sehr schmal und ich staune ein zweites Mal: nämlich über meinen Mut. 😉

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Wir machen nicht die Rundwanderung, welche mit „Gangbachweg“ ausgeschildert ist, sondern wandern immer weiter, Richtung Urigen.

So schön, werden sie hier noch Tristen. gebaut!

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Immer wieder erhascht man einen Ausblick ins Tal.

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Vorbei geht der Weg an schönen, alten Holzhäusern und einem Bauernbetrieb mit Direktvertrieb von Sirup, Käse, Fleisch und anderen Köstlichkeiten. Und immer wieder Bächlein, Kühe, saftige Alpweiden. Ideal, um die Seele baumeln zu lassen.

Wir sind gespannt darauf, wie die Baumgruppe in Urigen aussieht, welche ich jedes Jahr fotografiere. Sie stehen nicht mehr in so üppigem Laub, wie sonst, aber es ist dennoch eine Freude, sie zu sehen und ich wünsche ihnen ein langes Leben. 😉

Die reine Wanderzeit Biel Kinzig bis Urigen beträgt 2.5 Stunden. Die kleinen Höhenunterschiede sind nicht der Rede wert und abgesehen vom schmalen Weg am Anfang im Wald und über die etwas abschüssige Bergmatte, ist diese Wanderroute als einfach einzustufen. Auch ich mit meiner Höhenangst schaffte es gut. 😉

Wir haben Glück: das Posthotel/Restaurant in Urigen hat grad noch heute offen. Die Winterschliessung erfolgt wetterbedingt jedes Jahr ein paar Tage früher oder später.

Nach einer Stärkung im Restaurant fahren wir per Postauto an den Ausgangspunkt zu unserem parkierten Auto zurück. Der Postautochauffeur gibt uns historische Einblicke in einen Marchstreit zur Ruosalp. Achtung, dieser Postautokurs fährt nur viermal pro Tag! Seltsam, dass er unterwegs eine Pause von 20 Minuten einlegt.

Obwohl das Wetter sich nicht von seiner strahlendsten, wolkenlosen Seite zeigte, haben wir die Wanderung im Urnerland einmal mehr genossen.

Auf der ungewohnt anderen Seite des Schächentals

Seit Jahren gehört es zum Herbst, dass wir eine Wanderung auf dem Schächentaler Höhenweg (Kanton Uri) unternehmen und diese wunderschöne Baumgruppe in Urigen jedes Jahr fotografieren. Sie fasziniert einfach immer wieder aufs Neue und das findet dann auch unsere Nidwaldner Zeitung, welche das Leserbild gern Jahr für Jahr abdruckt. 😉

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Wir haben diese Talseite schon auf diversen Abschnitten bewandert und Bahnfahrten in kleinen und einmal sogar einer offenen Kabine gewagt. Auch im Winter ist die Begehung dieses sonnigen Hangs mit Schneeschuhen ein empfehlenswerter Tipp. Denn die Winterlandschaft ist fernab jeglichen Massentourismus herrlich ruhig. Und immer haben wir auf die gegenüberliegende Talseite geguckt. Sie lag jeweils im Schatten und wirkte rauh, gar „gfürchig“ (furchteinflössend). Ob man „da drüben“ auch wandern kann?

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Früheres Bild von einer Herbstwanderung. Blick auf die gegenüberliegende, dunkle Talseite. 😉

Gestern wagten wir es. Denn die Talseite wirkt ja im Herbst/Winter dunkel. Im Sommer ist sie bestimmt auch sonnenbeschienen, nahmen wir an und das sollte sich als richtige Annahme heraus stellen.

Weil die Parkplatzmöglichkeiten in Flüelen manchmal etwas schwierig sind, parkieren wir als Ausgangspunkt unserer Wanderungen meistens beim Parkplatz der Ruogigbahn, Brügg (Bürglen). Dort stiegen wir auch dieses Mal wieder ins Postauto, das uns bis zum Hotel Balm kutschierte. Hier pausierte es fahrplanmässig eine Stunde und deshalb nahmen wir den etwa 30 minüten Aufstieg zum Klausenpass (1948 Meter über Meer) zu Fuss in Angriff. Da ich stark erkältet bin, musste ich unterwegs einmal inhalieren. Dieser Weg ist leider nicht sehr interessant, folgt unterhalb der Haupstrasse mehr oder weniger auf einem ausgetretenen Kuhpfad. Auf der Klausenpasshöhe fand gerade ein Käsemarkt statt. Wir deckten uns mit Fleisch, Käse und Yoghurt ein und begannen die eigentliche Wanderung auf dem „naturkundlichen Höhenweg Schächental“ auf der anderen, für uns ungewohnten Talseite. Bis zur Chammlialp führte uns der Weg auf einem bequemen, breiten leicht ansteigenden Wanderweg bergaufwärts.

Die Wanderroute ist abwechslungsreich, führt sie doch an vielen Alpen vorbei, an Felswänden, buschigem Gebiet, kleinen Seen, Bächen, Brücken.

Immer wieder lockt die tolle Fernsicht, einen Fotohalt einzulegen. Dieses Mal auf die uns bekannte Seite des Schächentaler Höhenwegs und in die Tiefe. Wir staunen über die Häuser, welche auf der gesamten Hanglänge verstreut liegen, wie wenn sie von der Hand eines Riesen hingeworfen worden wären.

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Während unseres Zvierihalts, bei dem wir den währschaften Käse und die anderen feinen Sachen, welche wir auf der Klausenpasshöhre gekauft hatten, genossen, hörten wir Murmeltierpfiffe und meinten, sie auch gesehen zu haben (sind uns aber nicht ganz sicher). Nebst Kühen begegneten uns auch zwei Esel.

Ab Chammlialp gings dann stetig bergab und geradeaus bis Wannelen.

Auf diesem Link steht, die Tour sei leicht. Geübte Tourenführer, welche solche Schwierigkeitsgrade angeben, haben es aber wohl nie mit Menschen wie mir zu tun, denen es ab und zu schwindlig wird, wenn sie auf einem Weg laufen, der entweder auf der einen oder gar auf beiden Seiten steil abfällt. Wir wandern viel, meiden aber aus Rücksicht auf mich, Gratwanderungen oder sehr schmale Wanderwege, sprich solche, welche weniger als zwei Fuss breit sind und ungesichert auf einer Seite steil abfallen. Diese Tour hier schaffte ich ohne Angstattacken. Aber sie war an ein, zwei Stellen grenzwertig. Also ich persönlich bezeichne sie deshalb nicht als „leicht“, sondern als „mittelschwer“. Nur aus dem einen Grund, weil sie ein paar wenige Stellen enthält, auf denen der Weg etwas ausgesetzt ist. Auf der Webseite besagtem Links steht, man benötige 3 Std. für die Tour. Wir liefen zügig, hatten aber zusammen mit dem Aufstieg zur Klausenpasshöhe insgesamt 3.5 Std.

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In Wannelen führte uns eine Bahn (ohne Stützmasten – spektakulär) nach Ribi und das Postauto an unseren Ausgangspunkt Brügg/Bürglen zurück.

Bestimmt ist dies auch für Kinder eine tolle Wanderung. Dort wo der Weg schmaler und steiler wird, würde ich sie ermahnen, nicht zu rennen – oder sie gar an die Hand nehmen. Aber ansonsten ist sie mit gutem Schuhwerk auch für Familien geeignet. Viel Wanderspass!

Wir von da oben – Fortsetzung folgt

Über 10 Jahre lang verfolgte ich die „Auf- und Ab’s“ der Bergbauernfamilie Gisler in unserer Wohnstube vor dem TV, via SRF1. Sie bewirtschaften einen Betrieb auf mehreren Stufen und ziehen dafür ein paarmal im Jahr um. Seltsam – irgendwie fühlt man sich mit Menschen, welche man über eine gewisse Zeit via Fernsehkasten „trifft“ (zwar einseitig) doch recht verbunden.

Das Schächental gehört zu jeder Jahreszeit zu unseren bevorzugten Wandergebieten. Hier Fotos von einer früheren Wanderung Tristel-Urigen.

Und so waren wir am Samstag, 18.6.16 wieder einmal auf dem Schächentaler Höhenweg unterwegs.

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In der Bahn der Eggberge

Dieses Mal wählten wir die Strecke EggbergeRuogig aus.

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Beim Alpenkiosk am Fleschsee liessen wir uns von Bärti kulinarisch verwöhnen. Bald setzte er sich zu uns und wir waren im Gespräch vertieft. Irgendwann wagte ich es, ihn zu fragen, ob wirklich er es sei, jener Bärti, über dessen Familie das SRF1 über Jahre eine Dok gedreht habe? Ja, erwiderte er schmunzelnd – ob wir es denn gesehen hätten? Natürlich.

Und schon erfuhren wir das Neuste von ihm und seiner Familie:

Der älteste Sohn bewirtschaftet immer noch alle Stufen, obwohl er sich dessen im Film nicht so sicher war. Hier ein anderes Beispiel eines Mehrstufenbetriebs, wie es in der Schweiz noch einige gibt.

Es ist immer noch so, dass alle einander unterstützen, gerade beim Wildheuet.

Der Betrieb wird in etwa 3-4 Jahren schuldenfrei sein. Die Eltern haben seinem Sohn und dessen Familie einen modernen Betrieb überlassen.

Es sei ihm einfach gefallen, den Betrieb loszulassen, meinte Bärti. Er lasse die Jungen so „gschirren“ (arbeiten/machen), wie sie es für gut befänden und mische sich nicht ein.

Ein sympathischer Mann, eine eindrückliche Bergbauernfamilie. Zum Glück gibt es Menschen wie sie, welche diese harte Arbeit nicht scheuen. Und weil wir so lange mit ihm plauderten, mussten wir uns dann auf dem Weg zur Ruogigbahn sputen und unten aufs Postauto rennen. Aber es hat sich gelohnt für diese schöne, herzliche, wohltuende Begegnung. 😉 
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