Ich hätte gesagt…. ;-)

Als mich Regi Sager, SRF1 Moderatorin versuchte zu erreichen, war ich an einer Nidwaldner Blitz-Sitzung. Ich konnte sie, als ich zuhause war, wiederum nicht erreichen und füllte ein Mailformular aus, das direkt ins Studio gelangte. Sie antwortete mir:

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Zugrunde lag diesem Austausch die Aufforderung von SFR1, in alten Fotoalben zu stöbern und Foto einzusenden, welche einen Moment zeigen, in dem man so rundum glücklich war.Bildschirmfoto 2017-11-14 um 22.39.27.png Schade, ich hätte Zeit gehabt, um ihr mehr über dieses Foto zu erzählen.

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Ich hätte ihr erzählt, dass mir diese Situation, obwohl rund 50 Jahre her, immer noch sehr präsent ist und es mir grad jetzt, wo ich mich dran erinnere, warm wird im Herzen. Mein Vater verstand es, mir zu zeigen, wie härzig er mich fand. Es wird mir erst jetzt bewusst, dass er mir dadurch den Grundstein legte, für ein gesundes Selbstwertgefühl. Ich weiss noch, wie ich in dem Moment vor der Kamera stand im Selbstverständnis: ich bin hübsch, meine Eltern lieben mich, es ist gut so wie ich bin. Später wurde dieses Selbstwertgefühl stark gedämpft. Ich litt unter dem Spott von Gspänli, weil ich einen sogenannten Vorbiss hatte, d.h. meine Vorder-Zähne standen stark vor. Eine jahrelange Zahnkorrekur erbrachte nicht die gewünschten Erfolge. Erst durch die Liebe Gottes und meines Mannes, geriet das schiefe Selbstbewusstsein wieder ins Lot und ich begann, mich selber erneut zu mögen und meine Gaben zu erkennen. Damals, als Kind, war einfach rundum alles gut. Mit mir und mit der ganzen Welt. Nichts konnte mir passieren, denn mein Zuhause schenkte mir Geborgenheit. Dieses Urvertrauen, welches gelegt wurde, konnte nie ganz zerstört werden.

Wenn die Zeit gereicht hätte, dann hätte ich Regi Sager erzählt, dass ich in meinem späteren Leben noch ganz viele glückliche Momente erlebt habe. Immer wieder so ähnliche, in denen mein Vater mich ablichtete, weil er mich hübsch fand. Aber auch damals, als ich das Handelsschuldiplom in den Händen hielt und während dieser Schulzeit zu einer lebendigen Beziehung zu Gott fand, lösten tiefe Glücksgefühle aus in mir. Die Heirat mit Andy, die Geburten unserer drei Kinder, die vielen gemeinsamen Erlebnisse sind glückliche Erinnerungen, auf die ich alle dankbar zurückblicke.

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Dies alles hätte ich erzählt – aber leider konnten Regi Sager und ich uns gegenseitig nicht erreichen……. 😉

 

 

 

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LIEBSTER BLOG AWARD

Schön, dass Zora mich für den Liebster Blog Award vorgeschlagen hat. Danke für die Nominierung!

Hier meine Antworten auf Zoras Fragen:

1. Warum hast du angefangen, diesen Blog zu schreiben?

Nachdem ich auf Facebook hie und da längere Texte oder Fotos postete, wurde ich ermutigt, doch alles mal zu „verbloggen“. Diese Ermutigungen stammten hauptsächlich von Zora und Karin Mayerhofer Dobler. Lange Zeit sträubte ich mich gegen diese Idee und dachte: „Ach, wer wird schon Interesse an meinem Blog haben?“ Irgendwann hatte ich genügend Schreibmaterial zusammen und startete, einfach nur für mich selber. Egal, ob es andere lesen würden… Heute ist es mir nicht immer egal, ob ich nur für mich selber schreibe. Es wäre schön, es würden ein paar mehr mitlesen.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?

Ausflüge, Reisen, Wanderungen, Ferien mit der Familie, aussergewöhnliche Erlebnisse. Es kann aber auch vorkommen, dass mich was beschäftigt, das in der weltweiten Welt grad so abgeht, sei es politisch, religiös, weltanschaulich. Dann zwickt es mich in den Fingern, meine Meinung zu verbloggen.

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3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?

Ich lebe zu einem Teil vom Schreiben. Aber nicht vom Blog. Das heisst, wir sind als Familie auf mein Einkommen angewiesen, welches ich als Freelancerin beim SCM Bundes-Verlag und dem Nidwaldner Blitz verdiene. Wir sind vor 1.5 Jahren umgezogen und ich habe die Stellen als Hundesitterin und Hauwarting dabei verloren. Die neue Miete beträgt aber Fr. 500.– mehr als vorher. Der Lohn, den ich bei beiden Stellen verdiene plus mein Engagement als Testkundin und als Kindergottesdienstmitarbeiterin der Reformierten Kirche decken in etwa diese Lücke.

Klar wäre es schön, auch mit dem Blogschreiben etwas zu verdienen. Ich könnte mir vorstellen, für die SBB oder andere Unternehmen gegen Bezahlung von unseren Reisen zu erzählen. Ich habe bei den zuständigen Stellen schon ein paarmal angeklopft deswegen. Wer weiss, vielleicht klappt es irgendwann? 😉

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?

Ich erlebe viele perfekte Tage. 😉 Ich bin zufrieden und glücklich, wenn meine Liebsten einschliesslich Katze Minouch und ich gesund sind, wenn ich das tun kann, was ich am liebsten mache: schreiben. Wenn meine Schreibergüsse dazu noch beachtet werden, ist mein Tag perfekt. Sahnehäubchen sind sonniges, warmes Wetter, eine tolle Unternehmung mit der Familie und interessante Fotosujets.

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5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?

Meine Eltern. Sie haben mir viel an Werten mitgegeben. Später Predigten und das Leben in diversen Freikirchen. Sowohl im Positiven wie leider auch im Negativen. Auch das Leben mit eigenen Kindern hat mich geprägt. Ich lernte viel durch sie und mit ihnen zusammen. Vor allem lernte ich mich selber durch meine Kinder von einer anderen Seite her kennen.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?

Ich denke viel und gern an gemeinsame Wanderferien in der Schweiz zurück. Mit meinen Eltern war ich nie im Ausland, lernte aber wohl jeden Ecken im eigenen Land kennen. Ich bedauerte zwar, dass meine 8 und 10 Jahre älteren Geschwister meistens nicht mit uns in die Ferien fuhren, hatte aber viel Spass mit meinen Eltern zusammen. An den Abenden lachten wir beim Spielen zusammen, bis uns die Bauchmuskeln schmerzten und die Augen tränten. Nie erlebte ich meine Eltern glücklicher als an solchen Ferienabenden.

7. Dürrenmatt oder Frisch?

Weder noch. Ich musste Werke von beiden in der Töchterhandelsschule Luzern lesen, konnte mich aber persönlich nie erwärmen – weder von der einen noch der anderen Literatur.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?

Ich mag die Schweiz und das Leben hier. Die abwechslungsreiche Landschaft und die ruhige, politische Lage, welche mir Sicherheit vermittelt.

Als wir als Familie in Australien waren, sagte ich an der Ostküste: „Falls Auswandern einmal ein Thema wäre, könnte ich mir ein Leben hier vorstellen.“ Dies, weil im Atherton Tableland sowohl Berge, Seen wie in der Schweiz vorkommen, aber auch Regenwald, Städte und das Meer. An ein und demselben Tag könnte man in den Bergen wandern und im Meer baden.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?

Ich würde Tagebuch und Briefe schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Buch zu schreiben, wäre ohne Internetanschluss grösser, als es aktuell ist. Vielfach verbringe ich zu viel Zeit bei Facebook, Twitter, Instagram. Diese fehlt mir dann, um mich fantasievoll der Entwicklung einer Geschichte anzunehmen. Ich habe im Rahmen des Novemberschreibens einen Roman verfasst mit dem Titel „Die Liebe ist rot“, der aber leider keinen Verlag fand. Zudem ein Kinderbüchlein. Ein weiterer Roman liegt irgendwo unvollendet auf einer externen Speicherplatte.

Ich würde mich wahrscheinlich zudem vermehrt dem Fotografieren widmen und Kurse belegen.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?

Ich bin ein naiver Typ. Wurde mir schon oft gesagt. Ich gehe immer davon aus, dass es mein Gegenüber gut mit mir meint. Ausschliesslich gut. Und falle dann halt vielfach auf die Nase. Dennoch möchte ich mir diese Art der Naivität nicht nehmen lassen, denn ich würde mir gleichzeitig viele schöne Erlebnisse mit völlig Unbekannten nehmen lassen.

Von meinem Glauben und persönlichen Lebenserfahrungen her weiss ich, dass jeder Mensch zum Egoismus tendiert. Doch weil ich mich selber mit Schwachheiten erlebe, bin ich grundsätzlich gnädig mit meinen Mitmenschen. Ich kann mich zwar schnell aufregen, teile dann das auch mit, vergebe und vergesse aber genauso schnell wieder.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte? 

Probieren geht über studieren!

Ich habe mir kein Konzept erstellt, über was ich bloggen möchte, sondern einfach begonnen, von meinem Leben zu erzählen. Von dem, was ich tue und denke. Die Handhabung via WordPress war zu Beginn eine grosse Herausforderung. Ich habe einfach ausprobiert, nichts darüber gelesen, mich durchgeklickt – und es hat funktioniert. Ich mag es nicht, wenn ich für etwas, das ich tun möchte, zuerst Bedienungsanleitungen und Bücher studieren und wenn möglich noch Seminare besuchen muss. Wenn ich etwas tun möchte, dann muss es subito geschehen können. Nicht nur in dieser Beziehung bin ich ein ungeduldiger Mensch. 😉 Fang einfach an. Tu den ersten Schritt. Und bei konkreten Fragen bin ich für dich da.

Die Regeln, wenn ihr nominiert wurdet:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.

2. Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite. (Ich sah keines bei meiner Vorgängerin und habe deshalb auch keines verwendet. Könnt diesen Punkt also streichen.)

3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite.

4. Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf eurem Blog.

5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.

7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt.

Meine 11 Fragen an euch (die ihr gerne mittels Worten oder auch Bildern beantworten dürft)

  1. Wo siehst du den Vorteil eines Blogs gegenüber von Facebook oder anderen Social Medien?
  2. Würdest du deinen Blog auch dann weiter führen, sollte kein einziger Mensch ihn lesen?
  3. Was würdest du bei Gmerkigs gern lesen?
  4. Verdienst du mit deinem Blog Geld? Falls nein – wäre das dein Wunsch, strebst du es an? Falls ja: wie hast du das zustande gekriegt?
  5. Wann hast du mit deinem Blog gestartet? Gab es dafür einen bestimmten Grund?
  6. Gibt es etwas, das deinen Blog speziell macht, ihn abhebt von anderen mit ähnlichen Themen?
  7. Könntest du dir vorstellen, auszuwandern? Falls ja: wohin und weshalb dort hin? Falls nein: warum nicht?
  8. Liest du regelmässig andere Blogs, hie und da oder gar nicht?
  9. Bist du mit deinem Leben zufrieden? Oder was fehlt dir zum Glücklichsein?
  10. Wie häufig veröffentlichst du einen neuen Blogbeitrag?
  11. Welche Rolle spielt Gott in deinem Leben?

Hier die Blogger, die ich nominiere:

Karsten Socher, ein Fotograf, den ich über das Projekt der 99 ig Fotografen persönlich kennen gelernt habe. Heike und er haben uns schon ein paarmal besucht. Das Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr entwickelt sich schon fast zu einer lieben Tradition. 😉

Am Twittertreffen mit SBB CEO Andreas Meyer, lernte ich Andreas Schweizer kennen. Er ist einer der SBB-Servicescouts und ich lese hauptsächlich sehr gerne über Twitter, was er alles zu erzählen hat.

Markus Schmid ist mein treuster Leser. Sei es auf Facebook, Twitter oder über diesen Blog. Er beachtet mich, kommentiert, interessiert sich. Dafür möchte ich dir, Markus einmal danke sagen.

Johannes Mairhofer war der Initiant der 99Fotografen. Ich habe dort mit Begeisterung mitgemacht und bin ihm dankbar für dieses Projekt. Denn erstens lernte ich enorm viel über die Fotografie und zweitens erweiterte sich mein Bekanntenkreis um einige interessante Persönlichkeiten.

Benno hat mich ermutigt, die alten Kameras, welche beim Zügeln zum Vorschein kamen, auszuprobieren. Es wäre schön, Benno, wenn du obige 11 Fragen beantworten und bei dieser Blogparade mitmachen würdest.

Andrea Jerger hat das SBB SOME organisiert, ist wie Andreas Schweizer, SBB Sevicescout und ich bin ihr sehr dankbar für das unvergessliche SBB Twittertreffen.

Auch Martin Rechsteiner lernte ich am SBB SOME kennen. Ich lese gerne mit, wenn er über seine Ausflüge mit der Familie berichtet. Vielleicht magst du zur Abwechslung obige 11 Fragen verbloggen?

Gaby Rudolf – ist dein Blog noch aktiv?

Gaby, Benno und Johannes Mairhofer lassen sich entschuldigen – keine Lust oder Zeit, hier mit zu machen. Vielleicht magst du, Sven? Bist der Erste und bisher Einzige Liker hier. 😉

Spielplatzerinnerungen

Der Kulturplatz auf SRF1 zum Thema „Es lebe der Spielplatz“, weckte in mir Erinnerungen nach „meinem“ Spielplatz.

Ich (Jahrgang 1963) wuchs in Emmenbrücke in einem Hochhaus auf. Aufgrund der hohen Ausländerdichte, nennt man Emmenbrücke heute „Emmenbronx“. In meiner Kindheit kannte ich höchstens ein paar Italiener. Diese beneidete ich nicht, da sie sowohl von Lehrern wie von Mitschülern oft geplagt und „Tschinggen“ genannt wurden. Sie mussten zudem nach der Schule in eine eigene „Doposcuola“ gehen. Doch das wäre ein eigenes Kapitel…

Unser Spielplatz lag zwischen zwei Hochhäusern. Unter dem Spielplatz befand sich die Tiefgarage der beiden Häuser. Es war eine Riesenfläche (142 Meter Länge, sagt mir Google Maps, bis zur Meierhöflistrasse) und wie ich darauf sehe, hat sich da nicht gross was verändert.

Auf dem Spielplatz befanden sich für jedes der Hochhäuser je zwei Ritiseili, Sandkästen, Röhren, Klettergerüste, „Gigampfi“ und eine asphaltierte Fläche, auf der man gut Rollschuhfahren oder im Winter auf der Eisfläche schlittern konnte (Schlittschuhe besass kaum jemand). Und jede Menge Rasenfläche, welche man tatsächlich betreten durfte, Büsche, Bäume, Hügelchen, kleine Wege, auf denen man Rollschuhfahren, „Trottinettlen“ oder „Velölen“ konnte und ein paar rote Bänkchen, auf denen die Mütter oft sassen, miteinander plauderten und lismeten (strickten). Brauchte eines von uns Kindern Trost, musste es nur zu den Bänkli rennen und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller Mütter. Ansonsten aber mischten sie sich nicht in unsere Spiele ein und im Grunde genommen, war es für uns Kinder nur in wirklichen Notfällen so, dass man bei der Mutter Zuflucht suchte, ansonsten galt man entweder als „Rätschibäse“ (wenn man andere verklagte) oder als „Heultante“.

Ich weiss nicht, wieviele Kinder wir tatsächlich waren, welche in den zwei Hochhäusern wohnten, aber in meiner Erinnerung waren wir so um die 30ig. Schön war es für mich vor allem auch dann, wenn wir altersdurchmischt spielten, also selbst die 5 Jahre älteren Kinder sich mit uns Kleinen abgaben. Es war so wohltuend, wenn ein älteres Mädchen mich härzig fand, mich an die Hand nahm, um mit mir vor den Fängern wegzurennen und mir die Spielregeln erklärte. In diesen leider eher seltenen Momenten, spielte dann sogar auch meine Schwester (8 Jahre älter als ich) mit mir in der Gruppe. Mein Bruder war für solche Spiele schon zu alt.

An den Spielgeräten übten wir „Zirkuskunststücke“ ein und führten sie einander vor.

Im Winter wurden die Ritiseili jeweils versorgt und wir vermissten sie. Dafür konnten wir auf dem kleinen Hügel schlitteln, erste Versuche auf den Holzskien wagen und Iglus oder Schneemänner bauen. Wir erfanden Schneespiele, zum Beispiel trampelten wir einen Irrgarten in den Schnee. Wenn der Hausabwart die Ritiseili wieder hinhängte, gab es keinen Zweifel mehr: der Frühling hatte begonnen! Das bedeutete viel, nämlich, dass die Mutter auch einsehen musste, dass es nun „Kniesockenzeit“ war. („Chnüsi“ auf Schweizerdeutsch) Den ganzen Winter über mussten warme Strumpfhosen, auch unter den Hosen getragen werden. Aber wenn die Ritiseili hingen, konnte es sein, dass die Mutter dem Wunsch nach einem Röcklitragen und Kniestrümpfen nachgab. Ein wichtiger Gradmesser dafür war allerdings noch, ob auf dem „Kniesockenberg“, den wir von zuhause aus sahen, noch Schnee lag oder nicht.

Vielfach spielten wir Kinder alle zusammen – und wenn für ein Spiel zuwenig Kinder vorhanden waren, läuteten wir einander heraus. Wir spielten nebst selber erfunden Spielen, die altbekannten wie Versteckis und „normalem“ Fangis, aber auch „Pfiilversteckis“, „Tierverkäuferlis“, spielten „Seiligumpi“, Gummitwist, „Himmel und Hölle“, „Räuber und Poli“ oder „Völkeren“. Ob heutzutage noch alle Kinder diese Spiele kennen?

Wenn ich Glück hatte, durfte ich nach dem Abendessen sogar nochmals rausgehen, bekam dann aber eine kleine Uhr mit an den Hosenbund, welche alle so chick fanden. Meine Mutter konnte sie aufziehen – eine halbe Stunde oder eine Stunde… und wenn es an meinem Hosenbund läutete, wussten alle Kinder: die Regi muss raufgehen, da gibt es kein Pardon. 😦 Es nützte nichts, den Eltern zu klagen: „Die anderen dürfen länger bleiben“. „Wir sind nicht die anderen!“, hiess es dann bloss.

Schlimm war, wenn ich mit den Hausaufgaben nicht vorwärts rückte und meine Spielkameraden draussen kreischen und lachen hörte. Es half nichts: zuerst mussten die Aufgaben erledigt werden. Nur einmal machte meine Mutter eine Ausnahme und liess meinen Kopf verlüften, weil ich mit den cheiben Bruchrechnungen meine grösste Mühe hatte. Ich bekam die oben erwähnte Uhr an die Hosen gehängt und somit eine Verschnaufpause, bevor ich mich dann wieder an die Aufgaben machen musste.

Wenn ein Kind mit einem anderen Streit hatte, konnte dies soweit führen, dass wir alle nicht mehr miteinander spielten, sondern es zwei Cliquen gab: die vom vorderen und die vom hinteren Hochhaus. Wehe dem, der während einer solchen Zeit ein Spielgerät eines anderen Hauses benutzte! Dann konnte es vorkommen, dass ich als Mädchen von grösseren Knaben abgeschlagen wurde. So hat in meinem Fotoalbum mein Vater festgehalten, dass ich mal mit der Frage zu ihm kam: „Papi, was ist ein Gingg?“ Er wusste es nicht, aber ich fand es leider dann heraus, was schmerzhaft war, denn es hiess, ans Schienbein gekickt zu werden. Doch als ich herausfand, dass ich mit meinem grossen Bruder, er ist 10 Jahre älter als ich, angeben und gar drohen konnte, hörten Belästigungen tatsächlich auf.

Im Sommer hängten wir oft Tücher am Stacheldraht ein und zügelten viele Haushaltgegenstände und Lesesachen nach draussen, um dort zu „Müeterlen“. (Mutter- und Kind spielen.) Ein grosser Hit war unser Zelt, in dem ich mal alleine auf dem Spielplatz übernachten durfte. Aber es war eine unruhige Nacht. Es kam mir sehr abenteuerlich vor.

Nicht immer tummelten sich Kinder auf dem Spielplatz. Gerade an den Wochenenden, war er oft leer, denn es war in Mode, dann jeweils mit der ganzen Familie per Auto eine Fahrt ins Blaue zu unternehmen. So konnte man die heile Familie und das hippe Auto miteinander der grossen Öffentlichkeit vorführen. Wir hatten kein Auto und ich erinnere mich, dass es mir oft langweilig war auf dem Spielplatz. Dann kurvte ich allein mit dem Velo auf dem Hartplatz vor dem Haus herum und stellte mir dabei vor, ich würde mit meinem Pferd einen Hindernisparcour absolvieren, hüpfte alleine auf dem „Himmel- und Höllespiel“ und wenn ich Glück hatte, konnte ich meinen Vater überreden, mit mir Federball oder Boccia zu spielen. Meine Mutter beteiligte sich nie an solchen Spielen.

Manchmal durfte ich „Pan Tau“ oder „Pippi Langstrumpf“ im Fernsehen schauen, aber dann hiess es nach einer Sendung: „So und jetzt gehe noch etwas draussen spielen bei dem schönen Wetter.“ Wenn dann niemand draussen war und auch das Läuten an den Türen nichts brachte, hüpfte ich alleine draussen rum und spielte die geschauten Sendungen nach. Lautstark sang ich dann: „Hei Pippi Langstrumpf, tralli trallala, trallahopsassa. Hei Pippi Langstrumpf, die macht was ihr gefällt“.

Ich erinnere mich nicht, dass jemals Erwachsene reklamiert hätten, wir seien zu laut oder dürften was nicht tun. Selbst vor dem Hausabwart hatten wir keine Angst. Respekt schon, denn wenn er am Rasenmähen war, wusste jedes Kind, dass man ihn nicht stören durfte und einen Moment lang nicht auf den frisch gemähten Rasen stehen sollte. Aber manchmal, im Hochsommer kam es sogar vor, dass er den Rasensprenkler laufen liess und nichts dagegen hatte, wenn wir uns in den Badekleidern kreischend im herumwirbelnden Wasserstrahl vergnügten.

Vor etwa 20 Jahren war ich mal mit meinen Kindern zusammen auf diesem Spielplatz. Ich wollte ihnen den Zauber meiner Kindheit näher bringen. Aber der Spielplatz lag traurig und einsam da. Ob das daran lag, dass Wochenende war 😉 oder wird er gar nicht mehr so oft benutzt, wie zu unserer Zeit? Es wäre schade.