Familienmanagerin – ein vielseitiger Beruf

– Teil 1

Wie lautet die korrekte Bezeichnung einer Mutter, welche sich Vollzeit um die Kinder kümmert? Das althergebrachte «Hausfrau» beschreibt leider die mannigfaltigen Aufgaben einer Mutter zu wenig. Zudem kümmern sich auch Berufsleute zuhause um ihren Haushalt. Ist «Vollzeitmama» treffender? Was ist dann aber eine Mutter, welche auswärts arbeitet? Sie ist doch genauso vollzeitlich Mama. Vielleicht deckt die Bezeichnung «Familienmanagerin» beide Mütter-Modelle ab?

Einen Haushalt zu führen und sich um Kinder zu kümmern, fordert tatsächlich Managerqualitäten. Denn es muss organisiert, gecoacht, getröstet und aufs Familienbudget geschaut werden. Diese Aufgabenstellungen treffen auf alle Mütter zu, egal ob sie ausser Haus arbeiten oder nicht. Zwei Mütter erzählen von ihren verschiedenen Modellen. In diesem 1. Teil ist es eine Mutter, welche sich Vollzeit um Haushalt und Kinder kümmert.

Monica Stäheli, verheiratet, Mutter von 4 Kindern

Ihr Tag beginnt sehr früh, nämlich bereits um ca. 5:30 Uhr. Er ist ausgefüllt mit Betreuungsaufgaben rund um die 4 Kinder und Hausarbeiten. Dazu kommen zwei ehrenamtliche Engagements in der Kirche «Christlicher Treffpunkt» und in Leben von Flüchtlingen, welche in ihrem Umfeld leben. Ihre Motivation zu diesen unbezahlten Tätigkeiten, findet sie in der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. In Kanada hat sie Pflegefachfrau gelernt. Unregelmässige Arbeitszeiten im Pflegeberuf und die Betreuung ihres ersten Nachwuchses unter einen Hut zu bringen, wurden zunehmend zur Belastung. Vollzeit zuhause sein zu dürfen, brachte viel Entlastung, Freude und Gelassenheit in den neuen Alltag als junge Familie. Monica Stäheli verrät, dass sie gerne eines Tages wieder in den Pflegeberuf einsteigen möchte. Allerdings müsste ihr zukünftiger Arbeitsplatz für sie zeitlich genug Raum lassen, so dass sie ihre Ehe, das Familienleben, Engagements im «Christlichen Treffpunkt» und auch ihre Freundschaften pflegen könnte. Auf die Frage, wie Menschen auf ihr «Vollzeitmuttersein» reagieren würden, antwortet sie: «Grundsätzlich positiv. Manchmal werde ich aber schon gefragt, ob ich nichts arbeite.»

Wenig Anerkennung in der Gesellschaft

Eine Frau, welche ihren geliebten Beruf zugunsten der Familie aufgab, verzichtet auf sehr viel: auf einen Lohn, auf Karrierechancen und gesellschaftliche Anerkennung. «Was sind Sie beruflich?» Eine Frau, welche auf diese Frage mit «Hausfrau» oder «Familienmanagerin» antwortet, erntet heutzutage oft ein müdes Lächeln und das Interesse an ihrer Person sinkt. Dabei erwerben solche Frauen sehr viel Sozialkompetenz und lernen, Flexibilität in ihrer Organisation an den Tag zu legen. Sie haben deshalb Wertschätzung verdient.

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Teil 2

Sich «Hausfrau» zu nennen, ist bei heutigen Frauen unpopulär. Der Bezeichnung haftet etwas Altmodisches an. Sie erinnert an die die drei K: Kinder, Küche, Kirche, welche ab 1960 zu einer Redewendung im deutschen Sprachraum wurde.  Mütter sollten sich um die Kindererziehung, die Hausarbeit und die Vermittlung und Einhaltung von Prinzipien, wie sie die Kirche lehrte, kümmern.

Frauen wollen heute Anerkennung im Beruf und finanzielle Unabhängigkeit erleben. Sie haben studiert oder einen interessanten Beruf erlernt und möchten diesen nur kurzfristig aufgeben, wenn sie Mütter werden. Der Trend zeigt, dass sich die meisten Frauen nach einer Geburt, maximal ein Jahr lang eine berufliche Auszeit nehmen. In vielen Familien ist ein zweites Einkommen zwingend nötig und wer länger als drei Jahre weg vom Beruf ist, hat Mühe, den Anschluss wieder zu finden. Im Beruf erfolgreich zu sein und gleichzeitig zu schauen, dass es der ganzen Familie gut geht, ist eine grosse Herausforderung. Klar sind hier auch die Männer gefordert, Unterstützung zu leisten. Doch traurige Realität ist, dass Männer oft immer noch die besser Verdienenden sind und eine Familie es sich eher leisten kann, auf das Einkommen der Frau, als das des Mannes zu verzichten.

Individuelle Lösungen

Ob und wie schnell eine Mutter nach einer Geburt wieder ins Berufsleben einsteigen soll, muss jede Familie für sich bestimmen. Wir haben in einem 1. Teil eine Frau porträtiert, welche sich entschieden hat, voll zuhause für ihre Kinder und für Freunde da zu sein. Dafür hat sie auch Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Im heutigen Teil kommt eine berufstätige Mutter zu Wort.

Franziska Preisig, verheiratet, Mutter von 6 Kindern

Die gelernte Reisefachfrau ist seit 21 Jahren Geschäftsführerin von Preisig-Reisen und sagt, sie arbeite zwischen 60 – 150% (sehr viel im Homeoffice). Die Mutter von 6 Kindern meint: «Ich hätte wahrscheinlich nicht so viele Kinder, wenn ich Vollzeitmutter wäre. Die Arbeit ist mein Ausgleich.» Die Kinderbetreuung regelten sie anfänglich, indem ihr Mann Teilzeit arbeitete. Später hatten sie entweder eine Tagesmutter oder ein Au-Pair Mädchen und nun kann ihre pensionierte Mutter Unterstützung in der Kinderbetreuung leisten. Weil das Reisebüro ihr gehört, war es ihr möglich, hie und da ein Kind an den Arbeitsplatz mit zu nehmen. Und sie war stets in der privilegierten Lage, selber das Arbeitspensum zu bestimmen. Heute beschäftigt sie 3 Angestellte und kann zur Not auch mal fehlen. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Kinder durch ihre Arbeitstätigkeit im Reisebüro sehr selbständig wurden. Über all die Jahre beschäftigte sie selber Mütter und gab ihnen die Möglichkeit, mit wenig Prozentanteilen zu arbeiten. Sie ergänzt: «Wir sind ein sehr flexibles, gutes Team und wenn jemand mit der Familie ein Problem hat, springen wir füreinander ein.»

Anerkennung und Respekt haben alle Mütter verdient

Egal, ob eine Mutter voll zuhause bei den Kindern oder ergänzend auswärts tätig ist: Mutter zu sein gehört auch im 21. Jahrhundert noch zu den herausforderndsten Lebensaufgaben. Deshalb haben es alle Mütter verdient, am Muttertag geehrt zu werden.

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Diese zwei Teile zum Thema Familienmanagerin, erschienen am 3. und 11. Mai 18 im Nidwaldner Blitz.

 

 

 

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«Summ, summ, summ, Bienchen summ’ herum»

Das Kinderlied von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, ist bereits 183 Jahre alt. Der Text beschreibt, wie das fleissige Bienchen Honig sammelt, damit die Menschen ihn für die Produktion von «Pfeffernüss’ und Honigkuchen» verwenden können. Wir verdanken den Bienen aber weit mehr.

Ineke Wyrsch, eine Buochser Hobby-Imkerin nimmt uns mit in die komplexe Welt der Bienen und gibt uns einen Einblick in das vielfältige, wertvolle Imkerhandwerk.

Fleissig wie die Bienen: die Imker

Der Begriff «Imker» ist eine Zusammensetzung aus dem niederdeutschen «Imme» für Biene und dem mittelniederdeutschen «Kar» für «Korb, Gefäss». Der Imker sorgt mittels Kasten und Zubehören für die Vermehrung von Honigbienen. Im Gegenzug kann er Honig und andere Bienenprodukte ernten. Es gibt keine Vorschrift, dass ein Imker eine spezielle Ausbildung absolvieren muss. Aber die meisten Neu-Imker absolvieren einen Grundkurs. Ineke Wyrsch hat einen Kurs über zwei Jahre besucht. Wer mag, kann sich in 3 Jahren zum Imker mit Eidgenössischem Fachausweis weiterbilden.

Ein Imker ist praktisch das ganze Jahr hindurch mit seinen Bienen beschäftigt: Ende Februar bis anfangs März erfolgt die 1. Kontrolle der Bienenvölker. Wie ist der Zustand der Fluglöcher? Sind die Bienen vital? Den männlichen Bienen, Drohnen genannt, muss ein Rahmen gegeben werden, damit sie sich vermehren können. Denn anders als die Weibchen, überwintern die Drohnen nicht. Ab ungefähr Mitte April hängt der Imker sogenannte Honigräume in die Bienenkästen. Dort hinein können die Bienen den gesammelten Honig deponieren. In den Monaten April/Mai schwärmen die Bienen gern aus. Dieser Schwarmtrieb, dient den Bienen zur Bildung einer neuen Kolonie. Der Imker ist herausgefordert, einen solchen Schwarm einzufangen. Ende Juni, bei schlechtem Wetter Ende Juli, kann Honig geerntet werden. Nach der Ernte, füttert der Imker seine Bienen mit Zucker, um sie gut auf den Winter vorzubereiten und behandelt sie gegen Krankheiten. Ab dem November ziehen sich die Bienen in die Wintertraube (Winterkugel) zurück. Sie sitzen um die Königin und geben ihr warm. «Während die fleissigen Bienchen ruhen, geht für uns die Arbeit auch im Winter weiter», meint Ineke Wyrsch. «Ich nutze die Wintermonate, um Gerätschaften zu reinigen und reparieren, schmelze Waben ein und lasse damit neue Mittelwände giessen. Zudem vermarkte ich Honig und befreie Fluglöcher von Eis und toten Bienen.»

Unterschied Bienen und Wespen

Bienen und Wespen sehen für den Laien ähnlich aus. Wespen sammeln keinen Honig. Sie ernähren sich im Gegensatz zu den Bienen nicht von Blumenzucker, sondern von Eiweiss und Fleisch. Sie sind keine Blüten-Bestäuber und überwintern nicht. Ameisen und Bienen sind die einzigen Insekten, welche als Volk überwintern. Stiche hingegen, schmerzen sowohl von Wespen wie Bienen. Zur Linderung legt man entweder eine halbierte Zwiebel auf die schmerzende Stelle, streut Backpulver darauf oder verwendet eine Fenistil-Salbe. Bienen sterben, anders als Wespen, nach einem Stich bei einem Menschen. «Weil der Bienen-Stachel in der menschlichen Haut noch weiter Gift absondert, sollte er sofort entfernt werden», rät Ineke Wyrsch.

Bienensterben

Im Jahr 2012 erregte der Dokumentarfilm «More than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof Aufsehen. Er hatte das weltweite Bienensterben von Kalifornien bis China zum Thema und zeigte auf, dass ohne Bestäubung durch die Bienen mehr als ein Drittel unserer Nahrungsmittel nicht befruchtet würden. In Europa fand der Rückgang der Bienenvölker bis 1990 langsam und ab dann deutlich steiler statt. 1970 wurden in der Statistik europaweit 21 Millionen Honigbienenvölker ausgewiesen. Im Jahr 2007 waren es noch 15.5 Millionen. Ineke Wyrsch sieht ein Grund im Einsatz von Pestiziden. Sie sagt: «Die Schweiz hat zwar auch Verbote für Insektizide, aber weniger restriktive als diejenigen der EU Länder. Der Mais-Samen zum Beispiel, wird in der Schweiz gebeizt. Der morgendliche Tau, von dem die Bienen saugen, ist nicht frei von diesem Gift. Eine Auswirkung davon ist, dass die Bienen den Heimweg nicht mehr finden.» Elektrosmog und eine mangelnde Pflanzenvielfalt in unseren Gärten und Parks, sind weitere mögliche Gründe für den Rückgang der Bienen. Gegen die Varroa Milbe, welche für ungefähr 5 verschiedene Bienen-Krankheiten verantwortlich ist, gibt es Massnahmen, welche zur Dämmung eingesetzt werden können. «Ich bin froh um meine Mitgliedschaft beim Imkerverein, gerade für solche Anliegen», meint Ineke Wyrsch. Die Mitglieder profitieren vom Erfahrungsaustausch mit anderen Imkern, erhalten Hilfsmaterial und dürfen über das Veterinäramt Medikamente für ihre Bienen beziehen.

Vielfältige Bienen-Produkte

Der Honig ist wohl das bekannteste Produkt, das wir von den Bienen geniessen dürfen. Er wird gewonnen, indem der Imker dem Bienenstock die «verdeckelten» Honigwaben entnimmt und sie in eine Zentrifuge legt. Diese schleudert den Honig aus den Waben. Honig ist ein Rohprodukt und sollte Kindern unter einem Jahr nicht abgegeben werden. Mit Inhaltsstoffen wie Enzymen, Vitaminen, Mineralstoffen und antibakteriellen Stoffen, ist er ein sehr wertvolles Nahrungsmittel. Für 1 kg Honig sind rund 100’000 Bienen-Ausflüge auf 150 Millionen Blüten notwendig! Doch Honig ist längst nicht das einzig Wertvolle, das uns die Bienen schenken. Bienenwachs wird zu Kerzen verarbeitet und duftet fein. Sogar Kosmetika enthält teilweise Bienenwachs. Wer Pollen einnimmt, stärkt sein Immunsystem. Sie sollen auch gegen Heuschnupfen helfen. Gelée royale ist ein Futtersaft, mit dem Königinnen gefüttert werden. Ihm wird nachgesagt, dass seine Einnahme beim Menschen verjüngend wirke. Propolis ist ein Bienen-Kittharz. Bienen mumifizieren damit unter anderem ihre Feinde. Dem Menschen dient es zur Wundheilung. Vor einer Selbstmedikation wird hingegen gewarnt, denn es kann zu einer allergischen Reaktion führen. Sogar das Gift der Bienen wird bei Menschen heilungsfördernd eingesetzt. Es wird bei entzündlichen Gelenkerkrankungen verwendet.

Tragen wir Sorge zur Natur

80 Prozent unserer Blütenpflanzen werden von Honigbienen bestäubt. Ohne die Bienen gibt’s keine Früchte und auch weniger Gemüse. Eine Wildblumenwiese, einheimische Sträucher und das Vermeiden des Einsatzes von Insektiziden, hilft den fleissigen Bienenvölkern, ihrer Arbeit gesund nach zu kommen.

Regula Aeppli-Fankhauser


Der Beitrag erschien in der Nidwaldner Blitz Ausgabe vom 2. Mai 2018

Bienenzüchterverein Nidwalden:

www.bienen-nw.ch/

Portal der Imkerei Schweiz:

www.bienen.ch