Der schaurig-schöne, mystische Klang der Hornbläser Beckenried am Samichlaiseinzug

Diese Zeilen habe ich für den Nidwaldner Blitz verfasst und sie erscheinen heute, 30.11.17 in der Printausgabe, in leicht angepasster Form.

Manche Beckenrieder, sagen, dass der „Samichlais-Iizug“ der höchste Feiertag im Dorf sei. Jung und Alt sind auf dem Samichlais-Märcht anzutreffen, wenn nicht grad der Samichlais zuhause auf Besuch ist. In Beckenried besucht er jede Familie. Man muss sich nicht anmelden dafür.

Abends trifft sich das ganze Dorf, als Teilnehmer oder Zuschauer beim Einzug des Heiligen St. Nikolaus ins Dorf. Nicht wegzudenken sind dabei die Beckenrieder Hornbläser.

Hier, in einem meiner Videos ab Minute 2.19 zu hören. Ich habe es 2008 gedreht und es ist leider nicht in der heute üblichen Qualität:

Seit 1978 lassen die Hornbläser jedem Menschen am Strassenrand mit ihren archaischen, langgezogenen Klängen einen Schauer den Rücken hinunter rieseln und auf den Armen bildet sich Hühnerhaut.

Horn- oder Helmibläser?

Im 15. Jahrhundert wurde die Vorhut eines eidgenössischen Heeres „Harster“ genannt. Diese spielten ein Kriegshorn aus Tierhörnern, das „Harschhorn“. Man verwendete sie ebenfalls als Jagd- und Hirtenhorn, denn die rauhen und starken Töne waren dazu besonders geeignet. An der Landsgemeinde Stans eröffneten die Helmibläser jeweils die Versammlung, indem sie in ein solches Horn bliesen. An der letzten Landsgemeinde Stans 1996, hatte Helmibläser Paul Arnold aus Dallenwil diese Ehre. Nicht aus demselben Grund blasen die Beckenrieder am Samichlauseinzug in ihre Tierhörner. Denn früher glaubten die Menschen, dass sich Dämonen, welche in der dunklen Jahreszeit besonders aktiv seien, mit Lärm und Lichter vertreiben liessen. So entstand der Brauch des „Geisslechlepfens“ (Peitschen knallen), „Trichlens“ (Kuhglocken rhythmisch schwingen), des Hornblasens und des „Iffelen“-Tragens (grosse Laternen).

Hörner von Zwittertieren

Früher wurden Zwitter-Rinder bevorzugt für die Hofarbeit eingesetzt und vor Wagen gespannt. Denn sie vereinen die Grossmütigkeit einer Kuh mit der Stärke eines Stiers. Die Hörner dieser Tiere waren besonders lang und stark. Der Hornbläser erzeugt durch das Hineinblasen in ein sogenanntes Zwickhorn einen tiefen Klang. Auch Geissen-Zwitterhörner sind beliebt. Sie klingen heller. Diese Tiere werden heute nicht mehr gezüchtet, sondern als Jungtiere geschlachtet. Deshalb sind Hörner, welche sich für den Samichlauseinzug verwenden lassen, rar geworden. Doch die Hornbläser haben gute Beziehungen zu Familien, die 100-jährige Hörner besitzen und sie für das besondere Brauchtum gern ausleihen. Andere Bläser finden Hörner auf Flohmärkten, fragen Züchter von Hochlandrindern, finden ein Wasserbüffelhorn, oder gar das geschwungene Horn einer Antilope. Jedes Horn erzeugt einen einzigen Ton. Wenn alle miteinander in ihre verschiedenen Hörner blasen, ergibt dies eben diesen schaurig-schönen Ton.

Der Samichlauseinzug ist Hauptprobe, „Aufführung“ und Probe fürs nächste Jahr

Angesprochen darauf, ob denn die mittlerweile 18 Männer und 1 Frau, welche sich zum Verein „Hornbläser Beggeried“ zählen, zum Üben zusammenkommen, meint der Präsident Turi Käslin augenzwinkernd: „Wir üben an jedem Samichlais-Iizug fürs nächste Jahr.“ Das jüngste Mitglied ist um die 30 Jahre alt, die ältesten im Pensionsalter. Letztere schätzen die rückenschonende Möglichkeit der Umzugsteilname, im Gegensatz zum Tragen einer grossen „Trichle“ oder einer schweren “Iffele“.

Ich hoffe am 2. Dezember auf gutes Wetter, viele Teilnehmer und Zuschauer, um dem Samichlais einen würdigen Einzug ins Dorf Beckenried zu bereiten.

Im Jahr 2009 gedreht – leider ebenfalls noch nicht die Qualität, welche heute möglich wäre:

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Gmerk-würdiger Tag

Was für eine gmerk-würdig-e  Zeit, der Donnerstag, 7. Juli und Freitag, 8. Juli 2016.

15 Jahre lang ging ich in der Beckenrieder Schule ein- und aus. Als Mami von Schulkindern. 10 Tage vor der Geburt unseres Jüngsten, zogen wir von Ennetbürgen nach Beckenried um. Unsere beiden Mädchen absolvierten in Ennetbürgen  den Kindergarten und die EK (Einführungsklasse – das Kind absolviert die 1. Klasse innerhalb von 2 Jahren). Im Geburtsjahr von Tobias – 2001 – starteten unsere Mädchen in der 2. und 4. Klasse in Beckenried. Muki-Turnen (Mutter-Kind), Elternabende, Elterngespräche, Schulveranstaltungen gehörten von da an zu unserem normalen Familienalltag. 15 Jahre lang. Und ab heute ist alles anders. Ich wurde zusammen mit dem Jüngsten aus der Schule „entlassen“. Dies ist nicht nur für ihn ein neuer Lebensabschnitt, sondern auch für mich als Mutter, denn wieder einmal gilt es, ein Stück weiter loszulassen. Ich habe heute gehört, wie wehmütig Eltern von Spielgruppenkindern oder Kindergärtnern sind, dass sie nach den Sommerferien ein „Level“ höher steigen. Genauso ging es mir damals auch – und heute erst recht. Es wird einem als Mutter bewusst, wie schnell die Kinder gross werden und man denkt mit Wehmut an gemeinsam Erlebtes zurück, das für immer der Vergangenheit angehört.

Nach den Sommerferien gehts für die Schüler der Abschlussklasse ein „Level up“, wie sie ihr Motto nennen. Tobias gestaltete das T-Shirt für seine Klasse. „Level up“, lehnt sich an das PC Spiel „Mario“ an, bei dem es, nachdem man etliche Herausforderungen erfolgreich gemeistert hat, ein Level höher geht.

Gestern, am Donnerstagmorgen um 3 Uhr fanden sich diese Schüler tatsächlich schon in der Schule ein, um gemeinsam ein paar Streiche für die anderen Schüler vorzubereiten. Was mich erstaunte dabei: alles musste „abgesegnet“ und abgesprochen sein. An der Pinnwand der Schule mussten sie im Vorfeld eine Notiz anbringen, dass empfohlen würde, am Donnerstag Ersatzkleider in die Schule mitzunehmen. Jedes Kind, das in einen Pool gedrückt wurde, musste vorher um Erlaubnis gebeten werden. Nach diesem freiwilligen Bad mussten alle Schulkinder des ORS Schulhauses durch einen Sägemehlteppich laufen und herausfinden, wie sie die Treppen wohl hochsteigen könnten, welche über und über mit Trinkbechern überstellt waren, welche natürlich mit Wasser gefüllt waren. 😉 Irgendwann verbrannten dann die Schüler der Abschlussklasse (AK 16) ihre Hefte und Arbeitsblätter in einem feuerfesten Behälter. Dies musste vorher der Feuerwehr und Polizei angekündigt werden.

Das war eine unruhige Zeit für mich: um 3 Uhr hörte ich, wie Sohnemann aufstand und ab 5 – 8 Uhr vernahmen wir insgesamt 10 Böllerschüsse. Als um 7.30 Uhr die Feuerwehr und die Polizei zu vernehmen waren und zudem eine Art Alarm, wurde es mir doch etwas „gschmuch“ (unheimlich) und ich kontaktierte unseren Sohn per Handy. Umgehend erhielt ich die Entwarnung: alles ok. Der Feuerwehreinsatz hatte nichts mit der Schule zu tun, aber galt leider einer befreundeten Familie, deren Stalldach niederbrannte! Der Alarm war tatsächlich von der Klasse erzeugt (durch eine spezielle Maschine) und musste auch der Polizei vorangekündigt worden.

Gestern Abend waren wir Eltern der AK 16 an einen ganz feierlichen Abschlussabend eingeladen. Die Schüler tischten ein feines, selbstkreiertes Essen auf. Wir Eltern steuerten Desserts bei.

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Es wurde vorgestellt, was jeder Abschluss-Schüler nun vorhat: wie sein nächstes Level aussieht und mit Fotos und in Reimversen wurde Rückschau über die Schulzeit gehalten. Wir konnten alle Abschlussarbeiten durchblättern (unser Sohn thematisierte „Drohnen im Arbeitsbereich“) und die zwei Werkbeiträge – das Bänkli unseres Sohnes und ein Boot (!) bestaunen. Die Schüler schrieben auf Zettel zusammen mit Mutter/Vater persönliche Zukunftswünsche und liessen sie an Ballonen in den Himmel fliegen. Das Fest dauerte bis Mitternacht.

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Dieses Bänkli hat Tobias im Werkunterricht hergestellt.

Heute Freitagmorgen um 6.30 Uhr trafen sich die Burschen bereits wieder zum Tricheln.  (Jetzt gelten sie übrigens beim Samichlauseinzug zu den erwachsenen Männern). Und heute Abend geht für sie das Fest weiter. Sie haben das Jugendlokal für sich gemietet. Ich hoffe, dass dort alles gut geht und muss wieder ein Stück weit loslassen. Denn was wir hörten, hätten vorherige Jahre ortsfremde Jugendliche Ärger bereitet mit mitgebrachtem Alkohol und leichten Drogen. Ich bin froh, wenn unser Junge irgendwann im Verlauf des morgigen Tages dann hoffentlich von einem gelungenen Fest erzählen kann.

Am Freitagvormittag fand im Alten Schützenhaus die offizielle Schulverabschiedung der AK 16 statt, zusammen mit Lehrern, ORS-Schülern der unteren Klassen und interessierten Eltern. Noch einmal hörten wir die Verse von gestern Abend, lachten über ein Lehrerspiel und erlebten mit, wie den Schülern die Zeugnisse feierlich übergeben wurden. Bei dieser Gelegenheit: ich bin ein stolzes Mami von einem Jungen, welcher sehr gut im Stellwerktest abgeschnitten hat!

Heute Mittag erhielt ich Post von einem meiner Arbeitgeber. Ich habe mehrere Teilzeitjobs in Minipensen. An einem Arbeitsort bin ich seit genau 10 Jahren angestellt und ich habe zu diesem Jubiläum eine Urkunde und ein Büchlein erhalten. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Wie schön!

Am Nachmittag nahm ich einen Telefonanruf entgegen. Ich habe mich beim Nidwaldner Blitz auf eine Ausschreibung als „Redaktionelle Mitarbeiterin auf Freelance-Basis“ beworben.

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Im Telefongespräch wurde ich eingeladen, mich nächste Woche vorstellen zu gehen! Ich bin sehr aufgeregt und hoffe, dass ich diese Stelle erhalten werde. Das wäre für mich ein „Level up“. 😉

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So muss ich am heutigen Tag nicht bloss wehmütig zurückschauen und Vergangenem nachtrauern, sondern es wird mir bewusst, dass das Leben dynamisch bleibt. Für mich persönlich, für unsere Familie und auch für euch. 😉 Das Leben ist spannend, herausfordernd – immer wieder gilt es, neue „Level“ zu entdecken. Ich freue mich darauf.


Nachtrag: das Klassenfest im Jugendlokal Lieli verlief, so wie ich gehört habe, gut. Unser Sohn kehrte bereits um 00.30 Uhr heim.