Fake News, die wir glauben: Gott wird mich von allem Übel bewahren

Die Frage «Warum lässt Gott das zu?» – beschäftigt die Menschen seit jeher. Ich persönlich dachte lange Zeit, dass es klar ist, dass Nichtchristen viel Unglück erleiden. Aber Christen? Ich ging davon aus, dass wir seine Lieblinge seien und deshalb lasse er es doch nicht zu, dass einem seiner Kinder etwas geschehe.

Heisst es nicht im Psalm 91:

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Frage: habt ihr euch noch nie an einem Stein gestossen? Ja, was ist denn nun mit der Verheissung, dass wir uns an keinem Stein stossen werden? Und was ist, wenn ein Christ eine tödliche Diagnose erhält? Zweifeln wir dann sofort an, ob er Gott von ganzem Herzen liebt und ihm vertraut? Eine schwierige Frage… Natürlich erzählen wir Menschen, welche Jesus noch nicht kennen, lieber sowas wie der Psalm 91 beschreibt, nämlich dass Gott uns bewahre und schütze vor allem Unheil. Es ist wenig populär, wenn wir ihnen von unseren Sorgen, Ängsten, tiefen Zweifeln und nicht geheilten Krankheitsgeschichten zu berichten. Darüber lässt sich nicht sosehr schwärmen, wie darüber, dass ein Leben als Christ Freude, Frieden, Erfüllung bringt und wir uns stets geborgen und beschützt vor allem Unglück wissen dürfen.  Wir «predigen» lieber uns selber und unseren Mitmenschen, dass Gott bewahrt und geheilt hat. Dass wir solches erleben, ist ja wirklich toll und ich freue mich über jede solche God Story. Nur könnte man daraus schliessen, dass unser allmächtiger Leibwächter uns stets davor bewahren würde, eine schlimme Krankheit zu bekommen, schlaflose Nächte zu erleben, unsere Arbeitsstelle zu verlieren, liebe Mitmenschen durch tragische Todesfälle zu verlieren oder peinliche Missgeschicke zu erleben und dadurch blöd dazustehen.

Ich lege eine Auslegung von Jens Kaldewey zu diesem Psalm auf, die ihr gerne ausleihen dürft. Das Pdf hier zum runterladen (klickmich). Auch er kommt zum Schluss, dass wir Christen ebenfalls tödliche Krankheiten und anderes Unglück erfahren können, dass es ganz einfach den Tatsachen entspricht. Er beschreibt die Bedrohungen so: «Die Pest, die im Finstern umherschleicht. Wen trifft sie als Nächstes? Wer „muss dran glauben“? Es sind die Gefahren, die vor der Tür lauern, die wir ahnen, auch wenn sie sich nicht deutlich zeigen und wir wissen nicht, wann es uns trifft. Es kann die Erkältungsgefahr sein, die Krebsgefahr, die Gefahr des Ausbruchs von Krankheiten, die schon immer in meiner Familie herumgeschlichen sind, aber auch der kontinuierliche Stellenabbau in der Firma, der „Raubtierkapitalismus“, der Terrorismus, der ja auch in unseren Breitengraden immer näher an uns herantritt, die immer noch steigenden Anforderungen meines Arbeitgebers. Oder anders formuliert: Die Bedrohung im Hintergrund.»

Auch die Geschichten in der Bibel erzählen davon, wie gottesfürchtige Menschen Schlimmes erleben. Erinnert ihr euch an die Geschichte von Josef? Ihm wurde wirklich massiv Böses angetan wurde vonseiten seiner Brüder. Josef, Hiob, Paulus und noch andere Menschen, von denen uns die Bibel erzählt, ja auch Jesus, sind Beispiele davon, dass Menschen, welche mit Gott in ihrem Lebensmittelpunkt leben, nicht vor allem Schweren bewahrt werden. Denkt nur daran, dass Paulus lange Gott gebeten hat, den «Pfahl», wie er ihn nennt, aus seinem Körper zu nehmen. Oder wie er Schiffbruch, Gefangennahme und anderes erlebt hat.

Im Ganzen gesehen, erzählt die Bibel nicht davon, dass wir Christen es im Leben einfacher haben würden, als diejenigen Menschen, welche ihm nicht nachfolgen. Ein Leben als Christ bedeutet nicht, dass ich es stets bequem habe.

Wir dürfen nicht vergessen, dass eine mögliche Ursache von Leid, der freie Wille ist.

Gott hat uns nicht als Marionetten, sondern als Menschen mit einem freien Willen geschaffen. Er steht uns normalerweise nicht im Weg, wenn wir diesen freien Willen einsetzen. Es mag Ausnahmen geben, aber meist lässt Gott uns tun und lassen, was wir wollen. Und so können uns und anderen schmerzhafte Konsequenzen aus falschen Handlungen entstehen. Er verhindert nicht, dass ich mich ins Unglück stürze, wenn ich das so entscheide. Es gibt Ausnahmen – und das sind dann eben Wunder! Er lässt es zu, dass ich zu stark aufs Gaspedal drücke und deswegen eine Busse kassiere. Nicht, weil Gott ein böser Gott wäre, sondern weil er mir den freien Willen lässt – mit allen Konsequenzen. So verhindert er auch nicht immer schlechte Noten, wenn ich nicht gelernt habe. Oder er nimmt mir mein Kopfweh vielleicht nicht weg, das ich nach zu grossen Alkoholgenuss verspüre. Wenn er das Kopfweh wegnimmt, was durchaus auch geschehen mag – dann ist es reine Gnade. Aber im Grunde genommen ist es ganz einfach die Konsequenz meines Verhaltens. Ich habe geerntet, was ich gesät habe, wie es die Bibel auch sagt. Nun habe nicht nur ich diesen freien Willen, sondern andere Mitmenschen auch. Schmerzen und andere Übel, können also unter anderem daher rühren, dass ich oder meine Mitmenschen den freien Willen auf ungesunde Weise gebrauchen.

Nicht alles Schmerzliche, das wir erleben, ist auf den freien Willen des Menschen zurück zu führen. Es gibt viele Unglücke, auch im Leben von Christen, deren Ursachen nicht zu erklären sind. Auch nicht damit, dass der betreffende Mensch gesündigt habe, nicht eine gute Beziehung zu Gott pflege oder unter einem Fluch stehe.

Wir sollten einfach manchmal nur zugeben, dass wir auch nicht weiterwissen. Es ist schön, wenn wir für andere beten, dass ihnen aus einer schwierigen Lebensphase herausgeholfen wird. Aber wir erwarten dann meist nach dem Amen ein sofortiges Eingreifen Gottes. Und wenn das ausbleibt? Ich denke, was uns Christen oft mangelt, ist Geduld und ein freundschaftliches Begleiten in Notzeiten. 

Wenn ich dem Fake glaube, dass Gott mich vor allem Übel bewahrt, weil er doch die pure Liebe und allmächtig ist, laufen wir Gefahr, zu verbittern Gott gegenüber. Ich habe im Sommer grad von vier christlichen US Musikern gelesen, welche sagen, dass sie ihren Glauben aufgegeben haben. Einer von ihnen, Marty Sampson, gab unter anderem als Begründung an: «Nur wenige Wunder passierten, und niemand spreche darüber. Die Bibel sei voller Widersprüche und niemand spreche darüber.» Ja, wenn wir glauben, dass es normal ist, dass Wunder geschehen, wie wir es in einem Lied singen, aber selber keine Wunder erleben, dann kann man schon an Gott verzweifeln. Die Bibel bietet solche Widersprüche, wie dieser Psalm 91 einerseits und unser ganz persönliches Erleben andererseits. Wenn man dann solche Spannungen, die sowas auslösen, nicht aussprechen darf, weil man vielleicht grad als «ungläubig» gilt, kann das mit der Zeit derart nagen an uns, dass man sich dem Glauben abwendet. Wenn wir dauernd gelehrt bekommen, dass Gott doch stets bewahre und dann etwas schief läuft in unserem Leben, sind wir in Gefahr, den gesamten Glauben hin zu schmeissen.

Ich habe auf das alles keine definitive, allumfassende Antwort. Ich weiss nur ganz tief innen mehrere Wahrheiten:

– dass Gott es immer gut mit uns meint.

– Und ich weiss auch, dass Gott uns einerseits vor Leid bewahren und es andererseits zulassen kann. Ohne dass wir immer verstehen, warum. Er bleibt Gott und wir sind in unserem Denken und Verstehen nicht immer fähig, alles einordnen zu können. Dabei dürfen wir Punkt 1 nicht vergessen: Gott meint es immer gut mit uns.

– Manchmal aber haben wir die Chance, etwas aus dem Leiden zu lernen. Kinder wissen das am besten. Sie fallen beim Velofahren-Lernen hie und da hin, holen sich ein aufgeschundenes Knie, geben aber nicht auf und lernen es immer besser. Manchmal holen wir uns in den Schwierigkeiten unseres Lebens aufgeschürfte Knie und weinen hie und da zutiefst. Aber Gott hilft uns immer wieder auf und ermutigt uns, nicht aufzugeben.

– Und Gott hat uns an mehreren Orten in der Bibel Versprechungen gegeben, im Schweren, das uns im Leben begegnet, bei zu stehen und es zum Besten dienen zu lassen!

Rö 8,28 Daran dürfen wir uns festhalten, auch wenn es rundum stürmt.

– Es gibt einen Spruch: Verwende die Steine, die dir das Leben in den Weg legt, dafür, dein Fundament zu stärken. Deshalb habe ich für jeden von euch einen Stein bereit, den ich als Erinnerung daran mitnehmen könnt.

– Der Teufel möchte uns an diesem Punkt unser Liebesverhältnis zu Gott zerstören. Mach es wie Hiob: halte an Gott fest, auch wenn es hart ist und du Gott nicht verstehst. Er ist und bleibt ein liebender Gott. Mir hilft in schwierigen Situationen das, was ich mal gehört habe: «Alles, was dir passiert, musste zuerst an Gott vorbei.»

– Etwas anderes, sehr Tröstliches: aller Mist, sämtliche Schmerzen und selbst der Tod, vermögen nicht, uns zu scheiden von der Liebe Gottes. Römer 8,35 und folgende. Ich mag zwar unter körperlichen Beschwerden leiden, aber der Glaube an Gott verleidet mir trotz Leiden nicht. Die Verbindung zu Gott hilft uns, indem er uns davor bewahrt, bitter zu werden.

– Er kann uns geistliche, seelische und körperliche Kraft geben, die Not zu ertragen.

– Und wir haben einen Gott, der gerade dann bei uns ist, wenn es am Dunkelsten ist. Es heisst im Hebräer 4,14, dass Jesus mit uns mitleidet. Leid zu erleben heisst nicht, von Gott im Stich gelassen zu sein. Leid ist nicht die Abwesenheit von Gott. Ja, Leid ist vielleicht die Abwesenheit von Schönheit, die Abwesenheit von Lebensfreude, die Abwesenheit von Glück und Zufriedenheit und Gesundheit. Aber Leid ist nicht die Abwesenheit von unserem Gott. Er ist so nahe bei uns, wie es kein Mensch sein kann. Evtl. von meinen Depressionen erzählen und meiner Frage an Gott, wo er denn sei….Gott vermag es, mitten in der Not zu trösten.

– Und natürlich vermag er auch, Umstände zum Guten zu verändern.

– Oder er kann mir einen kreativen Ausweg aus einer schwierigen Situation zeigen und mir den Mut dazu geben.

– – Schwierigkeiten, ja selbst schwere Unglücke müssen nicht deine gesamte Zukunft bestimmen. Sie sind letztlich Durchgangsstationen auf unserem Lebensweg, nicht die Endstation.

– Aber manchmal heisst seine Hilfe auch, dass er einen Menschen zu sich in seine Welt holt, um ihn so völlig zu erretten.

Zusammenfassung 

Es ist FAKE, eine Lüge, dass einem ernsthaften Nachfolger Jesu kein Unglück geschehen dürfe, oder dass, falls dies doch geschieht, Sünde oder Unglauben vorliegen würde.

Die Wahrheit ist, dass das Leben nun mal schwierig sein kann und nicht immer ein Zuckerschlecken und rosarot ist. Und ja: dies trifft sogar auf uns Christen zu. Der Glaube macht es leichter, Probleme anzugehen, Lasten zu tragen, aber Gott befreit uns nicht von allen Problemen. Er stellt uns aber Kraftquelle zur Verfügung: In der Beziehung zu ihm, welche wir zum Bsp. Im Gebet, Lobpreis und Bibel lesen pflegen können – und auch in der Gemeinschaft miteinander liegt unsere Stärke.

Ich schliesse mit 1. Petrus 5, 10: «Der Gott aber, der euch seine Gnade auf jede erdenkliche Weise erfahren lässt und der euch durch Jesus Christus dazu berufen hat, an seiner ewigen Herrlichkeit teilzuhaben, auch wenn ihr jetzt für eine kurze Zeit leiden müsst – dieser Gott wird euch mit allem versehen, was ihr nötig habt: er wird euch im Glauben stärken, euch Kraft verleihen und eure Füsse auf festen Boden stellen».


Diese Predigt hielt ich am 17. November 19 in der Vineyard Luzern

 

Fake News, die wir glauben: Ein guter Christ ist nicht zornig, besorgt oder deprimiert.

Was sind Fake News

Wenn man vom schwierigen Verhältnis des aktuellen US Präsidenten zu den Medien etwas hört, dann wird immer wieder das Schlagwort Fake News verwendet. Dies meint ganz einfach: Lügengeschichten. Lügen-Neuigkeiten.

Die meisten von uns besuchen keine Krisengebiete um uns vor Ort einen Eindruck der Lage zu verschaffen und mit CEOs von grossen Unternehmen und Wissenschaftlern verbringen wir auch eher selten Zeit. Trotzdem brauchen wir Informationen über die Politik, laufende Konflikte, die Wirtschaft und die Wissenschaft. Daraus ziehen wir nämlich unser Bild über die Welt, über die aktuellen Probleme, merken, wie unsere Meinung dazu aussehen mag und die möglichen Lösungen dafür – und darum wollen wir verlässliche News und keine Fake-News. Wir erwarten dies gerade von Zeitungen, TV, Ansprachen von Politikern.

Religiöse Lügen

Auch im christl. Glauben gibt es Lügen. Fake News, die nicht immer sofort als solche erkannt werden. Sie tarnen sich heilig, biblisch, klingen gut und kleiden sich in einem christlichen Kleid.

Eine solche christlich getarnte Lüge lautet: Ein guter Christ ist nicht zornig, besorgt oder deprimiert. Denn Gott schaut ja für ihn und sollte ein Christ solche Gefühle verspüren, hat er mangelnden Glauben oder es fehlt ihm an einem geheiligten Charakter.

Stell dir vor: Du bist im Begriff, die Strasse auf dem Fussgängerstreifen zu überqueren, es kommt grad kein Auto. Du setzt den ersten Fuss auf die Strasse, da rast ein Auto auf dich zu, du kannst dich grad noch mit einem Sprung zurück aufs Trottoir retten. Dein Puls geht hoch, der Atem stossweise, die Muskeln haben sich extrem schnell angespannt, um sich retten zu können, denn der Körper hat einen Extraschuss Adrenalin bekommen. Du wirst zornig auf einen solch rücksichtslosen oder unaufmerksamen Autofahrer. Würdest du nun sagen: ich hätte als guter Christ ruhiger bleiben müssen, denn im Vertrauen auf Gott sollte ich immer ruhig und gelassen bleiben? Ich bezweifle das. Du hast eine ganz natürliche Reaktion gezeigt. Der Situation angemessen.

Viele Menschen, egal ob Christ oder nicht, unterscheiden zwischen guten und negativen Emotionen. Positive Gefühle seien Freude, Hoffnung, Glaube, Vertrauen und die sind christlich. Zorn, Sorge, Trauer seien nicht «christlich», so meinen viele. Ich sage: das sind FAKE NEWS.

Wenn es wahr wäre, dass wir nicht fühlen dürften, was wir fühlen, müssten wir diese sogenannten «negativen Gefühle» verdrängen, runterschlucken, verleugnen, oder versuchen, sie Gott abzugeben, damit wir sie nicht mehr empfinden würden. Aber empfundene Gefühle bleiben stets im Unterbewussten. Sie sind bereit, jederzeit wieder hervor zu brechen und zwar dann, wenn wir zu müde, erschöpft oder krank sind. Es kann dann vorkommen, dass wir in einer relativ harmlosen Situation urplötzlich völlig unangemessen «explodieren» oder es kann sein, dass unterdrückte Trauer oder Besorgnis zu einer Depression führt. Letzteres ist mir übrigens passiert. Ich litt lange Jahre an einer Depression, unter anderem deswegen, weil ich Traurigkeit nicht zuliess.

Gott hat uns eine ganze Bandbreite von Emotionen geschenkt. Er hat sich als Schöpfer etwas dabei gedacht, als er uns mit der Fähigkeit ausstattete zornig zu sein, sorgenvoll oder sehr traurig.

Wenn unsere schmerzhaften und unangenehmen Emotionen ein Zeichen von falschem Glauben oder schwacher, mangelhafter Nachfolge wären, wie sollten wir denn die starken Gefühle von Jesus erklären, die er manchmal zeigte? Er weinte, als Lazarus starb. Im Garten von Gethsemane sagte er zu seinen Jüngern: «Meine Seele ist betrübt bis an den Tod.» Matth. 26.38. Er schrie und stiess Tische um, als er die Händler und Wechsler aus dem Tempel vertrieb. Das sind ziemlich starke Gefühlsäusserungen, oder seht ihr das anders?

Viele Christen sagen: aber das waren heilige Gefühle, das kann man nicht mit uns Menschen vergleichen, weil Jesus zwar fühlte wie wir, aber sündlos war. Ja, als Jesus zornig reagierte, tat er das, weil er sich darüber aufregte, dass im Tempel Dinge geschahen, die nicht mit der Idee Gottes übereinstimmten. Aber die Tatsache, dass er Zorn empfinden konnte zeigt, dass es nicht so unheilig sein kann, so zu empfinden.

Ich mag es zwar nicht, wenn ich spüre, dass mich etwas aufregt, oder dass sich mein Gegenüber über mich aufregt, weil wir doch alle Harmonie anstreben. Dabei zeigt meine Wut, die ich empfinde, einfach nur an, dass da jemand eine Grenze bei mir überschritten hat. Dass er etwas getan oder gesagt hat, dass ich als grenzüberschreitend empfunden habe. Es ist sehr wichtig, das wahr zu nehmen und zu äussern. Denn wer seine Aggressionen verleugnet und verdrängt, schadet sich und seinen Mitmenschen. Die Gefahr besteht, dass diese sich zu einem Hass weiterentwickelt. Denn Hass ist eine Steigerung von Zorn/Ärger. Es ist akzeptabel Dinge zu hassen, die Gott hasst; das ist tatsächlich ein guter Beweis für die richtige Einstellung zu Gott. „Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge!“ (Psalm 97,10a). Allerdings ist der Hass, der gegen andere gerichtet wird, sicherlich negativ. Der Herr erwähnt Hass in der Bergpredigt: Hass ist so abscheulich für Gott, dass man sagt, dass ein Mensch, der hasst in Dunkelheit geht, im Gegensatz zum Licht (1.Johannes 2,9 & 11).
Hass ist eine Position, die von innen zerstört, sie produziert Bitterkeit, die sich in unsere Herzen und in den Verstand frisst. Daher sagt uns die Heilige Schrift, “keine bittere Wurzel” in unserem Herz aufwachsen zu lassen (Hebräer 12,15).

Soweit zum Thema Wut/Zorn, Hass. Aber es geht mir allgemein um alle unsere Gefühle. Bitte versteht mich richtig. Ich sage nicht, dass ihr nun dauernd im «Fühlsch-mi-gschpürsch-mi-Modus» leben sollen. Dies meint, sich stets nur auf sich selber zu besinnen, mit sich selber zu beschäftigen, jedes noch so kleinste Gefühl hypersensibel zu analysieren. Nein! Aber ich sage: Es ist gut, wenn man starke Gefühle der Sorge, Traurigkeit, Wut oder ähnlicher Gefühle, über folgende Punkte nachzudenken und mit Gott und seinen Mitmenschen in einen Dialog über diese Fragen zu kommen:

Warum fühle ich jetzt so?

Was genau stimmt mich traurig, hoffnungslos, zornig?

Welche Werte, die mir wichtig sind, wurden missachtet?

Wurden meine Rechte in Frage gestellt?

Wie stark ist diese Empfindung? Achtung: es gibt natürlich die Problematik, dass starke Gefühle, welche sehr schmerzhaft und andauernd vorkommen, krankhaft sind und einer Behandlung bedürfen. Wenn ich mich ständig deprimiert oder sorgenvoll fühle, KANN das auf einen Mangel an Vertrauen in Gott hindeuten. Sei ehrlich vor Gott.

Seit wann fühle ich so?

 

Sollte ich die meine Gefühle als Anstoss nehmen, etwas zu verändern? Gerade Wut kann einen Kraftschub geben. Stellt euch vor, niemand wäre wütend gewesen, dass es die Sklaverei oder die Apartheid gibt. Ungerechtigkeit zu erleben oder zu beobachten, kann wirklich ZU RECHT wütend machen.

Oder bin ich wütend, weil ich in meinem Stolz verletzt bin? Das wäre was anderes und Ehrlichkeit gegenüber von mir könnte heilsame Veränderung bewirken

Frage dich: warum bin ich besorgt? Befindet sich ein Mitmensch oder ich selber, in Gefahr, eine Dummheit zu machen? Dann sollte ich Vorkehrungen treffen. Oder sorge ich mich, weil mir Vertrauen in Gottes Möglichkeiten fehlt?

Bin ich deprimiert, weil mir vieles misslingt und ich mich als ständiges Opfer fühle? Die Einsicht darüber, könnte der erste Schritt zu einem Weg aus dieser Depression sein. Oder fühle ich mich traurig, weil ich einen tiefen Verlust erlitten habe? Dann sollte ich geduldiger mit mir sein.

Es kann bei allen genannten Gefühle sein, dass ich überempfindlich, egoistisch, zu perfektionistisch bin.

Die Frage ist natürlich, wie ich meine Gefühle angemessen ausdrücke, so dass dies sowohl mir wie meinen Mitmenschen auf irgendeine Art weiterhilft.

Nicht hilfreich sind -und ich spreche jetzt insbesondere von Wut: schreien, Schuldzuweisungen, den anderen verletzen ob mit Worten oder gar Taten, Altes hervorholen und die «Immer-tust-du-das-Form».

Hilfreich ist, wenn man ruhig an ein solches Gespräch geht, vorher betet, in der «Ich-Form» spricht und auch Toleranz, Empathie, Grosszügigkeit walten lässt – und Vergebung. Auf das Thema Vergebung/Versöhnung werde ich in einem extra Teil meiner Trilogie eingehen.

Zusammenfassung:

Verdammen wir uns selber und andere nicht, wenn wir wütend werden, unsere Sorge oder deprimierte Gefühle ausdrücken. Meiden wir Apelle wie: «Aber als Christ solltest du nicht so empfinden….» Denn diese Gefühle haben seinen Sinn. Gefühle, welche du negativ nennst, können ein Geschenk Gottes sein in Form eines Stopp-Schildes oder roten Ampel. Sie könnten den Motor sein, der dich antreibt, etwas zu verändern. Wenn ich aber nicht fühlen darf, was ich fühle, weil es sich als guter Christ nicht gehört, bin ich in Gefahr, dieses Stopp-Schild von Gott oder eine Aufforderung zu einer Handlung gar nicht wahr zu nehmen.

Es ist gut und hilfreich, auf die Gefühle zu hören und zwar nicht erst dann, wenn sich aus einem kleinen Ärger ein Riesenzorn oder gar Hass entwickeln konnte oder aus einer Besorgnis oder Traurigkeit eine Depression..

Machen wir uns nicht lustig darüber, wenn jemand von uns Ärger ausdrückt. Nehmen wir das Gefühl des Gegenübers wahr, ernst und fassen wir es nicht per se als persönlichen Angriff auf. Es hat einen Grund, warum mein Gegenüber so empfindet, wie er oder sie es das grad ausdrückt. Versuchen wir, wenn die Wogen sich etwas gelegt haben, dem Ursprung auf den Grund zu gehen…. Dies kann eine Chance für unsere Beziehung sein.

Dass ein guter Christ keine Gefühle wie Zorn, Sorge, Trauer spüren und ausdrücken dürfte, ist eine Lüge. Wenn wir der Lüge aber glauben, kann uns das krank machen. Die Wahrheit hingegen macht frei (Johannes 8,32 Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen)


Dies war meine erste Predigt, die ich in der Vineyard Luzern hielt (am 10. Nov. 19). Kein Fake 😉 

 

LIEBSTER BLOG AWARD

Schön, dass Zora mich für den Liebster Blog Award vorgeschlagen hat. Danke für die Nominierung!

Hier meine Antworten auf Zoras Fragen:

1. Warum hast du angefangen, diesen Blog zu schreiben?

Nachdem ich auf Facebook hie und da längere Texte oder Fotos postete, wurde ich ermutigt, doch alles mal zu „verbloggen“. Diese Ermutigungen stammten hauptsächlich von Zora und Karin Mayerhofer Dobler. Lange Zeit sträubte ich mich gegen diese Idee und dachte: „Ach, wer wird schon Interesse an meinem Blog haben?“ Irgendwann hatte ich genügend Schreibmaterial zusammen und startete, einfach nur für mich selber. Egal, ob es andere lesen würden… Heute ist es mir nicht immer egal, ob ich nur für mich selber schreibe. Es wäre schön, es würden ein paar mehr mitlesen.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?

Ausflüge, Reisen, Wanderungen, Ferien mit der Familie, aussergewöhnliche Erlebnisse. Es kann aber auch vorkommen, dass mich was beschäftigt, das in der weltweiten Welt grad so abgeht, sei es politisch, religiös, weltanschaulich. Dann zwickt es mich in den Fingern, meine Meinung zu verbloggen.

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3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?

Ich lebe zu einem Teil vom Schreiben. Aber nicht vom Blog. Das heisst, wir sind als Familie auf mein Einkommen angewiesen, welches ich als Freelancerin beim SCM Bundes-Verlag und dem Nidwaldner Blitz verdiene. Wir sind vor 1.5 Jahren umgezogen und ich habe die Stellen als Hundesitterin und Hauwarting dabei verloren. Die neue Miete beträgt aber Fr. 500.– mehr als vorher. Der Lohn, den ich bei beiden Stellen verdiene plus mein Engagement als Testkundin und als Kindergottesdienstmitarbeiterin der Reformierten Kirche decken in etwa diese Lücke.

Klar wäre es schön, auch mit dem Blogschreiben etwas zu verdienen. Ich könnte mir vorstellen, für die SBB oder andere Unternehmen gegen Bezahlung von unseren Reisen zu erzählen. Ich habe bei den zuständigen Stellen schon ein paarmal angeklopft deswegen. Wer weiss, vielleicht klappt es irgendwann? 😉

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?

Ich erlebe viele perfekte Tage. 😉 Ich bin zufrieden und glücklich, wenn meine Liebsten einschliesslich Katze Minouch und ich gesund sind, wenn ich das tun kann, was ich am liebsten mache: schreiben. Wenn meine Schreibergüsse dazu noch beachtet werden, ist mein Tag perfekt. Sahnehäubchen sind sonniges, warmes Wetter, eine tolle Unternehmung mit der Familie und interessante Fotosujets.

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5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?

Meine Eltern. Sie haben mir viel an Werten mitgegeben. Später Predigten und das Leben in diversen Freikirchen. Sowohl im Positiven wie leider auch im Negativen. Auch das Leben mit eigenen Kindern hat mich geprägt. Ich lernte viel durch sie und mit ihnen zusammen. Vor allem lernte ich mich selber durch meine Kinder von einer anderen Seite her kennen.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?

Ich denke viel und gern an gemeinsame Wanderferien in der Schweiz zurück. Mit meinen Eltern war ich nie im Ausland, lernte aber wohl jeden Ecken im eigenen Land kennen. Ich bedauerte zwar, dass meine 8 und 10 Jahre älteren Geschwister meistens nicht mit uns in die Ferien fuhren, hatte aber viel Spass mit meinen Eltern zusammen. An den Abenden lachten wir beim Spielen zusammen, bis uns die Bauchmuskeln schmerzten und die Augen tränten. Nie erlebte ich meine Eltern glücklicher als an solchen Ferienabenden.

7. Dürrenmatt oder Frisch?

Weder noch. Ich musste Werke von beiden in der Töchterhandelsschule Luzern lesen, konnte mich aber persönlich nie erwärmen – weder von der einen noch der anderen Literatur.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?

Ich mag die Schweiz und das Leben hier. Die abwechslungsreiche Landschaft und die ruhige, politische Lage, welche mir Sicherheit vermittelt.

Als wir als Familie in Australien waren, sagte ich an der Ostküste: „Falls Auswandern einmal ein Thema wäre, könnte ich mir ein Leben hier vorstellen.“ Dies, weil im Atherton Tableland sowohl Berge, Seen wie in der Schweiz vorkommen, aber auch Regenwald, Städte und das Meer. An ein und demselben Tag könnte man in den Bergen wandern und im Meer baden.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?

Ich würde Tagebuch und Briefe schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Buch zu schreiben, wäre ohne Internetanschluss grösser, als es aktuell ist. Vielfach verbringe ich zu viel Zeit bei Facebook, Twitter, Instagram. Diese fehlt mir dann, um mich fantasievoll der Entwicklung einer Geschichte anzunehmen. Ich habe im Rahmen des Novemberschreibens einen Roman verfasst mit dem Titel „Die Liebe ist rot“, der aber leider keinen Verlag fand. Zudem ein Kinderbüchlein. Ein weiterer Roman liegt irgendwo unvollendet auf einer externen Speicherplatte.

Ich würde mich wahrscheinlich zudem vermehrt dem Fotografieren widmen und Kurse belegen.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?

Ich bin ein naiver Typ. Wurde mir schon oft gesagt. Ich gehe immer davon aus, dass es mein Gegenüber gut mit mir meint. Ausschliesslich gut. Und falle dann halt vielfach auf die Nase. Dennoch möchte ich mir diese Art der Naivität nicht nehmen lassen, denn ich würde mir gleichzeitig viele schöne Erlebnisse mit völlig Unbekannten nehmen lassen.

Von meinem Glauben und persönlichen Lebenserfahrungen her weiss ich, dass jeder Mensch zum Egoismus tendiert. Doch weil ich mich selber mit Schwachheiten erlebe, bin ich grundsätzlich gnädig mit meinen Mitmenschen. Ich kann mich zwar schnell aufregen, teile dann das auch mit, vergebe und vergesse aber genauso schnell wieder.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte? 

Probieren geht über studieren!

Ich habe mir kein Konzept erstellt, über was ich bloggen möchte, sondern einfach begonnen, von meinem Leben zu erzählen. Von dem, was ich tue und denke. Die Handhabung via WordPress war zu Beginn eine grosse Herausforderung. Ich habe einfach ausprobiert, nichts darüber gelesen, mich durchgeklickt – und es hat funktioniert. Ich mag es nicht, wenn ich für etwas, das ich tun möchte, zuerst Bedienungsanleitungen und Bücher studieren und wenn möglich noch Seminare besuchen muss. Wenn ich etwas tun möchte, dann muss es subito geschehen können. Nicht nur in dieser Beziehung bin ich ein ungeduldiger Mensch. 😉 Fang einfach an. Tu den ersten Schritt. Und bei konkreten Fragen bin ich für dich da.

Die Regeln, wenn ihr nominiert wurdet:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.

2. Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite. (Ich sah keines bei meiner Vorgängerin und habe deshalb auch keines verwendet. Könnt diesen Punkt also streichen.)

3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite.

4. Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf eurem Blog.

5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.

7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt.

Meine 11 Fragen an euch (die ihr gerne mittels Worten oder auch Bildern beantworten dürft)

  1. Wo siehst du den Vorteil eines Blogs gegenüber von Facebook oder anderen Social Medien?
  2. Würdest du deinen Blog auch dann weiter führen, sollte kein einziger Mensch ihn lesen?
  3. Was würdest du bei Gmerkigs gern lesen?
  4. Verdienst du mit deinem Blog Geld? Falls nein – wäre das dein Wunsch, strebst du es an? Falls ja: wie hast du das zustande gekriegt?
  5. Wann hast du mit deinem Blog gestartet? Gab es dafür einen bestimmten Grund?
  6. Gibt es etwas, das deinen Blog speziell macht, ihn abhebt von anderen mit ähnlichen Themen?
  7. Könntest du dir vorstellen, auszuwandern? Falls ja: wohin und weshalb dort hin? Falls nein: warum nicht?
  8. Liest du regelmässig andere Blogs, hie und da oder gar nicht?
  9. Bist du mit deinem Leben zufrieden? Oder was fehlt dir zum Glücklichsein?
  10. Wie häufig veröffentlichst du einen neuen Blogbeitrag?
  11. Welche Rolle spielt Gott in deinem Leben?

Hier die Blogger, die ich nominiere:

Karsten Socher, ein Fotograf, den ich über das Projekt der 99 ig Fotografen persönlich kennen gelernt habe. Heike und er haben uns schon ein paarmal besucht. Das Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr entwickelt sich schon fast zu einer lieben Tradition. 😉

Am Twittertreffen mit SBB CEO Andreas Meyer, lernte ich Andreas Schweizer kennen. Er ist einer der SBB-Servicescouts und ich lese hauptsächlich sehr gerne über Twitter, was er alles zu erzählen hat.

Markus Schmid ist mein treuster Leser. Sei es auf Facebook, Twitter oder über diesen Blog. Er beachtet mich, kommentiert, interessiert sich. Dafür möchte ich dir, Markus einmal danke sagen.

Johannes Mairhofer war der Initiant der 99Fotografen. Ich habe dort mit Begeisterung mitgemacht und bin ihm dankbar für dieses Projekt. Denn erstens lernte ich enorm viel über die Fotografie und zweitens erweiterte sich mein Bekanntenkreis um einige interessante Persönlichkeiten.

Benno hat mich ermutigt, die alten Kameras, welche beim Zügeln zum Vorschein kamen, auszuprobieren. Es wäre schön, Benno, wenn du obige 11 Fragen beantworten und bei dieser Blogparade mitmachen würdest.

Andrea Jerger hat das SBB SOME organisiert, ist wie Andreas Schweizer, SBB Sevicescout und ich bin ihr sehr dankbar für das unvergessliche SBB Twittertreffen.

Auch Martin Rechsteiner lernte ich am SBB SOME kennen. Ich lese gerne mit, wenn er über seine Ausflüge mit der Familie berichtet. Vielleicht magst du zur Abwechslung obige 11 Fragen verbloggen?

Gaby Rudolf – ist dein Blog noch aktiv?

Gaby, Benno und Johannes Mairhofer lassen sich entschuldigen – keine Lust oder Zeit, hier mit zu machen. Vielleicht magst du, Sven? Bist der Erste und bisher Einzige Liker hier. 😉