„In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ (Hermann Hesse) Aepplis 2018/2019

Das Gedicht von Hermann Hesse beschreibt das Leben als ein Prozess. Lebensstufen oder Lebensräume folgen einander. Für mich sind Jahre jeweils solche Räume und Abschnitte. Ich blicke zurück auf den durchschrittenen Raum, das Erlebte darin und gehe mutig vorwärts.

Aepplis 2018

Träume leben -jetzt

Wenn uns die Krankheit Andys im Jahr 2017 etwas gelernt hat, dann dieses: die gemeinsame Zeit zu geniessen und Träume nicht auf später zu verschieben. Andy hat ein rückfall-freies Jahr 2018 hinter sich. Mögen weitere 4 Jahre folgen – dann gilt er offiziell als geheilt von der CLL.

Wir reisen beide sehr gerne und wollen nicht Reiseträume auf die Zeit unserer Pensionierung verschieben. Denn wer weiss, was dann ist…

Im Jahr 2018 waren wir zweimal in Österreich. Einmal genossen wir Ski- und Snowboardferien, zusammen mit Tobias und im Herbst haben Andy und ich seit Jahren wieder mal zu zweit Ferien verbracht. Freiburg i. Breisgau, Hamburg, Norwegen mit dem Nordkap, Kiel, Dresden, Paris und Lissabon, wecken in uns wunderschöne Erinnerungen. Manchmal waren wir mit Tobias zusammen unterwegs und hie und da als Paar, das sich auch nach 31 Jahren Ehe noch von Herzen tief liebt.

Kinder werden flügge

Die älteste Tochter unterrichtet mit sehr viel Freude Unterstufenkinder und wird 2019 heiraten. Darauf freuen wir uns alle unbeschreiblich fest.

Die mittlere Tochter studiert Ergotherapie in Winterthur. Weil sie im Sommer die Badeaufsicht im Strandbad Ennetbürgen/Buochs macht und im Winter als Ski- und Snowboardlehrerin auf unserem Hausberg, der Klewenalp tätig ist, wohnt sie an den Wochenenden bei uns. Im 2018 begab sie sich alleine auf Pilgerreise von Porto nach San Compostela. (Jakobsweg)

Sohnemann ist nebst der Lehre als Elektroinstallateur erfolgreich mit der Aeppli Production. In Cambridge absolvierte er ein Kurz- Englischstudium. Das erste Mal, dass er ohne uns Eltern im Ausland war.

Mütter

Wenn Kinder klein sind, sorgen sich die Mütter (und Väter) um sie. Werden die Eltern betagt, kehrt sich der Spiess um. Unsere beiden Väter sind leider gestorben. Andys Mutter hat Demenz im Anfangsstadium und zügelte im 2018 ins Altersheim Ennetbürgen. Meine Mutter hat sich von einem Schlaganfall, den sie im April 18 erlitt, mittlerweile fast vollständig erholt und wohnt wieder alleine zuhause. Doch auch für sie ist ein möglicher Wechsel in eine Alterswohnung immer wieder im Gespräch.

2019 – neuer „Raum“

Den ersten Wochen eines neuen Jahres wohnt für mich ein Zauber inne. Wie unbeschriebene, weisse Notizblätter liegen die Tage vor uns und wir dürfen sie füllen. Nebst der Hochzeit unserer ältesten Tochter, steht noch nichts „fest“. Doch wir planen bereits unsere diesjährigen Ferien. 😉 So schön, wenn man das Leben und Beziehungen geniessen kann, gesund ist und die Finanzen auch Reisen ermöglichen. Ich erlebe als Freelancerin immer wieder, wie Gott versorgt und Aufträge schenkt. Ja Gott – ich möchte ihn last, but not least erwähnen. Er ist es, an dessen Hand wir durch die Räume und Zeiten unseres Lebens schreiten dürfen. Ohne Ihn ist alles nichts. Er gibt uns Halt, Zuversicht und Sinn. In diesem Sinn: es guets Neus – von Aepplis

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Paris – Stadt der Liebe

Paris sei im Sommer mit Touristen „überlaufen“, man stehe bei Museen etc. überall stundenlang an und deshalb wählten wir eine gewöhnliche Woche inmitten des Novembers für unseren Besuch der „Stadt der Liebe“.

Stadt der Liebe

Warum meint ihr, nennt man Paris „Stadt der Liebe?“

Natürlich – die Liebe wurde in den berühmten Chansons viel besungen, sie war eine mannigfaltige Inspirationsquelle für die Literatur, Filme, das Theater. Ich habe so manches davon im Französischunterricht gelernt und erinnere mich  bis heute daran. Romantische Gässchen, schöne Aussichten, der Eiffelturm, Versailles, die Liebes-Schlösschen und Bootsfahrten auf der Seine – wecken romantische Gefühle. Auf der „Mur des je t’aime“ wurde die Liebesbekundung in den originalen Handschriften in 311 Sprachen verewigt.

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Aber Meike, mit der wir uns auf eine zweistündige Gratis-Stadtführung begaben, hatte eine ganz andere, unromantische Erklärung dafür: Paris war schon immer Handelsmetropole. Und wenn sich Geschäftsreisende ein paar Tage in Paris aufhielten, besuchten sie wohl auch das Moulin Rouge und begaben sich in „Gesellschaft leichterer Damen“. Sie kamen beflügelt heim und erweckten bei ihren Gattinnen zuhause den Wunsch, diese besondere Stadt, die ihre Männer glücklich stimmte, ebenfalls besuchen zu wollen. So kam es, dass viele Monsieurs zusammen mit ihren Ehefrauen den Eiffelturm besichtigten, eine Bootsfahrt auf der Seine unternahmen, ihrer Liebsten in der Galerie Lafayette etwas Hübsches kauften und die Damen wiederum zu schwärmen begannen, von dieser romantischen Stadt. 😉

Wir erlebten Paris in den Begegnungen mit den Parisern als „Stadt der Liebe“. Im Hotel, den Restaurants, Museen, auf der Strasse, der Metro – überall erlebten wir hilfsbereite, neugierige und liebenswürdige Menschen. „Woher kommt ihr, wie lange seid ihr da, gefällt es euch in Paris und was am besten, kann ich euch helfen, sucht ihr etwas?“ hörten wir täglich mehrmals. Securitas entschuldigten sich dafür, dass sie unser Gepäck durchsuchen müssten und wünschten uns einen wunderschönen Tag. Und wenn ich mein spärlich vorhandenes Französisch anwandte, wurde ich gelobt und bewundert. Es hiess, ich würde gut verstanden und das bedeute was – darauf könne ich mir was einbilden. 😀 Bisher hatte ich eigentlich eher die Erfahrung gemacht, dass Franzosen mein Französisch nicht verstehen wollten. Es tat mir so gut- diesen so ganz anderen Eindruck, den ich von Frankreich und Franzosen erhielt. Diese Begegnungen weckten in mir wirklich eine Liebe zu Paris und ich werde bei Gelegenheit bestimmt gerne zurückkehren.

Stadt der Fussmärsche 😉

Die Metro ist ja eine gute Einrichtung. Aber was wir an Kilometern in langen Verbindungsgängen zurücklegten und treppauf- treppab liefen, weil es nicht überall Rolltreppen gab – das wirkte sehr, sehr ermüdend auf uns. Treppen bestiegen wir zudem bei der Notre Dame, im Louvre, im Schloss Versailles, beim Tour Montparnasse (nach dem Lift muss man das letzte Stück noch zu Fuss erklimmen), zur Sacré-Coeur… Ich hätte an unsere knapp 5 Besuchstage nicht noch weitere anhängen mögen. Dennoch habe ich nicht etwa an Kilos verloren, sondern ein Kilo zugenommen, aufgrund des exklusiv guten Essens überall, wo wir einkehrten. 😉

Stadt der schönen Aussichtspunkte 😉

Auf dem historischsten Aussichtspunkt, dem Eiffelturm, waren wir leider nicht. Am Abend unserer Ankunft besichtigten wir ihn von unten und erlebten die – meiner Meinung nach zu kitschige – Blinki-Glitzer-Beleuchtung vom Boden aus. Wir hielten dies per Kamera fest und erfuhren erst im Nachhinein, dass es darauf ein Copyright gibt und man für solche Aufnahmen dann gebüsst werden könnte, wenn man sie kommerziell verbreiten würde. An dieser Stelle sei festgehalten, dass ich mit meinem Blog und Fotos nichts verdiene. Vor dem Lift befand sich eine lange Warteschlange, online waren keine Tickets für unsere möglichen Besuchszeiten mehr vorhanden und so hatten wir im Sinn, die Treppen bis zum Restaurant zu Fuss zu erklimmen und erst von dort an den Lift zu benutzen. Doch leider schloss der Zugang zum Treppenaufgang in dem Moment, in dem wir eintrafen. In den folgenden Tagen war die Spitze des Eiffelturms entweder nebelverhangen oder wir befanden uns grad dann an einem anderen Ecken der Stadt, wenn sich die Wolkendecke lichtete und die Sonne sich zeigte. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes war der gesamte Turm geschlossen, aufgrund der „Gilets Jaunes“ Demonstrationen. Also haben wir die Aussicht von da oben leider nicht geniessen können.

Dafür aber boten die Dachterrasse von Notre- Dame, von der Galerie Lafayette und vom Aussichtshügel der Sacré-Coeur schöne Blicke auf die Stadt. Aber die phänomenalste Rundumsicht genossen wir auf dem Tour Montparnasse! Dies ohne anzustehen! Wir befanden uns sogar höher, als der Eiffelturm – ein Tipp, der scheinbar noch ziemlich unbekannt ist.

Stadt der Sicherheit?

Mein letzter Paris-Besuch liegt 40 Jahre zurück. Mein Vater schenkte mir damals diese Städtereise zur Konfirmation. 😉 Ich staunte nicht schlecht über die Veränderungen, innert dieser 40 Jahre. Am augenfälligsten waren die Securitas-Kontrollen vor jedem Museumseintritt, Kirchenräumen und manchmal auch vor Restaurants. Der Eiffelturm ist mit hohen Sicherheitsglaswänden gesichert. Krass irgendwie. Aber oft kam uns der ganze Aufwand lächerlich vor, denn oberflächliche Blicke in unsere Rucksäcke genügten vielfach.

Stadt der Geheimtipps 😉

Wir hörten viele Geheimtipps im Vorfeld und wie es so ist mit Geheimtipps – vieles davon ist nicht mehr wirklich geheim und auch nicht jeder Geheimtipp gefällt allen gleich gut.

Geheimtipps, welche wir vernahmen und die sich für uns nicht lohnten, waren:

  • der Blumenmarkt am Place de Madeleine, der aus drei Ständen bestand und wohl im Sommer und Frühling malerisch sein wird.
  • die Street-Art-Malereien in Belleville, weil man in der ganzen Stadt verteilt, überall auf solche Graffitis stösst.
  • Le Comptoir General. Dies wurde in einem Film, den wir uns vor der Reise anschauten, als aussergewöhnlich dargestellt. Nun ja – es stimmt: ein unscheinbarer Zugang, ein origineller Korridor – aber dann sind es zwei Restaurants, welche etwas speziell eingerichtet und dekoriert sind. In einem befindet sich ein Schiff, im anderen Raum wähnt man sich in einem Tropenhaus. Die Möblierung und Deko wirkte teilweise so, dass man sich in einem Museum wähnte. Aber ich meinte, aufgrund des Films, es würden sich dort mehr Räume befinden und war eher ernüchtert.
  • Le Marché des enfangs rouge ist der älteste, überdachte Markt von Paris. Aber er bot, als wir ihn besuchten, nicht wirklich viel. Er ist sehr, sehr klein – ich hätte vermutet, er sei grösser. Vielleicht ist das Warenangebot in Sommermonaten grösser. Dafür stiessen wir auf der Suche nach diesem Marché des enfants rouge auf den phänomenalsten Flohmarkt ever.
  • Im selben Film, der Le Comptoir General empfahl, wurde ein Gang rund um die Fondation Louis Vuittons empfohlen. Wir lasen in mehreren Bewertungen, dass die ausgestellten Kunstwerke nicht ein absolutes „Muss“ zum Besichtigen wären. Aber das Gebäude nur schon von aussen zu betrachten, sei beeindruckend. Naja – es war ok. Zum Vergleich hat mich die Architektur der „Stadt der Künste und Wissenschaften“ in Valencia/Spanien vor Jahren viel mehr beeindruckt. Wir staunten über den grossen Besucheraufmarsch vor der Fondation Louis Vuittons. Eine lange Menschenschlange harrte in der Kälte aus. Dies, obwohl eine Onlinebuchung nötig ist. (Zum Vergleich: im Eingang zum Louvre standen wir nicht an und dies ohne Onlinereservierung.) Die Fondation ist nicht gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. Dass der Shuttlebus nur 1 Euro gekostet hätte, lasen wir erst zuhause. Der Busschauffeur selber gab uns keine Auskunft und wir meinten, es handle sich um einen Shuttlebus, der im Eintrittspreis inkludiert wäre. Wir hätten uns eine Viertelstunde Hin- und Rückweg zu Fuss sparen können.

Geheimtipps, welche wir vernahmen und die sich für uns aber wirklich lohnten, waren:

  • La Défense, das moderne Hochhausquartier mit einer neuen Art des l’arc de Triomphe. Die Architektur, die Farbenspiele und Kunstwerke, sind faszinierend und lohnen einen Besuch. Auf der Hauptachse pulsiert das ganze Jahr hindurch das Leben. Während unseres Aufenthaltes fand dort grad ein Weihnachtsmarkt statt mit originellen und teilweise handwerklichen Produkten, welche man auf unseren Weihnachtsmärkten nicht sieht.
  • Und eben – die Aussicht vom Tour Montparnasse, welche ich oben bereits erwähnte.
  • Das Hotel B Montmartre, in dem wir logierten, ist ein Tipp, den wir gerne weiter geben: es ist zentral gelegen und dennoch ruhig. Die Mitarbeiter lesen den Gästen die Wünsche von den Augen ab. Einzig die Matratzen waren etwas gar hart – aber es gibt Menschen, die gerade diese Härtegrade bevorzugen. 😉 Wir logierten in einem geräumigen Dreibett-Familienzimmer. In der Reiseplanung wendeten wir viel Zeit auf, Hotelbewertungen zu lesen. In sovielen war von unfreundlichem Personal, lärmigen, sehr kleinen und unsauberen Zimmern die Rede. Doch unser Logie war von allem das Gegenteil. Mag sein, dass die normalen Zimmer ebenfalls sehr klein sind -aber unser Familienraum war ausreichend gross für uns drei.
  • Das Lösen eines Museumspasses hat sich für uns gelohnt. Für die Metro lösten wir meist ein 10-er Set und nur einmal Tageskarten.
  • Wir empfehlen die Gratis-Stadtführung „Paris mal anders“. Es war zwar sehr kalt, aber auf dem zweistündigen Fussmarsch durch die Gegend rund um Notre Dame, hat uns Mike auf Deutsch sehr viel Interessantes erzählt und gezeigt. Je nach Zufriedenheit der Führung, bezahlt man dem Guide ein Trinkgeld.
  • Besucht nicht nur das Schloss Versailles, sondern auch Trianon und das kleine Städtchen Le Hameau de la Reine. Die Geschichte zu letzterem: die Königin liess ein kleines, französisches Dorf bauen, eine Art „Ballenberg“ wo sie eine Magd spielen konnte. Das einfache Landleben wurde idealisiert. Sie konnte dort beim Bauernhof jederzeit Milch trinken, frische Eier etc. geniessen, beim Müllner schauen wie gemahlen wurde. Aber diese 10 Gebäude stellten bloss eine künstliche Dorfidylle für sie, ihre Hofstaat-„Freunde“ und ihre Kinder dar. In Wirklichkeit ging es den Leuten auf dem Land schlecht. Sie hungerten, währenddem das Königshaus in Prunk lebte. Der Unterhalt des künstlichen Dorfs verschlang auch nicht wenig Gelder. Das alles führte schlussendlich zur französischen Revolution.

Der Link zu unserem Fotoalbum hier (klick mich).

Die Reise mit dem TGV war entspannend, ruhig und innert 3 Stunden ab Basel sehr schnell. An dieser Stelle nochmals ein Merci an Michel Azéma. Ich lernte ihn via Facebook kennen, er besuchte uns mal in unserem Zuhause in Beckenried – und er wiederum hiess uns in „seiner“ Stadt auf allerherzlichste willkommen. Michel – Paris – nous aimons revenir.