Von New York über Bogotá nach Peru – und auf ungeahnten Umwegen zurück

Man kann eine Reise noch so sorgfältig planen. Flüge buchen, Unterkünfte reservieren, Ausflüge vorbereiten, Reiseführer studieren. Und wenn man Andy heisst, gehört dazu natürlich auch eine ordentliche Portion Organisationstalent.

Was man nicht planen kann, ist das Leben selbst.

Am 25. September 2026 starteten wir zu unserer grossen Reise. Zuerst eine Woche New York, dann weiter nach Bogotá in Kolumbien und schliesslich nach Peru. Dort wollten wir unter anderem unsere Tochter besuchen und kennenlernen, wie sie und ihr Mann inzwischen leben und arbeiten.

Wir freuten uns riesig.

Dass wir am Ende weit mehr Zeit in Kliniken und Wartezimmern verbringen würden als an den ursprünglich geplanten Reisezielen, konnten wir damals nicht ahnen.

New York – zwei Landeier auf Abwegen

«Nein, wir müssen ganz bestimmt nicht durch New York City fahren!»

Das versicherte mir Andy im Vorfeld unserer Reise mehrmals.

Schliesslich wollten wir nach der Ankunft am Flughafen mit dem Mietauto zunächst hinaus in die Natur.

Nun ja.

Irgendwann befanden wir uns mit unserem Auto mittendrin im New Yorker Stadtverkehr!

Zwei Landeier aus Nidwalden zwischen unzähligen Autos, Taxis, Ampeln, Pizzakurieren auf Velos, Fussgängern und mehrspurigen Strassen.

Aber Andy blieb erstaunlich ruhig. Mit seiner Gelassenheit am Steuer und meinen Beifahrertipps meisterten wir auch dieses Abenteuer problemlos.

Danach ging es tatsächlich hinaus in die Natur.

Für einige Tage erkundeten wir die Gegend der Catskills, wanderten durch wunderschöne Landschaften und entdeckten Wasserfälle.

Einzig das Wetter hatte offenbar andere Vorstellungen von unseren Wanderferien.

Es regnete. Und regnete. Und regnete.

Also passten wir unsere Wanderungen entsprechend an und machten das Beste daraus.

Zufällig stiessen wir auf ein deutsches Brauhaus. Nicht etwa, weil wir in Amerika unbedingt deutsch essen wollten – wir hatten schlicht Hunger! Dort lernten wir ebenso zufällig die Besitzerin Margret kennen. Vor 65 Jahren war sie aus Norddeutschland ausgewandert und mit dem Schiff in New York angekommen. Sie hatte viel zu erzählen, und ich fand sie eine richtige Abenteurerin. Als ich ihr von unserer geplanten Reise über Bogotá nach Peru erzählte, sah sie das allerdings genau umgekehrt: Für sie waren wir die Abenteurer! So sassen wir mitten in Amerika und bewunderten gegenseitig unseren Abenteuergeist. Genau solche ungeplanten Begegnungen liebe ich am Reisen. Sie lassen sich nicht organisieren – und bleiben gerade deshalb in besonderer Erinnerung.

Anschliessend verbrachten wir noch zwei Nächte in einem Hotel mit Blick auf Manhattan.

Nun konnten wir die Stadt endlich ohne Auto erkunden.

Wir überquerten die Brooklyn Bridge, besuchten den Central Park, fuhren Velo und beobachteten die allgegenwärtigen Eichhörnchen. Wir bestaunten die Skyline vom Top of the Rock, unternahmen eine Schiffsrundfahrt und liessen uns vom Trubel am Times Square beeindrucken.

Es war trotz Wetterpech eine intensive, abwechslungsreiche und schöne Woche.

Bis hierhin hätte unsere Reisegeschichte problemlos als ganz gewöhnlicher Ferienbericht weitergehen können.

Tat sie aber nicht.

Bogotá – plötzlich dreht sich alles um ein Auge

Nach New York flogen wir weiter nach Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens.

Dort bekam Andy unerwartet Probleme mit einem Auge.

Aus einem vermeintlich überschaubaren gesundheitlichen Problem wurde innerhalb kurzer Zeit eine ernsthafte Angelegenheit.

Wir suchten medizinische Hilfe, warteten, versuchten uns zu verständigen, übersetzten, organisierten und hofften.

Schliesslich musste Andys Auge mit einem Laser behandelt werden.

Eine besonders engagierte Augenärztin kümmerte sich sogar ausserhalb ihrer regulären Arbeitszeit um ihn. Sie suchte uns eigens auf, damit die Behandlung noch durchgeführt werden konnte.

Sie empfahl uns für Cusco einen Augenarzt, den sie persönlich kannte: Dr. Edson Garcia.

Noch ahnten wir nicht, wie wichtig diese Empfehlung werden sollte.

Immerhin durften wir nach der Laserbehandlung weiterfliegen.

Von Bogotá selbst haben wir deshalb ausser der Augenklinik nur wenig gesehen. Für zwei kurze Spaziergänge durch die historische Innenstadt reichte es dennoch. Schöne alte Gebäude, lebendiges Strassenleben und erste Eindrücke von Kolumbien.

Dann ging es weiter nach Peru.

Cusco – endlich angekommen, aber anders als erhofft

Endlich Peru!

Wir freuten uns auf das Wiedersehen mit unserer Tochter und ihrem Mann. Vor allem wollten wir ihren Lebens- und Arbeitsort kennenlernen.

Doch daraus sollte leider nichts werden.

Zunächst konnten wir immerhin einige Eindrücke von Cusco gewinnen. Wir entdeckten interessante Häuser und bunt gekleidete Frauen und staunten über vieles, was uns in dieser fremden Stadt begegnete.

Allerdings wurde unsere Freude zunehmend von Sorgen überschattet.

Andy lebt seit bald zehn Jahren mit einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Durch die Krankheit und die bisherigen Behandlungen ist sein Immunsystem stark geschwächt. Infektionen können für ihn deshalb wesentlich gefährlicher sein als für gesunde Menschen, und die Erholung dauert oft länger.

Ausgerechnet auf dieser Reise kamen gleich mehrere gesundheitliche Probleme zusammen: eine hartnäckige Magen-Darm-Infektion, eine zusätzliche Atemwegsinfektion, die seinen ohnehin chronischen Husten massiv verstärkte, und schliesslich die ernste Augenproblematik. Besonders der Husten machte Andy schwer zu schaffen. Er, der sonst kaum je klagt, bat mich sogar, deswegen unsere Hausärztin zu kontaktieren. Doch auch die Hilfe aus der Ferne war schwierig: Nicht alle empfohlenen Medikamente waren in Peru erhältlich, sodass wir selbst nach einer geeigneten Alternative suchen mussten. Seine Kräfte schwanden zunehmend.

Andys Auge machte weiterhin Probleme. Als wir zunächst eine andere Klinik aufsuchten, war ausgerechnet wegen des Wahltages kein Augenarzt verfügbar.

Man überwies uns an einen Spezialisten.

Und wer war das?

Genau jener Dr. Garcia, den uns bereits die Augenärztin in Bogotá empfohlen hatte!

Manchmal gibt es Zufälle, bei denen ich einfach nur staunen kann.

Doch damit waren unsere Sorgen leider noch lange nicht ausgestanden.

Ein Geburtstagsbrunch mit Folgen

Am 5. Oktober feierten wir den Geburtstag unserer Tochter mit einem gemeinsamen Brunch.

Eigentlich ein schöner Anlass.

Doch Andy ging es nicht gut. Wir machten uns zunehmend Sorgen um seinen Gesundheitszustand.

Schliesslich beschlossen wir, mit ihm eine Notfallstation aufzusuchen.

Es sollte der Beginn eines weiteren äusserst schwierigen Kapitels werden.

Denn nicht nur seine allgemeinen Beschwerden bereiteten uns Sorgen. Auch mit seinem Auge stand es ernst.

Er hatte mehrere Netzhautrisse und Blut im Auge. Eine dringende Operation wurde notwendig.

Wir setzten uns mit der Rega und mit der Versicherung in Verbindung. Doch ein Rücktransport in die Schweiz wäre für den notwendigen Eingriff nicht rechtzeitig möglich gewesen.

Also musste Andy in Cusco operiert werden.

Eine Operation mitten in der Nacht

In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober wurde Andy mehrere Stunden lang am Auge operiert.

Dabei wurde unter anderem Silikonöl ins Auge eingebracht.

Die Operation verlief gemäss den Ärzten gut.

Aber für mich war es eine der schwierigsten Nächte meines Lebens.

Zunächst hatten wir noch gemeinsam gewartet. Wir kamen mit anderen Menschen ins Gespräch, unter anderem mit einem jungen Mann, der neben uns sass.

Dann wurde Andy zur Operation gebracht.

Plötzlich war ich allein.

Ich sass in einem eiskalten Raum und hatte das schreckliche Gefühl, mein Mann sei mir einfach weggenommen worden.

Ich wusste nicht, wie alles ausgehen würde.

Die Tränen flossen.

Mein Sitznachbar bemerkte, wie schlecht es mir ging. Er versuchte mich zu trösten und schenkte mir seine Decke.

Eine Decke mit Kuhmuster. Nichts typisch Peruanisches, sondern eine ganz gewöhnliche Decke, wie man sie auch bei uns finden könnte.

Aber es war seine Decke.

Und in diesem Moment bedeutete mir dieses Geschenk unglaublich viel.

Da sass ich, weit weg von der Schweiz, voller Angst um meinen Mann, in einem fremden Krankenhaus.

Und ein Mensch, den ich kurz zuvor noch gar nicht gekannt hatte, zeigte mir auf seine Weise, dass ich nicht ganz allein war.

Diese Decke wird mich wohl noch lange an jene Nacht erinnern.

Eine Woche auf dem Rücken – theoretisch

Nach der Operation musste Andy sein Auge streng schonen.

Für eine ganze Woche wurde ihm verordnet, sich im Hotelzimmer auszuruhen und auf dem Rücken zu liegen.

Eine Woche!

Dazu kamen zahlreiche Augentropfen, die über den ganzen Tag verteilt verabreicht werden mussten, sowie weitere ärztliche Anweisungen.

Allein das war schon eine Herausforderung.

Doch leider hielt sich der Rest seines Körpers nicht an den Genesungsplan.

Andy litt zusätzlich unter starkem Husten, Rückenbeschwerden und zunehmend noch heftigeren Magen-Darm-Problemen.

Er hatte keinen Appetit mehr, verlor an Gewicht und wurde immer schwächer.

Sein Zustand verschlechterte sich so sehr, dass er kaum noch fähig war, klar mit uns zu sprechen. Teilweise wirkte er sogar verwirrt.

Vor allem konnte er nicht mehr bei Entscheidungen mitwirken, die seine eigene Gesundheit betrafen.

Das war für mich besonders erschreckend.

Eigentlich hätte er eine Woche lang ruhig im Hotelzimmer liegen sollen, damit sich sein operiertes Auge erholen konnte.

Gleichzeitig machten seine anderen Beschwerden immer neue medizinische Untersuchungen notwendig.

Also mussten wir wieder und wieder zu verschiedenen Kliniken fahren.

Die Taxifahrten waren ein Abenteuer für sich.

Die Strassen waren häufig holprig, der Verkehr unglaublich dicht gedrängt.

Für eine Strecke, die wir zu Fuss in einer Viertelstunde bewältigt hätten, benötigte ein Taxi manchmal bis zu 40 Minuten.

Aber zu Fuss gehen konnte Andy längst nicht mehr. Dazu fehlte ihm jede Kraft.

So rumpelten wir über die Strassen, steckten im Verkehr fest und sassen anschliessend wieder stundenlang in irgendeinem Wartebereich.

Wir sollten möglichst im Hotelzimmer bleiben – und mussten es doch immer wieder verlassen.

Ein Dilemma, für das wir keine gute Lösung fanden.

Die peruanische Minute

In Peru habe ich eine neue Zeiteinheit kennengelernt.

Die peruanische Minute.

Sie kann erstaunlich lange dauern.

Wir suchten im Verlauf unseres Aufenthalts drei verschiedene Kliniken in Cusco auf.

Schon beim Betreten eines solchen Gebäudes wussten wir häufig nicht, wie das System funktionierte.

Wo mussten wir hin? Mussten wir uns anmelden? Eine Nummer ziehen? Einfach irgendwo warten?

Zum Glück half uns einmal der Türsteher, uns überhaupt zurechtzufinden.

Der weitere Ablauf war ungefähr so:

Zunächst zog man eine Nummer.

Dann wartete man.

Irgendwann wurde man aufgerufen, konnte sein Anliegen vorbringen und musste eine Voruntersuchung bezahlen.

Anschliessend wurde man an einen anderen Ort geschickt.

Dort wartete man wieder. Wie lange? Keine Ahnung.

Nach der Untersuchung wurde erklärt, welche weitere Behandlung notwendig oder empfehlenswert sei und was diese kosten würde.

Dann folgte die Frage, ob man bereit und in der Lage sei, dafür zu bezahlen.

War man einverstanden, ging es zurück zum ersten Wartebereich.

Wieder warten, aufgerufen werden, bezahlen.

Danach wieder an einen anderen Ort.

Warten.

Und so weiter.

Und so fort.

Mit der Zeit hätte ich wahrscheinlich Anspruch auf ein persönliches Wartezimmer-Abonnement gehabt.

Einmal verbrachten wir bis zu sieben Stunden in einer Klinik.

Und bei jedem erneuten Gang zum Schalter musste ich wieder den Pass vorzeigen.

Immer und immer wieder!

Dabei waren sämtliche Angaben doch längst erfasst: Name, Vorname, Geburtsdatum, Passnummer.

Aber offenbar genügte das nicht. Ich musste die Angaben zusätzlich zeigen, buchstabieren und wiederholen.

Beim nächsten Schalter begann das Spiel von vorne.

Mit der Zeit ging mir das gehörig auf die Nerven.

Besonders kompliziert war auch die Beschaffung der medizinischen Unterlagen.

In Peru scheint man vieles ganz unkompliziert per WhatsApp zu erledigen.

Zumindest klingt das unkompliziert.

Tatsächlich mussten wir Untersuchungsergebnisse immer wieder ausdrucken lassen und dem jeweils nächsten Arzt persönlich übergeben.

Die Informationen wanderten also keineswegs einfach von selbst von einer medizinischen Fachperson zur nächsten.

Dazwischen wurden Dokumente beschafft, Rechnungen verlangt und immer wieder Zahlungen überprüft.

Hinzu kamen die Sprachprobleme.

Zwar kann ich mich auf Englisch recht gut verständigen, aber Spanisch beherrsche ich nicht genügend, um komplizierte medizinische Sachverhalte auszuhandeln.

Und längst nicht alle Mitarbeitenden der verschiedenen Kliniken konnten Englisch.

Eigentlich war Arturo der Einzige, mit dem die Verständigung auf Englisch wirklich gut funktionierte.

Unsere Tochter half uns zeitweise beim Übersetzen. Doch sie konnte nicht ständig bei uns sein.

So musste ich mich immer wieder irgendwie durchfragen und versuchen, die richtigen Informationen zu erhalten.

Und Andy konnte mir inzwischen nichts mehr abnehmen.

Mit der Zeit wollte ich nur noch weinen, aber selbst dafür fehlte mir die Kraft.

Dabei möchte ich eines ausdrücklich festhalten: Auch in Peru gibt es sehr gute Kliniken und kompetente Ärzte. Wir haben selbst erlebt, wie engagiert und sorgfältig Menschen dort arbeiten. Allerdings spielt die Frage, ob man sich eine Behandlung leisten kann, eine entscheidende Rolle.

Mir fiel auf, wie aufmerksam uns die Mitarbeitenden jeweils betrachteten, wenn sie uns die Kosten für eine weitere Untersuchung nannten. Fast schien in ihren Blicken die unausgesprochene Frage zu liegen: Wollt und könnt ihr das bezahlen?

Für uns stellte sich diese Frage nie. Was medizinisch notwendig war, musste gemacht werden. Wir hatten eine Reiseversicherung für das Ausland und hofften, dass sie die Kosten übernehmen würde. Und selbst wenn nicht, hätten wir die Behandlungen aus eigenen Mitteln bezahlen können.

Wie wenig selbstverständlich das ist, wurde mir in einer Notaufnahme besonders bewusst. Dort erlebte ich eine Frau mit einer gebrochenen Hand, die wieder nach Hause ging. Sie und ihr Partner mussten zuerst überlegen, wie sie das Geld für die Behandlung zusammenbringen könnten.

Diese Begegnung hat mich betroffen gemacht. Sie führte mir vor Augen, wie unterschiedlich die Voraussetzungen sein können, unter denen Menschen medizinische Hilfe suchen.

Wenn plötzlich alles an einem hängt

Was mich besonders belastete, war nicht nur der grosse organisatorische Aufwand.

Ich musste gemeinsam mit unserer Tochter auch Entscheidungen treffen.

Medizinische Entscheidungen.

Entscheidungen, bei denen es um die Gesundheit und das Wohlergehen meines Mannes ging.

Wir kontaktierten Ärzte in der Schweiz telefonisch und per E-Mail.

Aber aus dieser grossen Entfernung waren ihre Möglichkeiten begrenzt. Das konnten wir teilweise durchaus nachvollziehen.

Nur half mir dieses Verständnis für die Schweizer Ärzte in den entscheidenden Momenten wenig.

Ich stand vor Ort, musste Informationen einholen, abwägen, organisieren und Entscheidungen mittragen.

Während Andy immer schwächer wurde und selbst überhaupt nicht mehr mitentscheiden konnte.

Ich fühlte mich oft vollständig allein verantwortlich für dieses geliebte Menschenleben, das mein Mann ist.

Ein Gefühl, das mich zu erdrücken drohte.

Ein Engel namens Arturo

Zum Glück begegneten uns auch Menschen, die ich niemals vergessen werde.

Einer davon heisst Arturo Lopez Vizcarra und arbeitet in der Clínica Fátima.

Seine genaue Funktion kenne ich nicht. Er ist jedenfalls kein Arzt. Aber er war für uns eine der wichtigsten Personen während dieser schwierigen Tage.

Er erklärte uns Abläufe, vermittelte zwischen uns und den Ärzten, half beim Organisieren und gab uns Orientierung.

Immer wieder sprach er mich mit «Madame» an.

«Don’t worry, Madame.»

Wie oft habe ich diese Worte gehört!

Einmal schrieb er uns sinngemäss, wir sollten sofort kommen, die Klinik sei nur noch eine Stunde geöffnet.

Also machten wir uns auf den Weg.

Als wir die volle Klinik betraten und direkt zu seinem offenen Büro gingen, reagierten andere Wartende verständlicherweise ungehalten. Sie forderten uns auf, uns hinzusetzen und zu warten.

Arturo hatte uns jedoch selbst herbestellt.

Das bedeutete allerdings nicht, dass wir anschliessend ohne Wartezeit behandelt wurden.

Im Gegenteil.

Aber Arturo liess uns nicht einfach allein. Er kam immer wieder vorbei, erklärte die nächsten Schritte, bestellte Taxis für andere Kliniken für weitere Untersuchungen und versicherte uns, dass alles gut kommen werde.

Dabei hatte er selbst offensichtlich unglaublich viel zu tun.

Er bot mir sogar an, ihn über WhatsApp zu kontaktieren. Manchmal brauchte eine Antwort etwas länger, weil er zuerst Rücksprache mit Ärzten nehmen musste.

Das verstand ich gut.

Arturo konnte die schwierige Situation nicht wegzaubern. Aber er gab uns das Gefühl, nicht völlig verloren zu sein.

Dafür werde ich ihm immer dankbar bleiben.

Eine Einkaufsliste vom Chirurgen

Eine andere Begebenheit werde ich ebenfalls nicht vergessen.

Für Andys Augenoperation mussten wir die vom Chirurgen benötigten Materialien selbst besorgen.

Mir wurde eine Liste in die Hand gedrückt.

Ich schaute darauf und verstand zunächst überhaupt nicht, was ich damit anfangen sollte.

Eine Mitarbeiterin erklärte mir, dass ich diese Dinge einkaufen müsse.

Aha.

Ja, aber wo?

Und was genau?

Offenbar merkte sie irgendwann, dass ich ziemlich ratlos war.

Kurz entschlossen unterbrach sie ihre Arbeit in der Klinik, begleitete mich über die Strasse zu einer Apotheke und erledigte den Einkauf für mich.

Einfach so.

Inmitten all der komplizierten Abläufe war das eine unglaublich wohltuende Erfahrung.

Denn manchmal brauchte ich keine weitere Erklärung.

Manchmal brauchte ich einfach jemanden, der mir zeigte, wie es ging.

Cusco – zwischen Sorgen und schönen Erlebnissen

Trotz allem wollte ich etwas von Cusco kennenlernen.

Und tatsächlich durfte ich einiges erleben.

Ich beobachtete die Menschen, ihre Kleidung, ihre Gewohnheiten, die Geschäfte und Häuser. Ich lernte neue Dinge kennen, staunte über kulturelle Unterschiede und entdeckte immer wieder kleine Besonderheiten.

Zusammen mit unserer Tochter besuchte ich ein kleines Museum, in dem wir viel über die südamerikanischen Kameliden erfuhren: Lamas, Alpakas, Vikunjas und Guanakos.

Vier Tiere, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen und doch ganz unterschiedlich sind.

Auch rund um Schokolade gab es Interessantes zu erfahren.

Nicht alle Unternehmungen gelangen allerdings wie geplant.

Ein Besuch bei den Kolibris beispielsweise endete vor verschlossenen Türen.

Obwohl der Ort als geöffnet angezeigt wurde, war niemand da. Später erfuhren wir, dass man sich für einen Besuch an bestimmten Wochentagen vorher anmelden musste.

Auch ganz praktische Dinge wurden zum Abenteuer.

Geldautomaten spuckten grosse Geldscheine aus, während Taxifahrer häufig kein Wechselgeld hatten. Und ein Automat zog unsere Karte ein, die wir am nächsten Tag nur mit grossem Aufwand zurückerhielten.

Nachts war es in Cusco keineswegs ruhig.

Rufe, Gespräche, Bellen von wilden Hunderudeln und andere Geräusche drangen durch die Nacht. Manchmal schien es mir, als würden die Menschen um uns herum trotz des nächtlichen Lärms bestens schlafen können. Manchmal hätte ich mir gewünscht, jemand würde für ein paar Stunden den Lautstärkeregler der Stadt herunterdrehen.

Aber es gab auch wunderschöne Momente.

Ein Pferd namens Waira

Einer meiner absoluten Höhepunkte war ein Reitausflug am 9. Oktober.

Während mein Schwiegersohn bei Andy blieb und sich um ihn kümmerte, durfte ich mit meiner Tochter in die Berge hinausfahren.

Schon die Landschaft war überwältigend.

Die Weite, die Berge, die Ausblicke!

Wir ritten durch eine wunderbare Gegend, sahen Inkastätten und erfuhren von unserem Guide viel Interessantes.

Mein Pferd hiess Waira.

Auf Quechua bedeutet das «Wind».

Ein wunderschöner Name für ein Pferd.

Waira war weich, anschmiegsam und meistens sehr folgsam. Gelegentlich zeigte sich allerdings, dass der Name durchaus zu ihm passte und er auch etwas schneller unterwegs sein konnte.

Ich genoss diesen Ausflug unglaublich.

Es war so wohltuend, für einige Stunden in der Natur unterwegs zu sein und mich an der Landschaft und an den Pferden zu erfreuen.

Unser Guide pflückte sogar etwas Minze, die ich Andy mitbringen konnte.

Am liebsten hätte ich Waira gleich mitgenommen.

Nur hätte ich ihm wohl zuerst erklären müssen, dass es am Vierwaldstättersee etwas anders aussieht als in den peruanischen Anden.

Tiere, die eine zweite Chance bekommen

Ein weiteres Erlebnis war der Besuch im Santuario Animal de Cochahuasi.

Dort werden Tiere aufgenommen, die verletzt, misshandelt oder anderweitig in Not geraten sind.

Sie werden gepflegt und aufgepäppelt, damit sie nach Möglichkeit wieder in die Freiheit entlassen werden können.

Mich berührte diese Arbeit sehr.

Es war schön zu sehen, dass sich Menschen um Tiere kümmern, denen es nicht gut ergangen ist.

Solche Begegnungen und Unternehmungen gehören für mich zu den wertvollen Erinnerungen an Peru.

Und doch lag über vielen dieser Erlebnisse ein Schatten.

Was Andy alles verpasst hat

Denn während ich unterwegs sein und manches entdecken durfte, blieb Andy im Hotelzimmer zurück.

Er konnte praktisch nichts von all dem erleben, worauf er sich während unserer Reisevorbereitungen so gefreut hatte.

Das machte mich traurig.

Besonders schmerzlich war, dass wir unsere geplanten Ausflüge nach Machu Picchu und ins Heilige Tal streichen mussten.

Und vor allem die Reise nach Andahuaylas.

Dort wollten wir den Lebens- und Arbeitsort unserer Tochter und ihres Mannes kennenlernen, insbesondere auch das Projekt Casayohana.

Darauf hatten wir uns ganz besonders gefreut.

Nun war es nicht mehr möglich.

Was ursprünglich einer der wichtigsten Teile unserer Reise werden sollte, fiel vollständig weg.

Natürlich war uns Andys Gesundheit viel wichtiger als jede Sehenswürdigkeit.

Aber das bedeutet nicht, dass uns diese Enttäuschungen nicht wehgetan hätten.

Man kann dankbar sein, dass eine medizinische Behandlung möglich war, und trotzdem tief traurig darüber, was einem dadurch entgangen ist.

Dürfen wir überhaupt noch fliegen?

Eine besonders bedrückende Frage begleitete uns über viele Tage:

Wann und wie kommen wir wieder in die Schweiz?

Nach der Augenoperation musste zunächst abgewartet werden, bis der Zustand des Auges einen Flug zuliess.

Am 14. Oktober erhielten wir nach einer weiteren langen Wartezeit endlich die ärztliche Flugfreigabe.

Das war eine riesige Erleichterung.

Doch gleichzeitig war Andy gesundheitlich nach wie vor schwer angeschlagen.

Die heftigen Magen-Darm-Beschwerden und der starke Husten hatten ihn ausgezehrt. Er hatte keinerlei Appetit mehr, und inzwischen schlug mir die ganze Situation ebenfalls auf den Magen.

Er hatte erheblich an Gewicht verloren und war vollständig erschöpft.

Was für eine schwierige Situation!

Einerseits durften wir nun fliegen.

Andererseits war Andy überhaupt nicht mehr belastbar. Er durfte ja auch überhaupt gar nichts tragen.

Er war nur noch ein Häufchen Elend.

Und wir hatten eine lange, anstrengende Rückreise vor uns.

Eine jüdische Familie und ein besonderes Gebet

Eine besonders berührende Begegnung hatten wir auf dem langen Flug von Lima nach Madrid. Wobei sie alles andere als harmonisch begann!

Die Frau hinter mir stiess immer wieder gegen meinen Sitz. Mein Nervenkostüm bestand nach all den Strapazen längst nur noch aus Fetzen, und irgendwann bat ich sie ziemlich genervt, meinen Stuhl doch bitte etwas in Ruhe zu lassen. Sie entschuldigte sich aufrichtig, doch ich reagierte zunächst wenig versöhnlich. Darauf fragte sie mich, ob ich denn bemerkt hätte, dass es ihr wirklich leidtat.

Das brachte mich zum Nachdenken. Ich entschuldigte mich ebenfalls, und ausgerechnet aus diesem etwas holprigen Anfang entwickelte sich ein wunderbares Gespräch mit einer jüdischen Familie.

Während des langen Fluges kamen wir immer wieder miteinander ins Gespräch.

Ich spielte mit den Kindern, half zwischendurch, heisses Wasser für eine Suppe für sie zu besorgen, und lernte sogar hebräische Ausdrücke.

So entstand trotz der schwierigen Umstände eine schöne Verbindung.

Als ich dem jüdischen Ehepaar von Andys gesundheitlichen Problemen erzählte, versicherten sie mir, dass sie für ihn beten würden.

Sie fragten mich nach dem Namen seiner Mutter.

Das überraschte mich zunächst.

Dann erfuhr ich, dass sie Andy in ihrer Gebetstradition mit seinem Namen und dem Namen seiner Mutter vor Gott bringen wollten:

«Andreas, Sohn der Elisabeth.»

Das berührte mich sehr.

Ich erzählte ihnen, dass ich Israel liebe und ebenfalls für ihr Volk bete.

Darüber waren sie offenbar überrascht und bewegt.

Später bemerkte ich, dass ihr Mann in der Tora las, und wir kamen auch über unseren Glauben ins Gespräch. Ich erzählte von den Zehn Geboten und davon, dass für uns Christen das wichtigste Gebot lautet, Gott von ganzem Herzen und mit ganzem Verstand zu lieben und unseren Nächsten wie uns selbst. Seine Frau wollte diese Worte unbedingt auf Deutsch lernen. Ihr Mann schmunzelte über die Nächstenliebe: Während ihrer vergangenen vier Monate als Volontäre hatten sie im Zusammenleben mit Menschen verschiedenster Nationen erlebt, dass sie manchmal gar nicht so einfach umzusetzen ist.

Es war eine Begegnung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Menschen unterschiedlicher Glaubenstraditionen, die sich auf einem langen Flug begegnen, immer wieder miteinander sprechen, sich gegenseitig helfen und füreinander beten.

Mitten in unseren Sorgen durften wir auch das erleben.

Madrid – warten, warten und dann: vorwärts, marsch!

Für die Rückreise hatten wir Rollstuhl-Assistenz organisiert.

Andy hätte die weiten Wege durch die Flughäfen in seinem Zustand unmöglich selbst bewältigen können.

Wir waren also auf Unterstützung angewiesen.

Nach der Ankunft in Madrid erwarteten wir, dass man uns zum Anschlussflug nach Zürich begleiten würde.

Stattdessen gerieten wir in ein organisatorisches Durcheinander, das uns noch einmal enorm viel Kraft kostete.

Langes Warten, unklare Zuständigkeiten, wechselnde Mitarbeitende und kaum verständliche Informationen.

Immer wieder mussten wir warten.

Und warten.

Und warten.

Dann plötzlich: schnell, schnell!

Vorwärts, marsch!

Fast wie beim Militär.

Wir hatten das Gefühl, uns nach den Abläufen der Assistenz richten zu müssen, nicht umgekehrt.

Besonders ärgerlich: Wir erfuhren, dass wir mit entsprechender Unterstützung möglicherweise einen rund zwei Stunden früheren Flug nach Zürich hätten erreichen können.

Die Umsteigezeit wäre etwas mehr als eine Stunde gewesen. Mit einer funktionierenden Assistenz hätte das durchaus reichen können.

Doch dafür hätte uns eben jemand rechtzeitig helfen müssen.

Immerhin erreichten wir unseren regulär gebuchten Anschlussflug.

Trotzdem waren diese mehr als drei Stunden Warten, das Umsteigen von einem Rollstuhl in den anderen, die Shuttlefahrt und das erneute Warten in Madrid für uns eine enorme Belastung.

Was für Menschen in guter körperlicher Verfassung schon mühsam wäre, wurde für uns nach den vorangegangenen Wochen zu einer weiteren Kraftprobe.

Ich war nur noch froh, als wir endlich im Flugzeug nach Zürich sassen.

Angekommen – aber noch nicht am Ziel

Am 19. Oktober landeten wir endlich wieder in der Schweiz.

Doch die Reise war damit nicht einfach abgeschlossen.

Andys gesundheitlicher Zustand erforderte eine erneute ärztliche Betreuung.

Noch am selben Tag befanden wir uns im Spital Nidwalden.

Andy wurde nach der Notfallstation auf eine Station mit Kontaktisolation untergebracht.

Wieder ein Spitalzimmer.

Wieder medizinische Fragen.

Wieder die Ungewissheit, wie es weitergehen würde.

Am Abend war ich so müde, dass ich am liebsten viel früher ins Bett gesunken wäre, was aber nicht möglich war, weil ich spät vom Spital nach Hause kam.

Und dann kam eine ganz andere Erfahrung:

die ungewohnte Ruhe.

Nach all den Nächten mit Hupen, Sirenen, Stimmen und anderen Geräuschen in Südamerika war es plötzlich beinahe unheimlich still.

Nur einer fehlte mir sehr: Andy.

Drei Kinder, die Gold wert sind

Etwas möchte ich bei all diesen Erlebnissen unbedingt erwähnen: unsere Familie.

Andy sagte kürzlich, unsere drei Kinder seien Gold wert.

Und damit hat er recht.

Während unserer schwierigen Zeit in Cusco halfen uns unsere Tochter und ihr Mann auf vielfältige Weise.

Sie übersetzten, begleiteten uns, unterstützten uns bei Entscheidungen, erledigten Dinge und übernahmen zeitweise die Betreuung von Andy.

Ohne ihre Unterstützung wäre manches noch viel schwieriger gewesen.

Und nach unserer Rückkehr konnten wir uns auf unsere beiden anderen Kinder verlassen.

Sie halfen mit Autofahrten, holten Medikamente ab, sorgten für einen gefüllten Kühlschrank und erledigten verschiedene praktische Dinge, die für uns in dieser Situation eine grosse Erleichterung waren.

All diese Unterstützung war keineswegs selbstverständlich.

Dafür sind wir sehr dankbar.

Endlich wieder beieinander

Inzwischen liegt auch der Spitalaufenthalt in der Schweiz hinter uns.

Am 23. Oktober durfte Andy wieder zurückkommen.

Er ist noch immer schwach, hat stark abgenommen und braucht Zeit, um sich zu erholen. Auch seine Augenbehandlung ist noch nicht abgeschlossen.

Aber es gibt erfreuliche Zeichen.

Er kocht wieder mit Begeisterung.

Er interessiert sich wieder für seine gewohnten Tätigkeiten.

Und als ich kürzlich an den Computer schaute, staunte ich nicht schlecht:

Andy war bereits dabei, sämtliche Reiseunterlagen zu ordnen.

Augenarztberichte, Laborresultate, Rechnungen, Belege und die ganze medizinische Geschichte – alles sauber in Ordnern abgelegt.

Dazu eine Excel-Tabelle, mit der sich nachverfolgen lässt, welche Rechnungen bereits bezahlt oder bei der Versicherung eingereicht wurden und welche Unterlagen noch fehlen.

Der Mann hat sich gewissermassen sein eigenes Reiseabrechnungsbüro eingerichtet!

Vor unserer Reise hatte er mit derselben Begeisterung unsere Ferien organisiert.

Jetzt organisiert er die Folgen davon.

Das ist einerseits traurig.

Denn von vielen Dingen, auf die er sich so gefreut hatte, konnte er kaum etwas geniessen.

Andererseits freue ich mich ungemein, dass ich meinen tatkräftigen, ordnungsliebenden Andy langsam wiedererkenne.

Und ich bin sehr froh, dass ich die Verantwortung nicht mehr allein tragen muss.

Was bleibt?

Diese Reise hat uns schöne Eindrücke beschert, aber auch an Grenzen gebracht, von denen wir vorher kaum etwas ahnten.

Wir haben gesehen, wie unterschiedlich medizinische Versorgung organisiert sein kann.

Wir haben erlebt, wie schwierig es ist, sich in einem fremden Land zurechtzufinden, wenn plötzlich eine schwere Krankheit dazukommt.

Wie viel Kraft es kostet, immer wieder warten, nachfragen, organisieren und entscheiden zu müssen.

Und wie einsam man sich dabei manchmal fühlen kann.

Aber wir sind auch Menschen begegnet, die uns mit grosser Freundlichkeit geholfen haben.

Menschen wie die Ärztin in Bogotá, die sich ausserhalb ihrer Arbeitszeit um Andy kümmerte.

Wie Arturo, der uns inmitten des hektischen Klinikalltags immer wieder Orientierung gab.

Wie die Mitarbeiterin, die mich persönlich in die Apotheke begleitete.

Wie jener junge Mann, der mich in einer der schwierigsten Nächte mit seiner eigenen Decke tröstete.

Oder wie die jüdische Familie, die sich auf dem langen Rückflug so liebevoll nach Andy erkundigte und für ihn betete.

Auch die schönen Erinnerungen möchte ich nicht vergessen.

Die beeindruckende Woche in New York.

Die Landschaften in den peruanischen Anden.

Die Begegnungen mit Menschen und Tieren.

Und natürlich „mein“ Pferd Waira.

Trotzdem bleibt die Traurigkeit darüber, dass Andy vieles davon nicht erleben konnte und wir auf einen so wichtigen Teil unserer Reise verzichten mussten.

Eines ist mir sehr deutlich geworden:

Man kann vieles planen. Aber nicht alles.

Manchmal verändert das Leben eine Reise so gründlich, dass man am Ende ganz andere Geschichten mitbringt als jene, die man ursprünglich erzählen wollte.

Unsere Reise nach Peru sollte uns vor allem schöne gemeinsame Erlebnisse schenken.

Stattdessen wurde sie auch zu einer Geschichte über Angst, Geduld, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und die Kostbarkeit des Lebens.

Ich hätte auf manche dieser Erfahrungen gern verzichtet.

Auf die Menschen, die uns unterwegs geholfen haben, möchte ich dagegen nicht verzichten.

Und jetzt?

Mit unserer Rückkehr war die Reise zwar zu Ende, aber längst nicht alles überstanden. Während Andy sich langsam von seinen körperlichen Strapazen erholt, merke ich, wie sehr mich die vergangenen Wochen auch seelisch mitgenommen haben. Die Nächte sind schwierig, und manchmal holt mich das Erlebte unvermittelt wieder ein. Offenbar braucht nicht nur der Körper Zeit, um sich von einer solchen Reise zu erholen.

Die Reise ist vorbei.

Ihre Geschichte werden wir wohl noch lange mit uns tragen.