Erneut auf dem deutschen Jakobsweg 😉
Am 4. Juli 2026 durften wir unseren 39. Hochzeitstag feiern – die sogenannte Sonnenhochzeit. Ein wunderschöner Name. Er steht für die Wärme, die Kraft und das Licht, das eine Ehe nach fast vier Jahrzehnten ausstrahlen kann.
Für uns hätte dieser Tag kaum passender sein können.
Vor einem Jahr waren wir auf dem Jakobsweg zwischen Bad Wörishofen und Lindau unterwegs. Wegen der chronisch-lymphatischen Leukämie meines Mannes mussten wir damals schweren Herzens eine Etappe von 16,4 Kilometern mit dem Bus statt zu Fuss zurücklegen. Hier (anklickbarer Link) kannst du den Beitrag nachlesen.
Nun – genau an unserem Hochzeitstag und am Tag darauf – konnten wir diese fehlenden Kilometer endlich nachholen.
Dass dies überhaupt möglich wurde, ist alles andere als selbstverständlich. Nicht wegen der körperlichen Herausforderung allein, sondern auch wegen der aufwendigen Planung. Mein Mann tüftelte ein regelrechtes logistisches Meisterwerk aus: Auto, Taxi und öffentlichem Bus. Diese mussten perfekt zusammenspielen, damit wir genau dort weiterlaufen konnten, wo wir vor einem Jahr aufgehört hatten und am Folgetag weiterwandern vermochten.
Mir wurde dabei bewusst: Vor einem Jahr waren diese 16,4 Kilometer ein Zeichen der Begrenzung. Die Krankheit sagte uns gewissermassen: «Bis hierhin und nicht weiter.»
Ein Jahr später sind genau dieselben 16,4 Kilometer zu einem Zeichen der Hoffnung geworden. Nicht, weil die Krankheit verschwunden wäre – sie begleitet uns weiterhin. Aber wir haben ihr nicht das letzte Wort überlassen. Wir durften uns ein Stück Weg zurückholen, das uns das Leben damals genommen hatte.
Als ich vor einem Jahr über diesen Streckenabschnitt las, wurde mir etwas mulmig. Immer wieder war von steilen Anstiegen ab Weitnau und einer besonders anstrengenden Etappe die Rede. In Gedanken hatte ich den Weg schon zu einem kleinen Gebirge und einer gefährlichen Schluchtüberquerung gemacht.

Und dann?
Es wurde ein wunderschöner Spaziergang. Das Wetter war angenehm und längst nicht so heiss wie befürchtet.

Wie oft ist das eigentlich im Leben so?
Wir tragen Sorgen mit uns herum, die sich später als viel kleiner herausstellen als unsere Fantasie sie ausgemalt hat. „Gedankenriesen“ zeigen sich in der Wirklichkeit oft als das, was sie sind: Zwerge.
Am 4. Juli wanderten wir von Weitnau nach Aigis (7,4 km), am 5. Juli von Wolfsried nach Aigis – diesmal auf dem Jakobsweg in umgekehrter Richtung (9 km).
Mit diesen beiden Tagen ist unser gemeinsamer Jakobsweg durch Deutschland und die Schweiz nun wirklich vollständig.
1042 Kilometer.
Von der tschechischen Grenze führte uns der Weg durch Bayern, dem Bodensee entlang bis nach Genf. Ein besonderer Meilenstein war für uns der 13. Juni 2024, als wir Bad Wörishofen erreichten. Unsere grosse Tour schlossen wir am 22. März 2025 ab – mit Ausnahme jener 16,4 Kilometer, die uns die Krankheit damals genommen hatte.
Heute gehören auch sie zu unserer Geschichte.
Nicht als fehlendes Stück Weg.
Sondern als Erinnerung daran, dass man manches Ziel einfach etwas später erreicht.
Ich finde, unsere Sonnenhochzeit passt so gut zu diesen beiden Tagen. Wir haben sie nicht mit einem grossen Fest gefeiert, sondern indem wir gemeinsam einen Weg vollendet haben, der noch offen war. Schritt für Schritt.
Das Geheimnis einer langen Ehe ist wohl nicht, dass jeder Weg leicht ist – sondern dass man ihn gemeinsam weitergeht.
Denn am Ende zählt nicht, wie oft wir anhalten mussten.
Sondern dass wir weitergegangen sind. ☀️

1042 Kilometer sind nie nur 1042 Kilometer.
Sie bestehen aus Umwegen und Pausen.
Aus Schmerzen und Heilwerden.
Aus Busfahrten statt Wanderwegen.
Aus spontanen Planänderungen.
Aus Menschen, die im richtigen Moment wie Engel auftauchen.
Und aus zwei Menschen, die immer wieder neu entscheiden:
Wir gehen weiter. Gemeinsam.

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