Die verzweifelte Suche des kleinen Hirtenjungen Matteo

Wie lange sitzt er nun schon vor diesem Jesuskind? Die Heiligen drei Könige in ihren prachtvollen Kleidern, gratulieren Maria und Josef zur Geburt ihres Sohnes. Ein paar Schafe blöken hinter einem Holzverschlag.

«Matteo», haben seine Eltern vor ein paar Wochen gesagt, «dein Vater wurde angefragt, ob er Josef spielen möchte bei der lebendigen Krippe am Stanser Weihnachtsmarkt. Du und Mami dürfen beide Hirten sein. Was meinst du dazu?» Natürlich war er hellbegeistert. Das würde toll werden, wenn er so nah bei den Tieren sein könnte und seine Gspänli neidisch auf ihn sein würden.

15493407_10208075384583662_2096671019273878311_o.jpg

Aber jetzt ist die anfängliche Begeisterung verflogen, er friert ein bisschen, trotz des Feuers, um das er mit ein paar anderen Darstellern hockt. Es ist ihm langweilig und Ihm fehlen seine Spielsachen.

DSC_0606

Wo ist die Krippe? Wo ist Ben? Wo sind Matteos Eltern?

«Matteo, willst du mitkommen, dem Drehorgelmann zuzuhören?», stupst ihn Ben, ein etwas älterer Junge, der ebenfalls als Hirte verkleidet ist, fragend an. Matteo zögert und schaut zu seinen Eltern. Doch beide sind in Plaudereien vertieft. «Komm schon», drängt Ben und wendet sich schon langsam ab. Naja – seine Eltern würden es gar nicht bemerken, wenn er nur kurz nicht da wäre. Matteo verlässt mit Ben zusammen die Krippenszene. Sie folgen den Klängen der Drehorgel, bleiben unterwegs aber bei einem Eisklotz stehen, der sich unter den geschickten Künstlerhänden zu einer Figur entwickelt. «Was meinst du Ben, was gibt das, wenn es fertig ist?», fragt Matteo. Er schaut sich nach seinem Hirtenkollegen um, aber der ist verschwunden. «Ben! Ben! Wo bist du?» Und nun beginnt Matteo eine wilde Sucherei. Er bahnt sich einen Weg zwischen den vielen Menschenbeinen hindurch, denn er ist noch so klein, dass er nicht viel mehr, als die Beine der Marktbesucher zu sehen bekommt. Ben ist wie vom Erdboden verschluckt. Also beschliesst Matteo, alleine zur Krippenszene zurück zu kehren. Nur – wo ist die? Was anfänglich wie ein lustiges Fangspiel war, entwickelt sich zu einem tiefen Kummer. Matteo wird immer verzweifelter. Wo sind seine Eltern? Zu allem Elend schleicht die Kälte immer mehr in seine Glieder und er schlottert richtiggehend. Matteo sucht Wärme im Raclette-Zelt. Er hockt sich auf den Boden in einer Ecke, zieht seine Beine an und umfasst sie mit beiden Händen.

Wo ist die Krippe? – Wo ist das neugeborene Baby?

Auf einmal befindet er sich nicht mehr im Zelt, sondern auf einem weiten Feld zusammen mit ein paar Hirten. «Wir laufen dem Stern nach und suchen den neugeborenen König. Den Retter.», erklärt ihm einer der Burschen. «Du bist auch ein Hirte und gehörst zu uns. Komm mit.» Da Matteo nicht alleine zurückbleiben will und ja ebenfalls auf der Suche nach der Krippe ist, folgt er ihnen zögernd. Tatsächlich bleibt der Stern über einem alten Stall stehen. Die Hirtengruppe tritt ein. Wohlige Wärme empfängt sie. Und da liegt das Baby in einer Futterkrippe und Maria und Josef strahlen die Besucher an.

Wo ist Matteo? – Das Christkind hat ihn gefunden.

«Bub, was haben wir dich gesucht!» weckt ihn die Stimme seiner Mutter. Denn Matteo ist im Raclette-Zelt eingeschlafen. «Du warst spurlos verschwunden. Ben und ich haben dich überall gesucht.» Matteo murmelt noch etwas schlaftrunken: «Ich ging mit anderen Hirten dem Weihnachtsstern nach. Meine Rolle ist ganz wichtig. Ich habe das Christkindli gefunden.» – «Es hat dich gefunden und gerettet, denn ich habe dafür gebetet», antwortet seine Mutter.

Regula Aeppli-Fankhauser

Die Geschichte erschien am 20. Dezember im Nidwaldner Blitz

Bildschirmfoto 2018-12-20 um 11.49.16.png

Werbeanzeigen

Die Geburtstagsparty

Wusste selber gar nicht mehr, dass ich diese Geschichte geschrieben hatte vor einem Jahr. 😀 Sie ist eindrücklich – jetzt erinnere ich mich. haha

Gmerkigs

Wie freute er sich auf seine Geburtstagsparty! Freunde würden da sein und er sehnte sich danach, mit ihnen bei einem feinen Essen zu plaudern. Wie schön sie den Weg zum gemieteten Festsaal beleuchtet hatten. Es wurde ihm ganz warm ums Herz, als er diesen funkelnden Sternen und Lichterketten folgte. Extra seinetwegen aufgehängt – wie lieb. Kerzen in Laternen schmückten den Eingang und seine Geburtstagsgäste begrüssten ihn herzlich. Lachend führten sie ihn an die festlich geschmückte Tafel.

Es wurde auf das „Geburtstagskind“ angestossen. „Am Tag deiner Geburt war es recht kalt“, meinte jemand. „Oh ja“, bestätigte ein anderer Gast und fügte hinzu: „Eine Schande war das. Du hättest einen angenehmeren Geburtsort als jenen verdient, an dem du das Licht der Welt erblicktest. Du – in deiner Stellung.“ – „Wenigstens bekam deine Mutter im Wochenbett schon bald angemessen hohen Besuch. Was ich hörte, brachten sie ein paar wertvolle Geschenke“, war es einer…

Ursprünglichen Post anzeigen 344 weitere Wörter