Wüstenerkenntnisse in der Coronazeit

In dieser Coronazeit werden mein Mann und ich sonntäglich vom Livestream-Gottesdienst des GVC Winterthur inspiriert. Die aktuelle Serie „Wanted“, spricht mich besonders an. Der Gedanke, dass uns dieses Coronavirus in eine Art Wüste geführt hat, fasziniert mich. In der Wüste sind wir ohne Ablenkung und mit uns selbst, Gott und den Versuchungen des Teufels allein. Unsere Stärken und Schwächen kommen in Wüstenzeiten unseres Lebens vermehrt zum Vorschein und zum Tragen.

Hosea 2, 16+17 trafen mich ins Herzen:

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Gott ist es, der uns in die Wüste führen kann. An diesen unbequemen Ort, der uns einen Spiegel der Selbsterkenntnis vorhält. Nicht, weil er uns quälen will, sondern aus Liebe. Wie schön: „…in aller Liebe mit ihr reden“. Wenn die lauten Geräusche des Alltags verklingen, sind wir empfänglicher für Gottes liebevolle Worte. Er liebt uns, seitdem wir im Mutterleib waren und niemals wurde seine Liebe weniger. Wenn ich dann eine Schwachheit an mir entdecke, welche mich nervt oder deprimiert, brauche ich nicht zu verzweifeln, denn das Unglückstal soll ein Tor der Hoffnung werden. Das ist richtig schön philosophisch formuliert, findet ihr nicht auch? 😉

Vielleicht interessiert euch, welche Selbsterkenntnis ich in der Wüste hatte? 😉 Was Gott in Liebe zu mir sprach? Es war mein Umgang mit Ungerechtigkeiten. Ich stellte mit Schrecken fest, wiesehr ich mich in etwas verbeissen kann, wenn ich feststelle: das ist völlig unfair, unsolidarisch, unsozial – da werden Regeln verletzt.

Konkret geht es darum, dass der Bundesrat öffentliche Sporttrainings verboten hat. Kanu-, Tennisclub, Turnvereine und andere halten sich daran. Müssen sie. Mein Mann verzichtet auf sein Tennistraining. Ich selber aufs wöchentliche Hallenbadschwimmen, Pilatestraining und Line Dance. Und jetzt beobachtete ich seit dem Lockdown doch tatsächlich, wie vor meinen Augen auf dem Sportplatz fast täglich ein Leichtathletiktraining stattfand. In einer grösseren Gruppe als zugelassen und um den Abstand scherten sich die Athleten samt Trainer einen Deut. Ich schaffte es, über Wochen hinweg, relativ gelassen zu bleiben. Eines Tages wurde meine Toleranz aber überstrapaziert, als es der Trainer mit der Anzahl Athletinnen übertrieb und ich kontaktierte trotz meiner Vorsätze, ruhig und gelassen zu bleiben und nicht zu einer „Bespitzlerin“ zu werden, die Polizei. Enttäuscht war ich, als die Polizei den Lügen der Leichtathleten und des Trainers mehr glaubten, als mir. Sie würden die Abstandsregeln einhalten, seien ja nie mehr als 5 und der Trainer sei nur ein Zuschauer. Wie ungerecht gegenüber allen, die sich an die Regeln halten! Ich ärgerte mich sehr und gleichzeitig wunderte ich mich über meinen Eifer. Warum konnte ich nicht einfach das Ganze loslassen? Unsere Welt ist nun mal ungerecht und es gibt schlimmere Regelverstösse. Zudem wird ja nicht mir persönlich weh getan damit. Im Grunde meines Herzens, mochte ich den jungen Leuten ihre sportliche Aktivität gönnen. Wie gern hätte ich es gehabt, wenn ich mich darüber einfach nur hätte freuen können. Aber ihre Trainings waren ungerecht allen anderen Sportlern gegenüber, welche sich diese Freiheit nicht nahmen und verstiessen gegen die bundesrätlichen Vorschriften. Mich zerriss das Beobachten der Ungerechtigkeit einerseits und mein andererseits starkes Harmoniebedürfnis fast.

Ich suchte das Gespräch mit Gott und fragte ihn. Und siehe da… Ich hörte seine Worte in Form eines Blogbeitrags, der mir ein Aha-Erlebnis bescherte. Der Grund meines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns liegt wohl in meiner Hochsensibilität. Das Wissen, dass nichts falsch ist daran, entlastete mich enorm. Ich bin so geschaffen von Gott und es ist gut so. Ich muss nicht dagegen ankämpfen und mein Wesen verleugnen oder unterdrücken. Nun gilt es, einen guten Umgang damit zu finden. Inga hat diese Tipps im verlinkten Blog näher ausgeführt und ich beschreibe sie nun mit eigenen Worten:

  • sich selber treu sein und die Empfindungen wahr nehmen, nicht verleugnen, ignorieren, unterdrücken
  • meinen Anteil sehen – und hier dachte ich an meine eigene Predigt über den Umgang mit Ärger/Wut zurück 😉
  • mitfühlend mir und anderen gegenüber sein
  • Verzeihen und vergeben und auch hier dachte ich natürlich an meine eigene Predigt 😉

Das wirklich „Neue“ für mich waren daher nicht diese Tipps, sondern das Hören, dass es ok ist, wie ich bin. Mein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit und das gleichzeitige Streben nach Harmonie, wurden von Gott in mich hinein gelegt und er möchte mich genau damit zum Segen für andere setzen. Tröstlich war für mich schon immer in diesem Zusammenhang der Bibelvers:

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Gott – vor dem ich gerecht bin 😉 wird meinen Hunger nach Gerechtigkeit eines Tages ganz sättigen.

Kindererziehung im Wandel der Zeit

Kindererziehung im Wandel der Zeit – Teil 1

Gehorsam und Pflichterfüllung gegenüber Erwachsenen und Disziplin – dies waren drei typische „Tugenden“, welche Kindern über Jahrzehnte eingetrichtert und nicht selten eingeprügelt wurden. In der Schule und im Elternhaus war es für ein Kind tabu, zu widersprechen.

„Tatzen-Geben“ (mit dem Lineal auf die Finger schlagen) war als Bestrafung ungehorsamer Kinder legitim. Mit Lederriemen, Teppichklopfern, dünnen Rohrstecken wurden kindliche Gesässe traktiert, um sie fühlen zu lassen, dass die Erwachsenen sagen, wie sie sich zu verhalten haben. Ohrfeigen, „Kopfnüsse“, das Ziehen an den Haaren oder Ohren und das Knien-Lassen des Kindes auf einem spitzen, dreikantigen Holzscheit, waren ebenfalls beliebte Disziplinarmassnahmen. Pfarrer, Lehrer und Eltern beriefen sich nicht selten auf den Bibelvers von Sprüche 13,24: »Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.« Dabei waren sich die Erziehungsberechtigten nicht bewusst, dass das hebräische Wort „Rod“ für Rute auch mit „Korrektur“ übersetzt werden kann. Nach heutigen Bibelauslegern legitimiert dieser Vers nicht das Schlagen von Kindern, sondern es geht um das Erziehen im Allgemeinen. Einem Kind soll nach biblischem Erziehungsverständnis nicht alles erlaubt werden, sondern es soll Grenzen spüren, ähnlich wie sie der Autofahrer in Form von Leitplanken auf Autobahnen erlebt.

Körperstrafen im Strafrecht

Die Generationen bis 1960 kannten einzig den strengen Erziehungsstil der vorangegangenen Jahrzehnte. Gehorchen, ohne kindliche Wünsche zu äussern, das war das Übliche, was für ein Kind galt. Erst ab den 1960er Jahren setzte eine Trendwende in der Gesellschaft ein. Seither gilt es als barbarisches Relikt früherer Zeiten, Kinder körperlich zu bestrafen. Allerdings sind bis heute in den meisten Ländern der Welt Ohrfeigen oder Schläge auf den Allerwertesten als Erziehungsmittel legal, solange sie „massvoll“ und „angemessen“ sind. Anders als in der Schweiz, sind in Deutschland, Schweden, Island, Finnland, Dänemark, Norwegen, Italien, Österreich, Zypern, Kroatien, Neuseeland, Costa Rica, Venezuela und Italien die gesetzlichen Regelungen strikt und verbieten körperliche Züchtigungen. Das schweizerische Strafgesetzbuch sagt, Körperstrafen seien gesetzlich erlaubt“ im Sinne von Artikel 14, „solange sie als Befugnis der elterlichen Sorge gelten“. Einzig wiederholte körperliche Bestrafungen, die „das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass“ überschreiten, werden als Tätlichkeit von Amtes wegen verfolgt.

Autoritärer und antiautoritärer Erziehungsstil

Als die Gesellschaft sich von der autoritären, politischen Führung, zur Demokratie bewegte, wurden Zweifel an strengen Erziehungsmethoden laut. Die sogenannte 68er Bewegung setzte einen Gegentrend: die antiautoritäre Erziehung. Sie proklamierten, dass jede Erziehung Gewalt sei. Dem Kind sollte ein eigener Freiraum zugestanden werden und sie sollten zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, ohne ihnen Grenzen zu setzen.

Fortsetzung im Teil 2

War es früher klar, dass es Aufgabe der Erziehungsberechtigten war, Kinder zu disziplinieren, so ist es heute komplizierter, einen eigenen Weg zu finden, Kinder zu angenehmen Zeitgenossen heran zu ziehen. Viele Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Mit dieser Problematik wird sich die Fortsetzung des Themas in einem 2. Teil beschäftigen.

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