Mai dire mai – Sag niemals nie

Aufschrei – das ist ein treffender Ausdruck auf mein  „Non arrivederci“ von Ostern dieses Jahres. Mit so vielen Reaktionen hatte ich nicht gerechnet. „Nein, du kannst nicht ganz Italien in einen Topf werfen – wie verwerflich.“ – „Das Südtirol ist ganz anders. Die Gastfreundschaft ist wie in Österreich“, sagte man mir. Wir waren schon zweimal in der Gegend des Gardasees und erinnerten uns tatsächlich gern an Norditalien. Und so kam es, dass unser Vorsatz gerade mal ein halbes Jahr anhielt. Wir verbrachten letzte Woche wunderschöne, warme und sehr erlebnisreiche Ferien.

Samstag, 7. Oktober 17

Zuerst feiern wir zuhause den 25. Geburi unserer Tochter nach. Erst am Mittag brechen mein Mann, unser 16 jähriger Sohn und ich, auf und fahren über die Gotthardstrecke und Milano (keine guten Erinnerungen) zu unserem ersten Ferienort, nach Cavareno. In etwas mehr als 5 Stunden sind wir am Ziel. Erst bei unserer Abreise wiesen uns andere Gäste darauf hin, dass sich diese Region nicht im Südtirol, sondern im Trentino befindet. Naja – so quasi auf der Grenze zum Südtirol. Wir beziehen unser geräumiges Familienzimmer im Hotel Rosa. Dieses Hotel können wir sehr weiterempfehlen. Die Gastgeberin spricht deutsch und liest uns alle Wünsche von den Augen ab.

Sonntag, 8. Oktober

Weil wir keinen Vergnügungspark während unserer USA Ferien besuchten, gönnen wir unserem Sohnemann den Besuch des Gardalandes. Dies bereits zum zweiten Mal. Wir finden, es bietet auf kleinerer Fläche als Rust genauso tolle Bahnen. Wenn man hie und da für eine „schnelle Linie“ 5 Euro draufzahlt, steht man nicht an (sonst bis zu einer Std) und kommt dann vom Preis her auf dasselbe, wie bei einem Europapark-Besuch in Deutschland.

Vom Hotel Rosa bis zum Gardaland fahren wir leider etwa 1.5 Std.

Montag, 9. Oktober

Unsere Gastgeberin berät uns gut. Wir wandern rund um den Lago di Tovel/Tovelsee und sind begeistert über die Klarheit des Wassers und die Spiegelungen der Berge und herbstlich gefärbten Bäume darin.

 

Dienstag, 10. Oktober

Wir dürfen gratis Velos vom Hotel benutzen und erkundigen die nähere Umgebung. Am Nachmittag bis Abend geniessen wir den wunderschönen Wellnessbereich des Hotels.

 

Mittwoch, 11. Oktober

Wir fahren zum Mendelpass. Aufgrund von Bauarbeiten ist er zur Zeit nur eine Stunde zwischen 12 bis 13 Uhr befahrbar. So wandern wir ein bisschen zur Penegalhöhe. Aber nur etwas eine Viertelstunde hinauf und dann wieder zum Auto hinunter, weil es 12 Uhr ist und wir weiterfahren wollen. Die Aussicht ist beeindruckend – und noch was beeindruckt uns: eine Schlange – wahrscheinlich eine Ringelnatter…

Wir besichtigen Bozen und essen dort z’Mittag, bevor wir uns auf eine Autorundfahrt über Welschnofen zum Karersee begeben. Dieser See ist stärker „touristifiziert“ als der Tovelsee. Er gefällt uns schon – aber der Tovelsee war noch ein Stück weit malerischer und vor allem konnte man am Tovelsee direkt am Ufer entlang wandern, was hier nicht möglich ist, sondern nur an etwas erhöhter Lage. Zaun nicht übertreten, heisst es. Die Dolomiten  bieten ein schönes Hintergrundpanorama.

 

Wir fahren weiter über Meran zu unserem nächsten Ferienort: Laas. Hier wohnen wir nicht mehr in einem Hotel, sondern in zwei – ja zwei (!) – Appartements. Tobias hat sein eigenes Studio und wir eine etwas grössere Ferienwohnung. Tobias hätte zwar in einem ganz kleinen Zimmer in unserer Ferienwohnung Platz gehabt, aber natürlich hat er mehr Raum für sich im eigenen Studio, das sich auf derselben Etage wie unsere Wohnung befindet. Es wurde so offeriert von der Gastgeberin, als wir angaben, dass wir als Ehepaar und mit einem 16 Jährigen anreisen würden. Auch dieses Angebot ist sagenhaft günstig.

Die Gastgeberin erzählt uns, dass sie sich im Südtirol nicht als wirkliche Italiener sehen. Sie seien von der Art her ganz anders, was wir bestätigen können nach unserem miesen Erlebnis in Milano.

Donnerstag, 12. Oktober

Wir erhalten Gratiskarten für die Benutzung des öffentlichen Verkehrs. Dies ist sogar bis ins Münstertal der Schweiz gültig. Wir aber fahren nicht dorthin, sondern nach Meran. Wir besuchen die wunderschönen Gärten des Schlosses Trauttmansdorff und das Schloss selber. Dieses beherbergt eine Ausstellung zum Thema Tourismus. Auch mit Kindern sehr zu empfehlen. Wir wundern uns, dass sowenige der unzählig vielen Gartenbesucher das Schloss besichtigen. Auch Meran selber besichtigen wir natürlich. Die Zugfahrt von und nach Laas dauert eine Stunde.

 

Freitag, 13. Oktober

Wir wandern auf einem Waalweg. Schade, dass dieser alte Bewässerungskanal kein Wasser führt, die spektakulären Stege leider gesperrt sind und mit einem weiten wenig schönen und anstrengenden Auf- und Ab umgangen werden müssen und wir meistens im Schatten wandern. Doch der Wald ist romantisch und warm ist es dennoch. Überhaupt haben wir die ganze Woche bereits Wetterglück: immer strahlender Sonnenschein und zwischen 20 bis 26 Grad ist es warm. Wir wandern grad in umgekehrter Richtung wie hier beschrieben und leider stellt sich das als nicht kluge Entscheidung heraus: die Wanderwegzeichen sind nur von der anderen Seite her gut zu finden. Wir laufen einmal falsch und müssen die Zeichen oftmals suchen. Glurns ist unser Wanderziel. Ein herziges Mittelalterstädtchen. Das Schweizer Postauto bringt uns nach Taufers zurück.

Was tun mit dem angebrochenen Tag, nach der 3 stündigen Wanderung? Wir fahren in die Schweiz, denn Taufers liegt grad an der Landesgrenze. Im schweizerischen Santa Maria im Münstertal staunen wir darüber, wieviel besser die Häuser instand gesetzt sind, als die gleichen Häusertypen auf italienischer Seite. Es scheint, dass hier die Hausbesitzer mehr Geld zur Verfügung haben. Was für schöne Sgraffitis der Bündnerhäuser! Über den Umbrail– und den Stelviopass (Stilfserjoch) fahren wir wieder nach Laas zurück. Hat sich gelohnt, diese Autorundfahrt in der Abendsonne.

 

Samstag, 14. Oktober

Wir fahren über den Ofen– und Albulapass zur Lenzerheide und machen einen Foxtrail. Diesen bekamen wir geschenkt von Travelita. Das heisst, zwei Tickets mit kleinem Siegerapéro für Andy und mich. Für Tobias müssen wir nicht mehr viel bezahlen, denn wir profitieren von einem Cumulusangebot. Hier ist der Extrablogbeitrag zu diesem empfehlenswerten Foxtrail.

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Zuhause begrüsst uns Kater Minouch. Wir haben ihn vermisst, aber es wurde gut zu ihm geschaut während unserer Ferienabwesenheit. Er bekommt ausnahmsweise Katzenmilch.

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Die Woche verging im Flug – viel zu schnell! Aber wir haben soviel erlebt und ja: zum Südtirol sagen wir: gerne wieder einmal!

Unser Sohn Tobias (16) hat ein superschönes Video über den Lago di Tovel erstellt.

 

 

 

 

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Non arrivederci Italia – nicht Aufwiedersehen Italien

Es sollten gemütliche Ostertage werden in Olgiate Olona, Italien für uns als fünfköpfige Familie plus dem Freund der mittleren Tochter. Es wurde ein Alptraum, der uns 6 zum Schluss kommen liess: nie mehr Italien!

„Warum um Himmels willen, verreist ihr über die Ostertage in den Süden?“ fragten uns Verwandte und Bekannte. Von wegen Stau und so. Es war der Wunsch meines Mannes, den Comersee zu erleben. Er suchte ein auf booking.com gut bewertetes Hotel geographisch in der Mitte zwischen Como und Mailand gelegen aus.

Um den Osterstau in den Süden zu umfahren, starteten wir am Karfreitag früh mit zwei Autos um 5.30 Uhr. Vor Erstfeld verliessen wir die Autobahn und genossen unsere Pässefahrt über den Oberalp und Lukmanier. Die ersten Sonnenstrahlen auf den Bergen, die Natur – alles war traumhaft. Nur mein Mann neben mir musste sich noch von der letzten Chemoeinheit erholen. Es war ihm etwas übel – aber nicht mehr so stark wie am Gründonnerstag und er war sehr müde.

Im Hotel angekommen, waren wir zu früh dran mit Einchecken. Die Zimmer waren noch nicht bezugsbereit. Die Dame an der Rezeption empfahl uns, per Park and Rail ins Zentrum von Milano/Mailand zu fahren. Lampugnano hiess der empfohlene Parkplatz. Er war günstig und überwacht per Kamera, Schranke und Parkdienstmitarbeitern vor Ort. Im Zentrum von Milano angekommen, hielten wir uns nur in der Viktor – Emanuel – Passage und dem Domplatz auf, wo wir etwas zu Mittag assen. Mein Mann schlief dabei ein und wir entschlossen, zu Zweit das Hotel aufzusuchen, wo man mittlerweile einchecken konnten. Die anderen 4 wollten noch etwas in Milano verbleiben. Auf dem Parkplatz angekommen, fielen uns sofort alkoholisierte, verwahrloste Menschen auf. Einer drängte sich uns auf als „Hilfe“ beim Parkticket bezahlen, gegen Almosen. Beim Auto angekommen, sahen wir die „Bescherung“: die Autoscheibe war eingeschlagen und unser grosser Koffer fehlte.

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Seltsamerweise haben die Diebe nicht alles mitgenommen. So lagen noch Sandwiches, die Nackenrolle meines Mannes, seine Medikamente (!!), das Badezeugs (Tücher und Badebekleidung) im Auto. Auch das fahrlässig zurückgelassene iPad unseres Sohnes übersahen sie, wahrscheinlich, weil es in einem unscheinbaren Stoffsack verpackt war. Es musste wohl schnell gehen bei denen, denn ein T-Shirt unseres Sohnes lag noch vor dem Auto draussen herum. Dasselbe mit eingeschlagener Scheibe war auch bei unserem zweiten Auto der Fall. Ich dachte in diesem Moment nur noch: „Schnell weg hier, der Ort ist mir zu ungeheuer und mein Mann soll sich im Hotelzimmer ausruhen können. Unser Hotel ist ein 4 Sternhotel, da wird man sich vollumfänglich um uns kümmern. Die Polizei rufen, uns beraten wegen dem Autoschaden. Sich um seine Gäste zu kümmern, das gehört sich doch für ein 4 Sternhotel.“ So dachte ich jedenfalls. Damals.

Unterwegs telefonierte ich unseren Kindern und schilderte ihnen den Vorfall. Sie machten es mir später zum Vorwurf, dass wir nicht zusammen das weitere Vorgehen besprochen hatten und miteinander die Polizei und eine Garage aufgesucht hatten. So musste jede Partei dies selber erledigen. Ich handelte im Schockzustand und mein Mann war gesundheitlich eh angeschlagen.

Im Hotel angekommen, lächelte der Rezeptionist bloss die ganze Zeit, als wir ihm unser Schreckerlebnis erzählten. Selbst als ich ihn darauf ansprach, dass es nichts zum Lachen gäbe, lächelte er weiter. Ich glaube, der ist so trainiert, auf dieses Dauersmiley. Er teilte uns mit, dass die Carabinieri in Italien nie, aber auch wirklich nie an den Ort eines Geschehens komme, sondern wir müssten eine Polizeiposten aufsuchen. Nochmals 15 Minuten Autofahrt – und mein Mann wäre gern einfach aufs Bett gelegen, zeigte dies aber leider nicht vor dem Rezeptionisten. Ich wäre beharrlicher gewesen, dass Hilfe zu uns hätte kommen sollen. Oder zumindest, dass das Hotel einen Dolmetscher für uns aufgeboten hätte. Denn der lächelnde Herr am Hotelempfang beschied uns, dass auf dem Polizeiposten wohl ausschliesslich Italienisch gesprochen werde. Ich sagte ihm, dass ich zwar un pochettino (ein kleines Bisschen) Italiano verstehe und noch weniger sprechen würde, aber dass meine Sprachkenntnisse niemals ausreichen würden, um so ein Geschehen zu schildern. Seine Antwort? Ihr errät es: ein Lächeln. Er gab uns die Adresse des Carabinieripostens bekannt – das war dann seine ganze Hilfe. Dort auf dem Posten war man zwar nett zu uns, aber es war gleichzeitig auch eine Katastrophe. Der Computer dieser Carabinieri war wohl seit Tagen oder gar Wochen nicht aufgeschaltet worden, denn nach dem Starten (!) waren eine Reihe an Updates dran. Dieser Prozedere brach der freundliche Carabinieri nach etwa 5 Minuten ab und begann mit zwei Fingern den Rapport zu tippen. Zwischendurch zeigte er mir ganz stolz ein Stoffabzeichen. Dies hätte er sich verdient, weil er im Tessin einen Englischkurs belegte. Er war der einzige der Belegschaft, der un pochettino Englisch sprach. Wo die nächste Garage sei, welche uns das Fenster provisorisch abdecken könne, konnte er uns nicht sagen. Er verstand die Frage auch beim fünften Mal auf jede erdenkliche Variante gestellt, nicht. Wir fanden dann selber eine und das Fenster wurde gegen 80 Euro sehr gut provisorisch mit Plexiglas gedeckt.

Der ganze Aufwand kostete uns 3 Stunden Zeit und Nerven. Den anderen Familienmitgliedern 4 Stunden und noch mehr Nerven. Denn auf dem Polizeiposten, welchen sie aufsuchten, konnte niemand auch nur ein bisschen Englisch sprechen. Alles Verständigen geschah via Google Translator. Wirklich Hilfe erfuhren sie bloss, indem sie der Schweizer Polizei anriefen. Das gibt eine teure Telefonrechnung. Wie kann es sein, dass die Polizei in Italien keine Fremdsprache beherrscht? Bei uns muss für so einen Posten Mehrsprachigkeit vorgewiesen werden.

Mittlerweile wurde es spät. Aber das Hotelpersonal fragte nicht, ob sie uns mit Zahnbürsten und dem Nötigsten für eine Nacht aushelfen könnten. Als wir ihnen schilderten, wie es uns auf der Polizei und Garage ergangen war und nochmals unser Verständnis darüber ausdrückten, dass die Polizei nicht an den Ort des Geschehens ausrückte, meinte der Angestellte bloss, Italien habe ganz andere Probleme. Mag sein. Aber wenn sie sich nicht um die Probleme ihrer Gäste kümmern können, haben sie keine Touristen verdient.

Die Nacht war laut. Auf dem Flur unterhielten sich italienische Familien mit kleinen Kindern lautstark bis weit nach Mitternacht hinaus. Erst als ich „Silenzio per favore!“ (Ruhe!) in den Gang schrie, klappte es plötzlich mit der Ruhe. Nur, um 7 Uhr wieder mit demselben Palaver zu starten. Es ist mir ein Rätsel, warum man den Flur nicht benutzt, um einfach schnell in sein Zimmer zu kommen und nicht daran denkt, dass andere vielleicht schlafen möchten.

Das Frühstücksbuffet hatte bis 10.30 Uhr offen. Eine Stunde vorher mussten wir uns etwas zusammenkramen aus den unappetitlichen Resten. Kein Brot, keine Rühreier, keine Gläser für Orangensaft waren vorhanden.

Als wir zwei Tische zusammenstellten, damit wir 6 beisammen sitzen konnten und das weitere Vorgehen besprechen konnten, schnauzte uns ein Kellner an. Doch diese zwei Tische behinderten überhaupt niemanden. Jeder konnte problemlos an uns vorbeikommen. Der Kellner schmiss uns das Besteck hässig auf den Tisch. Ich konnte es kaum glauben! „Wir sind hier in einem 4 Sternhotel?“ fragte ich ihn. Er bejahte. „Nein, das sind wir nicht“, antwortete ich. Von da an ignorierte er mich komplett.

Wir waren auch sonst nicht rundum zufrieden mit dem Hotel. Eine ausführliche Bewertung findet ihr mittlerweile auf Tripadvisor, Booking.com, Google, Facebook und holidaycheck. Das Kommentieren und Bewerten auf Social Media wollten mir Damen von der Rezeption verbieten!

An diesem ersten Morgen verliess uns der Freund unserer Tochter. Ihm war das Ganze verleidet. Wir als Kernfamilie verblieben. Denn wir wussten, dass in der Schweiz Dauerregen herrschte. Unser Zeugs war weg, daran liess sich nichts ändern. Wir wollten das Beste aus der Lage machen und versuchen, die südliche Sonne zu geniessen. Deshalb nahmen wir uns ein grosses Taxi und liessen uns nach Como transportieren. Unser Auto konnten wir ja nicht brauchen, denn die Scheibe hätte sich leicht eindrücken lassen und wer weiss: weitere Diebe hätten noch das Autoradio ausbauen können oder die Sitze aufschlitzen aus Wut darüber, dass wir kein Gepäck dabei hatten. Wir kauften in Como Zahnpasta, Zahnbürsten, Unterwäsche, Pijamas, T-Shirts, Jeans etc. ein und erlebten in einem Café leider nochmals die italienische Mentalität eher nicht so positiv.

Wenigstens klappte der Taxidienst hervorragend. Zurück im Hotel erlebten wir den Paukenschlag: mein Sohn hat vom Raub aus den Autos grad noch eine neue Jogginghose und einen teuren Bademantel übrig gehabt. Die wurden nicht geklaut. Dafür aber von jemandem des Hotelpersonals. Aus dem Hotelzimmer! Ich meine – das Zimmer war leer – da befanden sich keine anderen Kleider und Habseligkeiten unseres Sohnes. Es gab mit einer einzigen Hose und einem Bademantel kein unübersichtliches Teeniechaos im Zimmer. Er wusste genau, dass er beides über die Sofalehne gelegt hatte. Sie waren weg! Doch uns wurde nicht geglaubt am Hotelempfang. Was das Schlimmste ist für ein Hotel, nämlich Diebstahl aus dem Zimmer, darf nicht sein und folgedessen findet es ganz einfach nicht statt. Wer sowas behauptet, ist ein Lügner! Wir vermuteten, es könnte ein Angestellter gewesen sein, der ins Zimmer treten musste, um den Safe zu reparieren, welcher nicht funktionierte. Dieser wurde übrigens nicht repariert, obwohl die Mitarbeiter behaupteten, er sei repariert worden. Es war kein Strom drauf. Unser Sohn ist Stromerlehrling und versteht was davon. Die Mitarbeiter seien befragt worden, hiess es und keiner habe etwas entwendet. „Ja natürlich würden die sofort einen Diebstahl zugeben“, war meine ironische Antwort. Wir müssten den Diebstahl beweisen. „Also, dann wertet die Überwachungskameras aus“, forderte unser Sohn. Nein, das würden sie nicht tun. Ok – wie sonst können wir den Diebstahl beweisen? Die Polizei hätte natürlich kommen müssen, aber uns wurde ja vorher mehrmals versichert, dass die nie kommen werde, denn sie hätten grössere Probleme im Land.

Nun fühlten wir uns nicht mehr sicher. Es war zu spät, um in die Schweiz zu fahren und so übernachteten wir nochmals dort. Doch am Sonntag verliessen wir diese ungastliche Stätte. Eine Nacht vor der geplanten Abreise. Zuerst wollten sie uns diese Nacht nicht vergüten, später taten sie es doch. Nur, um uns noch später ein Mail zu schicken, mit dem doppelten Betrag, den wir vorher bestätigt bekamen. Unsere Verwirrung war komplett und wir werden die Kreditkartenabrechnung genau checken. Notfalls haben wir einen Rechtsschutz.

Fazit: wir haben so übergenug von der italienischen Mentalität von: uns ist es so egal, wie es euch geht, denn es geht euch immer noch besser als uns. Und davon, dass die wenigsten Englisch beherrschen. Und von den Langfingern in Italien. Und davon, dass die italienische Polizei nicht da ist, wenn man Hilfe vor Ort benötigt. Sich dafür lieber um Musiker kümmern und sie wegweisen, wenn sie schön in Como auf einem Platz spielen. Ein Raub aus dem Auto kann überall passieren. Das ist das eine. Das könnte man verkraften. Aber dass dann niemand da ist, der Interesse hat, zu helfen, das gibt einem ein Gefühl der Hilflosigkeit und Wut. Ein Gefühl der Sicherheit zu haben, ist das grundlegendste, menschliche Bedürfnis. Dies wurde uns entzogen. Gefolgt vom Grundbedürfnis nach menschlicher Zuwendung. Auch dies wurde uns nicht gewährt. Auch die menschlichen Grundbedürfnisse für eine Nacht wurden vom Hotel nicht abgedeckt. Und dann noch nicht mal das Grundbedürfnis nach Nahrung so wirklich. Krümel liessen sie uns grosszügigerweise. Aber wie gesagt: es war ein 4 Sternhotel. Wie es zu den guten Bewertungen gekommen ist, weiss nur die Hotelleitung. Ok – Italiener sind natürlich mit einem Espresso zum Frühstück zufrieden. Nein – nie mehr Italien.Wir haben genug. Basta!

Auch auf eine Intervention von booking.com hin, gab das Hotel dieselbe Antwort, welche mich nicht überrascht:

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An dieser Stelle ein Tipp für den menschlichen Umgang: es hilft einem in dieser Situation nicht, wenn man uns in irgend einer Weise belehrt. Es hilft auch nicht, zu hören: „dann verreist doch nicht mehr und baut euch eine Mauer rund um euch, dann seid ihr in Sicherheit. Lasst sie euch von den Nachbarn bezahlen.“ Es hilft nicht, Italien verteidigt zu bekommen. Wir haben es nun mal so erlebt, wie wir es erlebt haben und möchten uns nicht mehr dieser Gefahr und dem Gefühl der Unsicherheit aussetzen und dem Wissen, dass einem bei einem schlimmen Erlebnis nicht geholfen wird. Solche Kommentare benötigt man in diesem Moment einfach nicht. Sie wirken verletzend. Nicht gedacht, hm? Dann habt auch ihr was zum Zwischenmenschlichen gelernt. Was einem hilft in so einer Situation ist zu hören: och, das war mühsam für euch, wir verstehen eure Wut. Ganz einfach nur das. Mehr braucht man nicht an Reaktion. Ausser ein bisschen Verständnis.

Nachtrag, 5.5.17: Habe nochmals auf Google nachgeschaut, ob sich bei den Bewertungen was Neues ergeben hat beim MO.OM Hotel. Und was sehe ich da? Bereits vor 10 Monaten schrieb jemand was von Diebstahl aus dem Zimmer! Das war also nicht das erste Mal bei uns.

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