Familienmanagerin – ein vielseitiger Beruf

– Teil 1

Wie lautet die korrekte Bezeichnung einer Mutter, welche sich Vollzeit um die Kinder kümmert? Das althergebrachte «Hausfrau» beschreibt leider die mannigfaltigen Aufgaben einer Mutter zu wenig. Zudem kümmern sich auch Berufsleute zuhause um ihren Haushalt. Ist «Vollzeitmama» treffender? Was ist dann aber eine Mutter, welche auswärts arbeitet? Sie ist doch genauso vollzeitlich Mama. Vielleicht deckt die Bezeichnung «Familienmanagerin» beide Mütter-Modelle ab?

Einen Haushalt zu führen und sich um Kinder zu kümmern, fordert tatsächlich Managerqualitäten. Denn es muss organisiert, gecoacht, getröstet und aufs Familienbudget geschaut werden. Diese Aufgabenstellungen treffen auf alle Mütter zu, egal ob sie ausser Haus arbeiten oder nicht. Zwei Mütter erzählen von ihren verschiedenen Modellen. In diesem 1. Teil ist es eine Mutter, welche sich Vollzeit um Haushalt und Kinder kümmert.

Monica Stäheli, verheiratet, Mutter von 4 Kindern

Ihr Tag beginnt sehr früh, nämlich bereits um ca. 5:30 Uhr. Er ist ausgefüllt mit Betreuungsaufgaben rund um die 4 Kinder und Hausarbeiten. Dazu kommen zwei ehrenamtliche Engagements in der Kirche «Christlicher Treffpunkt» und in Leben von Flüchtlingen, welche in ihrem Umfeld leben. Ihre Motivation zu diesen unbezahlten Tätigkeiten, findet sie in der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. In Kanada hat sie Pflegefachfrau gelernt. Unregelmässige Arbeitszeiten im Pflegeberuf und die Betreuung ihres ersten Nachwuchses unter einen Hut zu bringen, wurden zunehmend zur Belastung. Vollzeit zuhause sein zu dürfen, brachte viel Entlastung, Freude und Gelassenheit in den neuen Alltag als junge Familie. Monica Stäheli verrät, dass sie gerne eines Tages wieder in den Pflegeberuf einsteigen möchte. Allerdings müsste ihr zukünftiger Arbeitsplatz für sie zeitlich genug Raum lassen, so dass sie ihre Ehe, das Familienleben, Engagements im «Christlichen Treffpunkt» und auch ihre Freundschaften pflegen könnte. Auf die Frage, wie Menschen auf ihr «Vollzeitmuttersein» reagieren würden, antwortet sie: «Grundsätzlich positiv. Manchmal werde ich aber schon gefragt, ob ich nichts arbeite.»

Wenig Anerkennung in der Gesellschaft

Eine Frau, welche ihren geliebten Beruf zugunsten der Familie aufgab, verzichtet auf sehr viel: auf einen Lohn, auf Karrierechancen und gesellschaftliche Anerkennung. «Was sind Sie beruflich?» Eine Frau, welche auf diese Frage mit «Hausfrau» oder «Familienmanagerin» antwortet, erntet heutzutage oft ein müdes Lächeln und das Interesse an ihrer Person sinkt. Dabei erwerben solche Frauen sehr viel Sozialkompetenz und lernen, Flexibilität in ihrer Organisation an den Tag zu legen. Sie haben deshalb Wertschätzung verdient.

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Teil 2

Sich «Hausfrau» zu nennen, ist bei heutigen Frauen unpopulär. Der Bezeichnung haftet etwas Altmodisches an. Sie erinnert an die die drei K: Kinder, Küche, Kirche, welche ab 1960 zu einer Redewendung im deutschen Sprachraum wurde.  Mütter sollten sich um die Kindererziehung, die Hausarbeit und die Vermittlung und Einhaltung von Prinzipien, wie sie die Kirche lehrte, kümmern.

Frauen wollen heute Anerkennung im Beruf und finanzielle Unabhängigkeit erleben. Sie haben studiert oder einen interessanten Beruf erlernt und möchten diesen nur kurzfristig aufgeben, wenn sie Mütter werden. Der Trend zeigt, dass sich die meisten Frauen nach einer Geburt, maximal ein Jahr lang eine berufliche Auszeit nehmen. In vielen Familien ist ein zweites Einkommen zwingend nötig und wer länger als drei Jahre weg vom Beruf ist, hat Mühe, den Anschluss wieder zu finden. Im Beruf erfolgreich zu sein und gleichzeitig zu schauen, dass es der ganzen Familie gut geht, ist eine grosse Herausforderung. Klar sind hier auch die Männer gefordert, Unterstützung zu leisten. Doch traurige Realität ist, dass Männer oft immer noch die besser Verdienenden sind und eine Familie es sich eher leisten kann, auf das Einkommen der Frau, als das des Mannes zu verzichten.

Individuelle Lösungen

Ob und wie schnell eine Mutter nach einer Geburt wieder ins Berufsleben einsteigen soll, muss jede Familie für sich bestimmen. Wir haben in einem 1. Teil eine Frau porträtiert, welche sich entschieden hat, voll zuhause für ihre Kinder und für Freunde da zu sein. Dafür hat sie auch Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Im heutigen Teil kommt eine berufstätige Mutter zu Wort.

Franziska Preisig, verheiratet, Mutter von 6 Kindern

Die gelernte Reisefachfrau ist seit 21 Jahren Geschäftsführerin von Preisig-Reisen und sagt, sie arbeite zwischen 60 – 150% (sehr viel im Homeoffice). Die Mutter von 6 Kindern meint: «Ich hätte wahrscheinlich nicht so viele Kinder, wenn ich Vollzeitmutter wäre. Die Arbeit ist mein Ausgleich.» Die Kinderbetreuung regelten sie anfänglich, indem ihr Mann Teilzeit arbeitete. Später hatten sie entweder eine Tagesmutter oder ein Au-Pair Mädchen und nun kann ihre pensionierte Mutter Unterstützung in der Kinderbetreuung leisten. Weil das Reisebüro ihr gehört, war es ihr möglich, hie und da ein Kind an den Arbeitsplatz mit zu nehmen. Und sie war stets in der privilegierten Lage, selber das Arbeitspensum zu bestimmen. Heute beschäftigt sie 3 Angestellte und kann zur Not auch mal fehlen. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Kinder durch ihre Arbeitstätigkeit im Reisebüro sehr selbständig wurden. Über all die Jahre beschäftigte sie selber Mütter und gab ihnen die Möglichkeit, mit wenig Prozentanteilen zu arbeiten. Sie ergänzt: «Wir sind ein sehr flexibles, gutes Team und wenn jemand mit der Familie ein Problem hat, springen wir füreinander ein.»

Anerkennung und Respekt haben alle Mütter verdient

Egal, ob eine Mutter voll zuhause bei den Kindern oder ergänzend auswärts tätig ist: Mutter zu sein gehört auch im 21. Jahrhundert noch zu den herausforderndsten Lebensaufgaben. Deshalb haben es alle Mütter verdient, am Muttertag geehrt zu werden.

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Diese zwei Teile zum Thema Familienmanagerin, erschienen am 3. und 11. Mai 18 im Nidwaldner Blitz.

 

 

 

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Was bedeutet es, eine Frau zu sein?

„Wann ist der Mann ein Mann?“, fragte sich Herbert Grönemeyer in einem bekannten Lied. Er kam zum Schluss: „Außen hart und innen ganz weich.“ Aber wann ist eine Frau eine Frau?

Weil die Menschen immer älter werden, leben heute drei Generationen Frauen gleichzeitig in der Schweiz. Diese haben unterschiedliche Frauen-Rollenbilder in der Erziehung und Gesellschaft erfahren.

Frauenbilder im Wandel

Einer 90-jährige Urgrossmutter wurde als Kind vermittelt, dass sie, im Gegensatz zu ihren Brüdern, im Hintergrund fleissig wirken solle. Buben mussten nicht im Haushalt helfen. Die „drei K’s“ waren die Welt einer Frau. Diese bedeuteten Kinder, Küche, Kirche. Sie hatte keine Wahl, als bald zu heiraten, Mutter zu werden, die Kinder gut zu erziehen, die Hausarbeit zur Zufriedenheit ihres Mannes zu erledigen und ein gottesfürchtiges Leben zu führen. Seither gab es mit jeder Generationenfolge in der Gesellschaft einen grossen Wandel. Das eidgenössische Frauenstimmrecht wurde 1971 eingeführt. Frauen arbeiten gegenwärtig wie selbstverständlich, nebst dem Muttersein, in ihren gelernten Berufen. Rufe nach Gleichberechtigung in allen Belangen werden immer lauter. Die moderne junge Frau lebt durchorganisiert, gibt sich stets gepflegt, ist beruflich kompetent und sozial vernetzt. Stimmungsschwankungen zu haben, aufgrund des weiblichen Zyklus, ist verpönt. Frauen haben heute verinnerlicht, dass es in Wirklichkeit keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gäbe, sondern dass diese nur anerzogen worden seien. Sie haben gelernt, dafür zu sorgen, dass sie kriegen, was ihnen zusteht und immer stark zu sein. Der Berufswettbewerb wird härter, die Frau will mit ihrem Fachwissen ernst genommen werden. Im Gegensatz zum ältesten Frauenjahrgang, muss sich die jüngste Frauengeneration auf eine Art „neu definieren“ im Sinn von: herausfinden, was Weiblichkeit ist und wie sie heute ausgelebt werden kann. Es kann ja nicht sein, dass die Lösung für sie bedeutet, zum „besseren Mann“ zu werden, ihre männliche Seite herauskehrend und auf den Tisch klopfend, mit Gewalt zu ihren Zielen zu kommen. Hinter einem männlichen Schönheitsideal hinterher zu rennen, um Anerkennung zu bekommen, kann ebenfalls nicht der Weg sein.

Gelebte Frauensolidarität


Leider besteht die Gefahr, dass kennzeichnende feminine Eigenschaften wie Feinfühligkeit, Fürsorglichkeit, ganzheitliches, vernetztes Denken und geduldiges Zuhören, im harten Berufsalltag der Frau und in einer gleichwertigen Partnerschaft, auf der Strecke bleiben. Wie wäre es, sich selber als Frau, mit allen weiblichen Eigenschaften, dem hormonellen Zyklus und unseren körperlichen Makeln, neu anzunehmen und sich selber mit Respekt zu begegnen? Kommen wir weg, vom ständigen Vergleichen mit anderen. Glauben wir nicht den Medien, welche uns sagen wollen, was eine „richtige Frau“ ausmachen soll. Komplimente verteilen, statt negativ taxierenden Blicken und herablassenden Kommentaren, wäre das Ausleben einer typisch positiven, weiblichen Eigenschaft: der Fähigkeit, zu ermutigen und fördern. Gönnen wir den anderen Frauen ihren beruflichen und privaten Erfolg. Geniessen wir das Leben vermehrt, mit all unseren weiblichen Sinnen, statt es einander schwer zu machen.

Regula Aeppli-Fankhauser


Der Artikel erschien am 7. März 2018 in der „Frauenbeilage“ des Nidwaldner Blitz

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Das berühmte Januarloch

Anfangs des Jahres haben viele Menschen mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen. Sie verspüren ein Loch im Portemonnaie, nach den hohen Ausgaben der Steuern und Geschenke am Ende des Vorjahres. Umgangssprachlich hat sich daraus der Begriff des Januarlochs entwickelt.

Andrea Schmid ist Budgetberaterin der Frauenzentrale Luzern.

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Andrea Schmid

 

Diese wurde 1961 als parteipolitisch und konfessionell neutraler Verein gegründet. Nebst Budget-, bietet sie Rechtsberatung an, vermittelt Tagesfamilien und Nannys und führt die Fachstelle Volljährigenunterhalt. Rund 1500 Personen und Familien nehmen jährlich eines der Angebote wahr. Andrea Schmid erklärt: „Leidet jemand am Januarloch, liegt das oft nicht an den betreffenden Monaten oder an zu tiefen Einnahmen, sondern zeigt ein Problem in Bezug auf die Planung.“

Das leidige Thema der Schulden

Andrea Schmid meint: „Aus meiner Beratungstätigkeit kann ich sagen, dass der Budgetposten Geschenke oft unterschätzt und überzogen wird. Eine grosszügige Ader ist etwas Schönes, bringt sie jedoch das Gesamtbudget aus dem Lot wird das zum Problem. Wird dafür sogar Geld aufgenommen, ist das alarmierend.“ Sie ergänzt, dass Jugendliche nicht höher verschuldet sind, als die anderen Generationen und meint: „Leider ist Verschuldung von der Politik toleriert und wird von Unternehmen aktiv beworben. Wenn Kreditbanken das Weihnachtsgeschäft bewerben, so ist das vor allem ein gutes Geschäft für sie. Für die Menschen, die naiv darauf zugreifen, erhöht es dauerhaft die Fixkosten in ihren Budgets. Ratenzahlungen müssen im Nachhinein geleistet werden. Es entsteht ein grosser psychischer Druck und der finanzielle Handlungsspielraum wird immer kleiner.“ Doch nicht nur der Weihnachtskonsum kann zu Verschuldungen führen, sondern ebenfalls Scheidungen, Arbeitsplatzverlust, Todesfälle, Ausbildung oder Familiengründung. „Hier machen sich in verschiedenen Kantonen die Leistungskürzungen schmerzlich bemerkbar und die Menschen werden zum Schuldner (z.B. bei den Steuern) beim gleichen Gläubiger, der ihnen die Leistungen kürzt (z.B. Stipendien und Prämienverbilligung),“ erklärt Andrea Schmid. Sie meint, dass es leider keine einfachen Tipps und Tricks gibt, um aus einer Verschuldung wieder herauszufinden. So sei es nicht alleine eine Frage der Einnahmen, der Planung, sondern auch der Familiengrösse, Lebenssituation, Resilienz und weiteren Faktoren, ob eine Entschuldung gelingen würde. Hier leisten die Schuldenberatungsstellen von Schuldenberatung Schweiz, www.schulden.ch, wertvolle Dienste.

Wie erstelle ich ein Budget fürs Jahr 2018?

Andrea Schmid sagt: „In einem Gesamtbudget müssen auch die unregelmässig anfallenden Rechnungen, wie Energiekosten, Verkehrssteuern oder Versicherungen berücksichtigt werden. Sie machen oft rund 1/3 der Ausgaben aus. Werden sie nicht in Form von monatlichen Rückstellungen beiseitegelegt, so führt das zu rollenden Liquiditätsengpässen.“ Die Frauenzentrale Luzern ist Trägerorganisation bei Budgetberatung Schweiz. Auf deren Webseite, www.budgetberatung.ch, sind für Privatpersonen gratis Vorlagen aufgeschaltet, die als Orientierungshilfe dienen. Diese sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigungen zum kommerziellen und institutionellen Gebrauch sowie die Aufnahme in Onlinedienste sind kostenpflichtig und nur nach schriftlicher Zustimmung von Budgetberatung Schweiz gestattet. Eine persönliche Beratung gibt zusätzliche Sicherheit. Auch Nidwaldner steht die Zentrale oder das Sozialamt Nidwalden zur Verfügung.

Regula Aeppli-Fankhauser

 

Frauenzentrale Luzern

Töpferstrasse 5
6004 Luzern
info@frauenzentraleluzern.ch

http://www.frauenzentraleluzern.ch
Telefon 041 211 00 30
Mo – Fr 10 – 12 Uhr

 

Dieser Artikel erschien im Nidwaldner Blitz vom 11. Januar 2018, KW 02 Ich bin dort Freelancerin.

 

 

umfall

„umfall“ sagen wir im schweizerdeutschen zu „unfall“ – und es passt. am letzten tag unserer veloferien (fahrrad) auf der deutschen bodenseeseite, bin ich umgefallen. blöd gestürzt, aber es geht ja selten gescheit zu und her, wenn man einen unfall baut. es war kein auto, kein fussgänger involviert, niemandem könnte ich die schuld geben, höchstens dem regen, der den kopsteinflasterbelag glitschig machte und mir selber, weil ich nicht daran dachte, dass ein vorderrad beim rechtsabbiegen auf kopfsteinpflaster vielleicht durch eine rille blockiert werden könnte (hat wohl ähnlichen effekt gehabt, wie wenn das vorderrad in eine schiene gerät). eine sekunde der unachtsamkeit, lässt mich seit dem 14. august 15 leiden.

was zuerst ein verdacht auf verstauchung war, erhielt zwei monate später im mri die diagnose tfcc-läsion handgelenk rechts und mündete am 16. oktober 15 zur ambulant ausgeführten operation, „transossäre refixation des tfcc“ genannt.

6 wochen lang soll ich nun eine armschiene tragen und das sieht so aus:

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ich war ziemlich schockiert, so ein monströses ding nach der op an meinem arm zu entdecken. ich habe mit einer kürzeren handschiene gerechnet. mittlerweile habe ich zwei der 6 wochen geschafft. (erst 😦 )

ich darf mit der rechten hand, dem ganzen rechten arm nichts halten, fixieren und deswegen fällt mir das alltagsleben viel schwerer, als ich es mir im vorfeld vorgestellt habe.

täglichen herausforderungen ist jeder von euch ausgesetzt. sei es bei der kindererziehung, im beruf, beziehungen etc. meine täglichen herausforderungen sehen so aus:

ausschliesslich mit der linken hand – müssig zu erwähnen, dass ich rechtshänderin bin

  • sich zu waschen, wobei es sich als unmöglich herausgestellt hat, sich mit der linken hand den linken arm selber zu waschen oder sich die nägel der linken hand mit der linken hand zu schneiden. was ich hingegen kann: nagelfeile in die linke hand klemmen und dreck aus den linken handnägeln entfernen. nachmachen! 😉
  • deo mit der linken hand unter die linke achselhöhle anbringen (rechts kein problem)
  • socken, unterhosen, hosen mit knopf anziehen (bh habe ich aufgegeben für diese zeit)
  • ein oberteil finden mit weiten ärmeln, unpassendes wieder irgendwie mit einer hand in den schrank zurückbugsieren (zusammenfalten mit einer hand geht nicht)
  • zähne putzen mit der zahnbürste in der linken hand geht mittlerweile und selbst fürs „zahnseidelen“ habe ich eine eigene technik entwickelt. ich nehme die zahnseide so zwischen die finger der linken hand, wie wenn ich luftmaschen fürs handhäkeln machen möchte. so in etwa funktionierts: haekeln-luftmaschenanschlag-1 2 zwischen zeigefinger und daumen kann ich dann mit der zahnseide die zahnzwischenräume reinigen. bin stolz auf meinen einfall. 😉 selbst die zahnpastatube kann ich linkshändig öffnen und zudrehen. frau hat ja noch oberschenkel und zähne, welche etwas festhalten können.
  • vor zwei wochen noch, habe ich mir einen kratzer an der stirn geholt mit der haarbürste in der linken hand. mittlerweile ist meine linke hand viel geschickter geworden, auch beim linkshändigen tippen auf der tastatur und beim maus bedienen links. aber manchmal zieht es verdächtig in den linken handsehnen und ich muss mich rigoros schonen, um nicht linkerhand eine sehnenscheidenentzündung einzufangen und dort auch eine schiene zu kriegen. die ergotherapeutin hat mir ernsthaft zugeredet.
  • duschen, baden, haarewaschen sind kein vergnügen mehr für mich, weil ich es trotz plastikschutz nie schaffe, dass die schiene trocken bleibt.
  • einen einkaufszettel linkshändig zu schreiben, geht ganz mühsam, ebenfalls das unterschreiben von prüfungen des sohnes.
  • gemüse rüsten, wäsche in die waschküche tragen, aus der trommel nehmen, aufhängen, abnehmen, schwere pfannen heben, kehren (mit handschaufel u. bürste), eine dose öffnen, betten machen, neu beziehen, fleisch schneiden beim essen und noch soviel anderes, welches vor der op zwei monate lang zwar unter schmerzen, aber doch möglich war, geht jetzt einfach beim besten willen nicht. und das ist trotz spitexhilfe sehr frustrierend für mich. was ich am traurigsten finde, ist, dass ich meine fotokamera in diesen goldenen herbsttagen nicht gebrauchen und nicht im biki (bibelkiste) arbeiten kann (bedeutet auch lohnausfall, denn ich bekomme dort nur was, wenn ich arbeite – stundenlohn) und nicht in mein geliebtes line dance gehen kann, denn mein gleichgewicht ist etwas gestört, weil mein rechter arm an den körper gebunden ist. und zudem schmerzt das hangelenk in der schlinge sehr schnell. auch wandern geht nur kurz und mit vielem ausruhen und hochlagern des arms. ich bin nie mehr ohne kissen unterwegs, um den arm lagern zu können, sonst werden die schmerzen unerträglich.
  • überhaupt die schmerzen: sie stimmen mich deprimiert, müde, ungeduldig und verunsichern mich, weil ich nicht weiss, ob sie „normal“ sind. seitdem die praxisassistentin an meinem geburtstag (28.10.) den arm zu zackig aus der schiene hob, damit die fäden entfernt werden können und mir dabei vor schmerz fast schwarz vor augen wurde, schmerzt mich das ganze wieder vermehrt und ich hoffe, dass alles ok ist und im normalen rahmen liegt. ich hoffe, die ergotherapeutin könne mir morgen mehr dazu sagen.
  • jeden tag sollte ich den arm aus der schiene heben und in eine kürzere umbetten, damit der ellbogen frei ist, bewegt werden zu können. denn sonst besteht die gefahr des „einrostens“. dasselbe bei den fingern, welche aber beim bewegen ebenfalls schmerzen. nun – das herausheben aus der schiene ist eine ganz mühsame prozedur, welche ich nicht ohne hilfe und schmerzen bewerkstelligen kann, trotz aller sorgfalt.

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ich hoffe einfach, dass die op erfolgreich war (termin beim orthopäden ist am 11.11.), dass alles gut kommt, wobei ich auch bei optimalem fortschritt mit 3-4 monaten heilungsweg rechnen muss. ich lerne beim ganzen hoffentlich etwas geduld und dass ich mich selber auch bei weniger leistungkraft lieb haben kann. es fällt mir alles andere als leicht, der spitex meinen haushalt zu überlassen. obwohl ich diese leistung ja via versicherung zugute habe und sie gut bezahlt werden, kämpfe ich gegen aufkommende schuldgefühle, wenn mir derart unter die arme gegriffen wird und ich hilflos daneben stehe. dankbarkeit mischt sich mit traurigkeit. wenn mir früher frauen erzählten, sie hätten mühe damit, hilfe anzunehmen und würden viel lieber helfen, verstand ich sie nie und dachte, mir würde sowas nie „passieren“ und ich könnte mir bestimmt problemlos helfen lassen. ich habe mich aber selber besser kennengelernt.

vorbilder in dieser zeit sind mir betty hamilton und nick vujicic. ihre behinderung ist nicht temporär beschränkt wie meine und sie meistern die täglichen herausforderungen beeindruckend.

trotz meiner vorbilder: es gibt immer menschen, denen es schlechter geht, als einem selber und die sogar weniger jammern als ich, mit einer temporären einschränkung. ich muss aber selber fertig werden mit meinem leben, meinen herausforderungen, meiner krise. ich kann ein vorbild nehmen, mut fassen, mit gottes beistand und heilung rechnen und doch darf ich mir zugestehen, dass es zur zeit nicht einfach ist für mich. ich darf verständnis haben für mich selber. zwei tage nach der abschiedsfeier für meinen vater, wurde ich operiert. meine gefühlslage ist eh labil. und deswegen doch noch ein wort an diejenigen meiner bekannten, welche sagen: „alles halb so wild, es ist ja nur so eine phase“: auch die trotzpase der kinder, ihr zahnen, die schlaflosen nächte deswegen, waren nur so „phasen“. sie gingen vorüber. aber am meisten geholfen haben mir in diesen „phasen“ menschen, welche mir verständnis entgegenbrachten für meine stimmungen und mich wie mein mann es tat, einfach in den arm nahmen und mir konkret dinge (arbeiten) abnahmen.

tipps, falls jemand eine solche op vor sich hat: plant eine haushalthilfe (habe ich nicht gemacht, ich dachte das bisschen haushalt schmeisse ich mit links und der unterstützung der familie), klärt das ab mit eurer krankenkasse, kauft in einer drogerie dusch-plastiksäcke für den arm, schneidet euch vor der op die hand- und fussnäel kurz, geht nochmals wellnessen oder tut das, was ihr liebt bewusst nochmals, was mind. 6 wochen lang nicht mehr geht, kocht vielleicht was vor und friert es ein, aber vor allem: organisiert euch oberteile mit weiten ärmeln! ich habe nicht daran gedacht und verzweifelte fast am tag nach der op, weil ich zur zivilhochzeit eines bekannten nichts zum anziehen fand in meinem kleiderschrank. so eine armschiene ist dick und passt auch nicht in jeden wintermantel. und wenn ich was anziehe, das knapp so geht, drückt die schiene und löst schmerzen aus.

das ist mein längster text einhändig mit links… ich habe einen schreibauftrag „meines“ verlags erhalten, aber da wird mir meine familie abtippen, was ich diktiere.

nachtrag, dienstag, 3. 11. 15
war heute in der ergo. die teilweise starken schmerzen seien „normal“. als ich fragte, wie lange ich noch mit solchen schmerzen rechnen müsse, fragte sie zurück, ob ich es wirklich wissen wolle. auf mein ja hin, meinte sie „noch lange“. ob das bedeute, über die 6 wochen armschienentragen hinaus, war meine weitere frage. antwort: „ja“… ich bekam dann tapes, welche schon sehr helfen. und neue fingerübungen.