Warum ich nicht gern telefoniere

Ein Facebookfreund (Johannes Mairhofer) hat soeben erklärt, warum er keine Telefonanrufe mag und auf diesen Artikel verlinkt. Endlich, endlich fühle ich mich verstanden, denn ich mag überhaupt keine Telefongespräche und fühlte mich mit dieser Antipathie allein. Wenn ich das bisher erklärte, stiess ich meist auf Unverständnis. „Was? Das gibt’s ja nicht. Ich telefoniere viel lieber, als dass ich schreibe.“ – „Dann musst du dich aber nicht wundern, wenn du keine Freunde hast oder alle verlierst“ waren so typische Reaktionen. Als ob die einzige Art, mit mir zu kommunizieren über eine Telefonplauderei möglich wäre. Ich habe noch nie gern telefoniert, auch nicht als Teenager. Es gab eine Zeit, da hinterfragte ich meine Antipathie nach einem möglichen Trauma. Zwar war ich zweimal diejenige, welche eine Todesnachricht als erste von unserer Familie erfuhr und diese Meldung weitersagen musste, aber ich glaube nicht, dass meine Abneigung von diesen zwei Erfahrungen stammt. Viel eher ist es so:

  • Wenn du mich anrufst, unterbrichst du mich bei irgendwas. Ich bin grad am Blog schreiben oder beruflich am Schreiben, weil ich einen Auftrag ausführe und sammle meine Gedanken. Dein Anruf unterbricht meinen Gedankenfluss. Ich bin im Schuss bei der Haus- oder Gartenarbeit und möchte in einer bestimmten Zeit mein Arbeitsziel erreicht haben. Ich bin im Gespräch mit einem meiner Kinder oder habe Besuch. Ein Anruf unterbricht ungefragt und der Klingelton, egal welche Melodie er spielt, stellt sich aufdringlich grad sofort in den Mittelpunkt. Ich kann nicht priorisieren und denken: zuerst mach ich das noch fertig, erkläre mein Anliegen meinem Gegenüber noch zu Ende. Nein, alles andere muss sofort warten. Es kann auch sein, dass ein Anruf mich beim „Nichtstun“ aufspringen und mein Herz pochen  lässt.
    Vorschlag: schreib mir ein SMS, WhatsApp, Mail. Kontaktiere mich per Facebook (dort gibt es auch einen Messenger), über Twitter oder Instagram oder über diesen Blog. Oder sprich mir eine Nachricht via WhatsApp drauf. Diese Möglichkeit gibt es ja auch noch, wenn du nicht schreiben magst. Ich antworte meist noch am selben Tag. Wir können über diese Kanäle auch einen Zeitpunkt für einen Telefonanruf vereinbaren, wenn du meinst, das Anliegen lasse sich über dieses Medium am besten besprechen. Oder wir vereinbaren einen Termin um einander zu besuchen, was ich auch immer sehr schätze.
  • Ich selber werde genau aus obigem Grund auch nie jemanden anrufen, ausser meine Schwiegermutter oder Mutter, welche beide kein Handy und Internet haben. Ich will nicht stören, unterbrechen. Wenn ich jemandem auf schriftlichem Weg eine Nachricht hinterlasse oder per WhatsApp eine Sprachnachricht schicke, weiss ich, dass der Empfänger dies dann abrufen kann, wann es ihm zeitlich, örtlich, kräftemässig und von der Lust her, mit mir zu kommunizieren, passt.

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    Das ist eine tote Leitung bei meiner Mutter. Links davon hängt das Hochzeitsfoto meiner Grossmutter und meines Grossvaters. Oberhalb des Telefons hängt eine Postkarte mit demselben Sujet – aber nicht von uns fotografiert. Foto im Foto im Foto… 😉
  • Ich telefoniere so ungern, weil ich eine Stimme allein nicht genau einordnen kann. Ich weiss nicht, ist das Gesagte ironisch gemeint, etwas ausweichend, peinlich berührt, vorwurfsvoll oder traurig? Ich spüre es zu wenig raus, benötige Gesten, Mimik und meine ganzen „Gmerkigen“ Sensoren, welche beim Klang einer Stimme allein fehlen. Ich fühle es nicht und das macht mich total unsicher, ich bin oft nach einem Telefongespräch bachnass geschwitzt, weil so viele Unsicherheiten mitschwingen. Wenn ich jeweils den Hörer auflege, hinterfrage ich mich tausendmal. Hätte ich das oder jenes anders sagen sollen?
  • Schweigen am Telefon geht auch ganz schlecht.
  • Und obwohl wir seit Jahren ein kabelloses Telefon haben, fühle ich mich durch den Apparat irgendwie „angebunden“. Eine Zeitlang dachte ich, dass Skypen eine mögliche Alternative für mich wäre, aber ich fühle mich da auch nicht total wohl – es ist besser, weil man das Gegenüber sieht und doch fühle ich mich halt auch „angebunden“ und ein kurzes Schweigen im Gespräch wirkt auch schnell peinlich.
  • Bei einem Anruf weiss ich nie, auf was ich mich einlasse. Werde ich einen Stunde am Apparat sein oder bloss ein paar Minuten? Ich mag es, wenn ich mich zeitlich auf was einstellen kann.
  • Am Telefon fühle ich mich nie frei, länger über etwas nachzudenken. Ich reagiere sehr schnell, spontan und ärgere mich im Nachhinein manchmal darüber.
  • Vielfach bin gar nicht ich gefragt, sondern mein Mann oder eines unserer Kinder. Wenn ich den Anrufer auf dem Display erkenne und weiss, die wollen etwas über Familienmitglied xy wissen, nehme ich nicht ab, weil ich meistens nicht Auskunft geben könnte. Jedes Familienmitglied hat ein eigenes Handy und deswegen verstehe ich im Grunde genommen nicht, warum die Leute nicht dort drauf ein WhatsApp hinterlassen.

    Es gibt Situationen, da ist ein Telefonanruf sinnvoll. Wenn ein Missverständnis bei einem schriftlichen Austausch entstanden ist und wir einander ewig hin- und herschreiben würden, ist die Angelegenheit meistens innert ein paar Minuten am Telefon geklärt. Lieber mag ich es aber, wenn bei solchen Vorkommnissen ein Bsüechli abgemacht wird und man einander 1:1 gegenüber sitzt.

    Wenn jemand innert nützlicher Frist nicht auf meine Mails, SMS, WhatsApps reagiert und ich eine Antwort erwarte, dann greife selbst ich mal zum Hörer. 😉

    Ich habe jetzt hier über den rein privaten Gebrauch des Telefons geschrieben. Beruflich ist es mir klar: da sind Telefonanrufe oft der schnellste, einfachste Weg der Kommunikation.

Wer übrigens meine Nummer nicht hat, dem werde ich sie aus obigen Gründen schwerlich rausrücken. Wer mir nahe steht, kennt unsere Festnetznummer und meine Handynummer. Im Telefonbuch steht unsere Nummer nicht und wir erhalten deshalb auch höchst selten Werbeanrufe. Wer weniger gut bekannt ist mit mir, kann über diesen Blog, Facebook, Twitter, Instagram den schriftlichen Austausch suchen, er kann mir einen Brief, eine Postkarte schreiben 😉 und kann gewiss sein, er wird eine Antwort erhalten. Wer allerdings auf Facebook nicht mit mir befreundet ist, sollte dort noch dran denken, dass Privatnachrichten im Ordner „Sonstiges“ landen, den ich alle paar Wochen mal anschaue. Also besser, eine Nachricht im Blog hinterlassen, hier wünschte ich mir sowieso mehr Dialoge. Ich höre ab und zu: „ich habe deinen neusten Blogbeitrag gelesen, er war kurzweilig, interessant“, aber selten hinterlassen Menschen mal Fragen oder Bemerkungen. Ich habe kürzlich wieder mal nachgeschaut, wie Menschen auf meinen Blog stossen und da denke ich oft: haben sie wohl gefunden, wonach sie gesucht haben? Und sonst: warum haben sie nicht nachgefragt?

Ich wünschte mir mehr Austausch, mehr Interaktivität, denn ich unterhalte und diskutiere gern. 😉

 

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Gmerkigs

„Besch es Gmerkigs“ sagen wir Schweizer, wenn wir jemandem etwas scherzhaft zugestehen, er oder sie hätte etwas entdeckt, was für andere schon längstens selbstverständlich sei. Alternativ kann man sowas über sich selber aussagen: „Be halt scho es Gmerkigs.“ 😉

Dasselbe Wort kann aber auch bewundernd verwendet werden: „Er isch e rächt e Gmerkige!“ Er merkt sich Dinge schnell, ist zum Beispiel ein intelligenter, aufgeweckter, spürender, gut beobachtender, aufmerksamer Schüler.

In meinem Blog möchte ich gmerkige Gedanken, Erlebnisse, Fragen, Bilder von mir (Schwarzweissfotos auf Leinwand mit handgemalten Farbtupfern)  und Fotos sammeln, festhalten und für das weltweite Netz freigeben. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Blog ein buntes Sammelsurium wird, als Abbild meines Lebens.

Ich bin eine Jahrgang 63 igerin, Familienmanagerin, Mutter von drei Kindern, welche teilweise bereits erwachsen sind, seit 1987 glücklich verheiratet mit Andy, überzeugte Christin, Hobbyfotografin, Testkundin, freie Autorin des SCM Bundes-Verlags (Schweiz) und des Nidwaldner Blitz , Katzenbesitzerin, Mitarbeiterin für Kindergottesdienste der ref. Kirche Buochs (ohne reformiertes Kirchenmitglied zu sein).

In der Hochsensibilität erkenne ich Wesenszüge von mir wieder. Eben – bin manchmal „übergmerkig“, mit allen Vor- und Nachteilen.