Gmerk-würdiger Tag

Was für eine gmerk-würdig-e  Zeit, der Donnerstag, 7. Juli und Freitag, 8. Juli 2016.

15 Jahre lang ging ich in der Beckenrieder Schule ein- und aus. Als Mami von Schulkindern. 10 Tage vor der Geburt unseres Jüngsten, zogen wir von Ennetbürgen nach Beckenried um. Unsere beiden Mädchen absolvierten in Ennetbürgen  den Kindergarten und die EK (Einführungsklasse – das Kind absolviert die 1. Klasse innerhalb von 2 Jahren). Im Geburtsjahr von Tobias – 2001 – starteten unsere Mädchen in der 2. und 4. Klasse in Beckenried. Muki-Turnen (Mutter-Kind), Elternabende, Elterngespräche, Schulveranstaltungen gehörten von da an zu unserem normalen Familienalltag. 15 Jahre lang. Und ab heute ist alles anders. Ich wurde zusammen mit dem Jüngsten aus der Schule „entlassen“. Dies ist nicht nur für ihn ein neuer Lebensabschnitt, sondern auch für mich als Mutter, denn wieder einmal gilt es, ein Stück weiter loszulassen. Ich habe heute gehört, wie wehmütig Eltern von Spielgruppenkindern oder Kindergärtnern sind, dass sie nach den Sommerferien ein „Level“ höher steigen. Genauso ging es mir damals auch – und heute erst recht. Es wird einem als Mutter bewusst, wie schnell die Kinder gross werden und man denkt mit Wehmut an gemeinsam Erlebtes zurück, das für immer der Vergangenheit angehört.

Nach den Sommerferien gehts für die Schüler der Abschlussklasse ein „Level up“, wie sie ihr Motto nennen. Tobias gestaltete das T-Shirt für seine Klasse. „Level up“, lehnt sich an das PC Spiel „Mario“ an, bei dem es, nachdem man etliche Herausforderungen erfolgreich gemeistert hat, ein Level höher geht.

Gestern, am Donnerstagmorgen um 3 Uhr fanden sich diese Schüler tatsächlich schon in der Schule ein, um gemeinsam ein paar Streiche für die anderen Schüler vorzubereiten. Was mich erstaunte dabei: alles musste „abgesegnet“ und abgesprochen sein. An der Pinnwand der Schule mussten sie im Vorfeld eine Notiz anbringen, dass empfohlen würde, am Donnerstag Ersatzkleider in die Schule mitzunehmen. Jedes Kind, das in einen Pool gedrückt wurde, musste vorher um Erlaubnis gebeten werden. Nach diesem freiwilligen Bad mussten alle Schulkinder des ORS Schulhauses durch einen Sägemehlteppich laufen und herausfinden, wie sie die Treppen wohl hochsteigen könnten, welche über und über mit Trinkbechern überstellt waren, welche natürlich mit Wasser gefüllt waren. 😉 Irgendwann verbrannten dann die Schüler der Abschlussklasse (AK 16) ihre Hefte und Arbeitsblätter in einem feuerfesten Behälter. Dies musste vorher der Feuerwehr und Polizei angekündigt werden.

Das war eine unruhige Zeit für mich: um 3 Uhr hörte ich, wie Sohnemann aufstand und ab 5 – 8 Uhr vernahmen wir insgesamt 10 Böllerschüsse. Als um 7.30 Uhr die Feuerwehr und die Polizei zu vernehmen waren und zudem eine Art Alarm, wurde es mir doch etwas „gschmuch“ (unheimlich) und ich kontaktierte unseren Sohn per Handy. Umgehend erhielt ich die Entwarnung: alles ok. Der Feuerwehreinsatz hatte nichts mit der Schule zu tun, aber galt leider einer befreundeten Familie, deren Stalldach niederbrannte! Der Alarm war tatsächlich von der Klasse erzeugt (durch eine spezielle Maschine) und musste auch der Polizei vorangekündigt worden.

Gestern Abend waren wir Eltern der AK 16 an einen ganz feierlichen Abschlussabend eingeladen. Die Schüler tischten ein feines, selbstkreiertes Essen auf. Wir Eltern steuerten Desserts bei.

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Es wurde vorgestellt, was jeder Abschluss-Schüler nun vorhat: wie sein nächstes Level aussieht und mit Fotos und in Reimversen wurde Rückschau über die Schulzeit gehalten. Wir konnten alle Abschlussarbeiten durchblättern (unser Sohn thematisierte „Drohnen im Arbeitsbereich“) und die zwei Werkbeiträge – das Bänkli unseres Sohnes und ein Boot (!) bestaunen. Die Schüler schrieben auf Zettel zusammen mit Mutter/Vater persönliche Zukunftswünsche und liessen sie an Ballonen in den Himmel fliegen. Das Fest dauerte bis Mitternacht.

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Dieses Bänkli hat Tobias im Werkunterricht hergestellt.

Heute Freitagmorgen um 6.30 Uhr trafen sich die Burschen bereits wieder zum Tricheln.  (Jetzt gelten sie übrigens beim Samichlauseinzug zu den erwachsenen Männern). Und heute Abend geht für sie das Fest weiter. Sie haben das Jugendlokal für sich gemietet. Ich hoffe, dass dort alles gut geht und muss wieder ein Stück weit loslassen. Denn was wir hörten, hätten vorherige Jahre ortsfremde Jugendliche Ärger bereitet mit mitgebrachtem Alkohol und leichten Drogen. Ich bin froh, wenn unser Junge irgendwann im Verlauf des morgigen Tages dann hoffentlich von einem gelungenen Fest erzählen kann.

Am Freitagvormittag fand im Alten Schützenhaus die offizielle Schulverabschiedung der AK 16 statt, zusammen mit Lehrern, ORS-Schülern der unteren Klassen und interessierten Eltern. Noch einmal hörten wir die Verse von gestern Abend, lachten über ein Lehrerspiel und erlebten mit, wie den Schülern die Zeugnisse feierlich übergeben wurden. Bei dieser Gelegenheit: ich bin ein stolzes Mami von einem Jungen, welcher sehr gut im Stellwerktest abgeschnitten hat!

Heute Mittag erhielt ich Post von einem meiner Arbeitgeber. Ich habe mehrere Teilzeitjobs in Minipensen. An einem Arbeitsort bin ich seit genau 10 Jahren angestellt und ich habe zu diesem Jubiläum eine Urkunde und ein Büchlein erhalten. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Wie schön!

Am Nachmittag nahm ich einen Telefonanruf entgegen. Ich habe mich beim Nidwaldner Blitz auf eine Ausschreibung als „Redaktionelle Mitarbeiterin auf Freelance-Basis“ beworben.

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Im Telefongespräch wurde ich eingeladen, mich nächste Woche vorstellen zu gehen! Ich bin sehr aufgeregt und hoffe, dass ich diese Stelle erhalten werde. Das wäre für mich ein „Level up“. 😉

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So muss ich am heutigen Tag nicht bloss wehmütig zurückschauen und Vergangenem nachtrauern, sondern es wird mir bewusst, dass das Leben dynamisch bleibt. Für mich persönlich, für unsere Familie und auch für euch. 😉 Das Leben ist spannend, herausfordernd – immer wieder gilt es, neue „Level“ zu entdecken. Ich freue mich darauf.


Nachtrag: das Klassenfest im Jugendlokal Lieli verlief, so wie ich gehört habe, gut. Unser Sohn kehrte bereits um 00.30 Uhr heim.

Die geheimnisvolle Kiste – Gesamtschulanlass Beckenried

Kaum Im historischen Schützenhaus in Beckenried Platz genommen, merke ich als Theaterbesucherin, dass ich mich an einer aussergewöhnlichen Gemeindversammlung befinde.

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„Polizisten“ streifen herum und sorgen für Ruhe, „Radio SRF“ und Printmedien interviewen die Besucher, ja Ärzte kontrollieren gar den Puls und Gesundheitszustand der Bevölkerung und verteilen Smartiespillen, denn die Aufregung ist gross – gar Leute des „Krisenstabs“, befinden sich im Raum.

Der Grund der Aufregung: eine riesengrosse Kiste steht im Raum. Niemand weiss, woher sie gekommen ist und was sie beinhaltet. Es wird darüber debatiert, ob sie geöffnet werden soll. Mittels eines „Applausometers“ wird klar festgestellt, dass die Mehrheit im Saal für die Öffnung ist. Doch die Kiste kann mit keinem der ausprobierten Mittel geöffnet werden.

Deshalb werden wir „Gemeindeversammlungsteilnehmer“ auf die Suche nach passenden Schlüsseln gemacht.

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In drei verschiedenen Touren – diese sind wiederum in drei Gruppen aufgeteilt – wird man von Fünftklässlern durch die Turnhallen, Zivilschutzanlage, Kaffeestube des Schützenhauses, Naturlehrezimmer und Primarschulzimmer geführt, welche sich in eine Fabrik, ein Labor, einen Froschteich, eine Alp, Planeten, Insektenwelten und andere faszinierende Orte verwandelt haben.

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Auch auf den Aussenplätzen erfahren wir Interessantes oder erhalten Warnungen und gute Ratschläge auf unsere Wege mit, seitens von Grabgräbern, DSC_0007

Waschfrauen, DSC_0006Älplern, Putzfrauen,         DSC_0033   einem Jungen auf einem Baum, einem alten Ehepaar und anderen.

So sammeln alle 9 Gruppen, der drei verschiedenen Touren, Teile für drei Schlüssel, welche am Schluss im Schützenhaus zusammengefügt werden und tatsächlich kann die Kiste geöffnet werden. Dessen Inhalt verrate ich nicht, denn am Montag, 1. Juni findet die letzte Aufführung statt und ich will die Überraschung für diese Zuschauer nicht vorwegnehmen. Auch ich werde dann nochmals dabei sein, um die dritte Tour mitzumachen.

Weitere Bilder meiner ersten und zweiten Tour finden sich hier und Videos auf meiner Facebookseite.

Ich bin fasziniert über die Komplexität der Planung dieses Stücks. Dass in diesen drei Gruppen und wiederum je drei Untergruppen gleichzeitig durch diverse Schauplätze geführt wird und es dabei zu keinen Verzögerungen kommt, ja am Schluss sich wirklich wieder alle Teilnehmer gleichzeitig im Schützenhaus befinden, ist eine planerische Glanzleistung von Gerhard Baumgartner, Annette Windlin und der 10 köpfigen Arbeitsgruppe, welche ich bewundere.

Genauso stark bewundere ich die Begeisterung, mit der die Kinder mitmachen, ob es sich um ein Kindergartenkind oder einen Oberstufenjugendlichen handelt. Alle sind mit grosser Motivation und Engagement dabei. Auch wenn unser Junge zum Schluss bei der Aufführung selber bloss eine kleine Verantwortung übertragen erhielt, kann er dennoch Teil eines Ganzen sein. Toll, dass sich die Lehrerschaft für ein solches Grossprojekt Zeit nahm, denn es ist für die Kinder und Jugendlichen eine wertvolle Erfahrung, mit verschiedenen Altersstufen zusammen ein Projekt auf die Beine zu stellen und sie werden sich ein Leben lang an die „geheimnisvolle Kiste“ erinnern.

Flyer