umfall

„umfall“ sagen wir im schweizerdeutschen zu „unfall“ – und es passt. am letzten tag unserer veloferien (fahrrad) auf der deutschen bodenseeseite, bin ich umgefallen. blöd gestürzt, aber es geht ja selten gescheit zu und her, wenn man einen unfall baut. es war kein auto, kein fussgänger involviert, niemandem könnte ich die schuld geben, höchstens dem regen, der den kopsteinflasterbelag glitschig machte und mir selber, weil ich nicht daran dachte, dass ein vorderrad beim rechtsabbiegen auf kopfsteinpflaster vielleicht durch eine rille blockiert werden könnte (hat wohl ähnlichen effekt gehabt, wie wenn das vorderrad in eine schiene gerät). eine sekunde der unachtsamkeit, lässt mich seit dem 14. august 15 leiden.

was zuerst ein verdacht auf verstauchung war, erhielt zwei monate später im mri die diagnose tfcc-läsion handgelenk rechts und mündete am 16. oktober 15 zur ambulant ausgeführten operation, „transossäre refixation des tfcc“ genannt.

6 wochen lang soll ich nun eine armschiene tragen und das sieht so aus:

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ich war ziemlich schockiert, so ein monströses ding nach der op an meinem arm zu entdecken. ich habe mit einer kürzeren handschiene gerechnet. mittlerweile habe ich zwei der 6 wochen geschafft. (erst 😦 )

ich darf mit der rechten hand, dem ganzen rechten arm nichts halten, fixieren und deswegen fällt mir das alltagsleben viel schwerer, als ich es mir im vorfeld vorgestellt habe.

täglichen herausforderungen ist jeder von euch ausgesetzt. sei es bei der kindererziehung, im beruf, beziehungen etc. meine täglichen herausforderungen sehen so aus:

ausschliesslich mit der linken hand – müssig zu erwähnen, dass ich rechtshänderin bin

  • sich zu waschen, wobei es sich als unmöglich herausgestellt hat, sich mit der linken hand den linken arm selber zu waschen oder sich die nägel der linken hand mit der linken hand zu schneiden. was ich hingegen kann: nagelfeile in die linke hand klemmen und dreck aus den linken handnägeln entfernen. nachmachen! 😉
  • deo mit der linken hand unter die linke achselhöhle anbringen (rechts kein problem)
  • socken, unterhosen, hosen mit knopf anziehen (bh habe ich aufgegeben für diese zeit)
  • ein oberteil finden mit weiten ärmeln, unpassendes wieder irgendwie mit einer hand in den schrank zurückbugsieren (zusammenfalten mit einer hand geht nicht)
  • zähne putzen mit der zahnbürste in der linken hand geht mittlerweile und selbst fürs „zahnseidelen“ habe ich eine eigene technik entwickelt. ich nehme die zahnseide so zwischen die finger der linken hand, wie wenn ich luftmaschen fürs handhäkeln machen möchte. so in etwa funktionierts: haekeln-luftmaschenanschlag-1 2 zwischen zeigefinger und daumen kann ich dann mit der zahnseide die zahnzwischenräume reinigen. bin stolz auf meinen einfall. 😉 selbst die zahnpastatube kann ich linkshändig öffnen und zudrehen. frau hat ja noch oberschenkel und zähne, welche etwas festhalten können.
  • vor zwei wochen noch, habe ich mir einen kratzer an der stirn geholt mit der haarbürste in der linken hand. mittlerweile ist meine linke hand viel geschickter geworden, auch beim linkshändigen tippen auf der tastatur und beim maus bedienen links. aber manchmal zieht es verdächtig in den linken handsehnen und ich muss mich rigoros schonen, um nicht linkerhand eine sehnenscheidenentzündung einzufangen und dort auch eine schiene zu kriegen. die ergotherapeutin hat mir ernsthaft zugeredet.
  • duschen, baden, haarewaschen sind kein vergnügen mehr für mich, weil ich es trotz plastikschutz nie schaffe, dass die schiene trocken bleibt.
  • einen einkaufszettel linkshändig zu schreiben, geht ganz mühsam, ebenfalls das unterschreiben von prüfungen des sohnes.
  • gemüse rüsten, wäsche in die waschküche tragen, aus der trommel nehmen, aufhängen, abnehmen, schwere pfannen heben, kehren (mit handschaufel u. bürste), eine dose öffnen, betten machen, neu beziehen, fleisch schneiden beim essen und noch soviel anderes, welches vor der op zwei monate lang zwar unter schmerzen, aber doch möglich war, geht jetzt einfach beim besten willen nicht. und das ist trotz spitexhilfe sehr frustrierend für mich. was ich am traurigsten finde, ist, dass ich meine fotokamera in diesen goldenen herbsttagen nicht gebrauchen und nicht im biki (bibelkiste) arbeiten kann (bedeutet auch lohnausfall, denn ich bekomme dort nur was, wenn ich arbeite – stundenlohn) und nicht in mein geliebtes line dance gehen kann, denn mein gleichgewicht ist etwas gestört, weil mein rechter arm an den körper gebunden ist. und zudem schmerzt das hangelenk in der schlinge sehr schnell. auch wandern geht nur kurz und mit vielem ausruhen und hochlagern des arms. ich bin nie mehr ohne kissen unterwegs, um den arm lagern zu können, sonst werden die schmerzen unerträglich.
  • überhaupt die schmerzen: sie stimmen mich deprimiert, müde, ungeduldig und verunsichern mich, weil ich nicht weiss, ob sie „normal“ sind. seitdem die praxisassistentin an meinem geburtstag (28.10.) den arm zu zackig aus der schiene hob, damit die fäden entfernt werden können und mir dabei vor schmerz fast schwarz vor augen wurde, schmerzt mich das ganze wieder vermehrt und ich hoffe, dass alles ok ist und im normalen rahmen liegt. ich hoffe, die ergotherapeutin könne mir morgen mehr dazu sagen.
  • jeden tag sollte ich den arm aus der schiene heben und in eine kürzere umbetten, damit der ellbogen frei ist, bewegt werden zu können. denn sonst besteht die gefahr des „einrostens“. dasselbe bei den fingern, welche aber beim bewegen ebenfalls schmerzen. nun – das herausheben aus der schiene ist eine ganz mühsame prozedur, welche ich nicht ohne hilfe und schmerzen bewerkstelligen kann, trotz aller sorgfalt.

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ich hoffe einfach, dass die op erfolgreich war (termin beim orthopäden ist am 11.11.), dass alles gut kommt, wobei ich auch bei optimalem fortschritt mit 3-4 monaten heilungsweg rechnen muss. ich lerne beim ganzen hoffentlich etwas geduld und dass ich mich selber auch bei weniger leistungkraft lieb haben kann. es fällt mir alles andere als leicht, der spitex meinen haushalt zu überlassen. obwohl ich diese leistung ja via versicherung zugute habe und sie gut bezahlt werden, kämpfe ich gegen aufkommende schuldgefühle, wenn mir derart unter die arme gegriffen wird und ich hilflos daneben stehe. dankbarkeit mischt sich mit traurigkeit. wenn mir früher frauen erzählten, sie hätten mühe damit, hilfe anzunehmen und würden viel lieber helfen, verstand ich sie nie und dachte, mir würde sowas nie „passieren“ und ich könnte mir bestimmt problemlos helfen lassen. ich habe mich aber selber besser kennengelernt.

vorbilder in dieser zeit sind mir betty hamilton und nick vujicic. ihre behinderung ist nicht temporär beschränkt wie meine und sie meistern die täglichen herausforderungen beeindruckend.

trotz meiner vorbilder: es gibt immer menschen, denen es schlechter geht, als einem selber und die sogar weniger jammern als ich, mit einer temporären einschränkung. ich muss aber selber fertig werden mit meinem leben, meinen herausforderungen, meiner krise. ich kann ein vorbild nehmen, mut fassen, mit gottes beistand und heilung rechnen und doch darf ich mir zugestehen, dass es zur zeit nicht einfach ist für mich. ich darf verständnis haben für mich selber. zwei tage nach der abschiedsfeier für meinen vater, wurde ich operiert. meine gefühlslage ist eh labil. und deswegen doch noch ein wort an diejenigen meiner bekannten, welche sagen: „alles halb so wild, es ist ja nur so eine phase“: auch die trotzpase der kinder, ihr zahnen, die schlaflosen nächte deswegen, waren nur so „phasen“. sie gingen vorüber. aber am meisten geholfen haben mir in diesen „phasen“ menschen, welche mir verständnis entgegenbrachten für meine stimmungen und mich wie mein mann es tat, einfach in den arm nahmen und mir konkret dinge (arbeiten) abnahmen.

tipps, falls jemand eine solche op vor sich hat: plant eine haushalthilfe (habe ich nicht gemacht, ich dachte das bisschen haushalt schmeisse ich mit links und der unterstützung der familie), klärt das ab mit eurer krankenkasse, kauft in einer drogerie dusch-plastiksäcke für den arm, schneidet euch vor der op die hand- und fussnäel kurz, geht nochmals wellnessen oder tut das, was ihr liebt bewusst nochmals, was mind. 6 wochen lang nicht mehr geht, kocht vielleicht was vor und friert es ein, aber vor allem: organisiert euch oberteile mit weiten ärmeln! ich habe nicht daran gedacht und verzweifelte fast am tag nach der op, weil ich zur zivilhochzeit eines bekannten nichts zum anziehen fand in meinem kleiderschrank. so eine armschiene ist dick und passt auch nicht in jeden wintermantel. und wenn ich was anziehe, das knapp so geht, drückt die schiene und löst schmerzen aus.

das ist mein längster text einhändig mit links… ich habe einen schreibauftrag „meines“ verlags erhalten, aber da wird mir meine familie abtippen, was ich diktiere.

nachtrag, dienstag, 3. 11. 15
war heute in der ergo. die teilweise starken schmerzen seien „normal“. als ich fragte, wie lange ich noch mit solchen schmerzen rechnen müsse, fragte sie zurück, ob ich es wirklich wissen wolle. auf mein ja hin, meinte sie „noch lange“. ob das bedeute, über die 6 wochen armschienentragen hinaus, war meine weitere frage. antwort: „ja“… ich bekam dann tapes, welche schon sehr helfen. und neue fingerübungen.

Reisetagebuch Veloferien am Bodensee, 8.-15. August 15

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Vor rund 27 Jahren, kurz nach unserer Heirat, wagten sich mein Mann und ich an Veloferien im Jura. Wir fuhren mitsamt Kleidung, Kochutensilien, Zelt, Schlafsack, aber ohne Schlafmätteli (!) auf den Gepäckträgern von Ort zu Ort. Teilweise wars hart, unbequem und kalt, aber ein wahres Abenteuer!
Heutzutage mag ich es nicht mehr gar so wild und einfach, sondern schätze den Komfort eines gemütlichen Zuhauses, zu dem man jeden Tag zurückkehren kann und wir wollten auch mal bequemere Velos (Fahrräder) ausprobieren, sprich E-Bikes. Obwohl für E-Bikes mit geringer Unterstützung kein Töffliausweis (Mofa) nötig wäre, warteten wir mit dem Mieten von E-Bikes ab, bis unser Sohn die Töffliprüfung erfolgreich absolviert hatte. Dass wir solch spezielle Bikes mieteten, war einerseits für unseren Sohn eine Belohnung für die bestandene Töffliprüfung und für uns alle etwas Aussergewöhnliches, das wir uns einfach mal gönnen wollten und wie es sich herausstellte, auch etwas sehr Praktisches, denn wir logierten doch etwas oberhalb des Bodensees. 😉 Der Wunsch, in der Bodenseeregion Veloferien zu verbringen, hegten mein Mann und ich schon seit vielen Jahren. Wir kennen ein paar Leute, welche begeistert, ja gar euphorisch davon erzählten. Und so mieteten wir die Bikes bereits von zuhause aus. Als wir die Wohnung online reservierten, merkten wir, dass sie sich zufälligerweise grad im Nachbardorf meines Patenkindes befindet, welche im Juli diesen Jahres heiratete und nach Deutschland auswanderte. Dass wir uns für eine Wohnung auf der deutschen Bodenseeseite entschieden, war eindeutig eine Preisfrage. Auf der Schweizerseite sind die Ferienwohnungen allesamt viel teurer. Und auch das Auswärtsessen wäre auf Schweizerseite nicht so häufig möglich gewesen, wie wir es in Deutschland geniessen konnten.

Samstag, 8. August 15

Bereits in der Nacht plagen mich Kopfschmerzen. Am Morgen haben sie sich zu einer veritablen Migräne ausgewachsen, wie ich sie zuletzt vor einem Jahr in Dänemark erlebte. Mir ist übel, der Kopf schmerzt – ich möchte mich nicht auf Reisen begeben, sondern im Bett verkriechen. Dies tue ich denn auch für kurze Zeit. Mein Mann und Sohnemann besorgen Medis und nach erstaunlich kurzer Zeit ist es so, wie wenn das Ganze ein Spuk gewesen wäre. Gegen Mittag bin ich reisebereit!

Unterwegs machen wir einen Halt und besichtigen das Schloss Arenenberg. Danke Zora, für den Tipp, den du uns schon vor einiger Zeit gegeben hast – es hat sich wirklich gelohnt.

Ein erstes Mal baden wir im Bodensee und kaufen ein für die Woche.

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Die Ferienwohnung in Weissensberg gefällt uns auf Anhieb. Lustig, dass das Treppenhaus fast identisch ist mit demjenigen bei uns zuhause und auch sonst ähneln sich die Baustile. Die Wohnung ist ruhig gelegen, einfach aber geräumig, gemütlich und mit Geschmack eingerichtet, die Küche praktisch. Super, dass das Benutzen der Waschmaschine im Mietpreis inbegriffen ist. Es stellt sich allerdings heraus, dass das Ratanbett unseres Sohnes nicht mehr sehr solide ist. Im Verlauf der Woche gab es mal unter ihm nach und er landete auf dem Boden. :-O Und meine Matratze stellt sich in der Nacht als viel zu hart heraus. Ebenfalls schade, dass im einen Schlafzimmer eine Verdunkelung fehlt. Wir logieren direkt unter dem Dach und wir können die Hitze nicht aus der Wohnung bannen.

Sonntag, 9. August 

In der direkten Nachbarschaft der Ferienwohnung befindet sich eine Freie Christengemeinde. Wir holen mein Patenkind zum Gottesdienst ab und verbringen mit ihr, ihrem frischgebackenen Ehemann 😉 und der Hündin Stella einen Badenachmittag am Bodensee.

Schön wie Gott es eingerichtet hat, dass wir so nahe bei meinem Gottenkind logieren.

Montag, 10. August

Wir wollen unsere Mietvelos per Omnibus beim Camping abholen. Doch der Busschauffeur lacht uns aus: „Das ist doch jetzt ein Witz? Ihr wollt insgesamt 6 Euro fürs Busfahren ausgeben, wo ihr doch für den Weg zu Fuss bloss etwa eine Viertelstunde habt?“ Wir – in Sportkleidung – lassen uns natürlich diesen Spott nicht gefallen – und gehen in der grössten Hitze zu Fuss. 😀

Und schon wagen wir uns an unsere erste Velotour: Weissensberg – LindauBregenzRheineck. Per Schiff nach Rorschach, weiter nach Lindau und wieder mit dem Velo zurück nach Weissensberg.

Bereits sind wir froh um unseren E-Bike-Antrieb, denn die Sonne brennt erbarmungslos auf uns hinab und gleichzeitig geht ein Gegenwind. Doch die Radelstrecke ist sehr abwechslungsreich.

Auf Facebook schreibe ich:

In drei Stunden 52 km geradelt.

Dienstag, 11. August

Mein Facebookeintrag dieses Tages lautet:

Heute auch wieder 52 km geradelt in 2.5 std. reine fahrzeit. Dazwischen grosszügige pausen mit besichtigung der sehr hübschen altstadt wangen. Und schwimmbadbesuch.

— hier: Wangen Altstad

Unsere heutige Tagesstrecke: Weissensberg – Wangen – Neukirch – Langnau – Bechtersweiler – Oberreitnau – Weissensberg

Die Landschaft kommt mir vor wie unser Emmental: es geht hoch und rasant runter, dann sofort wieder steil hinauf…. Wie froh sind wir, dass uns bei den Bergfahrten „jemand von hinten schiebt“ – jedenfalls vom Gefühl her. Ein E-ngel. 😀

Mittwoch, 12. August

Zuerst fahren wir von Weissensberg nach Lindau. Wir verladen unsere E-Bikes in Lindau, beim schönen, historischen Bahnhof auf der Insel auf den Zug und staunen erstmals darüber, wie schlecht die deutsche Bahn den Rädertransport organisiert. Es sind soviele Radfahrer rund um den Bodensee unterwegs – aber der Zustieg in den Waggon erfolgt über etwa 5 Treppen (!) und drin sind keine Veloständer vorhanden. Per Velo fahren wir ab Langenarden dem Bodenseeufer entlang zurück nach Lindau, baden unterwegs in einem Gratisfreibad. Direkt am See entlang fahren sehr viele Menschen Rad und ebensoviele sind zu Fuss unterwegs. Dazu kommen Autofahrer, welche manchmal nicht wissen, was sie genau tun wollen. So ist das Velofahren direkt dem flachen Ufer entlang zwar von der Landschaft her schön, aber gestern hat es uns im hügeligen Gebiet, weitab der Tourismusströme besser gefallen. 30 Kilometer sind wir in 1.5 Std. reiner Fahrzeit geradelt. Obwohl das E-Bike eine Unterstützung gibt, geht es doch nicht ohne strampeln. Ich bin stolz auf mich, jeden Tag Sport zu machen und es macht dazu genausoviel Freude, wie Skifahren. Sportmachen soll doch auch Spass bereiten, oder? Wenn ich manchmal ohne E-Unterstützung fahre, merke ich, wieviel anstrengender es wäre, trotzdem es gute Räder sind. Ich weiss nicht, ob ich zuhause mein „normales“ Velo noch schätze. 😉

Am Abend besuchen wir unseren guten Bekannten Joe Stalder im Planetarium und Sternwarte Kreuzlingen. Wir erhalten viele interessante Infos zu den Perseiden und können die Sonne mit Sonnenflecken durch verschiedene Instrumente beobachten. In der Nähe unserer Ferienwohnung, auf einer dunklen Wiese lagern wir drei uns dann, wie von Joe vorgeschlagen, auf einer Picknickdecke und betrachten den Sternenhimmel. Tobias erblickt drei Sternschnuppen, währenddem Andy und ich bloss eine sehen. Diese ist dafür ein besonders schöner Anblick. Ein langer, hell strahlender Schweiff – sehr beeindruckend. Und doch bin ich etwas enttäuscht darüber, nicht einen wirklichen Sternschnuppenregen oder „Schwarm“ erlebt zu haben.

Donnerstag, 13. August

Unsere heutige Strecke: Weissensberg – Oberreitnau – Bechtersweiler (wie vorgestern), vorbei an vielen Hopfenpflanzungen weiter nach Tettnang (hübsches Städtchen), über Friedrichshafen zurück nach Weissensberg. In Friedrichshafen wollten wir zuerst das Schiff zurück nach Lindau nehmen, haben aber den Fahrplan nicht genau studiert. Deshalb radeln wir weiter als ursprünglich geplant und ich muss schauen, dass der Akku meines Rades ausreicht. Weil ich befürchte, am Ende der Tour den Aufstieg nach Weissensberg nicht mehr zu schaffen, tauschen Andy und ich sogar zeitweilig unsere Räder, denn sein Fahrrad hat noch mehr Akku als meines. Ganz knapp reichen unsere Akkus aus und heute kommen wir auf 63.5 Kilometer in 3.25 Std. Ich bin erschöpft. Mehr wäre nicht dringelegen für mich.

Kurz können wir in der Ferienwohnung duschen und dann sind wir zum Abendessen bei meinem Gottenkind, ihrem Mann und ihren Schwiegereltern eingeladen, welche wir am Hochzeit kennengelernt haben. Wir verbringen einen gemütlichen, unterhaltsamen Abend mit all diesen herzlichen Menschen.

Bisher erlebten wir jeden Tag heisses Sommerwetter und nebst dem Velofahren badeten wir täglich im Bodensee.

Freitag, 14. August

Nochmals verladen wir unsere Velos in Lindau am Bahnhof. In Überlingen verlassen wir den Zug und radeln zurück nach Friedrichshafen. Dort besteigen wir wiederum den Zug nach Lindau und radeln zurück nach Weissensberg. Soweit zur Strecke. Doch lest, was ich zum heutigen Tag auf Facebook schrieb:

Heute hat es mich „geschnätzelt“. Nasse fahrbahn kombiniert mit einer schrägen pflastersteinbordkante, über die wir mit sehr reduziertem tempo fuhren – und ich lag am boden u. schlug hart mit kopf und ganzer rechter seite auf. Für solche fälle trägt man ja einen velohelm. Den muss ich nach diesem harten schlag entsorgen. Ich glaube, es ist keine hirnerschütterung. Bloss das knie ist blutig, das rechte bein voller prellungen und das rechte handgelenk schmerzt, aber ich kann alles bewegen, nichts gebrochen.
Ansonsten: trotz teilw. Regenwetter in genau 3 std. 49.49 km. Morgen gehts wieder heimwärts. Meine erlebnisse werde ich mit fotos verbloggen.

verletzt.

Heute ist Dienstag, 18. August und mein Handgelenk schmerzt. Ich war gestern bei einer Ärztin, welche im Röntgenbild keinen Bruch erkennen konnte. Doch ein Kahnbeinbruch kann nicht immer im Röntgenbild festgestellt werden und deswegen werde ich den ärztlichen Rat sehr ernst nehmen und mich wieder melden, sollte ich in einer Woche keine Besserung der Schmerzen feststellen können. In so einem Fall wäre ein MRI angebracht. Schade, passierte mir grad am letzten Ferientag so etwas. 😦 Beim Skifahren habe ich schon heftigere Stürze erlebt – aber man fällt einfach viel sanfter in den Schnee als aufs Kopfsteinpflaster. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich meinen Kopf schon jemals so hart aufgeschlagen hätte. :-O

Samstag, 15. August

Auf der Heimfahrt in Friedrichshafen, decken wir uns im Kaufland noch ein mit Artikeln, welche in der Schweiz viel teurer sind und ärgern uns über die dortige komplizierte Handhabung mit der Mehrwertsteuerrückvergütung, weil Friedrichshafen nicht grenznah sein. Hallo? In Lörrach geschieht diese Abwicklung völlig problemlos – in ein und derselben Warenhauskette.

Bevor wir heimfahren, geniessen wir einen mehrstündigen Aufenthalt im Zeppelinsmuseum Friedrichshafen. Ich hätte nicht vermutet, dass es derart interessant sein würde und staune auch über die anderen Besucher. Denn normalerweise sind wir als Familie immer diejenigen, welche in allen Museen die Exponate am ausführlichsten betrachten – aber im Zeppelinsmuseum haben soviele Leute alles ganz genau studiert. 🙂

Fazit unserer Veloferien: es waren interessante, sportliche Tage, trotz E-Unterstützung leisteten wir einiges. Die Gegend am Bodenseeufer ist zwar schön flach, aber von Touristen überlaufen. Uns haben die Gebiete etwas abseits der Uferwege mehr gefallen, aber sie sind halt hügelig. Die Radwege sind leider nicht immer sehr gut ausgeschildert. Die Schilder sind klein und können während des Fahrens nicht so schnell erfasst werden. Grössere Schilder wären von Vorteil. Zudem sind sie manchmal verdeckt von Gebüsch etc. welches wieder mal zurückgeschnitten werden sollte, etc. Wir mussten hie und da unsere Karte konsultieren oder Passanten nach dem Weg fragen. Zum Glück waren die Deutschen sehr hilfsbereit – manche kamen sogar von sich her auf uns zu, wenn sie uns irgendwo ratlos herumstehend beobachteten. Wahrscheinlich denken die Tourismusverantwortlichen des Bodensees, dass heutzutage eh jeder die Karten auf seinem Handy habe. Hatten wir auch – nur spielte der Handyakku manchmal nicht mit. 😉 Von der Natur her, verstehe ich die Begeisterungserzählungen meiner Bekannten nicht ganz. Die Vierwaldstätterseeregion ist genauso schön, wenn nicht schöner, da sie nicht derart von Touristen überschwemmt ist. 😛 Aber was mich wieder zurück in diese Region drängt, sind die vielen Sehenswürdigkeiten, welche wir allein in einer Woche nicht sehen konnten. Es gäbe soviele interessante Museen, Schlösser, Städtchen zu besichtigen…. Also, ich kann mir gut vorstellen, dass wir wieder mal in der Region Ferien machen werden – nicht zuletzt weil mein Patenkind, ihr Mann und ihre lieben Schwiegereltern dort wohnen. 😉 ❤

P.S. Noch mehr Fotos auf Facebook (nur für meine Facebookfreunde einsehbar).

Nachtrag: Mittlerweile führte ich über Facebook einen Dialog mit einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Fazit: es muss bei den DB immer damit gerechnet werden, dass Räder treppab- und treppauf getragen werden müssen. NIederflureinstiege sind kein Ziel der DB. Wahrscheinlich bin ich diesbezüglich einfach verwöhnt von unseren Postautos, der Zentralbahn und der SBB. Ok – dafür muss man auch erwähnen, dass auf meiner Heimstrecke Stans-Emmetten kein Velotransport bei Postauto möglich ist. 😦