Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen. Gott in Matthäus 25, 31-46

Auf Facebook gehen die Wogen derzeit hoch, was die Flüchtlingsthematik betrifft. Ich lese da Posts wie: „Vergasen sollte man die, verrecken sollen sie, alles Schmarotzer, nehmen uns die Arbeit weg, bei uns in der Schweiz gibt es genügend arme Leute, welche keine Unterstützung kriegen, kümmere dich lieber um die, wir haben gar keinen Platz – nimm doch selber Flüchtlinge auf, wenn du so ein Gutmensch bist“… etc.

Vermutlich liegen solchen Äusserungen ganz viel Bitterkeit, Sorgen, Verletzungen, sich ungerecht behandelt fühlen und ähnliches zugrunde.

Viele Sorgen, Ängste und Unverständnis teile ich. Ich bin der Meinung, jeder Asylant sollte die Sprache des Zuwanderlandes, lernen, es wäre schön, Menschen, welche sich aus dem Ausland hier niederliessen, würden sich auch in Schweizer Vereinen integrieren, an unseren Festen teilnehmen. Ich bin der Meinung, dass Menschen, welche sich um Migranten kümmern, ihren Betreuungspersonen noch zuwenig vermitteln, was die Schweizer Kultur ausmacht. Klar kann man sich darüber auslassen, was denn „Schweizer Kultur“ überhaupt bedeutet. Ich denke, da hat jeder Schweizer seine eigene Gewichtigung. Ungeachtet dessen finde ich es wichtig, dass Menschen, welche in diesen Bereichen beruflich oder ehrenamtlich tätig sind, sich noch mehr bemühen, auch Schweizer Werte, Schweizer Geschichte und Kultur weiter zu vermitteln. Integration gelingt noch zu wenig. Ich gehe mit Frank A. Meyer einig. In der Schweiz am Sonntag meint er dazu:

«Man könnte jedem Asylanten beim Übertritt über die Grenze in Chiasso einen Merkzettel in die Hand drücken mit den zehn wichtigsten Punkten über unser Land und unsere Kultur: Bei uns sind Frauen und Mädchen gleichberechtigt, bei uns gilt Religionsfreiheit, weitere Punkte müssten die Aufklärung über Gesetze enthalten, über Regeln und Riten, vielleicht sogar über Geschichte.»

Entnommen einem Livenet Artikel.

Als wir in der Türkei in den Ferien waren, hat uns der Reiseleiter auf Sitten, Gebräuche des Landes aufgeklärt. Für uns Schweizer ist es selbstverständlich, dass wir uns über „No goes“ des Ziellandes informieren, über kulturelle Fettnäpfchen, in die man tappen könnte und vor denen man bewahrt werden möchte. Dasselbe steht jedem Gast in unserem Land zu. Das Zusammenleben wird einfacher, der Zugezogene wird eher akzeptiert, erfährt Bestätigung und Zugehörigkeit.

Es gibt sie: die Kriminaltouristen und solche, welche über zuwenig Taschengeld und schlechte Unterkünfte jammern. Ich habe mit einer syrischen Frau geredet, welche sich beklagte, dass sie sich mit ihrem Unterstützungsgeld bloss eine kleine Wohnung in Stans leisten könne – zuhause hätten sie zwei Autos und eine Villa gehabt. Den Lebensstandart, den sie mal genoss, kann sie hier nicht gratis weiterführen. Es gibt sie: und ich rege mich ebenfalls darüber auf. Und ich denke, hier sollten Flüchtlingsbetreuer/Sozialarbeiter noch viel professioneller wirken und solchen Menschen nicht nur Verständnis entgegenbringen, sondern helfen, mit der Realität umzugehen und zeigen, wie Schweizer wirklich leben. Der Durchschnittsschweizer kann sich kein Dienstpersonal und keine Villa mit Pool und mehrere Autos leisten. Der Sohn dieser Frau hat die Lehre abgebrochen, u.a. deswegen, weil er weniger Lehrlingslohn erhält, als wenn er einfach so irgendwo jobben geht. Wo sind die Flüchtlingsbetreuer, welche solchen Menschen unter anderem unser Lehrlingssystem erklären? Ich habe es versucht, bin aber gescheitert. Sie kennen sowas einfach nicht und es müsste mehr Menschen geben, welche ihnen Kultur- und Schweizer Lebensschule unterrichten würden.

Wie gesagt. ich habe viel Verständnis für Sorgen, Ängste, Befürchtungen, welche im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage geäussert werden und ich bin für Meinungsfreiheit und dafür, dass man solch ungute Gefühle und auch Erlebnisse ernst nimmt und was daraus lernt. Doch was ich verabscheue sind Gemeinheiten, Fäkalsprache, Verallgemeinerungen und ähnliches in leider meist primitiven Diskussionen. Ich vermisse eine gute, faire, menschenachtende Gesprächskultur in den Social Media.

Es wäre schön, Menschen würden sich erst gar nicht auf den gefährlichen Fluchtweg aus ihren Herkunftsländern machen. Es wäre super, wenn wir Kriege beenden könnten und die Menschen in den Ländern in Frieden wohnen lassen könnten, in denen sie sich kulturell und sozial wohl fühlen. Denn hier in der Schweiz niedergelassen, plagt doch viele von ihnen das Heimweh und sie möchten nichts lieber, als wieder zurückkehren in ihre Heimatländer. Das Leben ist nicht so einfach hier, wie sie es sich erträumt haben und viele kommen mit dieser Realität nicht klar. Leider entspricht es auch nicht der Realität, dass Kriege so leicht beendet und die Flüchtlingsströme versiegen. Trotzdem ich viele Befürchtungen, Verständnislosigkeit und Verärgerungen teile, bin ich entsetzt darüber, dass Menschen, welche ihr Leben aufs Spiel setzten, um aus einem Kriegsland zu flüchten, hier massivsten Drohungen ausgesetzt sind. Sie meinten, endlich in ein Land zu kommen, welches ihnen Geborgenheit und Sicherheit geben könnte, aber ihre erlebten Traumas wiederholen sich hier.

„Brandstiftung, Körperverletzung und Demütigung sind keine Ausdrucksmittel der freien Meinungsäusserung.“ sagt Oliver Kalkofe und ich gehe mit ihm einig. Sein Videobeitrag ist bemerkenswert.

Unter den Flüchtlingen sind viele Christen, welche entweder zum Islam hätten zwangskonvertieren oder sonst um ihr Leben bangen mussten. Sie haben zu Geld gemacht, was sich zu Geld machen liess, haben alles zurückgelassen für eine unbestimmte Zukunft. Viele Menschen in der Schweiz zeigten ihre Solidarität in den Sozialen Medien mit dem Hashtag #WeAreN . Aber nun stelle ich fest, dass teilweise dieselben Menschen aktuell gegen diese Flüchtlinge hetzen, weil sie befürchten, es könnten viele Moslems darunter sein, es könnte sich um eine diffuse Unterwanderungstaktik des Islams handeln. Und? In erster Linie handelt es sich bei den Flüchtlingen um Menschen. Menschen wie du und ich. Und sie haben in erster Linie mal eine menschwürdige Behandlung zugut. Nur weil es einigen Schweizern nicht gut geht, dürfte es Flüchtlingen nicht besser gehen? Was ist denn das für eine egoistische Haltung? Würden wir nicht auch flüchten, sollten wir uns an Leib und Leben in unserem Land bedroht sehen? Zudem hat jeder Moslem nun die Chance, in unserem Land Jesus kennen zu lernen – wir müssen nicht erst Missionare zu ihnen aussenden, sondern sie kommen nun vor unsere Haustüre. Wir sollten in ihnen keine Bedrohung sehen, sondern Menschen, welche von Gott geliebt und geachtet sind.

Die Bibel stellt sich auf die Seite der Flüchtlinge, fordert uns mehrfach auf, ihnen zu helfen. Die Familie von Jesus musste ebenfalls flüchten, kaum war er geboren. Gottes ❤ schlägt für die Vetriebenen und Verachteten. Schlagen wir uns doch auf seine Seite.

P.S. Von Mandy bekomme ich jeden Tag ein sogenanntes „Seelenfutter“. Habe gerade erst gelesen, dass sie so ziemlich dasselbe über die Flüchtlingsproblematik schreibt. GekreuzSiegt.

Ein etwas langer, aber lohnenswerter Artikel darüber (klickmich), ein Livenetartikel und dies hier.

Und natürlich sehe ich diese Seite ebenfalls. Mag widersprüchlich scheinen zu obigem, zeigt aber die Komplexität, welche mir durchaus bewusst ist.

„Mission unter falscher Flagge“ – Christen im Umgang mit Medien und Kritik

Ich zitiere aus NDR: „Selten hat eine Dokumentation so viele Reaktionen ausgelöst wie der NDR Film „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“ von Mareike Fuchs und Sinje Stadtlich, der am 4. August im Ersten Premiere hatte. Den NDR und Das Erste haben danach mehrere Tausend Briefe, Mails und Anrufe erreicht. Wegen des großen Zuschauerinteresses zeigt das NDR Fernsehen die Dokumentation noch einmal – am Freitag, 22. August, um 22.00 Uhr.“

Dieser Film, war es, welcher sovielen Christen sauer aufgestossen ist und sie zu tausendfachen Reaktionen hinreissen liess: „Mission unter falscher Flagge“:

Nun hat DasErste auf die Vorwürfe der Christen reagiert:  Stellungnahme.

Wenn ich in einer leitenden Stellung in einer Freikirche oder einem christlichen Verband wäre, würde ich dieses Vorkommnis sofort als Anschauungsmaterial für Schulungen im Umgang mit den Medien und mit Kritik überhaupt verwenden.

Wie gehen Christen mit Kritik in den eigenen Reihen um und wie, wenn sie von aussen kritisiert werden?

Meine eigene Erfahrung bestätigt leider, dass die meisten Christen den Umgang mit Kritik nie gelernt haben und auch überhaupt nicht motiviert sind, in dieser Hinsicht lernbereit zu werden. Ich war 22 Jahre lang Mitglied in einer Freikirche, welche mein Mann und ich sogar die ersten 5 Jahre lang leiteten. Kritik war zu keinem Zeitpunkt erwünscht, sondern wurde immer auf mich selber zurückgeworfen. Wenn ich mit etwas in der freikirchlichen Gemeinde Probleme hätte, dann dürfe ich nicht darauf schliessen, dass alle damit ein Problem hätten, sondern dann sei es in erste Linie mein Problem – ja ich selber sei das eigentliche Problem. Diesen Satz hörte ich mehr als einmal – bis ich ihn zu verinnerlichen begann und ich therapeutische Hilfe in Anspruch nahm.

Kritik von aussen wird zu oft mal so aufgenommen, dass hier der Teufel den Christen schaden möchte. Es wird ein Zusammenhang mit Christenverfolgung hergestellt, abgeblockt, vehement alles rundum bestritten und sollte es ein Christ wagen, die eine oder andere Kritik zu unterstützen, gilt er nicht selten als Nestbeschmutzer.

Was ich nicht verstehe und was mich entsetzt, sollte der Vorwurf stimmen, ist, dass Christen scheinbar gelogen haben. Was für ein Armutszeugnis, wenn Christen vorgeworfen wird, sie würden lügen! Dies vor allem auch in ihren Reaktionen auf den ausgestrahlten Film. Ein Beispiel – ich zitiere aus der Stellungsnahme des TV Senders DasErste:

„Rund um dieses im Film ausgestrahlte Interview mit Jürgen Werth werden ebenfalls Vorwürfe erhoben. Wir hätten ihm vor diesem 26. Juni nicht gesagt, worum es ginge, welche Fragen wir hätten. Auch Jürgen Werth hat sich in einem Radiogespräch entsprechend geäußert. Diese Behauptungen sind falsch. In einer Mail vom 23. Juni teilten wir Herrn Werth die Themenkomplexe mit, erwähnten darin ausdrücklich die – in unseren Augen kritikwürdigen – Vorkommnisse beim Gospelforum und bei Mission Freedom. Dass Herr Werth dann im Interview auf die entsprechenden Fragen sein Nichtwissen um diese Vorgänge äußerte, hat aber auch uns irritiert. Zumal die beiden „Vorsitzenden“ von Gospelforum und „Mission Freedom“, Peter Wenz und Gabriele Wentland, zusammen mit Herrn Werth im Geschäftsführenden Vorstand der EAD sitzen, sich also gut kennen.“

Mir stellen einige Fragen:
Sollte es stimmen, dass Herr Jürgen Werth nichts über den Inhalt der Fragen wusste, welche auf ihn zukamen, dann hat er

– entweder das Mail nicht gelesen. Was nicht sehr professionell wäre.

– oder gelogen. Was ich mir aber doch auch nicht vorstellen kann, soweit ich ihn „kenne“.

Ich tippe eher auf ersteres: er hat das Mail nicht gelesen. Entweder, weil er es nicht unter die Augen bekommen hat, aus welchen Gründen auch immer, oder weil er es unnötig fand, sich auf die Fragen vorzubereiten und es bewusst oder unbewusst zur Seite geschoben hat. Warum hat er dann vor dem Interviewtermin nicht selber nochmals nachgefragt und um die Fragestellungen/Ziel des Interviews gefragt? Ich unterstelle hier eine gewisse Naivität im Umgang mit den Medien und befürchte, unsere Schweizer Freikirchen, unsere Schweizer Allianz würde in einem ähnlichen Fall genauso naiv handeln. Nehmt euch ein Beispiel und fragt euch bereits jetzt, bevor so ein Fall eintritt: wie würden wir reagieren – wie schnell wären wir bereit für Interviews – sind unsere Absprachewege evtl. zu lang? Sind wir für Medienanfragen auch dann bereit, wenn alle zuständigen Personen in den Sommerferien weilen? Den Medien ist das in der Regel egal, sie wollen Sommerlöcher füllen. 😉 Und vor allem: wie kritikbereit sind wir wirklich?

Eine weitere Frage, welche ich mir stelle lautet: sind sich alle freikirchlichen Gemeinden, welche Livestreamgottesdienste ausstrahlen bewusst, dass die aufgezeichneten Gottesdienste im Web jederzeit in irgendeinem TV-Beitrag eingebettet werden können? Und vor allem: werden Gottesdienstbesucher darauf aufmerksam gemacht, dass sie einen Gottesdienst besuchen, bei dem sie evtl. auch als Besucher von einer Kamera aufgezeichnet werden könnten?

Ich stelle fest, dass Christen und gerade auch solche in führenden Positionen, in den Social Medias noch viel zu wenig verankert und wenig präsent sind. Sie sind sich der Chancen und Gefahren nicht überall bewusst. Hier besteht eindeutiger Aufholbedarf. Geschulte Leute, welche man zu internen Fortbildungen „anzapfen“ könnte,  gäbe es unter Schweizer Christen genügend. Und dann, nachdem ihr geschult seid im Umgang mit Social Media – liebe Pastoren: wagt es, euch bei Facebook und Twitter anzumelden und aktiv zu werden, bleibt am Draht der Menschen von heute, kommt raus aus euren Schulungs- und Konferenzlokalen, nehmt Stellung, klickt euch unter den Kommentarfunktionen bei 20Minuten oder Blickamabend ein, denn dort sind die Menschen zu finden, welche ihr erreichen wollt!

Und dann noch was anderes: tausendfache Reaktionen seitens der Christen auf Kritik an Christen! Und wo bleiben diese tausendfachen Reaktionen, wenn es um wirkliche Christenverfolgungen geht?

Reaktion: http://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/ndr-beitrag-war-notwendig-89730/