LIEBSTER BLOG AWARD

Schön, dass Zora mich für den Liebster Blog Award vorgeschlagen hat. Danke für die Nominierung!

Hier meine Antworten auf Zoras Fragen:

1. Warum hast du angefangen, diesen Blog zu schreiben?

Nachdem ich auf Facebook hie und da längere Texte oder Fotos postete, wurde ich ermutigt, doch alles mal zu „verbloggen“. Diese Ermutigungen stammten hauptsächlich von Zora und Karin Mayerhofer Dobler. Lange Zeit sträubte ich mich gegen diese Idee und dachte: „Ach, wer wird schon Interesse an meinem Blog haben?“ Irgendwann hatte ich genügend Schreibmaterial zusammen und startete, einfach nur für mich selber. Egal, ob es andere lesen würden… Heute ist es mir nicht immer egal, ob ich nur für mich selber schreibe. Es wäre schön, es würden ein paar mehr mitlesen.

2. Wie kommst du zu deinen Texten? Was inspiriert dich?

Ausflüge, Reisen, Wanderungen, Ferien mit der Familie, aussergewöhnliche Erlebnisse. Es kann aber auch vorkommen, dass mich was beschäftigt, das in der weltweiten Welt grad so abgeht, sei es politisch, religiös, weltanschaulich. Dann zwickt es mich in den Fingern, meine Meinung zu verbloggen.

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3. Würdest du gerne vom Schreiben leben? Oder, wenn dies bereits der Fall ist: was musstest du unternehmen, damit du vom Schreiben leben kannst?

Ich lebe zu einem Teil vom Schreiben. Aber nicht vom Blog. Das heisst, wir sind als Familie auf mein Einkommen angewiesen, welches ich als Freelancerin beim SCM Bundes-Verlag und dem Nidwaldner Blitz verdiene. Wir sind vor 1.5 Jahren umgezogen und ich habe die Stellen als Hundesitterin und Hauwarting dabei verloren. Die neue Miete beträgt aber Fr. 500.– mehr als vorher. Der Lohn, den ich bei beiden Stellen verdiene plus mein Engagement als Testkundin und als Kindergottesdienstmitarbeiterin der Reformierten Kirche decken in etwa diese Lücke.

Klar wäre es schön, auch mit dem Blogschreiben etwas zu verdienen. Ich könnte mir vorstellen, für die SBB oder andere Unternehmen gegen Bezahlung von unseren Reisen zu erzählen. Ich habe bei den zuständigen Stellen schon ein paarmal angeklopft deswegen. Wer weiss, vielleicht klappt es irgendwann? 😉

4. Wie sähe dein perfekter Tag aus?

Ich erlebe viele perfekte Tage. 😉 Ich bin zufrieden und glücklich, wenn meine Liebsten einschliesslich Katze Minouch und ich gesund sind, wenn ich das tun kann, was ich am liebsten mache: schreiben. Wenn meine Schreibergüsse dazu noch beachtet werden, ist mein Tag perfekt. Sahnehäubchen sind sonniges, warmes Wetter, eine tolle Unternehmung mit der Familie und interessante Fotosujets.

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5. Wer hat dich in deinem Leben massgeblich geprägt?

Meine Eltern. Sie haben mir viel an Werten mitgegeben. Später Predigten und das Leben in diversen Freikirchen. Sowohl im Positiven wie leider auch im Negativen. Auch das Leben mit eigenen Kindern hat mich geprägt. Ich lernte viel durch sie und mit ihnen zusammen. Vor allem lernte ich mich selber durch meine Kinder von einer anderen Seite her kennen.

6. An welches Erlebnis aus deiner Kindheit denkst du gerne zurück?

Ich denke viel und gern an gemeinsame Wanderferien in der Schweiz zurück. Mit meinen Eltern war ich nie im Ausland, lernte aber wohl jeden Ecken im eigenen Land kennen. Ich bedauerte zwar, dass meine 8 und 10 Jahre älteren Geschwister meistens nicht mit uns in die Ferien fuhren, hatte aber viel Spass mit meinen Eltern zusammen. An den Abenden lachten wir beim Spielen zusammen, bis uns die Bauchmuskeln schmerzten und die Augen tränten. Nie erlebte ich meine Eltern glücklicher als an solchen Ferienabenden.

7. Dürrenmatt oder Frisch?

Weder noch. Ich musste Werke von beiden in der Töchterhandelsschule Luzern lesen, konnte mich aber persönlich nie erwärmen – weder von der einen noch der anderen Literatur.

8. Welche Gegend magst du am liebsten und warum?

Ich mag die Schweiz und das Leben hier. Die abwechslungsreiche Landschaft und die ruhige, politische Lage, welche mir Sicherheit vermittelt.

Als wir als Familie in Australien waren, sagte ich an der Ostküste: „Falls Auswandern einmal ein Thema wäre, könnte ich mir ein Leben hier vorstellen.“ Dies, weil im Atherton Tableland sowohl Berge, Seen wie in der Schweiz vorkommen, aber auch Regenwald, Städte und das Meer. An ein und demselben Tag könnte man in den Bergen wandern und im Meer baden.

9. Wenn du nicht bloggen würdest (und es kein Internet gäbe), was würdest du dann tun?

Ich würde Tagebuch und Briefe schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Buch zu schreiben, wäre ohne Internetanschluss grösser, als es aktuell ist. Vielfach verbringe ich zu viel Zeit bei Facebook, Twitter, Instagram. Diese fehlt mir dann, um mich fantasievoll der Entwicklung einer Geschichte anzunehmen. Ich habe im Rahmen des Novemberschreibens einen Roman verfasst mit dem Titel „Die Liebe ist rot“, der aber leider keinen Verlag fand. Zudem ein Kinderbüchlein. Ein weiterer Roman liegt irgendwo unvollendet auf einer externen Speicherplatte.

Ich würde mich wahrscheinlich zudem vermehrt dem Fotografieren widmen und Kurse belegen.

10. Glaubst du an das Gute im Menschen? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?

Ich bin ein naiver Typ. Wurde mir schon oft gesagt. Ich gehe immer davon aus, dass es mein Gegenüber gut mit mir meint. Ausschliesslich gut. Und falle dann halt vielfach auf die Nase. Dennoch möchte ich mir diese Art der Naivität nicht nehmen lassen, denn ich würde mir gleichzeitig viele schöne Erlebnisse mit völlig Unbekannten nehmen lassen.

Von meinem Glauben und persönlichen Lebenserfahrungen her weiss ich, dass jeder Mensch zum Egoismus tendiert. Doch weil ich mich selber mit Schwachheiten erlebe, bin ich grundsätzlich gnädig mit meinen Mitmenschen. Ich kann mich zwar schnell aufregen, teile dann das auch mit, vergebe und vergesse aber genauso schnell wieder.

11. Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der bloggen möchte? 

Probieren geht über studieren!

Ich habe mir kein Konzept erstellt, über was ich bloggen möchte, sondern einfach begonnen, von meinem Leben zu erzählen. Von dem, was ich tue und denke. Die Handhabung via WordPress war zu Beginn eine grosse Herausforderung. Ich habe einfach ausprobiert, nichts darüber gelesen, mich durchgeklickt – und es hat funktioniert. Ich mag es nicht, wenn ich für etwas, das ich tun möchte, zuerst Bedienungsanleitungen und Bücher studieren und wenn möglich noch Seminare besuchen muss. Wenn ich etwas tun möchte, dann muss es subito geschehen können. Nicht nur in dieser Beziehung bin ich ein ungeduldiger Mensch. 😉 Fang einfach an. Tu den ersten Schritt. Und bei konkreten Fragen bin ich für dich da.

Die Regeln, wenn ihr nominiert wurdet:

1. Bedankt euch bei der Person, die euch nominiert hat, und verlinkt sie auf eurer Seite.

2. Kopiert das Emblem oder holt euch ein zu euch passendes aus dem Netz und stellt es sichtbar auf die Award-Seite. (Ich sah keines bei meiner Vorgängerin und habe deshalb auch keines verwendet. Könnt diesen Punkt also streichen.)

3. Beantwortet die 11 Fragen, die euch gestellt wurden und veröffentlicht sie auf eurer Seite.

4. Denkt euch 11 neue Fragen für die Blogger aus, die ihr nominieren wollt und stellt die Fragen auf eurem Blog.

5. Kopiert die Regeln und stellt sie ebenfalls auf euren Blog, damit die Nominierten wissen, was sie zu tun haben.

6. Nominiert zwischen 2 und 11 neue Blogger, die ihr gerne weiter empfehlen wollt. Das sollten möglichst solche sein, die noch wenig bekannt sind, aber empfehlenswerte Inhalte bieten.

7. Stellt die neuen Nominierungen auf eurer Seite vor und gebt den jeweiligen Bloggern eure Nominierung persönlich bekannt.

Meine 11 Fragen an euch (die ihr gerne mittels Worten oder auch Bildern beantworten dürft)

  1. Wo siehst du den Vorteil eines Blogs gegenüber von Facebook oder anderen Social Medien?
  2. Würdest du deinen Blog auch dann weiter führen, sollte kein einziger Mensch ihn lesen?
  3. Was würdest du bei Gmerkigs gern lesen?
  4. Verdienst du mit deinem Blog Geld? Falls nein – wäre das dein Wunsch, strebst du es an? Falls ja: wie hast du das zustande gekriegt?
  5. Wann hast du mit deinem Blog gestartet? Gab es dafür einen bestimmten Grund?
  6. Gibt es etwas, das deinen Blog speziell macht, ihn abhebt von anderen mit ähnlichen Themen?
  7. Könntest du dir vorstellen, auszuwandern? Falls ja: wohin und weshalb dort hin? Falls nein: warum nicht?
  8. Liest du regelmässig andere Blogs, hie und da oder gar nicht?
  9. Bist du mit deinem Leben zufrieden? Oder was fehlt dir zum Glücklichsein?
  10. Wie häufig veröffentlichst du einen neuen Blogbeitrag?
  11. Welche Rolle spielt Gott in deinem Leben?

Hier die Blogger, die ich nominiere:

Karsten Socher, ein Fotograf, den ich über das Projekt der 99 ig Fotografen persönlich kennen gelernt habe. Heike und er haben uns schon ein paarmal besucht. Das Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr entwickelt sich schon fast zu einer lieben Tradition. 😉

Am Twittertreffen mit SBB CEO Andreas Meyer, lernte ich Andreas Schweizer kennen. Er ist einer der SBB-Servicescouts und ich lese hauptsächlich sehr gerne über Twitter, was er alles zu erzählen hat.

Markus Schmid ist mein treuster Leser. Sei es auf Facebook, Twitter oder über diesen Blog. Er beachtet mich, kommentiert, interessiert sich. Dafür möchte ich dir, Markus einmal danke sagen.

Johannes Mairhofer war der Initiant der 99Fotografen. Ich habe dort mit Begeisterung mitgemacht und bin ihm dankbar für dieses Projekt. Denn erstens lernte ich enorm viel über die Fotografie und zweitens erweiterte sich mein Bekanntenkreis um einige interessante Persönlichkeiten.

Benno hat mich ermutigt, die alten Kameras, welche beim Zügeln zum Vorschein kamen, auszuprobieren. Es wäre schön, Benno, wenn du obige 11 Fragen beantworten und bei dieser Blogparade mitmachen würdest.

Andrea Jerger hat das SBB SOME organisiert, ist wie Andreas Schweizer, SBB Sevicescout und ich bin ihr sehr dankbar für das unvergessliche SBB Twittertreffen.

Auch Martin Rechsteiner lernte ich am SBB SOME kennen. Ich lese gerne mit, wenn er über seine Ausflüge mit der Familie berichtet. Vielleicht magst du zur Abwechslung obige 11 Fragen verbloggen?

Gaby Rudolf – ist dein Blog noch aktiv?

Gaby, Benno und Johannes Mairhofer lassen sich entschuldigen – keine Lust oder Zeit, hier mit zu machen. Vielleicht magst du, Sven? Bist der Erste und bisher Einzige Liker hier. 😉

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Sammelleidenschaft

Mein Vater war ein leidenschaftlicher Sammler. Hauptsächlich sammelte er Münzen und Briefmarken. Dies tat er eigenwillig individualistisch. Er hielt sich an keine in Sammelkreisen gültige Regel, welche besagt, dass man sich auf ein Thema konzentrieren soll und vor allem, dass sich in Briefmarkenalben ausschliesslich Briefmarken und in Münzalben gefälligst ausschliesslich Münzen versammeln dürften. 😉

Er sammelte sowohl bei Münzen wie Marken kreuz und quer jedes Thema. Aber wenn er mal ein Thema interessant fand, dann vertiefte er sich konzentriert darauf. Dann lag eine interessante Briefmarke neben einer Münze, unterlegt von einem Zeitungsausschnitt, einem Abziehbild, Abzeichen, Kaffeerahmdeckeli und einer Postkarte, welche wir als Familie ihm geschickt haben. Oder eine Kinderzeichnung von einem seiner Enkelkinder konnte durchaus neben einem Ersttagskuvert mit Ernibriefmarken und neben einer persönlichen Erni-Widmung liegen.

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Meine Mutter sichtet zur Zeit zusammen mit 5 Mitgliedern des Philatelistenvereins Solothurn die über 100 Bundesordner (!) meines im Herbst 2015 leider verstorbenen Vaters. Etwa 3 Abende à ca. 5 Stunden haben die Männer bisher konzentriert damit verbracht, das Lebenswerk meines Vaters zu zerlegen – noch ist diese Arbeit nicht abgeschlossen. (Nachtrag, 28.6.16 Meine Mutter schätzt, dass rund 40 Arbeitsstunden dafür investiert worden sind.)

Diese Herren seien schweigend an ihrer Arbeit gesessen, die Sammlung meines Vaters zu sichten und nach ihren Ordnungsprinzipien auseinander zu nehmen, erzählte meine Mutter. Nur ab und zu hätten Ausrufe des Erstaunens die konzentrierte Stille unterbrochen: „Jetzt schau dir mal diese Marke an!“ Oder: „Was für ein Mensch! – Das gibt es ja nicht! – Die Art, wie er sammelte, zeigt seine interessante, vielfältige Persönlichkeit. Auf diese Art sammelt sonst kein Mensch. – Sowas habe ich noch nie gesehen! – Unglaublich!“

Die Bibliothek meines Vaters enthielt ausser seiner Ordner und Fotoalben auch sehr viele verschiedene Bücher. Ich glaube, es gibt kein einziges Buch darin, das keine Briefmarke zum Thema und keinen Zeitungsartikel enthält.

Letzten Samstag habe ich selber 2 Stunden damit verbracht, verschiedene Beigen (Schweizerdeutsch für Stapel) zu erstellen

solche für Sammler:

  • Ersttagskuverts, schön gestempelt
  • Schöne alte Postkarten
  • Ungestempelte Briefmarken, welche man noch verwenden kann – zusammengestellt in Kuverts à je Fr. 100.– Nominalwert. Der Verein kauft sie uns für je Fr. 70.– ab. Es kamen einige solcher Kuverts zusammen
  • Gestempelte, schöne und teilweise wertvolle Briefmarken
  • Sammlerbriefmarken, nicht für den Gebrauch gedacht
  • Schöne, alte Postkarten
  • 200 Jahre alte Briefe oder noch ältere…

solche für die Brockenstube:

  • Abzeichen, Medaillen, Pins
  • noch gut erhaltene Ordner

und mehrere Abfallbeigen:

  • Sichtmäppchen en masse
  • weniger schöne Ordner
  • Zeitungsartikel, welche kaum mehr jemand interessieren wird im Zeitalter von Googel
  • Kalenderbilder

Die eigene Ordnung meines Vaters wird in eine andere, massentaugliche Ordnung gebracht. Mir hat es fast das Herz zerrissen, sein Lebenswerk auseinandernehmen zu müssen. Meine Mutter hat erzählt, mein Vater hätte jede freie Minute seines Lebens mit Ordnen, Sichten, Lesen, Sammeln und Neuordnen verbracht und manchmal kaum Zeit gehabt, in Ruhe die Zeitung zu lesen. Wenn wir miteinander plauderten, kam es sehr oft vor, dass er sagte, er hätte da was zum Thema. Er stand dann auf und griff zielsicher nach einem seiner über 100 Ordner, blätterte darin und zeigte uns einen Zeitungsausschnitt oder eine interessante, wertvolle Marke dazu und gab uns mit seinen Erzählungen einen Einblick in sein immens grosses, breites und tiefes Allgemeinwissen.

Er sammelte nicht in erster Linie, um ein Kapital anzuhäufen. Er betonte immer wieder den Sammlerwert seiner Marken und dass man zuerst einen Käufer finden müsste, wollte man eine seiner wertvollen Stücke veräussern. Er hätte wohl seine gesamte Sammlung gern weiterverschenkt, hätte er von einem Menschen gespürt, dass er diese lieben und schätzen würde, um der Sammlung und nicht des Geldes willen. Traurig für ihn war zu erleben, dass keines seiner Kinder oder Enkelkinder seine Leidenschaft weiterführen mochte.

Er wollte sich nie bloss auf ein einziges Sammelthema festlegen. Mir kommt manchmal mein Blog genauso vor. Ich habe das von ihm geerbt. Ich will nicht ausschliesslich einen Blog übers Wandern/Ausflüge, einen anderen zur Fotografie, einen dritten zum Line Dance, einen vierten zum Thema Christlicher Glaube, einen fünften zum Thema Familie, einen sechsten über meine Journalistischen Tätigkeiten verfassen und einen siebten darüber, wie ich meine Hochsensibilität im Alltag erlebe – sondern einen Einzigen: über mein Leben, das hoffentlich auch so vielfältig und bunt ist, wie es das Leben meines Vaters  war.

Meine mittlere Tochter war es, welche sagte: „Es ist so schade, dass das Lebenswerk meines Grossvaters derart zerpflückt wird. Man sollte wenigstens einen einzigen Ordner so aufbewahren, wie er gesammelt hat.“ Sie hat nun einen kleinen Ordner zur Würdigung des Lebenswerkes ihres Grossvaters geschenkt erhalten.

Mein Vater verschickte selber auch gerne Briefe und Postkarten. Immer waren sie mit seinen kreativen Basteleien versehen.

Er sammelte auch Poststempel. Oft hat er die Angestellten an Postschaltern in Verlegenheit gebracht, weil er Stempel auf alle möglichen Artikel wünschte – was im Grunde genommen gegen die Postgesetze verstiess. Die Männer des Philatelievereins staunten auch hie und da, auf was mein Vater überall einen Poststempel gedrückt erhielt. Er konnte sich jeweils lausbubenartig freuen, wenn ihm eine Schaltermitarbeiterin versicherte: „Nor, wöu Sie es send.“ („Nur weil Sie es sind.“) Er kannte mit der Zeit Poststellen, welche ihm gewünschte Stempel anbrachten. Dabei stimmte die Uhrzeit, der Ort, das Sujet mit dem überein, was er in seiner Sammlung ergänzen wollte.

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Wie ich meinen Vater kenne, hat der Löwe im Stempel die symbolische Bedeutung, dass Jesus der Löwe aus dem Stamm Juda ist. 😉

Niemand von unserer Familie kann über 100 Bundesordner in seiner Wohnung aufbewahren. Wir werden versuchen, soviel wie möglich zu verkaufen.

Die Reihen in den Gestellen bei meiner Mutter zuhause lichten sich. Zurück bleiben grosse Lücken. Mein Vater, dem ich immer nahestand und dem ich sehr ähnle, fehlt mir, er wird aber immer einen grossen Platz in meinem Herzen einnehmen.

 

 

Warum ich nicht gern telefoniere

Ein Facebookfreund (Johannes Mairhofer) hat soeben erklärt, warum er keine Telefonanrufe mag und auf diesen Artikel verlinkt. Endlich, endlich fühle ich mich verstanden, denn ich mag überhaupt keine Telefongespräche und fühlte mich mit dieser Antipathie allein. Wenn ich das bisher erklärte, stiess ich meist auf Unverständnis. „Was? Das gibt’s ja nicht. Ich telefoniere viel lieber, als dass ich schreibe.“ – „Dann musst du dich aber nicht wundern, wenn du keine Freunde hast oder alle verlierst“ waren so typische Reaktionen. Als ob die einzige Art, mit mir zu kommunizieren über eine Telefonplauderei möglich wäre. Ich habe noch nie gern telefoniert, auch nicht als Teenager. Es gab eine Zeit, da hinterfragte ich meine Antipathie nach einem möglichen Trauma. Zwar war ich zweimal diejenige, welche eine Todesnachricht als erste von unserer Familie erfuhr und diese Meldung weitersagen musste, aber ich glaube nicht, dass meine Abneigung von diesen zwei Erfahrungen stammt. Viel eher ist es so:

  • Wenn du mich anrufst, unterbrichst du mich bei irgendwas. Ich bin grad am Blog schreiben oder beruflich am Schreiben, weil ich einen Auftrag ausführe und sammle meine Gedanken. Dein Anruf unterbricht meinen Gedankenfluss. Ich bin im Schuss bei der Haus- oder Gartenarbeit und möchte in einer bestimmten Zeit mein Arbeitsziel erreicht haben. Ich bin im Gespräch mit einem meiner Kinder oder habe Besuch. Ein Anruf unterbricht ungefragt und der Klingelton, egal welche Melodie er spielt, stellt sich aufdringlich grad sofort in den Mittelpunkt. Ich kann nicht priorisieren und denken: zuerst mach ich das noch fertig, erkläre mein Anliegen meinem Gegenüber noch zu Ende. Nein, alles andere muss sofort warten. Es kann auch sein, dass ein Anruf mich beim „Nichtstun“ aufspringen und mein Herz pochen  lässt.
    Vorschlag: schreib mir ein SMS, WhatsApp, Mail. Kontaktiere mich per Facebook (dort gibt es auch einen Messenger), über Twitter oder Instagram oder über diesen Blog. Oder sprich mir eine Nachricht via WhatsApp drauf. Diese Möglichkeit gibt es ja auch noch, wenn du nicht schreiben magst. Ich antworte meist noch am selben Tag. Wir können über diese Kanäle auch einen Zeitpunkt für einen Telefonanruf vereinbaren, wenn du meinst, das Anliegen lasse sich über dieses Medium am besten besprechen. Oder wir vereinbaren einen Termin um einander zu besuchen, was ich auch immer sehr schätze.
  • Ich selber werde genau aus obigem Grund auch nie jemanden anrufen, ausser meine Schwiegermutter oder Mutter, welche beide kein Handy und Internet haben. Ich will nicht stören, unterbrechen. Wenn ich jemandem auf schriftlichem Weg eine Nachricht hinterlasse oder per WhatsApp eine Sprachnachricht schicke, weiss ich, dass der Empfänger dies dann abrufen kann, wann es ihm zeitlich, örtlich, kräftemässig und von der Lust her, mit mir zu kommunizieren, passt.

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    Das ist eine tote Leitung bei meiner Mutter. Links davon hängt das Hochzeitsfoto meiner Grossmutter und meines Grossvaters. Oberhalb des Telefons hängt eine Postkarte mit demselben Sujet – aber nicht von uns fotografiert. Foto im Foto im Foto… 😉
  • Ich telefoniere so ungern, weil ich eine Stimme allein nicht genau einordnen kann. Ich weiss nicht, ist das Gesagte ironisch gemeint, etwas ausweichend, peinlich berührt, vorwurfsvoll oder traurig? Ich spüre es zu wenig raus, benötige Gesten, Mimik und meine ganzen „Gmerkigen“ Sensoren, welche beim Klang einer Stimme allein fehlen. Ich fühle es nicht und das macht mich total unsicher, ich bin oft nach einem Telefongespräch bachnass geschwitzt, weil so viele Unsicherheiten mitschwingen. Wenn ich jeweils den Hörer auflege, hinterfrage ich mich tausendmal. Hätte ich das oder jenes anders sagen sollen?
  • Schweigen am Telefon geht auch ganz schlecht.
  • Und obwohl wir seit Jahren ein kabelloses Telefon haben, fühle ich mich durch den Apparat irgendwie „angebunden“. Eine Zeitlang dachte ich, dass Skypen eine mögliche Alternative für mich wäre, aber ich fühle mich da auch nicht total wohl – es ist besser, weil man das Gegenüber sieht und doch fühle ich mich halt auch „angebunden“ und ein kurzes Schweigen im Gespräch wirkt auch schnell peinlich.
  • Bei einem Anruf weiss ich nie, auf was ich mich einlasse. Werde ich einen Stunde am Apparat sein oder bloss ein paar Minuten? Ich mag es, wenn ich mich zeitlich auf was einstellen kann.
  • Am Telefon fühle ich mich nie frei, länger über etwas nachzudenken. Ich reagiere sehr schnell, spontan und ärgere mich im Nachhinein manchmal darüber.
  • Vielfach bin gar nicht ich gefragt, sondern mein Mann oder eines unserer Kinder. Wenn ich den Anrufer auf dem Display erkenne und weiss, die wollen etwas über Familienmitglied xy wissen, nehme ich nicht ab, weil ich meistens nicht Auskunft geben könnte. Jedes Familienmitglied hat ein eigenes Handy und deswegen verstehe ich im Grunde genommen nicht, warum die Leute nicht dort drauf ein WhatsApp hinterlassen.

    Es gibt Situationen, da ist ein Telefonanruf sinnvoll. Wenn ein Missverständnis bei einem schriftlichen Austausch entstanden ist und wir einander ewig hin- und herschreiben würden, ist die Angelegenheit meistens innert ein paar Minuten am Telefon geklärt. Lieber mag ich es aber, wenn bei solchen Vorkommnissen ein Bsüechli abgemacht wird und man einander 1:1 gegenüber sitzt.

    Wenn jemand innert nützlicher Frist nicht auf meine Mails, SMS, WhatsApps reagiert und ich eine Antwort erwarte, dann greife selbst ich mal zum Hörer. 😉

    Ich habe jetzt hier über den rein privaten Gebrauch des Telefons geschrieben. Beruflich ist es mir klar: da sind Telefonanrufe oft der schnellste, einfachste Weg der Kommunikation.

Wer übrigens meine Nummer nicht hat, dem werde ich sie aus obigen Gründen schwerlich rausrücken. Wer mir nahe steht, kennt unsere Festnetznummer und meine Handynummer. Im Telefonbuch steht unsere Nummer nicht und wir erhalten deshalb auch höchst selten Werbeanrufe. Wer weniger gut bekannt ist mit mir, kann über diesen Blog, Facebook, Twitter, Instagram den schriftlichen Austausch suchen, er kann mir einen Brief, eine Postkarte schreiben 😉 und kann gewiss sein, er wird eine Antwort erhalten. Wer allerdings auf Facebook nicht mit mir befreundet ist, sollte dort noch dran denken, dass Privatnachrichten im Ordner „Sonstiges“ landen, den ich alle paar Wochen mal anschaue. Also besser, eine Nachricht im Blog hinterlassen, hier wünschte ich mir sowieso mehr Dialoge. Ich höre ab und zu: „ich habe deinen neusten Blogbeitrag gelesen, er war kurzweilig, interessant“, aber selten hinterlassen Menschen mal Fragen oder Bemerkungen. Ich habe kürzlich wieder mal nachgeschaut, wie Menschen auf meinen Blog stossen und da denke ich oft: haben sie wohl gefunden, wonach sie gesucht haben? Und sonst: warum haben sie nicht nachgefragt?

Ich wünschte mir mehr Austausch, mehr Interaktivität, denn ich unterhalte und diskutiere gern. 😉

 

Ein Jahr Gmerkigs

Errungenschaft

1 Year Anniversary Achievement
Glückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com!
Du hast dich vor einem Jahr auf WordPress.com registriert!
Danke für dein Vertrauen in uns!

Mein Blog spricht mit mir. 😉 Er hat mir soeben mitgeteilt, dass ich bereits seit einem Jahr diesen Blog verwalte. Ein Jahr lang Gmerkigs – wie doch die Zeit vergeht!

Ich habe 31 Beiträge verfasst. Kürzlich wurde ich gefragt, über was ich denn so blogge. Antwort geben meine am  häufigsten verwendeten Schlagworte (Tags):

In diesem Blogjahr (von Mai 14 bis Mai 15) gingen wir auf Familienpirsch, ich habe mehrere Facebookfreunde persönlich kennengelernt, freute mich über einen 2. Fotopreis, wurde mit dem Tod konfrontiert, erlebte mit unserer Katze Hochs- und Tiefs (OP), schrieb über unsere Wohnungssuche und das Zügeln, über Ferien, Wanderungen, Ausflüge, meine Hobbys, über das, was mich als Christin beschäftigt und beteiligte mich an einer Blogparade.
Lustig: bis zu diesem Moment wurde mein Blog im 2015 gerade zum 888 igsten Mal aufgerufen. Zusammen mit dem Jahr 2014, also seit Blogbeginn wurde er 2’903 Mal aufgerufen. Meine Leser kommen hauptsächlich aus der Schweiz, aber auch aus Oesterreich, Kanada, USA…. Diese breite, weltweite Leserschaft überrascht mich und gerne würde ich mehr wissen über meine Leser.
Unterhaltsam und spannend ist es zu sehen, welche Suchbegriffe euch auf meine Seite geführt haben. Wenn ich lese, dass sich jemand gefragt hat, wie lange man braucht auf dem Bogenpark in Emmetten oder ob man bei der Klewenalpbahn auf dem Parkplatz einen Wohnwagen hinstellen und übernachten dürfte, dann würde ich gern kompetente Auskunft geben. Nicht immer führen meine Beiträge nämlich zu einer Antwort. Aber ich wüsste es vielleicht. 😉  Ich ermutige euch, die Kommentarfunktion unter den Beiträgen zu benutzen, denn gerne würde ich mit euch in einen Dialog treten.
Der bisher meistgelesenste Beitrag ist derjenige zum gerade stattgefundenen Gesamtschulanlass Beckenried. Er wurde bis heute 87 Mal aufgerufen. Knapp folgt ihm auf Platz 2 der meistgelesenen Beiträge das Social Media Treffen mit CEO der SBB Andreas Meyer.
Weil wir in diesem Blogjahr umgezogen sind, ist das Titelbild nicht mehr aktuell. Es wurde auf der Terasse an unserem alten Wohnort aufgenommen. Wir durften 14 Jahre lang diese wunderschöne Aussicht geniessen.
Ich geniesse unser Zuhause am wunderschönen Vierwaldstättersee, Schweiz
Ich geniesse unser Zuhause am wunderschönen Vierwaldstättersee, Schweiz
Doch wir haben ein gutes, neues Zuhause gefunden und so wechsle ich anlässlich meines Blog-Jubiläums auf dieses Bild:
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Ich bin motiviert, ins zweite Blogjahr einzusteigen. Es macht mir Spass, mit einer breiten Leserschaft meine „gmerkigen“, das heisst, merkenswerten Erlebnisse zu teilen.

Gmerkigs

„Besch es Gmerkigs“ sagen wir Schweizer, wenn wir jemandem etwas scherzhaft zugestehen, er oder sie hätte etwas entdeckt, was für andere schon längstens selbstverständlich sei. Alternativ kann man sowas über sich selber aussagen: „Be halt scho es Gmerkigs.“ 😉

Dasselbe Wort kann aber auch bewundernd verwendet werden: „Er isch e rächt e Gmerkige!“ Er merkt sich Dinge schnell, ist zum Beispiel ein intelligenter, aufgeweckter, spürender, gut beobachtender, aufmerksamer Schüler.

In meinem Blog möchte ich gmerkige Gedanken, Erlebnisse, Fragen, Bilder von mir (Schwarzweissfotos auf Leinwand mit handgemalten Farbtupfern)  und Fotos sammeln, festhalten und für das weltweite Netz freigeben. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Blog ein buntes Sammelsurium wird, als Abbild meines Lebens.

Ich bin eine Jahrgang 63 igerin, Familienmanagerin, Mutter von drei Kindern, welche teilweise bereits erwachsen sind, seit 1987 glücklich verheiratet mit Andy, überzeugte Christin, Hobbyfotografin, Testkundin, freie Autorin des SCM Bundes-Verlags (Schweiz) und des Nidwaldner Blitz , Katzenbesitzerin, Mitarbeiterin für Kindergottesdienste der ref. Kirche Buochs (ohne reformiertes Kirchenmitglied zu sein).

In der Hochsensibilität erkenne ich Wesenszüge von mir wieder. Eben – bin manchmal „übergmerkig“, mit allen Vor- und Nachteilen.