Zu Weihnachten gibts Diagnose Krebs

Krebs, das war für mich schon immer ein Schreckenswort.

Meine damals 18 jährige Cousine starb innert Tagen an Leukämie. Das war damals ein Riesenschock für mich.
Als ich ein Teenie war, erkrankte meine Mutter an Krebs. Wir wussten nicht, ob sie’s überlebt. Meine Schulleistungen gingen den Bach runter und niemand fragte nach dem Grund. Meine Lehrerin fand, bei mir seien „Hopfen und Malz verloren“, als ich eine einfache Geometriaufgabe an der Tafel nicht lösen konnte und stattdessen vor der gesamten Klasse in Schluchzen ausbrach. Meine Mutter wurde geheilt. Für uns ein Wunder. Aber vorher war es wochenlang eine ganz schlimme Zeit der Ungewissheit. Und ich war als Kind allein mit allen Ängsten.
Mein Schwiegervater hatte Magenkrebs – ihm musste der gesamte Magen entfernt werden.
In unserer Familie ist Hautkrebs seit Jahrzehnten ein Thema. Wir kennen sämtliche Hautkrebsarten aus eigenen Erfahrungen, gut- und bösartige Flecken, welche aber bisher gut entfernt werden konnten. Meine Mutter hatte mal ein Melanom der ganz schlimmsten Art – und wurde wieder geheilt. Meinem Vater (verstorben im Oktober 15) musste ein grosser, bösartiger Tumor am Kiefer entfernt werden. Damit begann seine grosse Leidenszeit.
Mit einer lieben Bekannten fieberten wir über Jahre nach der ersten Brust-OP aufgrund von Brustkrebs. Sie verlor den Kampf leider.
Ein befreundeter Jugendpastor kämpft ebenfalls seit Jahren mit diesem Ungetüm. Er hat alle düsteren Prognosen der Ärzte überlebt. Sein Zustand ist momentan stabil, aber geheilt ist er nicht.

Und nun das: mein geliebter Mann hat am 19. Dezember die Diagnose Leukämie erhalten. Pünktlich auf die Weihnachtszeit, wenn man sich auf „oh du Fröhliche“ einstimmen möchte. Ein Schock. Es klingt so unreal und ist doch brutale Realität. Dabei wollten wir zusammen alt und grau werden. Mindestens 90ig. Und wir haben für den Juli 2017 eine dreiwöchige USA Reise gebucht. Zu unserem 30. Hochzeitstag, der nächstes Jahr stattfindet. Auf einen Schlag in die Magengrube ist alles ungewiss. Werden wir den 30. Hochzeitstag noch miteinander feiern können? Falls ja: wie wird der Gesundheitszustand meines Mannes dann sein? Können wir noch irgendwelche Pläne miteinander machen? Uns noch auf etwas freuen, das in der Zukunft liegt? Ich wollte die Reise annullieren, aber mein Mann sagte: „Jetzt erst recht. Wir feiern und geniessen das Leben und die Liebe, solange es geht.“

Er ist derjenige, der von dieser fiesen Krankheit betroffen ist und bleibt gelassen. Manchmal ist er etwas „duuuch“, aber das kann auch nur die Müdigkeit sein, welche vielleicht aufgrund der Krankheit vermehrt spürbar ist. Sonst spürt er noch keine Beschwerden. Wir hoffen, dass dies möglichst lange so bleibt. Die Altersleukämie betrifft laut Statistik vor allem Männer ab 70. Wie fies für einen 54 jährigen. Sie verläuft nicht so aggressiv wie in jungen Jahren. Köbi Kuhn, welcher seit 3 Jahren mit dieser Krankheit lebt, schenkt mir Hoffnung. Doch genaue Prognosen über die zu erwartende Lebenszeit und über den Krankheitsverlauf, kann niemand geben, zumal das Infektionsrisiko aufgrund der zu grossen Menge an weissen Blutkörperchen erhöht ist.

Ich weiss, dass unsere Leben in Gottes Hand liegen. Manchmal aber überkommt mich eine riesengrosse Angst. Ich will meinen Mann nicht verlieren. Wir lieben uns, sind glücklich verheiratet. Gerade in den letzten paar Monaten verspürten wir die Dankbarkeit über unsere Beziehung vermehrt. Mein Mann deckte mich mit Zärtlichkeiten ein und versicherte mir, wie hübsch ich sei. Wir kennen einander durch und durch. Müssen einander fast nicht mal mehr anschauen, um zu spüren, wie es dem anderen geht, geschweige denn etwas sagen – wir wissen es so oder so. Ich habe vor ein paar Wochen bereits Veränderungen an A. festgestellt und ihn gefragt, ob er sich fiebrig oder sonst krank fühle. Auch unser Kater lag in letzter Zeit vermehrt ganz laut schnurrend bei ihm. Ich möchte nie ohne meinen Liebsten leben. Die Angst vermischt sich mit einer grossen Traurigkeit. Vorgestern liefen mir im Postauto auf einmal Tränen die Wangen runter. Ich konnte sie nicht stoppen. Ich glaube, es hat niemand von den anderen Fahrgästen was bemerkt.

Was wird auf uns zukommen? Ich weiss nicht, ob ich das jetzt überhaupt wissen möchte. Lieber jetzt jeden Tag für sich allein nehmen. Die gegenseitige Liebe geniessen. Aber das ist leichter gesagt, als getan – mit dem Damoklesschwert der Krankheit und des Todes über uns. Klar, jeder weiss, dass er mal gehen muss von dieser Erde. Aber 54 Jahre – das ist doch noch kein Alter, oder? Wir glauben, dass Gott heilen kann – nur wird er es tun, will er es tun? Ich bitte an dieser Stelle, uns von geistlichen Belehrungen zu verschonen. Unser Glaube ist stark und das theologische Wissen gross. Zudem sind wir gut betreut durch die Vineyard Luzern.

Das genaue Ausmass des Krankheitsbefalls wissen wir übrigens noch nicht genau. Mein Mann hat eine Untersuchung beim Hausarzt und zwei im Kantonsspital Stans hinter sich. Wir warten als nächstes auf ein Aufgebot zu einer noch genaueren Untersuchung in der Onkologie des Kantonsspitals Luzern.Diese sollte nächste Woche statt finden.

Wir werden Weihnachten feiern. Denn sie mag vielleicht nicht so unbeschwert sein wie früher, aber der Sinn von Weihnachten wird durch die Krankheit nicht genommen. Das Licht kam in die grösste Dunkelheit. Ohne Jesus wäre alles nichts.

Advent und Weihnachten ist wie ein Schlüsselloch, durch das auf unsren dunklen Erdenweg ein Schein aus der Heimat fällt.
Friedrich von Bodelschwingh
deutscher Pastor und Theologe
* 06.03.1831, † 02.04.1910

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Dieses Bild entstand im Februar dieses Jahres. Es zeigt Seifenblasen auf der Hand meines Mannes. Mein Beitrag wurde im Buch von Fatima Vidal „Dieser Moment“ veröffentlicht.
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Maria im Zug

Heute vor 1 Jahr waren wir mit der #SBB #Tageskarte unterwegs. Was man da alles mithört von Mitfahrgästen…..

Gmerkigs

Gestern, 8. Dezember 2014, feierte unser Kanton „Maria em Gfängnis“. Unsere älteste, erwachsene Tochter hat uns letzten Samstag verraten, dass sie den katholischen Feiertag „Maria Empfängnis“ als Kind so verstanden hätte und sie sich wunderte, warum ihr nie jemand die biblische Geschichte von „Maria im Gefängnis“ erzählt hatte.;-)

Mein Mann, unser Jüngster und ich stempelten SBB Tageskarten auf unserem Mehrfahrtenkärtchen ab und genossen die Fahrt über Luzern – St. Gallen mit dem Voralpenexpress, abgekürzt VAE, nicht zu verwechseln mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Säntispark genossen wir das Baden, Sprudeln, Rutschbahnfahren, eine Viertelstunde intensives Acquafitness und in Zürich den Weihnachtsmarkt.

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Wir genossen auch die vielen, interessanten Gespräche in den Zügen, denn sie bieten grossen Unterhaltungswert und tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele.

Im VAE erfuhren wir aus erster Hand, welche möglichen und unmöglichen Fehler man als berufliche Neueinsteigerin in einer Anwaltspraxis machen kann…

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Samichlais-Bettmümpfeligeschichte

1487752_10201204779302824_126629634_oNie hat er sich beklagt. Jahr für Jahr seinen Dienst treu verrichtet. Die feinen Sachen geschleppt, sich still verhalten und sich nicht in den Mittelpunkt gerückt, wenn die Kinder durch ihn beschenkt wurden. Nie einen Dank erhalten. Er stinke ein bisschen und jucke auf seinem Rücken, meinte kürzlich der Esel. All dies hat er geduldig ertragen. Die leuchtenden Kinderaugen waren ihm jeweils Geschenk genug. Doch diese Demütigung nun ist zu viel. Am liebsten würde er in den Boden versinken und rot werden, wenn er könnte.

Verwirrt, verlegen und erschrocken beobachtet er, wie in regelmässigen Abständen ein spanisches Nüssli aus ihm herauskullert. Der Samichlaus und auch sein Begleiter, der Schmutzli, haben noch nichts bemerkt. Der Samichlaus führt den Esel und plaudert mit dem Schmutzli – und er, der alte Sack, liegt auf dem Eselsrücken. Er hat ein Loch! So was hat er noch nie erlebt. Der Samichlaus konnte immer auf ihn zählen. Am Morgen hat er den alten Jutesack prall mit Orangen, Mandarinen, Lebkuchen, Nüssen und kleinen Süssigkeiten gefüllt, und der Sack ist stolz gewesen und hat sich auf die vielen Kinder gefreut. Und jetzt das. Schon wieder kullert eine Baumnuss aus seinem Inneren! Bisher sind es nur kleine Spanische Nüssli gewesen, die den Weg nach draussen gefunden haben. Aber jetzt – sogar ein Mandarinli! Das Loch scheint grösser zu werden – und er kann nichts dagegen tun. Wenn das so weitergeht, wird er leer sein, wenn der Samichlaus und der Schmutzli beim ersten Kind anklopfen! Der alte Jutesack ist verzweifelt! Schon purzelt sogar eine Orange aus dem Loch auf die Strasse! Der Samichlaus und der Schmutzli werden schimpfen und ihn fortwerfen. Er hat bestimmt ausgedient und schimpft sich selber einen „alten Sack“. Wenn ein Sack weinen könnte, so würden nun seine Tränen zusammen mit den Spanischen Nüssli und den Früchten auf den Weg kullern. Er wird immer leichter, weil er häufiger und grössere Waren verliert, und gleichzeitig fühlt er, wie sein Herz schwerer wird, weil er auf dem Weg zu Kindern ist, die nun keine Geschenke mehr erhalten! Und er allein ist schuld daran, dass sie traurig und enttäuscht sein werden.

„Dort vorn ist der Samichlaus! Wir haben ihn gefunden!“, rufen plötzlich Kinderstimmen hinter ihnen. Eine grosse Kinderschar umringt jetzt den Samichlaus, den Schmutzli und den Esel mit dem Sack auf dem Rücken. Jedes der Kinder trägt in den Händen Nüsse und Früchte. Sie haben die seltsame Spur verfolgt, die der Samichlaus und sein Gefolge auf der Strasse hinterlassen. Hier eine Mandarine, dort Nüssli, und es wurde immer einfacher, dieser Fährte zu folgen, da die Warenmenge am Boden immer grösser wurde.

„Ja, was ist denn das?“ Der Samichlaus hält den Esel an und schüttelt den Kopf. Alle zusammen finden schnell heraus, dass der alte Jutesack ein Loch hat. Aber anders, als es der Sack erwartet hat, folgt nun kein Donnerwetter. Der Samichlaus sagt den Kindern, dass sie die gefundenen Sachen heimtragen dürfen. Er würde umkehren, den Sack flicken und später mit neuen Waren zu ihnen auf Hausbesuch kommen. Der Schmutzli backe neue Lebkuchen und Guetzli. Früchte und Nüsse hätte er noch genügend zu Hause. Im Sack drin befinden sich nur noch ein paar wenige Mandarinli, grosse Lebkuchen und dickbäuchige Orangen. Diese verschenken der Samichlaus und der Schmutzli denjenigen Kindern, die nicht so viel in ihren Händen halten wie andere.

Sanft streicht der Samichlaus seinem Jutesack über den Rücken. „Du bist mir einer! Wolltest mir wohl einen Streich spielen, was?“ „Nein, nein, das käme mir nie in den Sinn“, will der Sack antworten, aber er kann leider nicht sprechen. „Du hast ja recht, wenn du einmal auf dich aufmerksam machst“, spricht der Samichlaus leise weiter. „Länger als jeder Esel und jeder Schmutzli dienst du mir treu. Den Kindern bringe ich viel Lob, aber dir habe ich nie gesagt, wie dankbar ich für deine Hilfe bin, sondern habe dich in jeder Samichlauszeit ganz selbstverständlich mit den Geschenken gefüllt und darauf vertraut, dass du stark bist. Dein treues Dienen hat dir Lebensnarben beschert und ein paar davon sind nun halt aufgesprungen. Ich musste damit rechnen, doch du hast einen schönen, dicken und farbigen Flickstoff verdient!“ Wie wohl tun diese Worte dem alten Jutesack, und wenn er könnte, würde er vor Rührung eine Träne verdrücken. Aber eben – Säcke können ja nicht weinen.

Betrachte doch dieses Jahr den Sack des Samichlaus’ einmal ganz genau. Du hast ihn auch noch nie richtig beachtet, oder? Sondern hast dich immer auf die feinen Sachen gefreut, die der Schmutzli aus dem Samichlaussack holte? Vielleicht streichst du dem Sack mal ganz fein über seinen Rücken, das mag er bestimmt. Und wenn du siehst, dass er geflickt worden ist, kennst du ja jetzt die Geschichte dieser Lebensnarben.

Von Regula Aeppli-Fankhauser