Inter-nette Bekanntschaften #Blogparade #webseidank

Johannes Mairhofer war es, der mich via Twitter auf diese Blogparade aufmerksam machte. Johannes kenne ich von einer Twitteraktion der sogenannten 99 iger Fotografen. (Hat nichts mit den 99iger Jahren zu tun. 😉 ) Eine Woche lang durfte ich einen Wechselaccount von Berufs- und Hobbyfotografen betreuen. Darauf aufmerksam wurde ich durch Sascha, einen Berufsfotografen, den ich durch ein Internetforum kennenlernte. Und schon bin ich mitten im Thema der Blogparade „Was hat das Web dir Gutes gebracht?“ 😉

Am einfachsten ist es wohl, ich beginne chronologisch mit meiner Interneterfahrung:

Eine Internetverbindung zuhause begann damals noch mit dem Einwählen via Modem und dem damals bekannten zugehörigen Geräusch. Das WWW eröffnete mir eine ganz neue, im wahrsten Sinn des Wortes weltweite Welt. Es gibt in meinem Leben wirklich eine Zeit vor und nach dem Internet. Vor dieser „Zeitwende“ beschränkten sich meine Kontakte auf meine engere und weitere Familie/Verwandtschaft, Nachbarschaft, Freikirche, Eltern von Gspändli (Schulkameraden/Freunden) unserer Kinder und ein paar wenigen Brieffreundschaften, denen ich alle paar Wochen oder Monate mal eine Postkarte oder einen handgeschriebenen Brief schickte. Mit dem Internetanschluss öffnete sich meine Welt in einem Augenblick!

Als Erstes schloss ich eine langjährige Freundschaft mit einer Frau, welche mir beruflich in einem PC Spiel weiterhalf. Aus anfänglichen kleinen Tipps entwickelte sich eine private Emailfreundschaft, welche später leider im Sand verlief.

Dann entdeckte ich ein gesundheitliches Themenforum, welches mich sehr ansprach, da ich zu jener Zeit unter Depressionen litt. Jeden Tag war ich fortan aktiv bei Depri.ch Die Kontakte in diesem Forum halfen mir zusammen mit einer Selbsthilfegruppe vor Ort, fachlicher Betreuung und Gottes Hilfe schliesslich aus dieser schwierigen Krankheitszeit heraus. Einzelne Kontakte, welche ich über Jahre in diesem Forum pflegte, zähle ich bis heute zu meinem engeren Freundeskreis. Über Facebook, Twitter, Whatsapp, aber auch durch Besuche hüben und drüben bleiben wir eng verbunden. Eine Frau aus Deutschland besuchte mich gar für ein paar Tage in der Schweiz.

Meine persönliche Entdeckung von Facebook kam für mich im richtigen Moment – nämlich, als für mich der Austausch in jenem Forum nicht mehr so „aktuell“ war, weil ich zwar noch Menschen beistehen konnte, diese schwere Zeit aber lieber endgültig hinter mir lassen wollte. Es war so wohltuend, auf Facebook viele Bekannte aus dem Forum wieder zu finden.

Dann kam das Jahr 2006, in dem ich das sogenannte „Novemberschreiben“ entdeckte. Es galt, innerhalb des Monats November eine gewisse Anzahl Wörter zu schreiben – mein erster Roman „Die Liebe ist rot“ formte sich und ich gewann die erste virtuelle Goldmedaille. Wichtig war mir der Austausch im Schreibszeneforum und vielleicht tippte ich dort parallel zu meinem Manuskript viel mehr Wörter. Ich lernte Fatima Vidal, Karin Mayerhofer Dobler, die Krimiautorin Ina HallerGerhard Falk (der mich später auch mal besuchte) und viele andere Menschen nicht nur übers Web, sondern auch in persönlichen Begegnungen kennen. Einem Mann, den ich vom Depriforum her kannte, gab ich den Tipp, doch beim Novemberschreiben mitzumachen – wo er seine Lebenspartnerin Zora Debrunner kennenlernte – und auch ich bin seither freundschaftlich mit ihnen beiden verbunden. In Fatima Vidals Verlag erschien kürzlich das Buch „Dieser Moment“ mit einem Fotobeitrag von mir drin.

Dieser Moment

Zu Karin pflege ich mittlerweile eine Freundschaft, welche diese Bezeichnung wirklich verdient. Wir besuchen einander hie und da, gehen zusammen an Buchvernissagen, sie stand mir an der Beerdigung meines Vaters bei und besuchte mich an mehreren Konzerten des Chorprojekts Ennetbürgen. Wir nehmen gegenseitig Anteil am Leben der anderen und das hat sich aus einer „inter-netten Bekanntschaft“ so entwickelt. Durch das Schreibszeneforum des Novemberschreibens lernte ich auch Blanca Imboden persönlich kennen, welche noch keine mehrfache Schweizer Bestsellerautorin war, aber schon damals tolle Bücher schrieb.

Manchmal ist man übers Web mit jemandem verbunden und hat einen tieferen Austausch, weiss aber gar nicht mehr, wie der Kontakt eigentlich zustande kam. So geschah es mir mit Joe Stalder. Die Sternwarte Kreuzlingen, bei der er sich sehr aktiv engagiert, durften wir als Familie schon zweimal besuchen und Joe persönlich kennenlernen. Ich finde es immer wieder spannend, wenn ich jemanden, den ich bis anhin ausschliesslich übers Web kannte, dann endlich mal Auge und Auge gegenüberstehe. So war es bei Joe und so war es auch, als mich viele Internetbekannte an meinem 50 igsten Geburtstag zuhause besuchten und mit mir feierten.

An einem Twittertreffen, organisiert von  Andrea Jerger, welche ich bis anhin auch nur über die sozialen Medien kannte, stand ich dann grad mehreren Menschen gegenüber, mit denen ich bis dato nur schriftlich kommunizierte. Wie faszinierend!

Die eingangs erwähnte Beziehung zu den 99 ig Fotografen brachte mir eine freundschaftliche Beziehung zu mehreren Fotografen in der Schweiz. Einmal organisierte ich deswegen ein kleines 99iger Treffen im Papiliorama Kerzers. Und auch Karsten Socher und Heike lernte ich durch die 99 iger kennen. Sie haben unsere Familie bereits zweimal besucht – einmal waren wir zusammen auf dem Vierwaldstättersee und einmal unternahmen wir einen Schlittelplausch zusammen. Es darf ruhig zu einer schönen Tradition werden, Karsten und Heike, dass ihr uns jährlich besuchen kommt – dann, wenn du beruflich in der CH zu tun hast.

Fast genau heute vor 4 Jahren besuchte mich eine Facebookbekannte. Eine Schweizerin, jetzt wohnhaft in Oesterreich. Immer wenn ich ein Gebetsanliegen habe, ist sie für mich da. Danke für deine Treue, Myriam! ❤

Bildschirmfoto 2016-07-05 um 15.08.05.png

Das Web hat mir auch geholfen, alte Bekannte wieder zu finden. So wäre es ohne Internetrecherche undenkbar gewesen, dass ich als Hauptinitiatorin ein Klassentreffen der Primarschule zustande gebracht hätte. Mit vielen alten Schulgspändli, aber auch anderen Altbekannten, welche ich aus den Augen verloren hatte, bleibe ich nun via Facebook wieder ganz neu verbunden.

Last but not least lernte ich meine neuen Nachbarn zuerst per Zufall über eine Tausch- und Verkaufsbörse per Facebook kennen, da ich dort Dinge vor dem Umzug loswerden wollte.

Unter das Thema „Was mir das Web gebracht hat“, gehört aber auch, dass es mich vielleicht etwas abgeklärter gemacht hat. Ich musste erfahren, wie schnell Freundschaften geschlossen werden  – und wie schnell sie mit einem Klick auch wieder beendet werden können. Es gab da eine Frau, welche ich via Schreibszene kennengelernt hatte. Wir besuchten miteinander ein Musical, einen Weihnachtsmarkt und einander zuhause. Eines Tages stand sie überraschend vor der Türe, weil ich mich über das triste Wetter und meine Stimmungslage beklagt hatte. Sie brachte mir eine Tageslichtlampe und ich beschenkte sie im Gegenzug mit Bio-Früchten aus Spanien, welche wir zu dieser Zeit vertrieben. Die Tageslichtlampe hilft mir bis heute über trübe Wochen hinweg. Die Freundschaft aber zerbrach vor ein paar Jahren, weil jene Frau sich in einer meiner Lebenssituationen anders verhalten hätte als ich es tat. Sie konnte nicht akzeptieren, dass ich ihren Rat nicht beherzigen mochte – und klickte mich weg. Eine andere Frau kommentierte keinen meiner Beiträge auf Facebook, Twitter oder hier auf dem Blog, besuchte mich nie, hatte aber scheinbar das Gefühl, wir seien engste Freundinnen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass sie tief verletzt war, als ich sie aus dem Grund aus meiner Freundesliste kippte, weil sie mich öffentlich aufgrund einer Meinungsäusserung kritisierte. Allein die Tatsache, dass sie alles mitlas, verband sie wohl mit mir – ohne mir dies aber je mitzuteilen. Für mich hingegen war sie bloss eine der vielen Bekanntschaften auf Facebook, welche kommen und gehen. Selbst wenn es dort offiziell „Freundesliste“ heisst, gehört für mich zu einer Freundschaft mehr dazu, als still bei jemandem mitzulesen.

So – Zeit sich wieder Erfreulicherem zuzuwenden: aufs morgige Mittagessen erwarte ich Miriam Schaffner aus Basel, welche ich über Facebook kennenlernte. Keine Ahnung mehr wie dieser Kontakt zustande kam. Sie war unter den erwähnten Geburtstagsgästen an meinem 50 igsten, ich habe sie auch schon ein paarmal in Basel besucht, als sie als Mitinitiantin von „Basel farbartig verstriggt“ Fähren einstrickte und ich diese bewundern ging. Morgen nun besucht sie mich das erste Mal seit unserem Umzug, aber das dritte Mal, seit unserem Kennenlernen und ich freue mich riesig auf sie.

Nachtrag, 6. Juli 2016: es war ein schönes, entspanntes, anregendes Zusammensein mit Miriam. Sie hat mir auf den 50 igsten eine Meerjungfrau geschenkt, welche eine der eingestrickten Fähren in Basel schmückte und heute gesellten sich ein paar alte Freunde der Meerjungfrau dazu. Von diesem Strickprogramm hatte Miriam per Facebook erfahren. Diese Fabelwesen mit ihren Freundschaften sind also wie ein Symbolbild dieses Blogparadethemas: ohne das Web gäbe es sie und ihre „Freundschaften“ nicht. 😉

13613511_10206883789634533_6513938779073834633_o.jpg

Werbeanzeigen

Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen. Gott in Matthäus 25, 31-46

Auf Facebook gehen die Wogen derzeit hoch, was die Flüchtlingsthematik betrifft. Ich lese da Posts wie: „Vergasen sollte man die, verrecken sollen sie, alles Schmarotzer, nehmen uns die Arbeit weg, bei uns in der Schweiz gibt es genügend arme Leute, welche keine Unterstützung kriegen, kümmere dich lieber um die, wir haben gar keinen Platz – nimm doch selber Flüchtlinge auf, wenn du so ein Gutmensch bist“… etc.

Vermutlich liegen solchen Äusserungen ganz viel Bitterkeit, Sorgen, Verletzungen, sich ungerecht behandelt fühlen und ähnliches zugrunde.

Viele Sorgen, Ängste und Unverständnis teile ich. Ich bin der Meinung, jeder Asylant sollte die Sprache des Zuwanderlandes, lernen, es wäre schön, Menschen, welche sich aus dem Ausland hier niederliessen, würden sich auch in Schweizer Vereinen integrieren, an unseren Festen teilnehmen. Ich bin der Meinung, dass Menschen, welche sich um Migranten kümmern, ihren Betreuungspersonen noch zuwenig vermitteln, was die Schweizer Kultur ausmacht. Klar kann man sich darüber auslassen, was denn „Schweizer Kultur“ überhaupt bedeutet. Ich denke, da hat jeder Schweizer seine eigene Gewichtigung. Ungeachtet dessen finde ich es wichtig, dass Menschen, welche in diesen Bereichen beruflich oder ehrenamtlich tätig sind, sich noch mehr bemühen, auch Schweizer Werte, Schweizer Geschichte und Kultur weiter zu vermitteln. Integration gelingt noch zu wenig. Ich gehe mit Frank A. Meyer einig. In der Schweiz am Sonntag meint er dazu:

«Man könnte jedem Asylanten beim Übertritt über die Grenze in Chiasso einen Merkzettel in die Hand drücken mit den zehn wichtigsten Punkten über unser Land und unsere Kultur: Bei uns sind Frauen und Mädchen gleichberechtigt, bei uns gilt Religionsfreiheit, weitere Punkte müssten die Aufklärung über Gesetze enthalten, über Regeln und Riten, vielleicht sogar über Geschichte.»

Entnommen einem Livenet Artikel.

Als wir in der Türkei in den Ferien waren, hat uns der Reiseleiter auf Sitten, Gebräuche des Landes aufgeklärt. Für uns Schweizer ist es selbstverständlich, dass wir uns über „No goes“ des Ziellandes informieren, über kulturelle Fettnäpfchen, in die man tappen könnte und vor denen man bewahrt werden möchte. Dasselbe steht jedem Gast in unserem Land zu. Das Zusammenleben wird einfacher, der Zugezogene wird eher akzeptiert, erfährt Bestätigung und Zugehörigkeit.

Es gibt sie: die Kriminaltouristen und solche, welche über zuwenig Taschengeld und schlechte Unterkünfte jammern. Ich habe mit einer syrischen Frau geredet, welche sich beklagte, dass sie sich mit ihrem Unterstützungsgeld bloss eine kleine Wohnung in Stans leisten könne – zuhause hätten sie zwei Autos und eine Villa gehabt. Den Lebensstandart, den sie mal genoss, kann sie hier nicht gratis weiterführen. Es gibt sie: und ich rege mich ebenfalls darüber auf. Und ich denke, hier sollten Flüchtlingsbetreuer/Sozialarbeiter noch viel professioneller wirken und solchen Menschen nicht nur Verständnis entgegenbringen, sondern helfen, mit der Realität umzugehen und zeigen, wie Schweizer wirklich leben. Der Durchschnittsschweizer kann sich kein Dienstpersonal und keine Villa mit Pool und mehrere Autos leisten. Der Sohn dieser Frau hat die Lehre abgebrochen, u.a. deswegen, weil er weniger Lehrlingslohn erhält, als wenn er einfach so irgendwo jobben geht. Wo sind die Flüchtlingsbetreuer, welche solchen Menschen unter anderem unser Lehrlingssystem erklären? Ich habe es versucht, bin aber gescheitert. Sie kennen sowas einfach nicht und es müsste mehr Menschen geben, welche ihnen Kultur- und Schweizer Lebensschule unterrichten würden.

Wie gesagt. ich habe viel Verständnis für Sorgen, Ängste, Befürchtungen, welche im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage geäussert werden und ich bin für Meinungsfreiheit und dafür, dass man solch ungute Gefühle und auch Erlebnisse ernst nimmt und was daraus lernt. Doch was ich verabscheue sind Gemeinheiten, Fäkalsprache, Verallgemeinerungen und ähnliches in leider meist primitiven Diskussionen. Ich vermisse eine gute, faire, menschenachtende Gesprächskultur in den Social Media.

Es wäre schön, Menschen würden sich erst gar nicht auf den gefährlichen Fluchtweg aus ihren Herkunftsländern machen. Es wäre super, wenn wir Kriege beenden könnten und die Menschen in den Ländern in Frieden wohnen lassen könnten, in denen sie sich kulturell und sozial wohl fühlen. Denn hier in der Schweiz niedergelassen, plagt doch viele von ihnen das Heimweh und sie möchten nichts lieber, als wieder zurückkehren in ihre Heimatländer. Das Leben ist nicht so einfach hier, wie sie es sich erträumt haben und viele kommen mit dieser Realität nicht klar. Leider entspricht es auch nicht der Realität, dass Kriege so leicht beendet und die Flüchtlingsströme versiegen. Trotzdem ich viele Befürchtungen, Verständnislosigkeit und Verärgerungen teile, bin ich entsetzt darüber, dass Menschen, welche ihr Leben aufs Spiel setzten, um aus einem Kriegsland zu flüchten, hier massivsten Drohungen ausgesetzt sind. Sie meinten, endlich in ein Land zu kommen, welches ihnen Geborgenheit und Sicherheit geben könnte, aber ihre erlebten Traumas wiederholen sich hier.

„Brandstiftung, Körperverletzung und Demütigung sind keine Ausdrucksmittel der freien Meinungsäusserung.“ sagt Oliver Kalkofe und ich gehe mit ihm einig. Sein Videobeitrag ist bemerkenswert.

Unter den Flüchtlingen sind viele Christen, welche entweder zum Islam hätten zwangskonvertieren oder sonst um ihr Leben bangen mussten. Sie haben zu Geld gemacht, was sich zu Geld machen liess, haben alles zurückgelassen für eine unbestimmte Zukunft. Viele Menschen in der Schweiz zeigten ihre Solidarität in den Sozialen Medien mit dem Hashtag #WeAreN . Aber nun stelle ich fest, dass teilweise dieselben Menschen aktuell gegen diese Flüchtlinge hetzen, weil sie befürchten, es könnten viele Moslems darunter sein, es könnte sich um eine diffuse Unterwanderungstaktik des Islams handeln. Und? In erster Linie handelt es sich bei den Flüchtlingen um Menschen. Menschen wie du und ich. Und sie haben in erster Linie mal eine menschwürdige Behandlung zugut. Nur weil es einigen Schweizern nicht gut geht, dürfte es Flüchtlingen nicht besser gehen? Was ist denn das für eine egoistische Haltung? Würden wir nicht auch flüchten, sollten wir uns an Leib und Leben in unserem Land bedroht sehen? Zudem hat jeder Moslem nun die Chance, in unserem Land Jesus kennen zu lernen – wir müssen nicht erst Missionare zu ihnen aussenden, sondern sie kommen nun vor unsere Haustüre. Wir sollten in ihnen keine Bedrohung sehen, sondern Menschen, welche von Gott geliebt und geachtet sind.

Die Bibel stellt sich auf die Seite der Flüchtlinge, fordert uns mehrfach auf, ihnen zu helfen. Die Familie von Jesus musste ebenfalls flüchten, kaum war er geboren. Gottes ❤ schlägt für die Vetriebenen und Verachteten. Schlagen wir uns doch auf seine Seite.

P.S. Von Mandy bekomme ich jeden Tag ein sogenanntes „Seelenfutter“. Habe gerade erst gelesen, dass sie so ziemlich dasselbe über die Flüchtlingsproblematik schreibt. GekreuzSiegt.

Ein etwas langer, aber lohnenswerter Artikel darüber (klickmich), ein Livenetartikel und dies hier.

Und natürlich sehe ich diese Seite ebenfalls. Mag widersprüchlich scheinen zu obigem, zeigt aber die Komplexität, welche mir durchaus bewusst ist.

Twittertreffen mit CEO Andreas Meyer #SBBSOME

DSC_0012

„Man wolle die Wahrnehmung der SBB als kundenorientiertes Unternehmen stärken.“ Zitat SBB aus der Kampagne „Unterwegs Zuhause“.

Kundennah will sie sein, die SBB und es gibt nebst vielen berechtigten Kritikpunkten durchaus Ansätze, wo man diesen Vorsatz  live erleben kann. Ich durfte als Kundin bereits das dritte Mal an einem SBB-Anlass teilnehmen. Zweimal an Tagungen, an denen wir Kunden zusammen mit dem SBB-Kaderpersonal an Workshops die Zukunft der Kundeninformation, Kundenleitsystem an den Bahnhöfen und Kundenwünsche diskutierten und jüngst, am 18. Mai 15 war es ein Twittertreffen mit CEO Andreas Meyer, zu dem Andrea Jerger einlud.

Bild 2015-05-18 074(1)
Foto liebenswürdigerweise von Andreas Schweizer zur Verfügung gestellt. Danke.

Was mich an allen drei Anlässen bei denen ich dabei sein durfte, begeisterte, berührte und faszinierte war die Wertschätzung, welche mir als Fahrgast entgegengebracht wurde. An der Tagung in St. Gallen standen alle Kaderleute auf, um uns Kunden zu applaudieren für unsere Treue und bei allem, was wir in den Kleingruppen besprachen, wurde ich immer gefragt, wie ich persönlich dies als Kundin erleben und bewerten würde. Wie heisst es so schön: „nobody is perfect“ und dies gilt sowohl für Personen, wie für Unternehmungen. Aus der Distanz, zum Beispiel über die Social Media lässt es sich bequem in harten Worten kritisieren, was man als Negativ erlebt. Sobald man aber einem Menschen persönlich gegenübersitzt, ins Gespräch kommt, ihn spürt und merkt, wie gut er es im Grunde genommen meint und hört, welche Anstrengungen er bereits unternommen hat, wird man innerlich weich und kann über die Problempunkte ganz anders miteinander diskutieren. Ich denke, so ticke nicht nur ich, sondern so sind wir Menschen doch alle „gebaut“. Dass der CEO Andreas Meyer zum Anfassen nah an uns Kunden kam, ist für einen Menschen in dieser beruflichen Position alles andere als selbstverständlich. Das Social Mediatreffen vom 18. Mai mit dem Hashtag #SBBSOME begeisterte nicht nur mich, genau aus obgenanntem Grund. CEO Andreas Meyer und Christian Ginsig, nahmen sich 3 Stunden Zeit für alle Fragen, welche wir mitbrachten. Welche Chefs von Grossunternehmen vergleichbarer Grösse, treffen sich mit ganz „normalen“ Kunden? DAS ist gelebte, nicht nur proklamierte Kundennähe. Ich habe mich vor dem Treffen bei meiner Familie und Bekannten rumgehört, was ihnen zum Thema „SBB“ unter den Nägeln brennt und kam vorbereitet, mit einem A4 Blatt voller Fragen an das Social Mediatreffen. CEO Andreas Meyer hat sich ausführlich Zeit genommen und ging auf jede einzelne Frage ein. Hier die Antworten – die dazu passenden Fragen, kann sich jeder selber zusammenreimen. 😉 : —————————– Der Swiss Pass benötigt für Zugbegleiter nicht mehr Zeit zur Kontrolle, Einzeltickets können noch nicht darauf geladen werden, ist aber eine Zukunftsoption, eine Einführung für ältere Menschen (z.Bsp.) geschieht zum Teil bereits (kürzlich in einem Altersheim). Was mich zum Thema Swiss Pass erstaunte ist, dass das Ganze noch in den Kinderschuhen steckt. Es ist ein „Gefäss“, dass noch gefüllt werden könnte, ein Anfang. Ich ging davon aus, dass das Projekt bereits viel ausgereifter wäre.

Alternativrouten welche nicht gut vorgeschlagen werden bei Stellwerkstörungen und bei denen die Passagiere gut Bescheid wüssten, könnten an Andreas Meyer gemailt werden. Ruppige Zugbegleiter sind nicht im Sinn der SBB (wer hätte das gedacht). A. Meyer entschuldigt sich für sein Bodenpersonal. 😉 Für Reservationskärtchen in den Zugabteilen wird es in Zukunft eine andere Lösung geben. K-Tipp und Saldo berichten laut A. Meyer und Christian Ginsig nicht sehr neutral und ausgewogen über die SBB, sondern suchen das „Haar in der Suppe“, aufgrund ihrer Pro Service Public-Passion. Was mir neu war und mich erstaunte: Medien können Artikel nach Gutdünken publizieren, ohne ein „Gut zum Druck“ beim Interviewten einzuholen. Einzig, wenn jemand wörtlich zitiert wird, ist die Regelung strenger. Ich hoffe, die Herren Meyer und Ginsig sind mit meinem Resumée im Grossen und Ganzen zufrieden. 😉 ?? ——-

Bild 2015-05-18 078(1)
Foto liebenswürdigerweise von Andreas Schweizer zur Verfügung gestellt. Danke.

Genauso wie ich, hatten alle Teilnehmenden, ja sogar zufällig mitfahrende Passagiere im Speisewagen Bern-Zürich Gelegenheit, mit CEO Andreas Meyer oder anderen SBB Mitarbeitern, ihre Anliegen zu besprechen. Schade, erhielten wir zum Schluss keine Zusammenfassung der gestellten Fragen und Antworten….

Emotional milde und freudig der SBB gegenüber gestimmt, begab ich mich auf die Heimfahrt – und ärgerte mich bereits wieder über die SBB. Aufgrund einer Stellwerkstörung auf der Strecke Rotkreuz-Luzern, verpasste ich meinen Anschluss auf die Zentralbahn um lächerliche 2 Minuten. Doch ich habe meinen Frust sogleich getwittert und auch „adressiert“ an  @AndreasMeyer und hatte zumindest das Gefühl, ich sei nun mit meinem Ärger nicht alleine gelassen worden. Hier 11310905_10204398340459857_2042560163_n habe ich meine Frage, warum es in letzter Zeit auf dieser Strecke vermehrt zu Stellwerkstörungen kommt, noch nachgeschickt und wenn Sie als Leser ebenfalls ein Thema haben, das Sie gern beantwortet haben möchten, dann ermutige ich Sie, dies ebenfalls hier zu deponieren. Der Link ist noch aktiv. Zusammen mit Ihnen bin ich gespannt auf Antwort! Weitere Fotos des #SBBSOME vom 18. Mai: – von mir undvon diversen #SBBSOME Teilnehmer Blogbericht von Martin Rechsteiner Blickamabend Blick

„Mission unter falscher Flagge“ – Christen im Umgang mit Medien und Kritik

Ich zitiere aus NDR: „Selten hat eine Dokumentation so viele Reaktionen ausgelöst wie der NDR Film „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“ von Mareike Fuchs und Sinje Stadtlich, der am 4. August im Ersten Premiere hatte. Den NDR und Das Erste haben danach mehrere Tausend Briefe, Mails und Anrufe erreicht. Wegen des großen Zuschauerinteresses zeigt das NDR Fernsehen die Dokumentation noch einmal – am Freitag, 22. August, um 22.00 Uhr.“

Dieser Film, war es, welcher sovielen Christen sauer aufgestossen ist und sie zu tausendfachen Reaktionen hinreissen liess: „Mission unter falscher Flagge“:

Nun hat DasErste auf die Vorwürfe der Christen reagiert:  Stellungnahme.

Wenn ich in einer leitenden Stellung in einer Freikirche oder einem christlichen Verband wäre, würde ich dieses Vorkommnis sofort als Anschauungsmaterial für Schulungen im Umgang mit den Medien und mit Kritik überhaupt verwenden.

Wie gehen Christen mit Kritik in den eigenen Reihen um und wie, wenn sie von aussen kritisiert werden?

Meine eigene Erfahrung bestätigt leider, dass die meisten Christen den Umgang mit Kritik nie gelernt haben und auch überhaupt nicht motiviert sind, in dieser Hinsicht lernbereit zu werden. Ich war 22 Jahre lang Mitglied in einer Freikirche, welche mein Mann und ich sogar die ersten 5 Jahre lang leiteten. Kritik war zu keinem Zeitpunkt erwünscht, sondern wurde immer auf mich selber zurückgeworfen. Wenn ich mit etwas in der freikirchlichen Gemeinde Probleme hätte, dann dürfe ich nicht darauf schliessen, dass alle damit ein Problem hätten, sondern dann sei es in erste Linie mein Problem – ja ich selber sei das eigentliche Problem. Diesen Satz hörte ich mehr als einmal – bis ich ihn zu verinnerlichen begann und ich therapeutische Hilfe in Anspruch nahm.

Kritik von aussen wird zu oft mal so aufgenommen, dass hier der Teufel den Christen schaden möchte. Es wird ein Zusammenhang mit Christenverfolgung hergestellt, abgeblockt, vehement alles rundum bestritten und sollte es ein Christ wagen, die eine oder andere Kritik zu unterstützen, gilt er nicht selten als Nestbeschmutzer.

Was ich nicht verstehe und was mich entsetzt, sollte der Vorwurf stimmen, ist, dass Christen scheinbar gelogen haben. Was für ein Armutszeugnis, wenn Christen vorgeworfen wird, sie würden lügen! Dies vor allem auch in ihren Reaktionen auf den ausgestrahlten Film. Ein Beispiel – ich zitiere aus der Stellungsnahme des TV Senders DasErste:

„Rund um dieses im Film ausgestrahlte Interview mit Jürgen Werth werden ebenfalls Vorwürfe erhoben. Wir hätten ihm vor diesem 26. Juni nicht gesagt, worum es ginge, welche Fragen wir hätten. Auch Jürgen Werth hat sich in einem Radiogespräch entsprechend geäußert. Diese Behauptungen sind falsch. In einer Mail vom 23. Juni teilten wir Herrn Werth die Themenkomplexe mit, erwähnten darin ausdrücklich die – in unseren Augen kritikwürdigen – Vorkommnisse beim Gospelforum und bei Mission Freedom. Dass Herr Werth dann im Interview auf die entsprechenden Fragen sein Nichtwissen um diese Vorgänge äußerte, hat aber auch uns irritiert. Zumal die beiden „Vorsitzenden“ von Gospelforum und „Mission Freedom“, Peter Wenz und Gabriele Wentland, zusammen mit Herrn Werth im Geschäftsführenden Vorstand der EAD sitzen, sich also gut kennen.“

Mir stellen einige Fragen:
Sollte es stimmen, dass Herr Jürgen Werth nichts über den Inhalt der Fragen wusste, welche auf ihn zukamen, dann hat er

– entweder das Mail nicht gelesen. Was nicht sehr professionell wäre.

– oder gelogen. Was ich mir aber doch auch nicht vorstellen kann, soweit ich ihn „kenne“.

Ich tippe eher auf ersteres: er hat das Mail nicht gelesen. Entweder, weil er es nicht unter die Augen bekommen hat, aus welchen Gründen auch immer, oder weil er es unnötig fand, sich auf die Fragen vorzubereiten und es bewusst oder unbewusst zur Seite geschoben hat. Warum hat er dann vor dem Interviewtermin nicht selber nochmals nachgefragt und um die Fragestellungen/Ziel des Interviews gefragt? Ich unterstelle hier eine gewisse Naivität im Umgang mit den Medien und befürchte, unsere Schweizer Freikirchen, unsere Schweizer Allianz würde in einem ähnlichen Fall genauso naiv handeln. Nehmt euch ein Beispiel und fragt euch bereits jetzt, bevor so ein Fall eintritt: wie würden wir reagieren – wie schnell wären wir bereit für Interviews – sind unsere Absprachewege evtl. zu lang? Sind wir für Medienanfragen auch dann bereit, wenn alle zuständigen Personen in den Sommerferien weilen? Den Medien ist das in der Regel egal, sie wollen Sommerlöcher füllen. 😉 Und vor allem: wie kritikbereit sind wir wirklich?

Eine weitere Frage, welche ich mir stelle lautet: sind sich alle freikirchlichen Gemeinden, welche Livestreamgottesdienste ausstrahlen bewusst, dass die aufgezeichneten Gottesdienste im Web jederzeit in irgendeinem TV-Beitrag eingebettet werden können? Und vor allem: werden Gottesdienstbesucher darauf aufmerksam gemacht, dass sie einen Gottesdienst besuchen, bei dem sie evtl. auch als Besucher von einer Kamera aufgezeichnet werden könnten?

Ich stelle fest, dass Christen und gerade auch solche in führenden Positionen, in den Social Medias noch viel zu wenig verankert und wenig präsent sind. Sie sind sich der Chancen und Gefahren nicht überall bewusst. Hier besteht eindeutiger Aufholbedarf. Geschulte Leute, welche man zu internen Fortbildungen „anzapfen“ könnte,  gäbe es unter Schweizer Christen genügend. Und dann, nachdem ihr geschult seid im Umgang mit Social Media – liebe Pastoren: wagt es, euch bei Facebook und Twitter anzumelden und aktiv zu werden, bleibt am Draht der Menschen von heute, kommt raus aus euren Schulungs- und Konferenzlokalen, nehmt Stellung, klickt euch unter den Kommentarfunktionen bei 20Minuten oder Blickamabend ein, denn dort sind die Menschen zu finden, welche ihr erreichen wollt!

Und dann noch was anderes: tausendfache Reaktionen seitens der Christen auf Kritik an Christen! Und wo bleiben diese tausendfachen Reaktionen, wenn es um wirkliche Christenverfolgungen geht?

Reaktion: http://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/ndr-beitrag-war-notwendig-89730/