Öbere Gotthard flüged d’Bräme

Lästige Brämis (Schweizerdeutsch für Bremsen – Insekten) waren wir wohl für die insgesamt 5 SBB MitarbeiterInnen, welche wir um Auskunft für unseren Ausflug über den Gotthard baten. Wir wollten bewusst die alte Bahnstrecke befahren mit den Kehrtunnels und dem „Chileli vo Wasse“ und erst auf der Heimreise die Strecke durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt wählen. Denn wir planten einen gemütlichen „Mädelstag“, meine Schwester, älteste Tochter und ich. Der Weg sollte das Ziel sein. Doch bei den SBB Angestellten stiessen wir auf Unverständnis. Heute will doch jeder möglichst schnell von A nach B kommen, damit man am Zielort zackig beginnen kann, sich zu erholen.

Vor unserer Erholung stresste uns die online Fahrplanauskunft, denn die Strecke über den Gotthard ist gut versteckt. Der Fahrplan gibt ausschliesslich die schnellste Verbindung an, ausser man wählt ein „Via“, aber man muss wissen, welches. Bei unserer Verbindung, so beriet mich ein Twitter-User, musste es nicht Erstfeld sein, wie von mir vermutet, sondern Airolo.

Und weiter stressten uns die obgenannten 5 SBB Mitarbeiter:

Meine Schwester erhielt von einem Mitarbeiter am SBB-Schalter in Basel diese Fahrplanauskunft:

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Unverständlich, wie man die Auskunft geben kann, dass eine Warterei von einer Dreiviertelstunde in Arth-Goldau und eine von 1.5 Stunden in Erstfeld nötig sein sollte. (Mitarbeiter Nummer 1 mit mangelhafter Auskunft.) Rechts im Bild zwei Notizen: die eine mit blauem Kugelschreiber verfasst von einer Mitarbeiterin am Infoschalter in Luzern, die ich befragte, wann der Zug meiner Schwester in Luzern ankommen würde. Sie benötigte für diese Auskunft einige lange Minuten, nicht ohne ihr Unverständnis auszudrücken, warum man auf die Idee komme, nicht den schnellsten bequemsten Weg zu wählen. Auf die seltsame Fahrplanauskunft ihres Kollegen in Basel, wies sie mich nicht hin, obwohl ich ihr ja den Zettel vorlegte. (Mitarbeiterin Nummer 2). Erst zuhause prüfte ich diese Verbindung und suchte mir mühsam online die Verbindung, welche ich rechts handschriftlich festhielt. Mit dieser Verbindung war es meiner Tochter und mir möglich, eine Stunde später los zu fahren, als bei der Auskunft, welche meine Schwester erhalten hatte – um es auf denselben Zug über den Gotthard zu schaffen. Und mit viel besseren Anschlusszeiten.

Unterdessen wurde unsere Tochter an einem Schalter in Luzern miserabel beraten. Sie hatte eine Gutschrift erhalten, als Geschenk meiner Schwester und wollte diese einlösen, was ihr online nicht gelang. Die Mitarbeiterin (Nummer 3) gab es auf, ihr den Fahrpreis für die gewünschte Strecke (Hinweg über den Gotthard, retour unten durch) auszurechnen. Nach einigen langen Minuten gab sie die Auskunft, das sei ihr zu mühsam und verkaufte meiner Tochter die Tageskarte zum Halbtax. Den Gutschein konnte sie dabei nicht anrechnen. Zuhause entdeckte meine Tochter, dass sie eine Spartageskarte hätte online kaufen können. Rund 20 Franken hätte sie dabei gespart. Wie ärgerlich.

Am Reisetag, dem 4. November 18, war meine Schwester etwa 20 Minuten vor uns in Luzern und bemerkte eine rote Anzeige, dass auf der Strecke zwischen Arth Goldau und Erstfeld mit Bahneinschränkungen und Zugsausfällen zu rechnen sei. Sie dachte, sie hätte vor unserer Ankunft grad noch Zeit, am Infoschalter zu fragen, ob das Auswirkungen auf unsere geplante Reise über den Gotthard haben wird. Und nun folgt die schlimmste Erfahrung mit Mitarbeiterin Nummer 4. Diese gab meiner Schwester die Auskunft, über die alte Gotthard-Bahnstrecke würden nur im Sommer Züge fahren, jetzt sei die Strecke „zu“. Meine Schwester wollte dies nicht glauben, die Angestellte aber wollte sie zurückdrängen, denn es würden noch andere Leute anstehen, denen sie nun gern helfen würde. Meine Schwester meinte, sie hätte ihre Auskunft noch nicht erhalten. Sie möchte wissen, ob die rote Anzeige eine Auswirkung auf unsere Fahrstrecke habe oder nicht. Daraufhin erhielt sie – unwillig gegeben – sagenhafte Auskunft – datiert mit dem 14. September 18 – gegeben am 4. November für den 4. November:

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Warum ein Umsteigen in Arth-Goldau, um dort rund 20 Minuten Wartezeit auf sich nehmen zu müssen? Wir fuhren bis Brunnen und hatten dort eine Umsteigzeit von rund 10 Minuten, was viel praktischer war.

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IMG_20181105_114352.jpgWarum wird ein Umsteigen in Airolo vorgeschlagen? Wie meine handschriftliche Notiz im ersten Foto zeigt, war dies unnötig. Eine rundum inkompetente Beratung von Mitarbeiterin Nummer 4. Dazu unfreundlich und ob die rot angekündigten Bahneinschränkungen auf unsere Reise einen Einfluss haben würden, wusste sie nicht.

Deshalb fragte ich per Twitter den RailService. Dieser gibt zuverlässig innert Minuten jeweils Auskünfte. Nur half mir diese im Moment nicht wirklich. Sie lautete, ich solle mich online schlau machen, dort stand aber nur dasselbe, wie in der roten Anzeige am Gleisende in Luzern. Bildschirmfoto 2018-11-05 um 14.12.47

Wir entschlossen uns, die Fahrt wie geplant Richtung Brunnen anzutreten, obwohl uns vorher 4 SBB Mitarbeiter davon abraten wollten. Die Zugbegleiterin, welche wir im Zug zur Bahnauskunft befragten, wusste nichts von einer solchen Meldung. Sie befragte ihren Onlinefahrplan – denselben, wie wir auch schon selber konsultiert hatten. Sie verstand zuerst auch nicht, dass wir bewusst „oben durch“ fahren wollten und gab uns eine Fahrplanauskunft mit dem besten Anschluss an den Schnellzug „unten durch“. (Mitarbeiterin Nummer 5) Auch sie gab uns zuerst die Auskunft, dass die alte Bahnstrecke über den Gotthard jetzt nicht mehr befahren würde. Ich entgegnete, warum wir dann online diesen Fahrplan erhalten hätten, datiert auf 4.11.18. Mit der Zeit kamen wir im Gespräch drauf, dass bloss die Panoramakompositionen nicht mehr fahren würden – die „gewöhnlichen“ Regionalzüge hingegen natürlich schon noch. Diese Mitarbeiterin Nummer 5 stellte sich schliesslich und endlich als sehr freundlich heraus und nachdem wir ihr die Odyssee unserer SBB Mitarbeiter-Erfahrungen erzählten, überraschte sie uns plötzlich mit 3 Gutscheinen à je Fr. 6.– Einlösbar bei Bahnverkaufsstellen, Verpflegungsstellen im Zug, Valora, Press&Book oder K-Kiosk.

Der Tag war gerettet und verlief von diesem Zeitpunkt an wie geplant.

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Die rote Warnung, dass wir evtl. einen Zugausfall erleben könnten, erwies sich als nichtig. Wir lachten über das dreimalige Erscheinen des Kirchleins von Wassen,

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plauderten, assen fein in Lugano, bummelten den Schaufenstern nach und sparten dabei einige tausend Franken, weil wir beim Bucherer & Co. nichts einkaufen konnten, denn es war Sonntag.

Beim Retourfahren via Tunnel „wie es sich für den normalen Fahrgast gehört“ 😉 ergoogelten wir uns die Fakten über dieses Bauwerk. Ende gut, alles gut. Nur dass Schalter der SBB mit inkompetenten, gestressten und unfreundlichen Mitarbeitern besetzt sind, stimmt trotz des gelungenen Ausflugs unzufrieden. Die Tatsache, dass der Fahrplan für diese Nostalgiestrecke versteckt ist und selbst SBB Mitarbeiter keine Ahnung davon haben, wie der Zug über diese Route verkehrt, ist traurig. Wenn das Angebot derart schwer auffindbar und unbekannt ist, wird natürlich auch eine Statistik der Fahrgäste negativ ausfallen und es wird heissen, eine Nachfrage sei nicht gegeben.

Wir erlebten an diesem Tag die volle Bandbreite des Konfuzius-Spruchs „Der Weg ist das Ziel“, den ich anfangs erwähnte. Auf dem Weg erlebten wir, dass wir durch hartnäckiges Nachfragen, Selbstbewusstsein (wir waren überzeugt davon, dass der Zug über diese Strecke fahren würde), Geduld und Freundlichkeit zum Ziel kamen, welches lautete: einen schönen, glücklichen „Mädelstag“ zu erleben. 😉


Die SBB haben mir heute, 8. November sehr kulant und freundlich per Mail geantwortet:

Ref. KUDI9723652
Ihre Rückmeldung an die SBB — Ihre Reise vom 4. November

Sehr geehrte Frau Aeppli

Besonders und im Kundendialog ist wichtig zu wissen, was unsere Kundinnen und Kunden bewegt. Vielen Dank für Ihre Nachricht und den Link zu Ihrem Blog.

Was Sie in Ihrem Beitrag schildern hören wir nicht gerne. Ganz offensichtlich haben Sie sich über das Verhalten meiner Kolleginnen und Kollegen vom Schalter in Basel und Luzern geärgert. Das bedaure ich. Die Ziele der SBB sind gute Kundenbeziehungen dank gutem Angebot und gutem Service. Wir wollen zufriedene Kundinnen und Kunden.

Deshalb legen wir grossen Wert auf einen freundlichen Umgang und die Professionalität unseres Personals. Ich habe die Vorgesetzten der involvierten Mitarbeitenden über Ihre Schilderungen informiert. Sie dürfen darauf vertrauen, dass wir solche Rückmeldungen unserer Fahrgäste ernst nehmen und mit den Betroffenen besprechen.

Zum Reisepreis für Ihre Tochter: Unsere Spartageskarten sind über SBB.ch oder SBB Mobile erhältlich und müssen jeweils bis spätestens am Vortag der Reise gekauft werden. Ein Billett, das die Gotthardstrecke beinhaltet, ist sowohl über die Bergstrecke als auch für den Tunnel gültig. Für den Panoramazug in den Sommermonaten wird ein Zuschlag erhoben. Die Reisekosten ab Luzern nach Lugano betragen 61 Franken für Hin- und Rückfahrt in der 2. Klasse.

Gerne sende ich Ihnen für Ihre Tochter einen Promo-Code im Wert von 15 Franken, einlösbar bis 31.12.2020. Ihr Promo-Code lautet: XXXX. Lösen Sie den Promo-Code auf SBB.ch oder per SBB Mobile ein und profitieren Sie von Bahnleistungen Ihrer Wahl. Unter folgendem Link erfahren Sie, wie Sie den Promo-Code einlösen können: sbb.ch/promo-code.

Umso mehr freut mich zu lesen, dass Sie sich nicht haben entmutigen lassen und Ihren Mädelstag trotz dem missglückten Start geniessen konnten. Und ich danke Ihnen für die Würdigung Ihrer positiven Begegnung mit meiner Kollegin vom Zugpersonal.

Zu Ihrem Blogbeitrag möchte ich Ihnen ein grosses Kompliment aussprechen. Ihre Erlebnisse vom Mädelstag lesen sich ausgesprochen erfrischend. Obwohl unsere Mitarbeitenden unter dem Strich nicht gut dabei wegkommen — was mich insgeheim natürlich ärgert —  fühle ich mich ein wenig, als wäre ich selber dabei gewesen.

Ich hoffe, Sie können bei Ihrem nächsten Ausflug ein Loblied auf meine Kolleginnen und Kollegen singen und wünsche Ihnen und Ihren Mädels noch viele wunderbare Reisen mit uns.

Freundliche Grüsse

Jovana Lüthy
SBB Kundendialog
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SBB AG
Division Personenverkehr
Kundendialog
Postfach, 3000 Bern 65, Schweiz
Telefon 051 225 78 62
kundendialog@sbb.chsbb.ch
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Mai dire mai – Sag niemals nie

Aufschrei – das ist ein treffender Ausdruck auf mein  „Non arrivederci“ von Ostern dieses Jahres. Mit so vielen Reaktionen hatte ich nicht gerechnet. „Nein, du kannst nicht ganz Italien in einen Topf werfen – wie verwerflich.“ – „Das Südtirol ist ganz anders. Die Gastfreundschaft ist wie in Österreich“, sagte man mir. Wir waren schon zweimal in der Gegend des Gardasees und erinnerten uns tatsächlich gern an Norditalien. Und so kam es, dass unser Vorsatz gerade mal ein halbes Jahr anhielt. Wir verbrachten letzte Woche wunderschöne, warme und sehr erlebnisreiche Ferien.

Samstag, 7. Oktober 17

Zuerst feiern wir zuhause den 25. Geburi unserer Tochter nach. Erst am Mittag brechen mein Mann, unser 16 jähriger Sohn und ich, auf und fahren über die Gotthardstrecke und Milano (keine guten Erinnerungen) zu unserem ersten Ferienort, nach Cavareno. In etwas mehr als 5 Stunden sind wir am Ziel. Erst bei unserer Abreise wiesen uns andere Gäste darauf hin, dass sich diese Region nicht im Südtirol, sondern im Trentino befindet. Naja – so quasi auf der Grenze zum Südtirol. Wir beziehen unser geräumiges Familienzimmer im Hotel Rosa. Dieses Hotel können wir sehr weiterempfehlen. Die Gastgeberin spricht deutsch und liest uns alle Wünsche von den Augen ab.

Sonntag, 8. Oktober

Weil wir keinen Vergnügungspark während unserer USA Ferien besuchten, gönnen wir unserem Sohnemann den Besuch des Gardalandes. Dies bereits zum zweiten Mal. Wir finden, es bietet auf kleinerer Fläche als Rust genauso tolle Bahnen. Wenn man hie und da für eine „schnelle Linie“ 5 Euro draufzahlt, steht man nicht an (sonst bis zu einer Std) und kommt dann vom Preis her auf dasselbe, wie bei einem Europapark-Besuch in Deutschland.

Vom Hotel Rosa bis zum Gardaland fahren wir leider etwa 1.5 Std.

Montag, 9. Oktober

Unsere Gastgeberin berät uns gut. Wir wandern rund um den Lago di Tovel/Tovelsee und sind begeistert über die Klarheit des Wassers und die Spiegelungen der Berge und herbstlich gefärbten Bäume darin.

 

Dienstag, 10. Oktober

Wir dürfen gratis Velos vom Hotel benutzen und erkundigen die nähere Umgebung. Am Nachmittag bis Abend geniessen wir den wunderschönen Wellnessbereich des Hotels.

 

Mittwoch, 11. Oktober

Wir fahren zum Mendelpass. Aufgrund von Bauarbeiten ist er zur Zeit nur eine Stunde zwischen 12 bis 13 Uhr befahrbar. So wandern wir ein bisschen zur Penegalhöhe. Aber nur etwas eine Viertelstunde hinauf und dann wieder zum Auto hinunter, weil es 12 Uhr ist und wir weiterfahren wollen. Die Aussicht ist beeindruckend – und noch was beeindruckt uns: eine Schlange – wahrscheinlich eine Ringelnatter…

Ich empfehle bei Interesse für Wanderungen auf dem Mendelpass das Bergzeit Magazin (klickmich) zu konsultieren. Es bietet viele hilfreiche Hintergrundinfos, „Einkehrtipps“ und ein Höhenmeterprofil.

Wir besichtigen Bozen und essen dort z’Mittag, bevor wir uns auf eine Autorundfahrt über Welschnofen zum Karersee begeben. Dieser See ist stärker „touristifiziert“ als der Tovelsee. Er gefällt uns schon – aber der Tovelsee war noch ein Stück weit malerischer und vor allem konnte man am Tovelsee direkt am Ufer entlang wandern, was hier nicht möglich ist, sondern nur an etwas erhöhter Lage. Zaun nicht übertreten, heisst es. Die Dolomiten  bieten ein schönes Hintergrundpanorama.

 

Wir fahren weiter über Meran zu unserem nächsten Ferienort: Laas. Hier wohnen wir nicht mehr in einem Hotel, sondern in zwei – ja zwei (!) – Appartements. Tobias hat sein eigenes Studio und wir eine etwas grössere Ferienwohnung. Tobias hätte zwar in einem ganz kleinen Zimmer in unserer Ferienwohnung Platz gehabt, aber natürlich hat er mehr Raum für sich im eigenen Studio, das sich auf derselben Etage wie unsere Wohnung befindet. Es wurde so offeriert von der Gastgeberin, als wir angaben, dass wir als Ehepaar und mit einem 16 Jährigen anreisen würden. Auch dieses Angebot ist sagenhaft günstig.

Die Gastgeberin erzählt uns, dass sie sich im Südtirol nicht als wirkliche Italiener sehen. Sie seien von der Art her ganz anders, was wir bestätigen können nach unserem miesen Erlebnis in Milano.

Donnerstag, 12. Oktober

Wir erhalten Gratiskarten für die Benutzung des öffentlichen Verkehrs. Dies ist sogar bis ins Münstertal der Schweiz gültig. Wir aber fahren nicht dorthin, sondern nach Meran. Wir besuchen die wunderschönen Gärten des Schlosses Trauttmansdorff und das Schloss selber. Dieses beherbergt eine Ausstellung zum Thema Tourismus. Auch mit Kindern sehr zu empfehlen. Wir wundern uns, dass sowenige der unzählig vielen Gartenbesucher das Schloss besichtigen. Auch Meran selber besichtigen wir natürlich. Die Zugfahrt von und nach Laas dauert eine Stunde.

 

Freitag, 13. Oktober

Wir wandern auf einem Waalweg. Schade, dass dieser alte Bewässerungskanal kein Wasser führt, die spektakulären Stege leider gesperrt sind und mit einem weiten wenig schönen und anstrengenden Auf- und Ab umgangen werden müssen und wir meistens im Schatten wandern. Doch der Wald ist romantisch und warm ist es dennoch. Überhaupt haben wir die ganze Woche bereits Wetterglück: immer strahlender Sonnenschein und zwischen 20 bis 26 Grad ist es warm. Wir wandern grad in umgekehrter Richtung wie hier beschrieben und leider stellt sich das als nicht kluge Entscheidung heraus: die Wanderwegzeichen sind nur von der anderen Seite her gut zu finden. Wir laufen einmal falsch und müssen die Zeichen oftmals suchen. Glurns ist unser Wanderziel. Ein herziges Mittelalterstädtchen. Das Schweizer Postauto bringt uns nach Taufers zurück.

Was tun mit dem angebrochenen Tag, nach der 3 stündigen Wanderung? Wir fahren in die Schweiz, denn Taufers liegt grad an der Landesgrenze. Im schweizerischen Santa Maria im Münstertal staunen wir darüber, wieviel besser die Häuser instand gesetzt sind, als die gleichen Häusertypen auf italienischer Seite. Es scheint, dass hier die Hausbesitzer mehr Geld zur Verfügung haben. Was für schöne Sgraffitis der Bündnerhäuser! Über den Umbrail– und den Stelviopass (Stilfserjoch) fahren wir wieder nach Laas zurück. Hat sich gelohnt, diese Autorundfahrt in der Abendsonne.

 

Samstag, 14. Oktober

Wir fahren über den Ofen– und Albulapass zur Lenzerheide und machen einen Foxtrail. Diesen bekamen wir geschenkt von Travelita. Das heisst, zwei Tickets mit kleinem Siegerapéro für Andy und mich. Für Tobias müssen wir nicht mehr viel bezahlen, denn wir profitieren von einem Cumulusangebot. Hier ist der Extrablogbeitrag zu diesem empfehlenswerten Foxtrail.

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Zuhause begrüsst uns Kater Minouch. Wir haben ihn vermisst, aber es wurde gut zu ihm geschaut während unserer Ferienabwesenheit. Er bekommt ausnahmsweise Katzenmilch.

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Die Woche verging im Flug – viel zu schnell! Aber wir haben soviel erlebt und ja: zum Südtirol sagen wir: gerne wieder einmal!

Unser Sohn Tobias (16) hat ein superschönes Video über den Lago di Tovel erstellt.

 

 

 

 

Licht am Ende des Tunnels

Erst nach dem Mittag am Sonntag, 5. Juni 2016, fuhren wir per Auto nach Rynächt, um uns am Volksfest über den längsten Eisenbahntunnel der Welt mitzufreuen. Aus Zeitgründen hatten wir nur im Sinn, die beiden Festplätze Rynächt und Erstfeld zu besuchen und bei anderer Gelegenheit einmal durch den Tunnel zu fahren.

In Rynächt genossen wir zuerst ein Konzert von Knackeboul. Es ist wohl selten möglich, ihn derart zum Greifen nah zu geniessen, wie wir es konnten, denn der tanzte durchs Volk und rappte spontan über Menschen, welche ihm dabei auffielen. Viele Menschen tanzten spontan mit – ein Volksfest, das mitriss!

Die Stände erinnerten mich an eine Gewerbeausstellung oder eine Expo – letzterer Vergleich natürlich im Miniformat gemeint. 😉 Um 3 D Brillen auszuprobieren, hätte man zu lange anstehen müssen, aber zum Glück hat unser Sohnemann eine Brille, in die man sein Handy legen und 3 D Filme bestaunen kann, selber gebastelt – so könnten wir den SBB Film zuhause geniessen.

Viele Unternehmen warben für sich selber – wir fühlen uns dabei bestens unterhalten. Am Coopstand gab es stur nur originelle Stofftaschen, wenn man ein Quiz spielte, wofür man anstehen musste, was wir nicht taten. Währenddem sang der Urner Gospelchor von „Umbrella“ und der Regen setzte prompt ein.

Am Stand der Mobiliar rubbelten wir gesuchte Orte in der Schweiz auf einer Karte derart genau auf, dass ein Mitarbeiter völlig verblüfft, uns statt eines gewöhnlichen Sofortpreises 3 Tickets für die Reise durch den neuen Gotthardtunnel und über die alte Strecke retour anbot, sollte nicht sein „Chef-Chef“ in den nächsten 30 Minuten noch Eigenbedarf ankündigen. Die Tickets seien für ihn hinterlegt worden, aber mit der Weisung, sie dürften verschenkt werden, sollte er sie nicht selber benötigen. Um 16.09 Uhr fuhr der letzte Zug durchs Tunnel Richtung Tessin und zu unserem Glück meldete sich der Mobiliar-Chef nicht. Danke, an dieser Stelle. 🙂 Wir durften sogar in einen 1. Klass-Waggon steigen, da alle 1. Klassabteile mit 2. Klasse umgeschrieben wurden.

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So befanden wir uns plötzlich auf einer Reise ins Tessin, von der wir beim Aufstehen am Morgen noch nichts gewusst hatten. 😀

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Die Fahrt durchs Tunnel selber war so wie es andere vor uns bereits beschrieben: dunkel – wer hätte das gedacht – und nur deswegen spektakulär, wenn man sich der baulichen Meisterleistung bewusst wurde.

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Im Süden (Pollegio) schlug uns ein warmer Wind entgegen und die Sonne zeigte sich tatsächlich! Lustig: im Tessin hörte man auf einen Schlag meistens nur Italienisch und auf der Urner Seite Schweizerdeutsch – obwohl es doch durch die schnelle Tunnelverbindung eine grössere Durchmischung hätte geben sollen?

Gerade rechtzeitig kamen wir an, um uns die Show, von der wir im Vorfeld nicht nur Positives lasen, anzuschauen. Das Ganze war beeindruckend und unterhaltsam. Traditionelle Alphornklänge und unsere Schweizer Militärmusik wurde mit modernem Tanz kombiniert. An einer imposant grossen Leinwand, auf welche Bergmassive oder technische Elemente projeziert wurde, turnten Mineure in ihren orangen Arbeitskleidern rum. Aber weswegen Bergarbeiter später halb nackt tanzen mussten, verstanden wir ebensowenig wie der Sinn der mystischen Elemente . Und warum tanzen diese Heuhaufen? Ah – der tiefere Sinn, der gar nicht vorhanden ist, erschliesst sich mir heute. Danke, SRF 3.

Noch ein bisschen verwirrt von diesem Spektakel, begaben wir uns bereits zum Shuttlebus, welcher uns nach Biasca zum SBB Anschluss nach Erstfeld fuhr. Und dann ging es auf der alten Bahnstrecke, dreimal am berühmten Chileli von Wassen vorbei, Richtung Norden.

Der Herr in unserem Abteil begann plötzlich ausgehend von der schönen Bergwelt davon zu erzählen, dass es einmal im Paradies keine Berge mehr geben würde. Er sei im Koma gelegen und habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Und dann plauderte er eine gefühlte Ewigkeit vom Paradies, Jesus, von 7 mysteriösen Toren, welche man nach dem Tod durchschreiten müsse, aber das 7. Tor werde am Sonntag nicht geöffnet, weil Gott dann ruhe – und wir schauten einander immer verstohlener an, versuchten, uns selber in Gespräche zu verwickeln, uns hinzuweisen auf die vielen Wasserfälle, schöne Tessinerhäuser…. Nichts half – nichts stoppte seinen Redefluss. Was hätten wir tun können? Wir waren gefangen in seiner Gemeinschaft, im Viererabteil, konnten ihm nicht entfliehen. Irgendwann stoppte er dann doch mit der Bemerkung, er sei wieder hier auf die Erde zurückgekehrt nach seinem himmlischen Ausflug, um sich nun seinen nächsten Aufenthalt im Himmel, der dann ewig sein werde, zu verdienen durch möglichst gute Werke. Da schoben wir ganz kurz ein, dass wir glauben würden, das ewige Leben im Himmel würde uns laut Bibel geschenkt, man könne es nicht verdienen. Wir hätten alle gesündigt und Jesus sei deswegen auf die Erde gekommen, um uns unsere Sünden zu vergeben. Dieses Geschenk könne man annehmen oder auch nicht, aber durch eigene Werke könne man sich den Himmel ganz sicher nicht verdienen. Er wurde fast zornig und von da an sehr wortkarg, währenddem uns die Fahrgäste im Abteil nebenan ebenso verstohlen musterten, wie wir uns gegenseitig vorher. 😉

Ich weiss nicht, ob uns die Fahrt über die alte Strecke nach Norden deswegen im Vergleich zur Fahrt durch den Tunnel in den Süden wie eine Tagesreise vorkam.

In Erstfeld suchten wir zuerst den Shuttlebus, welcher uns dann aber zuverlässig zu unserem Ausgangspunkt auf den Parkplatz Rynächt brachte. Der Shuttletransport mit den Postautos hat überall super speditiv funktioniert.

Zuhause erwartete uns ein Gemisch aus Regen und Sonne, aus Süd- und Nordwetter.

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Nachtrag: danke Coop! 🙂 IMG-20160614-WA0000