Meine Vorstellung in der Facebookgruppe der Schweizer Schreibfrauen

In der Facebook-Gruppe Schweizer Schreibfrauen hat jede Frau Gelegenheit, sich vorzustellen. Heute ist die Reihe an mir und ich teile euch diesen Beitrag ebenfalls. 😉

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In der Facebook-Gruppe Schweizer Schreibfrauen hat jede Frau Gelegenheit, sich vorzustellen. Heute ist die Reihe an mir und ich teile euch diesen Beitrag ebenfalls. 😉
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#Vorstellung

Hoi zäme, Freundinnen der kreativenTippkunst. 😉 Ich lese eure Vorstellungen und bin begeistert, fasziniert, berührt und erstaunt über eure Werdegänge. Wir sind so unterschiedlich und doch verbindet uns so manches.

Wiedererkannt habe ich mich in Schilderungen von erlebtem Mobbing und Zuflucht im Schreiben. Auch ich füllte in solch schwierigen Zeiten als Kind und Jugendliche unzählige Tagebücher. Später schmiss ich sie alle weg, weil ich diese von Selbstmitleid triefenden Zeilen keiner Leserschaft zumuten und auch für mich hinter mir lassen wollte. Wie viele andere von euch, liebte auch ich das Aufsätze schreiben und erhielt gute Noten dafür. In der Mathe hingegen, hörte ich von einer Lehrerin, dass bei mir „Hopfen und Malz“ verloren seien. Ich glaubte ihr, denn als Kind soll man ja Erwachsene beim Wort nehmen. Dennoch schaffte ich die Töchterhandelsschule Luzern.

Ich schrieb seit der Kindheit gerne Briefe. Zeitweise hatte ich 10 Brieffreundinnen. Der Schreibverkehr war rege. Selbst Leserbriefe verfasste ich bereits als Kind. Meine Mutter erzählt heute noch jedem, dass ich im zarten Alter dem Gemeindepräsidenten von Emmen in einem offenen Brief vorhielt, dass er auf unserem Schlittelhügel das Emmen Center baute.

Da ich noch nie gern freiwillig telefonierte, kam mir das Internet mit der Möglichkeit, mich schriftlich ausdrücken zu können, sehr entgegen. Endlich fühlte ich mich in der Kommunikation mit meinen Mitmenschen so wohl wie ein Fisch im Wasser. Ich fand ein Forum für Depressive und konnte mit Menschen in den Austausch kommen, denen es so erging wie mir. Denn ich litt lange Jahre unter schwersten Depris. Seit ungefähr 15 Jahren bin ich Depri-frei. Ich knüpfte in diesem Forum Kontakte zu Menschen, die teilweise bis heute anhalten. Dass es sowas wie Hochsensibilität (HSP) gibt, erfuhr ich ebenfalls erst durch das Internet und ich erkenne mich in dieser Definition wieder.

Im Jahr 2003, wagte ich mich daran, eine Kindergeschichte zu verfassen, bei der sich das Kind immer wieder entscheiden kann, auf welcher Seite es weiterlesen möchte. So liest es sich kreuz und quer durch die 37 Seiten und erlebt dabei mehrere Varianten der Erlebnisse der Zwillinge John und Johanna. Meine gute Bekannte Maya Weekes, zeichnete Bilder, welche die Kinder ausmalen können und das Layout übernahm der Götti unseres Sohnes. Wir liessen das Büchlein in der Druckerei, in der er arbeitete, 100 Mal drucken.

Als das Novemberschreiben in der Schweiz aufkam, schrieb ich meinen ersten längeren Roman „Die Liebe ist rot“. Am Abend vor dem Start, wusste ich noch nicht, worüber ich schreiben könnte. Doch ich träumte von einer Frau, welche von Kopf bis Fuss rot gekleidet war. Ich fragte sie anderntags während des Schreibens nach dem Grund ihrer roten Bekleidung und etwas ganz „Spezielles“ begann: die rote Frau nahm mich Schritt für Schritt mit auf eine Reise, deren Ziel mir unbekannt war. Die Geschichte entwickelte sich zu meinem eigenen Erstaunen vor meinen Augen zu einer schlüssigen „Ganzheit“. Den ganzen Monat November lebte ich mit dieser roten Frau zusammen. So intensiv habe ich vor und nachher noch nie geschrieben. Gleichzeitig mit mir, verfasste auch unsere damals 14-jährige Tochter einen Novemberschreiben-Roman. Sie schrieb über ein Tuareg-Mädchen. Leider fand sich kein Verlag für unsere Manuskripte. Dieses Jahr, mit einem etwa 10-jährigen Abstand, lese ich mein Manuskript von damals wieder und redigiere es. Ich bin aber erst auf Seite 20 von 135 angelangt. Das Überarbeiten empfinde ich als um einiges herausfordernder, als das Schreiben vor 10 Jahren. Ich bewundere jede von euch, welche es geschafft hat, ein oder sogar mehrere Bücher heraus zu geben!

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Während dieses und der folgenden Novemberschreiben, lernte ich Blanca Imboden, ihre Mutter Madeleine Karin Mayerhofer DoblerIna HallerZora DebrunnerGaby Rudolf und andere Menschen persönlich, d.h. ausserhalb des Internets kennen. Freundschaften entstanden, für die ich bis heute so unendlich dankbar bin.

Später durfte ich, wie andere von uns Schweizer Schreibfrauen, für die Schweizer Familie „Bettmümpfeligeschichten“ schreiben, welche online veröffentlicht wurden. Leider gibt es diese Plattform nicht mehr. Selbst das Archiv wurde geschlossen.

Im Täxtzit erschienen zweimal Kurzgeschichten von mir.

In einem „richtigen Buch“ erschien 2016 erstmals ein Beitrag von mir. Das Buch „An der Sonne“ enthält ebenfalls eine meiner Kurzgeschichten.

Mein eigenes Buch in den Händen zu halten – und nicht „nur“ in einer Anthologie vertreten zu sein, das ist mein Traum, der hoffentlich eines Tages wahr wird. Doch momentan fehlt mir die Musse und vor allem auch die Disziplin, gradlinig an der Verwirklichung dran zu bleiben. Ich bin freiberufliche Journalistin zweier Verlage. Und ich freue mich sehr, dass ich meine Leidenschaft, nämlich zu schreiben, beruflich ausüben kann. Auch mein zweites Hobby, das Fotografieren, ist in diesem Beruf gefragt.

Nebst den zwei journalistischen Anstellungen, bin ich als Testkundin mehrerer Unternehmen tätig und Mitarbeiterin der reformierten Kirche und einer Freikirche.

Seit 31 Jahren bin ich glücklich verheiratet mit Andy. Wir haben drei Kinder: Tabitha (27), in deren Klasse ich ab und zu als Klassenassistenz mitarbeiten darf, Petra (25), Ergotherapie-Studentin und Tobias (17), Elektroinstallateur-Lehrling und Hobby-Veranstaltungstechniker mit Aeppli Production. Weiteres zu meinen Hobbies und zu meinem Leben, findet ihr auf beiliegendem Foto. Ich wurde „ge-blitzt“ für die Rubrik meines Auftraggebers, des Nidwaldner Blitz. Der Titel „Ge-Blitzt“ und die Fragen, stammen von mir. Wir haben schon viele Menschen „ge-blitzt“ und nun war ich selber mal dran.

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Ich freue mich auf den weiteren, tollen Austausch mit euch und wer weiss: vielleicht verirrt sich die eine oder andere auf meinen Gmerkigs – Blog , auf dem ich „Gmerkigs“ (Merkenswertes) in Wort und Bild festhalte. https://gmerkigs.blog/

(Juhui! Und da seid ihr ja! 😀 )

Zeitreise in die Vergangenheit

DSC_0026Vor rund 30 Jahren zog ich bei meinen Eltern aus. Ich nahm nicht viel mit, sondern liess das meiste meiner Besitztümer und Kindheitserinnerungen im Kinderzimmer zurück. Vor 28 Jahren heirateten Andy und ich. Meine Eltern zogen kurz darauf ins Elternhaus meines Vaters um. Dies war der Zeitpunkt, an dem ich, vieles aus meiner Kindheit in unseren ersten, gemeinsamen Keller verlagerte. Nach zwei Jahren wurde uns die Wohnung wegen Eigenbedarf gekündigt. Zur neuen Wohnung gehörte ein riesengrosser Estrich. Also zügelte ich meine in Schachteln gehorteten Kindheitserinnerungen ungesehen mit. 10 Tage vor der Geburt unseres Jüngsten zogen wir in eine grössere 5.5 Zimmerwohnung um und hatten noch einen geräumigeren Estrich (Dachboden) als bisher. So nahm ich wiederum alles ungesichtet mit. Nun müssen wir Ende März in eine 4.5 Zimmerwohnung umziehen – ohne Estrich, bloss mit einem Kellerabteil. Dies heisst für mich: das erste Mal in meinem Leben wirklich mal räumen und Abschied nehmen von Kindheitszeichnungen, Schulheften, Briefen meiner 6 Brieffreundinnen, Pokalen/Medaillen, Büchern, Zeitungen, Nippsachen, Puppen und Puppenkleider, Bastelsachen, Bildern, Wandbehängen, Instrumenten, Musiknoten, Chorlieder, Kassetten…..Zu meinen persönlichen Erinnerungsstücken gesellten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten munter Bastelerzeugnisse unserer drei Kinder, Geschenke und Briefe von ihnen, Fotos, Videos, CD’s….

Was da alles zum Vorschein kommen und einen erstaunen kann beim Räumen und Entrümpeln, habe ich in einem Album festgehalten.

Hätte sich beim Entrümpeln noch vor ein paar Jahren bloss die Optionen wegwerfen, behalten, verschenken oder verkaufen geboten, kommt heutzutage zum Glück eine weitere hinzu: digitalisieren. So ist unser Junge stundenlang beschäftigt mit Videos, Schallplatten und Kassettendigitalisierung – mit den neusten Programmen und hat auch bereits von auswärts Zusatzaufträge erhalten. Und wir restlichen der Familie – vor allem ich – scannen ebenso stundenlang Briefe, Fotos, Dias, Zeichnungen und anderes, was uns erhaltenswert erscheint. Nach dem Scannen können wir diese Dinge getrost entsorgen und haben so weniger Zügelballast.

Stichwort Ballast: wir veranstalteten einen Garagenflohmarkt, an dem wir das, was wir nicht mehr mitzügeln können, günstig verkauften.

Garagenflohmarkt

So kamen an die Fr. 600.– zusammen. Freude hatte ich vor allem, dass für mein Rössli Hü, welches ich in der Haushaltungsschule selber gemacht hatte, ein neues Leben beginnen wird: es wird bei meiner Schwester Gästekinder erfreuen.

Rössli Hü

Am Tag nach dem Garagenflohmarkt, hatte ich das Gefühl, es befänden sich immer noch genau soviele Waren in den zwei Garagen wie vorher. Deshalb lud ich per Facebook und Twitter ein, sich gratis aus dem grossen, verbliebenen Rest zu bedienen. Viele Menschen kamen und füllten Autos voll mit Waren wie einer Spielküche aus Holz, welche mein Schwager für die Kinder selber hergestellt hatte, Haushaltungsgegenständen, Spielen, Bettwaren, CD’s etc. Wiederum einen Tag später fuhr ein Kleintransporter der Brockenstube Stans auf. Leider nahmen sie nur zwei grosse, gefüllte Kartonkisten, ein Heizöfeli und eine handvoll Kinderbücher mit. Zurück blieb immer noch eine grosse Menge an Waren, welche man im Alltag gut verwenden könnte. Ich gab nicht auf und schrieb noch ein paar Dinge wie Stelzen, Steckenpferde, Wecker mit Spielschiessfunktion, Massivholztisch, Pult, Bücher, Spiele zum Verkauf, bzw. zum Verschenken auf Facebook aus. Wiederum meldeten sich einige Leute, welche sich nochmals entweder gratis oder für ein paar Franken bedienen konnten. Gestaunt habe ich über zwei Frauen, welche den Weg per ÖV auf sich nahmen, um sich ein paar Bücher, welche dem Altpapier geweiht waren, zu erbarmen. 😉

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Verblieben sind nun noch ein paar Kleinmöbel, ca. 25 gefüllte Kisten mit diversen Waren, welche ich versuche, Mitte Mai dem Sperrgut zu übergeben. Mich reut es, gewisse Sachen wie intakte Vasen, DVD’s, Knieschoner für Kinder und anderes einfach dem Güsel zu übergeben. 6 Kisten vollgefüllt mit Büchern, werden wir versuchen, der Bücher Brocki Luzern zu übergeben. Morgen holt jemand gratis das Pult aus meiner Kindheit ab und mein Mann bringt heute einer Familie die zwei Steckenpferde und zwei Paar Stelzen vorbei. Vielleicht werde ich im Dorf mal Kinder auf diesen Spielgeräten herumtollen sehen – das wird meine Freude sein!

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Zudem füllten wir unzählige Abfallsäcke, eine Kiste, einen grossen Stoffsack und einen Koffer mit guterhaltenen Kleidern, Bett- und Frottéwäsche, Schuhen, Spielen, Plüschtieren und diversen Sporttaschen, Rucksäcken, Taschen. Dies alles werden wir Mitte April der Kleidersammlung für AVC übergeben. Wir spenden bereits seit Jahrzehnten Waren und Geld für dieses Werk, welche Menschen weltweit, aber vor allem in Osteuropa unterstützt. So eine grosse Menge kam aber bisher bei unserer Familie noch nie zusammen. 😉

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Stichwort Ballast zum Zweiten: das grosse Aufräumen, Entrümpeln, Sichten, Entsorgen, war für mich wie eine Zeitreise zurück in meine Kindheits- und Jugendzeit. Ich bin eine Frau, welche nicht gerne Fotos aus alten Zeiten anschaut. Sie wecken in mir eine Wehmut nach einer vergangenen Zeit und dabei möchte ich doch lieber mein Leben heute leben. Aber es war gut, sich bewusst mit der Vergangenheit konfrontieren zu müssen. Wir haben als Familie viel gelacht, wenn wir 20jährige Videos betrachteten, welche unser 14jähriger digitalisierte oder wenn meine Kinderstimme aus einer alten Kassettenaufnahme ertönte. 😉 Unser Sohn hat gesehen, wie seine 8 und 10 Jahre älteren Schwestern aussahen, klangen und sich bewegten, als sie klein waren oder so alt, wie er jetzt ist. Und etwas ganz Wichtiges ist in meinem Leben geschehen: durch das Lesen alter Briefe wurden meine bisherigen Erinnerungen an meine Kindheit in ein ganz anderes Licht gerückt. Ich wurde geheilt. Es gab Erlebnisse, welche ich meiner Familie im Rückblick ganz anders erzählte, als dass sie sich jetzt in meinen Tagebucheinträgen oder in Briefwechseln darstellen. Meine persönliche Vergangenheit konnte ich auf diese Weise aufarbeiten und das allein war der ganze Aufwand des Räumens wert!